Advertisement

Der Wert in der Warengesellschaft: Gedankending oder Realabstraktion

  • Reinhart KößlerEmail author
  • Hanns Wienold
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Im Zentrum des Artikels steht eine kritische Rekonstruktion des Marxschen Konzeptes des Werts. Sie wird eingangs kontrastiert mit dem Konzept des Werts bei Georg Simmel sowie im Weiteren insbesondere gegen vorkapitalistische Verhältnisse und die in diesem Zusammenhang erhobenen Ansprüche auf eine überhistorische Geltung des Wertbegriffs abgegrenzt. Die eigentliche Explikation der Marxschen Theorie in diesem zentralen Punkt nimmt sowohl die Frage der Arbeit und der hier ansetzenden „Arbeitswerttheorie“ auf als auch die eigentliche Bedeutung der Marxschen Werttheorie als Geldtheorie. Diese Probleme werden durch die Sekundärliteratur verfolgt, wobei insbesondere die „neue Kapital-Lektüre“ ausführlich untersucht wird.

Die Bedeutung der Werttheorie für die ältere Kritische Theorie ist nicht abzulösen von der Wiederaufnahme der Debatte durch Georg Lukács im Anschluss an und in Abgrenzung vom Marxismus der Zweiten Internationale. Hier wie auch in den Arbeiten von Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Friedrich Pollock u. a. tritt die Analyse der Wertform hinter die Rede von der Warenabstraktion zurück. Neben einem Blick auf die Rolle der Wertkategorie in der sowjetischen Planungstheorie zeichnet der Artikel abschließend den Abschied von der Wertproblematik, aber auch von der Kategorie der Arbeit vor allem bei Jürgen Habermas und Claus Offe nach.

Schlüsselwörter

Arbeit Geld Kapital Kritische Theorie Realabstraktion Ware Wert 

Eine Kernfrage der kritischen Theorie ist es, die verselbstständigte, dynamische Struktur der bürgerlichen Gesellschaft und ihre objektive Einheit – mit dem Geld als zentraler gesellschaftlicher Vermittlung – im sozialen Handeln der Individuen und ihrem Selbstbewusstsein als eine immer schon produzierte Objektivität zu dechiffrieren. Der Wert enthält in sich die Totalität der gesellschaftlichen Verkehrungen, welche die Sachen, die Gegenstände des Handelns, als Subjekte des Handelns erscheinen lassen. Die objektiv gegebene Gesellschaft hat zugleich einen – wenn auch notwendig falschen – Begriff von sich selbst, der auf die Verkehrung der Objekte in Subjekte, und umgekehrt, zurückgeht. Im Zentrum stehen hier die dem Wert entspringenden Fetischisierungen. Im Kapital geht es Marx um die Darstellung einer realen, d. h. objektiven Verkehrung (Kirchhoff et al. 2004, S. 12). Die Darstellung der Struktur der warenproduzierenden Gesellschaft, wie sie Marx im ersten Band von „Das Kapital“ entwirft, sollte diese Verkehrung als Resultat der verselbstständigten Wertformen (Ware – Geld – Kapital) ausweisen. Der Wert als sich selbst verwertender Wert erhält letztlich den Status eines die Gesellschaft auf widersprüchliche Weise einigenden und zugleich dominierenden Subjekts, einerseits als ein theoretisches „Gedankending“ und andererseits im Geld zugleich als real Allgemeines. Die „Real-Abstraktion“ des objektiven Wertes wird dabei nach Marx gedoppelt durch die „Real-Abstraktion“ der gesellschaftlichen Arbeit, in der konkrete vergesellschaftete Arbeit die Form „abstrakter Arbeit“ annimmt.

1 Georg Simmel: die Realität des „über-individuellen“ Werts

Georg Simmel ist einer der wenigen Philosophen und Gesellschaftstheoretiker, die sich nicht in der Tradition von Marx sehen, auch wenn vieles in der „Philosophie des Geldes“1 nach einer Paraphrase Marxscher Formulierungen klingt, die aber über den langen Schatten von Descartes und Kant zu springen versuchen, und im (ökonomischen) Wert eine eigene, emergente gesellschaftliche Qualität erkennen. Dieser Rang wird ihm auch von Hans Georg Backhaus und Helmut Reichelt eingeräumt. Ohne tiefer in die philosophische Diskussion über die Differenz von Erkenntnisobjekt und Realobjekt und den Universalienstreit einzutreten, soll ein kurzer Blick auf die Werttheorie von Simmel helfen, das theoretische Terrain zu bestimmen, auf dem die Frage nach dem (ökonomischen) Wert anzusiedeln wäre.

Ein Wert beruht für Simmel letztlich auf einem Begehren, dessen Inhalt dem Begehrenden gegenüber tritt und so zum Objekt wird. „Das so zustande gekommene Objekt, charakterisiert durch den Abstand vom Subjekt, den dessen Begehrung ebenso feststellt wie zu überwinden sucht – heißt uns der Wert“ (GSG 6, S. 34). Der Wert erscheint jedoch gegenüber dem Subjekt und dem Objekt als ein Drittes. „Diese Form ist als Form oder Anspruch zu bezeichnen. Der Wert, der an irgend einem Dinge, einer Person, einem Verhältnis, einem Geschehnis haftet, verlangt es, anerkannt zu werden“ (kursiv i. O.) (GSG 6, S. 37). Diese Ansprüche sind „in dem Ich so wenig unterzubringen wie in den Gegenständen, die sie betreffen“ (ebd.). „[…] in Wirklichkeit ist es eine dritte, aus jenem nicht zusammensetzbare Kategorie, gleichsam zwischen uns und den Dingen“ (GSG 6, S. 37).

Simmel arbeitet hier auf dem allgemeinen Niveau des Verhältnisses von begehrendem Subjekt und seinem Objekt der besonderen Stellung des ökonomischen Wertes gewissermaßen vor, um jenen dann als ein objektiv Existierendes „zwischen uns und den Dingen“ auf seinen Begriff zu bringen. Allgemein gilt: „Es muss ein Wert eingesetzt werden, um einen Wert zu gewinnen.“ Es verschlingen sich im ökonomischen Austauschprozess zwei Wertbildungen ineinander, so, „als ob die Dinge sich in ihrem Wert gegenseitig bestimmen“ (GSG 6, S. 52). Das gilt nach Simmel auch noch für das wirtschaftende Subjekt in der Robinsonade, das seine Optionen sichtet. Anders ist es dagegen in der Warenproduktion, d. h. in der Produktion für den Tausch: „Und indem diese Herstellung für einen anderen geschieht, der die entsprechende für jenen vornimmt, treten die Gegenstände in gegenseitige objektive Relation“ (GSG 6, S. 53). Simmel versucht die im Tausch emergente objektive Eigenschaft von Dingen, sprich von Dingen als Waren, zu formulieren. Es komme ihnen ein Wert zu, ohne dass dieser eine sachliche, d. h. materielle Eigenschaft der Dinge bildet. Im wirtschaftlichen Verkehr löst sich das Reich der Werte mehr oder weniger vollständig von seinem subjektiv-personellen Unterbau ab. „Die Wirtschaft strebt einer – nirgends völlig unwirklichen und nirgends völlig verwirklichten – Ausbildungsstufe zu, in der sich die Dinge ihre Wertmaße wie durch einen selbsttätigen Mechanismus gegenseitig bestimmen“ (GSG 6, S. 55). Hinter diesem Vorgang sieht Simmel zwar die Begehrung des Subjekts als treibende Kraft, „aber aus ihr an und für sich könnte diese Wertform nicht hervorgehen, die vielmehr nur dem Sichaufwiegen der Objekte untereinander zukommt“ (GSG 6, S. 56, 57). Wie wir später auch bei Marx sehen, scheint die den Wert hervorbringende Aktivität auf die Dinge, sprich Waren, selbst übergegangen zu sein. „(Die) Wirtschaft selbst (besteht) in einer realen Abstraktion aus der umfassenden Wirklichkeit der Wertungsvorgänge“ (GSG 6, S. 57). Entscheidend ist auch für Simmel der Vorgang des Tausches. „Durch die Äquivalenz, die überhaupt erst gelegentlich des Tausches … ein Interesse erwirbt, wächst dem Wert der spezifische Charakter der Objektivität zu“ (GSG 6, S. 59). Gleichzeitig versucht Simmel der Objektivität des Wertes, der, wie er deutlich sieht, aus der Gleichsetzung der Dinge im Tausch entspringt (GSG 6, S. 57), einen subjektiven Sinn zu erhalten. „Der Tausch setzt eine objektive Messung subjektiver Wertschätzungen voraus, aber nicht im Sinne zeitlichen Vorangehens, sondern so, daß beides in einem Akte besteht“ (GSG 6, S. 59). Simmel versucht zwar auch in der naturalen oder solipsistischen Wirtschaft eines Robinson eine Tauschwirtschaft zu erkennen und unterstellt umgekehrt dem Tausch produktive Eigenschaften (GSG 6, S. 62, 63). Die „Über-Subjektivität“ (GSG 6, S. 87) des „interindividuellen Gebildes“ (GSG 6, S. 89), die „übersubjektive Wertfixierung im Tausche“ (GSG 6, S. 87) macht den Tausch jedoch zu einem „soziologischen Gebilde sui generis“ (GSG 6, S. 89), das nur als „Wechselwirkung zwischen den Einzelnen und den Vielen“ gedacht werden kann. Ähnlich wie schon für Marx gewinnt auch für Simmel im Geld „als abstraktem Vermögenswert“ der in einem gegenseitigen Verhältnis bestehende wirtschaftliche Wert der Objekte einen selbstständigen Ausdruck. „Wenn nun der wirtschaftliche Wert der Objekte in dem gegenseitigen Verhältnis besteht, das sie, als tauschbare, eingehen, so ist das Geld also der zur Selbstständigkeit gelangte Ausdruck dieses Verhältnisses“ (GSG 6, S. 122). Wegen seiner Reichweite sei der folgende Passus in ganzer Länge zitiert: „(E)s ist die Darstellung des abstrakten Vermögenswertes, indem aus dem wirtschaftlichen Verhältnis, d. h. der Tauschbarkeit der Gegenstände, die Tatsache dieses Verhältnisses herausdifferenziert wird und jenen Gegenständen gegenüber eine begriffliche – und ihrerseits an ein sichtbares Symbol geknüpfte – Existenz gewinnt. Es ist die Sonderverwirklichung dessen, was den Gegenständen als wirtschaftlichen gemeinsam ist – im Sinne der Scholastik könnte man es sowohl als universale ante rem, wie in re wie post rem bezeichnen … Der Geldpreis einer Ware bedeutet das Maß der Tauschbarkeit, das zwischen ihr und der Gesamtheit der übrigen Waren besteht“ (GSG 6, S. 123). Simmel dringt hier in der Analyse der Tauschvorgänge und ihrer emergenten „Wechselwirkungen“ so weit vor, in der allgemeinen Austauschbarkeit der Waren den Existenzgrund oder Ursprung des Wertes, genauer der Wertform, auszumachen. Er erkennt den Wert als Effekt der allgemeinen Austauschbarkeit der Warendinge, ohne allerdings anzugeben, worauf die allgemeine Austauschbarkeit oder Äquivalent der Waren beruht. Er wird ein weiteres Kapitel seiner „Philosophie des Geldes“ benötigen, um mit der Verwerfung der Notwendigkeit eines Substanzwertes des Geldes gegenüber seinem Funktionswert zugleich die Frage nach der Substanz der Warenwerte zu eskamotieren. Sein auf der Quantitätsgleichung beruhender Versuch einer Herauslösung des Geldwertes aus den Tauschgleichungen der Warenwerte, die dem Geld einen reinen, funktionalen, „begrifflichen“ Charakter gibt, führt jedoch ohne die Bestimmung eines „allgemeinen Äquivalents“ in eine Aporie. Letztlich besteht zwischen seiner Werttheorie und seinem Begriff vom Geld kein stringenter Zusammenhang, die damit das Schicksal aller subjektiven Wert- und Geldtheorien teilt. Immerhin erkennt seine Werttheorie, in der er unausgesprochen an Marx Maß nimmt, dass der Übergang vom Begehren der Individuen und der intraindividuellen Vergleichung der begehrenswerten Objekte zum interindividuellen, allseitigen Tausch in einer Art Quantensprung den „wirtschaftlichen Wert“ als ein „überindividuelles“ Phänomen hervorbringt, als eine „reale Abstraktion“ in der Gleichgeltung der getauschten Dinge, sprich der Warendinge. Ebenso wie Marx leitet Simmel den Wert als Eigenschaft von Dingen her, die den gesellschaftlichen Verkehr als Äquivalente vermitteln.2

Angesichts der Vorgänge des Begehrens und Genießens, die sich im Wert des Gegenstandes objektivieren, ihn zum Objekt machen, scheint für Simmel „die begrifflich-radikale Frage nach Subjektivität oder Objektivität des Wertes überhaupt falsch gestellt“ (GSG 6, S. 50). Die objektive Distanz, in der das begehrte Objekt zum Wert wird, kann Simmel jedoch nur als ein „innerliches“ Verhältnis, als eine Form der Einstellung zum Ding denken. „Steht aber erst mal ein fertiges Objekt in unserem Bewußtsein, so scheint freilich der ihm zuwachsende Wert ausschließlich auf der Seite des Subjektes zu liegen“ (GSG 6, S. 51). Jedoch: der begehrte Gegenstand steht uns ganz anders gegenüber, bedeutet uns etwas ganz anderes als der vorgestellte“ (GSG 6, S. 51). Woher dieses? Die Rede vom „fertigen Objekt“ ist eine Spur. Sie führt darauf, dass die Objekte des Begehrens fertiggestellte und fertigzustellende sind, also nicht nur schlicht (stoffliche) Dinge, sondern intentional geformte und bearbeitete, und dass begehrte Dinge, die sich quasi in der Natur auffinden lassen, auch in den sozialen Beziehungen, eher die Ausnahme bilden (Luft, Wasser, Sonne vielleicht ausgenommen; sie müssen jedoch „bewirtschaftet“ werden, falls sie durch menschliche Intervention verknappt sind). Was Simmel ausblendet, ist das tätige Verhältnis der Menschen, allein oder in Kooperation, zu den Dingen, das diese immer schon als geformte vor uns hinstellt. Die in der gesellschaftlichen Praxis fungierenden Gegenstände als intendierte Resultate der menschlichen Tätigkeit, sprich Arbeit, haben zugleich materiellen oder sachlichen und begrifflichen Charakter, sie besitzen in Bezug auf die gesellschaftliche Praxis „Wert“. Als solche Werte bilden sie unter bestimmten Bedingungen Teil des „gesellschaftlichen Reichtums“, sofern die menschliche Praxis eine gesellschaftliche Form angenommen hat. Es wäre aber untunlich, den Begriff der Gesellschaft mit dem Begriff des „gesellschaftlichen Reichtums“ oder der „gesellschaftlichen Arbeit“ konstitutiv zu verbinden oder gar in allen Gesellschaften eine „Synthesis“ durch Arbeit und Wert(e) zu suchen. Im Singular muss „der Wert“ für eine Gesellschaftsform reserviert werden, die durch allseitige Austauschbarkeit der gesellschaftlich arbeitsteilig und zugleich privat für den Austausch produzierten Waren gekennzeichnet sind, wo der „Reichtum der Gesellschaften“ als „ungeheure Warensammlung“ (Marx) erscheint. Unter diesen Umständen nehmen die Arbeitsprodukte den doppelten Charakter von Gebrauchswerten und Tauschwerten an. Nicht die stoffliche Sache oder der physische Gegenstand ist jedoch Wert oder Träger von Wert, sondern immer nur der (durch Arbeit) geformte Gegenstand im Austausch mit anderen. In diesem Sinn kann Marx, wie noch zu zeigen sein wird, sagen: „Im graden Gegenteil zur sinnlich groben Gegenständlichkeit der Warenkörper geht kein Atom Naturstoff in ihre Wertgegenständlichkeit ein“ (MEW 23, S. 62).

