2. Kapitel: Klassenlogische Strukturen

  • Jan C. Joerden
Chapter
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

In unterschiedlichen Rechtsgebieten kommt es vor, dass Tatbestände desselben Gesetzbuches miteinander um ihre Anwendbarkeit auf einen konkreten Fall konkurrieren. Das ist immer dann so, wenn ein und derselbe konkrete Fall zwei (oder mehrere) Tatbeständen unterfällt. Für die Lösung der sich daraus ergebenden Fallkonstellationen ist es hilfreich, sich über das normtheoretische Verhältnis dieser Tatbestände zueinander Klarheit zu verschaffen. Sofern es um zwei Tatbestände geht, gilt Folgendes: Zwei Tatbestände können denselben Anwendungsbereiche haben (Identität). Sie können aber auch so beschaffen sein, dass jeder Fall des einen Tatbestands ein Fall auch des anderen Tatbestands ist, aber nicht umgekehrt (Subordination bzw. Spezialität). Sie können sich weiterhin so überschneiden, dass es Fälle gibt, die nur dem einen Tatbestand oder nur dem anderen Tatbestand unterfallen, aber es auch Fälle gibt, die von beiden Tatbeständen erfasst werden (Interferenz). Schließlich ist es auch möglich, dass die Anwendungsbereiche der beiden Tatbestände sich überhaupt nicht überschneiden (Heterogenität bzw. Exklusivität), so dass die beiden Tatbestände keinen gemeinsamen Fall haben. Dies ist der Rahmen, der durch klassenlogische Strukturen geformt wird, die deshalb im 2. Kapitelanalysiert und auf Rechtsprobleme etwa der Konkurrenzlehre zur Anwendung gebracht werden.

Literatur

  1. Bocheński IM, Menne A (1983) Grundriß der formalen Logik, 5. Aufl. Schöningh, PaderbornGoogle Scholar
  2. Herberger M, Simon D (1980) Wissenschaftstheorie für Juristen. Alfred Metzner, Frankfurt a MGoogle Scholar
  3. Hruschka J (1976) Strukturen der Zurechnung. De Gruyter, BerlinCrossRefGoogle Scholar
  4. Hruschka J (1983) Pflichtenkollisionen und Pflichtenkonkurrenzen. In: Canaris C-W, Diederichsen U (Hrsg) FS für K Larenz zum 80. Geb. C H Beck, München, S 257–289Google Scholar
  5. Hruschka J (1987) Imputation. In: Eser A, Fletcher GP (Hrsg) Rechtfertigung und Entschuldigung, Bd. 1. Nomos, Freiburg i B, S 121–174Google Scholar
  6. Hruschka J (1988) Strafrecht nach logisch-analytischer Methode, 2. Aufl. De Gruyter, BerlinGoogle Scholar
  7. Hruschka J, Joerden JC (1987) Supererogation: Vom deontologischen Sechseck zum deontologischen Zehneck. ARSP 73:93–123Google Scholar
  8. Jakobs G (1991) Strafrecht AT, 2. Aufl. De Gruyter, BerlinGoogle Scholar
  9. Joerden JC (1988) Strukturen des strafrechtlichen Verantwortlichkeitsbegriffs: Relationen und ihre Verkettungen. Duncker & Humblot, BerlinGoogle Scholar
  10. Joerden JC (1994) Wesentliche und unwesentliche Abweichungen zurechnungsrelevanter Urteile des Täters von denen des Richters. JRE 2:307–325Google Scholar
  11. Kindhäuser U (1985) Normverstoß und natürliche Handlungseinheit – BGH NJW 1984, 1568. JuS 25:100–105Google Scholar
  12. Kindhäuser U (1990) Zur Unterscheidung von Tat- und Rechtsirrtum. GA 137:407–423Google Scholar
  13. Klug U (1956) Zum Begriff der Gesetzeskonkurrenz. ZStW 68:399–416CrossRefGoogle Scholar
  14. Kränz J (1985) Nochmals: Das Verhältnis von Verhaltens- und Zustandshaftung im Recht der Gefahrenabwehr. BayVBl 116:301–302Google Scholar
  15. Lackner K, Kühl K (2014) StGB, 28. Aufl. C H Beck, MünchenGoogle Scholar
  16. Lippold R (1985) Die Konkurrenz bei Dauerdelikten als Prüfstein der Lehre von den Konkurrenzen. C F Müller, HeidelbergGoogle Scholar
  17. Lorenz K (1984) Klasse (logisch). In: Mittelstraß J (Hrsg) Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd 2. Metzler, Mannheim, S 403–405Google Scholar
  18. Philipps L (2004) Normentheorie. In: Kaufmann A, Hassemer W, Neumann U (Hrsg) Einführung in Rechtsphilosophie und Rechtstheorie der Gegenwart, 7. Aufl. C F Müller, Heidelberg, S 320–332Google Scholar
  19. Puppe I (1979) Idealkonkurrenz und Einzelverbrechen. Duncker & Humblot, BerlinGoogle Scholar
  20. Renzikowski J (2003) Wahnkausalität und Wahndelikt – zur Strafbarkeit des untauglichen Versuchs. In: Kaufmann M (Hrsg) Wahn und Wirklichkeit – Multiple Realitäten. Peter Lang, Frankfurt a M, S 309–329Google Scholar
  21. Schmitz JL (2013) Rechtfertigender Notstand bei internen Interessenkollisionen. Duncker & Humblot, BerlinCrossRefGoogle Scholar
  22. Schmitz R (2001) Unrecht und Zeit, Unrechtsquantifizierung durch zeitlich gestreckte Rechtsgutsverletzung. Nomos, Baden-BadenGoogle Scholar
  23. Schmitz R (2003) Die Abgrenzung von strafbarem Versuchen und Wahndelikt. Jura 25:593–602Google Scholar
  24. Seelmann K (1978) Das Verhältnis von § 34 StGB zu anderen Rechtfertigungsgründen. C F Müller, HeidelbergGoogle Scholar
  25. Seher G (2004) Zur strafrechtlichen Konkurrenzlehre – Dogmatische Strukturen und Grundfälle. JuS 44:392–396, 482–484Google Scholar
  26. Siebel W (1975) Grundlagen der Logik. UTB, MünchenGoogle Scholar
  27. Toepel F (1994) Error in persona vel objecto und aberratio ictus. JRE 2:413–428Google Scholar
  28. Werle G (1981) Die Konkurrenz bei Dauerdelikt, Fortsetzungstat und zeitlich gestreckter Gesetzesverletzung. Duncker & Humblot, BerlinCrossRefGoogle Scholar

