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Medien im Spannungsfeld zwischen Kulturindustrie, Neoliberalismus und Medienhandeln

Das Spektrum kritischer Medienanalyse
  • Ricarda DrüekeEmail author
  • Elisabeth Klaus
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Die derzeitigen gesellschaftlichen Umbrüche sind in vielfältiger Weise mit Medien- und Kommunikationsprozessen verwoben. Der Beitrag gibt einen Überblick über kritischen Gesellschafts- und Kulturtheorien, die heute in der deutschsprachigen Kommunikations- und Medien-wissenschaft Verwendung finden und von besonderer Relevanz für die Bearbeitung aktueller Problemstellungen sind. Dabei werden ausgehend von Theodor W. Adornos und Max Horkheimers Thesen zur Kulturindustrie weitere theoretische Ansätze vorgestellt, die explizite und implizite Anknüpfungspunkte an die Kritische Theorie der Frankfurter Schule aufweisen.

Schlüsselwörter

Kommunikationswissenschaft Kritische Medientheorien Kulturindustrie Medienanalyse Publikumsforschung 

1 Kritische Medien- und Kommunikationswissenschaft – eine erste Annäherung

Die derzeitigen gesellschaftlichen Umbrüche, die häufig auf Prozesse der Globalisierung und Neoliberalisierung zurückgeführt werden, sind in vielfältiger Weise mit Medien- und Kommunikationsprozessen verwoben. Mediatisierung, die Durchdringung aller gesellschaftlichen Teilbereiche und menschlichen Handlungsmuster durch Medien, hat Friedrich Krotz (2001, 2007) als einen weiteren jener Metaprozesse gesellschaftlichen Wandels beschrieben, die die gesellschaftliche Umgestaltung vorantreiben. Damit rücken Konzepte in den Fokus der Medien- und Kommunikationswissenschaft, die erstmals im Rahmen der Medienanalyse der Frankfurter Schule ausgearbeitet wurden. Interdisziplinarität, Geschichtlichkeit und Kritik – so die Kennzeichen der Kritischen Theorie1 (Demirovic 2007) – finden sich neben der politökonomisch orientierten Medienforschung, die der Kritischen Theorie am nächsten steht, auch in anderen Ansätzen „kritischer“, häufig auch transnational orientierter, Medienforschung (Hepp 2004, S. 47). Kritische Theorien entwickeln sich in der Auseinandersetzung mit dem sozialen, politischen und ökonomischen Status quo, nehmen darüber hinaus die sozialen Bedingungen von Kommunikation in den Blick, um so weitreichende Mechanismen der Ungleichheit zu analysieren (Honneth 2007).

Die Normen und Werte einer Gesellschaft sowie die Herstellung hierarchischer Machtverhältnisse, Inklusionen und Exklusionen sind auch immer an mediale und kommunikative Prozesse geknüpft. Theodor W. Adornos Diktum „Theorie ist unabdingbar kritisch“ (Adorno 1957/1970, S. 81) beinhaltet die Erkenntnis, dass es eine objektive, wertfreie Gesellschaftswissenschaft nicht geben kann. Weil die kapitalistische Gesellschaft durch antagonistische Beziehungen gekennzeichnet ist, bedeuten „Objektivität“ und „Wertfreiheit“ stets die Affirmation des Bestehenden und damit eine Parteinahme für die gesellschaftlichen Eliten. Alle kritischen Theorien sind deshalb normative Theorien. Ihr Ziel ist die Bereitstellung von Wissen für gesellschaftliche Interventionen im Interesse einer umfassenden Gesellschaftsveränderung und einer Ermächtigung unterdrückter und marginalisierter Gruppen (Fuchs 2011, S. 12).

Unser Beitrag gibt einen Überblick über jene kritischen Gesellschafts- und Kulturtheorien, die heute in der deutschsprachigen Kommunikations- und Medienwissenschaft Verwendung finden und von besonderer Relevanz für die Bearbeitung aktueller Problemstellungen sind. Ausgehend von Theodor W. Adornos und Max Horkheimers Ausführungen zur Kulturindustrie und zur Rolle des Publikums sowie ihrer erkenntnistheoretischen Positionierung stellen wir im Weiteren jene Theorien bzw. theoretischen Ansätze oder Theorieprojekte in ihren Grundzügen vor, die in der Medien- und Kommunikationswissenschaft Resonanz erhalten haben. Wir erläutern die expliziten und impliziten Anknüpfungspunkte an die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, diskutieren Unterschiede und Weiterentwicklungen. Unter kritischen Gesellschafts- und Kulturtheorien verstehen wir also in diesem Beitrag nicht nur solche Ansätze, die sich explizit auf die Kritische Theorie und ihre Hauptvertreter beziehen, sondern ebenso jene normativen Entwürfe, die eine gerechtere, demokratischere Gesellschaft zum Ziel haben und die sozialen und kulturellen Mechanismen der Herstellung gesellschaftlicher Ungleichheit untersuchen. Eine Analyse von gesellschaftlichen Machtverhältnissen und Ungleichheiten leisten in diesem Verständnis neben den Arbeiten von Jürgen Habermas auch die Cultural Studies, die Gender Studies, Vertreter_innen einer kritischen politischen Ökonomie der Medien wie Noam Chomsky sowie die Kulturtheoretiker Pierre Bourdieu und Michel Foucault. Dies entspricht weitgehend der von Craig (1999, S. 147) vorgelegten Beschreibung kritischer Theorien: „The tradition of critical social theory (broadly construed) runs from Marx through the Frankfurt School to Habermas, or alternatively through other strands of late Marxism and post-Marxism to current theories of political economy, critical cultural studies, feminist theory, and related schools of theory associated with new social movements (such as postcolonial theory and queer theory).“

Immer beinhalten solche Festlegungen auch Ausschlüsse und Vereinfachungen: Längst nicht alle Arbeiten, die sich etwa auf die Cultural Studies oder auf Pierre Bourdieu beziehen, sind einem gesellschaftskritischen Anspruch verpflichtet. Andere Beiträge wiederum, die beispielsweise den Symbolischen Interaktionismus oder die Systemtheorie zugrunde legen, haben durchaus einen aufklärerischen Anspruch, auch wenn deren wissenschaftstheoretische Verankerung nicht-normativ ist. Besonders offenkundig ist eine solche wissenschaftstheoretische Uneindeutigkeit im (sozialen) Konstruktivismus. Unsere Ausführungen umreißen damit ohne Anspruch auf Vollständigkeit das Spektrum kritischer Theorien, das in aktuellen Medienanalysen Verwendung findet.

2 Die Kritische Theorie als eine Grundlage kritischer Medien- und Kommunikationswissenschaft

Zentral für die Analyse und Einschätzung von Medien in Horkheimers und Adornos Werk ist das Kapitel zur Kulturindustrie in der „Dialektik der Aufklärung“ (1989). Die Aufklärung, so Adorno und Horkheimer, ist durch das Aufkommen der Kulturindustrie und der industriellen Reproduktion sowie Vermarktung kultureller Güter existenziell bedroht. Mit dem Begriff der Kulturindustrie bringen Adorno und Horkheimer zum Ausdruck, dass die Sphäre der Kultur ihre Eigenständigkeit verloren hat und Kulturgüter nunmehr als Massenware produziert und an Zielgruppen von Konsument_innen marktförmig verteilt werden. Populärkulturelle Inhalte tragen dann dazu bei, dass die Gesellschaft entpolitisiert und gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse legitimiert werden. Adorno und Horkheimer gehen davon aus, dass die Menschen durch die Verbreitung der Unterhaltungskultur getäuscht werden, da diese das Vergnügen von Rezipient_innen standardisiert und sie darüber hinaus von einer Einsicht in ihre Situation abhält, wodurch eine relative Zufriedenheit mit dem kapitalistischen System aufrechterhalten wird. Die Menschen werden zum Teil einer ent-individualisierten „Masse“, die ihre wirklichen Bedürfnisse nicht mehr kennt, sondern im immer neuen Amüsement Befriedigung sucht (Horkheimer und Adorno 1989, S. 208). Die Kulturindustrie gaukelt zwar vor, dass die Menschen zwischen verschiedenen Produkten und Angeboten frei wählen können, faktisch wird jedoch das „Immergleiche“ angeboten und triviale Inhalte im Interesse der Mächtigen und zum Erhalt des Status quo produziert. Müller-Doohm (2000, S. 79) identifiziert entsprechend drei Tendenzen, die die Wirkungen der Kulturindustrie kennzeichnen: Konformismus, Trivialisierung und Standardisierung.

Der Zusammenhalt der durch antagonistische Interessen bestimmten Gesellschaft basiert Adorno und Horkheimer zufolge auf Manipulation und Verführung der Masse durch die Kulturindustrie, die eine „globale, standardisierte und anti-individuelle Kultur“ vermittelt (Hepp 2004, S. 52). Dadurch werden die Menschen als Konsument_innen entmündigt und verlieren darüber hinaus die Möglichkeit als Staatsbürger_innen die Gesellschaft mitzugestalten. Die gezielte Vermittlung kultureller Inhalte – das, was Adorno mit „Aufklärung als Massenbetrug“ bezeichnet – hat eine funktionale Seite: Im Gewande der Aufklärung bzw. Informationsvermittlung werden die Massen getäuscht, indem hegemoniale Realitätsdeutungen beispielsweise durch Zeitungen, Film, Rundfunk und Fernsehen produziert, verbreitet und legitimiert werden. Daran sind besonders mediale Unterhaltungsangebote beteiligt. Als Folge davon wird die bestehende Ordnung affirmativ bestätigt und die Bildung einer kritischen Öffentlichkeit nachhaltig verhindert.

