Advertisement

Das Subjekt

Chapter
  • 90 Downloads
Part of the Literaturwissenschaft book series (Liwi)

Zusammenfassung

Die vorangehende Analyse führt zu dem Ergebnis, daß die Konstitution des Subjekts bei Hesse und Kazantzakis auf Beziehungen des Eigenen und des Fremden zurückzuführen ist, die auf die Kategorien Individuum vs. Masse, Herr vs. Knecht und Mann vs. Frau bauen: Auf der Basis jeder dieser drei Differenzen läßt sich eine binäre Teilung der Charaktere fir den jeweiligen Roman bestimmen, die unterschiedliche Bedeutungsfelder enthüllt. Auf diese Weise ergibt sich für die semantische Achse Individuum vs. Masse folgende Teilung der Charaktere:

Werk

Indibiduum

Masse

1. Demian

Sinclair

seine Mitschüler, Vater- bzw. Mutterwelt, die restlichen Charaktere

2. Siddhartha

Siddhartha

die Kindermenschen

3. der Steppenwolf

Harry Haller

das „Bürgertum“

4. Freiheit oder Tod

Kapitän Michalis

die Türken / die Kreter (Außnahme zu dieser Regel bilden die Mithämpfer Kapitän Michalis’

5. Sorbas

der Chef

die restlichen Charaktere (außer Stavridakis)

