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Kritische Theorie in feministischer Lesart: Perspektiven auf den Gegenwartskapitalismus

  • Brigitte AulenbacherEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Der Beitrag beginnt mit einem Blick auf das Verhältnis von Kritischer Theorie und Geschlechterforschung und zeigt, in welcher Weise der letztgenannte Forschungsstrang auf erstere zurückgreift. Solchen kritischen Theorien in feministischer Lesart wird dann am Beispiel des Ansatzes von Nancy Fraser unter der Frage nach sozialer Gerechtigkeit und desjenigen von Regina Becker-Schmidt mit Blick auf gesellschaftliche Reproduktions- und Sorgekrisen nachgegangen. Gezeigt wird, wie die Autorinnen den Gegenwartskapitalismus einer herrschaftskritischen Analyse unterziehen. Es geht zum einen um Fragen von Umverteilung, Anerkennung und Repräsentation im Kontext sozialer, auch globaler Ungleichheiten, zum anderen um herrschaftskonsolidierende, reproduktionsgefährdende Verschiebungen im gesellschaftlichen Gefüge, wie sie sich unter finanzmarktkapitalistischen Vorzeichen vollziehen. Schließlich wird ein Fazit dazu gezogen, wie der Gegenwartskapitalismus im Rekurs auf und in Revision und Weiterentwicklung der Begriffe, Perspektiven und Denkformen kritischer Theorie analysiert und kritisiert wird, verbunden mit Betrachtungen zu Veränderungen im emanzipatorischen Sinne.

Schlüsselwörter

Kritische Theorie und Geschlechterforschung Gesellschafts- und Erkenntniskritik Finanzmarktkapitalismus Andro- und Eurozentrismus Soziale Ungleichheit und Herrschaft Gerechtigkeit Reproduktions- und Sorgekrisen 

1 Einleitung

Verwerfungen im gesellschaftlichen Gefüge und in der Sozialordnung, wie sie im Kontext der finanzmarktkapitalistischen Entwicklung beobachtbar sind, verstärken seit geraumer Zeit wieder die Suche nach Theorieperspektiven, die die Gesellschaft in ihrem inneren Zusammenhang in den Blick zu nehmen vermögen. In dieser Hinsicht ist die Kritische Theorie aus feministischer Sicht nicht erst neuerdings interessant. Der Beitrag beginnt daher mit Anmerkungen zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Geschlechterforschung (1). Anschließend arbeitet er heraus, wie mit kritischer Theorie in feministischer Lesart Gegenwartsanalyse betrieben wird (2). Eine Bemerkung zur Aktualität kritischer Theorie in feministischer Lesart schließt den Beitrag ab (3).

2 Kritische Theorie in feministischer Lesart

In gewisser Weise überrascht die Bezugnahme der Geschlechterforschung auf die Kritische Theorie nicht. Innerwissenschaftlich betrachtet ist sie nicht unwesentlich aus der wissenschaftskritischen Reflexion bis dato vorliegender Erkenntnisstände hervorgegangen, deren Gemeinsames in ihrem impliziten Androzentrismus1 bestand; ihn zu transzendieren erschien mit der Kritischen Theorie durchaus möglich (vgl. Beer 1987). Kritische Theorie hatte, indem sie „[…] gegen das unhistorische Wirklichkeitsverständnis der positiven Wissenschaften deren gesellschaftliche Entstehungsbedingungen geltend machte […]“ (Rühle 2007, S. 127; vgl. Adorno et al. 1978), neue Wege wissenschaftlicher Selbstreflexion eröffnet. Dies lässt sich beispielsweise an Max Horkheimers (1968, S. 146) programmatischer Profilierung „kritischer“ gegenüber „traditioneller“ Theorie ablesen: „Die traditionelle Vorstellung der Theorie ist aus dem wissenschaftlichen Betrieb abstrahiert […]. In dieser Vorstellung erscheint daher nicht die reale gesellschaftliche Funktion der Wissenschaft, nicht was Theorie in der menschlichen Existenz, sondern nur was sie in der abgelösten Sphäre bedeutet, worin sie unter den historischen Bedingungen erzeugt wird“. Daher ist für Kritische Theorie die Reflexion auf die Erkenntnisbedingungen und damit die Verbindung von Erkenntnis- und Gesellschaftskritik unverzichtbar (vgl. Adorno 1972). Der Geschlechterforschung hat sie sich somit angeboten, um wissenschaftliche Erkenntnisse in ihrer Gesellschaftlichkeit und, unter gegebenen Verhältnissen, damit auch in ihrem Andro- und Eurozentrismus kenntlich zu machen (vgl. Beer 1987; Klinger und Knapp 2007).

Mit der epistemologischen Anforderung, Erkenntnis- und Gesellschaftskritik zu verbinden (vgl. hierzu auch den Beitrag von Hark/Meißner im Handbuch), geht in der älteren Kritischen Theorie ferner eine in noch anderer Weise herrschaftskritische Perspektive einher. Im Zusammenhang mit der Frage der Werturteilsfreiheit von Wissenschaft bzw. der Frage nach dem Maßstab von Gesellschaftskritik formuliert Max Horkheimer (1968, S. 190) dies folgendermaßen: „Die kritische Theorie hat […] keine spezifische Instanz für sich als das mit ihr selbst verknüpfte Interesse an der Aufhebung des gesellschaftlichen Unrechts. Diese negative Formulierung ist, auf den abstrakten Ausdruck gebracht, der materialistische Inhalt des idealistischen Begriffs der Vernunft.“ Mit dieser Form der Herrschaftskritik ist sie den emanzipatorischen Anliegen feministischer Forschung entgegen gekommen, es nicht mit der Beschreibung der Zustände bewenden zu lassen, sondern auf deren Veränderung zu zielen, wenngleich die von der Kritischen Theorie betonte „Präponderanz gesellschaftlicher Verhältnisse gegenüber dem Verhalten“ die Bezugnahme gedämpft haben mag (Knapp 1996, S. 123).

