Advertisement

Logik im Recht pp 257-285 | Cite as

6. Kapitel: Handlungslogische Strukturen

  • Jan C. Joerden
Chapter
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Die Vornahme von Handlungenbezieht sich prima facieauf Veränderungen des Status quo. Nun finden Veränderungen des Status quo allerdings auch statt, ohne dass es dazu der Vornahme einer Handlung bedürfte. Sofern eine Person A dazu fähig ist, eine solche Veränderung zu verhindern, dies aber nicht tut, kann man davon sprechen, dass A diese Veränderung des Status quo durch Unterlassen„bewirkt“ hat. Es kann jedoch auch so sein, dass ohne eine Einflussnahme auf den Status quo dieser bestehen bleibt, eine Person aber die Fähigkeit gehabt hätte, einen Sachverhalt, der im Status quo zunächst existent war (und ist), zum Verschwinden zu bringen. Hier kann man sagen, dass A es unterlassen hat, den Status quo zu verändern. Und es kann andererseits auch so sein, dass der genannte Sachverhalt nicht mehr existent wäre, wenn der A nicht durch die Vornahme einer Handlung dies verhindert hätte. Diese und weitere Konstellationen müssen unterschieden werden, um eine konsistente Beschreibung der Begriffe Handelnund Unterlassenzu generieren. Im 6. Kapitelwird darauf aufbauend gezeigt, wie sich eine so entwickelte Handlungslogikauf rechtliche Probleme anwenden lässt.

Literatur

  1. Birnbacher D (1995) Tun und Unterlassen. Reclam, StuttgartGoogle Scholar
  2. Eue J (1990) Anmerkung zu BGH JZ 1990, 763. JZ 45:765–768Google Scholar
  3. Geppert K (1989) Zu einigen immer wiederkehrenden Streitfragen im Rahmen des Hausfriedensbruches (§ 123 StGB). Jura 11:378–383Google Scholar
  4. Geppert K (1990) Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (§ 142 StGB). Jura 12:78–86Google Scholar
  5. Geppert K (1992) Zum ‚Verlassen in hilfloser Lage‘, wenn das Opfer sich räumlich vom Täter wegbewegt. Jura JK 1992, StGB § 221/3Google Scholar
  6. Haas V (2002) Kausalität und Rechtsverletzung. Ein Beitrag zu den Grundlagen strafrechtlicher Erfolgshaftung am Beispiel des Abbruchs rettender Kausalverläufe. Duncker & Humblot, BerlinGoogle Scholar
  7. Herzberg RD, Hardtung B (1994) Irrtümer eines Hotelgastes – Ein Bericht über eine strafrechtliche Hausarbeit. JuS 34:492–496Google Scholar
  8. Joerden JC (1984) Erzwungenes ‚Sich-Entfernen‘ vom Unfallort – BayObLG, NJW 1982, 1059. JR 1984:51–53Google Scholar
  9. Joerden JC (1988a) Anmerkung zu OLG Köln, JZ 1988, 101 ff. JZ 43:103–105Google Scholar
  10. Joerden JC (1988b) Strukturen des strafrechtlichen Verantwortlichkeitsbegriffs: Relationen und ihre Verkettungen. Duncker & Humblot, BerlinGoogle Scholar
  11. Joerden JC (1994) Anmerkung zu BGH JZ 1994, 419 ff. JZ 49:422–424Google Scholar
  12. Joerden JC (2001) Anmerkung zu BGH JZ 2001, 611 ff. JZ 56:614–616Google Scholar
  13. Kühl K (2008) Strafrecht AT, 6. Aufl. Vahlen, MünchenGoogle Scholar
  14. Küper W (2008) Strafrecht BT, 7. Aufl. C F Müller, HeidelbergGoogle Scholar
  15. Lackner K, Kühl K (2014) StGB. 28. Aufl. C H Beck, MünchenGoogle Scholar
  16. Lübbe W (1998) Verantwortung in komplexen kulturellen Prozessen. Alber, Freiburg i B/MünchenGoogle Scholar
  17. Pawlik M (1999) Das unerlaubte Verhalten beim Betrug. Heymanns, KölnGoogle Scholar
  18. Pawlik M (2003) Täuschung durch die Ausnutzung fremder Organisationsmängel? Zur Risikoverteilung gemäß § 263 StGB in den ‚Fehlbuchungsfällen‘ und verwandten Fallkonstellationen. FS für E-J Lampe, Duncker & Humblot, Berlin, S 689–708Google Scholar
  19. Philipps L (1974) Der Handlungsspielraum. Klostermann, Frankfurt a MGoogle Scholar
  20. Schmoller K (2004) Fehlüberweisung und Fehlbuchung im Strafrecht. FS für U Weber, Gieseking, Bielefeld, S 251–269Google Scholar
  21. Schönke A, Schröder H (2014) StGB. Kommentar, 29. Aufl. C H Beck, München (zit. S/S und nach Bearbeitern)Google Scholar
  22. Sieber U (1983) Die Abgrenzung von Tun und Unterlassen bei der ‚passiven‘ Gesprächsteilnahme. JZ 38:431–437Google Scholar
  23. Stoffers KF (1992) Die Formel „Schwerpunkt der Vorwerfbarkeit“ bei der Abgrenzung von Tun und Unterlassen. Duncker & Humblot, BerlinGoogle Scholar
  24. Unberath H (1995) Ist der Schwangerschaftsabbruch ein Unterlassen? Der Geiger-Fall und das Problem der Abgrenzung von Handeln und Unterlassen. JRE 3:437–463Google Scholar
  25. von Wright GH (1979) Norm und Handlung. Eine logische Untersuchung. Übers. von Meggle G, Ulkan M, Scriptor, Königstein/TsGoogle Scholar