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Damit sollen die anthropologischen Merkmale der Charaktere klar von den sozialen abgetrennt werden. Auf diese Weise wird z.B. der Chef, der auf sozialer Ebene als Arbeitgeber der Kategorie “Herr” angehören würde, unter dem Merkmal “Knecht” (Hegel) plaziert.Google Scholar
  2. Zum Thema Matrizierbarkeit s. Link, Jürgen: Zur Theorie der Matrizierbarkeit, a.a.O.Google Scholar
  3. Diese Charaktere könnte man auch als “erhaben” im Sinne von Kant bezeichnen, wegen des Gefühls, das sie beim Subjekt verursachen. (vgl. Kant, Immanuel: Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen, Anton Hain, Frankfurt a. M. 1993) Es handelt sich um ein Gefühl “von feinerer Art, welches entweder darum so genennet wird, weil man es länger ohne Sättigung und Erschöpfung genießen kann, oder weil es so zu sagen eine Reizbarkeit der Seele voraussetzt […]” (S. 10) “Das Erhabene rührt”, (S. 11) und “muß jederzeit groß” sein (S. 13). Bezüglich der Seele betont Kant: “Die Empfindungen des Erhabenen spannen die Kräfte der Seele stärker an und ermüden daher eher.” (S. 14)Google Scholar
  4. Freiheit oder Tod, S. 210.Google Scholar
  5. Freiheit oder Tod, S. 211.Google Scholar
  6. Sorbas, S.337 f. Außerdem ist nicht zu übersehen, daß es auch bei Kazantzakis Helden gibt (wie z.B. der Chef als Schriftsteller oder Kapitän Michalis, Manolios in der Griechischen Passion oder Jesus in der Letzten Versuchung), die sich in der Imagination abheben oder die Ebene der Sinnlichkeit verlassen, weil ungebrochene Identität und Überwindung jeglicher Differenz - für Hesse - nicht in der Kontiguität existieren können. (vgl. Benning/Petropoulou, a.a.0.)Google Scholar
  7. Als Beispiel kann die innere Entwicklung Demians in der Phase des Malens des Porträts erwähnt werden, die einen realen Aktanten fordert, der am Anfang Beatrice ist und dann durch Frau Eva ersetzt wird.Google Scholar
  8. Ein spezifischer Eurozentrismus muß aus Gründen, die im folgenden erläutert werden, entschuldigt werden. Literarische Internationalität wurde aus der Sicht des Europäers fast immer unbewußt eurozentrisch verstanden. vgl. dazu auch, Schmeling, M.: Thomas Mann, André Gide und Europa. Aspekte einer grenzübersteigenden Literaturbetrachtung, übers. von Evi Petropoulou, Comparaison, (6), Juni 1995, S. 7–24, S. 7.Google Scholar
  9. Dieselbe Meinung teilt auch Prevelakis, der Kazantzakis’ Schreibweise auf den Zeitgeist zurückführt, der charakteristisch von dem Schriftsteller R. Rolland in seiner Einführung zu Péguy unter dem Titel Das Jahr neunzehnhundert (aus dem Griechischen übersetzt) detailliertGoogle Scholar
  10. Lukäcs, Georg: Die Theorie des Romans. Ein geschichtsphilosophischer Versuch über die Formen der großen Epik, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1994, S. 51.Google Scholar
  11. Zum Thema Subjekt und Identiät um die Jahrhundertwende und später s. Prevelakis, P.: Vierhundert Briefe, S. iß“, tS”ff.Google Scholar
  12. s. dazu Kap. B. II. 1.Google Scholar
  13. Prevelakis, P.: Vierhundert Briefe, a.a.O., S. 14’ [Brief 62] (Übersetzung von der Autorin).Google Scholar
  14. Übersetzung von der Autorin) ibid., S. 14“.Google Scholar
  15. Rechenschaft vor El Greco, S. 287.Google Scholar
  16. Prevelakis sieht hier einen Einfluß durch K. Jaspers. s. (Vierhundert Briefe, a.a.O., S. KO’)Google Scholar
  17. ibid. S. iteGoogle Scholar
  18. Es handelt sich um die Hauptfigur aus Kazantzakis’ Epos, Odyssee, das er als sein HauptwerkGoogle Scholar
  19. betrachtet. Es wird somit plausibel, warum er Odysseus als Repräsentanten der von ihm konzipierten Subjekte auswählt, um sich mit ihm zu identifizieren. Außerdem trägt Odysseus mehrfach symbolische Projektionen.Google Scholar
  20. Rechenschaft vor El Greco, S. 431.Google Scholar
  21. Demian, S. B.Google Scholar
  22. vgl. Pfeifer, M.: Hesse Kommentar, a.a.O., S. 36 f.Google Scholar
  23. Lukkcs, Georg: Die Theorie des Romans, a.a.0., S. 56.Google Scholar
  24. ibid. Dieses bestätigt Hesse in Siddhartha: “Andre [Menschen] aber, sind wie Sterne, […] in sich selber haben sie ihr Gesetz und ihre Bahn.” (S. 61) und Kazantzakis durch Kapitän Michalis. Mit der “Ich bin Kreta”-Aussage schafft er sein eigenes Gesetz. (vgl. auch Sorbas, S. 23.)Google Scholar
  25. Diese These bestätigt für Kazantzakis P.Prevelakis in seinem Buch durch die innere Biographie des Autors und entsprechend für Hesse die zwei von V. Michels zusammengestellten Bände Politik des Gewissens (Bd. 1 und 2, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1981 ). Die Schriftsteller nehmen dieselben “beängstigende[n] Zeichen der Zeit” wahr. (Das Glasperlenspiel, S. 22). Ihre Epoche wird als “feulletonistisches Zeitalter” in Hesses Das Glasperlenspiel (v.a. S. 16 u. 22 f.) und in Kazantzakis Essays [Die Bankrotterklärung der Wissenschaft und Was mir die Mohnblümchen sagen?, a.a.O.] dargestellt. Sehr charakteristisch wird die Epoche in den Briefen an Galateia, a.a.O. ausgedrückt: vgl. v.a. Briefe 41, 43, 44, 45, 54, 75 u.a. So im Brief 43 auf S. 112: “Die ganze Welt wackelt, erlebt die Agonie, befindet sich vor dem Untergang; es kann nicht mehr lange dauern.” (Übers. von der Autorin)Google Scholar