2 Gesellschaftlicher Reichtum und die Gattungskräfte der menschlichen Arbeit

„Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform“. So beginnt Marx Band I von „Das Kapital“. Der Ausgangspunkt und zugleich Gegenstand der Untersuchung im „Kapital“ ist daher ein gesellschaftlicher, der Reichtum der kapitalistischen Gesellschaften, der als Ganzer die Form des Wertes oder Kapitals annimmt, da alle produzierten Waren in erster Hand dem produzierenden Kapital zufallen. Der Reichtum erscheint als eine homogene, in sich bewegte Masse von Wert, dessen Ausgangs und Endpunkt das Kapital bildet. Was ist aber Reichtum von Gesellschaften, der nach Agnes Heller „ontologisch primär“ (Heller 1972, S. 9) ist? Im allgemeinen Sinn ist für Heller „Reichtum“ die „allseitige Entfaltung der gattungsmäßigen Wesenskräfte“ (ebd.). „Wert ist alles, was zur Bereicherung der gattungsmäßigen Wesenskräfte gehört, was diesen Vorschub leistet“. Wert besteht darin, „daß die Individuen sich den gattungsmäßigen Reichtum aneignen können“ (ebd.). Die „Entwicklung der menschlichen Produktionskräfte“ ist gleichbedeutend mit der „Entwicklung des Reichtums der menschlichen Natur als Selbstzweck“ (MEW 26.I, S. 111). Hierzu gehören „Entdeckung, Schöpfung und Befriedigung neuer, aus der Gesellschaft hervorgehender Bedürfnisse, die Kultur aller Eigenschaften des gesellschaftlichen Menschen und Produktion desselben als möglichst Bedürfnisreichen, weil Eigenschafts- und Beziehungsreichen.“ Es ist jedoch nicht nur das Resultat der Selbstentäußerung der menschlichen Gattungskräfte in ihren Vergegenständlichungen, das den Reichtum bildet, sondern ebenso, gleichzeitig, die Entfaltung der menschlichen Potenzen, die von Marx als solche der Gattung gedacht werden. „Denn der wirkliche Reichtum ist die entwickelte Produktivkraft aller Individuen“ (MEW 42, S. 604). Hierzu gehört in erster Linie auch eine allseits entfaltete Persönlichkeit, die nicht nur in ihrer konkreten Vielfalt, sondern selbst als gesellschaftlicher Wert zu gelten hat.

Wie Ernst Michael Lange detailliert nachzeichnet, hat Marx in den „ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ aus den Jahren 1843/44, gestützt auf den Arbeitsbegriff bei Hegel, die Veräußerung der menschlichen Gattungskräfte und ihre Vergegenständlichung als „Arbeit“ bezeichnet. In den von ihnen geschaffenen Gegenständen stehen die Menschen sich selbst gegenüber und gelangen wie der Knecht, der sich dem Herren unterworfen hat, zur „Anschauung des selbstständigen Seins als seiner selbst“ (Hegel 1807, S. 148 f.). Auch John Locke konzipiert „Arbeit“ als Entäußerung, durch die der Mensch an den aus dem Naturzustand entnommenen Dingen, mit denen er sich quasi handgreiflich „vermischt“, physisch und rechtlich Eigentum erwirbt (Lange 1980, S. 26). Es ist jedoch nicht das physische Handanlegen oder der Zugriff auf die Physis, die Stofflichkeiten, die Marx in seinem Veräußerungskonzept anspricht, sondern die formende Kraft, die den Dingen Gestalt gibt. „Das praktische Erzeugen einer gegenständlichen Welt, die Bearbeitung der unorganischen Natur ist die Bewährung des Menschen als eines bewußten Gattungswesens, d. h. eines Wesens, das sich zu der Gattung als seinem eignen Wesen oder zu sich als Gattungswesen verhält“ (MEW 42, S. 516). Arbeit erschafft hiernach den Reichtum der Gattung als Gestaltung der Stoffe nach den menschlichen Zwecken in Form der Mannigfaltigkeit von Gebrauchswerten, auch wenn diese Kategorie in den Manuskripten noch nicht zum Tragen kommt. Durch die „Produktion“ „erscheint die Natur als sein Werk und seine Wirklichkeit“ (MEW 42, S. 517). Der gesellschaftliche Reichtum, der als „ungeheure Warensammlung“ vorliegt, hat also eine doppelte Form: als Sammlung produzierter Gebrauchswerte, in denen durch Arbeit bestimmte Zwecke zum Tragen kommen, und als Wertmasse, elementar also als Gebrauchswert und als Tauschwert der individuellen Ware. Beide Werte sind gleichermaßen im Warenkörper vergegenständlicht. In diesem Sinne ließe sich auch sagen, dass es sich nur um einen Wert (in zwei Formen oder Aspekten) handelt, denn, wie zu zeigen ist, besitzt ein Ding ohne Gebrauchswert keinen Tauschwert und kann nur als Tauschwert auch seinen intendierten Gebrauchswert, der nur ausnahmsweise auch einer für seinen Produzenten ist, erfüllen.

Obwohl sich die Gattung Mensch beim frühen Marx im Entäußerungsprozess der Arbeit selbst produziert, zum Schöpfer ihrer selbst wird und Marx, wie Lange zeigt, den Charakter der Arbeit als Entäußerung und Vergegenständlichung bis zu den Kapitalschriften festhält, sind die Gesellschaften „vor“ den Gesellschaften, „in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht“, die sich auf ihren eigenen Grundlagen reproduzieren kann, nicht als „Arbeitsgesellschaften“ zu verstehen. Mit dem Übergang von den Jäger- und Sammlergesellschaften zu den Ackerbaugesellschaften in der sog. Neolithischen Revolution vor etwa 12.000 Jahren (Diamond 2006) wurden die Arbeiten zum Unterhalt der Gruppen und sozialen Verbände möglicherweise mühseliger („Tränen und Schweiß“) und nahmen, nach den Vorstellungen von Marshall Sahlins (1972), durch die Intensivierung der Produktion auch in der häuslichen Produktionsweise immer größere Teile der verfügbaren Zeit der Gruppen in Anspruch, doch waren gesellschaftlich, kooperativ organisierte Arbeiten eher selten und bedurften besonderer Anlässe und Zwecksetzungen. Ein bedeutsames Beispiel sind die Bauten des „Tempels“ am Göbekli Tepe (GT) in der heutigen Türkei, der zwischen dem zehnten und achten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung entstand, also bereits vor oder zu Beginn der sog. neolithischen Revolution im „Goldenen Halbmond“ (Schmidt 2008). Ihre Träger waren vermutlich Jäger- und Sammlerinnen-Gesellschaften, die bei der Jagd der Tiere im Tal von Euphrat und Tigris in großem Stil kooperierten. Das Eigentümliche der Anlage am GT scheint zu sein, dass sie nicht auf einem bereits reproduzierbaren agrarischen Mehrprodukt beruht, sondern erst zur Schaffung eines agrarischen Überschusses zur Unterhaltung der Arbeitskräfte beim Bau des „Tempels“ angeregt zu haben scheint (Schmidt 2008, S. 255 f.). Solche frühen Kollektivleistungen geben Hinweise darauf, dass die materiellen Kräfte der frühen Gesellschaften noch punktuell waren und von ihren religiösen Kräften kaum zu unterscheiden sind.3 Die Mobilisierung und die Kooperation großer Massen von Arbeitskräften und ihre zwangsweise Zusammenfassung zu Großprojekten (den aus Menschenkörpern bestehenden Mega-Maschinen von Lewis Mumford, 1981), die den Agrarwirtschaften ein konkretes Surplus-Produkt abforderten, führten nicht zu einem tiefgestaffelten Netzwerk gesellschaftsweiter Arbeitsteilung, die alle Zweige der gesellschaftlichen Arbeit (seien sie „produktiv“ oder „unproduktiv“) ins Verhältnis setzen konnte.4

Dagegen sieht Dieter Wolf (aber auch Helmut Brentel) auch für vorkapitalistische Gesellschaften einen Begriff „gesellschaftlicher Arbeit“ oder „allgemein menschlicher Arbeit“ als legitim an, die „als gleichgesetzte Arbeit“ sich nach Quantität und Qualität zu einer „gesellschaftlichen Gesamtarbeit“ zusammenfassen lassen (Wolf 1985, S. 64; auch Elbe 2010, S. 257).5 Weder die von Marx als Produktionsweise bezeichnete Sklavenhaltung in Griechenland oder im römischen Kaiserreich, die nach Max Weber an unzureichender Zufuhr bzw. Aufzucht von Sklaven scheiterte,6 noch die „feudale Produktionsweise“, in der die Arbeit zwischen den Domänen der Grundherren und den Feldern der Leibeigenen oder auch freien bäuerlichen Haushalte, sowie zwischen Land und Stadt geteilt ist, erlaubt einen Begriff gesellschaftlicher Gesamtarbeit bzw. eines durch sie produzierten und reproduzierten (materiellen) gesellschaftlichen Reichtums. Erst die zusammenfassende Bildung großer Kapitalien über den Geldbedarf der spätfeudalen Fürsten für Kriegsführung, Hofhaltung und merkantile Vermehrung der nationalen, sprich königlichen Reichtums, Verwandlung der feudalen Renten in Geldrenten, Verallgemeinerung der Steuern, die auf „freigesetzte“ ländliche Bevölkerung und eine entstehende mittellose städtische Unterklasse traf, setzte einen Prozess in Gang, in dem die Reproduktion des Kapitals als Wert mit der Reproduktion und Zufuhr (bzw. auch Abfuhr) von Arbeitskräften zusammengeschlossen wurde, die sich vorwiegend über ihren Lohn auf den sich vertiefenden und ausweitenden Warenmärkten alimentieren mussten. Mit der entstehenden Manufaktur- und Industrieproduktion schuf das Kapital für sich einen Typus von zwischen den Privatproduzenten geteilter Arbeit, der den durch den Wert umrissenen homogenen gesellschaftlichen Raum zu füllen begann. „Der besondren Substanz, worin ein bestimmtes Kapital besteht, muß natürlich die Arbeit als besondre entsprechen, aber da das Kapital als solches gleichgültig gegen jede Besonderheit seiner Substanz und sowohl als die Totalität derselben, wie als Abstraktion von allen ihren Besonderheiten ist, so die ihm gegenüberstehende Arbeit hat subjektiv dieselbe Totalität und Abstraktion an sich. […] Dieses ökonomische Verhältnis – der Charakter, den Kapitalist und Arbeiter als die Extreme eines Produktionsverhältnisses tragen – wird daher desto reiner und adäquater entwickelt, je mehr die Arbeit allen Kunstcharakter verliert, ihre besondre Fertigkeit immer mehr etwas Abstraktes, Gleichgültiges wird, und sie mehr und mehr rein abstrakte Tätigkeit […] wird. […] Hier zeigt es sich denn wieder, wie die besondre Bestimmtheit des Produktionsverhältnisses, der Kategorie – Kapital und Arbeit hier –, erst wahr wird mit der Entwicklung einer besondren materiellen Weise der Produktion und einer besondren Stufe der Entwicklung der industriellen Produktivkräfte (MEW 42, S. 218 f.). In dem Maße, in dem der Arbeiter als Teil der Gattung seine schöpferische Kraft, seine Produktiv- oder Arbeitskraft an das Kapital verkauft, muss er verarmen, „indem die schöpferische Kraft seiner Arbeit als die Kraft des Kapitals, als fremde Macht sich ihm gegenüber etabliert“ (MEW 42, S. 228).

Für die Entwicklung angemessener Begriffe ist demnach die tatsächlich irreversible historische Entwicklung entscheidend, die „Logik des Systems“ geht nicht seiner realen Etablierung voraus. Bevor die begriffliche Struktur, die einer Gesellschaft, hier der kapitalistischen Gesellschaft, immanent ist, entfaltet werden kann, muss sich diese auf ihren eigenen Grundlagen reproduzieren können. Ware, Geld, entlohnte Arbeit waren in vorkapitalistischer Gesellschaft lange vorhanden, wenn auch von verschiedener Bedeutung und unterschiedlicher Bedeutsamkeit, bevor sie vom Kapital in einer allseitigen arbeitsteiligen Warenproduktion zusammengeführt und zusammengeschlossen wurden. In der Differenz zwischen historischer Genese, die das historische Material von Ware, Geld, Arbeit ergreift und transformiert, und der begrifflich-logischen Struktur des „Systems“, liegen die Schwierigkeiten begründet, die Marx in den verschiedenen Anläufen zu bewältigen hatte, die er zur Formulierung der dem „System“ immanenten Widersprüche unternommen hat.7 Zumal das „System“ nur formell geschlossen ist („Waren produzieren Waren“), sofern die tatsächlichen „Springquellen“ des gesellschaftlichen Reichtums, die menschliche Arbeitsfähigkeit und Schöpferkraft und die Naturkräfte, etwa in Form der Bodenfruchtbarkeit und Energiequellen, nicht selbst kapitalistisch produziert werden können, sondern zunächst (durch Arbeit) „in Wert“ gesetzt werden müssen. Dieser Prozess der sog. Landnahme, nach außen wie nach innen (z. B. in Form eines auf die menschlichen Körper und die Gene zielenden Biokapitalismus, vgl. Rajan 2009), ist nicht abgeschlossen (s. auch Dörre 2013, 2016). Damit zusammenhängend ist weiterhin zu beachten, dass die vom Kapital subsumierte Arbeit nur einen Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit umfasst, die das lebendige Arbeitsvermögen reproduziert. Damit sind ganz andere Formen des gesellschaftlichen Reichtums denkbar, als die, auf die ihn die kapitalistische Produktionsweise als „Verwertung des Werts“ reduziert.