In seinem Aufsatz „Kann das Publikum wollen?“ fragt Adorno (1963, S. 55), ob das Publikum „überhaupt wollen [soll]“ und wenn ja: „Was soll es wollen“? Die vom Publikum geäußerten Wünsche, Programm- bzw. Konsumpräferenzen, so Adornos Schlussfolgerung, sind dabei keineswegs Ausdruck eines originären oder aktiven Wollens der Rezipient_innen, da statt ihrer wahren Bedürfnisse durch die Kulturindustrie erzeugte Scheinbedürfnisse befriedigt werden. Müller-Doohm (2008, S. 54 f.) sieht vor allem in Adornos späteren Arbeiten einige Indizien dafür, dass dieser dem Publikum durchaus zutraut, die Manipulation zu durchschauen und dadurch Rezipient_innen dem durch die Kulturindustrie bestimmten Teufelskreis entkommen könnten (Winter und Zima 2007, S. 143 ff.). Nähere Ausführungen von Adorno, an die eine kritische Publikumsforschung sinnvoll anknüpfen könnte, finden sich dazu aber nicht.

Bis heute werden unter Bezugnahme auf die Kritische Theorie Unterhaltung und unterhaltende Medienformate in den sozial- und medienwissenschaftlichen Debatten als Bedrohung gesehen und keineswegs als Bereicherung einer öffentlichen Kommunikationskultur interpretiert. Solche in der Tradition der Kritischen Medientheorie stehenden Kommunikationswissenschaftler_innen betonen, dass eine Manipulation durch die Kulturindustrie mit Hilfe primär unterhaltsamer, populärkultureller Medieninhalte erfolgt und die Herausbildung autonomer, selbstständig und bewusst urteilender und sich frei entscheidender Individuen damit nachhaltig verhindert wird. Massenmedien avancieren dann zu Instanzen des Massenbetruges, die die Träume und Sehnsüchte der Menschen durch kommerzielle Angebote zu befriedigen suchen, jedoch faktisch zu ihrer Entmündigung beitragen. Kerstin Goldbeck (2004) zeigt in einer Diskursanalyse der Fernsehkritiken in den Feuilletons deutscher Qualitätszeitungen, dass die bürgerliche Fernsehkritik bis heute auf das Vokabular und die kulturpessimistischen Bewertungen der Kritischen Theorie zurückgreift, wenn es um Unterhaltungsformate geht, die als trivial, banal oder als „trash“ angesehen werden. Damit wird zugleich eine Eliteorientierung festgeschrieben, die bei Adorno durch die strikte Trennung zwischen Hochkultur und Populär-/Unterhaltungskultur, der Unterscheidung zwischen dem authentischen Kunstwerk und seiner bloßen Reproduktion angelegt ist. An diese Tradition haben in der Medien- und Kommunikationswissenschaft vor allem jene Forscher_innen angeknüpft, die den Zusammenhang von Medientechnologie und Gesellschaftsentwicklung thematisieren, wie es etwa für Marshall McLuhans bekannte Setzung „The Medium is the Message“ (1964/1994) oder Neil Postmans Überzeugung „Wir amüsieren uns zu Tode“ (1985/2008) gilt. Bekanntermaßen wurden im Kontext der Frankfurter Schule aber nicht nur kulturpessimistische Blicke auf die Entwicklung der Medien geworfen. So sah etwa Walter Benjamin (1963) die Reproduzierbarkeit von Kunstwerken als Chance für eine Demokratisierung der Gesellschaft, woran wiederum die Brechtsche Radiotheorie und später Hans-Magnus Enzensberger (1970) mit seinem „Baukasten zu einer Theorie der Medien“ anknüpften. Überlegungen zur Teilhabe der Menschen an der Gestaltung der Angebote der Massenmedien haben durch das Internet und die prinzipiellen Möglichkeiten einer dialogischen Kommunikation und einer umfassenderen Partizipation neue Relevanz erhalten (Winter 2010). Die beiden Mediensoziologen Stefan Müller-Doohm, der u. a. bei Adorno, Horkheimer und Jürgen Habermas studiert hat, sowie Dieter Prokop (2002, 2005), der seit 2000 in einer Reihe von Bänden eine „neue kritische Medienforschung“ bzw. „neue kritische Kommunikationsforschung“ vertritt, haben die Medienanalyse der Frankfurter Schule in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten gestellt.

3 Ansätze einer kritischen Kommunikations- und Medienwissenschaft heute

Während in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft das Erbe Adornos und Horkheimers nicht zuletzt durch den Einfluss der konservativen Meinungsforscherin und Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann aktiv verdrängt und damit fast vergessen wurde (vgl. Scheu 2012, S. 296)2 hat die durch die Frankfurter Schule begründete Medientheorie eine sehr viel größere Rolle im französischsprachigen Raum gespielt und gilt hier wie auch in anderen europäischen Ländern als eine der wesentlichen Theorien, die die Medien- und Kommunikationswissenschaft als Disziplin mit fundiert haben (Averbeck 2008). Insbesondere durch die Arbeiten von Pierre Bourdieu und Michel Foucault stellt die französische Forschung heute einen wichtigen Bezugspunkt für die deutschsprachige Medien- und Kommunikationswissenschaft dar. Explizit in der Tradition der Kritischen Theorie stehen Habermas’ Kommunikations- und Öffentlichkeitstheorien sowie materialistische Ansätze einer kritischen politischen Ökonomie der Medien. Habermas fragt dabei insbesondere nach den Möglichkeiten der Herstellung einer kritischen Öffentlichkeit, während die kritische politische Ökonomie an die durch Adorno und Horkheimer begründete Ideologiekritik und deren Manipulationsthese anknüpft. Schließlich sind mit den Cultural Studies und den Gender Studies zwei kritische Theorieprojekte entstanden, die ein breites disziplinäres Spektrum umfassen sowie vielfältige theoretische Bezugspunkte integrieren. Im Folgenden skizzieren wir diese Ansätze, verdeutlichen deren jeweiligen Bezug zur Kritischen Theorie und zeigen beispielhaft auf, in welchen Problembereichen sie im Rahmen einer kritischen Medienanalyse aktuell Verwendung finden.

3.1 Jürgen Habermas: Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeiten

Als Schüler Adornos und Nachfolger von Horkheimer am Frankfurter Institut für Sozialforschung steht Jürgen Habermas in einer direkten Traditionslinie mit den Begründern der Kritischen Theorie. So griff Habermas (1968) etwa in den Positivismusstreit ein, stützte darin die Position Adornos und argumentierte für eine historisch und philosophisch verankerte sowie dialektisch vorgehende Sozialforschung. Die Sorge um die Demokratie ist zentraler Motor des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Handelns von Habermas, deshalb liegt seinen Arbeiten weniger als bei Adorno und Horkheimer ein ideologiekritischer Impetus zugrunde als vielmehr ein demokratiekritischer. Ihn interessieren die Grundlagen und Bedingungen für eine deliberative Demokratie, in der die Bürger_innen mitreden und mitbestimmen können (dazu auch Müller-Doohm 2008, S. 56). Seine beiden Hauptwerke „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962/1990) und „Theorie des Kommunikativen Handelns“ (1981a, b) beschäftigen sich zentral mit der Frage wie eine demokratische Öffentlichkeit hergestellt werden kann, welche Gefahren ihr drohen und an welchen kritisch-normativen Maßstäben sich der politische Diskurs messen lassen muss. Damit berühren Habermas’ Arbeiten Kernthemen der Medien- und Kommunikationswissenschaft.

Im „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962/1990) untersucht Habermas die bürgerliche Öffentlichkeit als historischen Ausgangspunkt der westeuropäischen Demokratien. Die Herausbildung der bürgerlichen Öffentlichkeit ist demzufolge durch einen gemeinsamen und von Herrschaftszwängen freien kommunikativen Austausch der Bürger_innen gekennzeichnet. Doch schon bald verkommt die bürgerliche Öffentlichkeit „zum Selbstzweck kommerziell fixierter Verbraucherhaltung“ (Habermas 1990, S. 258), u. a. weil die Presse zum „Einfallstor privilegierter Privatinteressen in die Öffentlichkeit“ wird (Habermas 1990, S. 260). Das zweckrationale, technisch-organisatorische Handeln wird dominant und bedroht die Lebenswelt als die im kommunikativen Handeln erzeugte Sphäre, die kulturelle und soziale Verständigung ermöglicht. Politische Öffentlichkeit ist für Habermas ein zentraler Sektor der Lebenswelt und bildet zugleich das herrschaftsfreie Fundament der Demokratie, da sie „keine Arena marktförmiger, sondern diskursiver Beziehungen“ darstellt (Fraser 2001, S. 109). Habermas’ Öffentlichkeitsmodell, seine spezifischen Konzepte von deliberativer Demokratie und politischer Öffentlichkeit entwerfen einen normativen Idealtypus, anhand dessen er Schwachstellen der europäischen Demokratien aufzeigen kann (siehe auch den Überblick in Burkart und Lang 2011, S. 42 ff.).

