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Neue Anforderungen an die Organisationsstruktur von Krankenhäusern

  • Thomas Hurlebaus

Zusammenfassung

Das Krankenhauswesen steht seit mehr als einem Jahrhundert im Mittelpunkt der Gesundheitsversorgung und hat unbeschadet tief greifender politischer und gesellschaftlicher Veränderungen an seiner Dominanz im Gesundheitssystem wenig eingebüsst. Es lässt sich sogar die These vertreten, dass die technologische Entwicklung und die zunehmende Spezialisierung der medizinischen Berufsgruppen seine Position noch verstärkt haben. Gleichwohl zeichnen sich weitreichende Umstrukturierungen ab, die nicht zuletzt auf einen dramatisch gestiegenen Wettbewerbs- und Kostendruck zurückgeführt werden können.

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Literatur

  1. 1.
    In den folgenden Ausführungen wird der Begriff Krankenhaus angewendet, wenn sich die Aussagen explizit auf diesen Unternehmungstyp beziehen. Sonst wird der allgemeine Begriff Unternehmung be­nutzt. Des Weiteren wird, um den Lesefluss zu fördern, der Begriff Krankenhaus synonym für andere — z. B. Spital und Klinikum — verwendet und auch auf die geschlechtsspezifische Vollständigkeit der Begriffe verzichtet. Die Frage, ob mit zunehmender durchschnittlicher Lebenserwartung der Bevölkerung die Ausgaben für stationäre Krankenhausleistungen steigen, ist in der Literatur weitgehend umstritten. Vgl. zur Übersicht entsprechender Studien MOSSIALOS/LE GRAND (EU) 1999, S. 55 f., und SCHWARTZ/WALTER (Altsein) 2003, S. 171 ff.Google Scholar
  2. 2.
    Allerdings besteht Übereinstimmung darin, dass zum einen mit steigendem Anteil älterer nicht berufs­tätiger Bevölkerungsgruppen vermehrt Leistungen nachgefragt werden, zum anderen die insgesamt zur Verfügung stehenden Finanzierungsmittel der Krankenkassen in Abhängigkeit des Beitragsaufkom­mens tendenziell reduziert werden. Altere Menschen nehmen tendenziell mehr Leistungen in Anspruch und das Finanzierungsaufkommen der gesetzlichen Krankenkassen hängt weitgehend linear von der Grundlohnsumme ab. Sofern ältere Bevölkerungsgruppen aus dem Arbeitsleben ausscheiden, sinkt dieselbe.Google Scholar
  3. 3.
    So stellen MCKINLAY et al. (Mortality) 1989, S. 184, in ihrer historischen Untersuchung fest: „The dramatic reduction in infection disease mortality that continued during the 20th century has been offset by a rise in costly chronic diseases […1.“Google Scholar
  4. 4.
    Zu einer Übersicht entsprechender Studien siehe VERBRUGGE (Older) 1984.Google Scholar
  5. 5.
    In einem richtungweisenden Aufsatz unterstreichen GERSON/STRAUSS (Chronic) 1975, S. 17 f., die Implikationen mit folgender Aussage: „Reconceptualization and reorganization of care for chronic illness must focus on the overall need to solve the patient’s problems. This requires a reorientation of medical work, of hospital organization, and of the organization of funding programs. […], medical services must be reorganized to reflect the patients’ problems and their needs, not the technical division of medical labor.“ Vgl. auch STRAUSS (Comment) 1980.Google Scholar
  6. 6.
    Siehe bspw. BADURA (Krankenhaus) 1993, S. 29 f.Google Scholar
  7. 7.
    Siehe den Überblick zu den technologischen Entwicklungen in der Medizin in den letzten Jahrzehnten bei HOFFMANN (Entwicklung) 1991, HOFFMANN (Medizin) 1991 sowie LONGEST et al. (Organizations) 2000, S. 271 ff., und zu deren Auswirkungen auf die Kosten NEUMANN/WEINSTEIN (Technology) 1991, S. 22 ff. Zur Kritik an der These, dass Innovationen zu höheren Kosten führen, vgl. bspw. LAUTERBACH/STOCK (Dogmen) 2001, S. 6 ff.Google Scholar
  8. 8.
    Zur Charakterisierung der technologischen Entwicklung in der Medizin siehe GELIJNS/ROSENBERGGoogle Scholar
  9. 9.
    (Technological) 1994. Daten entnommen aus BREYER et al. (Gesundheitsökonomie) 2003, S. 2.Google Scholar