Da die Kritische Theorie zwar durchaus jede Form des „Unrechts“ (Horkheimer 1968) im Blick hatte, aber ihre Vorstellung der „[…] ‚Veränderung des Ganzen […]‘, geleitet ‚vom Interesse an vernünftigen Zuständen‘ […]“ (Lang 1995, S. 403) wesentlich an den Materialismus der Marx’schen Theorie anknüpfte, traten in ihren Gesellschaftsanalysen die sozialen Austauschprozesse allerdings vorrangig unter kapitalistischen, nicht gleichermaßen auch weiteren Herrschaftsverhältnissen in den Mittelpunkt (vgl. Becker-Schmidt 1991a; Beer 1987; Knapp 1996). In der Folge ist die Geschlechterforschung, will sie die Kritische Theorie für sich nutzbar machen, auf ihre Revision und Weiterentwicklung einschließlich der Entwicklung einer feministischen Vernunftkritik angewiesen (vgl. Beer 1987; Knapp 1996, 1999, 2004; Klinger und Knapp 2007; Woesler de Panafieu 1987).2

Gudrun-Axeli Knapp (1996) blickt zusätzlich auf die Entstehungsbedingungen und Fragestellungen der Geschlechterforschung, um herauszuarbeiten, was hiervon ausgehend ihr Interesse an der Kritischen Theorie begründet hat. Sie hebt drei Punkte hervor: das Selbstverständnis der Geschlechterforschung als interdisziplinäres Vorhaben; den mit ihren emanzipatorischen Bestrebungen verbundenen Wunsch, dem Verhältnis von Objektivität und Subjektivität neue Aufmerksamkeit zu schenken; das im Kontext von Frauenforschung und -bewegung profilierte Verhältnis von Theorie, Empirie, Praxis. Übernommen habe die Geschlechterforschung unter all diesen Aspekten aus der Kritischen Theorie schließlich vor allem die „[…] erkenntniskritischen und methodologischen Perspektiven: 1. die wechselseitige Bezogenheit von kritischer Subjekt- und Gesellschaftstheorie; 2. die Anweisung, alle sozialen Phänomene aus ihrem historischen Konstitutionszusammenhang heraus zu begreifen; 3. die Notwendigkeit, Herrschaftsbedingungen und die diversen Mechanismen der Machtdurchsetzung sowohl in der Gesellschaft als auch in den Verfassungen von Subjektivität aufzudecken; 4. den Anspruch, das gesellschaftliche Ganze als einen aus historischen Gründen widersprüchlichen Strukturzusammenhang zu bestimmen; 5. die Perspektive, Wissenschaft als Element emanzipatorischer Praxis zu verstehen und in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Theorie und Empirie als eines der wechselseitigen Konkretisierung und Anreicherung zu fassen“ (Knapp 1996, S. 124, i.O. m. Abs.). Kritische Theorie in feministischer Lesart lässt sich damit so fassen, dass Wissenschaftskritik und Theorierevisionen mit epistemologischen Orientierungen einhergehen, in deren Rahmen Denkformen und Begriffe aufgenommen, kritisiert, verworfen, weiter entwickelt werden, um daran anschließend eigene Perspektiven zu entwickeln.3 Sie kommt damit nicht umhin, sich zu den vorgefundenen Gesellschaftsbegriffen, nicht zuletzt zum Begriff der „Totalität“, und zu der Frage zu verhalten, wie Gesellschaftsanalyse zu betreiben ist, ob unter Herrschaftsbedingungen nach wie vor als Widerspruchsanalyse oder welche Perspektiven ansonsten als geeignet begriffen werden.4 Wie dies Thema wird, variiert zwischen den Generationen Kritischer Theorie, im Rahmen der internationalen Rezeptionsgepflogenheiten und abhängig von Entwicklungen in der Geschlechterforschung (vgl. Knapp 1996), wie sich auch in den folgenden Gegenwartsanalysen zeigt.

3 Soziale Gerechtigkeit, Reproduktionsgefährdungen und Herrschaft: Perspektiven auf den Gegenwartskapitalismus

Feministische Gesellschaftsanalysen sind breit gefächert. Im Kontext dieses Handbuchs werden zwei Themen herausgegriffen, zu deren Bearbeitung kritische Theorie in feministischer Lesart maßgeblich beiträgt. Es handelt sich zum einen um Fragen sozialer Gerechtigkeit, zum anderen um gesellschaftliche Selbstgefährdungen, wie sie unter dem Stichwort der Reproduktionskrise angesprochen werden. Ziel ist es zu erschließen, wie kritische Theorie in feministischer Lesart gesellschaftsanalytisch vorgeht und worin ihr spezifischer Beitrag liegt.

3.1 Soziale Gerechtigkeit

Soziale Gerechtigkeit hat als Thema der gesellschaftswissenschaftlichen und -politischen Diskussion zum einen mit den Entwicklungen in den Sozialstaaten der ‚alten‘ Kapitalismen (vgl. Riegraf 2013, 2014), zum anderen mit der ganz grundsätzlich aufgeworfenen Frage, wie sie in einer globalisierten, gleichwohl polarisierten Welt denk- und erreichbar ist (vgl. Sen 2010), an Bedeutung gewonnen. Im Sinne einer kritischen Theorie in feministischer Lesart sind Nancy Frasers Arbeiten hier unhintergehbar. Ihr Hauptbezugspunkt in der Kritischen Theorie ist neben Jürgen Habermas‘ Werk (vgl. Fraser 1992) deren anerkennungstheoretische Reformulierung durch Axel Honneth und die Kontroverse, die sie um ihrer beider Ansätze ausgetragen haben (vgl. Fraser und Honneth 2003). Sie steht unter den zeitgeschichtlichen Vorzeichen der postfordistischen und -sozialistischen Entwicklung wie der Globalisierung und wird von ihnen begriffen als „[…] Debatte, die eine nordamerikanische Philosophin und ein deutscher Philosoph darüber geführt haben, wie das Verhältnis von Umverteilung und Anerkennung richtig zu verstehen ist. Die von beiden Autoren geteilte Prämisse ist dabei, daß ein angemessener Begriff von ‚Gerechtigkeit‘ heute zumindest zwei Klassen von politischen Belangen umfassen muß: Jene, die in der ‚fordistischen‘ Periode als Verteilungskämpfe begriffen wurden, und diejenigen, die gegenwärtig zumeist als Anerkennungskonflikte angesehen werden.“ (Fraser und Honneth 2003, S. 8 f.) Damit verbindet sich zudem eine Kritik am Zustand der Gesellschaft wie der Wissenschaft dahingehend, welche Fragen wann von wem wie relevant gemacht werden (vgl. Fraser 2003, S. 43 ff.; hierzu auch Klinger 2003). Wissenschafts- wie gesellschaftsgeschichtlich sehen sie die Ära der 1960er- und 1970er-Jahre als diejenige an, in der politisch-ökonomisch und von der „‚alten‘ Linken“ vor allem Fragen von „Ausbeutung“ und Umverteilung behandelt wurden bzw. machen sie die Ära der 1980er-Jahre als diejenige aus, in der kulturwissenschaftlich und von der „‚neuen‘ Linken“ in Kritik an der „Entfremdung“ vor allem um Anerkennung gestritten wurde (Fraser 2009, S. 481; vgl. für die Geschlechterforschung Klinger 2003). Sie streben an, solche und weitere disziplinäre Trennungen und Engführungen zu überwinden und „[…] die kapitalistische Gesellschaft noch einmal als ‚Totalität‘ zu konzeptualisieren“ (Fraser und Honneth 2003, S. 10), wobei dies nicht frei von Zweifeln daran ist, ob diesem Begriff Gegenwartsgehalt verschafft werden kann (vgl. Honneth 2005, 2008).