Weiterführende Literatur

  1. Barczak T (2015) Normenkonkurrenz und Normenkollision. JuS 55:969–976Google Scholar
  2. Bucher T (1987) Einführung in die angewandte Logik. De Gruyter, Berlin, S 18–39Google Scholar
  3. Geppert K (2000) Grundzüge der Konkurrenzlehre. Jura 22:598–603, 651–657Google Scholar
  4. Joerden JC (2002) Das System der strafrechtlichen Konkurrenzen und seine Umsetzung im polnischen und deutschen Strafrecht. In: Wolf G (Hrsg) Kriminalität im Grenzgebiet 5/6. Das neue polnische Strafgesetzbuch. Springer, Berlin, S 163–173CrossRefGoogle Scholar
  5. Joerden JC (2004) Zur Versuchsstrafbarkeit beim Betrug und seinen Derivaten im Wirtschaftsstrafrecht. GS für W. Blomeyer. Duncker & Humblot, Berlin, S 373–386Google Scholar
  6. Klug U (1982) Juristische Logik, 4. Aufl. Springer, Berlin, S 65–73CrossRefGoogle Scholar
  7. Mitsch W (2016) Mehrfachtötung als Mord. ZStW 128:629–675Google Scholar
  8. Puppe I (2016) Was ist Gesetzeskonkurrenz? JuS 56:961–966Google Scholar
  9. Puppe I (2017a) Die Lehre von der Tateinheit. JuS 57:503–507Google Scholar
  10. Puppe I (2017b) Die Zurechnung des Erfolges zum Vorsatz. ZStW 129:1–19CrossRefGoogle Scholar
  11. Rückert C (2014) Die Lehre von den Konkurrenzen in der Klausurpraxis. JA 2014:826–830Google Scholar
  12. Salmon WC (1983) Logik. Reclam, Stuttgart, S 121–140Google Scholar
  13. Seier J (1983) Die Gesetzeseinheit und ihre Rechtsfolgen. Jura 5:225–237Google Scholar
  14. Ziembiński Z (1976) Practical Logic. D Reidel, Dordrecht (Original: Logika Praktyczna, Warschau 1973). S 41–50, 99–113, 209–231Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2018

Authors and Affiliations

  • Jan C. Joerden
    • 1
  1. 1.Juristische FakultätEuropa-Universität ViadrinaFrankfurt (Oder)Deutschland

Personalised recommendations