Wie Adorno und Horkheimer mischt sich Habermas in öffentliche politische Debatten ein und kritisiert die Verabsolutierung zweckrationaler Herrschaft. Zugleich lehnt er jedoch die in der „Dialektik der Aufklärung“ begründete Manipulationsthese in ihrer Rigorosität ab. Habermas interessiert sich – damit die essentialisierende Vorstellung von einer ununterscheidbaren „Masse“ hinter sich lassend – für Sozialisations- und Verständigungsprozesse der Menschen, wobei er auf Max Weber, George Herbert Mead und auch auf die neuere Linguistik zurückgreift sowie mit Stuart Hall einen der zentralen Vertreter der Cultural Studies zumindest erwähnt. Habermas will zeigen, dass in der bürgerlichen Gesellschaft Möglichkeiten ihrer Kritik angelegt sind, und er erkundet die Bedingungen für die Aktivierung dieses kritischen Potenzials. Viel klarer als Adorno, bei den Äußerungen zur negativen Wirkung der Unterhaltungs- und Massenkultur auf ihre Konsument_innen eindeutig überwiegen, attestiert Habermas den Massenmedien ein ambivalentes Potenzial. Zwar bestätigten Rezeptionsforschung und Programmanalysen, so Habermas (1981b, S. 573), „jene kulturkritischen Thesen, die vor allem Adorno mit einer gewissen Überprägnanz entwickelt hat. Inzwischen sind aber ebenso die Widersprüche herausgearbeitet worden“, die u. a. aus konkurrierenden Interessen, journalistischem Auftrag, der Notwendigkeit der Publikumsbindung und den technischen Entwicklungen resultieren. Habermas (2008, S. 137) hat sich für die Beibehaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eingesetzt wie auch für eine öffentliche Subventionierung von Qualitätszeitungen plädiert, da er unabhängige Informationsmedien als „Rückgrat der politischen Öffentlichkeit“ ansieht.

Habermas’ historisch verankerte Vorstellungen von Öffentlichkeit haben zu einer Reihe kritischer Auseinandersetzungen und auch zu Vorschlägen für ihre Weiterentwicklung geführt. Oskar Negt und Alexander Kluge (1972) weisen auf die Bedeutung von Erfahrungen für die Herausbildung von Alternativen zur bürgerlichen Öffentlichkeit hin und stellen der bürgerlichen Öffentlichkeit eine proletarische Öffentlichkeit gegenüber. Im Rahmen der sozialen Bewegungsforschung ist ihr Beitrag intensiv rezipiert worden. Nancy Fraser (2001, S. 107–109) hat ausgearbeitet, dass die bestehenden Ungleichheitsverhältnisse die Existenz verschiedener, von ihr „subaltern“ genannte Gegenöffentlichkeiten bedingen und diese eine wichtige demokratische Funktion erfüllen. Kritik feministischer Wissenschaftlerinnen hat sich daran entzündet, dass Habermas den Ausschluss von Frauen aus der frühen bürgerlichen Demokratie zunächst ausgeblendet hat, den er jedoch in der Neuausgabe des „Strukturwandels der Öffentlichkeit“ (1990, S. 18) konstatiert. In Habermas’ neueren Beiträgen erhalten Bürgerinitiativen und Interessengruppen einen bedeutenden Platz für die Verwirklichung der Demokratie (Habermas 2008, S. 163–165).

Mit dem Internet und den damit gegebenen dialogischen, interaktiven und transnationalen Kommunikationsformen sind Fragen nach neuen Deliberations- und Partizipationsmöglichkeiten virulent geworden. Dabei schwankt die Bewertung des Internets für die Entwicklung einer politischen Öffentlichkeit zwischen zwei Polen: einer grundlegenden Skepsis und eher optimistischen Prognosen. Interessanterweise wird Habermas’ Vorstellung einer deliberativen Öffentlichkeit von Anhänger_innen beider Pole zitiert. Habermas selbst hat über das Internet im Kontext liberaler Demokratien eher skeptisch geurteilt, da er durch die Internetkommunikation eine Fragmentierung des Publikums und damit eine Unterminierung nationaler Öffentlichkeiten befürchtet (Habermas 2008, S. 161–162). Diese Position findet sich auch bei jenen, die die Veränderungen im heutigen Journalismus, die Krise der Printmedien und die geringere Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Europa als ein Indiz für einen „neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit“ anführen, der eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie darstelle (z. B. Imhof 2006). Dieser Position stehen jene gegenüber, die in der Internetkommunikation Chancen für die Herausbildung neuer, transnationaler Gegenöffentlichkeiten sehen, wie es etwa für Rainer Winters Untersuchung „Widerstand im Netz“ (2010) gilt. Nicht nur verweist Winter auf Habermas’ Konzept einer deliberativen Demokratie, er stimmt mit Habermas auch in der Einschätzung zivilgesellschaftlicher Bewegungen wie Attac oder Occupy überein. Beide sehen darin transnational organisierte und der Demokratie förderliche Gegenöffentlichkeiten. Mehrheitlich wird in der Medien- und Kommunikationswissenschaft heute aber die Ambivalenz des Internets hervorgehoben, das neue Formen der Deliberation ermöglicht, aber auch neuen menschenfeindlichen Positionen ein Forum verschafft. Dass politische Kommunikationsräume im Internet zwar ein größeres politisches Meinungsspektrum zeigen, damit aber nicht zugleich auch ein nachhaltiger demokratischer Diskurs ermöglicht wird, hat etwa Ricarda Drüeke in ihrer Diskursanalyse zu einer österreichischen Migrationsdebatte gezeigt (Drüeke 2013).

3.2 Noam Chomsky und das Propagandamodell: Ein Schlüsseltext der kritischen Politischen Ökonomie der Medien

Noam Chomsky und Habermas sind gleichermaßen prominente und öffentlich präsente Intellektuelle, die zu einer Vielzahl an gesellschaftlichen Themen Stellung beziehen und dabei über Medien und in Medien kommunizieren. Habermas’ positive Haltung zu überregionalen Qualitätszeitungen und Nachrichtenmedien steht jedoch in eklatantem Gegensatz zu deren Bewertung durch Chomsky, für den diese in besonderem Maße die Propagandafunktion von Massenmedien im Kapitalismus demonstrieren. In „Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media“ (1988/2002) führen Edward S. Herman und Noam Chomsky aus, dass es gerade Medien wie die New York Times, Time, Newsweek oder CBS News sind, die an der Herstellung eines gesellschaftlichen Konsens’ im Sinne der wirtschaftlichen und politischen Eliten entscheidend beteiligt sind. Neben einer spezifischen Auswahl und beruflichen Sozialisation von systemkonformen Journalist_innen identifizieren Herman und Chomsky fünf Strukturmerkmale kapitalistischer Medien, die als Filter für deren Nachrichtenselektion dienen: die Größe und Eigentumsstruktur der Medienunternehmen, die Werbefinanzierung der Medien, deren Fokus auf etablierte organisierte Interessen, das Droh- und Machtpotenzial der großen Wirtschaftsunternehmen und schließlich ein durch den Antikommunismus – dessen Funktion, Chomsky zufolge, heute teilweise der „Krieg gegen den Terror“ übernommen hat – legitimierter Doppelstandard in der Auswahl, Begründung und Bewertung von Nachrichten.

„Manufacturing Consent“ ist ein Schlüsseltext der kritischen Politischen Ökonomie der Medien, eines Ansatzes, der inhaltlich durch den Bezug auf Marx und im deutschsprachigen Raum auch auf die Kritische Theorie gekennzeichnet ist, dessen Protagonist_innen jedoch personell nur relativ lose untereinander vernetzt sind. Christian Fuchs (2011) hat argumentiert, dass Marx für jedwede kritische Kommunikationsforschung heute von fundamentaler Bedeutung ist, weil er das Instrumentarium entwickelt hat, um die Kapitalakkumulation der Kulturindustrie und den Warenfetischismus zu analysieren und ideologiekritische Forschung zu betreiben. Weiters sind Ideologiekritik, Manipulation und Repression durch und mit Hilfe von Medien in der kritischen Politischen Ökonomie wichtige Konzepte, die mit Adornos und Horkheimers Vorstellungen vom Wirken der Kulturindustrie übereinstimmen. Dabei wird, ähnlich wie in der „Dialektik der Aufklärung“, keine Verschwörung oder bewusste Manipulation des Publikums bzw. der Konsument_innen vorausgesetzt. Propaganda, Verführung, Manipulation sowie Standardisierung in und durch Medien ergeben sich vielmehr als eine Folge des kapitalistischen Gesellschaftssystems allgemein sowie der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse in den Medien im Besonderen. Anders als bei Adorno und Horkheimer liegt der Fokus der kritischen Politischen Ökonomie nicht nur auf dem Unterhaltungsangebot der Medien, sondern zumindest ebenso stark auf Nachrichten und Informationsangeboten. Während die Manipulationsthese geteilt wird, gibt es zwischen den heutigen Vertreter_innen der kritischen Politischen Ökonomie der Medien unterschiedliche Positionen dazu, ob Alternativmedien und widerspenstige Erfahrungen von Konsument_innen ein emanzipatorisches Medienhandeln ermöglichen können oder nicht (Fuchs 2011).

