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Sicherheit beim Einsatz von Sprachmittlern in polizeilichen Ermittlungsverfahren

  • Norbert Raimer
Chapter

Zusammenfassung

Berichten von Polizeipraktikern zufolge ist die Zusammenarbeit mit Sprachmittlern heute polizeilicher Alltage2. Häufigkeit und Art der Zusammenarbeitsanlässe (z. B. Vernehmungen, Begleitung von Maßnahmen nach §100a StPO, aber auch Zusammenkünfte von Polizeibediensteten unterschiedlicher Staaten und Muttersprache) sind dabei noch keiner umfassenden statistischen Aufarbeitung zugeführt worden. Verschiedene etablierte Indikatoren lassen jedoch den Schluss zu, dass ein nicht unerheblicher Bedarf besteht, ermittlungsunterstützend Personen einzusetzen, die einer fremden Sprache (als Ausgangs- und / oder Zielsprache) und des Deutschen (als Zielsprache bzw. Ausgangssprache) kundig sind.

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Literatur

  1. 2.
    Z. B.: Jogerst, Hans (Kripo Kehl): Der Dolmetscher und die Polizei, in: Mitteilungsblatt des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (MDÜ), 1/1996, S. 21–25.Google Scholar
  2. 3.
    „Gleichwohl sind Zuwanderer, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil, unter den in der PKS registrierten Tatverdächtigen deutlich höher belastet.“ Aus: BMI/BMJ (Hg.): Erster Periodischer Sicherheitsbericht (Kurzfassung), Elz, 2001; vgl. Ziffer 2.11.1; www.bmi.bund.de.
  3. 4.
  4. 5.
    Ludwig, Erwin: Vernehmungen mit Hilfe eines Dolmetschers, in: NPOL, 31/1977, S. 140–142; Lindemann, André: „Übersetzungsmaschine“ oder „Hilfspolizist”?, in:der kriminalist, 3/2001, S. 108–111.Google Scholar
  5. 6.
    Vgl. Sächsisches Gesetz über die öffentliche Bestellung und allgemeine Beeidigung von Dolmetschern und Übersetzern (Sächsisches Dolmetschergesetz — SächsDolmG — vom 16.06.1994).Google Scholar
  6. 7.
    Amnesty International: „Iran - Eight Years of Death Threats Salman Rushdie“, www.web. amnesty.org/ai.nsf/index/MDE130171997 Übersetzung vom Verfasser.Google Scholar
  7. 8.
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  8. 9.
    „In einem mit kaum wiederholbaren [sic] Aufwand betriebenen ‘Pilotprojekt’ sind die Frankfurter Staatsanwaltschaft und das Bundeskriminalamt einer internationalen Geldwäsche-Organisation auf die Spur gekommen. (…) allein die Kosten für die Übersetzung der rund 170.000 Gespräche beliefen sich auf sechs Millionen Mark.“ Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung: Wechselstube als Umschlagplatz für Geld aus Drogengeschäften, Ausgabe vom 22.03.1997, S. 59 und 60.Google Scholar
  9. 10.
    Einer der Verteidiger vermerkt dazu in seinen Memoiren: „Wenn wir’s übersetzt gehabt hätten! An der russischen Übersetzung hat es gelegen. Französische, englische Übersetzungen waren rasch zu beschaffen. Wo aber wäre ein geeigneter Russe aufzutreiben gewesen, der nicht zur Delegation gehörte? Und wenn — wären gegen eine private Übersetzung Einsprüche gekommen, denn die Dolmetscher des Generalsekretärs hatten das Monopol für beglaubigte Übersetzungen. Wenn man aber das Schriftstück durch die offiziellen Dolmetscher hätte übersetzen lassen, wäre das Überraschungsmoment weggefallen…“ Aus: Koch, A.: Übersetzen und Dolmetschen im ersten Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, in: Lebende Sprachen, Nr. 1/1992, S. 1–6.Google Scholar
  10. 11.
