Seit seiner Einführung im Jahr 1953 ist der Freiburger Einsilbertest (FBE) bis heute der meistgenutzte und einzig normierte Sprachhörtest im deutschsprachigen Raum [1,2,3,4,5]. Nach einer primären Phase intensiver Untersuchungen widmeten sich in der letzten Zeit wieder vermehrt Studien seinen Eigenschaften (z. B. [6,7,8,9,10]). So konnten einzelne Listen identifiziert werden [5, 11, 12, 15], deren perzeptive Äquivalenz außerhalb des errechneten Toleranzbereichs von +4,5 bis −4,4 Prozentpunkten lagen [10]. Diese Listen sollten künftig vermieden werden. Weitere neue Untersuchungen bestätigten weitestgehend (bis auf Liste 12) die phonematische Ausgewogenheit der Testlisten [11], beschäftigten sich mit der Verwendungshäufigkeit der Einsilber in der heutigen Sprache [12] oder bestimmten die Test-Retest-Reliabilität [13] und Trainingseffekte des FBE [14, 15]. Zudem wurde das Verhalten des FBE im Störschall zur Hörgeräteüberprüfung untersucht (FBE‑S, [16, 17]). Hierbei wurde das sog. CCITT-Rauschen verwendet, ein sprachsimulierendes Rauschen der Internationalen Fernmeldeunion (Comité Consultatif International Téléphonique et Télégraphique, [18]).

Kürzlich wurde analysiert, ob sich der FBE‑S auch für ein adaptives Messverfahren eignet (aFBE-S) und die Ergebnisse mit dem Oldenburger Satztest (OlSa) im Störschall (OlSa‑S [19]) verglichen [20]. Dabei zeigte sich primär ein Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) für ein Sprachverstehen von 50 % für den aFBE‑S von −1,8 dB SNR und für den OlSa‑S von −7,5 dB SNR [20]. Berücksichtigt man, dass die Sprachstimuli beim FBE und beim OlSa relativ zum Störgeräusch unterschiedlich kalibriert sind und dass die Unterschiede des verwendeten Rauschens (CCITT-Rauschen beim aFBE‑S vs. aus dem Sprachmaterial generiertes Rauschen beim OlSa-S) zu einer etwas geringeren Verdeckung im aFBE‑S führt, stimmen die Ergebnisse im aFBE‑S erstaunlich gut mit den Ergebnissen im OlSa‑S überein; der verbleibende minimale Unterschied kann aufgrund der üblichen Streuung der Testergebnisse als nicht signifikant und damit praktisch unbedeutsam angesehen werden [21].

Nach den Tragenden Gründen der Hilfsmittel-Richtlinie (HilfsM-RL) haben schwerhörende Versicherte seit einigen Jahren einen Anspruch auf einen maximalen Behinderungsausgleich [22, 23]. Dieses wiederum fußt auf einem Urteil des Bundessozialgerichts [24]. Das Hören im Störschall wird dabei als besonders bedeutsam zur Sicherstellung der Teilhabe Schwerhörender am allgemeinen gesellschaftlichen Leben beschrieben. Deswegen soll der Erfolg einer Hörgeräteversorgung auch mittels einer sprachaudiometrischen Messung im Störschall durchgeführt werden; die HilfsM-RL nennt hierzu beispielhaft den Oldenburger Satztest (OlSa), den Göttinger Satztest (GöSa) und den Freiburger Einsilbertest. Die durchschnittliche Hörverbesserung durch Hörgeräte im FBE‑S wurde bereits vor einigen Jahren mit einem Nutzschall von 65 dB und einem Störschall von 60 dB bei Schwerhörenden untersucht [16, 17, 25]. Die HilfsM-RL fordert, dass sich durch Hörgeräte das Hörvermögen im Störschall unter diesen Bedingungen um mindestens 10 Prozentpunkte verbessern soll [23].

Mit dieser Studie soll die Entwicklung einer Verständlichkeitskurve für die Verwendung des FBE im Störschall vorgestellt werden, um Messungen mittels des FBE‑S besser einordnen zu können. Da die HilfsM-RL zur Hörgeräteüberprüfung die Messung mit einem Nutzschall von 65 dB und Störschall von 60 dB CCITT-Rauschen fordert, soll die hier ermittelte Verständlichkeitskurve diese genannten Bedingungen erfüllen.