Im deutschsprachigen Raum ist die kritische Politische Ökonomie der Medien heute vor allem mit den Namen Horst Holzer, Manfred Knoche, Andrea Grisold und Werner A. Meier sowie Christian Fuchs verbunden. Diese setzen in ihren Forschungsagenden unterschiedliche Schwerpunkte. Als Soziologe hat sich Holzer vor allem für die unterschiedlichen Organisationsformen und verschiedenen Funktionsbereiche kapitalistischer Medien interessiert (Holzer 1973). In „Medienkommunikation“ (1994) hat er erstmals, die historisch-materialistische Medientheorie mit handlungstheoretischen Ansätzen in Verbindung gebracht, etwa mit der Habermasschen Kommunikationstheorie. Knoche (u. a. 2013) sowie Meier (u. a. 2003, 2007) analysieren aus einer medienökonomischen Perspektive die Monopolisierung der Produktionsbedingungen sowie die fortschreitenden Konzentrationsprozesse in den Medien. Knoche (2005, S. 407) verwendet den Begriff der „Kritischen Politischen Ökonomie der Medien“ in Großschreibung in bewusster Anspielung auf Marx’ Hauptwerk „Das Kapital: Zur Kritik der Politischen Ökonomie“. Unter „Kritischer Politischer Ökonomie“ subsumiert er die historisch-materialistische Medientheorie, wie sie im deutschsprachigen Raum vor allem in den 1970er-Jahren neben Holzer etwa von Franz Dröge, Jörg Huffschmid und Wulf D. Hund entwickelt wurde, die Arbeiten zur proletarischen Öffentlichkeit von Negt und Kluge sowie die sich auf die US-amerikanische kritische Politische Ökonomie beziehenden Arbeiten von Grisold und Meier (2007) (ausführlich dazu Klaus und Thiele 2007).

Die kritische Politische Ökonomie ist eine Makrotheorie, in deren Mittelpunkt das Verhältnis von Staat, Wirtschaft und (Massen)Medien, von Demokratie, Ökonomie und meinungsmachender Industrie steht. Durch globalisierungs- und kapitalismuskritische Bewegungen, durch die Verschärfung und die neue Sichtbarkeit globaler und lokaler Ungleichheiten sowie durch Monopolisierungs- und Umbauprozesse innerhalb der Informations- und Medienindustrie hat der Ansatz neue Aktualität erhalten. Das Internet hat darüber hinaus die Mediensysteme stark verändert und neue Formen der Warenproduktion und -zirkulation hervorgebracht. Dabei unterliegen auch digitale Medien ebenso wie die klassischen Massenmedien den Strukturen und Logiken einer kapitalistischen Gesellschaftsorganisation. Eine Erforschung der mit dem Internet aufgeworfenen politökonomischen Fragen steht im Mittelpunkt von Fuchs’ zahlreichen Arbeiten, in denen er die Tendenzen der Kommerzialisierung und Monopolisierung des Internets und seiner Angebote im Dienste der kapitalistischen Eliten analysiert (Fuchs 2009, 2011, 2015). Danach wird insbesondere die im Internet erzeugte Ware (persönliche) Information den Produzent_innen enteignet und folglich privatisiert. Alternative Umdeutungen werden dadurch erschwert, sind aber trotz des antagonistischen Charakters von Medien möglich (Fuchs 2011, S. 5).

3.3 Pierre Bourdieu: Ein kritischer Soziologe der Ungleichheitsforschung

Pierre Bourdieu fragt in seinen Arbeiten danach, wie kulturelle Manifestationen, z. B. Kunst, Medien und Fernsehen, und der damit verbundene scheinbar individuelle Geschmack mit Strukturen der Ungleichheit und mit Machtverhältnissen zusammenhängen. In seinem Hauptwerk „Die feinen Unterschiede“ untersucht Bourdieu (1987) empirisch, wie soziale Ungleichheiten in der französischen Gesellschaft fortlaufend hergestellt werden und begründet damit eine Kultur- und Gesellschaftstheorie, die auf der Unterscheidung verschiedener Klassen und der Herausbildung eines jeweils klassenspezifischen Geschmacks fußt. Klassen unterscheiden sich nach Bourdieu durch symbolische Differenzierungen und ungleiche soziale Positionen, die sich im Habitus manifestieren und in spezifischen Geschmackskulturen sichtbar Ausdruck finden. Den Habitus beschreibt Bourdieu als ein „System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen, die als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlage für Praktiken und Vorstellungen dienen“ (Bourdieu 1987, S. 90–91) und so die Zugehörigkeit eines Individuums zu einer bestimmten Klasse verdeutlichen. Die Position, also die soziale Stellung, eines Individuums in einer Gesellschaft ist des Weiteren abhängig von dem jeweiligen – sozialem, ökonomischem und kulturellem – Kapital, über das ein Individuum verfügt. Das Kapital kommt auf den verschiedenen Feldern, die die Gesellschaft strukturieren, zum Einsatz und bestimmt wesentlich die Position der sozialen Akteur_innen darin.

Bourdieu überwindet mit dieser Konzeptionierung den Dualismus von Subjekt und Objekt, von Individuum und Struktur, da Subjekte mit ihrem Habitus essenzieller Teil des jeweiligen Feldes sind, auf dem sie agieren, und ihre Handlungen zugleich von den Strukturen des Feldes bestimmt werden. Die Einnahme verschiedener Positionen im Feld hat wenig mit der individuellen Ausgestaltung von Rollen, dem role-taking und role-making der Rollentheorie, zu tun, sondern ist durch zwei interagierende Faktoren bestimmt: einerseits vom jeweiligen Habitus und den individuell zur Verfügung stehenden Kapitalsorten, und andererseits von den im Feld wirkenden Strukturen und Machtverhältnissen. Damit werden die Bereiche der (kulturellen) Produktion und Rezeption verbunden und eine Brücke zwischen Makro- und Mikroprozessen sozialen Handelns gebaut. Bourdieu bezieht “populäre” Kultur in seine Überlegungen ein, wobei er den Fokus auf jene künstlerisch-kulturellen Formen legt, die jenseits der „kulturellen Zentren“ entstehen. Zugleich schätzt er aber deren Potenzial, die dominante Kultur und damit Machtverhältnisse zu verändern, als gering ein. Sozialer Wandel ist aufgrund des strukturellen Determinismus, der Gesellschaft und Kultur prägt, kaum möglich, da Handlungsmöglichkeiten demnach immer vom jeweiligen Feld, dem eingebrachten Kapital und dem Habitus der darin Agierenden abhängig und dadurch auch begrenzt sind.

Bourdieu und Adorno teilen die Sichtweise, dass materielle Ungleichheiten in einem engen Zusammenhang mit kulturellen Prozessen stehen. Beide Theoretiker kritisieren die herrschende Kultur, in der sie ein Mittel sehen, um Unterdrückung und Ungleichheit zugleich zu legitimieren und zu (re)produzieren. Das Vergnügen etwa an Medienangeboten sieht Bourdieu wie Adorno nicht als einen authentischen Ausdruck wahrer Empfindungen an, sondern durch die jeweilige Klassenzugehörigkeit geprägt. In der Hochkultur sieht Bourdieu ein Produkt gesellschaftlicher Machtkämpfe, das die Dominanz bestimmter Gruppen zeigt. Inhalte, Formen und Gegenstandsbereiche der Hochkultur sind damit nicht dauerhaft fixiert. Demgegenüber vertritt Adorno einen eher universalistischen Anspruch an eine Kultur der Aufklärung. Zugleich weist Bourdieus (1987, S. 36) Ausdruck „legitimer gesellschaftlicher Geschmack“ eine Affinität zu Adornos Begriff der Hochkultur auf, da sich beide auf einen bestimmten Musik- und Kunstgeschmack beziehen, der höher als andere Stile bewertet wird. Dennoch sind bei Bourdieu die Unterschiede zwischen verschiedenen kulturellen Gruppen weniger durch den Gegensatz von Hoch- und Populärkultur gekennzeichnet als vielmehr durch soziale Gegensätze, die durch den Habitus reproduziert werden und in der Alltagskultur ihren Ausdruck finden. Bourdieu ist wie Habermas daran interessiert die Bedingungen für einen herrschaftsfreien Diskurs aufzuzeigen. Allerdings betont er, dass ein gegenseitiges „Verstehen“ (1998a, S. 58) durch die gesellschaftlichen Hierarchien erschwert wird und verweist damit auf die Bedingungen, die einem herrschaftsfreien Diskurs entgegen stehen. Diese Überlegungen führt Bourdieu in seinen späteren Werken weiter aus, indem er insbesondere jene gesellschaftlichen Gruppen in den Blick nimmt, die nicht gehört bzw. in öffentlichen Debatten marginalisiert werden (Bourdieu 2009). Deutlich zeigen sich dabei Parallelen zu den Gender Studies und den postkolonialen Theorien.

Bourdieus Arbeiten sind für vielfältige Forschungsfelder der Medien- und Kommunikationswissenschaft relevant. Seine Verbindung von klassenspezifischem Habitus und einem bestimmten kulturellen Geschmack bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für die heutige Medienforschung. Bourdieu teilt mit Adorno die Auffassung, dass die banalen und trivialen Medienangebote zur Konformität und Depolitisierung beitragen (Winter und Zima 2007, S. 119–223). In „Über das Fernsehen“ (1998b) setzt sich der Soziologe kritisch mit der Rolle des Fernsehens auseinander, das er als ein relativ homogenes Medium ansieht, welches sich stärker an anderen Medienangeboten als an tatsächlichen Ereignissen orientiert. Insbesondere zwei Mechanismen werden bei der Homogenisierung von Fernsehsendungen wirksam, zum einen die „zirkuläre Zirkulation der Nachrichten“, zum anderen die „Diktatur der Einschaltquote“ (Bourdieu 1998b, S. 24). Journalist_innen auch unterschiedlicher Medien greifen auf dieselben Nachrichtenquellen zurück, und die Orientierung an Einschaltquoten als „Währung“ im privat-kommerziellen Rundfunk führt trotz der Zunahme von Sendern zur Ausstrahlung ganz ähnlicher Angebote.

In der Kommunikationswissenschaft spielt der Ansatz Bourdieus in der Journalismusforschung eine immer größere Rolle (Schäfer 2007; Weish 2002; Hummel 2009; Lueg 2012). Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Journalist_innen werden unter Bezug auf die Habitus- und Feldtheorie hinsichtlich jener Mechanismen und Prinzipien analysiert, die im journalistischen Feld wirken. Dabei entscheidet die jeweilige Konfiguration von erworbenen beruflichen Erfahrungen, Ausbildung, sozialer Herkunft, Geschlecht, etc. über die spezifische Position der Akteur_innen im sozialen Feld Journalismus.

Ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld stellt die Publikums- und Rezeptionsforschung dar, weil es Bourdieus Überlegungen erlauben, unterschiedliche Medienauswahl, Rezeptionsvorlieben und Nutzungsmuster zu erklären und ihren sozialen Zusammenhang zu erhellen. Dabei werden insbesondere alltagskulturelle Rezeptionspraktiken hinsichtlich ihrer sozialen Strukturierung untersucht. So erarbeitet Müller-Doohm (1990) den Zusammenhang zwischen milieuspezifischer Mediennutzung und der sozialen Situiertheit von Rezipient_innen. Das Vergnügen und der Gefallen an bestimmten Musikrichtungen, Fernsehsendungen oder Künstler_innen sind nicht individuell gewählte Vorlieben, sondern werden durch den jeweiligen klassengebundenen Habitus bestimmt. Diese Perspektive erweitert die Mediennutzungsforschung, da auch das habitusspezifische Wissen und damit inkorporierte, kollektiv geteilte und milieuspezifische Wissensbestände in die Rezeptionsforschung einbezogen werden (Weiß 2000). Klassenspezifische Strukturierungen und ökonomische Verhältnisse sind dann zentraler Bestandteil von Rezeptionsanalysen. Allerdings findet in der Marktforschung häufig, und auch teilweise in der akademischen Forschung, eine „Entpolitisierung“ der Bourdieuschen Begrifflichkeiten statt, indem der Habitus auf eine bestimmte Einstellung bzw. persönliche Haltung verkürzt wird (Diaz-Bone 2004). Damit bleiben die für Bourdieu so zentralen sozialen Strukturen des jeweiligen Feldes sowie die den Akteur_innen zur Verfügung stehenden Kapitalsorten und die ihren Habitus begründenden sozialen Ungleichheiten unberücksichtigt.

3.4 Michel Foucault und die Archäologie des Wissens

Michel Foucault im Besonderen und den poststrukturalistischen Ansätzen im Allgemeinen geht es stets um eine Historisierung und Kontextualisierung von Begriffen und Theorien. Auch wenn sich diese Ansätze zumeist nicht explizit mit Medien auseinandersetzen, hat die auf sie gerichtete Aufmerksamkeit in der Medien- und Kommunikationswissenschaft in den letzten Jahren stark zugenommen. Im Zentrum der Arbeiten Foucaults steht die Frage danach, wie Wahrheit und Wissen entstehen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass eine Gesellschaft durch Machtverhältnisse strukturiert ist, die dem Subjekt nicht nur äußerlich entgegentreten, sondern von diesem auch verinnerlicht werden. Das Subjekt ist also immer in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Strukturen, die sich durch Macht, Herrschaft und hegemoniales Wissen strukturieren, zu sehen (Foucault 1993).

Foucaults Interesse liegt dabei insbesondere auf der Entstehungsgeschichte dieser Strukturen und den darauf aufbauenden Naturalisierungen von Wissen und Wahrheit. Um diese zu ergründen, beschreibt Foucault seine Vorgehensweise mit den Begriffen der „Archäologie“ und der „Genealogie“. Unter Archäologie versteht Foucault die Spurensuche in der Geschichte nach der Entstehung von Diskursen. Mit Hilfe der Genealogie nimmt Foucault die mit der Durchsetzung bestimmter Diskurse verwobenen Machtverhältnisse und Normalisierungsstrategien in den Blick, um deutlich zu machen, dass es auch alternative Möglichkeiten der Entwicklung geben kann (Foucault 1981, 1987). Diskurse, die bei Foucault sowohl sprachliche als auch nicht-sprachliche Objekte wie Institutionen, Gesetze etc. umfassen, bilden ein Dispositiv, also eine heterogene Gesamtheit, das eine strategische Funktion hat und in Machtverhältnisse eingebunden ist (Agamben 2008). Die Genealogie deckt dabei die verborgenen Mechanismen auf, die den sozialen Praktiken und damit den Diskursverläufen zugrunde liegen, so dass diese der Reflexion zugänglich werden und in Frage gestellt werden können (Hoy 1998). Indem Foucault aufzeigt, dass die spezifische Verbindung von Macht, Herrschaft und Wissen(schaft) stets raum-zeitlich produziert ist, also an eine bestimmte Gesellschaft, Kultur und Zeit gebunden ist, können diese Strukturierungen hinterfragt und verändert werden. Jedoch ist das Subjekt in die Machtstrukturen so verstrickt, dass eine Befreiung daraus kaum möglich erscheint. Das Subjekt ist in dieser Sichtweise also nicht Ursprung und Grundlage des Wissens, der Freiheit, der Sprache und der Geschichte, sondern es ist eingebunden in gesellschaftliche Diskurse und Machtbeziehungen und damit nicht unabhängig von diesen zu denken. Die Allgegenwart von Macht und Herrschaft – also deren „Gesamtheit, gebildet aus den Institutionen, den Verfahren, Analysen und Reflexionen, den Berechnungen und den Taktiken“ – fasst Foucault dabei unter den Begriff der „Gouvernementalität“ (Foucault 2005, S. 171, 2006). Durch ein Aufzeigen des engen und unentwirrbaren Zusammenhangs zwischen den Macht- und Herrschaftsverhältnissen und der Konstituierung von Subjekten eröffnet Foucault eine neue Perspektive auf Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten (Moss 1998, S. 6–8).

Foucaults Bemühen allgegenwärtige Macht- und Herrschaftsverhältnisse aufzudecken, steht in der Tradition der Machtkritik der Kritischen Theorie. So stellt insbesondere die Methode der Genealogie eine Weiterentwicklung der Analyse von Machtverhältnissen durch die Kritische Theorie dar. Dass die Kritik an der (Zweck-)Rationalität, die Historisierung von Diskursen sowie die Analyse der Entwicklung von Machtbeziehungen beide Ansätzen verbindet, zeigt beispielhaft Benjamins Essay „Ausgraben und Erinnern“ (Benjamin 1932/2007). Jedoch stellt Foucaults kritische Sichtweise auf das Subjekt einen fundamentalen Unterschied zur Kritischen Theorie dar, da er die Möglichkeit eines universalistischen Denkens negiert, indem er – ähnlich wie Judith Butler (1995) – die Essenz von Kategorien in Frage stellt. Trotz des unterschiedlichen Subjektbegriffs sind sich die poststrukturalistischen Ansätze sowie die Kritische Theorie darin einig, dass für das Individuum kaum Möglichkeiten eines eigenständigen oder widerständigen Handelns bestehen. Für beide Ansätze ist das den gesellschaftlichen Verhältnissen ausgelieferte Individuum ein zentrales Kennzeichen gegenwärtiger Gesellschaften. Foucault argumentiert dabei auf der Mikroebene der Ausübung gesellschaftlicher Gewalt, während die Kritische Theorie den Fokus auf die Makroebene und damit vor allem auf die ökonomischen Strukturen legt. In Bezug auf den Subjektbegriff sieht Hoy (1998, S. 26 f.) Foucault als einen „truer representative of that [early critical theorists’] tradition“ an als Habermas.

In der neueren Medienforschung, die sich verstärkt mit neoliberalen Praktiken auseinandersetzt, sind Foucaults Werke und insbesondere seine Überlegungen zum Konzept der Gouvernementalität als allzeit präsente Herrschaft auf große Resonanz gestoßen. Das von Foucault entwickelte begriffliche Instrumentarium wird insbesondere zur Analyse von Formaten des Reality-TV herangezogen. Demnach beinhaltet das Reality-TV Praktiken der Gouvernementalität, da es Richtlinien für eine Lebensführung jenseits wohlfahrtsstaatlicher Absicherung entwirft und in Übereinstimmung mit einer neoliberalen Ideologie die Notwendigkeit der fortwährenden „Arbeit am Selbst“ demonstriert (Thomas 2007, 2008). Andrejevic (2004) spricht von einer Selbstdisziplinierung mittels Reality-TV, das ein umfassendes Versprechen der Demokratisierung gibt, tatsächlich aber die Überwachung des Menschen perfektioniert, indem diese zur Selbstüberwachung wird. Die Parallelen zur Kritischen Theorie sind offensichtlich: Auch wenn es nicht das „falsche Bewusstsein“ ist, das zum Konsum und zur Akzeptanz „populärer Unterhaltungsangebote“ und von Fernsehformaten führt, sondern die gouvernementalen Praktiken, so wird das Individuum von Machtverhältnissen bestimmt, die durch Technologien bzw. Medien vermittelt werden. Gleichermaßen erscheint die Anpassung der Menschen an die durch diese Medienangebote vermittelten Normen und Übereinkünfte nicht als Disziplinierung, sondern als selbstgewollt.

Mit der „Archäologie des Wissens“ hat Foucault eine „Werkzeugkiste“ hinterlassen, die es ermöglicht, Diskurse als Ketten von Aussagen zu analysieren und diese durch ihre Kontextualisierung zu hinterfragen (Jäger und Jäger 2007, S. 7; Fiske 1996). Die kritische Diskursanalyse ist in der Kommunikationswissenschaft ein wichtiges Instrument für die Analyse von Medienangeboten geworden. Ziel der Diskursanalyse ist es vor allem, zu erschließen, unter welchen Bedingungen und Machtverhältnissen welche Aussagen von wem und über wen getroffen werden. Unter Bezugnahme auf Foucault, und damit auf die kritische Diskursanalyse, werden Medien als zentrale Agenten von Diskursen analysiert. Komplexe Phänomene wie Wissensordnungen und Wahrnehmungen werden so beispielsweise von Jäger und Jäger (2007) anhand der Kopftuchdebatte, der Printberichterstattung zur RAF oder öffentlicher Diskurse zum Karrikaturenstreit durchgeführt.

Auch in Bezug auf das Internet findet sich ein Rekurs auf Foucault. Aus der Perspektive einer medienwissenschaftlichen und linguistisch orientierten Diskursforschung lässt sich das Internet als Teil der Wissensordnung einer Gesellschaft betrachten, in der digitale vernetzte Medien zum Alltag gehören (Fraas et al. 2013). Dabei bleibt das Internet aber in soziale Praxen der Normalisierung eingebunden und stellt als Kommunikationsdispositiv kein unabhängiges und emanzipatorisches Medium dar (Dorer 2008).

3.5 Cultural Studies: Die Bedeutung des Publikums im Medienprozess

Goldbeck hat die Cultural Studies wie folgt definiert: „Bei den Cultural Studies handelt es sich um ein intellektuelles Projekt, das sich alltäglichen kulturellen Praktiken widmet und sie in ihrer kontextuellen Einbettung mit besonderem Blick auf die kontextspezifischen Machtverhältnisse analysiert. Cultural Studies arbeiten interdisziplinär und wollen politisch Möglichkeiten bereitstellen, die eigenen gesellschaftlichen Kontexte zu verändern“ (Goldbeck 2004, S. 28). Die Charakterisierung der Cultural Studies als Projekt verdeutlicht, dass es sich nicht um einen homogenen theoretischen Ansatz mit einheitlichen Begrifflichkeiten und kanonisierten Denktraditionen handelt (Hepp et al. 2009). Das große Spektrum an theoretischen Bezügen sowie die Vielfalt inter- und transdiziplinärer Verortungen wird durch ein spezifisches Interesse an den alltagskulturellen Effekten gesellschaftlicher Machtverhältnisse sowie durch ein interventionistisches Wissenschaftsverständnis gebändigt.

Der weite Kulturbegriff der Cultural Studies – „culture as a whole way of life“ (Raymond Williams) – unterscheidet sich stark von dem Adornos. Der von Adorno geprägte Dualismus von Hochkultur, die den authentischen Ausdruck erlaubt, und den Produkten der Kultur- und Unterhaltungsindustrie, die die Menschen verblenden, wird in den Cultural Studies aufgehoben. Kultur wird als die Sphäre verstanden, in der im Alltag das Ringen um Macht und Bedeutung stattfindet. Gleichwohl sind die englischen Cultural Studies in der kritischen Theorie verwurzelt und bestechen vor allem durch die Verzahnung von theoretischen Ausführungen und empirischer – vor allem ethnografisch ausgerichteter – Forschungstätigkeit (Bromley et al. 1999; Göttlich et al. 2001; Hepp 2010; Lutter und Reisenleitner 2005; Marchart 2008). Die Cultural Studies sind eng mit dem Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) in Birmingham verbunden und verstehen sich als kritische Medientheorie. Den Ausgangspunkt für die Studien am CCCS bildete eine Auseinandersetzung mit dem Klassenbegriff von Marx, der letztlich als zu ökonomistisch und deterministisch abgelehnt wurde, zudem mit dem Primat der Ökonomie andere Strukturkategorien wie „Rasse“ und Geschlecht häufig als nachrangig behandelt wurden. Stattdessen wurden Gramscis Hegemoniekonzept und Althussers Ideologiebegriff zentral für die Bestimmung des Verhältnisses von Macht und kulturellen Manifestationen.

Im Rahmen der Cultural Studies erfährt der Ideologiebegriff der Frankfurter Schule eine Überarbeitung. Die bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse müssen, um stabil zu sein, ideologisch abgesichert werden und so als „natürlich“ erscheinen. Dabei ist Ideologie im Verständnis des CCCS den Menschen jedoch nicht in erster Linie von außen aufoktroyiert, sondern wird vielmehr von den Menschen selbsttätig angeeignet und reproduziert, ist im Alltag gelebte und entwickelte Kultur und kann gerade deshalb auch modifiziert werden. Ideologie wird in den Cultural Studies zu der sozialen Sphäre, in der Macht und Bedeutung zusammentreffen. Die Bedeutungs- und Sinnproduktion der Menschen erfolgt selbsttätig, allerdings nicht frei und selbstbestimmt, weil die bestehenden Machtkonstellationen und Dominanzverhältnisse vorgeben, dass manche Bedeutungen vor anderen favorisiert werden, manche Sinnproduktionen wahrscheinlicher sind als andere, manche Gesellschaftskonstruktionen verbindlicher als ihre Alternativen. Hegemonie ist jene Macht der gesellschaftlichen Eliten, ihre Partikularinteressen als Allgemeininteressen zu setzen und damit konsensfähige dominante Bedeutungen vorzugeben. Hegemoniale Bedeutungen können aber – insbesondere in den kulturellen Randbereichen der Gesellschaft – auch durchbrochen werden, weil sie keine allumfassenden und exklusiven Beschreibungen liefern. Das erklärt, warum sich die Cultural Studies vor allem mit der gering geachteten Populär- und Massenkultur auseinandergesetzt haben.

Für die Entwicklung der Medien- und Kommunikationswissenschaft waren die Cultural Studies von großer Bedeutung, da sie eine neue Phase der Publikumsforschung einleiteten, in deren Folge ältere Ansätze in Frage gestellt wurden. Die Cultural Studies richten sich sowohl gegen eine Betrachtungsweise des Publikums als eine undifferenzierte und passive Masse, von der die klassische Wirkungsforschung implizit ausgeht, als auch gegen die individualistischen Vorstellungen wie sie im so genannten Uses-and-Gratifications-Ansatz vorherrschen. In expliziter Abgrenzung von diesen beiden Strömungen der Kommunikationswissenschaft hat Stuart Hall 1974 sein Encoding/Decoding-Modell vorgestellt, das die Medientheorie der Cultural Studies begründete. Im Modell findet sich die geläufige Aufteilung des Kommunikationsprozesses in eine Produktionsseite, die Programm/Text/Repräsentations- oder auch Zirkulationsseite und die Rezeptions- bzw. Reproduktionsseite. Im Unterschied zur klassischen Medienwirkungsforschung betont Hall im Rückgriff auf die neuere Linguistik, dass neben der Kodierung von Medientexten im Produktionsprozess, auch eine eigenständige Dekodierung notwendig ist, die zwar häufig, aber längst nicht immer mit den darin eingeschriebenen Bedeutungen identisch ist: Entschlüsselung muss nicht gleich Verschlüsselung sein. Kodierung und Dekodierung sind jeweils vom Wissensrahmen, in den sie eingebettet sind, von den Produktionsverhältnissen des Wissens und der technischen Infrastruktur der Medien beeinflusst. Der Medientext kann damit nicht länger als kontextfreien Signal, das möglichst störungsfrei an die Empfänger_innen übermittelt und von diesen aufgenommen werden muss, konzipiert werden. Vielmehr bestimmen die kulturellen und sozialen Kontexte des Produktions- und Rezeptionsprozesses über die spezifischen Bedeutungszuschreibungen an Medientexte. Von der Polysemie der Zeichen ausgehend wird damit der Rezeptionsvorgang zu einem eigenständigen Moment im Kommunikationsprozess. Das Encoding/Decoding-Modell ist im Kreislaufmodell der Kultur von Johnson (1985) und Hall et al. (1997) weiterentwickelt worden, in dem die Vermittlung zwischen Mikro- und Makroebene, die Regulation des Kommunikationsprozesses sowie auch seine identitätsstiftenden Aspekte stärkere Beachtung gefunden haben.

Die Cultural Studies können nicht nur in Bezug auf ihren Kulturbegriff als der Medienanalyse der Kritischen Theorie diametral entgegenstehend verstanden werden. ‚Apokalyptiker‘ hat Umberto Eco (1964/1994) mit direktem Bezug auf Adorno und Horkheimer die Konstrukteure eines passiven Publikumsbildes genannt. Masse und Kulturindustrie seien Begriffsfetische, die der kritischen Elite suspekt blieben (Eco 1994, S. 38–39). Führt man Ecos Argumentation weiter, dann liegt der entscheidende Fehler solcher Positionierungen darin, die eigenen Vorurteile gegen populärkulturelle Ausdrucksformen zum Ausgangspunkt der Medien- und Gesellschaftstheorie zu machen. Um wirkliche Menschen, die sich Medien zuwenden, geht es ebenso wenig wie um die tatsächliche Nutzung und die alltäglichen Aneignungsweisen von Medienangeboten. Ecos Differenzierung zwischen „geschlossenen“ und „offenen“ Texten ist deshalb auch in die Vorstellungen der Cultural Studies eingeflossen. Insbesondere John Fiske (1987, 1989) hat die semiotischen Aspekte von Populärmedien weiter ausgearbeitet. Weil der „reader-as-writer“ fungiert, Rezipient_innen nunmehr als aktive Konsument_innen in den Medienprozess einbezogen sind, sieht Fiske gerade im Vergnügen an der Populärkultur die Möglichkeit des Widerstandes gegenüber der dominanten Ideologie oder ihrer Unterlaufung gegeben. In seinen späteren Medienanalysen hat Fiske unter Bezugnahme auf Foucault zwischen „the power bloc“ und „the people“ unterschieden, die je nach sozialer Fragestellung aus wechselnden Akteur_innen bestehen und auch dessen Diskursanalyse aufgegriffen (Fiske 1993, 1996). Allerdings weicht Fiske von Foucaults Subjektbegriff insofern ab, als seine Arbeiten sich auf sozial eingebundene Menschen beziehen, die sich aus je spezifischen Machtverhältnissen befreien wollen.