    Das Lagebild Organisierte Kriminalität 2000 nennt in seiner Auflistung von Problemfeldem bei der Bearbeitung von OK-Ermittlungsverfahren die „Gewinnung und Zuverlässigkeit von Dolmetschern“; vgl. auch www.bundeskriminalamt.de.
  11. 12.
    Jogerst, a.a.O.: „Je mehr Vorkenntnisse zum Ereignis der Dolmetscher vor seiner eigentlichen Übersetzungstätigkeit hat, um so effektiver kann er arbeiten.“ — Yesiltepeli, Sema: „Ideal wäre es natürlich, wenn der Dolmetscher `Hintergrundinformationen’ hätte…”, aus: „Dolmetscher bei der Polizeiarbeit“, in: Hessische Polizei-Rundschau (HPR), 5/2000, S. 17, 18; Ausführlich begründend und mit instruktiven Beispielen für Missverständnisse auf Grund mangelnder Information des Sprachmittlers hierzu: Gürkan, Aygün: Dolmetscher, in: kriminalist, 9/1985, S. 362–363.Google Scholar
  12. 13.
    „Sie [die Sprachmittler] kennen häufig die simpelsten Regeln nicht, die Grundlage einer guten Übersetzung sein müssen, weil sie keine Fachdolmetscher sind, sondern in der Regel beeidigte Laien.“ Aus: Volkmar, R.-Dieter: Kriminalistische Akustik und Telefonüberwachung (TO), in: der kriminalist, 4/97, S. 191–206.Google Scholar
  13. 14.
    Hierzu implizit Donk/Schröer: „So mangelt es ihnen [den Dolmetschern] in der Regel an dem entsprechenden kriminalistischen Verständnis.“ Aus: Donk, Ute/Schroer, Norbert: Kommunikationsprobleme in Vernehmungen mit ausländischen Beschuldigten, in: Ethniitat, Konflikt und Recht; Probleme von Assessment und Begutachtung in Strafverfahren mit Beteiligten ausländischer Herkunft [interdisziplinäres Symposium vom 06.02. - 08.02.1997 in Bad Homburg], MschrKrim: Sonderheft, 82/1999, S. 73–81.Google Scholar
  14. 15.
    S. Fn. 11.Google Scholar
  15. 16.
    Bevorzugt werden… in erster Linie Personen, die in einer sporadisch erscheinenden Liste der generell vereidigten Dolmetscher und Übersetzer enthalten sind.“ Aus: Kalleicher, Hermann: Dolmetscher, in: kriminalist, 4/1985, S. 167.Google Scholar
  16. 17.
    Nicht in allen Bundesländern haben die zuständigen Justizbehörden die Formulierung des GVG übernommen, sodass es heute bundesweit keine einheitliche Sprachregelung gibt. So unterscheidet die Justizverwaltung in Bremen beispielsweise nach Dolmetscher-bzw. Übersetzereigenschaft: vgl. die Allgemeine Verfügung des Senators für Justiz und Verfassung über die allgemeine Beeidigung von Dolmetschern und die Ermächtigung von Übersetzern für gerichtliche und notarielle Angelegenheiten vom 11. April 1995 (vorher: öffentliche Ernennung beeidigter Dolmetscher und Übersetzer vom 5. Juli 1949); zitiert nach: Schreiber, Ingrid (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. — BDÜ): Vereidigung bzw. Beeidigung/Ermächtigung/öffentliche Bestellung — Ein Ländervergleich, in: BDÜ-Manuskript, Stand 1997.Google Scholar
  17. 18.
    Zur Mehrdeutigkeit des Protokollvermerks „allgemein beeidigt“ vergleiche auch BGH, Urt. v. 20.04.1982 — 1 StR 833/81 (LG Konstanz), in: NJW 48/1982, S. 2739.Google Scholar
  18. 19.
    „Nur muss man wissen, dass in den besagten Listen… 1. nebenberufliche Sprachkundige, 2. gerichtlich nicht-beeidigte… 4. gerichtlich allgemein beeidigte, vereidigte oder öffentlich bestellte Dolmetscher und ermächtigte Übersetzer in der Regel ohne besondere Kennzeichnung ihrer fachlichen Qualifikation friedlich nebeneinander aufgeführt sind.“: Gürkan, a.a.O., S. 365.Google Scholar
  19. 20.