3 Der Begriff des Werts in den Kapital-Schriften von Karl Marx

3.1 Der gesellschaftliche Arbeitsprozess

Es war und konnte auch für Marx keine Frage sein, dass der gesellschaftliche Reichtum, der gesellschaftliche Surplus in gegenständlicher Form in der kapitalistischen oder in einer anderen Produktionsweise auf rationale Weise nichts anderes als das Ergebnis der gleichzeitigen Anwendung von gesellschaftlich geteilter Arbeit auf ein heterogenes stoffliches Substrat darstellt und in dieser Weise eben als „gesellschaftliches Produkt“ zu verstehen ist. Er konnte sich dabei auch auf die bürgerlichen Ökonomen berufen, die begannen, den kategorialen Apparat für die moderne marktwirtschaftliche Ökonomie bereit zu stellen. So waren Marx die Ausführungen von Adam Smith zur „produktiven Arbeit“ bekannt: „So setzt die Arbeit eines Manufakturarbeiters im allgemeinen dem Werte der Materialien, an denen er arbeitet, den Wert seines eigenen Unterhalts und des Profits seines Meisters zu.8 […] Allein die Arbeit des Manufakturarbeiters fixiert und realisiert sich in einem bestimmten Gegenstand oder in einer verkäuflichen Ware, die wenigstens noch eine Zeit lang, nachdem diese Arbeit schon vorbei, vorhält. Sie ist gleichsam eine bestimmte Menge angesammelter und aufgehobener Arbeit, die wenn’s nötig wird, bei irgendeiner anderen Gelegenheit verwendet werden kann“ (Smith 1776, Buch II, Drittes Kapitel, Bd 2, S. 80 f.).9 Smith sieht in den Produktionsmitteln wie in den Produkten eines Arbeitstages eine „Anhäufung“ von Arbeit. Die Werkzeuge und Hilfsmittel sind „vorgetane Arbeit“, „gleichsam eine Menge angesammelter und aufgehobener Arbeit“. Nach Lange gewinnt die Formel von der „aufgehäuften Arbeit(skraft)“ bei Marx im Kapital einen ontologischen Sinn (Lange 1980, S. 67). Marx macht jedoch pointiert deutlich, dass in der Ware als Produkt der Arbeit kein „Atom“ Arbeit „steckt“, dass die Metaphern vom „Stecken“ oder Anhäufen nicht physikalisch gedeutet werden dürfen. Der Vorwurf eines „pseudokonkretistischen Sinns“, den Lange gegen die Werttheorie im „Kapital“ erhebt, geht wohl auf ein seinerseits konkretistisches Missverständnis des Phänomens der Vergegenständlichung zurück. Marx lobt ja Adam Smith für seine Auffassung der Rolle der produktiven Arbeit: „Es war ein ungeheurer Fortschritt von Adam Smith, jede Bestimmtheit der reichtumerzeugenden Tätigkeit fortzuwerfen – Arbeit schlechthin, weder Manufaktur- noch kommerzielle, noch Agrikulturarbeit, aber sowohl die eine wie die andre. Mit der abstrakten Allgemeinheit der reichtumsschaffenden Tätigkeit nun auch die Allgemeinheit des als Reichtum bestimmten Gegenstandes, Produkt überhaupt oder wieder Arbeit überhaupt, aber als vergangene, vergegenständlichte Arbeit. […] Hier also wird die Abstraktion der Kategorie ‚Arbeit‘, ‚Arbeit überhaupt‘, ‚Arbeit sans phrase‘, der Ausgangspunkt der modernen Ökonomie, erst praktisch wahr“ (MEW 42, S. 39).

Die kategoriale Teilung des Produktions- oder Arbeitsvorgangs in vorgegebene, stofflich fixierte Elemente auf der einen und auf sie angewendete zweckmäßige Arbeit, zweckmäßige Verausgabung menschlicher Arbeitskraft auf der anderen Seite ist gewissermaßen ein a priori der Marxschen Sicht von Arbeit im Allgemeinen und entspricht in dieser Weise einem Paradigma der Veräußerung und Vergegenständlichung menschlicher, schöpferischer Kräfte.10 „Arbeitskraft“ ist also nicht einfach nur „Kraft“ oder „Energie“, sondern zweckmäßig verausgabte bzw. verausgabungsfähige Energie, die nützliche, sinnvolle Gegenstände, d. h. Gebrauchswerte hervorbringt. Die Eigenschaft von Arbeiten, sich miteinander zu verknüpfen oder im Stoff in Gestalt neu geschaffener Formen „aufzuhäufen“, ergibt sich allein aus ihrer Zweckmäßigkeit. Das gilt für Tätigkeiten wie Kartoffelschälen gleichermaßen wie für das Schreiben von Texten oder die Montage von Autos. Die Herstellung eines Holzstuhls löst sich rückwärts gesehen auf in eine Reihe, die von der Montage der vorgefertigten Einzelteile bis zum gesägten und zuvor geschlagenen Holz reicht, das im Wald gewissermaßen als Substrat und natürliches Potenzial vorgefunden wurde. Die Hinzufügung von Arbeit wird auf jeder Stufe durch die Zweckmäßigkeit des Vorprodukts bestimmt. In diesem Sinne ist eine Glühbirne als hergestelltes Produkt das Ergebnis einer betrieblichen kooperativen Gesamtarbeit oder, wie Marx sagt, eines Gesamtarbeiters, bzw. in der Warenproduktion des arbeitsteiligen Zusammenfügens der Ergebnisse unabhängiger Privatarbeiten. Im Rahmen des Gesamtarbeiters kommt es zu Aufspaltungen der Komponenten der Arbeit in „körperliche“ und „geistige“ Arbeiten und zur Mechanisierung von Arbeitsverrichtungen. Viele sog. Dienstleistungen sind nichts anderes als Abspaltungen und Auslagerungen von Teilen der Gesamtarbeit, die in ein Endprodukt eingehen, bevor diese in der konsumtiven oder produktiven Verwendung wieder verzehrt wird. Solange ein Produkt verwendet werden kann, hält die aufgewendete Arbeit, wie Smith sagt, zeitlich vor.11

Im fünften Kapitel von „Das Kapital“ bestimmt Marx Arbeit allgemein als „Stoffwechsel“ mit der Natur: „Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt, regelt und kontrolliert“ (MEW 23, S. 192). Im Hinblick auf das Veräußerungs-Vergegenständlichungs-Konzept bleibt Arbeit in dieser Aussage unterbestimmt, da es die Formung der Stoffe zu Gebrauchswerten ist, wodurch die Arbeit von einer reinen Energieleistung unterschieden ist, die auch von Tieren erbracht werden können. Allerdings scheinen sich die Verhältnisse auf der Ebene der Anwendung der „großen Maschinerie“ zu verkehren, wenn den Maschinen nun die Aufgabe zuzukommen scheint, möglichst viel Arbeitskraft der Arbeitenden zu ihrer Verwertung als Kapital „anzusaugen“ und die Arbeitenden zum „Anhängsel“ der Maschinen werden. Das ändert für Marx jedoch nichts am Grundverhältnis: „Erst in der großen Industrie lernt der Mensch, das Produkt seiner vergangnen bereits vergegenständlichten Arbeit auf großem Maßstab gleich einer Naturkraft umsonst wirken zu lassen“ (MEW 23, S. 409). Im „Maschinenfragment“ der „Grundrisse“ heißt es: „In der Maschinerie tritt die vergegenständlichte Arbeit der lebendigen Arbeit im Arbeitsprozess selbst als die sie beherrschende Macht gegenüber, die das Kapital als Aneignung der lebendigen Arbeit seiner Form nach ist“ (MEW 42, S. 593). Es ist vor allem das Wissen bzw. die Wissenschaft, die im „fixen Kapital“ der „großen Maschinerie“ den ArbeiterInnen gegenübertritt und sie zu einem „lebendige(n) Zbehör“ der Maschinen macht und ihre Arbeit auf „eine bloße Abstraktion der Tätigkeit beschränkt“ (ebd.). „Die Akkumulation des Wissens und des Geschicks, der allgemeinen Produktivkräfte des gesellschaftlichen Hirns, ist so der Arbeit gegenüber absorbiert in dem Kapital und erscheint daher als Eigenschaft des Kapitals, und bestimmter des Capital fixe, soweit es als eigentliches Produktionsinstrument in den Produktionsprozess tritt“ (MEW 42, S. 594). Die Anwendung der großen Maschinerie führt zu einer Intensivierung der Verausgabung von Arbeitskraft und steigert die Wirkungen der Kooperation im Betrieb. Der vereinzelte Arbeiter wird durch den vergesellschafteten verdrängt. „Die Maschinerie [funktioniert] nur in der Hand unmittelbar vergesellschafteter oder gemeinsamer Arbeit“ (MEW 23, S. 407). Die Kräfte der Kooperation fallen dem Kapital als Gratisproduktivkraft zu, wie es sich allgemein die Produktivkraft der Arbeit als seine anzueignen scheint.12 Dies ist die „verselbständigte und entfremdete Gestalt, welche eigene die kapitalistische Produktionsweise überhaupt den Arbeitsbedingungen und dem Arbeitsprodukt gegenüber dem Arbeiter gibt […]“ (MEW 23, S. 455).

4 Tauschwert und Wert

Bevor dargestellt werden kann, in welcher Weise der gesellschaftliche Arbeitsprozess unter der Regie des Kapitals gleichzeitig Verwertungsprozess ist, also Vermehrung des zur Produktion von Waren vorgeschossenen Werts, ist es wichtig zu zeigen, dass bei Marx das Ergebnis des Arbeitsprozesses, sprich eines gesellschaftlichen Arbeitstages, nichts anderes ist als die in Form der Gebrauchsgegenstände „aufgehäufte“ Arbeit, wobei die Aufhäufung nicht physikalisch zu verstehen ist, sondern als zweckmäßige Verbindung vorgetaner mit in der Periode verrichteter Arbeit in einem materiellen Substrat.13 Es ist also nicht die Produktion von Werten, die zu einer „Vermessung“ des gesellschaftlichen Produkts durch Arbeit führt. Umgekehrt vielmehr ist es die gesellschaftlich verausgabte, nützlich-notwendige Arbeit, die in der kapitalistischen Produktionsweise die Form des Wertes annimmt. Marx zeigt, dass dies notwendiger Weise dann so sein muss, wenn alle Produkte des zusammengefassten gesellschaftlichen Arbeitstages die Form von selbstständigen Waren annehmen, die sich gegeneinander austauschen müssen, die Stelle oder die Hände wechseln, wie Marx sagt, um den nach ihrem nützlichen Charakter, ihrem Gebrauchswert, zweckmäßigen Ort ihrer konsumtiven oder produktiven Verwendung zu finden. Alle Produktionsvoraussetzungen, die als Waren in die Produktion eingehen, müssen aus den produzierten Waren letztlich ersetzt oder substituiert werden.14

Der Ausgangspunkt bei Marx ist nicht das Aufeinandertreffen zweier vereinzelter Waren, die sich tauschen sollen – eine weitgehend fiktive Situation15 – sondern der allgemeine Austausch, in dem jede Ware im Prinzip mit jeder anderen Ware austauschbar ist, wenn also die Austauschraten zwischen den Quantitäten je zweier einzelner Warensorten konsistent sind, d. h. der Anforderung der Transitivität genügen.16 In dieser allseitigen und allgemeinen Austauschbarkeit der Waren gegeneinander in ihrer Gesamtheit entsteht, wie Marx in der sog. Wertformanalyse im 1. Kapitel von „Das Kapital“ demonstriert, der „Wert“ als eine den Tauschrelationen immanente Größe, quasi als einigendes Band, als „Synthesis“ der Privatarbeiten oder emergenter Schwerpunkt der allseitigen Transaktionen. Marx hatte sich zu Beginn von das „Kapital“ die Aufgabe gestellt, zu zeigen, wie aus Nicht-Valorem (Backhaus 2011) Wert entsteht, ohne dass bereits Wert in Form von Preisen oder als Geld, als interindividuelle Nutzenschätzung oder auch als „Arbeitsmenge“ vorausgesetzt wird.17 Wert muss unter Absehung aller „Wertgrößen“ wie Geld und Kapital aus den Austauschproportionen der Waren selbst erklärbar sein. In der Darstellung zu Beginn von „Das Kapital“ stehen sich daher (in einer nur in gedanklicher Abstraktion nachvollziehbaren Situation) nur die (stummen) Waren (und hinter ihnen ihre Besitzer) gegenüber, die, eben unter Absehung des Geldes, allseitig in transitiven Proportionen, ihr Plätze zu wechseln haben. Der Wert erscheint gewissermaßen der Schrittmacher dieses stummen Reigens, ist jedoch seine Resultante.