Axel Honneth bewegt sich dabei in intensiverer Auseinandersetzung mit den Denktraditionen Kritischer Theorie als Nancy Fraser, die ihren Ansatz an zentralen Stellen gegen seine Vorgehensweise profiliert. Er verfolgt, so Sighard Neckel (2001, S. 303), das Ziel, „[…] die moralische Dimension des gesellschaftlichen Lebens und insbesondere sozialer Konflikte sichtbar werden zu lassen […]“. Er verwirft nicht nur den Habermas’schen Ansatz, sondern tritt erkenntnisstrategisch auch hinter die materialistische Orientierung der älteren Kritischen Theorie zurück (vgl. Honneth 1994, S. 79 ff.), um auf die Hegel’sche Rechtsphilosophie zuzugreifen, wonach individuelle Freiheit im öffentlichen Raum durch solidarische Anerkennung ermöglicht wird (vgl. Honneth 2005). Er verbindet dies zudem mit einem Rekurs auf Meads Sozialpsychologie, um das Alltägliche und damit verbunden die Frage nach dem guten Leben wieder stärker in die Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken (vgl. Honneth 1998, S. 151). Ziel seines Vorgehens ist die Entwicklung einer normativ gehaltvollen Gesellschaftstheorie, in der er soziale Anerkennung als eine konstitutive Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft erachtet. Anerkennung oder, was das Gegenteil angeht, Missachtung, werden somit als ursächlich für gelingende Sozialität oder soziale Pathologien angesehen (Honneth 2000, S. 7). Zwar „[…] zielt seine anerkennungstheoretische Reformulierung der Kritischen Theorie darauf, im Rahmen einer einzigen umfassenden Konstruktion sowohl die Belange des Marxismus als auch die Bestrebungen der neuen sozialen Bewegungen zu erfassen […]“, so Nancy Fraser (2009, S. 481), aber die Art und Weise, wie sie ihren Ansatz dagegen positioniert, lässt sich als Kritik an der Geringgewichtung materialistischer Perspektiven lesen.

Das Kernstück des Fraser’schen Ansatzes ist eine zunächst zwei-, dann dreidimensionale Konzeption von sozialer Gerechtigkeit, welche Ökonomie, Kultur und Politik als strukturgebende und handlungsrelevante Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens in den Blick nimmt (vgl. Fraser 2003, S. 20 ff., 2007). Die gesellschaftsanalytische und -politische Brisanz ihres Ansatzes liegt meines Erachtens weniger in ihren Sozialdiagnosen als vielmehr in der Frage danach, wer sich unter den gegebenen klassen-, geschlechts- und ethnizitätsbasierten Herrschaftsverhältnissen wie Gehör verschaffen kann, welcher Vorstellungen eines funktionierenden Gemeinwesens Kapitalismuskritik bedarf und welche Wege dorthin führen.

Gerechtigkeit konzipiert Nancy Fraser im Kontext von Philosophie, Moralphilosophie und Gesellschaftstheorie folgendermaßen: Sie kritisiert Trennlinien in der Philosophie, entlang derer Umverteilung als Problem der Verteilungsgerechtigkeit in der Ökonomie angesiedelt und klassentheoretisch und -politisch gerahmt werde, während Anerkennung unter dem Primat der Intersubjektivität vor der Subjektivität identitätstheoretisch und -politisch als Frage der Kultur und nicht ohne Weiteres der Gerechtigkeit aufgegriffen werde (Fraser 2003, S. 43 ff.). Moralphilosophisch betrachtet sie hingegen Anerkennung als die intersubjektive und Umverteilung als die objektive Dimension sozialer Gerechtigkeit, wobei sie den Fokus – gegenteilig zur Honneth’schen Konzeption – unter Verzicht auf psychische und psychologische auf institutionelle Aspekte verschiebt. Eine gerechte Gesellschaft bemisst sich nach Nancy Fraser (2003, S. 55) daran, inwieweit die Norm der „partizipatorischen Parität“, also der gleichberechtigten Teilhabe aller Gesellschaftsmitglieder, erreicht ist. „Sowohl die objektive als auch die intersubjektive Bedingung ist für die partizipatorische Parität unverzichtbar. […]. Die objektive Bedingung bringt die Anliegen zur Geltung, die traditionellerweise mit der Theorie der Verteilungsgerechtigkeit verbunden sind, insbesondere dann, wenn sie die gesamtgesellschaftliche Wirtschaftsordnung und ein ökonomisch definiertes Klassengefälle betreffen. Die intersubjektive Bedingung bringt diejenigen Anliegen zur Geltung, auf die unlängst in der Philosophie der Anerkennung ein Schlaglicht geworfen wurde, besonders aber diejenigen, die die Statusordnung der Gesellschaft und kulturell definierte Statushierarchien betreffen. Daher umfaßt eine zweidimensionale Konzeption der Gerechtigkeit, die sich an der Norm der partizipatorischen Parität orientiert, sowohl Umverteilung als auch Anerkennung, ohne dabei die eine auf die andere zu reduzieren“ (Fraser 2003, S. 56).

