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Grundlagen der demoskopischen Marktforschung

  • Karl Christian Behrens
Part of the Studienreihe Betrieb und Markt book series (SBM, volume 1)

Zusammenfassung

Wie grundsätzlich alle empirischen Erscheinungen können auch die unter dem Begriff „Markt“ zusammengefaßten Phänomene Gegenstand mehrerer Wissenschaften sein. Insbesondere sind es zwei Disziplinen, die aus dem gemeinsamen Erfahrungsobjekt „Markt“ durch unterschiedliche Fragestellungen spezifische, arteigene Erkenntnisobjekte gewinnen: die Wirtschaftswissenschaft und die Sozialforschung, wobei unter „Sozialforschung“ die heute kaum noch voneinander trennbaren soziologischen und sozialpsychologischen Forschungsarbeiten verstanden werden sollen. In analoger Weise wird etwa auch das Erfahrungsobjekt „Betrieb“ je nach dem besonderen Gesichtspunkt, den man an die Betriebserscheinung heranträgt, zum Erkenntnisobjekt der Wirtschaftswissenschaft oder der Sozialforschung, weiterhin der Individualpsychologie, der Technologie usw.; als entsprechende Wissenschaften ergeben sich die Betriebswirtschaftslehre, die betriebliche Sozialforschung, die Betriebspsychologie., die „Betriebswissenschaft“ und so fort.

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Referenzen

  1. 1).
    Dies zeigt sich besonders bei theoretischen Marktuntersuchungen. So unterscheiden sich die betriebswirtschaftlichen Untersuchungen Gutenbergs (Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, II. Bd., Der Absatz, 3. Aufl., Berlin — Göttingen — Heidelberg 1959) von den traditionellen volkswirtschaftlichen Betrachtungen vor allem durch ihre größere betriebswirtschaftliche Detailliertheit.Google Scholar
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    Dodd hat als erster den Ausdruck „Demoskopie“ in die Literatur eingeführt und ihm folgende Bedeutung beigelegt: „Demoskopie“ ist (1) ein wissenschaftliches Instrument (2) zur Ermittlung von Fakten (3) eines repräsentativen Querschnitts (4) einer spezifischen Bevölkerung (Dodd, Stuart C: Developing Demoscopes for Social Research. In: American Sociological Review, Vol. 13, 1947, S. 310 ff.). Der Begriff „Fakten“ wird von Dodd sehr weit gefaßt; er schließt die gesamte Skala menschlicher Verhaltensweisen ein. Es ist wichtig festzuhalten, daß nach Dodd demoskopische Erhebungen im Gegensatz zu „surveys“ lediglich auf die Ermittlung: sozialer Fakten abgestellt sind. Die oben zitierte Stelle lautet im Original: „The four essentials of any demoscope are that it be (1) a scientific instrument; (2) for observing facts; (3) about a representative sample; (4) of a specified population.“ Der Begriff „Demoskopie“ ist unseres Wisens im deutschen Sprachbereich zuerst von. Dr. Elisabeth Noelle-Neumann verwendet worden.CrossRefGoogle Scholar
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    Manche Autoren verzichten auf eine Einführung des Einstellungsbegriffs und fassen die Einstellungen als Sonderfall der Meinungen auf. So unterscheidet F. Tönnies (Kritik der öffentlichen Meinung, Berlin 1922, S. 24) zwischen festen, flüssigen und gasförmigen Meinungen, wobei die „festen“ Meinungen sinngemäß unseren Einstellungen entsprechen.CrossRefGoogle Scholar
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    H. Proebsting (Meinungsforschung und Statistik, Tübingen 1957, S. 64) teilt die Meinungen in tatsachenbezogene und zielbezogene ein und unterscheidet bei den letzteren zweckbezogene, zukunftsbezogene und wertbezogene Meinungen. Da es bei den tatsachen-, zweck- und zukunftsbezogenen Meinungen stets um sachliche Gegebenheiten geht, stellen diese Meinungsarten Unterfälle unserer „Ansichten“ dar. Proebstings „wertbezogene“ Meinungen enthalten dagegen sowohl unsere „Geschmacksrichtungen“ als auch unsere „Einstellungen“.Google Scholar
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    Auch die sehr bekannt gewordene Fehlprognose bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl im Jahre 1948 war nur scheinbar ein Mißerfolg. Gallups Prognosewerte wichen vom tatsächlichen Ergebnis um maximal 4,5 Prozent ab und blieben damit im Bereich der statistisch zulässigen Fehlergrenze. Da aber beide Kandidaten Kopf an Kopf lagen, wurde diese Differenz entscheidend. Vgl. hierzu N. Mühlen, Glanz und Elend der Meinungsforscher, Der Monat, Heft 4, 1949, S. 61 ff.Google Scholar
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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1961

Authors and Affiliations

  • Karl Christian Behrens
    • 1
  1. 1.Frein Universität BerlinDeutschland

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