  26. Hesse, Hermann: Politik des Gewissens, Bd. 1, a.a.O., S. 10. moralischen, ästhetischen Werte, auf denen es gründet, fordern. Dieser Prozeß führt notwendigerweise zu Indentitätskrisen, wie z.B. Haller, der an die Gespaltenheit seiner Existenz glaubt. Die Erscheinung solcher Identitätskrisen in den zeitgenössischen Romanen muß auf Modernitätserfahrungen zurückgeführt werden. Der Autor arbeitet immer mit Materie, die “zugleich die Last der bereits in sie eingegangenen Kultur […] mitschleppt”33, konstatiert Umberto Eco in der Nachschrift zum “Namen der Rose ”.Google Scholar
  27. Eco, Umberto: Nachschrift, a.a.O., S. 18.Google Scholar
  28. s. Zima, P.: Krise des Subjekts als Krise des Romans. Überlegungen zur ‘Kritischen Theorie’Google Scholar
  29. und den Romantexten Prousts, Musils, Kafkas und liesses, in: ders.: Roman und Ideologie, S. 31–53, vgl. auch das Vorwort, v.a. S. 9.Google Scholar
  30. Ziolkowski erwähnt die strukturelle Affinität bei der Bearbeitung der Zeit in Hesses DemianGoogle Scholar
  31. und Siddhartha mit Joyce’s Epiphanien (und Stephen Hero) und Prousts “technique of association”, sowie die Zeitbearbeitung in Manns Doktor Faustus; s. The novels of…, a.a.O., S. 47. Daneben stellt auch Ziolkowski die Beziehungen zwischen Hesse, Rilke, Mann, Broch und Joyce fest. (vgl. S. 48) Die Relation Hesses (und fir uns mutatis mutandis auch Kazantzakis’) zu den Existenzialisten bespricht er auf Seite 32.Google Scholar
  32. s. Aldridge, Owen A.: The modern spirit: Kazantzakis and some of his contemporaries, in: Journal of modern Literature, Bd. II. (2), 1971–2, S. 303–313, s. hauptsächlich S. 309.Google Scholar
  33. vgl. Prevelakis, P.: Vierhundert Briefe, a.a.O., (bezüglich des Außenseitertums) S. tß“ (s. ibid. auch Anmerkung 29).Google Scholar
  34. Kerényi, K.: in Kazantzakis, Nikos: Komödie. Tragödie in einem Akt mit einer Einführung von K. Kerényi, (Sonderheft Propyläa, Zürich, 1969), S. 6 ff. Das Thema der Relationen Kazantzakis mit Beckett und Sartre diskutiert detailliert Gerhard Emrich in seinem Artikel Nikos Kazantzakis’ Komödie, ein Vorläufer von Sartres “Huis Clos” und Becketts “En Attendant Godot”?, in: Folia Neohellenica, Zeitschrift für Neogräzistik, Festschrift Nikos Kasantzakis 1883–1983, Band V, Verlag A. M. Hakkert, Amsterdam 1983, S. 79–88. Zum Thema der Modernität bei Proust, Musil, Kafka, Beckett, s. auch Fues, Wolfram Malte: Ästhetik im Widerspruch. Ein Exposé zu Peter Bürgers ‘Prosa der Moderne’, in ders.: Text als Intertext: Zur Moderne in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, Winter Verlag, Heidelberg 1995 (Probleme der Dichtung, Bd. 23), S. 226–268, v.a. 251 ff.Google Scholar
  35. Lukdcs, Georg: Die Theorie des Romans, a.a.O., S. 56 f.Google Scholar
  36. Adorno, Theodor W.: Negative Dialektik, 7. Aufl., Suhrkamp, Frankfurt 1992, S. 126.Google Scholar
  37. ibid, S. 126 f. unbeabsichtigten Nebenfolgen unseres Handelns, es ist vielmehr die Unmöglichkeit der begründeten Trennung von Wirklichkeit und Fiktion, wie die nicht-fixierbaren Spannungsverhältnisse zwischen Strukturen und Interpretationen, die die vermeintliche Zuverlässigkeit unserer Urteile und die Legitimation der Intentionen und Resultate unseres Handelns in Frage stellen.“Google Scholar
  38. van Reijen, Willem: Die authentische Kritik der Moderne, a.a.O., S. 20.Google Scholar
  39. vgl. den Auszug aus einem Interview von Em. Levinas zu Andre Dalmas in dem Buch von Emmanuel Levinas Sur Maurice Blanchot, [Fata Morgana 1975; zitiert nach der griech. Übersetzung in: Blanchot, Maurice: O re)erzaIoç âvOpwnoç (Der letzte Mensch), Agra Verlag (Exöónctç Aypa), Athen 1994–Übersetzer: D. Dimitriadis–(Orig.: Le Dernier Homme, Editions Gallimard, 1957 ), S. 147–148.Google Scholar
  40. s. ibid. sowie das Lexem Blanchot von A. Clavel, in Dictionnaire des Littératures de Langue Française (zitiert in der gr. Übersetzung als Einleitung in Blanchot, M. (Der letzte Mensch), a.a.O., S. 9–17, hauptsächlich S. 11 ff.)Google Scholar
  41. So P. Zima über A. Robbe-Grillet in Roman und Ideologie, a.a.O., S. 247; s. auch über das Thema “Nouveau Roman”, S. 265. Den Unterschied zwischen Moderne und Nouveau Roman bzw. Postmodeme sieht er in der Behandlung und Existenz des Subjektbegriffes auf aktantieller Ebene im Romantext. (vgl. v.a. S. 250 und 267) Bezüglich der Autoren der Moderne erwähnt Zima, daß diese Anspruch erheben, “die Wirklichkeit als Sinnzusammenhang zu definieren. (S. 249)Google Scholar
  42. Durch den Begriff “Moderne” ist hauptsächlich die zweite Hälfte dieser Periode gemeint, die Zeit etwa von der Jahrhundertwende bis ça in die 60er Jahre.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations