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Betriebswirtschaft

  • Wulff Plinke
  • B. Peter UtzigEmail author
Living reference work entry

Zusammenfassung

Die Betriebswirtschaftslehre trifft Aussagen über das Wirtschaften in Betrieben. Diese müssen, zur Erfüllung ihrer Aufgabe, der Fremdbedarfsdeckung knapper Güter, güterbezogene Funktionen (z. B. Beschaffung, Produktion oder Absatz) sowie Managementfunktionen (z. B. Organisation oder Rechnungswesen) unter Wahrung des ökonomischen Prinzips erfüllen. Die dazu notwendigen funktionalen Entscheidungen sind in einen Rahmen konstitutiver Entscheidungen bezüglich der Existenz des Betriebes, seiner rechtlichen Verfassung sowie seines Verhältnisses zu anderen Betrieben eingebettet.

Schlüsselwörter

Beschaffung Produktion Absatz/Marketing Organisation Personal Rechnungswesen Unternehmensverfassung Rechtsform Mitbestimmung Finanzierung 

1 Gegenstand der Betriebswirtschaftslehre

Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre sind die beiden Einzeldisziplinen der Wirtschaftswissenschaft. Die Volkswirtschaftslehre behandelt Probleme aggregierter Wirtschaftsbereiche (Güterversorgung, Konjunktur, Einkommen, Beschäftigung, Wachstum und Inflation in einzelnen Märkten, Ländern oder Ländergruppen). Die Betriebswirtschaftslehre beschäftigt sich mit den Elementen der Wirtschaftsbereiche, die Güter zur Fremdbedarfsdeckung hervorbringen: den Betrieben. Güter sind materielle und immaterielle (z. B. Dienstleistungen, Rechte) Mittel zur menschlichen Bedürfnisbefriedigung. Dabei ist die Aufgabe des Betriebes nicht die Hervorbringung freier, sondern die Produktion knapper Güter. Freie Güter sind dadurch gekennzeichnet, dass selbst bei einem Preis von Null die Nachfrage das Angebot nicht übersteigt. Das Merkmal der Fremdbedarfsdeckung grenzt den Betrieb vom Haushalt ab, dessen Aufgabe in der Eigenbedarfsdeckung liegt. Eingeschlossen in die Betrachtung durch die Betriebswirtschaftslehre sind dagegen öffentliche Betriebe und Mischformen. Betriebe im privaten Eigentum werden als Unternehmen bezeichnet (synonym: Unternehmung), Betriebe im öffentlichen Eigentum werden öffentliche Betriebe (auch Verwaltungsbetriebe) genannt.

Die Aufgabe der Betriebswirtschaftslehre liegt in der Formulierung von Aussagen über das Wirtschaften im Betrieb. Dabei können jeweils technische, organisatorische, wirtschaftliche oder soziale Aspekte dominieren. Als Aussagenkategorien können beschreibende (deskriptive) und empfehlende (normative) Aussagen unterschieden werden. Deskriptive Aussagen entwerfen ein Abbild realen betrieblichen Geschehens. Dazu gehören sowohl verbale und zahlenmäßige Beschreibungen von Zuständen und Abläufen als auch Annahmen (Hypothesen) über Zusammenhänge zwischen Ereignissen. Soweit in der Betriebswirtschaftslehre Ursache-Wirkungs-Beziehungen beschrieben werden, dominieren stochastische und quasi-stochastische Aussagen (Wahrscheinlichkeitsaussagen). Normative Aussagen nehmen Bezug auf Ziele oder auch Werte und stellen Empfehlungen für rationales bzw. zweckmäßiges Verhalten dar.

Die wichtigste normative Aussage der Betriebswirtschaftslehre ist das ökonomische Prinzip. Es besagt in seiner mengenmäßigen Definition (Produktivität), dass alle wirtschaftlichen Entscheidungen so auszurichten sind, dass mit gegebenem Einsatz an Produktionsfaktoren der größtmögliche Güterertrag zu erzielen ist (Maximalprinzip) oder dass ein bestimmter Güterertrag mit geringstmöglichem Einsatz von Produktionsfaktoren (Betriebsmittel, Werkstoffe, objektbezogene und dispositive Arbeitsleistungen) erreicht wird (Minimalprinzip). Die wertmäßige Definition des ökonomischen Prinzips (Wirtschaftlichkeit) verlangt so zu entscheiden, dass eine bestimmte in Geldeinheiten bewertete Leistung mit möglichst geringem in Geldeinheiten bewerteten Mitteleinsatz oder dass mit einem gegebenen bewerteten Mittelvorrat eine möglichst günstig bewertete Leistung erreicht wird. Die Betriebswirtschaftslehre versteht sich als eine angewandte Wissenschaft, die aufbauend auf der systematisierenden Beschreibung betrieblicher Zustände und Abläufe die Probleme der betrieblichen Praxis zu erkennen und Entscheidungshilfen im Hinblick auf empirisch feststellbare Zielvorstellungen der Betriebe anzubieten sucht.

2 Grundmodell des Betriebs

Damit der Betrieb seiner Aufgabe der Fremdbedarfsdeckung dienen kann, muss er Prozesse der Beschaffung, Verarbeitung und Erzeugung sowie des Absatzes von Produkten und Dienstleistungen in Gang setzen und aufrechterhalten. Außerdem muss er sich die dazu erforderlichen finanziellen Mittel verschaffen. Damit ergeben sich die güterbezogenen Grundfunktionen des Betriebs: Forschung und Entwicklung (Querverweis: auf Beitrag 70 „Grundlagen der Produktentwicklung), Beschaffung, Produktion, Absatz und Finanzierung. Die zu einer zielorientieren Führung notwendigen Entscheidungen dieser Bereiche bezeichnet man als funktionale Entscheidungen. Diese bedürfen jeweils der Planung, Koordination, Kontrolle sowie der Informationsversorgung. Daraus ergeben sich weitere Grundfunktionen – insb. Management, Organisation, Personal und Rechnungswesen. (Querverweis auf Section N: „Management“).

Die Grundfunktionen insgesamt sind eingebettet in einen Rahmen, der durch konstitutive Entscheidungen geschaffen wird. Diese beziehen sich auf die Existenz des Betriebes (Gründung, Wachstum, Schrumpfung und Beendigung des Betriebs), seine rechtliche Verfasstheit (Rechtsform, Mitbestimmung) sowie das Verhältnis des Betriebs zu anderen Betrieben.

Konstitutive und funktionale Entscheidungen zusammen bilden eine Konfiguration, die als das Grundmodell des Betriebs anzusehen ist.

3 Konstitutive Entscheidungen

3.1 Gründung des Unternehmens

3.1.1 Einflussfaktoren der Gründungsentscheidung

Unter Gründung eines Unternehmens wird nicht nur der juristische oder finanzielle „Gründungsakt“ verstanden, sondern ein Prozess, der die Gesamtheit aller Planungs- und Vorbereitungsschritte umfasst, die notwendig sind, um die Lebensfähigkeit des Unternehmens herzustellen und zu sichern. Dazu gehören auch Fragen der Grundlagenentwicklung, der Produktentwicklung zur Serienreife und der Markteinführung. Der Erfolg einer Unternehmensgründung wird durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren bestimmt. Diese Erfolgsfaktoren lassen sich in sechs Kategorien zusammenfassen: Gründer, Gründungsvorgang, beschaffungs- und absatzbezogene Faktoren, behördliche Instanzen und Öffentlichkeit (Szyperski und Nathusius 1999). Teilmerkmale des Gründers sind seine Qualifikation, die verfügbaren Handlungsfreiräume, die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft und die Motive, die zur Gründung führen. Zum Gründungsvorgang zählen die sorgfältige Gründungsplanung, die die Ziel- und Strategie- sowie die funktionsbezogene Maßnahmenplanung umfasst, die organisatorische Kompetenzabgrenzung, wenn bereits bei Gründung mehrere Mitarbeiter beschäftigt sind, und die Implementierung eines Kontrollsystems, das einen jederzeitigen Überblick über den Liquiditäts- und Erfolgsstatus ermöglicht, um Planabweichungen rechtzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Beschaffungsprobleme bei der Unternehmensgründung liegen neben der Beschaffung von Halb- und Fertigfabrikaten, Personal, Grundstücken und Gebäuden und Know-how vor allem in der Beschaffung finanzieller Mittel. Die mit einer erfolgreichen Gestaltung der Absatzbeziehungen verbundenen Probleme variieren je nachdem, ob die Gründung erfolgt, um in einen bestehenden Markt einzutreten oder ob ein neuer Markt erschlossen werden soll. Die notwendige Einschaltung behördlicher Instanzen bei der Unternehmensgründung wirft zwei Hauptprobleme auf, die häufig die Gründung erschweren: fehlende Rechtskenntnis der Gründer und zum Teil immer noch langwierige Bearbeitungsdauer bei Gründungsvorgängen. Daneben prägt das gesellschaftliche Umfeld die Gründungsentscheidung.

3.1.2 Standort des Unternehmens

Als Standort eines Unternehmens werden die Orte bezeichnet, an denen ein Unternehmen dauerhaft tätig ist. Der Standort ist nicht identisch mit dem Sitz eines Unternehmens. Unternehmen in Form einer juristischen Person haben ihren Sitz an dem Ort, an dem die Verwaltung durchgeführt wird (§ 24 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch]). Neben der unternehmerischen Tätigkeit an seinem Sitz kann ein Unternehmen aber auch an mehreren anderen Orten tätig sein. Neben der Unternehmensgründung stellt sich das Problem der Standortwahl auch bei Unternehmensverlagerung und Filialisierung (Standortspaltung). Standortentscheidungen werden durch Standortfaktoren beeinflusst. Als Standortfaktoren werden Merkmale bezeichnet, die die Wahl eines Standorts beeinflussen, sofern überhaupt eine Wahlmöglichkeit existiert. Standorte können nämlich aufgrund von Beschaffungs-, Produktions- oder Absatzbedingungen vorgegeben sein. Ist der Standort grundsätzlich disponibel, wird ein Unternehmen seinen Standort so wählen, dass der Einfluss der Standortfaktoren möglichst günstig auf das unternehmerische Zielsystem wirkt. Die Standortfaktorenlehre hat zum Ziel, alle potenziellen Standortfaktoren zu erfassen, zu systematisieren und in ihrer Bedeutung zu analysieren. Auf diesen Ergebnissen aufbauend können Aussagen zu einer möglichst ökonomisch-wirtschaftlichen Standortentscheidung, z. B. im Rahmen der Nutzwertanalyse, getroffen werden.

Standortfaktoren lassen sich im Wesentlichen auf durch den Standort bedingte Erlös- und Kostenunterschiede zurückführen. Im Einzelnen werden folgende Faktoren für die nationale und internationale Standortwahl als bedeutsam angesehen: Einflussfaktoren der Beschaffungsmärkte (Grund und Boden, Gebäude, Transport und Verkehr, Investitionsgüter-, Arbeits-, Kapital-, Energiemarkt), Einflussfaktoren der Absatzmärkte (Absatzpotenzial, Absatztransportkosten und -zeit, Absatzkontakte), Einflussfaktoren der staatlichen Rahmenbedingungen (Steuern, Gebühren, Zölle, Rechts- und Wirtschaftsordnung, Auflagen und Beschränkungen, staatliche Subventionen) und naturgegebene Einflussfaktoren (geologische Bedingungen, Umweltbedingungen) (Steiner 2005, S. 62–64).

3.2 Wachstum des Unternehmens

In der Regel verändert sich im Lebenszyklus eines Unternehmens seine Größe. Unternehmenswachstum bezeichnet den Prozess einer positiven längerfristigen Größenveränderung. Zur Bestimmung der Unternehmensgröße werden verschiedene Maßgrößen herangezogen wie Bilanzsumme, Umsatzerlöse, Zahl der Beschäftigten, Wertschöpfung und Marktanteil. Das Wachstum des Unternehmens kann extern und intern erfolgen. Externes Wachstum erfolgt durch den Erwerb von Verfügungsmacht über bereits bestehende Kapazitäten, internes Wachstum durch vom Unternehmen selbst neu erstellte Kapazitäten. Das interne Wachstum führt im Gegensatz zum externen Wachstum zu einer Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Kapazität.

Wachstum des Unternehmens wird durch Entscheidungen über die Strategie induziert. Horizontales Wachstum resultiert aus der Hinzufügung neuer Geschäftsfelder in derselben Branche. Laterales Wachstum entsteht durch neue Geschäftsfelder in anderen Branchen. Vertikales Wachstum bedeutet Hinzufügung neuer Geschäftsfelder in vor- oder nachgelagerten Stufen der Wertschöpfung.

Die Entscheidung über die Unternehmensstrategie führt zur Festlegung, in welchen und wie vielen Geschäftsfeldern das Unternehmen wachsen soll, welche Regionen das Geschäftsfeld abdeckt und welche Technologien entwickelt und eingesetzt werden. Wachstum des Gesamtunternehmens ist die Folge von Entscheidungen über die Zusammensetzung des Geschäftsbereichs-Portfolios.