Methoden

Im Herbst 2018 wurden insgesamt 66 normalhörende, muttersprachlich Deutsch sprechende Probanden im Alter zwischen 18 und 31 Jahren in der Klinik für HNO-Heilkunde des Bundeswehrkrankenhauses in Hamburg untersucht. Otologische Normalität (Gesundheitszustand, Lärmeinwirkung, Einnahme ototoxischer Wirkstoffe, erblich bedingter Hörverlust, Ohrkrankheiten [26]) wurde anamnestisch erhoben, eine Hörminderung wurde nach einer ohrmikroskopischen Untersuchung und anschließender Reintonaudiometrie über Kopfhörer ausgeschlossen. Normalhörigkeit wurde angenommen, wenn beidseits in der Luftleitung keine Prüffrequenz zwischen 0,125 und 8 kHz schlechter als 10 dB HL Hörleistung war. Die ton- und sprachaudiometrischen Untersuchungen fanden in schallarmen Hörkabinen nach DIN EN ISO 8253‑1 [26] und DIN EN ISO 8253‑2 statt [27], verwendet wurden normgerecht geeichte Audiometer und deren Zubehör (Audiometer: Fa. Auritec, Hamburg, AT 900 und AT 1000-BD; Lautsprecher: Fa. Auritec, Hamburg, Typ 100 dB TF; Kopfhörer: Fa. Beyerdynamic, Heilbronn, Typ DT48A), sowie der Freiburger Einsilbertest (Fa. Westra, Binswangen), gespeichert auf einer Festplatte. Ein Ethikantrag wurde der Ethikkommission Lübeck vorgelegt, diese entschied, dass für die Versuchsdurchführung kein Ethikvotum notwendig sei.

Randomisierung und Messung

Die Reihenfolge der abgespielten Listen des FBE wurde mittels Zufallslisten festgelegt. Durch die Verwendung dieser Listen sollte verhindert werden, dass den Probanden dieselbe Liste des FBE 2‑mal dargeboten wurde und dass die Reihenfolge der Listen einen Einfluss auf die Messung hatte. Die Listen 5, 11, 12 und 15 wurden ausgeschlossen, da diese nicht perzeptiv äquivalent sind [10].

Anschließend wurde das Sprachverstehen mittels FBE über Lautsprecher im Störschall getestet. Die Liste des FBE traf hierbei frontal und der Störschall von dorsal auf die Probanden ein. Dies sollte die Situation im Alltag widerspiegeln, bei der Störgeräusche aus dem Hintergrund wahrgenommen werden, während die Probanden sich Gesprächspartnern zuwenden und die Sprache von vorn angeboten bekommen. Außerdem ist dies eine der gebräuchlichsten Anordnungen beim HNO-Arzt und beim Hörgeräteakustiker [28]. Die Probanden wurden aufgefordert, aufrecht auf einem Stuhl sitzen zu bleiben, sich nicht dem Lautsprecher zu nähern und den Kopf nicht zu drehen. Der Abstand zwischen den Probanden und Lautsprechern betrug 1,1 m. Der Versuchsleiter befand sich während des gesamten Versuchs im selben Raum wie die Probanden und saß diesem gegenüber.

Zu Beginn wurde das Sprachverstehen mit einer Testliste des FBE bei 15 dB SPL und bei gleichzeitigem Störschall von 10 dB SPL kontinuierlich dargebotenen CCITT-Rauschen gemessen. Die nächste Liste wurde bei gleichbleibendem Signal-Rausch-Verhältnis von 5 dB SNR jeweils um 5 dB SPL höher dargeboten. Die obere Grenze wurde bei einem Schalldruckpegel von 90 dB SPL für den FBE und entsprechend 85 dB SPL für den Störschall festgesetzt. Insgesamt wurden somit für alle Probanden je 16 Listen des FBE in Abständen von 5 dB gemessen.

Auswertung der Daten

Zur Auswertung der Daten und zur Erstellung der Statistiken wurde Microsoft Office 365 Excel und PowerPoint Version 16.20 (Microsoft Corporation, Redmont, WA, USA) sowie IBM Statistics SPSS 25 (IBM Corporation, Armonk, NY, USA) verwendet. Mittels Excel wurden das mittlere Alter und die Standardabweichung der Probanden ermittelt. Zusätzlich wurden Maxima, Minima, Mittelwerte, Mediane, die 1. und 3. Quartile sowie der Interquartilsabstand der Messungen der Sprachverständlichkeit in Prozent in Abhängigkeit vom Schalldruckpegel berechnet, inklusive der Standardabweichung und dem 95%-Konfidenzintervall. SPSS wurde zur Erstellung der Grafiken und erneuten Berechnung der oben genannten Werte verwendet sowie zur Bestimmung der Kovarianzparameter. Die Messungen an den Probanden wurden in Abhängigkeit vom Schalldruckpegel gemittelt, sodass eine Verständlichkeitskurve inklusive des 95%-Vertrauensintervalls ermittelt werden konnte. Das Signifikanzniveau wurde mit α = 0,05 festgelegt. Die Ergebnisse der Versuchspersonen älter als 25 Jahre wurden mittels SPSS-t-Test für unabhängige Stichproben mit den Ergebnissen der restlichen Versuchspersonen verglichen.