Das erste Kapitel des Kapital, Band I ist von einer orthodoxen Marx-Interpretation, die von Engels maßgeblich vorformuliert wurde, als Darstellung einer „einfachen Warenproduktion“ gelesen worden, in der die Waren ausschließlich Produkte der Eigenarbeit ihrer Eigentümer sind. Für eine solche vorkapitalistische Warenproduktion hatten auch die frühen bürgerlichen Ökonomen angenommen, dass es nur einen Produktionsfaktor, sprich die Arbeit, gab. Eine solche „einfache Warenproduktion“, in der der „gesellschaftliche Reichtum“ bereits allgemein die Form von Waren angenommen hat, ist jedoch historisch eine Fiktion (vgl. etwa Rakowitz 2000; dagegen Haug 2005).18 Marx macht wiederholt deutlich, dass der von ihm unternommenen Analyse der Wertformen und, daraus hervorgehend, des Geldes eine verallgemeinerte Warenproduktion als kapitalistische Produktionsweise vorausgesetzt ist, auch wenn in Analyse der logisch/begrifflichen Struktur der Austauschverhältnisse die Gesamtheit dieser Produktionsweise zunächst nicht thematisiert wird. Umgekehrt wird von Marx gezeigt, dass die verallgemeinerten Austauschverhältnisse der gesellschaftlichen Arbeitsprodukte die kapitalistische Produktionsweise implizieren, und daher die Analyse auf gedanklichem/logischen Wege von der Ware über das Geld zum Kapital „fortschreiten“ kann.19

Die Analyse der Form des Werts untersucht zunächst die unterschiedlichen Wertformen – relative Wertform, Äquivalentform, entfaltete Wertform und allgemeine Wertform. Auch hier handelt es sich um eine logisch/begriffliche, nicht aber um eine historische Abfolge. Als Ausgangspunkt dieser Analyse setzt Marx dementsprechend eine Situation, in der die Waren, als Resultat von Tauschvorgängen zwischen ihren Besitzern, eine umfassende Kette von transitiven Austauschrelationen bilden, die ihre Tauschbarkeit als Äquivalente ausdrücken.20 Innerhalb der gegebenen Äquivalentenkette dann bietet Austausch einer Einheit der Ware A gegen eine Menge der Ware B keinen „Vorteil“ (in Bezug auf weitere Transaktionen im Rahmen der Äquivalentenkette) gegenüber dem Austausch mit einer Menge der Ware C.21 Die objektiv aus oder im Tausch sich ergebenden Äquivalenzen zwischen allen Waren (einschließlich der Geldware) sind die logische und materielle Voraussetzung für Wertbegriff und Wert.22

Indem die Waren des „Warenberges“ sich gegeneinander tauschen, bilden sie Tauschwerte für einander (x Ware A = y Ware B). Sie können getauscht werden, weil für die Warenbesitzer die anderen Waren Gebrauchswerte der unterschiedlichsten Art darstellen, die eigenen dagegen Tauschwerte. Der Tauschwert einer Ware kann hier nur im Gebrauchswertkörper der Ware erscheinen, mit der sie jeweils zu tauschen ist. Erst in der Spiegelung an einer anderen Ware erscheint die Ware als ein Doppeltes: Gebrauchswert und Tauschwert. Bis hierher ist der Tauschwert ein relativer Tauschwert ausgedrückt in Mengen von Waren (beliebiger Art), gegen die eine Ware getauscht werden kann. Von diesem System der Tauschwerte unterscheidet Marx die Werte oder den Wert, dessen Erscheinungsform nun der Tauschwert ist. Der Wert ist die Einheit oder Wertgröße, die im System der relativen Tauschwerte als seinen numerischen Ausdrücken in der Kette oder im Netzwerk von Äquivalenten entsteht, und im allgemeinen Äquivalent fixiert wird.23 In dem der Tauschwert einer Ware sich in verschiedenen Quanten anderer Waren ausdrückt, verweist er auf einen eigenen Inhalt als Wert. „Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus“ (MEW 23, S. 51). (Wohlgemerkt in der vorgestellten Äquivalentenkette, während in realen Situation die Tauschwerte durch eine Vielzahl von Zufälligkeiten bestimmt sein können.) Dieses unbenannte, dimensionslose Dritte ist „[d]as Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, … also ihr Wert“ (MEW 23, S. 53).24 Nach Schlaudt zeigt Marx in der Wertformanalyse, wie man unter Verzicht auf Letztbegründung in der immer rein relationalen Größenkenntnis zu einem Größenausdruck gelangt, der allen praktischen Bedürfnissen genügt“ (Schlaudt 2011, S. 260). Die Tauschgleichung ersetzt die benannten Warenquantitäten „durch eine unbenannte, die nichts mehr als Quantität schlechthin ist, unbezogen auf jegliche Art von Qualität.“ (Sohn-Rethel 1970, S. 75)25 Real wird der abstrakte Wert dadurch, dass die Waren tatsächlich ihren Austausch vollziehen. „Die Dinge A und B sind hier nicht Waren vor dem Austausch, sondern werden es erst durch denselben“ (MEW 23, S. 102). „Marx führt den Wertbegriff in der Tat erst auf der Grundlage des realisierten Tausches ein […]“ (Schlaudt 2011, S. 265). Dabei ist hier nicht ein einzelner Tauschakt gemeint, sondern der allseitige Tausch. Der Wert als eine bestimmte Größe von Dingen wird im Unterschied zu physikalischen Größen der Realwelt durch die gesellschaftliche Praxis des allseitigen Warentausches geschaffen und ist an diesen intrinsisch gebunden. Er ist als abstrakte Größe real. Das Geld in seiner Funktion als Maß des Wertes kann es daher, unbeschadet seiner Verwendung in anderen Gesellschaftsformen, nur in der Waren produzierenden Gesellschaft geben.

5 Wert und Geld

Der Wert seiner Waren bildet für den Besitzer eine „potentielle Verfügungsmacht“ (Iber 2006, S. 190) über einen Teil des gesellschaftlichen Reichtums oder auch einen Anspruch auf einen solchen Teil, der ihm als Privateigentümer an Produktionsmitteln und damit Warenproduzent gesellschaftlich zuerkannt werden soll. Wie auch Simmel erkennt, liegt im (potenziellen) Wert einer Ware eine Forderung an Andere, letztlich an eine vorgestellte „Gemeinschaft der Warenproduzenten“. Diese Macht oder dieser Anspruch auf einen Teil des gesellschaftlichen Arbeitsproduktes liegen in sachlicher Gestalt, eben den Waren, vor. Dieser Anspruch des privaten Eigentums an den produzierten Waren auf einen Teil des gesellschaftlichen Gesamtarbeitsprodukts ist als Wertausdruck abstrakt, sofern er sich auf beliebig viele Warenkörbe richten kann. Seinen angemessenen Ausdruck findet dieser abstrakte Anspruch auf einen beliebigen Teil des gesellschaftlichen Reichtums erst im allgemeinen Äquivalent, d. h. einer der Waren in der Äquivalentenkette, in der sich die Tauschwerte aller anderen Waren darstellen. Durch Aussonderung dieser Ware als „gesellschaftliche Tat“ (Marx) wird diese zum Geld. Das Geld stellt das „äußere Maß“ der Warenwerte dar. (Das „innere Maß“ ist die „abstrakte Arbeit“ s. u.). Mit der Aussonderung der Geldware zum vergegenständlichten Wert ist die Aquivalentenkette auch gewissermaßen materiell/stofflich fundiert, was zu vielfachen Spekulationen über einen notwendigen oder auch letztlich überflüssigen „Substanzwert“ (Simmel) des Geldes Anlass gibt.26 Die Aussonderung der Geldware als „verselbständigter Wert“ entspricht der Logik der Wertformen unter den Bedingungen allgemeiner Warenproduktion. Davon bleibt unberührt, dass Geld in den verschiedenen Formen auch vor und außerhalb der kapitalistischen Produktionsweise in Gebrauch war und ist.27 Analytisch wichtig für Marx war es, den Wert aus den Waren und das Geld aus dem Wert zu entwickeln und nicht umgekehrt den Wert einer Ware aus ihrem Austausch mit Geld zu erklären. „Was mittels Wertformanalyse gezeigt werden soll, ist, dass unter kapitalistischen Bedingungen der Warenwert einen selbstständigen und zugleich allgemeinen Wertausdruck benötigt.“ Hiernach kann „der Wert in einer kapitalistischen Ökonomie nicht existieren (und verstanden werden) ohne Bezug auf Geld“ (Heinrich 2003a).28

Die Marxsche Werttheorie ist wesentlich Geldtheorie. Es ging Marx darum zu zeigen, dass eine allseitig Waren produzierende Gesellschaft über Geld verfügen muss, das wiederum in dem von der gesellschaftlichen Arbeit produzierten Warenkosmos fundiert sein muss. Keine gesellschaftliche Warenproduktion ohne Geld. Geld ist die abstrakte und zugleich gegenständliche Durchgangsform aller als Waren produzierten Elemente des gesellschaftlichen Reichtums. Als diese Durchgangsform bildet es das „obskure Objekt der Begierde“, dem das Kapital nachjagt, ohne in ihm den Wert festhalten zu können.

Andererseits sind Wert und Geld nicht identisch: Der Wert ist der Grund oder die Substanz des Geldes, wie die gesellschaftliche Arbeit Grund oder Substanz des Wertes ist. Ihre kategoriale Selbstständigkeit reflektiert die Selbstständigkeit ihrer Bewegungen. Mit seiner Verselbstständigung vollzieht das Geld eigene Wertbewegungen (etwa in Abhängigkeit von der Goldzufuhr), die sich in seiner „Kaufkraft“ ausdrücken. Mit dem Geld sind die Waren nun durch Preise bestimmt und Wert und Preis einer Ware treten im Medium des Geldes auseinander. Die Ebene der Werte verschwindet vollständig von der Oberfläche der zu Preisen gegen Geld getauschten Waren und kann nur theoretisch erschlossen werden. Marx zeigt jedoch, dass das Auseinandertreten von Werten und Preisen eine notwendige Bedingung für die Reproduktion der als Kapital in den verschiedenen Anlagesphären der Warenproduktion vorgeschossenen Werte darstellt, die einen Anspruch auf durchschnittlichen Anteil am gesellschaftlichen Wertprodukt in der Bepreisung ihrer Waren anmelden.29

Es war für Marx entscheidend wichtig, den „Wert“ unabhängig von der aufgewendeten Arbeit, zumindest in einem gedanklichen Moment, zu fixieren. Daher ist die Auffindung des Werts in der Welt der sich gegenüberstehenden Warengestalten ein von der Analyse der Wertsubstanz unabhängiger und ihr notwendig vorausgehender Schritt. Darauf weist auch Rubin ausdrücklich hin (Rubin et al. 1975, S. 31 ff.). Sohn-Rethel schreibt: „Der „Wert“ ist also nicht der Grund der Gleichung, sondern umgekehrt, das dem Tauschverhältnis inhärente und für die gesellschaftliche Synthesis notwendige Postulat der Tauschgleichung geht dem Wert voraus. Das gibt dem Wertbegriff den Anschein, als weise er auf ein in den Waren enthaltendes rein quantitatives Wesen hin“ (Sohn-Rethel 1970, S. 76). Die Wertform hat nach Sohn-Rethel „keine inhärente Beziehung auf die Arbeit“ (ebd.) oder wie Marx sagt: „Es steht daher dem Werte nicht auf der Stirn geschrieben, was er ist“. Marx selbst bezeichnet die Herausarbeitung der Form des Werts gegenüber der Bestimmung der Wertsubstanz und der Wertgröße, die schon von den Klassikern ansatzweise geleistet war, als seine besondere Leistung. „Die politische Ökonomie hat nun zwar, wenn auch unvollkommen, Wert und Wertgröße analysiert und den in diesen Formen versteckten Inhalt entdeckt. Sie hat aber niemals auch nur die Frage gestellt, warum dieser Inhalt jene Form annimmt, warum sich also die Arbeit im Wert und das Maß der Arbeit durch ihre Zeitgröße in der Wertgröße des Arbeitsproduktes darstellt?“ (MEW 23, S. 94 f.).

Mit der Analyse der Form des Werts ist jedoch die Quelle des Wertes noch nicht benannt. Bliebe die Analyse an dieser Stelle stehen, dann wäre der Wert eine „substanzlose“ oder „qualitätslose Größe“ (so etwa bei Werner Sombart und anderen Geldtheoretikern; vgl. Backhaus 2002, S. 116), eine für die neo-kantianischen Wirtschaftstheoretiker „begriffliche Monstrosität“ (Backhaus), die auch von den neo-klassischen Ökonomen wie Schumpeter oder Ammon zwar ins Auge gefasst wird, aber als „unsinnig“ oder „metaphysisch“ verworfen wird, trotzdem sie, vor allem in der Makroökonomie, damit ungestört rechnen. Simmel behandelt in der „Philosophie des Geldes“ den Wert als „übersubjektiv, überindividuell“, als „sachliches Verhältnis“ ohne „sachliche Qualitäten“, gewissermaßen als ein „reines qualitätsloses Quantum“, das aus dem gegenseitigen Verhältnis der Dinge entsteht (Simmel GSG 6, S. 52 f.; auch Reichelt 2011, S. 236 f.). Das an den Dingen „haftende“ „ökonomische Wertquantum“ jedoch hat weder eine psychische noch physische Natur und wird von Simmel zu einem „übersubjektiven Etwas“ (Simmel 1989, S. 87) erklärt. Simmel benennt mit dem Begriff der „Realabstraktion“ (Simmel 1989, S. 57) einen objektiven Vorgang, den Austausch der Waren, der praktisch davon abstrahiert, dass die Dinge ungleich sind und eine Gleichheit derselben herstellt (auch Backhaus 2002, S. 117).30 Auch Sohn-Rethel gründet seinen Begriff der „Realabstraktion“ auf die von den Eigenschaften der Warendinge abstrahierenden Tätigkeit des Tausches. „Der Austausch der Waren ist abstrakt, weil er von ihrem Gebrauch nicht nur verschieden, sondern zeitlich getrennt ist. Tauschhandlung und Gebrauchshandlung schließen einander in der Zeit aus“ (Sohn-Rethel 1970, S. 47). Diese Sicht ist nicht unplausibel, übersieht freilich, dass der Wert als „abstrakte Quantität“, die die Tauschgesellschaft durchzieht, sich aus den (quantitativen) Tauschrelationen der Waren herleitet, hinter denen sich nach Marx nichts anderes als die „abstrakte Arbeit“ verbergen kann.

Gesellschaftliche Arbeit als Grund oder „Substanz“ des Wertes stand für Marx außer Frage, auch wenn die Produzenten kein Bewusstsein davon haben, dass sie ihre Arbeitsprodukte als Werte aufeinander beziehen, ein für Verselbstständigungen und Verkehrungen der bürgerlichen Gesellschaft „konstitutives Moment an Unbewußtheit“ (Reichelt 2011, S. 143). „Indem sie ihre verschiedenen Produkte einander im Austausch als Werte gleichsetzen, setzen sie ihre verschiednen Arbeiten einander als menschliche Arbeit gleich. Sie wissen das nicht, aber sie tun es“ (MEW 23, S. 88).31 Marx sah es daher nicht für notwendig an, einen „Beweis“ für die gesellschaftliche Arbeit als „Substanz“ des Wertes zu erbringen („Das Geschwatz über die Notwendigkeit, den Wertbegriff zu beweisen, beruht nur auf vollständigster Unwissenheit …“; Brief an Kugelmann vom 11.07.1868, MEW 32, S. 552 f.), auch wenn es in der zweiten Auflage von „Das Kapital“ Anzeichen einer Beweisführung gibt, die ihm vielfache höhnische Kritik etwa von Böhm-Bawerk eingetragen hat. „Das Problem, das sich Marx […] stellt, besteht nicht darin zu ‚beweisen‘, daß die Arbeit Wertsubstanz ist, sondern darin, aus dieser gesellschaftlichen Form des Arbeitsprodukts den spezifisch gesellschaftlichen Charakter der Arbeit, die sich so darstellt, zu rekonstruieren“ (Heinrich 1999, S. 204). Marx stellte sich die Frage, die sich nach ihm die „politische Ökonomie“ bis dahin nicht gestellt hatte, nämlich, „warum sich also die Arbeit im Wert und das Maß der Arbeit durch die Zeitdauer in der Wertgröße des Arbeitsproduktes darstellt“ (MEW 23, S. 94 f.).