Entscheidungen über die Geschäftsfeldstrategie sollen sicherstellen, dass das Unternehmen in den jeweiligen Geschäftsfeldern wettbewerbsfähig ist, d. h. gegenüber seinen Konkurrenten relative Vorteile herausarbeitet und sichert. Wachstum in einem Geschäftsfeld ist die Folge einer überlegenen Wettbewerbsposition.

3.3 Beendigung des Unternehmens

Ein Unternehmen wird beendet (liquidiert), wenn es seine gesamte Tätigkeit oder wesentliche Teile davon einstellt. Nach Veranlassung der Beendigung kann zwischen freiwilliger oder erzwungener Beendigung unterschieden werden. Eine freiwillige Unternehmensbeendigung erfolgt, weil die mit dem Unternehmen verfolgten Ziele erreicht sind oder weil die verfolgten Ziele als unerreichbar angesehen werden. Gründe der erzwungenen Unternehmensbeendigung können in der Person eines Gesellschafters, im Entzug der Gewerbeerlaubnis und in der Insolvenz liegen. Die Insolvenz ist eine rechtliche Konsequenz bestimmter ökonomischer Tatbestände, die äußerlich an Merkmalen der Finanzierungssituation anknüpfen. Insolvenzgründe sind (i) (drohende) Zahlungsunfähigkeit und (ii) Überschuldung des Unternehmens. Zahlungsunfähigkeit (Illiquidität) liegt vor, wenn das Unternehmen nicht in der Lage ist, seinen fälligen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Überschuldung bedeutet, dass die Verbindlichkeiten des Unternehmens den Wert des Unternehmensvermögens übersteigen. Die Überschuldung ist als Insolvenzgrund im Wesentlichen nur für Kapitalgesellschaften zwingend. Vor einer endgültigen Liquidation des Unternehmens kann, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen einer Insolvenz und die nötigen liquiden Mittel zur Deckung der Verfahrenskosten gegeben sind, auf Antrag des verschuldeten Unternehmens oder der Gläubiger ein Insolvenzverfahren eröffnet werden. Ziel des Insolvenzverfahrens ist die gleichmäßige Befriedigung aller Gläubigerinteressen, vorrangig durch die Erhaltung und Sanierung des Unternehmens.

3.4 Verfassung des Unternehmens

3.4.1 Rechtsform des Unternehmens

Ein Unternehmen kann auf verschiedene Weise am Wirtschaftsleben und den dazu notwendigen Rechtsgeschäften teilnehmen. Die Rechtsordnungen der Bundesrepublik Deutschland sowie der Europäischen Union geben verschiedene sogenannte Rechtsformen vor, unter denen Unternehmen dabei auftreten können (Wien 2013; Meyer 2018).Vom Unternehmen ist dessen Firmierung zu unterscheiden: Die Firma ist der Name des Unternehmens (des Kaufmanns im Sinne des HGB [Handelsgesetzbuch]), unter dem es rechtlich auftritt (§ 17 HGB).

Die verschiedenen Rechtsformen sind Organisationsmuster, die eine Vorabregelung wichtiger Konfliktfälle (insbesondere Leitungsbefugnis, Information und Kontrolle, Gewinnverteilung, Haftung) zwischen den Beteiligten an einem Unternehmen durch die Bestimmung spezifischer Rechte und Pflichten vornehmen. An ihnen machen sich auch Pflichten wie Publizität und Prüfung von Jahresabschlüssen oder Rechte der unternehmerischen Mitbestimmung für Arbeitnehmer fest.

Die Rechtsformen können in solche des privaten und solche des öffentlichen Rechts eingeteilt werden (Abb. 1). Zu den letzteren gehören beispielweise die Anstalten und Körperschaften des öffentlichen Rechts.
Abb. 1

Rechtsformen

Unternehmen können von einer einzelnen natürlichen Person betrieben werden (Einzelunternehmung), aber auch als Gesellschaft, einem Zusammenschluss von mehreren Personen, die einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Die am häufigsten im Wirtschaftsleben vertretenen Rechtsformen nach privatem Recht (Meyer 2018, S. 95) werden im Folgenden dargestellt:

Die Einzelunternehmung wird von einer einzelnen natürlichen Person rechtlich repräsentiert, die für alle Verbindlichkeiten der Firma allein und unbeschränkt mit ihrem Gesamtvermögen (Betriebs- und Privatvermögen) haftet. Als Konsequenz der vollen Risikoübernahme ergibt sich das alleinige Leitungs- und Entscheidungsrecht des Einzelunternehmers, das dieser allerdings in Form der Handlungsvollmacht oder Prokura teilweise delegieren kann. Die Einzelunternehmung ist die am häufigsten gewählte Rechtsform in der Bundesrepublik Deutschland. Aufgrund der Haftungsregelung und der in der Regel begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten findet sie überwiegend für Kleinbetriebe Verwendung. Für die Einzelunternehmung, sofern diese im Handelsregister eingetragen ist, gelten die Vorschriften des Handelsgesetzbuches (§§ 1–104 HGB).

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (BGB-Gesellschaft, GbR) ist ein Zusammenschluss von natürlichen oder juristischen Personen, die sich durch Gesellschaftsvertrag verpflichten, die Erreichung eines gemeinsamen Zweckes zu fördern. Die GbR kann auf bestimmte Dauer oder unbefristet angelegt sein, der zu fördernde Zweck kann sowohl wirtschaftlicher als auch nichtkommerzieller Natur sein (mit Ausnahme des Betreibens eines Gewerbes im Sinne des HGB). Für Verbindlichkeiten haften das Gesellschaftsvermögen sowie die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen als Gesamtschuldner. Die Führung der Geschäfte obliegt und steht den Gesellschaftern gemeinsam zu. Geregelt ist die GbR in §§ 705 bis 740 BGB. Sie ist häufig dauerhaft als Zusammenschluss von Freiberuflern, Kleingewerbetreibenden oder Praxisgemeinschaften anzutreffen; aber auch in der Form der sogenannten Gelegenheitsgesellschaft (Arbeitsgemeinschaft, Konsortium). Für Freiberufler kann, insbesondere aus Haftungsgründen, die Partnerschaftsgesellschaft (PartnG) eine interessante Alternative zur GbR sein.

Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) ist eine Gesellschaft, deren Zweck – in Abgrenzung zur GbR- auf den Betrieb eines Gewerbes unter gemeinschaftlicher Firma gerichtet ist. Die Gesellschafter haften den Gläubigern persönlich unbeschränkt als Gesamtschuldner. Bei Fehlen anders lautender Regelungen im Gesellschaftsvertrag sind alle Gesellschafter zur Führung der Geschäfte berechtigt und verpflichtet. Die OHG besitzt wie alle Personengesellschaften keine eigene Rechtspersönlichkeit, kann jedoch unter ihrer Firma am Rechtsverkehr teilnehmen. Ihre Regelung findet sich in §§ 105 bis 160 HGB.

Strukturelle Ähnlichkeiten zur OHG weist die Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV) auf, eine Rechtsform basierend auf EU-Verordnung.

Die Kommanditgesellschaft (KG) ist ebenso wie die OHG eine Gesellschaft, deren Zweck der Betrieb eines Gewerbes unter gemeinschaftlicher Firma ist. Sie unterscheidet sich dadurch von der OHG, dass sie zwei Gruppen von Gesellschaftern kennt: den persönlich unbeschränkt haftenden Komplementär und den Kommanditisten, dessen Haftung auf den Betrag seiner Vermögenseinlage beschränkt ist. Entsprechend sind die Kommanditisten von der Führung der Geschäfte ausgeschlossen. Geregelt ist die KG in §§ 161 bis 177a HGB.

Die Stille Gesellschaft (StG) ist eine reine Innengesellschaft, die nach außen nicht transparent wird, da der stille Gesellschafter für Außenstehende nicht in Erscheinung tritt. Die Einlage des stillen Gesellschafters geht in das Vermögen des Inhabers über. Die Haftung des stillen Gesellschafters ist auf seine Einlage beschränkt. Er ist am Gewinn beteiligt, eine Verlustbeteiligung kann ausgeschlossen werden. Die Geschäftsführung erfolgt durch den Inhaber. Die StG ist in §§ 230 bis 236 HGB geregelt.

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist als Kapitalgesellschaft eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit und ist im GmbH-Gesetz (GmbHG) geregelt. Sie kann auf der Grundlage eines Gesellschaftsvertrags von einer oder mehreren Personen zu jedem gesetzlich zulässigen Zweck errichtet werden. An der GmbH sind die Gesellschafter durch Stammeinlagen auf das Stammkapital beteiligt. Sowohl für Stammkapital als auch Stammeinlagen gelten Mindestvorschriften. Der Mindestnennbetrag des Stammkapitals beträgt 25.000 €, wovon mindestens die Hälfte einbezahlt sein muss. Die Mindesthöhe einer Stammeinlage beläuft sich auf 100 €. Die Haftung der Gesellschafter ist auf die Höhe der Stammeinlage beschränkt. Zu Geschäftsführern einer GmbH können Gesellschafter und andere Personen bestellt werden. Organe der GmbH sind die Geschäftsführung, der Aufsichtsrat (nicht immer zwingend) und die Gesellschafterversammlung.

Eine wichtige Sonderform der GmbH ist die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) (UG), die zumindest theoretisch bereits mit einem Haftungskapital von lediglich 1 € gegründet werden kann.

Die Aktiengesellschaft (AG) ist wie die GmbH eine juristische Person. Sie ist im Aktiengesetz (AktG) geregelt. Die Anteilseigner (Aktionäre) sind mit ihren Einlagen an dem in Aktien zerlegten Grundkapital beteiligt. Ihre Haftung ist auf die Höhe der Einlage beschränkt. Den Gläubigern für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft haftet nur das Gesellschaftsvermögen. Der Mindestnennbetrag des Grundkapitals ist 50.000 €, von dem mindestens ein Viertel bei Gründung eingezahlt werden muss. Der Mindestnennbetrag der Aktien beträgt 1 €. Organe der AG sind der Vorstand, dem die eigenverantwortliche Führung der Geschäfte und die Vertretung der Gesellschaft obliegt, der Aufsichtsrat, der die Vorstandsmitglieder bestellt und abberuft und ihre Geschäftsführung überwacht, und die Hauptversammlung als Organ der Aktionäre, dem die grundlegenden Entscheidungen in der AG zustehen, insbesondere Entscheidungen über die Kapitalstruktur und den Fortbestand des Unternehmens sowie die Wahl der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat und die Entlastung der Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats. Auf europäischer Ebene vergleichbar zur AG ist die Societas Europaea (SE).

Obgleich formal Zusammenschlüsse mehrerer Gesellschafter, können Unternehmen in den Rechtsformen der GmbH, UG und AG auch von einer einzelnen Person gegründet und geführt werden.

Eingetragene Genossenschaften (eG) sind Gesellschaften mit nicht geschlossener Mitgliederzahl, welche die Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebs bezwecken. Auch die Genossenschaft ist eine juristische Person. Sie ist im Genossenschaftsgesetz (GenG) geregelt. Zur Errichtung einer Genossenschaft sind drei Mitglieder (Genossen) erforderlich, ein bestimmtes Grundkapital ist nicht vorgeschrieben. Für Verbindlichkeiten haftet den Gläubigern nur das Vermögen der Genossenschaft. Die Statuten der Genossenschaft bestimmen, ob die Genossen nur beschränkt mit ihrer Einlage haften oder ob eine Nachschusspflicht besteht. In letzterem Fall können die Nachschüsse entweder unbeschränkt oder auf eine bestimmte Haftsumme beschränkt sein. Organe der Genossenschaft sind Vorstand, Aufsichtsrat und General- oder Vertreterversammlung. Die Geschäftsführung obliegt dem Vorstand, der von der General- oder Vertreterversammlung gewählt wird.

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ist eine Kombination von KG und AG. Sie kennt wie die KG zwei Gruppen von Gesellschaftern: den persönlich und unbeschränkt haftenden Komplementär und die Kommanditaktionäre, die nur mit ihrer Einlage an dem in Aktien zerlegten Grundkapital haften. Die KGaA kennt keinen Vorstand, die Geschäftsführung steht den persönlich haftenden Gesellschaftern zu.

Die GmbH& Co. KG ist eine Kommanditgesellschaft, bei der – in der Regel – der einzige Komplementär eine GmbH ist. Durch diese Konstruktion wird letztlich die Haftung aller natürlichen Personen auf ihre Kapitaleinlage beschränkt. Nicht selten sind die Gesellschafter der GmbH zugleich auch Kommanditisten der KG. Die Geschäftsführungsbefugnisse stehen der Geschäftsführung der GmbH zu.