    Vgl. Fn. 17.Google Scholar
  20. 21.
    Ranking nach Stoll, K. H.: Zukunftsperspektiven der Translation, in: Lebende Sprachen, 2/2000, S. 49.Google Scholar
  21. 22.
    Lober, Burckhardt: EU-Übersetzer und Dolmetscher in Spanien, in: MDÜ, 5–6/1999, S. 32–33.Google Scholar
  22. 23.
    Weigelt, Helga: Sharing Good Practice, in: MDÜ, 4–5/2002 S. 63–66.Google Scholar
  23. 24.
    Istomina, Irina: Wenn Laien dolmetschen, in: Deutsche Polizei, 12/2000, S. 15–18.Google Scholar
  24. 25.
    Soukup-Unterweger, Irmgard: Gerichtsdolmetscher-Zertifizierung in Österreich, in: MDÜ, 1/2003, S. 10–12.Google Scholar
  25. 26.
    Um das unscharfe Attribut „exotisch“ inhaltlich anzureichern, bietet es sich an, damit all jene Sprachen zu bezeichnen, für die in Deutschland keine staatlich anerkanntenPrüfungen bestehen, d. h. weder solche von einer (Fach-)Hochschule noch von einem sonstigen, außeruniversittiren staatlichen Prüfungsamt.Google Scholar
  26. 27.
    Ludwig, a.a.O.Google Scholar
  27. 28.
    Schreiber, a.a.O.Google Scholar
  28. 29.
    „Sie kamen aus Universitäten, hatten `mal political science studiert, waren fur einpaar Jahre Lehrer gewesen (…) Als ich diese research assistants in Washington engagierte, suchte ich im Prinzip immer jemanden, der in Deutschland oder Amerika geboren war, in Deutschland oder Amerika sein Abitur gemacht und in beiden Ländern irgend etwas studiert hatte, das als Grundlage fur die Beschäftigung in Nürnberg eine Rolle spielen konnte.“ Aus: Koch, a.a.O.Google Scholar
  29. 30.
    Grimes, Barbara G./Grimes, Joseph E. (Hg.): Languages of the World, SIL International, 14. Aufl., 2003, vgl. www. ethnologue.com; ebenso: Roth, Hans Peter: Sprachen sterben stumm, in: brückenbauer, Nr. 31, 30.7.2002, www.brueckenbauer.ch.
  30. 31.
    Liebl, Rudolf: Wiesbaden ist nicht Babylon, in: Kriminalistik, 10/1987, S. 542–544.Google Scholar
  31. 32.
    So hatte z. B. die Landespolizeidirektion Stuttgart II in der FAZ vom 17.08.1991 eine Stellenanzeige für einen/eine Leiter/in für den Fremdsprachendienst BAT III/I1ageschaltet, sodass dort vom Vorhandensein einer Mehrzahl von Sprachmittlern auszugehen ist.Google Scholar
  32. 33.
    Ludwig, a.a.O.Google Scholar
  33. 34.
    Gürkan, a.a.O., S. 363.Google Scholar
  34. 35.
    „Da die Übersetzungsarbeit während polizeilicher Vernehmungen durchaus lukrativ ist…, sind die Dolmetscher daran interessiert, die Übersetzungsarbeit bei der Polizei zu übernehmen.“ Aus: Donk, Ute/Schröer, Norbert: Die Vemehmung nichtdeutscher Beschuldigter, in: Kriminalistik, 6/1995, S. 401–405.Google Scholar
  35. 36.
    Beispiel Brandenburg nach Lindemann, a.a.O.Google Scholar
  36. 37.
    BGH, Urt. v. 21.08.1996 — 2 StR 234/96 (LG Mainz), in: NJW 47/1996, S. 3158.Google Scholar
  37. 38.