Ergebnisse

Bei der vorab durchgeführten Reintonaudiometrie zum Ausschluss einer Hörstörung wurden insgesamt 66 Probanden gemessen. Von diesen Probanden wurden 6 vor Durchführung des FBE‑S ausgeschlossen, da sie die zuvor festgelegten Kriterien eines beidseitig normalen Gehörs nicht erfüllten. Insgesamt nahmen 29 weibliche und 31 männliche Probanden an der weiteren Untersuchung teil. Das mittlere Alter aller Probanden betrug 24,32 Jahre mit einer Standardabweichung von 3,39 Jahren. Das mittlere Alter der weiblichen Probanden betrug 24,24 Jahre mit einer Standardabweichung von 3,24 Jahren. Das mittlere Alter der männlichen Probanden betrug 24,39 mit einer Standardabweichung von 3,63 Jahren.

In der Boxplotdarstellung (Abb. 1) fällt auf, dass die Verständlichkeit in Prozent bei unterschiedlichem Schalldruckpegel insgesamt stark variiert. Das einmalige Nichtverstehen eines einzelnen einsilbigen Wortes innerhalb einer dargebotenen Liste führt bei 20 Wörtern pro Liste zu einem Verständlichkeitsverlust von 5 Prozentpunkten.

Abb. 1
figure 1

Ordinate Verständlichkeit in Prozent. Abszisse Schalldruckpegel des FBE in dB, der Schalldruckpegel des Störschalls ist jeweils um 5 dB geringer. Normkurve des FBE (grün) und Bezugskurve des FBE‑S durch die Mediane (dunkelblau). Boxplots zu den einzelnen Messungen (Mittelwert: x, Median: −). Whisker Werte, die außerhalb der Box liegen. Punkte Einzelne Ausreißer werden als Punkte dargestellt, sofern sie sich nicht im 1,5-fachen Interquartilsabstand befinden

Die Tab. 1 zeigt die Abhängigkeit zwischen dem Sprachpegel und dem Sprachverstehen. Die jeweiligen Schalldruckpegel in dB, die für eine Verständlichkeit von 30 %, 40 %, 50 %, 60 %, 70 %, 80 % und 90 % notwendig waren, können aus der Tabelle abgelesen werden [31].

Tab. 1 Schalldruckpegel, bei denen definierte Verständlichkeiten erreicht werden

Die Ergebnisse der 25 Versuchspersonen älter als 25 Jahre wurden mit den restlichen 35 Versuchspersonen, die jünger als oder genau 25 Jahre alt sind, verglichen. Dabei betrug der kleinste Wert der zweiseitigen Signifikanz 0,236 und der größte Wert 0,785. Diese Werte lagen insgesamt deutlich über 0,05. Somit liegt zwischen den beiden Versuchsgruppen kein signifikanter Unterschied bezüglich der Zielvariablen vor, sodass alle Versuchspersonen in die weitere Auswertung eingeschlossen werden konnten.

Verständlichkeitskurve mit 95%-Konfidenzintervall

Der Median und der Mittelwert sind in Abb. 1 als Boxplotdiagramm dargestellt. Der rechnerische Mittelwert sowie die zugehörigen oberen und unteren Grenzen der Konfidenzintervalle, berechnet durch Addition und Subtraktion des 95%-Konfidenzintervalls vom Mittelwert, können Tab. 2 entnommen werden. Insbesondere im Bereich niedrigerer Schalldruckpegel ist das Konfidenzintervall größer, da die gemessenen Werte für die Verständlichkeit stark streuen. Im Bereich höherer Schalldruckpegel wird das Konfidenzintervall kleiner, da die Verständlichkeit fast die 100 % erreicht. Verbindet man die einzelnen Medianwerte, erhält man eine Verständlichkeitskurve für den FBE‑S mit 5 dB Signal-Rausch-Verhältnis.

Tab. 2 Mittelwerte und Mediane der Verständlichkeit in Prozent mit oberen und unteren Grenzen der Konfidenzintervalle zu den einzelnen Schalldruckpegeln

Häufigkeitsverteilung

Die Verständlichkeit in Prozent bei unterschiedlichen Schalldruckpegeln des FBE‑S, beginnend bei 15 dB SPL in 5‑dB-SPL-Schritten bis zum maximal dargebotenen Schalldruckpegel von 90 dB SPL, zeigt Tab. 2. Bei der Häufigkeitsverteilung fällt auf, dass im niedrigen Schalldruckpegelbereich die Verteilung linksschief ist. Die Verständlichkeit war bei niedrigem Schalldruckpegel über alle Probanden hinweg bis auf wenige Ausnahmen sehr gering. Im mittleren Schalldruckpegelbereich ist die Verteilung relativ ausgewogen, im hohen Schalldruckpegelbereich findet sich eine gute Verständlichkeit (rechtsschiefe Verteilung).

Varianzanalyse

In der Varianzanalyse für fixe Effekte mit der Verständlichkeit als abhängiger Variablen zeigte sich ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen den Schalldruckpegeln des Nutz- und Störschalls auf der einen Seite und der Verständlichkeit auf der anderen Seite (p < 0,001). Auch bei der Schätzung der Kovarianzparameter mit der Verständlichkeit als abhängiger Variablen ergab sich ein hochsignifikanter Zusammenhang (p < 0,001).

Diskussion

In dieser Studie wurde die Verständlichkeit des FBE im Störschall bei verschiedenen Schalldruckpegeln mit fixem Signal-Rausch-Verhältnis von 5 dB bei 60 normakusen Probanden ermittelt. Durch die Bestimmung der zugehörigen Verständlichkeitskurve des FBE‑S lassen sich individuelle Messergebnisse schwerhörender Patienten unter Verwendung des FBE‑S ohne und mit Hörgeräten besser einordnen.

Die einzelnen Messwerte unterliegen individuell einer relativ starken Streuung, die sich etwa im Abstand von ±10 Prozentpunkten um den Mittelwert der jeweiligen Messkonstellation gruppieren (Abb. 1). Diese Streuung war auch schon bei der Erstellung der Normkurve des FBE in den 1950er-Jahren der Fall (Abb. 84 und 85d in [2]) und lässt sich mit der relativ niedrigen Anzahl von 20 Messitems (1 Liste) pro Messung gut erklären. Hieraus resultieren auch die langen Whisker in den Boxplots (Abb. 1). Bei der Verwendung mehrerer Listen pro Messung ließe sich die Genauigkeit entsprechend steigern. Im Rahmen einer Hörgeräteüberprüfung ist die Nutzung von mindestens 2 Testlisten des FBE erforderlich, um eine zuverlässige Messung zu gewährleisten [13, 23]. Für die Gewinnung der hier vorgestellten Verständlichkeitskurve ist dieses jedoch ohne praktische Bedeutung, weil der Streuungsfehler durch die Anzahl der Probanden wieder ausgeglichen wird. Dieses spiegelt sich in den engen 95%-Konfidenzintervallen pro Messpunkt wider (Tab. 2).

Der geringere, sich mit zunehmendem Schalldruckpegel vergrößernde Abstand der gemittelten Kurve für den FBE‑S lässt sich mit der geringen absoluten Verständlichkeit des FBE und FBE‑S erklären. Mit zunehmendem Schalldruckpegel wird sowohl ohne (vgl. Normkurve FBE ohne Störschall [1]) als auch mit Störschall (vgl. die ermittelte Kurve dieser Studie) zunehmend besser verstanden, wobei der Zugewinn im Störschall insbesondere im höheren Sprachpegelbereich mit einer geringeren Steigung einhergeht. Dieses zeigt sich auch in der Verteilung der individuell ermittelten Verständlichkeit (Abb. 1). Die gemittelte Kurve des FBE‑S erreicht bei einem Schalldruckpegel von 70/65 dB SPL den Sättigungsbereich von 90 % Verständlichkeit (zum Vergleich: der Sättigungspunkt von 100 % Verständlichkeit liegt beim FBE ohne Störschall bei 55 dB [1]), eine weitere Steigerung des Schalldruckpegels führt somit zu keiner verbesserten Verständlichkeit. Ab einem Schalldruckpegel von 85/80 dB SPL sinkt die gemittelte Verständlichkeit im FBE‑S wieder leicht ab. Dieses Phänomen konnte schon in vorherigen Studien beobachtet werden: Die Sprachverständlichkeit nimmt bei Schalldruckpegeln nahe der Unbehaglichkeitsschwelle ab [29], ebenso nimmt die Sprachverständlichkeit im Störschall bei gleichbleibendem SNR ab, wenn die dargebotene Sprache 69 dB SPL überschreitet [30]. Dieser Effekt ist vermutlich auch für das Absinken der gemittelten Messkurve des FBE‑S in dem vorliegenden Fall verantwortlich.

Die Wahl des CCITT-Rauschens als Störgeräusch erfolgte in Anlehnung an bereits bestehende Studien zum Hörgewinn im FBE‑S im Rahmen einer Hörgeräteverordnung gemäß der HilfsM-RL [16, 17, 23]; die DIN EN ISO 8253‑3 fordert selbst lediglich den Einsatz eines nichtmodulierenden Störgeräusches [31]. Andere Störgeräusche hätten also theoretisch ebenfalls genutzt werden können. Allerdings konnten Winkler und Holube zeigen, dass die Verdeckungseigenschaften des CCITT-Rauschens mit derjenigen des Rauschens nach DIN EN 60645‑2 vergleichbar ist [32].

Wie bei der adaptiven Messung des FBE‑S [20] muss man berücksichtigen, dass die Verdeckung der Einsilber durch das CCITT-Rauschen geringer ist, als wenn man ein sprachgeneriertes Rauschen verwenden würde [32, 34]. Dies liegt daran, dass das CCITT-Rauschen in Bezug auf die Spitzenpegel des FBE andere Verdeckungseigenschaften aufweist, weil die Spitzenpegel der Einsilber dem Pegel des CCITT-Rauschens entsprechen [35]. Eine Berücksichtigung beider Effekte würde allerdings nur zu einer seitlichen Verschiebung der Verständlichkeitskurve des FBE‑S, im Bereich der 50%-Verständlichkeit von ca. 7,7 dB führen [21].

Es wurden nur 16 der 20 Listen des FBE verwendet; die übrigen 4 Listen wurden aufgrund fehlender perzeptiver Äquivalenz bei der Verwendung ohne Störschall ausgeschlossen [10]. Allerdings konnten Winkler et al. zeigen, dass nicht nur die perzeptive Äquivalenz bei der Verständlichkeit der Einsilber eine Rolle spielt, sondern auch lexikalische Parameter [33]. In einer weiteren Studie könnte also überprüft werden, ob sich die perzeptive Äquivalenz dieser ausgeschlossenen Listen im Störschall anders verhält als in Ruhe.

Die maximale Verständlichkeit des FBE‑S von 90 % hat auch eine Bedeutung für die Erfolgskontrolle im Rahmen einer Hörgeräteversorgung nach der HilfsM-RL [23]. Bei einer Verständlichkeit des FBE‑S von 90 % mit Hörgeräten ließe sich keine weitere Angleichung an das Hörvermögen Normalhörender erzielen. Eine Verbesserung bis zu einer Verständlichkeit von 100 % wäre nur durch ein Hörgerät vorstellbar, das über eine exzellente Störschallunterdrückung bei gleichzeitig geschlossener Versorgung verfügte. Im Rahmen der Entwicklung von Hörgeräten könnte dies ein interessanter Ansatz sein. Allerdings benötigen Menschen mit einer primären Verständlichkeit von 90 % bei 70/65 dB SPL vermutlich keine Hörgeräte.

Interessanterweise ist der Abstand der gemittelten Kurven zwischen FBE und FBE‑S bei Messungen mit niedrigerem Sprachpegel von 40/35 und 45/40 dB SPL mit fast 25 Prozentpunkten deutlich größer als darüber liegenden Schalldruckpegeln (Tab. 2). Man könnte überlegen, ob der Erfolg einer Hörgeräteüberprüfung sinnvollerweise nicht besser bei diesen Schalldruckpegeln erfolgen sollte, anstatt, wie von der HilfsM-RL vorgegeben, bei 65/60 dB SPL [23]. Voraussetzung einer Prüfung bei niedrigerem Schalldruckpegel wäre ein noch ausreichendes Hörvermögen des Patienten in diesem Messbereich.

Grundsätzlich wären auch andere Signal-Rausch-Verhältnisse denkbar, als die hier verwendeten 5 dB SNR. Dieses Verhältnis ist jedoch seit Langem in der Praxis etabliert und auch in der HilfsM-RL verankert [23]. Winkler et al. präsentierten kürzlich ebenfalls Bezugskurven für den Freiburger Einsilbertest im Störschall [36]. Diese können allerdings nicht mit der hier gewonnen Verständlichkeitskurve verglichen werden, da sich die Messanordnungen beider Bezugskurven in mehreren Punkten unterscheiden. Erstens wurde bei Winkler et al. eine Lautsprecheranordnung S0N0 gewählt, in der hier vorgestellten Messung wurde die Anordnung S0N180 verwendet. Harten untersuchte unterschiedliche Lautsprecheranordnungen und konnte zeigen, dass die Lautsprecheranordnung einen Einfluss auf die Messergebnisse hat [28]. Insbesondere erzielten Probanden in der von der DIN EN ISO 8253‑3 vorgeschlagenen Lautsprecherkonstellation niedrigere Verständlichkeitswerte, und 9 von 10 Probanden erzielten in der vorgeschlagenen Lautsprecheranordnung trotz subjektiv erfolgreicher Hörgeräteanpassung einen niedrigeren Hörgewinn als die von der HilfsM-RL geforderten 10 Prozentpunkte. Hieraus ist zum einen ableitbar, dass die Lautsprecheranordnung einen Einfluss auf die Messergebnisse hat. Die Anordnungen S0N0 und S0N180 wurden in der Arbeit von Harten nicht miteinander verglichen. Eine Untersuchung, ob die beiden genannten Lautsprecheranordnungen zu vergleichbaren Verständlichkeitskurven führen, steht bisher also noch aus. Zum anderen können die Ergebnisse von Winkler et al. und unsere nicht unmittelbar miteinander verglichen werden, da sich die Darbietung des Störschalls und des Schalldruckpegels des FBE‑S in beiden Versuchen deutlich unterscheidet. In unserer Versuchsanordnung wurde sowohl der Schalldruckpegel als auch der Störschallpegel verändert, sodass bei jeder Messung ein konstantes SNR von 5 dB vorlag. Winkler et al. wählten einen festen Störschall von 60 dB SPL und modifizierten den Schalldruckpegel relativ hierzu in mehreren Stufen (−6, −3, 0, 3, 5 dB). Bei konstantem Störschallpegel von 60 dB SPL und einem SNR von 5 dB erreichten die Probanden von Winkler et al. ein Sprachverstehen im Median von 82,5 %. Die Probanden in dieser Arbeit erreichten bei gleichem Störschallpegel und SNR von 5 dB eine Verständlichkeit im Median von 90 %. Für höhere Schalldruckpegel fehlen die Vergleichswerte. In Anbetracht der unterschiedlichen Messbedingungen und unter Berücksichtigung des 95%-Konfidenzintervalls gemäß [13] liegen die Ergebnisse relativ nahe beieinander. Die Ergebnisse der hier vorgestellten Studie zeigen, dass die Verständlichkeit bei dorsaler Störgeräuschdarbietung geringfügig besser ist als bei frontaler Störgeräuschdarbietung. Bislang existierten keine Normwerte von normalhörenden Probanden für den FBE‑S, um diese auch bei hohen Schalldruckpegeln miteinander vergleichen zu können. Die hier vorgestellte Arbeit liefert fortan diese Werte (Tab. 2), mit ihrer Hilfe lassen sich individuelle Messungen im Rahmen einer Hörgeräteversorgung künftig besser einordnen.

Fazit für die Praxis

  • In dieser Studie wird die Abhängigkeit des Freiburger Einsilbertest im Störschall (FBE-S) vom Sprachpegel bei konstantem Signal-Rausch-Verhältnis betrachtet und aufgrund der Ergebnisse eine Verständlichkeitskurve für den Gebrauch des FBE‑S mit einem fixen Signal-Rausch-Abstand (SNR) von 5 dB bei frontaler Präsentation der Sprache und dorsal dargebotenem, konstantem CCITT-Rauschen (S0N180) abgeleitet.

  • Zusammen mit der Erweiterung um das adaptive Messverfahren im Störschall (aFBE-S) stellt der FBE somit, im Rahmen seiner bekannten Grenzen, einen vielfältig einsetzbaren Sprachhörtest dar, der darüber hinaus nur mit geringen Trainingseffekten behaftet ist.

  • Die hier ermittelte Verständlichkeitskurve im des FBE‑S kann auch dazu verwendet werden, um Ergebnisse von mit Hörgeräten versorgten Schwerhörenden mit denen von Normalhörenden in Relation zu setzen und eine Aussage über die Qualität der Versorgung zu treffen.