Stiftungen sind eine Rechtsform, der Stifter Vermögen ohne Gegenleistung dauerhaft übertragen, um den jeweiligen Stiftungszweck zu fördern. Geführt und vertreten wird eine Stiftung vom Stiftungsvorstand nach den Vorgaben der Stiftungssatzung, dessen Tätigkeit überwacht ein Stiftungsrat. Von staatlicher Seite unterliegen rechtsfähige Stiftungen landesbehördlichen Aufsichten.

Der Konzern stellt keine Rechtsform dar. Vielmehr sind Konzerne die dominierende Erscheinung des modernen Großunternehmens, bei denen die einzelnen Unternehmen des Konzerns (Konzerngesellschaften) rechtlich selbstständige Gesellschaften sind, die einer einheitlichen wirtschaftlichen Leitung (durch die Muttergesellschaft) unterstehen.

3.4.2 Mitbestimmung

Träger betrieblicher Führungsentscheidungen sind die Eigentümer des Unternehmens und die von den Eigentümern zur Führung des Unternehmens bestellten Führungsorgane (Geschäftsführer, Manager). Daneben steht die Mitbestimmung der Arbeitnehmer als drittes Zentrum betrieblicher Willensbildung.

Die im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) von 1952 – zuletzt novelliert 2001 – und ggf. im Tarifrecht geregelte Mitbestimmung wird als betriebliche Mitbestimmung bezeichnet. Sie räumt den Arbeitnehmern in Einzelfragen, die insbesondere das tägliche Arbeitsleben, den Arbeitsplatz und die Lohngestaltung betreffen, ein Recht auf Information, Beratung, Mitwirkung und Mitbestimmung ein. Die „betriebliche Mitbestimmung“ unterscheidet sich grundlegend von der „unternehmerischen Mitbestimmung“, die den Arbeitnehmern eine unmittelbare Einflussnahme auf die unternehmerischen Entscheidungen und Planungen einräumt.

Im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung sieht das Betriebsverfassungsgesetz unabhängig von der Rechtsform für Betriebe mit mindestens fünf Arbeitnehmern eine Mitwirkung der Arbeitnehmer vor. Hauptorgan der Arbeitnehmer ist der Betriebsrat, der ab fünf Arbeitnehmern gebildet werden kann. Die Größe des Betriebsrates richtet sich nach der Zahl der im Unternehmen beschäftigten wahlberechtigten Arbeitnehmer. Zur Vertretung der Arbeitnehmerinteressen sind dem Betriebsrat genau umschriebene Kompetenzen eingeräumt. Diese beziehen sich in sachlicher Hinsicht auf soziale, personelle und wirtschaftliche Angelegenheiten. Nach der Intensität der Einflussmöglichkeiten auf Entscheidungen lassen sich Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates unterscheiden.

Mitwirkungsrechte sind umfassende Informations-, Einsichts- und Unterrichtungsrechte zur Gestaltung von Arbeitsplatz, Arbeitsablauf und Arbeitsumgebung, Personalplanung, personellen Einzelmaßnahmen (Einstellung, Ein- und Umgruppierung, Versetzung), wirtschaftlichen Angelegenheiten und Betriebsänderungen. Weiter bestehen das Recht auf Anhörung bei Kündigungen sowie das Recht auf Beratung und Verhandlung u. a. bei Fragen der Berufsbildung, der Personalplanung sowie Betriebsänderungen.

Die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates sind das Recht auf Widerspruch bei personellen Einzelmaßnahmen und der Bestellung betrieblicher Ausbilder, das Zustimmungs- oder Vetorecht bei sozialen Angelegenheiten, der Gestaltung von Personalfragebögen und Beurteilungs- und Auswahlrichtlinien und der Bestellung eines betrieblichen Ausbilders sowie das Initiativ- und Vorschlagsrecht bei sozialen Angelegenheiten, nicht menschengerechten Arbeitsplätzen, Personalauswahlrichtlinien, betrieblichen Berufsbildungsmaßnahmen und bei der Aufstellung eines Sozialplans bei Betriebsänderungen.

Der Betriebsrat wird von der Wahlversammlung gewählt, die aus den wahlberechtigten Arbeitnehmern des Betriebes besteht. Die Betriebsversammlung kann dem Betriebsrat keine Weisungen erteilen, sondern sie besitzt ein Recht auf Information und Beratung. Sie nimmt in vierteljährlichem Abstand den Tätigkeitsbericht des Betriebsrats entgegen. In Betrieben mit mehr als 100 ständig beschäftigten Arbeitnehmern ist ein Wirtschaftsausschuss zu bilden, der aus mindestens drei und höchstens sieben vom Betriebsrat bestimmten Mitgliedern besteht, wobei mindestens ein Mitglied zugleich dem Betriebsrat angehören muss. Aufgabe des Wirtschaftsausschusses ist es, wirtschaftliche Angelegenheiten mit dem Unternehmer zu beraten und den Betriebsrat zu unterrichten. In Betrieben mit mindestens fünf jugendlichen Arbeitnehmern ist die Wahl einer Jugend- und Auszubildendenvertretung vorgeschrieben, die die besonderen Belange der jugendlichen Arbeitnehmer zu vertreten hat. Die Einigungsstelle, die sich aus einer gleichen Anzahl von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern und einem unparteiischen Vorsitzenden zusammensetzt, hat die Funktion, bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den betrieblichen Parteien Entscheidungen herbeizuführen.

Die unternehmerische Mitbestimmung (auch Unternehmensmitbestimmung) der Arbeitnehmer betrifft die Beteiligung der Arbeitnehmer in den Leitungs- und Kontrollorganen der Unternehmen. Sie ist in vier verschiedenen Gesetzen geregelt, die die Tatsache und die Art der Mitbestimmung von Rechtsform, Größe und Branche des Betriebes abhängig machen: das Montan-Mitbestimmungsgesetz (MontanMitbestG) von 1951 und dessen Ergänzung von 1956 (MontanMitbestGErgG), das Gesetz über die Mitbestimmung der Arbeitnehmer (MitbestG) von 1976 und das Drittelbeteiligungsgesetz von 2004. (Althammer und Lampert 2014, S. 235–237)

Das Mitbestimmungsgesetz von 1976 erfasst im Wesentlichen Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit mit mehr als 2000 Arbeitnehmern. Ausgenommen sind Betriebe der Montanindustrie. Die Mitbestimmung soll durch einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat gewährleistet werden. Der Aufsichtsrat besteht aus mindestens sechs Arbeitnehmer- und sechs Arbeitgebervertretern. Die Arbeitgebervertreter im Aufsichtsrat werden durch das zuständige Wahlorgan (§ 8 MitbestG) bestimmt. Die Arbeitnehmervertreter setzen sich aus Arbeitnehmern des Unternehmens und Repräsentanten der im Unternehmen vertretenen Gewerkschaften zusammen (mindestens zwei Vertreter); unter den Arbeitnehmervertretern muss mindestens ein leitender Angestellter sein. Beschlüsse des Aufsichtsrats bedürfen der Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Bei Stimmengleichheit kommt dem Vorsitzenden bei der zweiten Abstimmung eine doppelte Stimme zu. Das Mitbestimmungsgesetz für die Montanindustrie für Unternehmen bestimmter Rechtsformen mit mehr als 1000 Arbeitnehmern sieht eine paritätische Besetzung des Aufsichtsrates mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern vor. Ein zusätzliches Mitglied des Aufsichtsrates (der „Unparteiische“) verhindert Pattsituationen. Dieses Mitglied wird von den übrigen Aufsichtsratsmitgliedern gewählt. Ein Vorstandsmitglied (Arbeitsdirektor) muss für Personal- und Sozialfragen zuständig sein. Der Arbeitsdirektor kann nicht gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat berufen werden. Das Montanmitbestimmungsergänzungsgesetz erweitert den Geltungsbereich der paritätischen Mitbestimmung auf Unternehmen, die Unternehmen der Montanindustrie beherrschen. Das Drittelbeteiligungsgesetz von 2004 regelt die Unternehmensmitbestimmung insbesondere für Kapitalgesellschaften und Genossenschaften mit in der Regel mehr als 500 Arbeitnehmern. Der Aufsichtsrat, der aus mindestens 3 Mitgliedern besteht, setzt sich aus Repräsentanten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Verhältnis 2:1 zusammen.

3.5 Zusammenschlüsse von Unternehmen

Zusammenschlüsse von Unternehmen sind Vereinigungen rechtlich selbständiger Unternehmen zu wirtschaftlichen Zwecken. Nach der Intensität der Bindung können Kooperation und Konzentration unterschieden werden. Die Kooperation ist eine auf Verträgen beruhende Zusammenarbeit rechtlich und wirtschaftlich selbständiger Unternehmen in bestimmten Bereichen ihrer Tätigkeit. Dagegen ist die Konzentration eine Zusammenfassung von Unternehmen unter einheitlicher Leitung, die von einer wirtschaftlichen Integration begleitet ist. Zusammenschlüsse von Unternehmen streben durch Abstimmung des Verhaltens in einem oder mehreren Entscheidungstatbeständen ein günstigeres wirtschaftliches Ergebnis an, als es bei nicht abgestimmtem Verhalten auftreten würde. Ziele abgestimmten Verhaltens sind die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit durch Erzielung von Rationalisierungseffekten, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch Verbesserung der Marktstellung gegenüber Abnehmern, Lieferanten oder potenziellen Kreditgebern sowie die Minderung des Risikos durch Aufteilung des Risikos auf mehrere Partner. Eine spezielle Kooperationsform ist das Kartell. Kartelle sind vertragliche Zusammenschlüsse rechtlich selbständiger Unternehmen, die ein abgestimmtes Verhalten zum Gegenstand haben. Die Dispositionsfreiheit der dem Kartell angehörenden Unternehmen wird je nach den vertraglichen Vereinbarungen unterschiedlich stark eingeschränkt. Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) sieht ein Verbot von Kartellen vor, welche eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs bezwecken oder bewirken. Kartelle, die den Handel zwischen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft (EG) behindern oder eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes bewirken, sind laut Art. 81 des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) verboten und nichtig.

4 Funktionsbezogene Entscheidungen

4.1 Beschaffung

Beschaffung ist die Gesamtheit aller Aktivitäten, die ein Unternehmen plant und durchführt, um die Verfügung über die zur Leistungserstellung erforderlichen materiellen und immateriellen Realgüter zu erlangen. Materielle Realgüter sind beispielsweise Material (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Halbfabrikate, Teile), Maschinen oder Gebäude. Immaterielle Realgüter sind Dienste und Rechte. Strategische Beschaffungsentscheidungen beziehen sich auf die langfristige Versorgung des Unternehmens mit den benötigten Realgütern. Sie betreffen die grundsätzliche Auswahl der zu beschaffenden Güter und schließen Entscheidungen über „Eigenfertigung oder Fremdbezug“ ein. Weiter umfasst die strategische Beschaffungspolitik auch die Gestaltung langfristiger Kooperationsverträge mit Lieferanten (vertikale Kooperation) und anderen einkaufenden Unternehmen mit ähnlichem Bedarf (horizontale Kooperation). Die operativen Beschaffungsentscheidungen umfassen die mengen- und zeitmäßige Planung der Bedarfe einschließlich der Fixierung der Liefermengen, der Lieferzeitpunkte und der jeweiligen Lieferanten, die Festlegung der Beschaffungsart (fallweise Beschaffung, fertigungssynchrone Beschaffung [Just-in-time-Systeme], Vorratsbeschaffung), die Festlegung der Kontrahierungspolitik (Preis-, Rabattpolitik, Liefer- und Zahlungsbedingungen) und Fragen der Beschaffungswerbung.