Für Marx konnte es neben der Arbeit rationaler Weise keine weiteren Produktionsfaktoren geben. Er kritisiert daher Smith scharf, der die Formen der Verteilung der „Wertschöpfung“ – das sind Arbeitslohn, Profit und Bodenrente – zu Faktoren der Entstehung umdeutet. In dieser „trinitarischen Formel“ sind für Marx alle Verkehrungen und Mystifizierungen der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften zusammengefasst. Gleiche Beiträge der Produktionsfaktoren zum Wertprodukt würde bedeuten, dass diese Faktoren kommensurabel sind, wenn sie dem Wert kommensurabel sind. Die Versuche der neoklassischen ökonomischen Theorie über die Bestimmung von Grenzproduktivitäten die Beiträge der als produktiv geltenden Faktoren zum Produkt nicht als einen Wert, sondern in einem ungeklärten physikalischen Sinne zu bestimmen, dürfen als untaugliche Modelle gelten, schon deshalb, weil die Gebrauchswerte nicht auf ein rein stoffliches Dasein reduziert werden können. Die Produktionsfaktorentheorie muss sich daher besonders bei der Erklärung von „Überschüssen“ in der Wertrechnung in Widersprüche verwickeln (Wasmus 1987).

Die Frage der Kommensurabilität der verschiedenen in einer Arbeitsperiode an den verschiedenen Stellen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses verrichteten Tätigkeiten oder Arbeiten in der Schaffung der homogenen Warenwerte beantwortet Marx mit der Unterscheidung von konkreter und abstrakter Arbeit. Der Wert ist gewissermaßen eine Hohlform, „worin die Waaren als bloße Gallerte unterschiedsloser, gleichartiger, menschlicher Arbeit, d. h. als dingliche Ausdrücke derselben Arbeitssubstanz für einander erscheinen“ (MEGA II/5, S. 643). „Die Gleichheit toto coelo verschiedener Arbeiten kann nur in einer Abstraktion von ihrer wirklichen Ungleichheit bestehen, in der Reduktion auf den gemeinsamen Charakter, den sie als Verausgabung menschlicher Arbeitskraft, abstrakt menschliche Arbeit besitzen“ (MEW 23, S. 87 f.). Die Arbeit, als „Substanz“ in die leere Form des Werts gegossen, als „leere Formel“ (Arthur 2011, S. 290), muss um jene objektive Konsistenz der Tauschrelationen hervorzubringen oder sich ihr anzuschmiegen, in sich homogen sein, eben eine „Gallerte“. Damit ist jedoch noch nicht gesagt, was „abstrakte Arbeit“ ist.

Die Einführung des Begriffs der „abstrakten Arbeit“ auf der Ebene der Tauschwerte auf den ersten Seiten von „Das Kapital“ ist mit Problemen behaftet. „Der Schluß auf abstrakte Arbeit wird als rein logisches Erfordernis zur Erklärung des Werts präsentiert“ (Arthur 2011, S. 299). Trotzdem ist es notwendig, bei der Analyse der Wertform bereits die abstrakte Arbeit als inneres Wertmaß der Warenwerte, wenn diese auch noch nicht begrifflich erarbeitet sind, zu unterstellen, da die Konsistenz der Äquivalentenkette ein solches Maß erfordert.32 Auch das allgemeine Äquivalent erweist sich so von vorneherein als in der Substanz des Wertes als dem allgemeinen Wert der Waren verankert. Marx hatte hier keine andere Wahl, als das Geld als selbstständige Form des Werts in Form der Geldware, einer der Waren als Geld, einzuführen.33 Die Lösung der Fundierung von einer Geldware in der Gegenwart, die nur zum Teil durchgeführt ist, bedeutet auch nicht eine Lösung des Geldes (Zentralbanknoten) von der Warenwelt. An Stelle einer einzelnen Ware kann das Geld etwa auch an einen Warenkorb (etwa eines vierköpfigen ArbeiterInnenhaushaltes) gebunden sein. Der Wert dagegen „haust weiter im Inneren der Warenwelt“.

Der Begriff der „abstrakten Arbeit“ bleibt bei Marx ambivalent und mehrdeutig. Das zeigt seine doppelte Herkunft aus dem Warenverkehr wie aus dem Produktionsprozess des Kapitals, wie von Christopher J. Arthur oder Riccardo Bellofiore (2011) betont wird. Abstrakte Arbeit zeigt an, dass die Arbeit als Agens der Wertbildung unter den Verwertungsprozess des Kapitals subsumiert wird und so selbst formbestimmt ist. Befreit von ihren konkreten Bestimmungen wird die Arbeit im Verwertungsprozess zur Verausgabung von Arbeitskraft schlechthin, von „Muskel, Nerv, Gehirn“, auch wenn die jeweilige physische Verausgabung konkrete Arbeit oder Plackerei ist. Unter der Perspektive der Verausgabung einer „Kraft“, die in sich rein quantitativ bestimmt ist, erscheint die Arbeit ebenfalls nur quantitativ bestimmt durch die Zeit, in der sie in der Produktion verausgabt wird. Dabei kann allerdings die Intensität der Arbeit variieren, die „Poren des Arbeitstages“ können, wie Marx sagt, unterschiedlich stark verdichtet sein, etwa durch Erhöhung des Arbeitstempos, der Arbeitstakte und durch Verringerung der Arbeitspausen. Die Intensität der Verausgabung der Arbeitskraft in der Zeit ist daher als Moment der Wertbildung zu berücksichtigen, wie Jaques Bidet nachdrücklich einfordert (Bidet 2006, S. 30 ff.).

Die Abstraktion von den konkreten Arbeiten unter der Form des Wertes ist keine nur gedankliche, sondern ebenso wie die Gleichsetzung, die Gleichgültigkeit der Waren, eine gesellschaftliche, die faktisch vollzogen wird. In diesem Sinne kann Rubin auch von einer „Realabstraktion“ sprechen (Rubin 1973, S. 112). Es ist das gesellschaftliche Absehen von den konkreten Eigenschaften der Arbeiten, die in der Verteilung der gesellschaftlich verfügbaren Arbeitszeit (ohne Ansehen der Person) auf die Arbeitssphären, die von den einzelnen Kapitalien blind gegenüber dem notwendigen Gesamtzusammenhang vollzogen wird, die die gesellschaftliche Arbeit zur „abstrakten Arbeit“ macht. Marx formuliert an verschiedenen Stellen eine Sicht, nach der die Wertbildung als Prozess der Verausgabung von menschlicher Arbeitskraft, gemessen in Zeiteinheiten, auch zu einer realen Entqualifizierung der Industriearbeit führe, durch die konkrete Arbeit durch Reduktion auf „einfache Arbeit“ auch real in „abstrakte Arbeit“ überführt werden würde. „Um die Tauschwerte der Waren an der in ihnen enthaltenen Arbeitszeit zu messen, müssen die verschiedenen Arbeiten selbst reduziert sein auf unterschiedslose, gleichförmige, einfache Arbeit, kurz auf Arbeit, die qualitativ die selbe ist und sich daher nur quantitativ unterscheidet. Diese Reduktion erscheint als eine Abstraktion, aber es ist eine Abstraktion, die in dem gesellschaftlichen Produktionsprozeß täglich vollzogen wird. (…) Diese Abstraktion der allgemeinen menschlichen Arbeit existiert in der Durchschnittsarbeit, die jedes Durchschnittsindividuum einer gegebenen Gesellschaft verrichten kann, eine bestimmte produktive Verausgabung von menschlichem Muskel, Nerv, Gehirn usw.“34 In der Sicht des Kapitals auf die betriebliche Gesamtarbeit geht es in der Tat darum, die Arbeiterinnen und Arbeiter an ihren verschiedenen Arbeitsplätzen zur rückhaltlosen Verausgabung ihrer Arbeitskraft in dem von Marx benannten physiologischen Sinne zu bewegen. Es handelt sich hierbei nicht nur um eine reale Homogenisierung der Arbeiten, auch wenn sie immer konkrete bleiben, sondern um die Gleichgültigkeit,35 das reale Absehen in der Verwertung des Werts von den konkreten Verrichtungen, die den Arbeitenden zur Verausgabung ihrer menschlichen Kräfte zugewiesen werden.36 Diese Abstraktion oder Gleichgültigkeit des Kapitals gegenüber den konkreten Verrichtungen seines Personals wird jedoch erst durch den Abstraktionsvorgang ratifiziert, den die Warenbesitzer im Austausch de facto vollziehen. „Die Reduction der verschiedenen konkreten Privatarbeiten auf dieses Abstractum gleicher menschlicher Arbeit vollzieht sich nur durch den Austausch, welcher Producte verschiedner Arbeiten thatsächlich einander gleichsetzt“ (MEGA II.6/41).

Im Resultat ist die Frage nach der Wertsubstanz eng mit der Frage nach den Bestimmungsfaktoren der Wertgröße verbunden, da die konkreten Arbeiten in der „abstrakten Arbeit“ auf die wertbildende oder nach Arthur wertsetzende Größen einer reinen Verausgabung in der Zeit reduziert werden müssen (Arthur 2011, S. 297). Die zusammenfassende Aussage lautet: Verausgabung von menschlicher Arbeitskraft schlechthin in der Zeit. Nach der von Arthur entworfenen „neuen Theorie der Wertbestimmung“ muss, „wie beim Wert vollkommen vom nützlichen Charakter der Ware abstrahiert wird, […] auch von der sie produzierenden Arbeit vollkommen abstrahiert werden“ (Arthur 2011, S. 296). Arbeit erscheint als „reine Tätigkeit der Wertsetzung“, die der Bewegung des Kapitals im Kreislauf seiner Verwertung folgt. „Die Größe des Werts ist die verstrichene Zeit des Kapitals“ (Arthur 2011, S. 298). „Wie der Wert von materiellen Waren getragen wird, wird […] die Tätigkeit der Wertsetzung vom Arbeitsprozess getragen“. Damit scheint sich Arthur im Begriff der abstrakten Arbeit als „reiner Tätigkeit“ vollständig vom Entäußerungskonzept der Arbeit zu distanzieren. Die materielle Arbeit wird negativ bestimmt, sie ist als „die Trägerin der Zeit des Kapitals“ nicht produktiv, sondern in der Zeit wird ihr vom Kapital das Produkt quasi abgepresst. Wie Arthur wenden sich auch Autoren wie Ricardo Bellofiore oder Karl Reitter, gegen Rubin und Heinrich, gegen eine Abstraktifizierung der Arbeit durch den Tauschprozess oder sogar gebunden an die Tauschakte selbst. Für sie ist die reelle Subsumtion der lebendigen Arbeit und der lebendigen Arbeit unter das Kapital der entscheidende Grund für Verwandlung des Arbeitsprozesses in einen Wertbildungsprozess, gegen den die Arbeitenden sich zur Wehr setzen (müssen).

Letztlich braucht aber auch nach Arthur das Kapital die „Handlungsfähigkeit der Arbeiter“ und es kann ihm „nicht wirklich“ darum gehen, „den Arbeiter auf den Status eines bloßen Instruments zu reduzieren“. Nur die konkrete Arbeit kann die „tote Arbeit“ mit „neuer Arbeit“ beleben und die Stunden von ihrer Lebenszeit, die die Arbeitenden unter Aufsicht des Kapitals verbringen, zu einem gesellschaftlichen Gesamtprodukt verknüpfen, das nach Tagen oder Stunden zählt. Heinrich ist so nicht zuzustimmen, wenn er schreibt: „Arbeitszeit als Maß der Wertgröße ist genauso wenig unmittelbare Arbeitszeit wie abstrakte Arbeit als Wertsubstanz unmittelbare, d. h. konkrete Arbeit ist. Abstrakte Arbeit kann daher nicht einfach durch Arbeitszeit, sondern nur durch ‚sozusagen‘ … ‚abstrakte Arbeitszeit‘ gemessen werden“ (Heinrich 1999, S. 219).37 Die Wertbestimmung findet in einem realen gesellschaftlichen Raum-Zeit-Kontinuum statt, in dem sich auch die Zeitökonomie des Kapitals abspielt. Schließlich ist es im Kern eine empirische Frage, wieweit die Marxsche Hypothese zutrifft, dass die gesellschaftlichen Wertgrößen und Wertstrukturen durch die gesellschaftlich für die Warenproduktion aufgewendeten Arbeitszeiten reguliert werden.38

In der Marxschen Behandlung der Fragen der Bestimmung der Wertgrößen im ersten Band von „Das Kapital“ erweist sich der Zugang auf die Ebene der individuellen Waren und der einzelnen Kapitale und ihrer Bewegungen als unvollständig, da die Größenverhältnisse sich erst in der Zusammenfassung zum gesellschaftlichen Gesamtprodukt herausbilden. Das betrifft etwa die Frage der „gesellschaftlich notwendigen Arbeit“ für die verschiedenen Warensorten, da nicht die individuell aufgewendete Arbeit für den Wert einer Ware maßgebend ist, sondern die, die in den einzelnen Produktionssektoren bei durchschnittlicher Produktivität und Intensität der Arbeit erforderlich ist. Auch Disproportionen zwischen Angebot und Nachfrage bestimmter Waren schlagen sich erst in der aggregierten Wertgröße nieder. Die Teilung zwischen „Notwendiger Arbeit“ und „Mehrarbeit“ ist nicht, wie Marx nahelegt an einer Teilung des Arbeitstages eines einzelnen Arbeiters zu erkennen (MEW 23, S. 230 f.), sondern nur rückwirkend aus den gesellschaftlichen Aggregaten. Zusammenfassender Ausdruck für die in einer Arbeitsperiode neu verausgabten und vergegenständlichte Arbeit ist das sog. Neuprodukt oder in den Begriffen der Makroökonomie die Wertschöpfung der produzierenden Sektoren der „Volkswirtschaft“.39 Der Wert bzw. Preis der individuellen Ware eines Kapitals drückt einen bestimmten vorgestellten bzw. realisierten Anteil am Gesamtprodukt aus. Der Geldausdruck, zu dem eine Ware faktisch getauscht wird, repräsentiert die gesellschaftliche Arbeit, die sich für diese Ware (einer bestimmten Qualität) ex-post als notwendig herausstellt. Wie Cogoy sagt (1977, S. 32), bildet die (Arbeits)Wertstruktur eine in der Preisstruktur, oder im Mantel des Preises, enthaltene „innere Struktur“ (auf keinen Fall umgekehrt), das Preissystem enthält mehr Informationen (Determinanten) als das Wertsystem, deshalb ist die Determinierung von Innen begrenzt.40

Der Wert kann sich nur erhalten, indem er sich vermehrt. Dafür muss er ständig seine Form wechseln. Um als Kapital zu fungieren, muss das Geld vermehrt aus diesem Formwechsel hervorgehen. „Die einfache Warenzirkulation – der Verkauf für den Kauf – dient zum Mittel für einen außerhalb der Zirkulation liegenden Endzweck, die Aneignung von Gebrauchswerten. Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist dagegen Selbstzweck, denn die Verwertung des Wertes existiert nur innerhalb dieser stets erneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos“ (MEW 23, S. 167). Die „rastlose(n) Vermehrung des Werts“ (MEW 23, S. 168) kennt keine inneren Begrenzungen. Der Sinn der Kapitalbewegung ist die scheinbar qualitätslose, nur rein quantitativ bestimmte Vermehrung in seiner selbstständigen Form des Wertes. Das „äußere Maß“ des Wertes scheint sein „inneres Maß“ zu überwältigen. Wie Marx sagt, muss man, um zum Kapital zu gelangen, nicht von der Arbeit, sondern vom Geld ausgehen.

Der Wert als Kapital muss beständig die Form wechseln, als Geld oder Ware auftreten. Nicht nur das Geld, sondern auch die Ware wird innerhalb der Kapitalzirkulation zum Kapital, das sich in Geld zurückverwandeln muss. Die Rastlosigkeit und Maßlosigkeit der Bewegung wurzeln nicht in der Psyche des Kapitalisten oder in allgemeinen anthropologischen Bestimmungen des Menschen, sondern in der gesellschaftlichen Struktur. Kapital wird „sich selbst verwertender Wert“, der sich nur noch auf seine eigene Größe bezieht. „In der Tat aber wird der Wert hier das Subjekt eines Prozesses, worin er unter dem beständigen Wechsel der Formen von Geld und Ware seine Größe selbst verändert, sich als Mehrwert von sich selbst als ursprünglichem Wert abstößt, sich selbst verwertet“ (MEW 23, S. 169). In dieser selbstbezüglichen Struktur wird der Wert in Form des Produktion und Austausch um- und übergreifenden Kapitals zum „automatischen Subjekt“. Er geht beständig aus der einen Form in die andre über, ohne sich in dieser Bewegung zu verlieren, und verwandelt sich so in ein automatisches Subjekt. Fixiert man die besondren Erscheinungsformen, welche der sich verwertenden Wert im Kreislauf seines Lebens abwechselnd annimmt, so erhält man die Erklärungen: Kapital ist Geld, Kapital ist Ware. In der Tat aber wird der Wert hier das Subjekt eines Prozesses, worin er unter dem beständigen Wechsel der Formen von Geld und Ware seine Größe selbst verändert, sich als Mehrwert von sich selbst als ursprünglichem Wert abstößt, sich selbst verwertet. Denn die Bewegung, worin er Mehrwert zusetzt, ist seine eigne Bewegung, seine Verwertung also Selbstverwertung. „Er hat die okkulte Qualität erhalten, Wert zu setzen, weil er Wert ist“ (MEW 23, S. 168 f.).

6 Warenabstraktion, Fetisch und Verdinglichung: Schicksale der Analyse der Wertform

Mit dem Aufkommen sozialistischer Massenparteien in einigen Ländern des westlichen Europa ab den 1880er-Jahren setzte der Prozess ein, in dem die Marxsche Theorie, insbesondere die Kritik der politischen Ökonomie zu einer positiven Lehre kanonisiert wurde. Insbesondere wurde „Das Kapital“ nicht als Kritik der politischen Ökonomie gelesen, sondern als unmittelbare Analyse der kapitalistischen Gesellschaft, aus der sich eine naturnotwendige Entwicklung hin zum Sozialismus ablesen lasse.

Mit dieser Wendung waren folgenreiche Interpretationen gerade der Marxschen Analyse der Wertform verbunden, wie sie zu dieser Zeit vor allem im Kapital und einigen früheren Schriften vorlag. Entsprechend ihrer evolutionistischen Grundorientierung fasste die Marx-Orthodoxie der Zweiten Internationale die kategorialen Entwicklungen der Wertform als Darstellung eines realen historischen Ablaufs auf. Marx entwickelt die entfaltete Wertform sowie dann das allgemeine Äquivalent ausgehend von der einfachen Wertform als Logik dialektischer Kategorien und verweist dabei auf gleichfalls kategoriale Gegensätze. So konstatiert er, es sei „das der Produktion vorausgesetzte Gemeinwesen, das die Arbeit des einzelnen verhindert, Privatarbeit … zu sein“, während „die Arbeit, die sich im Tauschwert darstellt, … vorausgesetzt (ist) als Arbeit des vereinzelt Einzelnen“ (MEW 13, S. 21). Als historische Abfolge wurde daraus im Rahmen einer evolutionistisch geprägten „Weltanschauung“ das Bemühen um den empirischen Nachweis der einfachen Formen und insbesondere der „einfachen Warenproduktion“ als Vorstufe zur „allgemeinen Warenproduktion“. Damit wurde die begriffslogische Entwicklung bei Marx in eine Konstruktion der Menschheitsgeschichte oder auch der mit naturhistorischer Notwendigkeit erfolgenden historischen Entwicklung einzelner regional umrissener Gesellschaften uminterpretiert.

Dafür steht vor allem der „Parteitheoretiker“ Karl Kautsky, der sich selbst als „Priester“ der Marx-Orthodoxie stilisierte (Gilcher-Holtey 1986, S. 21). Unmittelbar bezogen auf die Wertproblematik versteht Kautsky in seiner vielfach aufgelegten „allgemein verständlichen Darstellung und Erläuterung“ der „ökonomischen Lehren“ von Marx die „einfache oder einzelne Werthform“ als die historische „Periode“, als „nur hier und da gelegentlich und zufällig Produkte ausgetauscht“ wurden (Kautsky 1906, S. 29); wo dies „gewohnheitsmäßig“ geschehen sei wie „noch bei Homer“, sieht er „die totale oder entfaltete Werthform“, schließlich bei Verallgemeinerung des Tauschs dann die „allgemeine Werthform“ oder „Aequivalentform“ (Kautsky 1906, S. 30). Wenn Engels noch die politische Ökonomie als eine „wesentlich historische Wissenschaft“ bezeichnet hatte, weil sie „einen stets wechselnden Stoff“ behandle (Engels 1878, S. 136), so behandelte Kautsky die politische Ökonomie selbst als eine positive Darstellung der historischen Entwicklung. Gleichgültig, ob diese und andere Formen des Szientismus oder „Positivismus“ auf ein bestimmtes Entwicklungsstadium des Kapitalismus, den Übergang vom „Liberalismus“ zum „Imperialismus“ und die unter ihm aufkommende Herrschaft des „Positivismus“ und die damit einhergehende Zurückweisung dialektischen Denkens zurückgeführt wird (vgl. Stapelfeldt 2012, S. 244 ff.; Lukács 1923, S. 58), hatte dies langfristige Konsequenzen für die Rezeption der Marxschen Theorie, ihre Umformung und Aneignung durch spätere Generationen. Auch die Darstellung der Wertform gerät so zur fachwissenschaftlichen Erörterung; aus der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie war eine „marxistische Ökonomie“ (Hilferding 1910, S. 20) geworden, wie sie auch bis in die jüngere Vergangenheit immer wieder propagiert wurde (vgl. Mandel 1962).

Den „Fetischcharakter der Waare“ versteht Kautsky als Konsequenz daraus, dass „die Arbeiten zu Privatarbeiten wurden, die unabhängig voneinander betrieben wurden“ und „die Produktion eine planlose wurde“. Demzufolge wurden „den Naturalformen der Waaren … Eigenschaften zugeschrieben, die mystisch erscheinen, so lange sie nicht aus den Verhältnissen der Produzenten zu einander erklärt werden“ und so „die Erkenntniß der Eigenthümlichkeit der Waaren erschwert“ (Kautsky 1906, S. 14 f.). Entgegen der geringen Beachtung, die „Gegner, ja selbst vielfach selbst … Anhänger der Marx’schen Lehren“ dem Fetisch-Kapitel schenkten, sei es doch „eines der wichtigsten des ‚Kapital‘“ (Kautsky 1906, S. 15). Für Kautsky blieb dabei jedoch die Kritik an der Anarchie des Marktes vordringlich, die er auf die mit der Verallgemeinerung der Warenproduktion entstandene Planlosigkeit der gesellschaftlichen Produktion zurückführte. Deren Überwindung glaubte man durch die „technische Steuerung und Beherrschung von Gesellschaft und Natur“ erreichen zu können (Stapelfeldt 2012, S. 254). Diese auf die Anwendung naturgesetzlicher Notwendigkeiten und vorhandener Technologien ausgerichtete Zukunftsperspektive ist nicht auf die revisionistischen und zentristischen Flügel der Zweiten Internationale beschränkt; sie ist nicht zuletzt in den Projektionen einer totalen Verstaatlichung als Perspektive revolutionärer Umgestaltung bei Lenin (1917b, S. 484) in radikalisierter Weise präsent (s. auch Kößler 1993, Kap. 7 und 8).

Praktisch-politisch wurde diese marxistische Orthodoxie durch die Oktoberrevolution durchbrochen. Die von Lenin unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Russland formulierten „Aprilthesen“ (1917a) brachen mit der Fixierung auf Stadien des revolutionären Prozesses und orientierten sich an der Realität der sozialen Bewegung und den damit gegebenen Chancen einer wie immer verstandenen Diktatur des Proletariats. Diese „theoretische Tat“ (Lukács 1923, S. 164) änderte jedoch wenig an der theoretischen Ausrichtung, die das bolschewistische Experiment nach der Oktoberrevolution ebenso prägte wie seine theoretische Fundierung. Beide bewegten sich nach wie vor im Bezugsrahmen der kautskyanischen Marx-Interpretation.

Unter dem Eindruck der historischen Wende der Oktoberrevolution formulierte Georg Lukács in der Aufsatzsammlung Geschichte und Klassenbewußtsein (1923) Ansätze eines theoretischen Neuanfangs, der – zu großen Teilen entgegen den Intentionen des Verfassers – entscheidend für die Herausbildung eines westlichen Marxismus und insbesondere der Kritischen Theorie werden sollte. Dementsprechend traf Lukács auch unmittelbar auf scharfe Ablehnung seitens der Hüter der Parteiorthodoxie. Gegen die überkommene starre Orthodoxie forderte Lukács ähnlich wie zu gleicher Zeit Karl Korsch (1923), auch Marxsche theoretische Positionen der Kritik auf der Grundlage von dessen eigener historisch-kritischen Methode zu unterwerfen. Allein in dieser Herangehensweise erblickte Lukács einen methodologisch begründeten „orthodoxen Marxismus“. Davon nicht ablösbar war die Wiederentdeckung dialektischen Denkens, insbesondere der Kategorie der Totalität gegenüber der Fragmentierung gesellschaftlicher Zusammenhänge sowie die Betonung der engen Beziehungen zwischen der Hegelschen Philosophie und der Marxschen Theorie.

Ihren konzentriertesten Ausdruck fand diese Neuorientierung im zentralen Text von Geschichte und Klassenbewußtsein, „Die Verdinglichung und das Bewußtsein des Proletariats“. Ausgangspunkt von Lukács’ Überlegungen ist die „Ware“. Sie wird in erster Linie als Chiffre für die durchgängigen Abstraktionsprozesse genommen, die die kapitalistisch geprägte Gesellschaft bestimmen. Lukács knüpft dabei in hohem Maß an die Analyse von Rationalität und Rationalisierung bei Max Weber an, zum andern aber neben dem Kapital an die Marxschen Frühschriften, soweit sie damals im Druck zugänglich waren.

Entscheidend ist für Lukács die Verschleierung der Verhältnisse der kapitalistischen Gesellschaft durch den „fetischistischen Schein“, wie es bereits in dem älteren Aufsatz „Über orthodoxen Marxismus“ heißt. Dieser verhülle den „historischen, d. h. transitorischen, vorübergehenden Charakter“ dieser Verhältnisse und zugleich das „eigene Wesen“ der „ökonomischen Kategorien … als Gegenständlichkeitsformen, als Kategorien der Beziehungen der Menschen zueinander“ (Lukács 1923, S. 186). Durchaus mit Anklang nicht nur an Hegel, sondern auch an Kautsky meint Lukács, „daß das Kapitel über den Fetischcharakter der Ware den ganzen historischen Materialismus, die ganze Selbsterkenntnis des Proletariats als Erkenntnis der kapitalistischen Gesellschaft (und die der früheren Gesellschaften als Stufen zu ihr) in sich verbirgt“ (Lukács 1923, S. 354).

Lukács kontrastiert wiederholt den „modernen Kapitalismus“ mit „Warenverkehr“ „auf sehr primitiven Entwicklungsstufen der Gesellschaft“ (Lukács 1923, S. 258) und beruft sich dazu auf Marx (hier 1859, S. 36). Während es Marx allerdings darum geht, die unterschiedlichen Wertformen zu reflektieren und dazu auch kontrastierende Konstrukte vorzustellen, artikuliert Lukács – durchaus im Anklang an die Rezeption der Zweiten Internationale – das hypothetische Konstrukt einer älteren Gesellschaft ohne die dem Kapitalismus zugeschriebenen Kennzeichen Dabei zeichnen sich auch immer wieder Vorstellungen von einer präkapitalistischen Harmonie ab.

