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Ansätze einer kritischen Theorie der Wissensgesellschaft

  • Eva KreiskyEmail author
  • Marion LöfflerEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

„Wissensgesellschaft“ fungiert im politischen Diskurs als Zeit- und Zukunftsdiagnose, die auf die Vorstellung verweist, dass sich Gegenwartsgesellschaften zu wissens- und forschungsabhängigen Ökonomien entwickeln. Eine „kritische Theorie“ der Wissensgesellschaft begleitet weniger den Prozess der Politisierung des sozialwissenschaftlichen Konzepts, vielmehr rückt die Kritik am Gebrauch des Terminus ins Zentrum, weil er Herrschaftsdimensionen moderner Gesellschaften ignoriert und verschleiert. In diesem Beitrag soll die Entwicklung des Begriffs „Wissensgesellschaft“ zuerst ideengeschichtlich nachvollzogen werden, um ihn anschließend ideologiekritisch auf seinen emanzipativen Gehalt zu befragen.

Schlüsselwörter

Kritische Theorie Wissensgesellschaft Ideologiekritik Kapitalismuskritik Neoliberalismus 

1 Einleitung: Die Rhetorik der Wissensgesellschaft

„Wissensgesellschaft“ ist ein vornehmlich normativ geladener, positiv konnotierter Begriff, der Ende der 1990er-Jahre in politische Programmatiken eingegangen ist, und den häufig synonym verwendeten Begriff der „Informationsgesellschaft“ weitgehend abgelöst hat (Kübler 2009, S. 16). Dieses „Label“ (Bittlingmayer 2005, S. 12) soll strukturellen Wandel westlicher Gesellschaften anzeigen, der zum einen in wissenschaftlich-technologischen Fortentwicklungen gründe, zum anderen zukünftige Bedingungen dieses Fortschritts revolutioniere. Nunmehr sei „Wissen“ zur zentralen Ressource, zur unmittelbaren Produktivkraft geworden, die sich tendenziell ökonomischer Verwertung und Kommodifizierung entzieht, zumal Wissen auch „nach dem Verkauf in den Köpfen der Wissensproduzierenden“ (Junge 2008, S. 115) – den „Wissensarbeiter_innen“ – verbleibt. Zudem wird ein nachkapitalistisches Stadium der Gesellschaft suggeriert, das demokratisierende Tendenzen in sich bergen soll: Weil Wissenserwerb prinzipiell für alle möglich ist, verschwinden angeblich Klassengegensätze und Schichtspezifika. Angeblich stehen nun auch Frauen alle Karrierewege offen und die patriarchale Gesellschaftsstruktur ist in Auflösung begriffen (kritisch dazu McRobbie 2007). „Diese Wirkweise eines Begriffes zur Beschreibung einer Gesellschaftsformation eignet sich hervorragend zur Verheißung einer neuen Ordnung, die von Positivität, Harmonie, Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit geprägt ist“ (Junge 2008, S. 115).

Mittlerweile fungiert „Wissensgesellschaft“ im politischen Diskurs als Zeit- und Zukunftsdiagnose, die auf die Vorstellung verweist, dass sich Gegenwartsgesellschaften zu wissens- und forschungsabhängigen Ökonomien entwickeln oder bereits entwickelt haben. Dieser Prozess soll politisch unterstützt und forciert werden, was auch als dezidiertes Ziel der Lissabon-Strategie1 formuliert worden ist. Neue Produktivkräfte (Innovation und technische Entwicklung) sowie neue Informations- und Kommunikationstechnologien führen zu einem Strukturwandel der Arbeitsverhältnisse, da immer besser ausgebildete Arbeitskräfte in Managementpositionen benötigt werden (Steinbicker 2004, S. 91). Generell steigt im Vergleich zur industriellen Produktion die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, was einen umfassenden gesellschaftlichen Strukturwandel impliziert. Der veränderte Stellenwert von Wissenschaft in der und für die Gesellschaft erfordert Reformen in Bildungs- und Hochschulpolitik. Diese Veränderungen werden im politischen Diskurs nicht nur wahrgenommen, sondern als Modernisierungsauftrag interpretiert (Löffler 2008, S. 417). Wissensgesellschaft wird zu einem Leitbild für zahlreiche Politikfelder: von der Forschungs- und Bildungspolitik, über Umwelt- bis hin zur Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik.2

Eine „kritische Theorie“ der Wissensgesellschaft begleitet weniger den Prozess der Politisierung des sozialwissenschaftlichen Konzepts, vielmehr rückt Kritik am emphatischen Gebrauch des Terminus ins Zentrum, weil er Herrschaftsdimensionen moderner Gesellschaften ignoriert und damit verschleiert. In kritischer Absicht ist die These, wonach wir in einer Wissensgesellschaft leben oder auch nur auf eine solche zusteuern, grundsätzlich zu hinterfragen (Bittlingmayer und Tuncer 2010). Zudem gilt es die Herrschaftspraktiken zu entschlüsseln, die mit Verweis auf die Wissensgesellschaft etabliert und legitimiert werden. Ob Wissensgesellschaft eher „Mythos, Ideologie oder Realität“ (Bittlingmayer und Bauer 2006) ist, kann kaum entschieden werden; klar ist aber, dass die verheißene Utopie – nämlich Arbeit als selbstbestimmte Tätigkeit3 bei gleichzeitiger Befreiung von Arbeitszwang und Ausbeutung (Gorz 2002, S. 17) – nicht realisiert wird. Stattdessen bleiben instrumentelle Vernunft und kapitalistische Verwertungslogik unausgesprochene Voraussetzungen.

Indem der Diskurs der Wissensgesellschaft einen epochalen Bruch zur Industriegesellschaft und somit auch eine Revolutionierung gesellschaftlicher Verhältnisse behauptet, verspricht er eine Gesellschaftsformation, die nicht mehr auf unmittelbarer Ausbeutung lebendiger Arbeit in der Fabrik und am Fließband beruht. Es bleibt aber zu bezweifeln, dass ein tatsächlicher Bruch mit kapitalistischer Vergesellschaftung stattfindet und eine „Post-Capitalist Society“ (Drucker 1993) entsteht. Uwe H. Bittlingmayer (Bittlingmayer 2001, S. 22, Hervorh. i. Orig.) konstatiert, einen Vortrag von Theodor W. Adorno (Adorno 2003b) paraphrasierend, „dass nach dem Stand der technischen Entwicklung Gesellschaften heute als Wissensgesellschaften bezeichnet werden können, nach dem Stand der ökonomischen und politischen Struktur noch immer als kapitalistische“. Aus einer herrschaftskritischen Perspektive muss daher die Diagnose Wissensgesellschaft in den Kontext kapitalistischer Entwicklung gesetzt und auf ihre ideologischen und Herrschaft generierenden sowie stabilisierenden Implikationen hin befragt werden.

2 Die Erfindung der Wissensgesellschaft

Christine Resch (Resch 2005) unterscheidet zwei Phasen der Debatte, die sie als Wissensgesellschaft I und II ausweist. Wissensgesellschaft I erfolgt in den 1960er- und 1970er-Jahren vor dem Hintergrund des Endes der Industriegesellschaft und der entstehenden postindustriellen Gesellschaft und bleibt dabei dem Fordismus als dominanter Produktionsweise verbunden. Die Diskussion der Wissensgesellschaft II findet seit Anfang der 1990er-Jahre unter neoliberalen Vorzeichen statt. „Was fordistisch als Pakt der gebildeten Schicht mit den gut ausgebildeten Arbeitern begann, wird neoliberal zum Pakt der gebildeten Schicht mit den Repräsentanten der Macht und zur Abwertung von Handarbeit.“ (Resch 2005, S. 22) Gemeinsam ist beiden Phasen, dass sie einen epochalen Bruch konstatieren, der in Wissenschaft und im Umgang mit Wissen seinen Angelpunkt hat.

Am Beginn des sozialwissenschaftlichen Diskurses wurde der Begriff „Wissensgesellschaft“ als Anwärter zur konzeptuellen Spezifizierung einer Gesellschaftsformation eingeführt, deren sozio-ökonomische Entwicklung nicht mehr ganz dem industriellen Zeitalter entspricht. „Knowledgeable Society“ ist die Bezeichnung, die der Politikwissenschaftler Robert E. Lane (Lane 1966) verwendet, um eine Gesellschaft zu prognostizieren, in der wissenschaftliches Wissen zunehmende Bedeutung erlangen werde.4 Es gelte, die Vorstellungen vom Menschen und der Gesellschaft wissenschaftlich zu durchdringen, um deren Entwicklung forschungsgeleitet gestalten zu können. Politische Entscheidungen sollten nach wissenschaftlichen Kriterien erfolgen und damit von Ideologien befreit werden. Lanes Überlegungen sind noch vom Fortschrittsoptimismus der ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte geprägt, was sich mit den 1970er-Jahren ändern sollte. Dennoch bleibt die Vorstellung der Verwissenschaftlichung von Gesellschaft auch im heutigen Diskurs über die Wissensgesellschaft Thema. Auch neue Formen (sozial-)wissenschaftlichen Wissens und neue Wissensproduzent_innen wie z. B. Gender-Wissen und -Expert_innen werden in die Vorstellung von Wissensgesellschaft integriert (Dölling 2005; Löffler 2007; Wetterer 2008).

Alain Touraine (Touraine 1971) macht permanenten Wandel zum Charakteristikum eines neuen Gesellschaftstyps, in dem soziale, kulturelle und ökonomische Prozesse zusehends verschmelzen. Diese neue Gesellschaft könne, gemessen an ihrem Abstand zur klassischen Industriegesellschaft, als „post-industriell“, in Bezug auf die Machtverhältnisse als „technokratisch“ oder, sofern auf Arbeitsweisen und wirtschaftliche Organisationsformen fokussiert wird, als „programmiert“ bezeichnet werden. Wachstum im neuen Gesellschaftstypus sei nicht nur von Akkumulation bestimmt, sondern abhängig von einem Komplex sozialer und emotionaler Faktoren. „Nowadays, it depends much more directly than ever before on knowledge, and hence on the capacity of society to call forth creativity“ (Touraine 1971, S. 5). Obwohl er den Begriff nicht verwendet, entwirft Touraine somit eine Art „Wissensgesellschaft“, die dadurch gekennzeichnet ist, dass immer mehr Lebensbereiche (Erziehung, Konsum, Information) zu Produktionsfaktoren werden. Ähnlich der Durchsetzung von Kapitalismus und Industrialisierung im 19. Jahrhundert, lösen auch diese neuen Entwicklungen Abwehrreaktionen betroffener Gruppen aus. Die programmierte Gesellschaft ist von neuen sozialen Konflikten gekennzeichnet, die nicht mehr von den Produktionsverhältnissen ausgehen und daher weniger ökonomische, sondern – wie die Studentenproteste und die neue Frauenbewegung – eher gesellschaftspolitische und kulturelle Kämpfe sind. Dass sich gesellschaftliche Konfliktlinien von ökonomischen Distributionskämpfen auf andere Bereiche verlagern, ist im Wissensgesellschaftsdiskurs konsensual (Bittlingmayer 2005, S. 35). Veränderte Wert-orientierungen und Motivstrukturen in politischen Kämpfen wurden in den 1970er-Jahren zunehmend unter dem Etikett von ‚Postmaterialismus‘ diskutiert (Dubiel 1992, S. 68) und sind darum als Vorläuferdebatten zu „Neuen sozialen Bewegungen“ der 1980er-Jahre zu sehen. Was Touraines befreiungstheoretische Sicht (Resch 2005, S. 38) vom Mainstream im Diskurs der Wissensgesellschaft abhebt, ist seine Überzeugung, dass eine neue Form des Kapitalismus entsteht (Touraine 1971, S. 8). Sein gesellschaftstheoretischer Versuch, in diesem Diskurs einen starken Konterpart zu Daniel Bells Konzept der nachindustriellen Gesellschaft zu etablieren, hat sich jedoch kaum durchgesetzt.

Mit „The Coming of the Post-Industrial Society“ hat Daniel Bell 1973 das Konzept der Wissensgesellschaft popularisiert. Er baut darin auf seinen in den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelten Thesen zur Entstehung einer post-industriellen Gesellschaft in den USA auf, die er als „Vorreiter und Modellfall vergleichbarer Entwicklungen in anderen Industriegesellschaften“ (Steinbicker 2011, S. 50) betrachtet. Den politischen Hintergrund bildet der Kalte Krieg und der durch Erfolge der Sowjetischen Raumfahrtprogramme in eine ideologische Krise geworfenen USA, denen mangelnde Integration sozial schwacher Schichten in die Mehrheitsgesellschaft vorgeworfen wurde (Bender 2013, S. 23). Bell gilt als Vertreter eines liberalen, pro-amerikanischen und anti-kommunistischen Kurses, der mit der Verheißung einer postindustriellen Gesellschaft ein Zukunfts- und Erfolgsmodell des Westens präsentiert, in dem die ideologische Kluft zwischen links und rechts keine Rolle mehr spielen soll. Er bezieht sich ausdrücklich auf Jean Fourastiés Diagnose einer „Dienstleistungsgesellschaft“ aus den späten 1940er-Jahren, in der der tertiäre die beiden anderen Sektoren (Landwirtschaft und industrielle Produktion) dominieren werde. Der technische Fortschritt befördere die Herausbildung einer „tertiären Gesellschaft“, in der es keine Arbeitslosigkeit mehr geben werde, zumal der „Hunger nach Dienstleistungen“ prinzipiell unersättlich sei. Die von Fourastié beschriebene Dienstleistungsgesellschaft weist bereits Aspekte einer Wissensgesellschaft auf. So wies er auf die steigende Relevanz wissenschaftlicher Information für richtige Entscheidungen hin (Fourastié 1954, 290 f.) und beobachtete einen gesellschaftlichen Anstieg von Bildung, was er an der Verlängerung der Schulzeit historisch aufzeigt. Mit dem Konzept der „postindustriellen Gesellschaft“ betont Bell nicht so sehr die Entstehung einer Dienstleistungsgesellschaft, denn den Bedeutungsverlust der Industrieproduktion bei gleichzeitigem Bedeutungszuwachs theoretischen Wissens für Wirtschaft, Technologie und Politik. Bells Betonung von theoretischem Wissen ist auf die Ausbildungssituation der nunmehr notwendigen „Wissensarbeiter_innen“ gemünzt, die im Unterschied zu gelernten Facharbeiter_innen über einen akademischen Abschluss verfügen und – so die These – die industriellen Eigentümer_innen als zukünftige Machtelite ablösen. Entsprechend sieht Christiane Bender (Bender 2013, S. 22) einen Grund für den diskursiven Erfolg des Begriffs der Wissensgesellschaft darin, dass er „bei vielen Berufstätigen, bei Schülern und Studierenden die Erwartung, über den Erwerb von Wissen gesellschaftlich aufzusteigen“ schürt. Ähnlich argumentiert Bittlingmayer (Bittlingmayer 2005, S. 332), der Bildungsaufsteiger_innen als Träger_innen des Wissensgesellschaftsdiskurses der Gegenwart identifiziert. Bells Vision einer Wissensgesellschaft ist also in erster Linie ein Elitenmodell mit expertokratischen Zügen.

Eine weitere Version von „Wissensgesellschaft“ und „Wissensarbeit“ entwickelt der Managementtheoretiker Peter F. Drucker. In seinem Werk bildet diese Thematik eine Konstante, um die sich seine Erkundungen gesellschaftlicher Veränderungen und Brüche drehen, beginnend bei seinen frühen Überlegungen zum Ende des „homo oeconomicus“ bis hin zur These einer post-kapitalistischen Gesellschaft (Steinbicker 2011, S. 20). In „The Age of Discontinuity“ diskutiert Drucker (Drucker 1969) vier Neuerungen, die er als gesellschaftliche Diskontinuitäten deutet: neue Technologien, Globalisierung, institutioneller Pluralismus und Wissensarbeit. Ähnlich wie Bell betont auch Drucker die Wissensbasierung der neuen Industrien. Er meint jedoch, dass diese eine Wachstumsphase einleiten werde, die ein „unternehmerisches“ Management im Sinne von Joseph A. Schumpeter erfordern, das Freiräume braucht, um zum Träger „kreativer Zerstörung“ zu werden. Insofern solle der Staat geeignete Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten schaffen, womit Drucker zentrale neoliberale Forderungen antizipiert. Bell hingegen geht von steigender Abhängigkeit wissensbasierter Industrien von staatlich finanzierter Grundlagenforschung aus und unterstreicht die Relevanz theoretischen Wissens für die (sozial-)wissenschaftliche Kontrolle gesellschaftlichen Wandels, für die Erforschung der Zukunft, als Quelle von Innovation und nicht zuletzt als Ausgangspunkt gesellschaftlich-politischer Programmatiken (Höhne 2003, S. 31). Während Bell das Ideal einer „universitären Gelehrtenrepublik“ (Bender 2013, S. 26) zeichnet, fokussiert Drucker auf Erfordernisse professionellen „Wissensmanagements“ in Organisationen und Unternehmen.

Drucker geht in seinen Ausführungen von einer pluralen Welt aus, bestehend aus funktional spezialisierten Organisationen (z. B. Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, Gewerkschaften oder Kindertagesstätten), die keiner externen Entscheidungsinstanz bedürfen, weshalb es eine Neubestimmung der Rolle des Staates in der und für die Gesellschaft geben müsse – eine Idee, die insbesondere von Helmut Willke (Willke 1997) in seiner Lesart von Wissensgesellschaft als „Supervision des Staates“ weiterverfolgt werden sollte. Thomas Höhne (Höhne 2003, S. 34 ff.) macht auf „Kybernetisierungen“ aufmerksam, die den Diagnosen von Wissensgesellschaft inhärent seien. Durch Zentralsetzung technischen Fortschritts und Innovation werden soziale Technologien mit den gleichen systemisch-kybernetischen Theorien beschrieben, wie sie für Computer und Informationstechnologien entwickelt worden sind (Höhne 2003, S. 33). Nicht zufällig spricht auch Touraine (Touraine 1971, S. 3) von der „programmed society“. Bei Kybernetisierung geht es um Steuerung und Kontrolle komplexer Systeme durch möglichst rasche, technisch gestützte Verarbeitung großer Datenmengen zu effektiven Informationen.5 Doch komplexe Systeme entziehen sich externer Steuerung durch vielfältige Wechselwirkungen ihrer Elemente und Prozesse der Selbstorganisation. Wissensgesellschaft gilt nun als ein ebensolches komplexes System, dessen Selbststeuerungskapazität zunehmend auf Wissen beruht. Mit dieser Vorstellung tritt ein fundamentaler Wandel in der Debatte ein.

Während im Diskurs der Wissensgesellschaft I ein technokratischer Planungsoptimismus vorherrscht und Konsens darüber besteht, dass das politische System entscheidende Regulationsfunktionen für die Wissensgesellschaft übernehmen muss und der Nationalstaat redistributive Aufgaben für die Gesellschaft erfüllt, ist der sozialwissenschaftliche Diskurs von Wissensgesellschaft II mit neuen Technologien, Beschleunigung, „Unüberschaubarkeit und fehlenden Möglichkeiten zur planhaften politischen Steuerung semantisch gekoppelt“ (Bittlingmayer 2005, S. 43). Lediglich der Fortschrittsoptimismus wirkt fort.

In der neueren Debatte zur Wissensgesellschaft betont Willke, dass es dabei nicht nur um technische Daten- bzw. Informationsverarbeitung geht (Informationsgesellschaft), sondern um den Umgang mit Wissen und Nicht-Wissen (Wissensgesellschaft). Information und Wissen unterscheiden sich darin, dass Wissen an Kontexte bzw. an Systemrationalität gebunden ist. Gesellschaftliche Subsysteme produzieren das für ihr eigenes Überleben erforderliche Wissen zunehmend selbst und erlangen damit echte Unabhängigkeit vom politischen System und dessen Versuchen einer autoritativen Steuerung. Sie emanzipieren sich von der Evolution, da zum ersten Mal in der Geschichte nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft, oder besser eine Vision der Zukunft, relevant für die weitere Entwicklung ist. Systeme beginnen strategisch zu handeln (Willke 2003, 31 f.). Das heißt sie versuchen sich selbst und andere zu steuern, indem sie unter Myriaden kontingenter Möglichkeiten relevantes Wissen strategisch auswählen (Willke 2002, S. 18). Mit diesen Entscheidungen produzieren sie zugleich Nicht-Wissen, jenes Wissen, das sie nicht wählen. Die Unfähigkeit mit Nicht-Wissen kompetent umzugehen, führt zur Krise des Wissens und damit zur Krise der Wissensgesellschaft. Politik und Staat sind nun angehalten, die Selbststeuerungs- und Verhandlungsprozesse der gesellschaftlichen Systeme (oder Organisationen) zu begleiten und zu moderieren. Was also in der zukünftigen Wissensgesellschaft vonnöten ist, sei Smart Governance (Willke 2007) – eine intelligente Regierungsweise für intelligente Systeme, die an ihrer Lenkung selbst beteiligt sein müssen.

Nico Stehr (Stehr 1994) knüpft in seinen Überlegungen zur Wissensgesellschaft an die Arbeiten von Daniel Bell an. Stehr (Stehr 2001, S. 10) schlägt vor, jene Gesellschaftsformation als Wissensgesellschaft zu bezeichnen, in der Wissen nicht nur konstitutives Merkmal der Ökonomie ist, sondern zum Organisationsprinzip, aber auch zur Problemquelle der Gesamtgesellschaft geworden ist. Er definiert „Wissen“ in Anlehnung an Francis Bacon als (soziales) Handlungsvermögen, zugleich als ein Modell für die Wirklichkeit, das ermöglicht, Realität zu verändern (Stehr 2001, S. 8). Wissen wird so gesehen zum Maß für (ungleiche) Verteilung von Handlungsoptionen und versorgt Einzelne und kleine Gruppen mit erweiterten Handlungsspielräumen, die die „Macht der großen Institutionen“ (Staat, Kirche, Militär) zu unterminieren vermögen (Stehr 2001, S. 10). Wissende können somit nicht mehr durch Bürokratie oder zentrale Planung in ihren Handlungen gesteuert oder gelenkt werden. „Indem die Voraussetzungen und Chancen einer effektiven politischen Partizipation vieler wachsen, vermindert sich unter anderem die Fähigkeit des Staates, seinen Willen durchzusetzen.“ (Stehr 2001, S. 12) Das emanzipatorische Versprechen dieser Fassung von Wissensgesellschaft ergänzt Stehr durch die Forderung einer „Wissenspolitik“ (Stehr 2003), die sich als eigenes Politikfeld der Überwachung und Kontrolle des zukünftig zu generierenden Wissens widmen solle, was notwendig werde aufgrund der prinzipiellen Unsicherheit wissenschaftlichen Wissens, das nicht Wahrheit schlechthin ist, sondern lediglich Hypothesen und Wahrscheinlichkeiten bereit hält. Bei Stehr wird Wissen zum Politikum.

Sowohl Willke als auch Stehr problematisieren Unsicherheit und Kontingenz, die eine Wissensbasierung von Gesellschaft und Ökonomie mit sich bringe. Beide behaupten demokratisierende und emanzipatorische Tendenzen, die der Transformation zur Wissensgesellschaft inhärent seien, und beide gehen von einem historischen Bruch in der gesellschaftlichen Entwicklung aus: „Wissensgesellschaften repräsentieren eine soziale und ökonomische Welt, in der Ereignisse oder Entwicklungen zunehmend ‚gemacht‘ werden, die zuvor einfach ‚stattfanden‘.“ (Stehr 2001, S. 10) Die neue Qualität des Gesellschaftstypus beruhe somit auf seiner Emanzipation aus Naturzwängen und Schicksalshaftigkeit, schließlich aber auch auf der Formierung aktiver Subjekte (Systeme), die an gesellschaftlicher Gestaltung partizipieren können, weil sie sich selbst zu regieren und zu optimieren wissen (Junge 2008, S. 297 ff.). Diese Vorstellungen von gesellschaftlichen Subsystemen, Organisationen und Subjekten, die sich vorrangig selbst regieren können und sollen – keiner direkten politischen Steuerung bedürfen oder gar nicht intentional regulierbar sind – erwiesen sich als kompatibel mit dem seit den 1970er- und 1980er-Jahren hegemonial werdenden politischen Diskurs des Neoliberalismus. Die Affinität zu neoliberalen Vorstellungen von Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichte oder erleichterte zumindest das Einsickern in politische Diskurse. Im Gegensatz zum Wissensgesellschaftsdiskurs war der Neoliberalismusdiskurs von Anfang an ein politisch-strategisches Projekt (Harvey 2007, S. 29 ff.; Kreisky 2001a, b). Die nun im politischen Diskurs zirkulierenden Begriffe wie „Bildungskonto“, „Bildungsvorsorge“ oder „Humankapital“ sind über neoliberale Strategien popularisiert worden. Daher kann in politischen Programmatiken eine Ökonomisierung der Sprache und Gedankenwelt beobachtet werden. Ganz im Gegensatz zur Rhetorik marktvermittelter Selbststeuerung gesellschaftlicher Prozesse und auch im Unterschied zum sozialwissenschaftlichen Diskurs ermöglicht das Konzept der Wissensgesellschaft Anschluss an die technokratischen und expertokratischen Steuerungsfantasien der 1960er-Jahre. Gesellschaftlicher Wandel findet statt, soll aber, wenn schon nicht geplant, so doch durch diverse Steuerungsimpulse begleitet werden.

3 Kritische Theorie als Forschungsprogramm

Die unter dem Label „Wissensgesellschaft“ diskutierten gesellschaftlichen Veränderungen waren früh Gegenstand herrschaftskritischer Auseinandersetzung und deshalb auch wiederkehrende Themen im Programm Kritischer Theorie. Einige dieser Debatten bilden die Verlängerungsachse solcher Probleme, die bereits in der Phase der Herausbildung des Fordismus in den 1920er- und 1930er-Jahren diskutiert worden sind. Dazu zählen u. a.
  • Wirkungen von technischem Fortschritt und Rationalisierung auf Produktions- und Arbeitsverhältnisse,

  • daraus resultierende Verschiebungen innerhalb der Sozialstruktur von Arbeit durch steigende Zahl höher gebildeter Angestellter und Manager bei gleichzeitiger Schrumpfung der Industriearbeiterschaft,

  • die Aufweichung von Klassenbewusstsein und der Abschied von der Idee des Proletariats als revolutionäre Kraft,

  • die Veränderung der Rolle kritischer Intellektueller, die nicht länger als Avantgarde des Proletariats imaginiert werden können,

  • und vor allem kulturelle und ideologische Verschiebungen, die durch neuartige Subjektpositionen zu politischen Allianzen zwischen herrschenden und Teilen der beherrschten Klassen führen.

Siegfried Kracauer verfasste essayistische Studien zur neuen Mittelschicht im Berlin der 1920er-Jahre. „Die Angestellten“ (Kracauer 1971) wurde 1929 als Serie in der Frankfurter Zeitung publiziert und 1930 als Buch veröffentlicht.6 Darin beschreibt Kracauer einen durch technische Rationalisierung hervorgebrachten neuen Typus des Arbeiters,7 der sich in seinem Lebensstil (Konsum und politisches Bewusstsein) von traditionellen Industriearbeitern unterscheidet (Neckel 2006, S. 289 f.). Angestellte haben einen höheren Schulabschluss oder eine kaufmännische Lehre und gleichen in ihren Tätigkeiten eher Beamten als Arbeitern (Kracauer 1971, S. 82). Sie seien „geistig obdachlos“, denn die Masse der Angestellten lehne das Dach aus vulgärmarxistischen Begriffen ab, und „das Haus der bürgerlichen Begriffe und Gefühle, das sie bewohnt hat, ist eingestürzt, weil ihm durch die wirtschaftliche Entwicklung die Fundamente entzogen worden sind“ (Kracauer 1971, S. 91). Obwohl viele Angestellte in Folge der Wirtschaftskrise ökonomisch sogar schlechter gestellt seien als manche Arbeiter, seien sie auf Distinktion zu diesen bedacht und versuchen sich kulturell dem Bürgertum anzugleichen. Mit seinen Einschätzungen nimmt Kracauer aktuelle Lesarten kommerzieller Populärkultur ebenso vorweg wie einige Thesen zur Kulturindustrie, die später von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno formuliert worden sind (Neckel 2006, S. 290). Dabei schließen Kracauers Untersuchungen bereits an vorgängige Debatten über Verbürgerlichung der Arbeiter an und akzentuieren noch einmal die bereits von Karl Marx in der Deutschen Ideologie diskutierte Trennung von Kopf- und Handarbeit. Auch in der Diskussion um die Wissensgesellschaft ist das Thema sozialen Aufstiegs und kultureller sowie symbolischer Formierung einer neuen funktionalen Bildungsschicht, die nunmehr auch Frauen zugänglich sein könnte, präsent. Während Kracauer die Durchsetzung des Fordismus und den beginnenden Manager-Kapitalismus (Burnham 1951) vor Augen hatte, wird in der aktuellen Entwicklung ein neoliberaler Berater-Kapitalismus identifiziert (Resch 2005). In kritischer Perspektive wäre zudem der Zusammenhang zwischen neoliberalem Kapitalismus und einem modifizierten Maskulinismus in den Blick zu nehmen (Kreisky 2014).

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine Auseinandersetzung mit den Anfängen neoliberaler Ideologie und der Institutionalisierung von Gewerkschaften, die sich – wie Horkheimer 1947 ausführt – zu Managern der Arbeiterschaft entwickeln. „Die Arbeitskraft eines Arbeiters wird nicht nur von der Fabrik gekauft und den Erfordernissen der Technik untergeordnet, sondern auch durch die Gewerkschaften verwaltet.“ (Horkheimer 2008, S. 153) Dies vollende zwar den Prozess der Verdinglichung des Menschen, weil nun die Arbeiter noch einmal manipuliert werden von Arbeiterführern, die den Preis ihrer Arbeitskraft „so hoch wie möglich fest(zu)setzen“ (Horkheimer 2008, S. 153). Doch das (hier wäre zu ergänzen: männliche) Gewerkschaftsmonopol sieht er als Folge eines gewandelten Kapitalismus, der die „Ära des freien Unternehmens“ (Horkheimer 2008, S. 144) abgelöst habe. Obwohl Neoliberalismus erst ab den 1970er- und 1980er-Jahren zur dominanten ökonomischen Doktrin werden sollte, zeigt sich in Horkheimers Reflexionen die Relevanz dieses Denkens für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg (Plehwe und Walpen 1999). Dementsprechend warnt er vor neoliberalen Forderungen, die sich vornehmlich gegen organisierte Arbeiterinteressen des Fordismus richten: „Die Neoliberalen, die die Gewerkschaftspolitik bekämpfen, geben sich einem veralteten Romantizismus hin, und ihr Vorstoß in die ökonomische Wissenschaft ist gefährlicher als ihre Bemühungen auf philosophischem Gebiet.“ (Horkheimer 2008, S. 153)

Herbert Marcuse (1994) geht in seiner herrschaftskritischen Auseinandersetzung mit der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft ebenfalls von fundamentalen Veränderungen der Klassenstruktur im Spätkapitalismus aus. Der eindimensionale Mensch untersucht die Diffundierung technologischer Rationalität in alle gesellschaftlichen Bereiche. Sämtliche Lebenssphären werden den Imperativen technischer Vernunft unterworfen, wirtschaftliche Organisation ebenso wie Politik und Kultur. Damit werde die kapitalistische Tendenz zur Versachlichung politischer Herrschaft auf die Spitze getrieben (Dubiel 1992, S. 62). Rationalisierung bedeutet bei Marcuse auch, dass sich der ausbeuterisch-unterdrückende Charakter kapitalistischer Herrschaft verliere, indem er sich „rational“ gibt, ohne dass damit politische Herrschaft verschwinde (Habermas 1969, S. 50). Während frühere Entwicklungsniveaus der bürgerlichen Gesellschaft noch Möglichkeiten politischer Transzendenz (z. B. in der Kunst) enthielten, sei in der eindimensional von technischer Rationalität beherrschten Gesellschaft politische Fundamentalkritik unmöglich geworden. „Die totalitären Tendenzen der eindimensionalen Gesellschaft machen die traditionellen Mittel und Wege des Protestes unwirksam.“ (Marcuse 1994, S. 267) In seiner Diagnose greift Marcuse auf die Kritik „instrumenteller Vernunft“, die Analysen der „Kulturindustrie“ sowie die Diskussion der Rolle der „Intellektuellen“ zurück, die Horkheimer und Adorno (Horkheimer und Adorno 1969) in der Dialektik der Aufklärung dargestellt haben. Marcuse war ein Theoretiker der Befreiung (Marcuse 1969; Claussen 1981), und in diesem Sinne davon überzeugt, dass die hoch industrialisierte Gesellschaft des Spätkapitalismus einen Punkt erreichen werde, an dem ein Umsturz der herrschenden Gesellschaftsform erfolgen könne. „Weiterer Fortschritt würde den Bruch bedeuten, den Umschlag von Quantität in Qualität. Er würde die Möglichkeit einer wesentlich neuen menschlichen Wirklichkeit eröffnen – nämlich eines Daseins in freier Zeit auf der Basis befriedigter Lebensbedürfnisse.“ (Marcuse 1994, S. 242) Im Diskurs der Wissensgesellschaft nimmt vor allem André Gorz (2002) diese Vision einer utopischen Gesellschaft auf, die seiner Meinung nach eine echte Wissensgesellschaft wäre, im Unterschied zum Wissenskapitalismus der Gegenwart, in dem nicht die freie Entfaltung des Individuums angestrebt, sondern Wissen auf ökonomisch verwertbares Fachwissen reduziert werde. Schon Marcuse (Marcuse 2006, S. 42) erkannte die Gefahr, dass der quantitative Fortschritt, die Möglichkeit einer qualitativen Transformation hin zu einer freien Gesellschaft gefährden könnte. Die Autoren der Kritischen Theorie formulieren somit Herrschaftskritik und emanzipatorische Hoffnungen im Rahmen des zu ihrer Zeit sichtbaren gesellschaftlichen Wandels, ohne jedoch die männliche Hegemonie adäquat zu problematisieren.

4 Kritische Theorie als zeitdiagnostisches Forschungsprogramm

Kritische Theorie ist weder als homogene Theorieschule vorzustellen, noch ist sie unabhängig von variierenden gesellschaftlichen Erfahrungen zu denken. So ist sie zunächst als Reaktion auf die Epoche faschistischer Unmenschlichkeit und – nachfolgend – als Reflexion ambivalenter „fordistischer“ Modernisierungsschritte zu lesen. Mit zunehmender Krise des Fordismus hat auch die Herrschaftskritik der Frankfurter Schule Ausweitungen erfahren und dementsprechend divergierende Strömungen Kritischer Theorie generiert.8 Kritische Theorie umfasst also unterschiedliche Zugangsweisen, die trotz aller Breite und Ausdifferenzierung einen gemeinsamen harten Kern aufweisen, eine „Schule“ bilden, indem sie Forderungen nach Emanzipation und Befreiung folgen (Steinert 2007, S. 10). Zudem weiß Kritische Theorie, dass sie selbst Teil der Gesellschaft ist, die sie analysiert (Adorno 1975) und „jede Theorie selbst eine Aktivität, eine Praxis [ist], die mit Mitteln wissenschaftlicher Erkenntnis zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen will“ (Demirović 2012, S. 82).

Heinz Steinert (Steinert 2007, S. 15) vertritt die These, „dass sich die verschiedenen Dimensionen dessen, wozu sich Kritische Theorie ausdifferenziert hat, unter den Bedingungen des inzwischen durchgesetzten und ‚gereiften‘ Neoliberalismus als Aktualisierung der Dialektik der Aufklärung eng führen lassen“. Dieser Schlüsseltext hält auch zur Verfolgung einer „Kritischen Theorie der Wissensgesellschaft“ relevante Konzepte und Begriffsfelder bereit: Adornos Theoriearbeit zur Kulturindustrie (Horkheimer und Adorno 1969; Adorno 2003a) und Horkheimers Kritik der instrumentellen Vernunft (Horkheimer 2008, S. 42 ff.). Beides gilt es, im Zeitkontext des Spätkapitalismus zu verstehen, und für eine Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus zu aktualisieren. Die Vorzüge Kritischer Theorie liegen in ihrem weiten Gesellschafts- (vgl. hierzu die Beiträge in Abschn. 2.1 des Handbuchs) und ebenso weiten Kulturbegriff (vgl. hierzu die Beiträge in Abschn. 3 des Handbuchs), die zur Kapitalismuskritik eingesetzt werden. Dies erlaubt auch, politische Ökonomie gesellschafts- und kulturtheoretisch zu fassen. Kapitalismus als soziales Verhältnis – die Verwandlung von Arbeit in Ware – unterliegt gesellschaftlichen Transformationen. So entdeckt der Kapitalismus „in sich selbst Ressourcen“ (Adorno 2003b, S. 354), die seinen Zusammenbruch aufzuhalten vermögen. Der Kapitalismus erweist sich demnach „elastischer“, als ihn Marx gedacht hat (Adorno 2003b, S. 355). In diesem Sinne gilt zu fragen, inwiefern der Diskurs zur Wissensgesellschaft lediglich das „neue Gesicht des Kapitalismus“ (Hirsch und Roth 1986; Boltanski und Chiapello 2006), den Neoliberalismus, ideologisch begleitet und stützt, und Subjekte konstituiert, die einer neoliberalen illusio im Sinne Pierre Bourdieus9 unterliegen (Bührmann 2010, S. 341).

Die Phänomene von Kulturindustrie und Wissensgesellschaft überlappen sich, selbst wenn sie konträren Theorietraditionen entspringen: einer neo-marxistischen Gesellschaftsperspektive und feministischer Kritik einerseits und der Theoretisierung neo-liberaler Politikprogrammatik andererseits. Kulturindustrielle Aspekte tauchen oberflächlich beschreibend auch in neoliberalen Zukunftsräumen auf. Kern des Slogans neoliberaler Wissensgesellschaft ist das uneingeschränkte Zur-Ware-Machen von Wissen und Kultur im „Berater-Kapitalismus“ (Resch 2005, S. 83 f.). Horkheimer und Adorno konstatierten im Laufe der 1940er-Jahre einen öffentlichen Zustand des Denkens, „in dem unentrinnbar der Gedanke zur Ware und die Sprache zu deren Anpreisung wird“ (Horkheimer und Adorno 1969, S. 2). Die „waren- und verwaltungsförmige Zurichtung schon des Denkens“ (Steinert 2007, S. 7) sowie der gesellschaftliche bzw. diskursive Triumph instrumentellen Wissens- und Wissenschaftsgebrauchs über emanzipatorisch-kritisches Wissen (Demirović 2012, S. 81) bilden den Ausgangspunkt kritisch-theoretischer Begrifflichkeit im Umgang mit aktuellen Phänomenen der Wissensgesellschaft.

„Kulturindustrie“ ist die Form gesellschaftlicher Herrschaft, die alles (Denken, Wissen, Gefühle und Kultur) in Warenform bringt und somit als Tausch- bzw. Vertragsverhältnis präsentiert, womit der Anschein von Freiwilligkeit und Mitgestaltbarkeit erweckt wird. Im Diskurs der Wissensgesellschaft wird auf postmaterialistisch orientierte mündige Bürger_innen und Konsument_innen verwiesen, die ihre Freiheit verwirklichen, indem sie aus dem unübersichtlichen Angebot von Waren (Politiken, Dienstleistungen, Kunstwerken) wählen. Dabei bleibt „zweifelhaft […], ob ihre Wünsche wirklich die ihren sind“ (Horkheimer 2008, S. 70). Zudem stellt sich die Frage, inwiefern „nicht sogar Elemente alternativer und emanzipatorischer Lebens- und Arbeitsformen“ (Kreisky 2007, S. 24) in neoliberale Lebenswelten integriert worden sind, oder – umgekehrt –, ob die kapitalistische „Landnahme“ (Neckel 2008, in Anlehnung an Rosa Luxemburg 1975/1913) eine (neoliberale) Lebensform generiert, in der das ökonomische Handeln, Gefühle und Sinnwelten regiert (vgl. zum Landnahme-Theorem ausführlich den Beitrag von Dörre im Handbuch). Ein emphatischer Begriff der Wissensgesellschaft zielt darauf, das Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft, wonach jedes Individuum frei ist und zu seinem Recht kommt, einzulösen. Dabei wird der im Begriff der Kulturindustrie angelegte Fokus auf Unterwerfung zugunsten des Scheins von Freiwilligkeit und Handlungsfreiheit negiert. Immanente Kritik zeigt die Diskrepanz auf zwischen solchen Errungenschaften und deren verweigerter Verwirklichung in der kapitalistischen (Wissens-)Gesellschaft. Als Träger von Wissen und Können steht das Individuum im Fokus der Wissensgesellschaft, dessen Freiheit zur Bildung und Fähigkeit zur Selbstregierung betont, dessen Einbindung in den kapitalistischen Herrschaftszusammenhang jedoch weitgehend übersehen wird.

Produktionsweisen verändern sich, können sogar radikal umgebaut werden, ohne damit den Kapitalismus zu überwinden. Kapitalistische Umbauten führen kaum zu gesteigerter Autonomie, sondern eher zur Vermehrung der Privilegien der Herrschenden. Während Horkheimer und Adorno den Wandel vom liberalen Konkurrenzkapitalismus zum autoritären Monopolkapitalismus vor Augen hatten, schlägt Steinert (Steinert 2007, S. 219) vor, den industriellen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts, den Fordismus des kurzen 20. Jahrhunderts und schließlich den Neoliberalismus seit den 1980er-Jahren zu unterscheiden. Parallel dazu kann mit Resch (Resch 2005) zwischen Eigentümer-, Manager- und Berater-Kapitalismus differenziert werden, mit Klaus Dörre (Dörre 2009) und Sighard Neckel (Neckel 2010) wird der Fokus auf die rezente Rolle der Finanzmärkte gerichtet, die zu einer Konzentration des privaten Finanzvermögens in der „Beletage der sozialen Rangordnung“ (Neckel 2010, S. 5) führt. Die neue „Finanzaristokratie“ hat sich vom bürgerlichen „Sparkapitalismus“ verabschiedet und zeigt einen Hang zur Verschwendung. Die „normative Refeudalisierung im Finanzmarktkapitalismus“ löst die „protestantische Ethik“ (Max Weber) mit ihren Werten von Leistung und Sparen ab. „Stattdessen gelten ‚Selbstverantwortung‘ und ‚Eigeninitiative‘ als Leitbilder der Gegenwart.“ (Neckel 2010, S. 7) Die Wissensgesellschaft ist so gesehen von neoliberalem Finanzmarkt- und Berater-Kapitalismus geprägt, wobei Beratung ein Paradebeispiel für die Warenförmigkeit von Wissen abgibt, die im Wissensgesellschaftsdiskurs mitunter bestritten wird: „Wird Wissen […] verkauft, so geht es wie im Fall der Ware an den Käufer über, bleibt aber ganz im Gegensatz zur Ware weiter Eigentum seines ursprünglichen Produzenten.“ (Stehr 2001, S. 9) Diese Einschätzung übersieht, dass „organisationales oder institutionelles Wissen“ wie es z. B. Willke (Willke 1998, S. 166) betont, immer schon enteignet ist, da es in „hochvergesellschafteten Arbeitszusammenhängen“ (Wolf 2004, S. 231) hergestellt wird und daher nie Eigentum der Produzent_innen ist.10 Wissensproduktion in netzwerkartigen Organisationen zielt daher nicht auf Autonomie „im Sinne einer Selbstgesetzgebung im Gemeinwesen der Arbeit“11 (Wolf 2004, S. 238), sondern setzt auf „Selbst-Organisation“, die ihrerseits als naturwüchsiger, evolutionärer oder marktgesteuerter Anpassungsprozess imaginiert wird (Wolf 2004, S. 230). Das warenförmige Wissen von Expert_innen und Berater_innen hat somit auch nichts mit der Suche nach gesellschaftlichen Wahrheiten zu tun. Vielmehr mutiert es „zu marktfähiger Ware, die rasch konsumiert oder durch neues Wissen ersetzt wird“ (Kreisky 2007, S. 23).

Instrumentelle Vernunft ist nicht auf die Produktionssphäre beschränkt. Ihre Wirkungen können in allen Dimensionen gesellschaftlicher Organisation und individueller Existenz (Wissenschaft, Politik, Kultur, Sexualität etc.) untersucht werden. Instrumentalität zerstört ihr Anderes: instrumentelle Politik zerstört die Demokratie, instrumentelle Wissenschaft verdrängt reflexive Philosophie, intellektuelle Produktion passt sich den Imperativen der Kulturindustrie an, dem Individuum werden die gesellschaftlichen Grundlagen von Autonomie entzogen usw. (Steinert 2007, S. 220). Steinert schlägt vor, die Auswirkungen von Instrumentalität in den einzelnen Bereichen (z. B. Bildung, soziale Sicherung, Exklusion) zu untersuchen und darüber hinaus sichtbar zu machen, welche nicht-instrumentellen, nicht-warenförmigen Beziehungen vorausgesetzt oder ermöglicht werden. In Bezug auf die Wissensgesellschaft würde dies die Frage nach den Nicht-Gebildeten umfassen, den sozial Prekarisierten, aber auch nach den Sympathisant_innen ausgrenzender Politikstrategien, die Horkheimer (Horkheimer 2008, S. 130) in Bezug auf den Nationalsozialismus als „Opfer der instrumentellen Vernunft“ bezeichnet hat. Selbst Willke (Willke 1997) kennt in seiner Diskussion der Wissensgesellschaft ein „kognitives Proletariat“ oder „die neuen Dummen“, die ausgeschlossen bleiben und trotz hoher Bildungsabschlüsse die Verlierer_innen wissensgesellschaftlicher Transformationen sind. Er verwendet diese Ausdrücke, wie Resch (Resch 2005, S. 48) betont, ohne Anführungszeichen und affirmativ. Für eine kritische Analyse solcher Phänomene bietet sich der Begriff „Ticketdenken“ an (Steinert 2007, S. 232), den Horkheimer und Adorno (Horkheimer und Adorno 1969, S. 214) als „Produkt der Industrialisierung und ihrer Reklame“ bezeichnen, und der das Denken in den Kategorien „Wir“ und „die Anderen“ befördert. Ticketdenken heute sichert breite Unterstützung sozialer und politischer Ausschließungen mittels Etiketten wie „Asylbetrüger“, „Sozialschmarotzer“ oder „Wirtschaftsflüchtling“. Dies erlaubt es, die neoliberale illusio herzustellen und zu festigen. Denn der Diskurs der Wissensgesellschaft bietet Klassen und Individuen die Möglichkeit, an soziale Aufstiegschancen zu glauben und täuscht damit über die eigentlichen Machtstrukturen hinweg (Bührmann 2010, S. 341). Wer also das neoliberale Spiel mitspielt, trägt zur Reproduktion der neoliberalen Ordnung bei.

Die Rolle der (kritischen) Intellektuellen kann nicht mehr darin bestehen, die Avantgarde des Proletariats zu sein. Vielmehr „geht es um Kämpfe und Konkurrenzen zwischen den Intellektuellen und ihren Fraktionen“ (Steinert 2007, S. 222), womit zugleich die Intellektuellen selbst in ihrem eigenen Bereich auf Befreiung hin arbeiten müssen, also nicht auf die Erhebung der unterdrückten Klasse oder des marginalisierten Geschlechts setzen können. Problematisch erscheint, dass sich der überwiegende Teil der Gebildeten als „Herrschafts-Funktionäre“ in der Kulturindustrie einrichten. Der „nonkonformistische Intellektuelle“ (Demirović 1999) hingegen ist in keine Apparate eingespannt, sondern gewinnt Autonomie durch „öffentliche Einsamkeit“. „Der nonkonformistische Intellektuelle ist nicht Herrschafts-Berater, weder Philosophen-König noch Moral-Schiedsrichter, sondern er erinnert die Gesellschaft an ihre eigenen Versprechungen und Möglichkeiten und präsentiert ihr ihre eigene herrschaftliche Wirklichkeit.“ (Steinert 2007, S. 223) In diesem Sinne haben Luc Boltanski und Ève Chiapello (Boltanski und Chiapello 2006, S. 22) die Frage aufgeworfen, „wie es kommen konnte, dass sich viele 68er in der neu entstehenden Gesellschaft in einer Art und Weise wohl fühlten, dass sie diese sogar verteidigten und diesen Umbau förderten“. Die von ihnen anvisierten Akteur_innen sind Intellektuelle, die sich in der neuen Herrschaftsarchitektur der neoliberalen Wissensgesellschaft eingerichtet haben. Für Stehr (Stehr 1994, S. 379 f.) ist dieses Phänomen geradezu ein Definitionsmerkmal der Wissensgesellschaft, denn Intellektuelle seien „Geschöpfe der Industriegesellschaft“. In der Wissensgesellschaft hingegen seien Expert_innen „die am schnellsten wachsende Berufsgruppe“. Während Intellektuelle über Allgemeinwissen verfügen, definieren sich Expert_innen über Spezialwissen, das sich leichter in marktfähige Ware verwandeln lässt. Damit wird einmal mehr die Engführung der Bildung auf ökonomisch verwertbares und instrumentelles Wissen (Demirović 2012, S. 81) als Kennzeichen der Wissensgesellschaft aufgerufen, ohne die damit verbundene Problematik zu benennen: die von Horkheimer und Adorno (Horkheimer und Adorno 1969) befürchtete Aufspaltung des Wissens in instrumentelle Wissenschaft und emanzipatorische Kritik. Es scheint, als habe „neoliberale Funktionalität affirmativ-instrumentellen Wissens über den Impetus emanzipatorisch-kritischen Wissens triumphiert“ (Kreisky 2007, S. 25).

Mit der Betonung von Wissen in gegenwärtigen Gesellschaften werden immer mehr „wissensfundierte Berufe“ (Stehr 2001, S. 23) wie Berater_innen oder Gutachter_innen geschaffen. „So haben sich warenförmiges Wissen und der Typ des dienstleistenden Wissensarbeiters zum aktuellen Vergesellschaftungsprinzip verallgemeinert.“ (Kreisky 2007, S. 23) Wissensarbeiter_innen verfügen meist über eine akademische Ausbildung und folgen bereitwillig dem neoliberalen Gebot „lebenslangen Lernens“. Diese neuen Professionellen gewinnen in Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft an Bedeutung (Bonß 2002, S. 5) und bilden eine neue Elite, „in ihrem Selbstverständnis gar die Avantgarde der flexiblen ‚brave new world‘, in ihrer Gesamtheit real jedoch eher die ‚prekäre Generation‘ neoliberaler Berufswelten“ (Kreisky 2007, S. 24). Bildungstitel verlieren in dem Maße an Bedeutung wie sie von immer mehr, auch sozial Schwachen, erworben werden können. Was zählt ist der Erfolg: die Umwandlung des symbolischen Kapitals eines akademischen Titels in ökonomisches Kapital (Bittlingmayer 2005, S. 291). So ist z. B. die Zahl von Frauen unter Universitätsabsolvent_innen zwar im Gefolge der Bildungsexpansion seit den 1970er-Jahren kontinuierlich angestiegen. Dieser Zuwachs findet aber keine Entsprechung im Frauenanteil an hoch dotierten Wissensberufen (Holland-Cunz 2005). Universitäre Ausbildung wird im Rahmen neoliberaler Hochschulreformen einerseits zur Ressource für die Entwicklung des individuellen Humankapitals und damit an die Erfordernisse des Arbeitsmarkts angepasst, andererseits werden Zugangsbeschränkungen verschärft, die auf Formierung einer neuen Bildungselite zielen. Geschlechterpolitische Gleichstellung entpuppt sich (nicht nur) am Bildungssektor mitunter als „rhetorische Modernisierung“ (Wetterer 2003).