Der Weg in eine in diesem Sinne gerechte Gesellschaft ist bei der Autorin in gesellschaftstheoretischer und -politischer Perspektive dann als Kampf um Umverteilung und Anerkennung vorgestellt, der auf dialogische Verfahren angewiesen ist. Unter gegebenen Herrschaftsverhältnissen vollzieht er sich vor dem Hintergrund einer „Klassenstruktur“ und „Statushierarchie“ (Fraser 2003, S. 70 ff.) und von Ungleichverteilungen und -bewertungen von bezahlter und unbezahlter Arbeit (vgl. Fraser 2004, S. 457 ff.), die tief „verwurzelte Formen der Unterdrückung“ zum Ausdruck bringen (Fraser 2003, S. 70). In diese Konstellation hinein müssen diejenigen, deren gleichberechtigte Teilhabe institutionell blockiert wird, ihre Forderungen nach Umverteilung oder Anerkennung geltend machen, wobei deren Legitimität sich darin erweist, dass ihre Realisierung andere Gesellschaftsmitglieder nicht behindert. Insofern entscheidet sich verbunden mit dem auszustreitenden „leitenden Idiom der öffentlichen Vernunft“ (Fraser 2003, S. 63), was gerecht ist, inwiefern universale Prinzipien gelten und partikulare Belange Raum haben sollen (vgl. Fraser 2003, S. 51 ff.).

Dies gilt mit Blick auf alle „Achsen sozialer Unterordnung“, Schicht, Geschlecht, Ethnie, sexuelle Orientierung u. a. m., welche die (analytisch zu unterscheidende) „Klassenstruktur“ und „Wertehierarchie“ durchziehen und in (empirisch) vielfältigen Mischungen von Gleich- und Ungleichstellungen auftreten (vgl. Fraser 2003, S. 76) und entlang derer sich, wie sie am Beispiel der neoliberalen Vereinnahmung feministischer Vorstellungen und Politiken herausarbeitet (vgl. Fraser 2009), neue herrschaftssichernde Konstellationen ergeben können.

Der Komplexität der Unrechtserfahrungen und Gerechtigkeitsansprüche trägt die Autorin Rechnung, indem sie unter dem Begriff des „perspektivischen Dualismus“ vorschlägt, jede gesellschaftliche Praxis immer aus der Perspektive der Anerkennung und der Umverteilung zu betrachten (Fraser 2003, S. 84 ff., 2009). In diesem Sinne müssten beispielsweise feministische im Kontext sozialstaatlicher Politiken nicht nur eine Umverteilung von Arbeit und Einkommen, sondern auch eine angemessene Anerkennung der von Frauen verrichteten Tätigkeiten einmahnen (Fraser 2004, S. 457 ff., 2006). Wie auch in ihren Betrachtungen zum Zusammenspiel von Feminismus und Neoliberalismus (Fraser 2009) oder im Konzept der „universellen Betreuungsarbeit“ (Fraser 1996) deutlich wird, geht es der Autorin dabei um fundamentale Kapitalismuskritik in dem Sinne, dass die bisherigen gesellschaftlichen Maßgaben dazu, was als ökonomisch und kulturell wertvoll gilt, ins Wanken geraten, wenn etwa Betreuungsarbeit wirklich universell, also zur Aufgabe aller statt zur Zumutung für einige oder viele wird. Der Kern des Fraser’schen Ansatzes spiegelt dabei zeitgeschichtlich zwar eine unter Druck geratene Sozialstaatlichkeit, aber nicht die gegenwärtigen Austeritätspolitiken, was ihn hinsichtlich so weit reichender Forderungen wie derjenigen nach einer radikalen Umverteilung aller Sorgearbeit aber nicht minder aktuell macht (vgl. Winker 2013).

Unter dem Eindruck neuer Ungleichgewichte in einer „globalisierten Welt“, in der einer entgrenzten kapitalistischen Expansion vorrangig nationalstaatliche, daher in vieler Hinsicht wirkungsarme politische Regulative gegenüberstehen bzw. Wirtschaftsinteressen in neuem Ausmaß auf Politik übergegriffen haben, erweitert Nancy Fraser (2007, S. 351) ihre zweidimensionale zu einer dreidimensionalen Konzeption sozialer Gerechtigkeit, indem sie neben Ökonomie und Kultur die Politik und neben Umverteilung und Anerkennung die Repräsentation einbezieht: Das „[…] Politische fungiert […] als eine Art von Bühne auf der Umverteilungs- und Anerkennungskämpfe ausgetragen werden. Indem die politische Dimension der Gerechtigkeit Kriterien sozialer Zugehörigkeit schafft und somit festlegt, wer als Mitglied einer Gemeinschaft gelten kann und wer nicht, legt sie die Reichweite der anderen Dimensionen fest beziehungsweise spezifiziert sie: Denn hierdurch wird angezeigt, wer zu dem Kreis derer, denen Gerechtigkeit und gegenseitige Anerkennung zugestanden wird, dazugehört, und wer aus diesem Kreis ausgeschlossen wird.“ Es geht dann nicht mehr allein darum, was im Sinne der „partizipatorischen Parität“ (Fraser 2003) gefordert wird, sondern wer Forderungen erheben darf und kann (Fraser 2007).

In den westlichen repräsentativen Demokratien ist diesbezüglich die „Fehlvertretung“ nach Fraser (2007, S. 353 ff.) in gewisser Weise die Normalität. Sie tritt als „gewöhnliche politische Fehlvertretung“ (Fraser 2007, S. 353), also als ungleiche oder unzureichende Repräsentanz auf, wobei dies, mit Cornelia Klinger (2013) in den Blick genommen, im Rahmen des iterativen Prinzips der Moderne prinzipiell immanent korrigierbar ist; dafür kann die Durchsetzung formal-rechtlicher Geschlechtergleichstellung als Beispiel gelten. Und sie trete als „Fehlrahmung“ auf, was bedeutet, dass Bevölkerungsteile qua Ausschluss keine Möglichkeiten haben, ihre Forderungen nach Umverteilung und Anerkennung geltend zu machen; in dieser Dimension sei die Globalisierung als Herausforderung zu sehen, über Rahmensetzungen und Grenzziehungen, damit über die moderne Staatlichkeit und Ebenen politischen Eingreifens neu nachzudenken (vgl. Fraser 2007, S. 362 ff.). Damit werden „Kämpfe für Gerechtigkeit innerhalb einer globalisierten Welt“ (Fraser 2007, S. 363) zu Kämpfen um neue Formen demokratischer Teilhabe.

3.2 Reproduktionsgefährdungen und Herrschaft

Ist Nancy Frasers Ansatz daraufhin konzipiert herauszuarbeiten, in welcher Weise Umverteilung und Anerkennung gefordert und erkämpft werden müssen und wie sich dies politisch gestaltet, so geht es nun in umgekehrter Perspektive um Reproduktionsgefährdungen und Herrschaft. Zu den überraschenden Entwicklungen der letzten Jahre gehört diesbezüglich, dass eines der traditionsreichsten Themen feministischer Forschung – Care und Care Work – von seinem vorherigen Nischendasein ins Zentrum der gesellschaftswissenschaftlichen und -politischen Aufmerksamkeit gerückt ist (vgl. Aulenbacher et al. 2014b). Das hängt unter anderem mit den Sorgegefährdungen zusammen, die sich seit der Finanzkrise vermittelt über Austeritätspolitiken in den ‚alten‘ Kapitalismen erneut und in neuer Form herausgebildet haben (vgl. Aulenbacher et al. 2014a). Mit ihnen ist auch ein Motiv wieder in den Vordergrund getreten, das die Klassiker und modernen Klassiker, darunter die ältere Kritische Theorie, in zahlreichen Varianten durchzieht: Mit dem Kapitalismus hat eine neue Zeitrechnung begonnen, insofern in seiner Funktions- und Reproduktionsweise – im Vorrang der Marktökonomie vor anderen Bereichen, der Verwertung vor der Existenzsicherung u. a. m. – die Selbstgefährdung der Gesellschaft angelegt ist. Dieser Gesellschaftsformation sind Reproduktionskrisen also inhärent (vgl. zum Krisenmotiv auch den Beitrag von Dörre im Handbuch). Im Rahmen einer „Vielfachkrise“, so die Diagnose von Alex Demirović et al. (2011), werden gegenwärtig verschiedene Aspekte sichtbar, unter denen das Leben und Zusammenleben in neuer Weise gefährdet ist. Sorgekrisen sind ein Teil der krisenhaften Gefährdung der gesellschaftlichen Reproduktion (vgl. Aulenbacher 2013; Klinger 2013).

In der Frage, wie Sorge und Sorgearbeit von der finanzmarktkapitalistischen Entwicklung berührt werden, ist Regina Becker-Schmidts kritische Theorie in feministischer Lesart von besonderem Interesse, weil sie Veränderungen gesellschaftlicher Funktions- und Arbeitsteilungen und -bewertungen5 im Kontext sozialer Ungleichheiten nach Geschlecht, Ethnizität und Klasse theoretisch zu erschließen vermag. Ihr Ansatz ist durch das Bestreben geprägt, der älteren Kritischen Theorie Gegenwartsgehalt zu verschaffen.

Regina Becker-Schmidt (2000, S. 40) geht von der Diagnose aus, dass kapitalistische Gesellschaften ein „soziales Strukturproblem“ haben. Es besteht darin, wie die Autorin die in der älteren Kritischen Theorie im Zusammenhang mit dem Begriff der „Totalität“ thematisierten Strukturierungsprinzipien von Gesellschaft aufnimmt, dass sie die Leistungen, derer sie bedürfen, um sich zu reproduzieren, nach dem Muster der gesellschaftlichen „Trennung“ von Funktionsbereichen und Arbeitsformen organisieren und in den jeweiligen Sektoren „relativ autonom“ erbringen, aber aufgrund der „Interdependenzen“ zwischen ihnen doch auf ein funktionierendes Ganzes angewiesen sind. Letzteres werde zum einen mittels „Vereinheitlichung“ erreicht, also dadurch, dass die Sektoren nach „Leitlinien“ der Verwertung, Rationalisierung u. a. m. aneinander anschlussfähig gemacht werden, erfordere aber auch ihren „Zusammenschluß“: Es geht, was die Widerspruchsstruktur der Gesellschaft zum Vorschein bringt, also um „Zusammenschluß bei gleichzeitiger Trennung, Interdependenzen bei relativer Selbständigkeit“ (Becker-Schmidt 1991a, S. 386, i. O. m. Hervorh.).

Regina Becker-Schmidt (1991a, 1998) verfolgt das auf die Bearbeitung dieser Widersprüche bezogene Geschehen theoretisch weiter, indem sie Gesellschaft im Anschluss Theodor W. Adorno als „Relationsbegriff“ fasst, anders als er aber als deren „Elemente“ nicht ausschließlich die Menschen, sondern auch die Sektoren begreift. Entsprechend liegt ihr Augenmerk auf einer doppelten „Relationalität“ (Becker-Schmidt 1998, S. 109 f.): Es geht um die Frage, wie die Sektoren im Rahmen der Funktionsteilung und -bewertung ihre Gestalt und Bedeutung in Relation zueinander erlangen und wie die Menschen, die Einzelnen wie ganze Bevölkerungsgruppen, in der Sozialordnung in Relation zueinander positioniert sind. Als Bindeglied zwischen beidem lässt sich mit der Autorin die gesellschaftliche Arbeitsteilung und -bewertung ausmachen, also die Art und Weise wie bezahlte und unbezahlte Arbeit (Erwerbs-, Haus-, Eigen-, Subsistenz- und Freiwilligenarbeit) in und zwischen den Sektoren organisiert und nach Klasse, Geschlecht, Ethnizität verteilt sind (vgl. Aulenbacher und Riegraf 2009). Dabei vermutet sie – was sie für die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern ausführt – zwischen Funktions- und Arbeitsteilungen und -bewertungen im Rahmen der gegebenen Sozialordnung „Strukturhomologien“ (vgl. Becker-Schmidt 1998);6 die Wertigkeit, die den Sektoren und Arbeiten gesellschaftlich zugebilligt wird, und die Wirkmächtigkeit, mit der sie auf das weitere Geschehen ausstrahlen und es beeinflussen, hängen nicht unwesentlich davon ab, wer darin wie eingebunden ist.

Erzeugt werden diese „Strukturhomologien“ nach Regina Becker-Schmidt (1998, S. 95 ff.) durch „Vermittlungen“, so ihr weiterer Anschluss an die Begrifflichkeit Theodor W. Adornos, welche sich unter gegebenen Verhältnissen (weitgehend) herrschaftsförmig vollziehen: „In ausdifferenzierten Gesellschaften, in denen sich politische, ökonomische, kulturelle und wissenschaftliche Machtzentren herauskristallisiert haben, die verschiedene Koalitionen miteinander eingehen, wird Vermittlung pervertiert zu Unterordnung und Einpassung: dann nämlich, wenn Individuen, Geschlechtern, Klassen und ethnischen Gruppen, die nicht der Dominanzkultur und den ökonomisch privilegierten Schichten angehören, keine ausreichenden Existenzmittel gewährt, keine politische Eigeninitiative und keine kulturelle Eigenständigkeit zugestanden wird.“ (Becker-Schmidt 1998, S. 97) Solche „Vermittlungen“ sorgen dafür, dass die funktionsnotwendigen Leistungen erbracht werden, indem Arbeit herrschaftsförmig verteilt und verrichtet wird, was für die verschiedenen Bevölkerungsteile mit Privilegien und „sozialen Zwängen“ einhergeht (vgl. Becker-Schmidt 1998, S. 98 ff.). Die postfordistische und -sozialistische migrations- und geschlechtsbasierte Haushalts- und Betreuungsarbeit ist ein prägnantes Beispiel hierfür, wie benachteiligte Bevölkerungsteile für Arbeiten in die Pflicht genommen werden und dabei alle (in den Ankunftsgesellschaften) bereits erreichten Standards der Arbeitsteilung und -bewertung unterboten, etwa im Falle des live-in, und (in den Sendegesellschaften) erhebliche Sorgegefährdungen zugelassen werden (vgl. Apitzsch und Schmidbaur 2010; Lutz 2010).

In Regina Becker-Schmidts Gesellschaftsanalyse ist das Phänomen Finanzmarktkapitalismus und sind seine Folgen als weitere Störung des unter gegebenen Verhältnissen ohnehin nie im Gleichgewicht befindlichen gesellschaftlichen Funktionszusammenhangs zu sehen. „Soziale Krisen verschärfen sich mit wachsender gesellschaftlicher Fragmentierung. Ein Sozialgefüge, dessen Stabilität von Abstimmungsprozessen zwischen allen für seinen Fortbestand zentralen Bereichen abhängt, verliert an sozialem Zusammenhalt, wenn einzelne Sektoren eigenmächtig aus den Interdependenzverhältnissen ausbrechen, in die sie durch gesellschaftliche Funktionsteilung eingespannt sind. In dem Maße, wie sich der globale Finanzkapitalismus gegenüber gesellschaftlichen Bereichen verselbstständigt, in denen es um die Herstellung des individuellen und kollektiven Gutes ‚Lebensqualität‘ geht, vertieft sich der Riss zwischen marktvermittelter Wirtschaft und privaten Haushalten. Die soziale Unvereinbarkeit ihrer jeweiligen Zwecksetzungen führt zur Dissoziation von politisch-ökonomischen und lebensweltlichen Sphären.“ (Becker-Schmidt 2011, S. 9 f.) Das schließt bei der Autorin objektive wie subjektive Gefährdungslagen in allen Funktionsbereichen, der bezahlten und unbezahlten Arbeit und im weiteren Lebenszusammenhang ein, also Phänomene wie Prekarität, Entgrenzung und Subjektivierung von Arbeit (vgl. hierzu ausführlich Dörre im Handbuch), das schon genannte Muster migrationsbasierter Sorgearbeit, Gesundheitsgefährdungen u. a. m. Sie spricht im Ergebnis von „‚verwahrloster Fürsorge‘“, die, wie sie weiterhin im Anschluss an Theodor W. Adorno argumentiert, auf die „rücksichtslose Verfolgung von Eigeninteressen als verwilderte Selbsterhaltung“ zurück zu führen ist (vgl. Becker-Schmidt 2011, S. 8, 17). „In Herrschaftsverhältnissen gefangen, die Individuen nicht durchschauen, innerhalb derer sie aber selbstherrlich agieren, verhalten sie sich unbeherrscht. Ein pfleglicher Umgang mit gesellschaftlichen Ressourcen und menschlichen Kapazitäten, die es vor Raubbau zu schützen gilt, ist ihnen fremd. In ‚verwilderter Selbstbehauptung‘ offenbart sich eine Vernunft, die sich blind macht für die Unvernunft, die ihr immanent ist“ (Becker-Schmidt 2011, S. 17).

Es ist in dieser Betrachtungsweise also das Heraustreten der Finanzökonomie aus dem Gesamt, mit dem sich die Neujustierungen des „leitenden/hegemonialen Handlungssystems der Gesellschaft: von der Politik zur Ökonomie bzw. vom (National-)Staat zum (Welt-)Markt“ (Klinger 2014, S. 32) verbinden. In der Folge werden zwar die Sorge- und damit Selbstgefährdungen der Gesellschaft in neuer Weise offensichtlich, die verschärften Machtungleichgewichte und „‚verwilderte Selbstbehauptung‘“ (Becker-Schmidt 2011 nach Adorno) machen die gesellschaftliche Situation aber nicht ohne weiteres einsichtig und einhegbar.

Nun ist die „Lebenssorge“ (Klinger 2013) im Kapitalismus immer schon als nachrangig zu begreifen, da er in bereits genannter Weise nicht erst neuerdings primär anderen Orientierungen folgt. Diese Nachrangigkeit ist grundsätzlicher Art und wird sichtbar, wenn in den Blick genommen wird, was unter Sorge zu verstehen ist. Darunter lassen sich letztlich all jene Tätigkeiten fassen, die dazu dienen, die Kontingenz des Lebens zu bearbeiten, indem sie all das gewährleisten, was zwischen den Polen der Natalität und Mortalität erforderlich ist, um ein gelingendes Leben und Zusammenleben zu ermöglichen, womit sich in gewisser Weise eine ganzheitliche Orientierung auf die leibseelische Existenz verbindet (vgl. Aulenbacher und Dammayr 2014; Klinger 2013). In dieser an ihrer Lebensdienlichkeit orientierten Ausrichtung lassen sich Sorge und Sorgearbeit unter kapitalistischen, andro- und eurozentrischen Verhältnissen letztlich nie zufriedenstellend organisieren. Als Leistungen, welche dem kapitalistischen Wirtschaften zwar vorausgesetzt sind, von denen es aber absieht, sofern sie in funktionsnotwendiger Weise anderweitig – im Privathaushalt, staatlich, gemeinwirtschaftlich; geschlechts-, ethnizitäts-, schichtbasiert im Rahmen inner- und zwischengesellschaftlicher weltweiter Sorgegefälle – erbracht werden, sind sie in gewisser Weise gleichgültig. Werden sie privatwirtschaftlich erbracht, so ist ihre Lebensdienlichkeit nicht mehr primär das Ziel. Unter beiden Aspekten haben wir es mit einer „Sorglosigkeit“ des Kapitalismus zu tun (Aulenbacher und Dammayr 2014, S. 69), die auf Abstraktionen von Lebensnotwendigkeiten beruht. Sie drücken sich ganz unterschiedlich aus: im Konstrukt der Arbeitskraft und des Arbeitsvertrags, in dem die menschliche Existenz nur noch in ihrer Marktförmigkeit aufscheint; im andro- und eurozentrischen Lebensentwurf, der in puncto „Sorglosigkeit“ (Aulenbacher und Dammayr 2014, S. 69) – und Verlagerung der Sorgearbeit auf andere – kapitalismusaffin ist; im homo oeconomicus als Kernfigur der standardökonomischen Legitimierung des Finanzmarktkapitalismus u. a. m. (vgl. Aulenbacher und Dammayr 2014; Becker-Schmidt 2014). Sollte ich Regina Becker-Schmidts (2011, 2014) aus meiner Sicht zentrale Diagnose zum Finanzmarktkapitalismus in einen Satz zusammenfassen, so lautete er: Die kapitalismuseigene Abstraktion von den Belangen und damit die Verdrängung der Kontingenz des Lebens, in der sich zugleich genuin andro- und eurozentrische Vorstellungen manifestieren, hat sich verschärft mit Folgen für die weitere ‚Verwahrlosung‘ des Sorgens und der Sorgearbeit.

Gleichwohl müssen die Menschen weiter sorgen, weil sie leben und obwohl sie unter gegebenen Verhältnissen schlecht leben. Die erfahrbar zugespitzten Sorgekrisen scheinen mir daher der zentrale Anstoß dafür zu sein, dass Care und Care Work zu Themen geworden sind, an denen sich nicht nur massiver, sondern auch an die Grundstrukturen der Gesellschaft gehender Protest regt. So beschreibt, um nur ein Beispiel herauszugreifen, Gabriele Winker (2013, S. 130) das von ihr in die wissenschaftliche und weitere öffentliche Diskussion gebrachte politische Konzept einer „Care-Revolution“ folgendermaßen: „Mit der Care-Revolution wird für einen grundlegenden Perspektivenwechsel plädiert. Dabei geht es um nicht weniger als die Forderung, dass nicht Profitmaximierung, sondern die Verwirklichung menschlicher Lebensinteressen im Zentrum politischen Handelns stehen sollte. Ausgehend von der Care-Arbeit gehe es um die Verwirklichung all jener Aufgaben, die zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und für die individuelle und generative Reproduktion notwendig sind, die auf den Gebrauchswert abheben und nicht der kapitalistischen Verwertungslogik folgen.“ In dieser oder ähnlichen Formulierungen aus dem gegenwärtigen Protest wird deutlich, dass dem Thema Sorge und Sorgearbeit in zweifacher Hinsicht eine ‚auf’s Ganze‘ gehende Perspektive innewohnt: Es geht darum, die „‚verkehrten Verhältnisse‘“ (Becker-Schmidt 2011, S. 19), in denen finanzökonomische Imperative das Leben und Zusammenleben gefährden, indem sie die im Kapitalismus mit seinen affinen andro- und eurozentrischen Logiken wie überhaupt unter Herrschaftsbedingungen immer prekäre Sorge weiter gefährden (vgl. Klinger 2014), grundlegend zu wenden. Das schließt ein, über eine „sorgsame“ Gesellschaft neu nachzudenken (Aulenbacher et al. 2015), was grundlegende Herrschaftskritik, wie Regina Becker-Schmidt sie übt, ebenso erfordert wie ein Nachdenken über soziale Gerechtigkeit, wie es Nancy Fraser angeht.

4 Schlussbemerkung: Zur Aktualität kritischer Theorie in feministischer Lesart

Was die hier in den Fokus gerückten Ansätze angeht, so lassen sie sich nicht zu einem ‚harmonischen Ganzen‘ fügen;7 das geht weder hinsichtlich der Art und Weise, wie sie Gesellschaft in den Blick nehmen, noch ist es Sinn der Sache. Schließlich stehen sie für verschiedene, auch unvereinbare Wege, Kritischer Theorie Gegenwartsgehalt zu verschaffen und/oder sie auf die Analyse der aktuellen gesellschaftlichen Problemlagen hin weiter zu entwickeln.