4.2 Produktion

Produktion ist der gelenkte Einsatz von Realgütern, um andere Realgüter zu erzeugen. Theoretischer Kern der wissenschaftlichen Durchdringung des Produktionsbereichs ist die Produktionsfunktion, die das Verhältnis des Faktoreinsatzes zum Produktionsergebnis quantitativ beschreibt. Die Betriebswirtschaftslehre hat mehrere Varianten von Produktionsfunktionen entwickelt, die wesentlich auf den theoretischen Grundansatz von E. Gutenberg zurückgehen. Dieser leitet die Produktionsfunktion aus technischen Verbrauchsfunktionen ab (Gutenberg 1983). Die Verbrauchsfunktion gibt die funktionalen, technisch bedingten Beziehungen wieder, die zwischen dem Leistungsgrad einer Maschine (Intensität) und dem Verbrauch an Produktionsfaktoren je Leistungseinheit bestehen. Bei der Formulierung von Zielen im Produktionsbereich ergeben sich insbesondere Schwierigkeiten daraus, dass Fertigungsentscheidungen keinen unmittelbaren Marktbezug haben. Sie sind eingebettet in marktbezogene Beschaffungs- und vor allem Absatzentscheidungen. Da sich der Erfolg des Unternehmens letztlich immer erst am Markt entscheidet, ergeben sich Zurechnungsprobleme bei der Formulierung produktionswirtschaftlicher Erfolgsziele. Im Produktionsbereich stehen daher Mengen- und Zeitgrößen als Unterziele im Vordergrund. Inhalte fertigungswirtschaftlicher Ziele sind z. B. die Produktivitätssteigerung als Steigerung des Wirkungsgrades der eingesetzten Produktionsfaktoren, die Minimierung der Auftragsdurchlaufzeiten und die Verbesserung der Humanität der Arbeitsorganisation. Produktionswirtschaftliche Entscheidungen können strategischen und operativen Charakter besitzen. Die längerfristig wirkenden strategischen Entscheidungen beziehen sich auf die Bestimmung der Produktarten sowie die globalen mengenmäßigen Begrenzungen (Produkthöchst- und -mindestmengen), den Gesamtumfang der technisch-wirtschaftlichen Forschung und Entwicklung sowie die Auswahl von Projekten der Produkt- und Verfahrensforschung, die Auswahl der Fertigungsverfahren, die Festlegung der Kapazitäten der zugehörigen Kombinationen von Maschinen und Anlagen und die Festlegung der Basisorganisation für den Produktionsvollzug (Einsatzfolge bzw. Anordnung der Produktionsanlagen). Durch in der Regel kurzfristig ausgelegte operative Produktionsentscheidungen werden die strategischen Rahmenbedingungen ausgefüllt. Operative Produktionsentscheidungen sind die Produktionsprogrammplanung, im Rahmen derer, ausgehend von den Daten der Absatzplanung, der art- und mengenmäßige Output in einer gegebenen Periode festgesetzt wird, und die Produktionsprozessplanung, im Rahmen derer alle Entscheidungen zur Realisierung des geplanten Produktionsprogramms getroffen werden. Die Prozessplanung umfasst Entscheidungen über die einzusetzenden Verfahren, die Maschinenbelegung, Arbeitsverteilung, Auftragsterminierung, Festlegung der Losgrößen und die innerbetriebliche Steuerung von Fertigungsmaterial, Zwischenprodukten und Betriebsstoffen (Schuh und Schmidt 2014).

4.3 Absatz/Marketing

Absatzpolitik ist die bewusste Beeinflussung und Steuerung des Absatzes zur Erreichung der Unternehmensziele. Die Art absatzpolitischer Anstrengungen hängt stark davon ab, ob das Unternehmen auf einem Verkäufer- oder einem Käufermarkt operiert. Auf Verkäufermärkten sind die Anbieter aufgrund von Güterknappheit und geringen Ausweichmöglichkeiten der Nachfrager in einer günstigen Lage. Auf Käufermärkten ist dagegen das Angebot relativ zur Nachfrage im Überfluss vorhanden, und die Käufer haben für sich befriedigende Ausweichmöglichkeiten unter konkurrierenden Anbietern. Jeder Anbieter in einem Käufermarkt muss danach streben, in den Augen seiner aktuellen und potenziellen Käufer gewisse Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten bieten zu können, wenn sein Angebot nicht dem Angebot eines Konkurrenten unterliegen soll. Darüber hinaus wird ein Unternehmen zur Sicherung seiner Existenz und seines Wachstums danach trachten, mit neuen Produkten in neue Märkte einzutreten. Diese Bestrebungen setzen voraus, dass sich die Absatzpolitik an den aktuellen und potenziellen Käuferwünschen und -bedürfnissen orientiert. Die Konzeption der Absatzpolitik, die sich zur Erreichung der Ziele des Unternehmens an den Bedürfnissen der Käufer orientiert, wird als Marketing bezeichnet. Ausgangspunkt der planmäßigen Gestaltung des Marketings ist die Abgrenzung des relevanten Marktes, der gegebenenfalls in mehrere Teilmärkte gegliedert werden kann (Marktsegmentierung). Marketing-Entscheidungen zielen sodann auf die Beeinflussung der Märkte des Unternehmens und die Nutzung der Marktsituation im Interesse des Unternehmens ab. Inhalte von Marketing-Zielen sind der Markteintritt, die Entwicklung, Verteidigung und Stärkung der Marktposition, die Änderung der Marktposition sowie der Marktaustritt. Als Mittel zur Erreichung der Marketing-Ziele stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung: Produkt- und Sortiments-, Kommunikations-, Vertriebs- und Kontrahierungspolitik. Die Produkt- und Sortimentspolitik umfasst alle Entscheidungen, die sich auf die Gestaltung einzelner Sach- und Dienstleistungen oder auf das ganze Sortiment (Vertriebsprogramm) beziehen. Die Kommunikationspolitik ist der Gesamtbereich aller Maßnahmen eines Unternehmens, die auf die Beeinflussung der Käufer durch Kommunikation gerichtet sind. Durch Werbung werden Käufer mittels nicht persönlicher Kommunikation über Medien angesprochen. Im Rahmen der Werbeentscheidung ist festzulegen, für welche Werbeobjekte (Leistungen des Unternehmens), für welche Werbesubjekte (Adressaten der Werbung), mit welchen Werbebotschaften (Inhalt der Werbung), mit welchen Werbemitteln (gestalterische Umsetzung der Werbebotschaft), in welchen Werbemedien (Träger der Werbemittel [Presse, Rundfunk, Fernsehen usw.]) und mit welchem finanziellen Einsatz (Werbebudget) geworben werden soll. Der Persönliche Verkauf dient der unmittelbaren Bearbeitung der Kunden durch persönliche Kommunikation. Verkaufsfördernde Maßnahmen (sales-promotion) unterstützen Werbung und persönlichen Verkauf durch überwiegend kurzfristig wirkende Maßnahmen (Gutscheine, Preisausschreiben, zeitlich begrenzte Preisnachlässe). Im Rahmen der Vertriebspolitik ist zunächst über den Absatzweg (Vertriebsweg) der Leistungen des Unternehmens zu entscheiden. Durch Direktvertrieb werden im Gegensatz zum indirekten Vertrieb die Verwender unmittelbar unter Ausschaltung potenzieller Absatzmittler (Handel) bearbeitet. Weitere Entscheidungen betreffen die Marketing-Logistik, die alle Entscheidungen zur physischen Bereitstellung der Güter umfasst. Die Kontrahierungspolitik umfasst zunächst Entscheidungen über die Höhe des Preises einer Einzelleistung, über das Verhältnis des Preises eines bestimmten Marktgutes zum Preis anderer Absatzgüter, über die Preisermittlungsmethode einschließlich der Rabattgewährung und über die Einflussnahme auf die Preisentscheidung nachgelagerter Marktstufen. Darüber hinaus sind Entscheidungen über die Liefer- und Zahlungsbedingungen und über Kreditgewährungen (Finanzierungsangebote) zu treffen.

4.4 Finanzierung

Dem Realgüterstrom entgegen läuft ein Strom an Nominalgütern. Nominalgüter sind Geld und in Geldwerten ausgedrückte Güter (Forderungs- und Schuldtitel). Die aus der betrieblichen Tätigkeit hervorgebrachten Absatzgüter werden durch Verkauf auf den Absatzmärkten zu Geld. Dieses Geld wird wiederum dazu verwandt, Produktionsfaktoren zu beschaffen, Kredite zurückzuzahlen und Zahlungen an Eigentümer und den Staat (Fiskus) zu leisten. Die Notwendigkeit von Finanzierungsentscheidungen ergibt sich aus drei grundlegenden Problemen. Die Sicherstellung der Kapitalaufbringung ist das erste Grundproblem der Finanzierung. Real- und Nominalgüterstrom fließen nicht zeitgleich. Bevor aus der betrieblichen Tätigkeit Einzahlungen zu erwarten sind, müssen Auszahlungen für die Gründung des Unternehmens, die Beschaffung von Produktions- und Verwaltungseinrichtungen und die Produktion selbst vorgeleistet werden. Da für die Güterbeschaffung in der Regel Auszahlungen geleistet werden müssen, bevor aus dem Absatz der Güter Einzahlungen erzielt werden, entsteht ein Kapitalbedarf (Abb. 2). Der Kapitalbedarf wird durch Finanzzahlungen von Kapitalgebern gedeckt. Das zweite Grundproblem der Finanzierung ist die jederzeitige Sicherstellung des finanziellen Gleichgewichts. Der laufende Betrieb leistet täglich an verschiedene Empfänger Auszahlungen und erhält ebenso täglich von verschiedenen Geldgebern Einzahlungen. Diese Zahlungsströme müssen so gesteuert werden, dass das finanzielle Gleichgewicht des Unternehmens gesichert ist, d. h., dass alle in einer Planperiode fälligen Zahlungsverpflichtungen ausgeglichen werden können. Ist dies nicht möglich, droht aufgrund der Rechtsordnung wegen Zahlungsunfähigkeit (Illiquidität) die Insolvenz.
Abb. 2

Kapitalbedarf

Das dritte Grundproblem der Finanzierung ist die Sicherung der Eigenkapitalzuführung bei großen Verlusten. Durch Erwirtschaftung von Verlusten wird das Eigenkapital aufgezehrt. Für den Fall der Aufzehrung des Eigenkapitals durch Verluste droht bei bestimmten Rechtsformen die Insolvenz des Unternehmens.

Bezüglich der Arten der Finanzierung kann nach der Kapitalherkunft in Außen- und Innenfinanzierung unterschieden werden. Außenfinanzierung bedeutet, dass das Kapital dem Unternehmen von außen aus Kapitaleinlagen oder Kreditgewährung zufließt. Von Innenfinanzierung wird gesprochen, wenn die finanziellen Mittel aus dem Umsatzprozess stammen. Dabei ist zwischen neu gebildeten Mitteln (z. B. Gewinn) und solchen Mitteln zu unterscheiden, die aus Vermögensumschichtung stammen (z. B. Verkauf von Anlagen). Nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber kann zwischen Eigenfinanzierung (Zuführung von Eigenkapital, das die Haftung für die Verbindlichkeiten trägt) und Fremdfinanzierung (Zuführung von Gläubigerkapital) unterschieden werden. Beide Formen können Außen- und Innenfinanzierung sein.

4.5 Organisation

Die unausweichliche Komplexität betrieblicher Problemstellungen erzwingt eine Zerlegung und Verteilung der Aufgaben. Die Aufgabenteilung führt zwangsläufig zu einem sachlichen, zeitlichen und personellen Abstimmungs-(Koordinations-)Problem, wenn die Gesamtaufgabe zielgerecht erfüllt werden soll. Durch organisatorische Regelungen wird die Aufgabenteilung und Koordination der Teilaufgaben im Sinne einer möglichst reibungslosen Verwirklichung der Gesamtziele des Unternehmens gestaltet.

Die Aufbauorganisation des Unternehmens zeigt die Teilaufgaben der Aufgabenträger und die zwischen diesen bestehenden Beziehungen. Stehen demgegenüber die sachlichen, in Raum und Zeit ablaufenden Prozesse im Vordergrund, die sich bei und zwischen den Aufgabenträgern vollziehen, spricht man von Ablauforganisation. Die Gestaltungsvariablen der Organisationsstruktur des Unternehmens lassen sich unterteilen in Aufgabenverteilung, Verteilung von Weisungsrechten, Verteilung von Entscheidungsrechten, Programmierung und das Kommunikationssystem. Die Aufgabenverteilung (Spezialisierung) ist der Ausgangspunkt jeder Strukturierung einer Organisation. Sie umfasst die Zerlegung der Gesamtaufgabe in Teilaufgaben und die Bildung organisatorischer Einheiten als Träger dieser Teilaufgaben. Als Aufgabenträger kommen Stellen, Abteilungen und Kollegien in Frage. Eine Stelle ist wiederum ein Aufgabenkomplex, der von einer dafür qualifizierten Person normalerweise bewältigt werden kann und der grundsätzlich unabhängig vom jeweiligen Stelleninhaber gebildet wird. Je nach den mit der Stelle verbundenen Handlungsrechten (Kompetenzen) können Ausführungs-, Leitungs- und Stabsstellen unterschieden werden. Ausführungsstellen sind im Wesentlichen mit Ausführungs- und Zugriffskompetenzen ausgestattet. Bei Leitungsstellen konzentrieren sich Weisungs- und Entscheidungsrechte. Stabsstellen besitzen im Wesentlichen Kompetenzen für die Durchführung der Planung und Kontrolle von Entscheidungen. Sie sollen bestimmte Leitungsstellen entlasten und besitzen üblicherweise keine Entscheidungs- oder Weisungsrechte. Abteilungen sind nach einem bestimmten Kriterium dauerhaft zusammengefasste Stellen, die von einer Leitungsstelle (Instanz) geleitet werden. Kollegien (Projektgruppen, Komitees) werden von mehreren Personen auf Zeit gebildet, um eine ihnen zugewiesene Spezialaufgabe gemeinschaftlich zu bewältigen. Ansonsten erfüllen die Mitglieder des Kollegiums eigene Stellenaufgaben in ihrem eigentlichen Aufgabenbereich.