Zwischen Cultural Studies und Kritischer Theorie gibt es – bei allen Unterschieden im Kultur- und Ideologiebegriff wie auch in Bezug auf die Rolle von Rezipient_innen im Medienprozess – aber auch wichtige Gemeinsamkeiten wie den Bezug auf die Marxsche Gesellschaftstheorie, die Ablehnung der Zentralität ökonomischer Macht- und Produktionsverhältnisse im Marxismus bei gleichzeitiger die Hinwendung zu Kultur und Medien als zentralen Vermittlungsinstanzen und Ideologieproduzentinnen. Als transdisziplinäres und relativ offenes Projekt haben die Cultural Studies darüber hinaus auf eine Vielzahl von weiteren Theorien Bezug genommen. Ausgesprochen produktiv haben sich Gender Studies und Cultural Studies miteinander verschränkt (ausführlich Klaus 2006). In der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft liegen inzwischen in allen Forschungsfeldern Arbeiten vor, die die Cultural Studies zur Neuformulierung theoretischer Positionen nutzen bzw. zur Bearbeitung empirischer Fragestellungen heranziehen (Hepp und Winter 2006; Hepp et al. 2015). Aus einer Vielfalt an produktiven und relevanten Aneignungen seien lediglich drei Beispiele genannt: Andreas Hepps Arbeiten zur transkulturellen Kommunikation (2006), Jutta Rösers Ausarbeitung des Domestizierungsansatzes (2007), mit dem der Prozess der Einschreibung des Internets und neuer Medien in die Haushalte untersucht werden kann, sowie Margreth Lünenborgs Vorschlag einer kulturorientierten Journalistik (2005), die das Publikum der Medien nicht länger ignoriert.

3.6 Gender Studies: Soziale Differenzierungen

Wie die Cultural Studies handelt es sich auch bei den Gender Studies um ein Theorieprojekt, das sich aus zahlreichen Traditionen und theoretischen Strömungen speist. Die Bewegung von der frühen Frauenforschung hin zu den heutigen Gender Studies ist von einem Ringen um ein angemessenes Verständnis der Kategorie Gender begleitet. Die ursprüngliche Fokussierung auf Frauen als Gegenstand der Forschung wurde von der Erkenntnis der notwendig relationalen Qualität der Mann/Frau-Dichotomie abgelöst, da Frauen kulturell und historisch als das „andere Geschlecht“ definiert wurden. In einem weiteren Schritt löst sich das Verständnis von Gender als Strukturkategorie von der Bindung an soziale Subjekte, um schließlich zu der Einsicht zu gelangen, dass das symbolische System der Zweigeschlechtlichkeit diese binären Unterscheidungen erst produziert. Zu einer disziplinübergreifenden Diskussion trugen feministische Wissenschaftler_innen Überlegungen aus der Philosophie und Erkenntnistheorie, der Wissenschaftsgeschichte, der Geschichte, der Soziologie und anderen Sozial- und Kulturwissenschaften bei.

Wenn Gender als Klassifikationssystem, als Strukturkategorie und als Ideologie zugleich verstanden wird (Robinson 1992, S. 135; Klaus 2005), dann liefert das ebenso Vorlagen, um andere vieldimensionale soziale Kategorien zu erforschen. Gender als Klassifikationssystem zeigt die Zuweisung von hierarchischen Positionen, z. B. an die Kommunikator_innen in den Medienbetrieben oder an die Konsument_innen von Medienangeboten mittels der Bewertung ihrer Rezeptionsinteressen auf. Gender als Strukturkategorie verweist darauf, dass der binäre Geschlechtercode, die Entgegensetzung von männlich und weiblich, jenseits des Wollens und oft sogar des Bewusstseins der gesellschaftlichen Subjekte wirksam ist. Als Ideologie liegt der Genderkategorie eine Naturalisierung von Unterscheidungen zugrunde, die Unterschiede überhaupt erst „machen“ bzw. hervorbringen. In den Gender Studies wird deshalb der Verwobenheit des Genderdualismus mit anderen Diskursen Aufmerksamkeit geschenkt. Die von der Frauen- und Geschlechterforschung im Laufe ihrer Entwicklung erarbeitete Vielschichtigkeit von Gender gilt analog für die Auseinandersetzung mit anderen sozialen Strukturkategorien. Aus einer intersektionalen Perspektiven werden dann Verschränkungen von Gender mit anderen Ungleichheit generierenden Kategorien bzw. Diskursen wie Race, Ethnie, Klasse etc. erforscht (Drüeke et al. 2014).

Die Gender Studies haben zu einer Modernisierung der Medien- und Kommunikationswissenschaft beigetragen, da viele der Begriffe, die zentral zur Beschreibung gegenwärtiger Medienentwicklungen dienen, eine diskursive Bindung an Männlichkeit und Weiblichkeit und die mit ihnen verbundenen Wertungen aufweisen. Das gilt für die Dualismen von Information und Unterhaltung oder von Fakt und Fiktion (Klaus 1996; Klaus und Lünenborg 2002) ebenso wie für die Klassifizierung von Medieninhalten als „soft news“ und „hard news“ oder die grundsätzliche Entgegensetzung von öffentlich-rechtlichen und privaten Programminhalten. Eine erkenntnistheoretisch formulierte Skepsis gegenüber Dualismen und Versuche von Grenzverschiebungen und Grenzverwischungen sind für alle emanzipatorischen Projekte geboten, da ansonsten Differenzen essentialisiert bzw. naturalisiert werden.

Die Bezüge zur Kritischen Theorie, aber auch deren Weiterentwicklung durch die Gender Studies, lassen sich beispielhaft anhand von drei Bereichen aufzeigen. So wird die Herrschafts- und Wissenschaftskritik aufgenommen, das Konzept von Öffentlichkeit weiter entwickelt, sowie vor allem in den Cultural Gender Studies die Rolle des Publikums neu bestimmt. Der von Gudrun-Axeli Knapp (1999b) herausgegebene Sammelband „Kurskorrekturen. Feminismus zwischen Kritischer Theorie und Postmoderne“ beschäftigt sich mit den theoretischen Implikationen der Kritischen Theorie für die feministische Theoriebildung. Im Spannungsfeld von Feminismus, Kritischer Theorie und postmoderner Theorie ergeben sich nach Knapp (1999a, S. 14) wichtige Anknüpfungspunkte für die Reformulierung und Ausdifferenzierung feministischer Herrschaftskritik. Eine dialektische Sichtweise auf Differenzen und Dichotomien wie Natur/Kultur und öffentlich/privat eröffnet, so Regina Becker-Schmidt (1999, S. 122–124), Perspektiven einer Neuformulierung. Zwar beanstandet auch Becker-Schmidt die Nichtbeachtung von Problemen des Geschlechterverhältnisses bei Adorno und Horkheimer, dennoch sieht sie Möglichkeiten, mit Hilfe der Kritischen Theorie die gesellschaftskritische Funktion der Gender Studies auszuarbeiten. Feministische kritische Theorie, so Cornelia Klinger (1999, S. 254–255), ist damit überwiegend als eine „Denkform“ zu verstehen, die sich zentral auf das normative Konzept von Gerechtigkeit bezieht. Die traditionellen Konzepte von Gerechtigkeit und Befreiung blenden allerdings Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern aus, so ein zentraler Kritikpunkt der Gender Studies. Insbesondere Donna Haraway (1995) hat sich kritisch mit den Wissensbeständen einer Gesellschaft auseinandergesetzt und mit dem Begriff des „situierten Wissens“ betont, dass wissenschaftliche Objektivität und Grenzziehungen radikal in Frage zu stellen sind. Da immer nur von einem bestimmten Standpunkt aus gesprochen werden kann, stellt sich die Frage nach den Bedeutungen von grundlegenden Konzepten wie Vernunft, Universalität, Objektivität, Gerechtigkeit oder Wahrheit. Poststrukturalistische Ansätze wie auch die Queer Studies und die Postcolonial Studies entwickeln diese erkenntnistheoretischen Zugänge weiter; nicht mehr die gemeinsame Erfahrung von Frauen steht im Mittelpunkt, sondern eine engagierte Position, die von marginalisierten Standpunkten aus eingenommen wird.