Lukács akzentuiert vor allem die „Abstraktion der menschlichen Arbeit“ als Ausfluss der „Universalität der Warenform“ (Lukács 1923, S. 261), betont jedoch weit weniger als Marx (etwa MEW 23, Kap. 11, 12 und 13) die Bedeutung und Dynamik von Arbeitsteilung und Kooperation als vielmehr ausdrücklich in der Nachfolge Max Webers „das Prinzip der auf Kalkulation, auf Kalkulierbarkeit eingestellten Rationalisierung“ (Lukács 1923, S. 263) und verweist mit deutlichem Anklang an Simmels aus dem Geldverkehr hergeleitete Diagnose von der Objektivierung aller denkbaren Lebensbereiche auf die „Verselbständigung der Teiloperationen“, und entwickelt daraus den Verlust des „Tätigkeitscharakters“ der „Tätigkeit des Arbeiters“ die These, diese werde damit „zu einer kontemplativen Haltung“ (Lukács 1923, S. 263 f.). Diese Haltung entsprach der Orientierung des bürgerlichen Denkens, die Lukács durchgängig einem aktivistischen, revolutionären und kritischen Zugriff entgegensetzte und auch als Konsequenz des „ökonomischen Fatalismus“ der Zweiten Internationale kritisierte (Lukács 1923, S. 210).

Als Folge der Warenabstraktion und der damit einhergehenden Aufsplitterung von Teilarbeiten wird „das ganze Leben der Gesellschaft … in isolierte Tauschakte von Waren pulverisiert“ (Lukács 1923, S. 266). Damit geht der Bezug auf Totalität verloren, was nicht zuletzt auch epistemologisch zur Zersplitterung des Wissens in der bürgerlichen Wissenschaft in Analogie zur Aufspaltung in gesellschaftliche „Teilsysteme“ (Lukács 1923, S. 276) führt. „Durch die Spezialisierung der Leistung geht jedes Bild des Ganzen verloren“ (Lukács 1923, S. 279). Hier knüpft Lukács an die aus Privateigentum und Arbeitsteilung begründete Entfremdungs-Analyse des jungen Marx an. Noch in seiner ausführlichen Auseinandersetzung und Selbstkritik mit seinem vielleicht einflussreichsten Buch hat Lukács es sich als Verdienst angerechnet, „Entfremdung“ als Zentralproblem der Zeit „zum erstenmal seit Marx als Zentralfrage der revolutionären Kritik des Kapitalismus“ behandelt zu haben (Lukács 1968, S. 24). Entfremdung und Verdinglichung werden dabei weitgehend gleichgesetzt und mit der Durchrationalisierung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens verknüpft. Unter Berufung auf Engels und Marx (MEW 2, S. 37) nimmt Lukács dann die Einsicht, dass Bourgeoisie und Proletariat „dieselbe Selbstentfremdung dar(stellen)“, sie aber polar gegensätzlich, nämlich als „eigene Macht“ einerseits als „ihre Ohnmacht und die Wirklichkeit einer unmenschlichen Existenz“ erfahren, zum Ausgangspunkt seiner Bestimmung des „Standpunktes des Proletariats“ (Lukács 1923, S. 331 ff.). Er reklamiert dafür die Möglichkeit, die Antinomien endlich praktisch aufzulösen, die, wie er ausführlich nachweist, die klassische Philosophie in Bann gehalten hatten und die er eingehend nachzeichnet. Diese ontologische Begründung, die weiter überhöht die leninistische Partei als Ausdruck des Klassenbewusstseins proklamierte (Lukács 1923, Kap. 8), interessiert hier nur insoweit, als Lukács damit dem Proletariat eine emphatische, auf die Hegelsche Philosophie bezogene Position zuweist: Diese Klasse sei „von ihrem Lebensgefühl aus … befähigt,“ das „identische Subjekt-Objekt, das Subjekt der Tathandlung … in sich selbst zu entdecken“ (Lukács 1923, S. 331). Lukács begründet dies aus dem „Spezialcharakter der Ware als Arbeit“, ihrem „Gebrauchswert“ im Sinne ihrer „Fähigkeit, ein Mehrprodukt zu liefern“, die zwar „in den quantitativen Tauschkategorien des Kapitalismus spurlos untertaucht“, jedoch durch die „praktische Erkenntnis des Proletariats“ „zur gesellschaftlichen Wirklichkeit“ erwache. Denn durch die Einsicht in den verborgenen Charakter „dieser Warenart“ als „Beziehung zwischen Menschen … kann der auf die Arbeitskraft als Ware fundierte Fetischcharakter einer jeden Ware enthüllt werden“ (Lukács 1923, S. 353).

Die Perspektive der Auflösung der Widersprüche durch das konkrete, praktische Auftreten eines δυνάμει – also den ihm unterstellten inhärenten Möglichkeiten nach – identischen Subjekt-Objekts verweist auf die Erwartung einer gesellschaftlichen Harmonie, die zuvor in der vorgeblichen „Ganzheit“ vorkapitalistischer Gesellschaften imaginiert war. Auch hier scheint Lukács weniger weit von Kautsky entfernt, als ihm wahrscheinlich bewusst gewesen ist.

Die Perspektive der Überwindung der konzentriert in der Universalisierung des Warentauschs fassbaren Antinomien der kapitalistischen Gesellschaft durch die Selbstartikulation eines mit einem gesellschaftlichen Erkenntnisprivileg ausgestatteten identischen Subjekt-Objekts ist der Scheidepunkt zwischen den Auffassungen von Lukács und der sich herausbildenden Kritischen Theorie, insbesondere Theodor W. Adornos Auseinandersetzung mit dem Warenfetischismus. Bei alledem spielt die „Formanalyse“ durchgängig keine Rolle (Habermas 1981, S. 478).

Lukács kann zunächst als wichtiger „Stichwortgeber“ (Grigat 2012, S. 361) der sich herausbildenden Kritischen Theorie gelten, nicht zuletzt durch die neuerliche Aktualisierung der Dialektik und die Forderung nach einer historisch-kritischen Auffassung der Marxschen Theorie, wie sie in Geschichte und Klassenbewußtsein niedergelegt sind. Zentrale, später vor allem von Adorno freilich in kritischer Wendung neu angeeignete Begriffe wie zweite Natur, Warenfetisch, Verdinglichung und Totalität waren durch Lukács in die an Marx orientierte Debatte wiedereingeführt worden (vgl. Braunstein 2011, S. 21 f.).41

Den scheinbaren terminologischen und auch thematischen Kontinuitätslinien stehen freilich begriffliche und theoretischen Brüche gegenüber, die sich bereits auf das 1925 eingetretene Zerwürfnis zwischen Lukács und Adorno zurückführen lassen (s. Braunstein 2011, S. 31 ff.). So lässt sich in der Dialektik der Aufklärung eine ausführliche Bezugnahme auf Warenfetischismus finden, jedoch in deutlich anderer Wendung als in Lukácsʼ Verdinglichungs-Aufsatz. Arbeitsteilung und Kooperation werden hier unmittelbar als konstitutiv für einen Zwangs- und Herrschaftszusammenhang ausgezeichnet, da Arbeitsteilung, „die dem beherrschten Ganzen zur Selbsterhaltung“ dient, „dem Einzelnen als das Allgemeine gegenüber(tritt), als die Vernunft in der Wirklichkeit“ (Horkheimer und Adorno 1947, S. 34). Damit werden einerseits dem Arbeitszusammenhang immanente Zwänge in der Perspektive einer Vernunftkritik betont, zugleich wird andererseits die Problematik bis weit vor das Aufkommen des modernen Kapitalismus in die Konstitution der klassischen griechischen Mythologie zurückverfolgt, die gleichwohl nicht überwunden ist. Legitimation des Unrechts erfolgt nun „unter dem Titel der blanken Tatsachen“, damit findet die Argumentation Anschluss an den Diskurs über Verdinglichung, weniger aber als Verschleierung der Beziehungen zwischen Menschen, als vielmehr als Ausdruck der in der Wertform enthaltenen Verkehrungen und Rückspiegelungen, denn „mit der Versachlichung des Geistes wurden die Beziehungen der Menschen selber verhext“ (Horkheimer und Adorno 1947, S. 41) – der Bann lässt sich nicht einfach durch Einsicht in die Verdinglichung brechen: „Die dämonenhafte verzerrte Gestalt, die in der Helle der vorurteilslosen Kenntnis Dinge und Menschen angenommen haben, weist auf die Herrschaft zurück“ (Horkheimer und Adorno 1947, S. 42). Wenn die Autoren formulieren, dass die „Brutalität“ des „als gewalttätig manipulier(t)en“ Kollektivs „so wenig die wahre Qualität der Menschen dar(stellt) wie der Wert die der Gebrauchsdinge“ (Horkheimer und Adorno 1947, S. 42), so wird jedoch zugleich deutlich, dass die hier angesprochene Abstraktion nur mehr metaphorisch herangezogen und keineswegs aus der Marxschen Analyse der Wertform entwickelt wird. Auch insoweit stimmen sie mit Lukács überein, bei dem Abstraktion und Rationalisierung auf die begrifflich nicht weiter analysierte Gegebenheit der „verallgemeinerten Warenproduktion“ bezogen werden, während Verdinglichung und die damit weitgehend in eins gesetzte Entfremdung ungeachtet des Verweises auf das Fetischkapitel ehestens aus der Arbeitsteilung im kapitalistischen Betrieb begründet wird.

Später hat Adorno den Tausch als „gesellschaftliches Modell“ des „Identifikationsprinzip(s)“ ausgezeichnet, der Forderung, Begriffe müssten „dem Befaßten Gerechtigkeit widerfahren“ lassen. Durch den Tausch „werden nichtidentische Einzelwesen und Leistungen kommensurabel, identisch. […] Würde indessen das Prinzip abstrakt negiert, würde als Ideal verkündet, es solle, zur höheren Ehre des irreduzibel Qualitativen, nicht mehr nach gleich und gleich zugehen, so schüfe das Ausreden für den Rückfall ins alte Unrecht“ – die „Skepsis gegen die Rancune im bürgerlichen Egalitätsideal“ (Adorno 1966, S. 147 f.) kann nicht die Einsicht auslöschen, dass die „Maßkategorie der Vergleichbarkeit“ und damit das „Versprechen“, das dem Tauschprinzip auch innewohnt, nur zu eliminieren wäre auf Kosten „unmittelbare(r) Aneignung“ und damit von Gewalt und „nackte(m) Privileg“ (Adorno 1966, S. 148). Damit wendet sich Adorno ausdrücklich gegen die autoritären und regressiven Konsequenzen direkter, stofflicher Beziehungen. Damit ist freilich nicht allein Kritik etwa an Lukács impliziert (vgl. Hall 2012, S. 311), sondern ebenso auf kritische Rückfragen an Marx’ eigene Vorstellungen von direkter, nicht-vermittelter Vergesellschaftung verwiesen.

7 „Wert“ im sowjetischen Planungskonzept

Die Oktoberrevolution aktualisierte die Frage der nun nicht mehr allein in der Zukunft verorteten gesellschaftlichen Alternative, die gerade in der Marxschen Tradition bisher meist nur in Chiffren wie der „Assoziation freier Produzenten“ oder mit der Vorstellung einer unmittelbaren, d. h. nicht mehr über den Markt vermittelten Vergesellschaftung diskutiert worden war. In strengen Begriffen meint die damit implizierte „Vergemeinschaftung“ eben „Kommunismus“. Dies wurde im Zusammenbruch der Währung und der Stadt-Land-Beziehungen bereits in den ersten Monaten des Sowjetregimes und erst recht im bald beginnenden Bürgerkrieg virulent. Mit anderen Worten erschienen der völlige Zusammenbruch der Währung, selbst die damit einhergehende Versorgungskrise, der tatsächliche Zusammenbruch der Warenbeziehungen und der Übergang zu Naturalzuteilungen und Naturaltausch als Beglaubigung ebenso wie als Ende der Marktanarchie, die gemäß der im Marxismus der Zweiten Internationale gefestigten Überzeugungen den Kapitalismus in erster Linie charakterisierte, mit der Herrschaft des Wertgesetzes als eines „Elementargesetzes“ (Bucharin 1920, S. 127). Zunächst haben daher viele Bolschewiki die quasi naturwüchsig oder aufgrund von Notmaßnahmen zustande gekommene geldlose Wirtschaft begrüßt oder allenfalls Bedenken über den allzu schnellen Übergang zu den erwarteten „kommunistischen“ Verhältnissen geäußert (vgl. Carr 1952, S. 257–275). N. I. Bucharin etwa begrüßte „die Sprengung der warenfetischistischen Hüllen“ und knüpfte daran die Erwartung auf einen Übergang auch zu einem „natur-wirtschaftlichen Denken, d. h. der Betrachtung der Gesellschaft ebenso wie ihrer Teile als eines Systems von Elementen in ihrer Naturalform“ (Bucharin 1920, S. 159). Diese Schlussfolgerung war keineswegs so ungewöhnlich, wie sie in der Rückschau erscheinen mag. Für Georg Simmel erschienen die drastischen, im Vergleich zum Russischen Bürgerkrieg gewiss weit weniger durchschlagenden Folgen der „Absperrung Deutschlands vom Weltmarkt“ in einem grundsätzlich ganz ähnlichen Licht, wenn er 1916 die Folgen der Rationierung vor allem von Nahrungsmitteln, symbolisiert durch die „Brotkarte“, in einer Weise kommentierte, die zugleich seinen spezifischen Blick auf „Wert“ und „Werte“ unterstreicht: „In die ungeheuerste Maskierung des wirklich Wertvollen durch die Mittel dafür, die die Kulturgeschichte kennt, ist an einer Stelle ein Loch gerissen worden“ (GSG 16, S. 47). Im „Kriegskommunismus“ zeigten sich die so entstandenen Formen unmittelbarer Vergesellschaftung als Gewaltverhältnisse. Am drastischsten kam dies wohl in den bewaffneten Requisitionskampagnen zum Ausdruck, bei denen formelle und informelle Abteilungen aus den Städten aufs Land geschickt wurden, um so die zugespitzte Nahrungsmittelkrise in den Städten zu lindern. Die Einschätzung Adornos schließt unmittelbar hier an, da die Erfahrungen des Kriegskommunismus sich letztlich als prägend für Gesellschaften sowjetischen Typs erweisen sollten.