Die Aufgabenverteilung auf der von oben gesehen zweiten organisatorischen Ebene entscheidet über den sachlichen Globalaufbau des Unternehmens (Abteilungsspezialisierung) (Weber et al. 2018, S. 136–139). Bei der verrichtungs- oder funktionsorientierten Organisation findet das Verrichtungskriterium bei der Aufgabengliederung Verwendung (Abb. 3). Bei Anwendung des Objektkriteriums gestaltet sich die Organisation objektorientiert (Sparten-, Geschäftsbereichs- oder divisionalisierte Organisation; Abb. 4). Die Objekte der Leistungserstellung können nach Produktart, Kundengruppe und Absatzregion differenziert werden. In der Praxis dominieren sowohl auf der zweiten als auch auf der dritten Gliederungsebene Mischformen der Gliederungsprinzipien. Bei der echten Matrixorganisation wird unterhalb der Unternehmensleitungsebene quer zur verrichtungsorientierten Organisation eine objektorientierte Organisation, die nach Produkten, Regionen, Kunden oder Projekten gegliedert ist, eingeführt (Abb. 5). Die Stellen mit verrichtungs- und objektorientierter Aufgabenzuordnung sind gleichberechtigt gegenüber Unterabteilungen. Durch die spezialisierte Weisungsbefugnis nach den beiden Kriterien soll eine qualifizierte und zugleich rechtzeitige Koordination erreicht werden.
Abb. 3

Funktionsorientierte Organisation des Unternehmens (Beispiel) (Weber, Kabst und Baum, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre 2018, S. 137) Mit freundlicher Genehmigung von Springer Nature

Abb. 4

Objektorientierte Organisation des Unternehmens (Beispiel) (Weber, Kabst und Baum, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre 2018, S. 138) Mit freundlichen Genehmigung von Springer Nature

Abb. 5

Matrixorganisation (objekt- und funktionsorientiert) (Beispiel) (Weber, Kabst und Baum, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre 2018, S. 139) Mit freundlicher Genehmigung von Springer Nature

Die Verteilung von Weisungsrechten soll zu einer möglichst reibungslosen Abstimmung der Teilaufgabenerfüllung zwischen den organisatorischen Einheiten durch persönliche Einflussnahme und Verantwortung eines Vorgesetzten beitragen. Die Gestaltung des Weisungsrechts wird im sogenannten Einliniensystem dadurch geregelt, dass jeder Untergebene nur von seinem direkten Vorgesetzten Weisungen erhält, dem er auch allein für die Aufgabenerfüllung verantwortlich ist (Einheit der Auftragserteilung). Zur Bewältigung des Überforderungsproblems von Vorgesetzten kann das Einlinien- zum Stabliniensystem erweitert werden, indem spezialisierte Stabsstellen außerhalb der Linie eingerichtet werden. Im Mehrliniensystem sind nachgeordnete Stellen mehrfach unterstellt. Dies ist beispielsweise bei der Matrixorganisation der Fall.

Durch Verteilung von Entscheidungsrechten wird die inhaltliche Gestaltungskompetenz der Aufgabenerfüllung in Unternehmen geregelt. Durch Delegation werden Entscheidungsrechte weitergegeben. Partizipation betrifft die Frage, in welchem Ausmaß die Personen einer nachgeordneten Ebene an der Entscheidungsfindung der übergeordneten Ebene beteiligt sind. Durch Programmierung wird das Problemlösungsverhalten von Aufgabenträgern im Unternehmen durch Vorgabe allgemeiner Instruktionen gesteuert. Diese können sich im Wesentlichen auf Abläufe, Verfahrensrichtlinien, Planungs- und Kontrollsysteme und das Ausmaß der Dokumentation des betrieblichen Geschehens beziehen. Durch das Kommunikationssystem wird die Art und Weise der Informationsübertragung zwischen Personen geregelt. Die Kommunikation kann direkt oder indirekt, offen oder gebunden und synchron oder asynchron erfolgen (Weber et al. 2018, S. 141–148).

In Großunternehmen heutiger Prägung wird die komplexe Struktur durch Regeln und Grundsätze abgesichert. Solche Richtlinien für „gute Unternehmensführung“ werden entweder vom Unternehmen selbst gesetzt oder aufgrund von empfohlenen Verhaltenskodizes übernommen. Die Gesamtheit der Regeln wird „corporate governance“ genannt. Der Deutsche Corporate Governance Kodex stellt wesentliche gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Gesellschaften dar und enthält in Form von Empfehlungen und Anregungen international und national anerkannte Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung.

4.6 Personalwirtschaft

Das Grundproblem der Personalwirtschaft besteht darin, einen quantitativ, qualitativ, zeitlich und räumlich differenzierten Personalbedarf mit einem entsprechend differenzierten Personalbestand zu decken. Zu den weiteren Kernaufgaben der Personalwirtschaft gehört die Qualifizierung und Förderung des Personals, die Bereitstellung von Anreizen sowie die Steuerung des Verhaltens durch strukturelle und personelle Führung. Sämtliche „Aufgabenfelder … können dabei unter den Perspektiven der Planung, der Realisation und der Kontrolle betrachtet werden“ (Weber et al. 2005, S. 256). Der Personalbedarf leitet sich aus den Teilplänen der Bereiche des Unternehmens ab. Ermittelte Abweichungen zwischen vorhandener (Istbestand) und benötigter personeller Kapazität (Sollbestand) führen zum jeweiligen Betrachtungszeitpunkt zum Ausweis einer erwarteten personellen Über- oder Unterdeckung bzw. einer Deckung.

Entscheidungen über die Personalbeschaffung werden bedingt durch das Angebot auf den Beschaffungsmärkten und die Dauer des Personalbedarfs. Die Personalbeschaffung kann auf dem betriebsinternen Arbeitsmarkt durch die Veränderung bestehender Arbeitsverträge/-bedingungen (Überstunden, Versetzung, Übergang von Teil- zu Vollzeitarbeit, Entwicklung) oder auf dem externen Arbeitsmarkt durch Abschluss neuer Verträge (Einstellung, Personalleasing) erfolgen.

Personalfreisetzung kann auf dem unternehmensinternen Arbeitsmarkt durch Abbau von Überstunden, Kurzarbeit, Übergang von Voll- zu Teilzeitarbeit und Versetzung erfolgen. Auf den externen Arbeitsmarkt bezogene Maßnahmen sind die Förderung freiwilligen Ausscheidens und die Entlassung.

Durch Personalentwicklung wird die Qualifikation der Mitarbeiter für die Zukunft zu sichern gesucht. Es geht dabei um die Veränderung persönlicher Merkmale, die für die Ausübung beruflicher Tätigkeiten relevant sind (Kenntnisse, Erfahrungen, Fähigkeiten), die Maßnahmen, die auf diese Veränderungen einwirken sollen (z. B. Weiterbildung, Erfahrungsvermittlung) sowie um die Maßnahmen, mit denen auf die Veränderungen reagiert wird (Zuweisung neuer Aufgaben, Erweiterung bzw. Veränderung des Zuständigkeitsbereichs der Mitarbeiter) (Weber et al. 2005, S. 241–242). Aufbauend auf der Analyse des Qualifikationsbedarfs sind z. B. Entscheidungen über ein Bildungsprogramm zu treffen. Dabei kann zwischen selbst erstellten Bestandteilen des Bildungsprogramms (Weiterbildung am Arbeitsplatz, firmeneigene Bildungszentren) und fremd beschafften Bestandteilen (Bildungsurlaub, Weiterbildung durch unternehmensexterne Institutionen) unterschieden werden.

Zur Förderung der Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter muss über den Einsatz monetärer und nichtmonetärer Anreize entschieden werden. Monetäre Anreize werden primär durch das Entlohnungssystem vermittelt. Die Formen des Entgelts für die menschliche Arbeitsleistung zur Realisierung von Leistungsgerechtigkeit sind Zeit-, Akkord- und Prämienlohn (Weber et al. 2018, S. 370–374). Beim Zeitlohn dient die Arbeitszeit als Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Lohnhöhe, mit der jedoch eine bestimmte Leistungserwartung mittelbar verbunden ist. Zur Schaffung eines unmittelbar wirksamen Lohnanreizes kann der reine Zeitlohn durch Leistungszulagen, die auf subjektiv eingeschätzten Kriterien von Vorgesetzten beruhen, ergänzt werden. Akkordlöhne werden für eine vorgegebene Zeit (Zeitakkord) oder als fester Geldwert für eine Produktionseinheit (Geldakkord) gezahlt und sind damit unmittelbar abhängig vom Leistungsergebnis. Beim Prämienlohn erhält der Mitarbeiter zum Grundlohn nach objektiven, vorher festgelegten Kriterien ein Zusatzentgelt (Prämie) für eine bestimmte erbrachte Leistung Die Prämie kann sich dabei auf die Qualität der hergestellten Produkte, die Ersparnis an Rohstoffen, die Einhaltung von Terminen etc. beziehen.

Nichtmonetäre Leistungsanreize können u. a. durch die Gestaltung des Personaleinsatzes vermittelt werden. Ziel der Personaleinsatzplanung ist die Realisierung der bestmöglichen Zuordnung von Arbeitskräften und Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung von Arbeitsplatzsicherheit und Aufstiegsmöglichkeiten.

Mitarbeiterführung ist die beabsichtigte, d. h. zielgerichtete Beeinflussung des Verhaltens und der Einstellung von einzelnen Mitarbeitern sowie die Beeinflussung der Interaktionen in und zwischen innerbetrieblichen Systemen. Dabei wird zwischen direkter, interaktiver Führung und indirekter bzw. struktureller Führung unterschieden. Zur Wahrnehmung ihrer Führungsaufgabe können die Vorgesetzten unterschiedliche Verhaltensweisen wählen, d. h. sie können unterschiedliche Führungsstile pflegen. Der Führungsstil besteht in einem relativ konstanten Führungsverhalten, das durch eine persönliche Grundeinstellung des Vorgesetzten gegenüber Mitarbeitern geprägt wird.

Führungsstile können nach dem Ausmaß der Anwendung von Autorität durch den Vorgesetzten und dem Ausmaß an Entscheidungsfreiheit der Mitarbeiter auf einem Kontinuum vom extrem vorgesetztenzentrierten (autoritären) zum extrem mitarbeiterzentrierten (demokratischen) Führungsverhalten geordnet werden. Bei autoritärem Führungsstil entscheidet der Vorgesetzte und ordnet an. Bei patriarchalischer Führung entscheidet der Vorgesetzte zwar, er ist aber bestrebt, die Mitarbeiter von seinen Entscheidungen vor deren Anordnung zu überzeugen. Beratender Führungsstil liegt vor, wenn der Vorgesetzte vor seiner Entscheidung Fragen gestattet, um durch deren Beantwortung die Akzeptierung seiner Entscheidung zu erreichen. Ein Führungsstil ist kooperativ, wenn der Vorgesetzte, bevor er die endgültige Entscheidung trifft, die Mitarbeiter informiert und zum Entscheidungsgegenstand befragt. Ein partizipativer Führungsstil beinhaltet die Entwicklung von Vorschlägen durch die Mitarbeiter, aus denen der Vorgesetzte auswählt. Beim demokratischen Führungsstil entscheidet die Gruppe, nachdem der Vorgesetzte zuvor das Problem aufgezeigt und die Grenzen des Entscheidungsspielraums festgelegt hat, oder der Vorgesetzte fungiert lediglich als Koordinator der Entscheidung (Weber, Kabst und Baum, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre 2018, S. 378–379).

4.7 Rechnungswesen

Das betriebliche Rechnungswesen stellt Informationen über wirtschaftliche Tatbestände eines Betriebs zur Verfügung, darunter die grundlegenden Ziele Liquidität und Erfolg. In Abhängigkeit von den Adressaten der jeweiligen Berichterstattung spricht man vom externen oder internen Rechnungswesen.

4.7.1 Externes Rechnungswesen

Die wichtigsten Adressaten der externen Rechnungslegung sind Gläubiger, die Informationen über die Zahlungsfähigkeit des Betriebes nachfragen, Anteilseigner, die Informationen über die Erfolgsentwicklung und Ausschüttungspolitik des Betriebes benötigen, der Staat zum Zweck der Steuerbemessung sowie Belegschaft, Kunden oder allgemeine Öffentlichkeit, die über die wirtschaftliche Entwicklung des Betriebes informiert sein wollen (Federmann und Müller 2018, S. 23–28).

Die Anforderungen an das externe Rechnungswesen sind für Unternehmen in Deutschland zum einen in den Grundsätzen ordentlicher Buchführung (GoB) geregelt, die aufgrund gängiger Praxis Bedeutung erlangten, sowie zum anderen in Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB). Neben diesen handelsrechtlichen Erfordernissen gelten im externen Rechnungswesen auch steuerrechtliche Vorschriften, die aufgrund der besonderen Interessen des Fiskus teilweise deutliche Abweichungen in den Begriffen und Instrumenten aufweisen. Auf diese wird hier nicht weiter eingegangen (siehe dazu (Federmann und Müller 2018, S. 39–42)).