5 Fazit

Für die sozial rigorose Politik des Neoliberalismus leistet der Slogan von der Wissensgesellschaft gute Dienste. Denn das Phantasma neuer Eliten stimuliert die permanente Selbstoptimierung der Wissensarbeiter_innen. Anpassungen an neue ökonomische Anforderungen werden individualisiert, Fortbildung zunehmend in die Freizeit verschoben und zu einem Weiterbildungspostulat, dem sich die Subjekte unterwerfen, ausgebaut (Bittlingmayer 2005, S. 238). Die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem, zwischen Arbeit und Freizeit erodieren, und die systematische Überforderung wird in neoliberalen Arbeitswelten zur Normalität (Höhne 2003, S. 76). Speziell das „leistungselitäre Berufsbild der Berater“ ist durch Überstunden, permanente Mobilität und fehlendes Privatleben bestimmt (Leif 2006, S. 77). Die allgegenwärtige Rede von (individueller) Leistung führt zu einem „Erfolgskult“ (Neckel 2008), der mit der Betonung von Unabhängigkeit und Selbständigkeit das „unternehmerische Selbst“ (Foucault) zum allgemeinen Modell und Leitbild erhebt. „Das unternehmerische Selbst bezeichnet keine empirisch vorfindbare Entität, sondern die Richtung, in der Individuen verändert werden und sich verändern sollen.“ (Bröckling 2002, S. 178 f.) Das Subjekt der Wissensgesellschaft ist somit angehalten, sich als Ware und Produzent dieser Ware zu betrachten, sich permanent (z. B. durch Weiterbildung) zu optimieren und den eigenen Lebenslauf zu planen. Nicht nur Erfolg, auch das Scheitern wird individualisiert. Misserfolge müssen als individuelle Planungsdefizite verbucht werden (Bröckling 2007, S. 26), was eine kritische Reflexion gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse blockiert.

Kritische Theorie und Forschung reflektieren jedoch auch die Schattenseiten dieser Ideologie, die Allgegenwart des Prekariats (Bourdieu 1998). Prekarität meint nicht nur, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, eine befristete Stelle zu haben, in Kurz- oder Teilzeit zu arbeiten. Sie übt Druck aus, indem sie jedem/jeder Arbeitnehmer_in das Gefühl vermittelt ersetzbar zu sein und dass Arbeit zu haben ein Privileg darstellt, das zerbrechlich und bedroht ist. Darüber hinaus zeigen Studien zu Unternehmensgründungen, dass auch neue Formen der selbständigen Tätigkeit weit entfernt sind vom Bild des „Normalunternehmers“ (Bührmann 2012). Die Erwerbsform der Solo-Selbständigen, die nur die eigene Arbeitskraft reproduzieren wollen, ist so gesehen dem Leitbild des „Arbeitskraft-Unternehmers“ nicht unähnlich. Zudem durchlaufen fast alle Gründer_innen „eine Prekaritätszone zwischen Erfolg und Scheitern“ (Bührmann und Pongratz 2010, S. 12).

Die Verschränkung von selbständiger und unselbständiger Arbeit trägt zum Niedergang traditioneller Klassenpolitik bei. Wissensgesellschaft verspricht demgegenüber eine Politisierung der Kultur bzw. eine Stärkung der Politik der Anerkennung. Nancy Fraser (Fraser 2002) betont jedoch, dass diese im Kontext des Neoliberalismus Gefahr laufe, die Politik der Umverteilung zu delegitimieren, und soziale Gerechtigkeit als politisches Ziel abzudrängen sowie die gesellschaftlichen Folgen zu verdrängen. „Statt bei einem vielfältigeren und reicheren Paradigma angelangt zu sein, das die Punkte Verteilung und Anerkennung gleichermaßen umfaßt, hätten wir ein beschränktes Muster gegen ein anderes eingetauscht: einen blinden Ökonomismus gegen einen blinden Kulturalismus.“ (Fraser 2002, S. 52) Anspruch Kritischer Theorie muss es aber bleiben, beide Aspekte zu verknüpfen.

Nachdem die Rhetorik der Wissensgesellschaft zu Beginn des Jahrtausends noch politische Programmatiken zu beeinflussen vermochte – wie das Beispiel der erwähnten Lissabon-Strategie zeigt –, ist der damit verbundene Fortschrittsoptimismus spätestens seit der globalen Finanzkrise deutlich gedämpft. Trotz ökonomischer Krise bleibt jedoch neoliberale Hegemonie ungebrochen. Somit ist davon auszugehen, dass auch einige Motive der Wissensgesellschaftsdebatte aufgrund ihrer Amalgamierung mit neoliberaler Ideologie auch in Zukunft wieder auftauchen werden. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass es gerade die emanzipatorischen Aspekte einer Idee der Wissensgesellschaft unter kapitalistischen Bedingungen sein werden.

Fußnoten

  1. 1.

    Die „Lissabon-Strategie“ der Europäischen Union wurde 2000 als Programmatik zur Steigerung der Europäischen Wettbewerbsfähigkeit bis zum Jahr 2020 entworfen. Die Entwicklung sollte umfassend – ökonomisch, sozial und ökologisch – sein. Schlüsselkonzepte dabei sind Innovation, Wissensgesellschaft und Nachhaltigkeit.

  2. 2.

    Auffällig ausgespart bleibt Agrarpolitik, obwohl der Bedeutungszuwachs von Wissen und Forschung auch in diesem Sektor nicht zu übersehen ist.

  3. 3.

    In diesem Sinne definiert die Heinrich-Böll-Stiftung auf ihrem Internetportal www.wissensgesellschaft.org: „Wissensgesellschaft eröffnet eine Perspektive, die auf den Willen und die Befähigung der Menschen zu Selbstbestimmung setzt – ganz im Gegensatz zum technizistischen Begriff der Informationsgesellschaft.“

  4. 4.

    Schon Frederic W. Taylor bezeichnet sein System der Rationalisierung des Produktionsprozesses als „scientific management“ (Rehmann 1998, S. 25), womit die Verwissenschaftlichung der Gesellschaft schon in der industriellen Phase eingesetzt hat.

  5. 5.

    Byung-Chul Han (2014, S. 80, Hervorh. im Orig.) warnt vor einer neuen Ideologie, die er „Dataismus“ nennt, die durch die technische Möglichkeit, große Datenmengen in kurzer Zeit zu sammeln, entsteht. „Der Datatismus, der glaubt, jede Ideologie hinter sich lassen zu können, ist selbst eine Ideologie. Der Dataismus führt zu einem digitalen Totalitarismus.“

  6. 6.

    Fast zeitgleich 1929/30 wurde unter der Leitung von Erich Fromm (1980) eine Studie zur (politischen) Einstellung von Arbeitern und Angestellten in Berlin durchgeführt, in der erstmals der „autoritäre Charakter“ definiert und empirisch erhoben wurde.

  7. 7.

    Einige Funktionäre der Arbeiter_innenbewegung hegten die Hoffnung, dass Rationalisierung den Weg zum Soziaismus ebnen könnte (vgl. z. B. Bauer 1931).

  8. 8.

    Kritische Theorie umfasst aus Sicht der Autorinnen nicht nur Arbeiten der Frankfurter Schule und ihrer Schüler_innen wie z. B. Regina Becker-Schmidt, Sheila Benhabib, Nancy Fraser, Jürgen Habermas, Claus Offe, sondern auch gesellschafts- und herrschaftskritische Ansätze, die emanzipatorischem Denken verbunden sind – wie z. B. Arbeiten von Louis Althusser, Pierre Bourdieu, Michel Foucault, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe.

  9. 9.

    Bourdieu bezeichnet mit illusio (abgeleitet vom lateinischen Wort ludus, das Spiel) den Sinn für das Spiel am sozialen Feld. Die illusio überzeugt den/die Spieler_in davon, dass es wert ist, das Spiel nach den Regeln des Feldes zu spielen.

  10. 10.

    Auch aktuelle Debatten um Patente, Lizenzen und Copyrights zeugen von diesem Dilemma.

  11. 11.

    Zentral für dieses Verständnis von Autonomie ist, dass es nicht auf die Fiktion eines autonomen Subjekts abstellt, sondern auf soziale Autonomie und reale Demokratie gerichtet ist (Wolf 2004, S. 239 f.).

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für PolitikwissenschaftUniversität WienWienÖsterreich

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