Die Aktualität und Brisanz kritischer Theorie in feministischer Lesart zeigt sich dabei aus meiner Sicht an drei hervorzuhebenden Punkten: Es geht, erstens, was ich für gesellschaftstheoretisch und -politisch unverändert dringend geboten halte, um die ‚großen Fragen‘ der Funktions- und Reproduktionsweise einer Gesellschaftsformation, in der mindestens drei Herrschaftslogiken – Andro- und Eurozentrismus und Kapitalismus – so zusammen wirken, dass sie immer wieder an die Grenzen ihrer Selbstgefährdung getrieben wird. Eine Perspektive, die dort ankommen soll und will, kommt nicht ohne Begriffe und Denkformen aus, die in der Lage sind, das Gesamt zu erfassen und zu erschließen, und kann doch nicht auf den Blick auf das Alltägliche verzichten, wenn sie nicht an den Lebensrealitäten der Menschen vorbeigehen will. Zweitens haben kritische Theorie in feministischer Lesart und auch weitere feministische Gesellschaftsanalysen, indem sie den Blick darauf richten, in welcher Weise dem Gegenwartskapitalismus weitere Herrschaftsverhältnisse unterlegt sind und in welcher Weise seine ‚Produktionen‘ darauf aufbauen, dass darüber vermittelt von Sorgebelangen im weitesten Sinne abgesehen werden kann und wird, früh ein Sensorium für Themen entwickelt, zu denen sich jetzt zusehends Widerstand regt. Und sie verfügen auch bereits über elaborierte Erkenntnisstände dazu. Sie nicht nur weiter zu entwickeln, sondern auch breiter in die gesellschaftswissenschaftliche und -politische Diskussion zu bringen, halte ich für dringend geboten. Drittens nehmen sie mit Fragen der Gerechtigkeit, dem Blick auf Sorge im umfassenden Sinne, der Analyse komplexer Herrschaftsverhältnisse Themen auf, die seit einiger Zeit auch immer mal wieder in Kapitalismustheorien Marx’scher und Weber’scher Tradition aufgegriffen werden und bisweilen auch deren Zentralfragestellungen erreichen; umgekehrt zieht die Befassung mit dem Phänomen Finanzmarktkapitalismus in neuem Umfang in die feministische Gesellschaftsanalyse ein und steht damit auch eine erneute und neue Befassung mit Kategorien wie Ausbeutung, Entfremdung u. a. m. an. Eine neue Runde des Theorienstreits in Sachen Kapitalismustheorie und -analyse scheint mir vor diesem Hintergrund geboten und angesichts der drängenden gesellschaftlichen Problemlagen keine bloß akademische Übung zu sein.

In allen drei Punkten kann Forschung zum Gegenwartskapitalismus von kritischer Theorie in feministischer Lesart profitieren. Und umgekehrt gibt sie genug Stoff her, um die Zugänge zur Gesellschaftsanalyse auf ihren Ertrag und auf Veränderungsnotwendigkeiten hin zu überprüfen, die kritische Theorie einschließlich derjenigen in feministischer Lesart charakterisieren, denn, so will ich mit Regina Becker-Schmidt (2001, S. 94) schließen: „Kritische Theorie, welcher Provenienz auch immer, behält ihre gesellschaftsdiagnostische Schärfe nur, wenn sie von Zeit zu Zeit entrümpelt und in undogmatischer Weise weiter entwickelt wird.“

Fußnoten

  1. 1.

    Was als allgemeine Erkenntnis formuliert worden war, galt bei näherem Hinsehen oftmals nur für Männer, während die Lebensverhältnisse von Frauen keine vergleichbare Aufmerksamkeit erfuhren oder als das Besondere, vom vermeintlich Allgemeinen Abweichende, etikettiert wurden (vgl. Beer 1987; Woesler de Panafieu 1987), unter gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen zugleich zu lesen als das „‚Besondere-Mindere-Andere‘“ (Knapp 1987, S. 265).

  2. 2.

    Wo Kritische Theorie selbst Geschlecht zum Thema gemacht hat, hat sich dies aus feministischer Sicht als problematisch herausgestellt. So haben, um nur ein Beispiel zu nennen, die „Studien über Autorität und Familie“ (Horkheimer et al. 1987) Kritik auf sich gezogen, weil sie Frauen in der Privatheit verorten und Mütterlichkeit verklären (vgl. Rumpf 1989, 1999; zu weiteren Passagen der Kritischen Theorie außerdem Becker-Schmidt 1991b, c). Die bedeutendste Leerstelle der älteren und neueren Kritischen Theorie besteht darin, dass sie unbenommen ihres herrschaftskritischen Impetus das Geschlechterverhältnis und den Androzentrismus nicht als gesellschaftlich durchgängige Herrschaftsverhältnisse und -logiken zu erkennen vermag (vgl. Becker-Schmidt 1991a; Beer 1987; Dackweiler 1995; Fraser 1992; Knapp 2004).

  3. 3.

    Allerdings wäre das Verhältnis der Forschungsstränge unzureichend beschrieben, wenn verschwiegen würde, dass die Erkenntnisstände der Geschlechterforschung umgekehrt nicht die gleiche Resonanz gefunden haben. Es zeigen sich vielmehr in allen Generationen Kritischer Theorie Rezeptionssperren, die dann besonders deutlich werden, wenn es um Geschlecht geht, ohne Perspektiven der zum jeweiligen Zeitpunkt einschlägigen Forschung zur Kenntnis zu nehmen (so etwa auch in den profeministischen bzw. die Kontroverse suchenden Positionen von Marcuse 1975; Habermas 1981; in Fraser und Honneth 2003).

  4. 4.

    Diese Diskussion beschäftigt nicht nur und vorrangig die feministische Forschung, sondern durchzieht die Entwicklung der Kritischen Theorie (vgl. Beer 1987, S. 151 ff.; zum Wandel des Totalitätsbegriffs Jay 1984; zur Diskussion um die Kategorie der „Paradoxie“ versus derjenigen des „Widerspruchs“ Knapp 2009; zum Totalitätsbegriff im Kontext der Krisendiagnostik Demirović und Maihofer 2013).

  5. 5.

    Wenn von Funktions- und Arbeitsteilungen und -bewertungen die Rede ist, so ist dies nicht konkretistisch zu lesen, sondern hinter meiner Begriffswahl steht, dass der Ansatz von Regina Becker-Schmidt (1987) die materielle Reproduktion und die symbolische Ordnung der Gesellschaft im Blick hat; beides kommt darin zur Geltung, welche Bedeutung Sektoren und Arbeitsformen in materieller wie ideeller Hinsicht für die gesellschaftliche Reproduktion haben.

  6. 6.

    Angesichts der ökonomischen Ungleichheits- und bürgerlichen Gleichheitsordnung, die die moderne Gesellschaft charakterisiert, müssen weder Arbeitsteilungen noch Positionierungen in der Sozialordnung durchgängig hierarchisch sein; anders gesagt, auch auf Gleichheit basierende Relationen, etwa im Rahmen neuerer Entwicklungen im Geschlechterverhältnis (vgl. Demirović und Maihofer 2013), sind denkbar und vorhanden (vgl. Klinger 2003).

  7. 7.

    Regina Becker-Schmidt (2001, S. 101) übt grundsätzlich Kritik an Nancy Frasers Ansatz, dem aus ihrer Sicht die „soziologische Untermauerung“ fehlt.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieJohannes Kepler Universität LinzLinzÖsterreich

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