Die handelsrechtlichen Vorschriften bezüglich der Pflicht zur Buchführung sowie zu Inhalt, Aufstellung, Prüfung, Feststellung und Veröffentlichung eines Jahresabschlusses unterscheiden sich in Abhängigkeit der Rechtsform, der Größe und der Kapitalmarktorientierung der Unternehmen (Coenenberg et al. 2016, S. 36–60) (Federmann und Müller 2018, S. 42–72). Besonders umfangreiche handelsgesetzliche Vorschriften gelten für große Kapitalgesellschaften. Diese werden exemplarisch im Folgenden zugrunde gelegt.

Danach besteht der Jahresabschluss aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und dem Anhang. Daneben muss ein Lagebericht erstellt werden sowie weitere Berichte (Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel). Jahresabschlüsse großer Kapitalgesellschaften sind prüfungs- und offenlegungspflichtig.

Parallel zu den nationalen Regeln gibt es auch internationale Vorgaben, die nicht vollständig deckungsgleich sind. Für deutsche Unternehmen sind insbesondere die International Financial Reporting Standards (IFRS) von Bedeutung.

Die Vorschriften des HGB dienen sowohl der Ermittlung möglicher Ausschüttungen an Kapitaleigner (Finanzfunktion) als auch dem unterschiedlichen Informationsbedarf diverser Adressaten (Informationsfunktion). Um überhöhte Gewinnausschüttungen zu Lasten der Haftungssubstanz zu vermeiden (Gläubigerschutz), muss die Bewertung nach deutschem Handelsrecht dem Vorsichtsprinzip und daraus abgeleiteten Prinzipien entsprechen. Einem zu niedrigen Erfolgsausweis in Folge zu großzügiger Auslegung des Vorsichtsprinzips, der dem Interesse der Anteilseigner zuwider laufen könnte, stehen allerdings auch entsprechende Vorschriften (z. B. Wertaufholungsgebot) entgegen (Coenenberg et al. 2016, S. 329). Zur Befriedigung der teilweise konkurrierenden Informationsbedürfnisse ist im HGB geregelt, dass der Jahresabschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu vermitteln hat.

Im Gegensatz zum HGB zielen die IFRS primär auf die Bereitstellung entscheidungsrelevanter Information für (zukünftige) Kapitalinvestoren ab, in dem eine dafür angemessene Darstellung (fair representation) der wirtschaftlichen Lage vermittelt wird. Abgesehen von einigen (unverbindlichen) regelbasierten Anforderungen an die Berichterstattung, zu finden insbesondere im sogenannten Framework, sind die verbindlich anzuwendenden Standards und deren Interpretationen in der Tradition angelsächsischer Rechtssysteme (case law) einzelfallbezogene Regelungen, die oft spezielle Einzelfragen betreffen. Im Detail kommt es zu zahlreichen Unterschieden zum HGB, beginnend bei zentralen Begriffen bis hin zur unterschiedlichen Abbildung und Bewertung einzelner Geschäftsvorfälle (Coenenberg et al. 2016, S. 477–510) (Federmann und Müller 2018, S. 245–251).

Die IFRS sind seit 2005 anzuwenden von allen kapitalmarktorientierten europäischen Konzernen im Rahmen des sogenannten Konzernabschlusses, in dem – im Gegensatz zum Einzelabschluss einer einzelnen Gesellschaft - über die wirtschaftliche Lage der (fiktiven) Gesamtheit aller in einen Konzern einbezogenen Unternehmen berichtet werden muss. Für deutsche Kapitalgesellschaften besteht allerdings die Möglichkeit, ihren Jahresabschluss nach IFRS offenzulegen und somit eine international verständliche und vergleichbare Berichterstattung zu liefern.

Die folgende Darstellung orientiert sich am deutschem Recht; ergänzend wird auf wesentliche Unterschiede zu den IFRS hingewiesen.

In der Bilanz werden in zusammengefasster Form die Vermögensgegenstände (Aktiva) und die Schulden (Passiva) eines Betriebes gegenübergestellt und durch das Reinvermögen (Eigenkapital) zum Ausgleich gebracht. Der Grundaufbau der Bilanz kann entsprechend den Gliederungsvorschriften des § 266 HGB verkürzt in folgender Form dargestellt werden (Abb. 6).
Abb. 6

Bilanz nach HGB (verkürzte Darstellung)

Aktiv- und Passivseite der Bilanz geben in unterschiedlicher Weise Auskunft über das im Unternehmen vorhandene Kapital. Die rechte Seite der Bilanz (Passiva) zeigt, wer die zur Anschaffung der Vermögensgegenstände erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt hat. Die Passivseite weist somit die Quellen des Kapitals, die Kapitalherkunft, aus (Eigen- oder Fremdkapital) und ist nach ihrer Fristigkeit untergliedert. Die Aktivseite zeigt dagegen die Kapitalverwendung auf und ist nach dessen Liquidierbarkeit gegliedert. Eine direkte Zuordnung der Positionen der Passivseite zu bestimmten Positionen der Aktivseite der Bilanz ist nicht möglich. Die Summe beider Bilanzseiten ist stets gleich. Der Ausgleich zwischen Vermögen und Fremdkapital/Schulden erfolgt durch die Position „Eigenkapital“.

Unter dem Anlagevermögen werden sämtliche Vermögensgegenstände des Betriebes ausgewiesen, die dem Geschäftsbetrieb dauernd dienen sollen. Immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens beinhalten Konzessionen, Lizenzen, gewerbliche Schutzrechte und den derivativen Geschäfts- oder Firmenwert. Sachanlagen sind materielles Anlagevermögen, das dem Betrieb zur Nutzung bereitsteht wie Grundstücke und Anlagen. Zu Finanzanlagen gehören insbesondere Beteiligungen und Ausleihungen an verbundene Unternehmen. Das Umlaufvermögen umfasst Vermögensgegenstände, die dem Betrieb nur kurzfristig dienen sollen.

Das gezeichnete Kapital ist der Teil des Eigenkapitals, auf den die Haftung der Gesellschafter für die Verbindlichkeiten des Betriebes gegenüber den Gläubigern beschränkt ist. In die Kapitalrücklage sind im Wesentlichen die Differenzbeträge zwischen Emissionskurswert und Nennwert bei der Ausgabe von Anteilen und Schuldverschreibungen einzustellen. In der Gewinnrücklage werden Beträge ausgewiesen, die aus Gewinnen gebildet worden sind (thesaurierte Gewinne). Der Gewinn- oder Verlustvortrag ist der Rest, der nach der Ergebnisverwendung im Vorjahr verblieben ist. Der Jahresüberschuss oder -fehlbetrag zeigt die Höhe des im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschafteten Ergebnisses an und entspricht dem in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Saldo aus Aufwendungen und Erträgen.

Rückstellungen sind Verpflichtungen gegenüber Dritten, die aber dem Grunde und/oder der Höhe nach ungewiss sind und in der Periode ihrer Entstehung aufwandswirksam passiviert werden. Unter Verbindlichkeiten sind im Gegensatz zu den Rückstellungen ausschließlich Verpflichtungen verbucht, die hinsichtlich der Höhe und der Fälligkeit feststehen. Aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten berichtigen Aufwendungen bzw. Erträge, bei denen die Zahlung in einer Geschäftsperiode vor der späteren Aufwands- und Ertragsentstehung geleistet bzw. erhalten wurde (transitorische Abgrenzung).

Latente Steuern sind die Folge der Ergebnisunterschiede aufgrund unterschiedlicher Bilanzierungsvorschriften in Handels- und Steuerrecht. Um eine zum handelsrechtlichen Ergebnis korrespondierende steuerliche Belastung abzubilden, werden fiktive Steueraufwendungen oder -erträge bilanziert.

Bei der Bilanzaufstellung sind zwei grundsätzlich voneinander verschiedene, aber aufeinander folgende Bilanzierungsentscheidungen zu treffen. Zunächst ist zu entscheiden, ob ein Wirtschaftsgut (Vermögensgegenstände, Schulden) in die Bilanz aufzunehmen ist (Bilanzierung dem Grunde nach). Wenn diese Entscheidung positiv ausfällt, ist zu entscheiden, mit welchem Wert das Wirtschaftsgut anzusetzen ist (Bilanzierung der Höhe nach). Die Entscheidung, ob ein Wirtschaftsgut in die Bilanz aufzunehmen ist, orientiert sich zunächst am Grundsatz der vollständigen Aufnahme aller Vermögensgegenstände und Schulden. Ausnahmen dieses Bilanzierungsgebots ergeben sich durch Bilanzierungsverbote und Bilanzierungswahlrechte. Bilanzierungsverbote liegen beispielsweise vor, wenn es sich um Gründungsaufwendungen, selbst geschaffene Marken oder einen selbst geschaffenen Geschäfts- oder Firmenwert handelt. Bei den Bilanzierungswahlrechten bleibt es dem Betrieb überlassen, ob ein Gut in die Bilanz aufgenommen werden soll. Wahlrechte nach dem HGB bestehen z. B. bei selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, beim Disagio (auch: Damnum) von Verbindlichkeiten oder bei bestimmten Rückstellungen. Formal werden unter IFRS Bilanzierungswahlrechte stark eingeschränkt (siehe aber (Federmann und Müller 2018, S. 270–274, S. 322–328)).

Bei der Bilanzierung der Höhe nach geht es um die Bewertung der zu bilanzierenden Wirtschaftsgüter. Konkretisiert wird dabei das Vorsichtsprinzip bei der Bewertung der Aktiva durch Höchstwertvorschriften und bei der Bewertung von Passiva durch Mindestwertvorschriften. Vermögensgegenstände sind höchstens mit deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. Verbindlichkeiten mindestens mit deren Rückzahlungsbetrag anzusetzen. Einer zu großzügigen Auslegung des Vorsichtsprinzips wirken Mindestwertvorschriften bei der Bewertung von Aktiva und Höchstwertvorschriften bei der Bewertung von Passiva entgegen. Aus dem Vorsichtsprinzip leiten sich das Realisationsprinzip für die Berücksichtigung von Gewinnen und das Imparitätsprinzip für die Behandlung von vorhersehbaren Verlusten ab. Das Realisationsprinzip besagt, dass Gewinne nur auszuweisen sind, wenn sie am Abschlusstag realisiert sind. Dadurch soll die Ausschüttung noch nicht erzielter Gewinne verhindert werden. Im Gegensatz zum Verbot des Ausweises nicht realisierter Gewinne im Jahresabschluss müssen nach dem Imparitätsprinzip alle vorhersehbaren Verluste (also auch nicht realisierte) berücksichtigt werden, die bis zum Abschluss-Stichtag oder zwischen Abschluss-Stichtag und Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses bekannt geworden sind. Aus dem Vorsichts- und Imparitätsprinzip folgt das Niederstwertprinzip, welches Korrekturen bestehender Bewertungen erfordert.

Im Gegensatz zur zeitpunktbezogenen Bestandsrechnung der Bilanz ist die Gewinn- und Verlustrechnung eine periodenbezogene Rechnung. Das HGB schreibt praktisch allen Kaufleute vor, am Schluss eines jeden Geschäftsjahres die Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres einander gegenüberzustellen. Aufwand ist der bewertete Verbrauch an Wirtschaftsgütern in einer Periode, Ertrag die bewertete Entstehung von Gütern (Wertezuwachs). Der Saldo aus Erträgen und Aufwendungen (Jahresüberschuss, -fehlbetrag) weist den wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes in der betrachteten Periode aus.

Folgt man dem Gesamtkostenverfahren als einer vom Handelsgesetz vorgesehenen Möglichkeit zur Aufstellung der Gewinn- und Verlustrechnung (§ 275 Abs. 2 HGB), zeigt sich schematisch folgende Struktur, deren einzelnen Positionen in Abhängigkeit von Rechtsform und Unternehmensgröße weitergehend als hier dargestellt zu untergliedern sind (Abb. 7). Ausgangspunkt der Gewinn- und Verlustrechnung sind die Umsatzerlöse, die sich aus Verkauf, Vermietung und Verpachtung von Waren und Erzeugnissen sowie der Erbringung von Dienstleistungen ergeben. Da nach dem Gesamtkostenverfahren den Umsatzerlösen sämtliche Aufwendungen der Periode gegenübergestellt werden, müssen Abweichungen zwischen produzierter und abgesetzter Menge zur periodengerechten Erfolgsermittlung berücksichtigt werden. Für den Fall, dass die Produktionsmenge die Absatzmenge übersteigt, werden die Lagerbestandserhöhungen als Erträge erfasst. Für den Fall, dass die Absatzmenge die Produktionsmenge übersteigt, wird die Minderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen als Aufwand erfasst. Unter Berücksichtigung aller weiteren Erträge und der Aufwendungen des Betriebes in der Periode wird durch entsprechende Saldierung der Größen der Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag festgestellt. Die in Abb. 7 dargestellten Zwischensummen Betriebsergebnis und Finanzergebnis sind handelsrechtlich nicht vorgeschrieben, können aber zur Analyse des Erfolgs nach seinen Quellen aus den Mindestangaben ermittelt werden. Während das Betriebsergebnis den Saldo aller Aufwendungen und Erträge aus den Leistungserstellungsprozessen bildet, umfasst das Finanzergebnis alle Erträge und Aufwendungen, die sich aus Finanzierungs- und Kapitalanlagevorgängen ergeben.
Abb. 7

Struktur einer Gewinn- und Verlustrechnung (Gesamtkostenverfahren)

Formal unterscheiden sich Bilanz und GuV nach IFRS von denen nach HGB durch einen etwas anderen Aufbau (Federmann und Müller 2018, S. 613–620). Inhaltlich dominiert nach IFRS im Gegensatz zum Vorsichtsprinzip die Idee einer realistischen Darstellung der aktuellen wirtschaftlichen Situation. So können Sachanlagen über ihren Anschaffungs- oder Herstellkosten unter Aufdeckung stiller Reserven zum beizulegenden Zeitwert (fair value) bewertet werden oder Verpflichtungen mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit nicht bilanzierungsfähig sein. Das Realisationsprinzip wird nach IFRS weniger restriktiv gehandhabt (Federmann und Müller 2018, S. 236, 244–246, S. 633).