Weiterführende Literatur

  1. Ast S (2010) Normentheorie und Strafrechtsdogmatik. Eine Systematisierung von Normarten und deren Nutzen für Fragen der Erfolgszurechnung, insbesondere die Abgrenzung des Begehungs- vom Unterlassungsdelikt. Duncker & Humblot, BerlinGoogle Scholar
  2. Beckermann A (Hrsg) (1985) Analytische Handlungstheorie. Bd. 2 Handlungserklärungen. Suhrkamp, Frankfurt a MGoogle Scholar
  3. Hecker B (2014) Strafrecht: Betrug durch Unterlassen. JuS 54:1133–1135Google Scholar
  4. Joerden JC (2001) Unterlassung; Unterlassen. Hist Wb Philos Bd 11, Schwabe, Basel, Sp 304–308Google Scholar
  5. Kaufmann A (1959) Die Dogmatik der Unterlassungsdelikte. Schwartz, GöttingenGoogle Scholar
  6. Kuhlen L (2011) Zur Unterscheidung von Tun und Unterlassen. In: Strafrechtswissenschaft als Analyse und Konstruktion. Festschrift für I Puppe. Duncker & Humblot, Berlin, S 669–683Google Scholar
  7. Lux LM (2013) Die konkludente Täuschung beim Betrug. Bonn University Press, BonnGoogle Scholar
  8. Meggle G (Hrsg) (1985) Analytische Handlungstheorie. Bd. 1 Handlungsbeschreibungen. Suhrkamp, Frankfurt a MGoogle Scholar
  9. Robles Planas R (2013) Negative und positive Pflichten im Strafrecht. GA 160:624–640Google Scholar
  10. Rödig J (1969) Die Denkform der Alternative in der Jurisprudenz. Springer, Berlin/Heidelberg, Kap. 2.2.1. und 2.2.3.CrossRefGoogle Scholar
  11. von Wright GH (1977) Handlung, Norm und Intention. Untersuchungen zur deontischen Logik. Hrsg von Poser H. De Gruyter, Berlin/New YorkCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2018

Authors and Affiliations

  • Jan C. Joerden
    • 1
  1. 1.Juristische FakultätEuropa-Universität ViadrinaFrankfurt (Oder)Deutschland

Personalised recommendations