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Das Paradigma Durchlässigkeit und die wissenschaftliche Weiterbildung

  • Walburga Katharina Freitag
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Drei Durchlässigkeitsdiskurse lassen sich identifizieren, die für das Paradigma der strukturellen Durchlässigkeit in die wissenschaftliche Weiterbildung konstitutiv sind: Durchlässigkeit ist Gegenstand der Forschung über Bildungsungleichheit, sie ist in Deutschland seit den 1980er-Jahren berufsbildungspolitisches Reformvorhaben und seit zwei Dekaden Zielsetzung bei der Schaffung eines europäischen Raumes des Lebenslangen Lernens. Auf Grundlage dieser Diskurse und der Einordnung der wissenschaftlichen Weiterbildung als ein sich im institutionellen Wandel befindliches Feld, werden neue Fragen der Durchlässigkeit aufgeworfen. Diese werden am Beispiel der verschiedenen und teilweise neuen Formate wissenschaftlicher Weiterbildung erläutert. Durch die Schaffung neuer Rahmenbedingungen und die Entwicklung von Instrumenten soll die Durchlässigkeit in die wissenschaftliche Weiterbildung verbessert werden. Die Umsetzung stellt für die Hochschulen eine große Herausforderung dar. Zu erwarten ist eine Differenz zwischen konzeptueller Reife der Instrumente einerseits und ihrer Implementation und Anwendung andererseits. Fehlende empirische Daten lassen eine Bewertung der strukturellen Durchlässigkeit in wissenschaftliche Weiterbildung gegenwärtig nicht zu.

Schlüsselwörter

Durchlässigkeit in die Hochschule Selektion Bildungsungleichheit Hochschulentwicklung Europäische Bildungspolitik 

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Authors and Affiliations

  1. 1.DZHWHannoverDeutschland

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