Für Kapitalgesellschaften stellt nach dem HGB der Anhang den dritten konstitutiven Teil des Jahresabschlusses dar. Im Anhang sind die einzelnen Positionen der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung entsprechend den gesetzlichen Vorschriften ausführlich zu erläutern (inkl. genutzter Bilanzierungswahlrechte) und sonstige Pflichtangaben zu machen. Der Anhang liefert wichtige Informationen zum Verständnis der tatsächlichen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage einer Gesellschaft, welches der Jahresabschluss nach § 264 HGB vermitteln soll (Coenenberg et al. 2016, S. 466).

Über den Jahresabschluss hinaus ist ein Lagebericht aufzustellen. Dieser analysiert, auch unter Einbeziehung von nicht-finanziellen Erfolgsindikatoren, den vergangenen Geschäftsverlauf, informiert über die aktuelle wirtschaftliche Lage sowie erwartete zukünftige Entwicklungen. Dabei ist explizit auf den Bereich Forschung und Entwicklung sowie das interne Kontroll- und Risikomanagementsystem einzugehen.

Jahresabschlüsse nach IFRS umfassen neben einer Bilanz und GuV ebenfalls einen Anhang (notes) sowie immer eine Kapitalflussrechnung, den Eigenkapitalspiegel und für kapitalmarktorientierte Gesellschaften eine Segmentberichterstattung.

Die Kapitalflussrechnung stellt die Zahlungsströme, d. h. die Ein- und Auszahlungen, in der Abrechnungsperiode dar, um die Veränderungen des Liquiditätsbestands offen zu legen und Aufschluss über die Finanzlage und vor allem die Liquidität zu geben. Der Eigenkapitalspiegel dokumentiert neben dem Unternehmenserfolg alle anderen Veränderungen im Eigenkapital. Die Segmentberichte sollen eine differenzierte Betrachtung der Ertrags- und Finanzkraft der heterogenen Geschäftsbereiche eines Unternehmens oder Konzerns ermöglichen.

4.7.2 Internes Rechnungswesen und Controlling

Das interne Rechnungswesen versorgt unternehmensinterne Entscheider bei deren Planungs- und Kontrollprozessen (vgl. S. 2) zur Sicherung von Liquidität und Erfolg mit den notwendigen Informationen. Traditionelle Instrumente hierzu sind die Kosten- und Leistungsrechnung sowie die Investitionsrechnung und Finanzplanung (Plinke et al. 2015, S. 9).

Darauf aufbauend hat sich zwischenzeitlich in Theorie und Praxis ein breiteres Aufgabenfeld entwickelt, welches zum einen mehr Ziele als grundlegende Größen in den Fokus nimmt, zum anderen aber auch neben der reinen Informationsversorgung umfangreichere Aufgaben wie den Aufbau und Betrieb der notwendigen Planungs- und Kontrollsysteme beinhaltet. Diese Auffassung bildet den gemeinsamen Kern der meisten Controlling-Konzeptionen (Horváth et al. 2015, S. 43–60). Neben die traditionellen Instrumente treten jetzt Systeme zur Verfolgung nicht wirtschaftlicher Ziele (bspw. Qualitäts- oder Sozialziele) sowie übergeordneter Ziele wie die Sicherung der Erfolgspotentiale oder der nachhaltigen Existenzsicherung und Entwicklung. Dabei kommt es auch in zeitlicher Hinsicht zu einer Erweiterung weg von der kurzfristigen, oft einperiodigen Betrachtung hin zur Betrachtung ganzer Lebenszyklen. Ergebnis dieser Veränderungen sind neuere Instrumente der Kosten- und Leistungsrechnung (das (strategische) Kostenmanagement)), aber auch Management-Systeme wie das Performance Measurement, dessen bekanntestes Instrument die Balanced Scorecard ist.

Moderne Auffassungen des Controllings sehen im Controller einen betriebswirtschaftlich geschulten Business Partner für die Entscheider, welche durch Controller entlastet, ergänzt und sogar begrenzt werden, um eine Rationalität der Unternehmensführung zu sichern (Weber und Schäffer 2016, S. 42–54).

Sofern Controlling eingesetzt wird, um Ziele von Teilbereichen oder bestimmten Funktionen eines Betriebs zu erreichen, spricht man vom Marketing-Controlling, F&E-Controlling oder Personalcontrolling.

Kosten- und Leistungsrechnung

Die Kosten- und Leistungsrechnung verfolgt verschiedene Zwecke (Plinke et al. 2015, S. 20–21). In den Fällen, in denen kein Marktpreis für Produkte gegeben ist, kann die Kostenrechnung der Preiskalkulation dienen. Soll geprüft werden, ob zu einem bestimmten vorgegebenen Preis eine Leistung angeboten werden soll, spricht man von Preisbeurteilung. Die Wirtschaftlichkeitskontrolle soll Unwirtschaftlichkeiten aufdecken. Aufgabe der Kostenrechnung ist in diesem Fall die Vorgabe von Höchstwerten, wie viel je Kostenart für eine bestimmte Forschungs-, Entwicklungs-, Produktions- oder Vertriebsaufgabe verbraucht werden darf, ohne dass die Durchführung unwirtschaftlich wird. Weiter dient die Kostenrechnung der Gewinnung von Unterlagen für Entscheidungsrechnungen, mit denen der relative Nutzen von Handlungsmöglichkeiten bestimmt wird (z. B. Verfahrensvergleiche, Programmplanung, Auftragsentscheidungen). Die Aufgabe der Erfolgsermittlung wird durch Gegenüberstellung von Leistung und Kosten für den Betrieb als ganzen oder für bestimmte Bereiche desselben in einer Periode durch die Kosten- und Leistungsrechnung bewältigt. Schließlich kann die Kosten- und Leistungsrechnung die notwendigen Informationen für die Bewertung von fertigen und unfertigen Erzeugnissen im Jahresabschluss bereitstellen. Die Rechengrößen der Kosten- und Leistungsrechnung sind Kosten und Leistung. Kosten sind betriebszweckbezogener, bewerteter Güterverzehr. Im Gegensatz zum Aufwand des externen Rechnungswesens wird in den Kosten nicht der gesamte bewertete Güterverzehr einer Periode erfasst, sondern ausschließlich der Verzehr, der dem Betriebszweck innerhalb einer Periode dient. Betriebsfremde, außerordentliche und periodenfremde Güterverzehre werden also nicht berücksichtigt. Auf der anderen Seite werden als Kosten Güterverzehre berücksichtigt, die nicht (Zusatzkosten) oder nicht in gleicher Höhe (Anderskosten) Aufwand sind. Diese Kosten werden als kalkulatorische Kosten bezeichnet. Anderskosten sind der Sache nach zwar sowohl Aufwand als auch Kosten, sie werden jedoch in ihrem Mengen- und/oder Wertgerüst unterschiedlich behandelt. Von Zusatzkosten spricht man, wenn der Güterverzehr nicht als Aufwand abgebildet wird. Leistung ist die bewertete, betriebszweckbezogene Güterentstehung in einer Periode. Analog zur Abgrenzung der Kosten vom Aufwand umfasst die Leistung anders als der Ertrag nicht die betriebsfremde, außerordentliche und periodenfremde Entstehung von Gütern. Auf der anderen Seite kann Leistung im Prinzip auch über den im externen Rechnungswesen ermittelten Ertrag hinausgehen, wenn kalkulatorisch zusätzliche Güterentstehung berücksichtigt wird. Die Verwendung eigenständiger Rechengrößen ermöglicht dem internen Rechnungswesen, seine Adressaten und deren Informationsbedürfnisse unabhängig von externen Vorgaben zu unterstützen.

Kosten können für die unterschiedlichen Rechenzwecke nach verschiedenen Merkmalen klassifiziert werden. Nach der Abhängigkeit der Kostenhöhe von Kosteneinflussgrößen unterteilt man in fixe und variable Kosten. Als Kosteneinflussgröße wird in der Regel die Beschäftigung (Leistungs- bzw. Ausbringungsmenge) herangezogen. Fixe Kosten (Bereitschaftskosten) sind in ihrer Höhe unabhängig, variable Kosten (Leistungskosten) in ihrer Höhe abhängig von Beschäftigungsänderungen. Die Unterscheidung von Einzel- und Gemeinkosten zielt auf die Verursachung der Kosten und auf die Zurechnung der Kosten zu den jeweiligen Bezugsobjekten der Kostenrechnung (z. B. Produktionseinheit, Auftrag, Kostenstelle) ab. Einzelkosten sind Kosten, die von einem Bezugsobjekt einzeln verursacht und der einzelnen Leistungseinheit aufgrund genauer Aufzeichnungen unmittelbar zugeordnet werden. Gemeinkosten sind solche Kosten, die dem einzelnen Bezugsobjekt nicht unmittelbar zugerechnet werden. Sie sind Kosten, die für mehr als eine Leistungseinheit gemeinsam anfallen. Die Zurechnung von Kosten bzw. Leistung auf das Bezugsobjekt erfolgt grundsätzlich nach dem Verursachungsprinzip, das eine Zurechnung nur dann zulässt, wenn Kosten bzw. Leistung tatsächlich von diesem Bezugsobjekt allein verursacht worden sind. Die Zurechnung nach dem Verursachungsprinzip ist nur bei Einzelkosten und einzeln zurechenbarer Leistung möglich. Wenn allerdings in einer Vollkostenrechnung alle Kosten der Periode auf die Bezugsobjekte zugerechnet werden sollen (Kostenüberwälzungsprinzip), müssen für die Zurechnung der Gemeinkosten Hilfsprinzipien herangezogen werden. Nach dem Beanspruchungsprinzip werden die Kosten von Produktionsfaktoren, die in unterschiedlichen Quanten beschafft und verbraucht werden (Potenzialfaktoren, z. B. Maschine), nach Maßgabe von deren Inanspruchnahme durch die Bezugsobjekte zugerechnet. Nach dem Durchschnittsprinzip werden die Gemeinkosten in gleichen Anteilen auf die Bezugsobjekte verteilt. Nach dem Kostentragfähigkeitsprinzip werden die Gemeinkosten nach Maßgabe der Kostentragfähigkeit der Produkte bzw. Aufträge im Markt auf die Bezugsobjekte verteilt.

Je nach Art der Entscheidung, die durch Informationen der Kosten- und Leistungsrechnung fundiert werden soll, und je nach den Umständen, unter denen die Entscheidung getroffen wird, müssen unterschiedliche Informationen bereitgestellt werden. Auf diese Weise ist eine Fülle von verschiedenen Rechnungsarten entstanden, die jeweils ihre eigenständige Bedeutung haben.

Die Systeme der klassischen Kosten- und Leistungsrechnung können anhand zweier Merkmale beschrieben werden: a) Nach dem Umfang der Kostenerfassung und -verrechnung wird in Vollkosten- und Teilkostenrechnung differenziert. Bei der Vollkostenrechnung werden alle Kosten des Betriebes in der Periode auf die Bezugsobjekte verteilt. Bei der Teilkostenrechnung werden nur bestimmte Teile der Gesamtkosten (Einzelkosten oder variable Kosten) bei den Bezugsobjekten ausgewiesen, die verbleibenden Kosten müssen durch Überschüsse der Erlöse über die Teilkosten (Deckungsbeiträge) gedeckt werden. b) Nach dem Zeitbezug und ihrer Stellung im Planungs- und Kontrollprozess kann zwischen einer Istkostenrechnung (beruhend auf dem in der (abgelaufenen) Periode tatsächlich eingetretenen Güterverzehr), einer Normalkosten-Rechnung (durch Verwendung von durchschnittlichen Kosten der Vergangenheit werden für bestimmte Rechenzwecke störende Schwankungen struktureller oder saisonaler Art eliminiert) sowie einer Plankostenrechnung (die Kosteninformationen werden als wirtschaftliche Vorgaben für die Zukunft abgeleitet).