  10. 10.
    Siehe DEUTSCHE KRANKENHAUSGESELLSCHAFT (Zahlen) 2002, S. 46. Das Ziel der Beitragssatzstabilität als vorrangiges Ziel der Gesundheitspolitik ist nicht unumstritten. Siehe bspw. ARNOLD (Gesundheitswesen) 1997, S. 211. Der steigende Handlungsdruck auf die Krankenhäuser ist keineswegs neu. Siehe stellvertretend für viele frühere Veröffentlichungen GEORGOPOULOS (Introduction) 1972, S. 4 f.Google Scholar
  11. 11.
    Die Theorie der Regulierung lässt sich auf wohlfahrtstheoretische Überlegungen zurückführen. Auf der einen Seite sind grundlegende Voraussetzungen eines vollkommenen Marktes im Gesundheitswesen nicht gegeben, mit der Folge, dass eine reine marktliche Selbststeuerung der Akteure ein Marktversagen begründen würde. Bspw. kann das unvollständige Wissen des Patienten gegenüber dem behandelnden Arzt hinsichtlich der notwendigen Behandlung dazu führen, dass der Arzt Leistungen erbringt, die nicht im Interesse des Patienten liegen. Auf der anderen Seite würde die zentrale staatliche Planung aufgrund der eingeschränkten Planbarkeit der Gesundheitsversorgung ein Staatsversagen begründen;Google Scholar
  12. 12.
    Phänomene wie lange Wartelisten für stationäre Behandlungen sind die Folge. Die Entscheidungsalternativen lassen sich wie folgt abgrenzen: „The relevant comparison is between imperfect markets and imperfect regulations.“ PAULY (Competition) 1989, S. 27.Google Scholar
  13. 13.
    Siehe zum Marktversagen BREYER et al. (Gesundheitsökonomie) 2003, S. 167 ff., SOMMER (Gesundheitssysteme) 1999, S. 97 ff. Zur Unzulänglichkeit staatlicher Regulierungsstrategien vgl. SOMMER (Gesundheitssysteme) 1999, S. 39 ff.Google Scholar
  14. 14.
    Daten entnommen aus DEUTSCHE KRANKENHAUSGESELLSCHAFT (Zahlen) 2002, S. 70. Siehe auch grundlegenden Vergleich bei SCHÖLKOPF/STAPF-FINE (Vergleichs) 2003 und Vergleich zum Einsatz neuer Technologien bei REINHARDT et al. (Comparisons) 2002, S. 178.Google Scholar
  15. 15.
    Die für Krankenhäuser in Deutschland abgeleiteten Gestaltungsaussagen lassen sich auch auf Krankenhäuser in anderen Staaten unter Beachtung der länderspezifischen Besonderheiten übertragen. Siehe zur Charakterisierung der Gesundheitssysteme in der Europäischen Union MOSSIALOS/LE GRAND (EU) 1999, in der Schweiz ORGANIZATION FOR ECONOMIC CO-OPERATION AND DEVELOPMENT (Systems) 1994, S. 285 ff., und in den USA LONGEST et al. (Organizations) 2000, S. 43 ff.Google Scholar
  16. 16.
    Verschwendung im Gesundheitsbereich ist kein neues Thema. Siehe bspw. KOCHER (Ökonomische) 1980, S. 84 ff., und WOODCOCK (Health) 1977, S. 37 ff.Google Scholar
  17. 17.
    Der Vergleich bezieht sich auf das Jahr 1991 und nicht auf das Jahr 1990.Google Scholar
  18. 18.
    Daten entnommen aus DEUTSCHE KRANKENHAUSGESELLSCHAFT (Zahlen) 2002, S. 21, S. 31 und S. 38.Google Scholar
  19. 19.
    So stellt bspw. MÖNCH (Erfolg) 1997, S. 465, heraus: „[Innerhalb des Krankenhauses, T. H.] brillieren Ärzte als Künstlerhandwerker. Die Leistungserbringung erfolgt auf Zuruf. In einer Art Haufen-Organisation arbeitet jeder mehr oder weniger für sich, Spezialisierung behindert die interdisziplinäre Leistungserbringung. Der Patient wird in einer Art Sprungverfahren durch das Haus manövriert.“Google Scholar
  20. 20.
    Siehe stellvertretend für viele Publikationen CHARNS/SCHAEFER (Organizations) 1983, CHARNS/ TEWKSBURY (Management) 1993, GREEN (Hospital) 1974, LONGEST et al. (Organizations) 2000 und SHORTELL/KALUZNY (Management) 2000. Zu einer vergleichenden Untersuchung über die Publikationshäufigkeit zum Thema Krankenhausmanagement in Deutschland und den USA, die die aufgestellte These stützt, vgl. HELMIG/TSCHEULIN (Krankenhausmanagement) 1998.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Thomas Hurlebaus

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