Weitergehend greifen die Gender Studies die Kritik der Kritischen Theorie an der bestehenden Gesellschaftsformation auf und diskutieren die Rolle sozialer Bewegungen in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungen. Insbesondere Nancy Fraser (2001, S. 12–14) hat den Fokus auf soziale und damit auch auf feministische Bewegungen gelegt. In diesem Zusammenhang ist eine Weiterentwicklung und Erweiterung des von Habermas in seinem Öffentlichkeitsmodell zugrunde gelegten Politikbegriffs durch feministische Theoretikerinnen zentral. Politische Öffentlichkeit wird dadurch nicht mehr nur als Herrschaftssphäre begriffen, die vor allem der Exekutive oder einer gesellschaftlichen Elite vorbehalten ist, sondern wird als Prozess gesehen, der durch politische, soziale, kulturelle oder ökonomische Veränderungen permanent in Bewegung bleibt. In direkter Anknüpfung an das Habermassche Modell plädiert Nancy Fraser für dessen Erweiterung, um auch nicht-bürgerliche und konkurrierende, subalterne Öffentlichkeiten darin einzubeziehen. Weitergehend stellt Öffentlichkeit dann einen „gesellschaftlichen Selbstverständigungsprozess“ dar, in dem auf verschiedenen Ebenen über die Durchsetzung der jeweiligen Gesellschaftsvorstellung gerungen wird (Klaus 2005, S. 22–24). Je nach Beziehungsgeflecht bzw. Komplexitätsgrad bezeichnet Klaus die jeweilige Ebene als „einfache“, „mittlere“ und „komplexe“ Öffentlichkeitsebene. Auf allen drei Öffentlichkeitsebenen werden gesellschaftliche Übereinkünfte erzielt und jede Ebene wirkt am Prozess Öffentlichkeit mit. Zwar nimmt die Reichweite der Öffentlichkeiten je nach Komplexitätsgrad zu, dennoch können auch einfache und mittlere Öffentlichkeiten gesellschaftlich und politisch öffentlichkeitswirksam werden, denn auch alltägliche Praxen dienen der Verhandlung gesellschaftlicher Normen und Werte und ermöglichen so subkulturelle Identitätsbildung (Klaus 2001, S. 19–20). Hier zeigen sich Parallelen zu Fraser (2001), die den Gegenöffentlichkeiten eine „Brückenfunktion“ zwischen Bürger_innen und dominanter Öffentlichkeit zuspricht. Solche Überlegungen feministischer Öffentlichkeitstheorie sind in die Arbeiten von Ulla Wischermann (2003) zu den Erfolgsbedingungen der Frauenöffentlichkeiten um 1900 sowie von Drüeke (2013) zu den politischem Kommunikationsräumen im Internet zentral eingeflossen.

Wie die Cultural Studies betonen auch die Gender Studies die aktive Rolle des Publikums. Dass die Zuschauer_innen während der Rezeption von Soap Operas oder anderen populärkulturellen Texten Vergnügen empfinden, war wichtiger Ausgangspunkt einer Forschung, die sich dem Handeln konkreter sozialer Subjekte im Alltag zuwandte. Die dem Vergnügen an spezifischen kulturellen Formen zugrunde liegenden „structures of feeling and sensibility“ (Lovell 1981) sind als bloße Manipulationen nicht zu begreifen. Sie beruhen vielmehr auf Positionierungen, die gesellschaftlich vorgegeben sind, aber als Selbstpositionierungen der Subjekte zugleich Keime des Widerstandes in sich tragen (O’Connor und Klaus 2000). Das Vergnügen von Rezipient_innen an populären Genres bleibt kein abstraktes Amüsement wie in der Kritischen Theorie, sondern wird konkret an bestimmte Texte und deren Genrekonventionen, an die Geschichten und die Gefühle, die sie auslösen und an die Kontexte der Rezeption gebunden. Über Ideologie, so zeigen die Ergebnisse der Rezeptionsstudien, kann nicht sinnvoll gesprochen werden ohne über Vergnügen zu sprechen, weil Ideologie, wie bereits Adorno und Horkheimer ausgeführt haben, unter anderem durch das Vergnügen wirkmächtig wird und dieses wiederum im Kampf um Bedeutungen eine wichtige Ressource ist. Hier schlagen die Gender Studies also eine Überarbeitung der Cultural Studies vor, die an deren zentralen Kategorien Ideologie, Vergnügen, Intervention und ihren Verbindungen arbeitet. In Bezug auf das für die Cultural Studies so wichtige Genrekonzept sind dessen Schnittstellen zum Genderkonzept verschiedentlich diskutiert worden (Schneider 2001; Braidt und Jutz 2002).

Die Gender Studies stellen also einen eigenen Forschungsbereich innerhalb der Kommunikationswissenschaft dar und bereichern diese im doppelten Sinne: Erstens durch ihre Wissenschaftskritik, die im Sinne der Kritischen Theorie die Standpunktbezogenheit von Wissen betont; zweitens, indem sie neue Forschungsbereiche aufzeigen und die Medien- und Kommunikationswissenschaft weiterentwickeln, wie etwa durch eine neue Sicht auf die Dichotomie von Information und Unterhaltung oder in Bezug auf die Rolle des Publikums im Medienprozess.

4 Vielfältige Perspektiven für komplexe kommunikationswissenschaftliche Herausforderungen

Die aktuelle Medien- und Kommunikationsforschung greift für die Bearbeitung besonders virulenter kommunikationswissenschaftlicher Fragestellungen – etwa nach den Möglichkeiten alternativer Öffentlichkeiten, der Bedeutung neuer Genres wie Casting Shows oder Reality-TV, der Zukunft des Journalismus und dem Handeln seiner Akteur_innen, dem Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit, den Partizipationsmöglichkeiten im Netz, etc. – auf unterschiedliche gesellschafts- und kulturkritische Perspektiven zurück. Entsprechend plädieren wir für eine kritische Medienanalyse, die ihre theoretischen Bezugspunkte nicht vorab fixiert, sondern diese stets anhand der zu behandelnden Problemstellungen wählt.

Für die „alten“ wie die „neuen“ Ansätze kritischer Theorie bezieht sich Adornos eingangs zitierte programmatische Aussage, dass diese „unabdingbar kritisch“ seien, insbesondere auf vier Momente der Kritik: auf Ideologie- und Herrschaftskritik sowie eine damit verbundene grundlegende Gesellschaftskritik; auf Kulturkritik, die der (Re-)Produktion und den Effekten der sozialen und ökonomischen Ungleichheitsverhältnisse in der Kultur nachspürt; auf eine Kritik an der hegemonialen Öffentlichkeit und der Beschäftigung mit den Möglichkeiten und Bedingungen der Etablierung von alternativen Gegenöffentlichkeiten. Schließlich beinhalten die kritischen Theorien, viertens, eine Wissenschaftskritik, die die Möglichkeiten negiert, in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften zu objektiven, wertfreien Erkenntnissen zu gelangen. Stattdessen sind sie einem normativen Wissenschaftsverständnis verpflichtet, das die Standpunktbezogenheit jedweden Wissens betont. Alle vier Kritikfelder sind von großer Relevanz für die Analyse von Medienprozessen, da sie den Reflexionshintergrund bereitstellen, um Medienanalysen gesellschaftskritisch zu fundieren. Die verschiedenen von uns vorgestellten kritischen Medien- und Kommunikationstheorien verbindet des Weiteren eine auf Intervention angelegte Medienkritik, weil Medien und Kommunikation zugleich zentrale kulturelle Vermittlungsinstanzen und wichtige Mittel zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse darstellen.

Neben diesen zentralen, sie verbindenden Elementen nehmen die verschiedenen Ansätze kritischer Medien- und Kommunikationswissenschaft jedoch in Bezug auf eine Reihe wichtiger Fragestellungen unterschiedliche Positionen ein und haben die Kritische Theorie durch ihre je spezifische Herangehensweise modifiziert und weiterentwickelt. So interessieren sich manche Ansätze stärker für die Mikroebene gesellschaftlichen und kulturellen Handelns, während andere, wie die Kritische Theorie selbst, die Makroebene betonen. Die Möglichkeiten einer Veränderung der bestehenden Verhältnisse werden, wie schon in der Tradition der Frankfurter Schule, dabei sehr unterschiedlich beurteilt: Betonen die einen Möglichkeiten der Partizipation und Emanzipation, fokussieren die anderen stärker die Mechanismen der Verblendung und Manipulation. Das hängt auch damit zusammen, dass unterschiedliche Ansätze auf unterschiedliche Momente im Medien- und Kommunikationsprozess fokussieren und verschiedene Methoden zu ihrer Analyse einsetzen. Erstaunlich ist die Bandbreite der Theorietraditionen, an die dabei angeknüpft wird, so dass heute weniger denn je von einer geschlossenen Kritischen Theorie, als vielmehr von einem theoretischen Projekt auszugehen ist, in dem für die Bearbeitung spezifischer Problemstellungen auf eine Vielzahl von Konzepten und Vorstellungen auf verschiedenen Analyseebenen und aus ganz unterschiedlichen Fächern zurückgegriffen wird. Angesichts des großen Spektrums kritischer Theorien, ihrer Vielfalt und Vielgestaltigkeit, ist es vielleicht angemessen, von kritischen Medien- und Kommunikationstheorien allgemein als einem interventionistischem Wissenschaftsprojekt zu sprechen, das durch eine seiner Wurzeln in der Kritischen Medienanalyse Adornos und Horkheimers verankert ist.

Fußnoten

  1. 1.

    Zur Schreibweise: Wenn wir im Folgenden die Großschreibung, also „Kritische Theorie“, verwenden, dann ist damit der sich um die Frankfurter Schule gruppierende Forschungs- und Wissenschaftszusammenhang gemeint. Sprechen wir hingegen von „kritische Theorie(n)“ in der Kleinschreibung und auch im Plural, dann meinen wir das viel breitere Spektrum gesellschaftskritischer Positionierungen.

  2. 2.

    Andreas Scheu (2012) hat die Frage „Ist die ‚Kritische Kommunikationsforschung‘ aus der deutschen Kommunikationswissenschaft verdrängt worden?“ in den Mittelpunkt seiner Untersuchung gestellt. Er kommt zu dem Schluss, dass dies nicht eindeutig zu beantworten wäre. Allerdings sprechen u. a. das Berufsverbot für Horst Holzer, auch Einmischungen in Berufungsverfahren für eine aktive und bewusste Verdrängung.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Fachbereich KommunikationswissenschaftUniversität SalzburgSalzburgÖsterreich

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