Der Aufbau der traditionellen Kosten- und Leistungsrechnung besteht aus drei Teilen: der Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung (Abb. 8). Aufgabe der Kostenartenrechnung ist die belegmäßige Erfassung sämtlicher in einer Periode angefallenen Kosten (Dokumentationsaufgabe) und deren sachliche Gliederung nach der Art der verzehrten Güter (Gliederungsfunktion). Die Kostenartenrechnung erfasst nur primäre Kostenarten, die sich aus dem Verbrauch von Produktionsfaktoren ergeben, die der Betrieb von außen bezogen hat. Im Gegensatz dazu ergeben sich sekundäre Kostenarten aus dem Verbrauch selbst erstellter Güter (innerbetriebliche Leistung). In der Kostenstellenrechnung wird die unterschiedliche Kostenentstehung in den einzelnen Teilbereichen des Betriebes (Kostenstellen) transparent gemacht. Kostenstellen sind Bereiche eines Betriebes, in denen Kosten entstehen und denen Kosten angelastet werden. In der Kostenstellenrechnung (Abb. 8) werden keine Einzelkosten der Leistungseinheiten erfasst (1), sondern lediglich die Gemeinkosten: die Kostenstellenrechnung ist insoweit eine Gemeinkostenrechnung. Sie erfasst die Entstehung der Gemeinkosten in den Kostenstellen (2), verrechnet die so erfassten primären Kostenstellenkosten zum Teil auf andere Kostenstellen (3) und hält schließlich die Kostenstellenkosten bereit für die Weiterverrechnung auf die Leistungseinheit (4).
Abb. 8

Kostenfluss zwischen Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerstückrechnung (Plinke et al. 2015, S. 86) (Mit freundlicher Genehmigung von Springer Nature)

Da die Gemeinkosten nicht direkt auf die Leistungseinheit zugerechnet werden können, erfolgt ihre Verrechnung indirekt über Kostenstellen. Dabei wird soweit wie möglich das Beanspruchungsprinzip berücksichtigt, d. h. Leistungseinheiten (Kostenträger) sollen jeweils in dem Maße Kosten tragen, in dem sie die Kostenstellen beansprucht haben (4a). Die Kostenträgerstückrechnung (Kalkulation) ist ein Teil der Kostenträgerrechnung und ermittelt die Kosten, die der einzelne Kostenträger (das Bezugsobjekt dieser Rechnung; bspw. die einzelne Leistungseinheit wie Stück, m, kg oder die Verkaufseinheit/Auftrag) tragen soll. Diesen Kostenbetrag nennt man – je nach Umfang der berücksichtigen Kosten – (Stück-) Herstellkosten bzw. (Stück-)Selbstkosten. Je nach angewandtem Prinzip der Kostenüberwälzung (s.o.) zur Verteilung der Gemeinkosten auf die einzelnen Kostenträger stehen verschiedene Kalkulationsverfahren zur Verfügung. Die wichtigsten Gruppen bilden dabei die Verfahren der Zuschlags- und Divisionskalkulation (Plinke et al. 2015, S. 102). Auf Basis der Kostenträgerstückrechnung bestimmt der zweite Teil der Kostenträgerrechnung, die Kostenträgerzeitrechnung, den unternehmerischen Erfolg aus Sicht des internen Rechnungswesens (Betriebserfolg).

Kostenmanagement

Veränderungen in den betrieblichen Abläufen sowie der Unternehmensumwelt haben in den letzten Jahrzehnten zu einem erweiterten Informationsbedarf der Entscheidungsträger geführt, der durch die traditionellen Instrumente der Kosten- und Leistungsrechnung nur zum Teil abgedeckt werden kann.

Kürzere Produktlebenszeiten, steigende Variantenzahl oder stärkerer globaler Wettbewerb sind Beispiele für Veränderungen, die in zunehmenden Planungs- und Steuerungsaktivitäten außerhalb der eigentlichen Produktion resultieren. Veränderte Produktionsabläufe selbst führen zu höherer Automation und Kapitalbindung. Diese beispielhaften Entwicklungen resultieren tendenziell in steigenden Gemein- oder Fixkostenanteilen, für die klassische Kostenrechnungsinstrumente nur bedingt ausgelegt sind. Dazu kommt der Bedarf an frühzeitigeren Informationen.

Die Ansätze des internen Rechnungswesens, die diesen geänderten Bedingungen Rechnung tragen, werden unter dem Begriff „(Strategisches) Kostenmanagement“ zusammengefasst. Die bekanntesten Instrumente sind die Prozesskostenrechnung, das Zielkostenmanagement/Target Costing und die Lebenszyklus(kosten-)rechnung/Life Cycle Costing. Ziel des (strategischen) Kostenmanagements ist eine verbesserte Wirtschaftlichkeit des Betriebs durch eine systematische Gestaltung der Kosten von Produkten, aber auch Prozessen und Ressourcen (Plinke et al. 2015, S. 225). Ansatzpunkte hierfür sind die Beeinflussung der Kostenhöhe, die Ausnutzung günstiger Kostenverläufe oder die Optimierung vorhandener Kostenstrukturen. Mit den neuen Instrumenten wechselt die Kostenrechnung ihre Perspektive: weg von der Dokumentation und Verteilung hin zur wirtschaftlichen Gestaltung von Kosten. Dabei ändert sich oft auch die zeitliche Betrachtung: An die Stelle der klassischen periodenorientierten Rechnung tritt die Beeinflussung der Kosten über den gesamten Lebenszyklus sowie ein Einsatz in den früheren Phasen des Produktlebenszyklus, da dann üblicherweise eine höhere Beeinflussbarkeit der Kosten möglich ist als in späteren Phasen.

Die neueren Instrumente sind kein Ersatz für die klassischen Kalkulationsverfahren, sondern eine sinnvolle Ergänzung und werden oft auch nur fallbezogen eingesetzt.

Die Prozesskostenrechnung zielt auf die transparente Darstellung und Gestaltung der Gemeinkosten in den sog. indirekten Unternehmensbereichen (bspw. Einkauf, Lagerwirtschaft, Verwaltung, ..) sowie eine verbesserte Kalkulation der Kostenträger im Sinne einer beanspruchungsgerechteren Verteilung dieser Gemeinkosten. Sie hat konzeptionell große Ähnlichkeit mit dem „activity based costing“, welches in der angelsächsischen Kostenrechnung weit verbreitet ist. Die Prozesskostenrechnung verteilt zunächst die Gemeinkosten auf betriebliche Prozesse in den indirekten Bereichen (z. B. Lagervorgänge, Bestellungen …), die diese Kosten verursacht haben, und verteilt sie anschließend weiter auf die Kostenträger, die diese Prozesse in Anspruch genommen haben.

Target Costing (Zielkostenmanagement), ein ursprünglich in Japan entwickeltes Konzept, leitet aus (erwarteten) Marktpreisen und Absatzzahlen sowie Zielrenditen Obergrenzen für die Kosten von (Neu-)Produkten ab. Dieser Ansatz ermittelt (Stück-)Kosten somit retrograd aus Marktvorgaben. Die methodischen Ansätze erlauben dabei die Aufteilung von produktbezogenen Kostenobergrenzen auf einzelne Bauteile oder – komponenten, die wiederum Zielvorgaben für entsprechende Entwicklungsprojekte bilden können. Sofern durch unternehmens- und abteilungsübergreifende Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen die einzelnen Budgetvorgaben erreicht werden können, ist auch insgesamt ein wirtschaftlicher Erfolg zu erwarten. Target Costing ist aufgrund der notwendigen Beiträge vieler Fachabteilungen weit mehr als nur ein Instrument des Rechnungswesens.

Unter den Begriff Life Cyle Costing/Lebenszyklus(kosten-)rechnung fallen diverse Ansätze, denen gemeinsam ist, dass sie die Wirtschaftlichkeit eines Betrachtungsobjektes über die verschiedenen Phasen dessen Lebenszyklus hinweg optimieren wollen. Objekt einer solchen Rechnung könnten bspw. Neuprodukte, Standorte oder Investitionen in langlebige Wirtschaftsgüter sein. Die Wirtschaftlichkeit dieser Objekte wird wahlweise anhand von Ein- und Auszahlungen oder Kosten und Leistungen beurteilt. Zum Einsatz kommen dabei Methoden der Investitionsrechnung oder Deckungsbeitragsrechnung. Neben die Beurteilung einer Ausgangsalternative tritt in der Lebenszyklusrechnung die Optimierung dieser Alternative, in dem unter Berücksichtigung von Abhängigkeiten und Auswirkungen von typischen Maßnahmen in den einzelnen Phasen gezielt das Gesamtergebnis optimiert wird. So könnten beispielsweise höhere Kosten in der Entwicklungsphase eines neuen Produktes zu günstigeren Herstellkosten in der späteren Produktion führen und somit das Gesamtergebnis verbessern.

Investitionsrechnung

Im Gegensatz zur Kostenrechnung, die den Güterverzehr und die Leistungsentstehung unter kurzfristigem Aspekt behandelt (Periodenrechnung) und die in der Regel im Rahmen der gegebenen Kapazität oder Betriebsmittelausstattung operiert, dient die Investitionsrechnung der fallweisen Ermittlung der Vorteilhaftigkeit von Entscheidungsalternativen bei Investitionen oder investitionsähnlichen Situationen, in denen unter langfristigem Aspekt über Veränderungen der Kapazität des Betriebes entschieden werden muss. Sie basiert nicht auf Kosten und Leistungen, sondern auf Ein- und Auszahlungen und steht eigenständig neben der Kosten- und Leistungsrechnung. Investitionen sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht durch eine Zahlungsreihe gekennzeichnet, die sich aus Auszahlungen und Einzahlungen zusammensetzt. Saldiert man alle einem Zahlungszeitpunkt zuzurechnenden Ein- und Auszahlungen, so erhält man Einzahlungs- oder Auszahlungsüberschüsse. Diese Nettozahlungen können in drei Bestandteile zerlegt werden: a) den Auszahlungen für die Beschaffung oder Herstellung des Investitionsobjekts, b) den Differenzen aus laufenden Ein- und Auszahlungen während des Investitionszeitraums und c) dem Liquidationserlös (der Einzahlung aus der Veräußerung oder Verschrottung des Investitionsobjekts am Ende des Investitionszeitraums). Verfahren zur Beurteilung einer Investition unter Berücksichtigung des Zeitwertes von Geld werden als dynamische Verfahren in Abgrenzung zu den statischen Verfahren bezeichnet (Becker und Peppmeier 2018, S. 39–74).

Nach der Kapitalwertmethode, einem der dynamischen Verfahren, wird zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Einzelinvestition der Barwert ihrer Nettozahlungen (Kapitalwert) ermittelt. Der Kapitalwert bringt die zu erwartende Erhöhung oder Verminderung des Geldvermögens bei einem gegebenen Verzinsungsanspruch in Höhe des Kalkulationszinssatzes i zum Ausdruck. Dabei wird die erwartete Veränderung des Geldvermögens auf den Beginn des Planungszeitraums bezogen. Der Kapitalwert zu diesem Zeitpunkt (K0) ist definiert als:
$$ {K}_0=\sum \limits_{t=0}^T{N}_t{\left(1+i\right)}^{-t}, $$
wobei:
Nt

Nettozahlung zum Zeitpunkt t

(inkl. ggf. Liquidationserlös und Anschaffungsauszahlung)

T

Nutzungsdauer des Investitionsobjektes

i

Kalkulationszinssatz.

Ist der Kapitalwert einer Investition null, dann verzinst sich das zu jedem Zahlungszeitpunkt noch gebundene Kapital genau zum Kalkulationszinssatz i; ist der Kapitalwert positiv, so wird darüber hinaus ein Vermögenszuwachs erzielt. Ist der Kapitalwert einer Investition negativ, dann verzinst sich das zu jedem Zahlungszeitpunkt noch gebundene Kapital zu einem Zinssatz, der unter dem Kalkulationszinssatz liegt. Unter der Voraussetzung, dass der Kalkulationszinssatz ein Kapitalmarktzinssatz ist, zu dem der Investor unbeschränkt finanzielle Mittel anlegen und aufnehmen kann, ist die Realisierung eines Investitionsprojekts im Vergleich zu einer Anlage auf dem Kapitalmarkt dann vorteilhaft, wenn der Kapitalwert größer als null ist.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.ESMT BerlinBerlinDeutschland
  2. 2.Fachbereich WirtschaftswissenschaftenHochschule für Wirtschaft und Recht BerlinBerlinDeutschland

Section editors and affiliations

  • Manfred Hennecke
    • 1
  1. 1.Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (im Ruhestand)BerlinDeutschland

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