    So etwa: Jogerst, a.a.O.: „Im Übrigen kann bezüglich der Zuverlässigkeit und Diskretion davon ausgegangen werden, dass gerichtlich beeidigte Dolmetscher mit der Abnahme ihres Eides in den Personenkreis der „für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter“ [sic] aufgenommen werden und damit automatisch dem Verpflichtungsgesetz unterliegen.” Ebenso: Lindemann, a.a.O.Google Scholar
  38. 39.
    Jogerst, a.a.O.Google Scholar
  39. 40.
    Istomina, a.a.O.Google Scholar
  40. 41.
    Ludwig, a.a.O.Google Scholar
  41. 42.
    „Wir erhalten gelegentlich Hinweise, wonach Dolmetscher von der kriminellen Gegenseite unter Druck gesetzt werden. Die Gefahr scheint dann größer zu sein, wenn derDolmetscher derselben ethnischen Gruppe wie der Tatverdächtige angehört.“: Sielaff, W.: Ausländerkriminalität — Inzwischen fast jeder Fünfte…”, in: Kriminalistik, 12/1988, S 643.Google Scholar
  42. 43.
    Ludwig, a.a.O.Google Scholar
  43. 44.
    Yesiltepeli, a.a.O.Google Scholar
  44. 45.
    Vgl. Bundeskriminalblatt Nr. 126/1999, S. 4.Google Scholar
  45. 46.
    In Hessen waren in einem bestimmten Zeitraum 71% aller V-Personen vorbestraft. Vgl. dazu Scherp, Dirk: Die polizeiliche Zusammenarbeit mit V-Personen: Eine Untersuchung von Führungskonzepten und Motivationsstrukturen, 1992, S. 83 ff.Google Scholar
  46. 47.
    Daum, Ulrich: „Aktuelles zur JVEG-Reform“, MDÜ, 1/2003, S. 7–9.Google Scholar
  47. 48.
    Höver, Albert: Gesetz über die Entschädigung von Zeugen und Sachverständigen, Köln, 201997, S. 173.Google Scholar
  48. 49.
    „Unter Dolmetschen verstehen wir die Translation eines einmalig (in der Regel mündlich) dargebotenen Textes der Ausgangssprache in einem nur bedingt kontrollierbaren und infolge Zeitmangels kaum korrigierbaren Text der Zielsprache.“ Aus: Snell-Hornby, a.a.O., S. 37.Google Scholar
  49. 50.
    „(…) ich nenne die Arbeit bei einer TO nicht Dolmetschen, sondern Übersetzen, denn das „Gehörte“ wird nicht simultan oder konsekutiv gedolmetscht, sondern übersetzt und auf Papier gebracht (…)” Aus: Yesiltepeli, a.a.O.Google Scholar
  50. 51.
    Deutscher Bundestag, BT-Drucksache 14/3987 vom 14.08.2000, S. 6.Google Scholar
  51. 52.
    Volkmar, a.a.O.Google Scholar
  52. 53.
    Glagau, Monika: Umfassende Einsatzplanung von Dolmetschern, in: Oracle Business Solutions, 2/2000, S. 62, 63.Google Scholar
  53. 54.
    Deutscher Bundestag, BT-Drucksache 14/3987 vom 14.8.2000, S. 6.Google Scholar
  54. 55.
    Bundessprachenamt (Hg.): Schrift über Entstehung, Aufgaben und organisatorische Struktur des Bundessprachenamtes, Hürth, 1982.Google Scholar
  55. 56.
    Schneider, Ferdi: Eignungsprüfungen für Sprachmittler im Bundessprachenamt, in: Lebende Sprachen 4/1979, S. 150–153.Google Scholar
  56. 57.
    Vgl. Teil III Abschnitt A Unterabschnitt I Bundes-Angestelltentarifvertrag (BAT), sog. Fremdsprachentarifvertrag Bund.Google Scholar
  57. 58.
    Sielaff, a.a.O., S. 646; ebenso: Gürkan, a.a.O., S. 369.Google Scholar
  58. 59.
    Vgl. Fn. 32.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Norbert Raimer

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