Noch aus der Sicht der ab 1921 auf den Kriegskommunismus folgenden Neuen Ökonomischen Politik, die eine begrenzte Rückkehr zu Marktbeziehungen brachte, bestand für E. Preobraženskij ein deutlicher Gegensatz innerhalb dieses Systems, das durch die „simultane“ Wirkung des „Planungsprinzips“ wie des „Wertgesetzes“ gekennzeichnet sei (Preobraženskij 1926, S. 71). Ähnlich sprach Bucharin in seiner Kritik an Preobraženskij vom „Hinüberwachsen der Elementargesetze in bekannte und bewusst kontrollierte [Gesetze]“ (Bucharin 1926, S. 116), wobei das Wertgesetz deutlich der erstgenannten Kategorie zugerechnet wird. Es handelt sich aus dieser Sicht um zwei historisch unterschiedliche, in einer evolutionären Linie stehende Gesetzmäßigkeiten (vgl. Preobraženskij 1926, S. 206 f.). Stalin bestritt noch Anfang der 1950er-Jahre vehement die Gültigkeit des „Wertgesetzes“ außerhalb der Verteilung der „Konsumgüter für die Deckung des Aufwands der Arbeitskraft“, weil eine am Wertgesetz orientierte kurzfristige, betriebsbezogene Rentabilitätsrechnung die langfristige, gesamtgesellschaftlich ausgerichtete Planung konterkariere (Stalin 1952, S. 25). In einer späteren Phase des Sowjetsystems wurde diese Sichtweise insofern revidiert, als angenommen wurde, „Wert (oder Wertgesetz)“ seien im Sozialismus nicht überwunden, sondern vielmehr grundlegend neu bestimmt als „bewußt eingesetztes Instrument der Rationalisierung und der planmäßigen Leitung der Produktion“ (Klaus und Buhr 1970, S. 1151). Der Fetischcharakter sollte demzufolge gleichsam abgestreift sein, aber der „Wert“ wurde als reine Rechnungsgröße beibehalten. Auch dabei wurde die Fetischbeziehung nicht als realer Schein mit komplexen Spiegelungsverhältnissen zwischen den Menschen und ihren Produkten, sondern vielmehr in der Tradition Kautskys als vordergründig zu entlarvende Ideologie behandelt. Die spätere, insgesamt auf Stalin zurückgehende sowjetische Planungstheorie hielt insgesamt an dem Konzept fest, nach dem eine Übergangsperiode im Sinne eines als „Sozialismus“ ausgezeichneten ersten Stadiums fest, von dem das „kommunistische“ Endziel unterschieden wurde (vgl. Bettelheim 1971, S. 13). Allerdings konnte diese seit Beginn in unterschiedlichen, aufeinander folgenden Formen vehement propagierte Rechenhaftigkeit wenig an den Dysfunktionen ändern, die eng damit verknüpft waren, dass „die sowjetische Wirtschaft … ungeachtet der in konkreten Anweisungen, Transaktionen, Informationen usw. überwiegenden Wertindikatoren … vorab und letztlich auf naturalwirtschaftliche (gebrauchswertförmige) Ziele ausgerichtet“ war, die sich „letztlich dem formalrationalen Kalkül“ entziehen (Conert 1990, S. 95).

8 Organisierter Kapitalismus in der kritischen Theorie

In der älteren kritischen Theorie kommen diese Dysfunktionen kaum zur Sprache. Vielmehr folgt für Friedrich Pollock aus der Ausschaltung des Marktes, die er auf den Zusammenbruch des „Privatkapitalismus“ sowie des „Monopolkapitalismus“ (Pollock 1941b, S. 450) im Ersten Weltkrieg und der Weltwirtschaftskrise zurückführt (1932, 1933) der „Staatskapitalismus“ (bes. Pollock 1941a), zum einen in Form der totalitären Kommandowirtschaft, die Pollock sowohl unter der Naziherrschaft als auch in der Sowjetunion erblickt (Pollock 1941b, S. 450 ff.), zum anderen in einer möglichen demokratischen Form, die offenbar sowohl an die Kriegswirtschaft der Westmächte als auch an den New Deal anschließen würde (vgl. Pollock 1933, S. 346 ff., 1941a, S. 224 f.). „Kommandowirtschaft“ steht dabei im ausdrücklichen Gegensatz zur zusammengebrochenen „Tauschwirtschaft“ (Pollock 1941b, S. 450). Pollock versteht dies ausdrücklich als Form der Überwindung der Krise: Das neue System, speziell der Nazismus wende „neue Regeln“ an, „die seine Wirtschaftspolitik effektiver machen als alles vorher Gekannte“ (Pollock 1941b, S. 452). Ferner: „Der totalitäre Staatskapitalismus bietet die Möglichkeit zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme um den Preis totalitärer Unterdrückung“ (Pollock 1941a, S. 224). Es erscheint zutreffend, dass diese Überlegungen in dem Bezugsrahmen der traditionellen marxistischen Geschichtskonzeption stehen. Pollock betont in seiner Analyse der Weltwirtschaftskrise nachdrücklich, dass die Dynamik der Produktivkräfte dazu tendiere, die Produktionsverhältnisse zu sprengen, was Ausdruck auch in der destruktiven Einschnürung der Produktivkräfte finde (Pollock 1933, S. 340 ff.). Die Tendenz zur „einheitlichen Leitung der gesamten Wirtschaft“ durch den Staat erscheint dann als der „äusserste Punkt …, bis zu dem die Produktionsverhältnisse modifiziert werden können, ohne dass die Grundlagen des kapitalistischen Systems aufgehoben werden“ (Pollock 1933, S. 348). Acht Jahre später sieht Pollock diesen Punkt offenkundig überschritten mit der wichtigen Wendung, die Sowjetunion neben der Naziherrschaft der totalitären Form des Staatskapitalismus zu subsumieren. Diese Überlegungen wurzeln weiter in der Annahme, wesentliche Elemente der künftigen sozialistischen Gesellschaft lägen in entscheidenden Punkten, insbesondere in Form der industriellen Produktivkräfte unter dem Kapitalismus bereits vor, undes bedürfte lediglich noch des Abstreifens der sie hemmenden Hülle der Produktionsverhältnisse. Pollock sieht dementsprechend die „Neue Ordnung“ eines totalitären Staatskapitalismus als die pervertierte Einlösung dieser Perspektive. Freilich verstrickt sich Pollock hier in die Schwierigkeiten einer auf die Zirkulationssphäre und den Warentausch beschränkten Perspektive (vgl. Postone 1993, S. 96 ff.), die zuvor bereits in der Tendenz der marxistischen Tradition deutlich geworden war, statt einer Analyse der Wertform vorab die Ware ins Zentrum zu stellen. Für die weiteren Schicksale der Kritischen Theorie erscheint es wesentlich, dass Max Horkheimers folgenreicher Aufsatz „Autoritärer Staat“ (1940) zentrale Motive von Pollocks Staatskapitalismus-Konzept aufnimmt, um eine aporetische Situation zu schildern, in der „selbst die Feinde des autoritären Staates Freiheit nicht mehr denken können“ (Horkheimer 1942, S. 318). Da auch Horkheimer am Grundkonzept der Produktivkraftentwicklung festhält, ist der Weg zu der in Dialektik der Aufklärung vorgetragenen Kritik der Naturbeherrschung gewiesen. Jedoch auch die Vorstellung eines „staatlich geregelten Kapitalismus“ im Verständnis eines evolutionären Stadiums (Habermas 1973, S. 9, 18, vgl. Offe 2006, S. 65) hält an den von Pollock formulierten Vorstellungen im Kern fest.42

Wenn Postone (1993, S. 97) konstatiert, dass Pollocks Begriff des Ökonomischen in erster Linie auf den Markt orientiert sei, so unterstreicht dies die Kontinuität zu der oben herausgearbeiteten Engführung der Wertproblematik auf die Ware bei Lukács. Weiter wird dadurch die Distributionssphäre begrifflich privilegiert (vgl. Postone 1993, S. 97 ff.), und entsprechend der Konzeption des Autoritären Staates tritt die Problematik des Profits hinter jener der Macht zurück (vgl. Postone 1993, S. 99).

9 Was ist Arbeit?

In der Folge hat für die vor allem von Habermas vollzogene kommunikationstheoretische Wende die Unterscheidung, ja Dichotomie von Arbeit und Interaktion eine zentrale Rolle gespielt (vgl. Habermas 1968, S. 71 ff., 1976, S. 31, 1981, II, S. 463). Diese leitet Habermas philosophiegeschichtlich aus einer Analyse von Hegels Frühschriften ab (s. Habermas 1969). Seine Überlegungen berühren daher die Marxsche Wertanalyse vor allem in Bezug auf „Arbeit“, die hier in erster Linie als anthropologische Konstante, nicht aber in gesellschaftlicher Formbestimmtheit erscheint, in der allein sie für die Kritik der politischen Ökonomie eine Rolle spielen kann. An der Unterscheidung von Arbeit und Interaktion schließen bei Habermas die polare Unterscheidung von System und Lebenswelt sowie das aus diesem gegensätzlichen Konstrukt entwickelte Theorem der „Kolonialisierung der Lebenswelt“ an (s. Habermas 1981, Bd. II: Kap. VI, VII). Pragmatisch ist dagegen einzuwenden, dass die Sphären von Heim und Betrieb unter industriekapitalistischen Bedingungen immer schon eng verklammert waren, wobei den betrieblichen Erfordernissen, dem Kommando des Kapitals, die hegemoniale Position zukam (s. Kößler 1990, S. 67–73, bes. 72). Kategorial verfehlt die Gegenüberstellung von Arbeit und Interaktion die unhintergehbaren kommunikativen Momente eines jeden menschlichen Arbeitsprozesses (vgl. hier nur Bücher 1897; Burawoy 1985). Schließlich übersieht diese begriffliche Konstruktion, dass Arbeit auch unter dem Kommando des Kapitals nicht in Lohnarbeit aufgeht. Vielmehr geht es gerade vor dem Hintergrund der Marxschen Wertanalyse entscheidend um die Formbestimmung von Arbeitsprozessen, die sich einmal mehr an der Unterscheidung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert festmacht, die hier die Unterscheidung zwischen aus Sicht des Kapitals produktiver und unproduktiver Arbeit markiert.

Marx sagt kategorisch, dass „der Gebrauchswert als Gebrauchswert … jenseits des Beobachtungskreises der politischen Ökonomie (liegt)“, da der Warencharakter für die „gleichgültige Bestimmung für den Gebrauchswert“ sei. Er fällt also aus der „ökonomischen Formbestimmung“ heraus (MEW 13, S. 16). Das bedeutet, dass für die politische Ökonomie, anders gesagt, aus der Perspektive des Kapitals, die diese als herrschendes und avanciertes theoretisches Selbstbewusstsein der bürgerlichen Gesellschaft artikuliert, alles das, was nicht warenförmig vorliegt, einfach irrelevant ist. Ein Tisch, der für den Eigenbedarf hergestellt wurde, mag sich als besonders schönes Erbstück hoher Wertschätzung erfreuen, solange er aber nicht auf dem Markt auftaucht und dem gesellschaftlichen Tauschprozess unterworfen wird, ist er aus dieser Perspektive „nichts wert“, ist nicht „produktiv“ (vgl. Smith 1776, S. 330). Der in die Produktion des Tisches eingegangenen Arbeit bleibt damit die Anerkennung als gesellschaftliche Arbeit versagt, sie ist rein private Tätigkeit.

Daraus ergeben sich im Einzelnen höchst paradoxe Bestimmungen, die sämtlich darauf zurückgehen, dass es bei der Auszeichnung als „produktive Arbeit“ nicht um die konkrete Verrichtung geht, sondern allein um die Form ihres gesellschaftlichen Zusammenhangs (vgl. MEW 26.1, S. 135 f.). Marx betont zugleich, dass in dieser Perspektive Tätigkeiten und Gegenstände der „futilsten Art“ (MEW 26.1, S. 128) zu produktiver Arbeit bzw. Waren werden, die „gekauft werden mit Kapital … und einen Profit abwerfen“ (MEW 26.1, S. 137).

Materiell überschneiden sich so bestimmte produktive Arbeit für das Kapital und gesellschaftlich notwendige Arbeit, sie sind aber in keiner Weise kongruent. Produktive Arbeit für das Kapital kann auch nach herrschenden Vorstellungen sinnlos, unproduktive lebensnotwendig sein. Nicht zufällig rückte in diesem Zusammenhang immer wieder die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ins Blickzentrum: „Von diesem Standpunkt ist die Tänzerin im Tingeltangel, die ihrem Unternehmer mit ihren Beinen Profit in die Tasche fegt, eine produktive Arbeiterin, während die ganze Mühsal der Frauen und Mütter des Proletariats in den vier Wänden ihres Heimes als unproduktive Tätigkeit betrachtet wird.“ Rosa Luxemburg bemerkte weiter, diese Arbeit sei „nur eine private Angelegenheit des Proletariats, sein Glück und Segen, und gerade deshalb Luft für die heutige Gesellschaft.“ Gerade in diesem Widersinn erschließt sich das Ausmaß, in dem die kapitalistische Produktionsweise – ganz im Gegensatz zur Annahme einer Entzauberung der Welt – die von ihr beherrschte und geprägte Welt in einem Zaubergarten verwandelt hat, der für diejenigen, die auf der falschen Seite dieser Paradoxien gelandet sind, bitter ironische, ja beleidigende Konsequenzen bereit hält: „Das klingt roh und wahnwitzig, entspricht aber genau der Rohheit und dem Wahnwitz der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsordnung“ (Luxemburg 1912, S. 163).

Die wichtigsten seit den 1970er-Jahren mit dem Aufschwung der neuen Frauenbewegung hier neu ansetzenden Debatten betreffen zunächst die allermeist von Frauen geleistete Hausarbeit (vgl. Werlhof 1978; Werlhof et al. 1983; Mies 1999). Mit der auch politisch vorgetragenen Forderung nach „Lohn für Hausarbeit“ wurde zum einen die in den Verhältnissen eingeschriebene Diskriminierung deutlich herausgestellt, zum andern darauf hingewiesen, dass die entsprechend ihrer gesellschaftlichen Formbestimmung nicht entlohnte Arbeit quantitativ die entlohnte Arbeit übersteigt (vgl. Boserup 1970). In eine ähnliche Richtung geht ferner die Debatte über Subsistenzproduktion vor allem in der Entwicklungsforschung (vgl. etwa Smith et al. 1984), die deutlich gemacht hat, dass auch hier die auf marktgängige Tätigkeiten und Produkte fixierte Sicht einen Großteil, wenn nicht die Mehrheit der Verhältnisse ignoriert, unter denen Menschen „ihr Leben gewinnen“ (MEW 23, S. 96, Anm. 33).

Die Perspektive des durch die Produktion des Wertes und den Verwertungsprozess des Kapitals geschaffenen und aufrecht erhaltenen Zaubergartens lässt insbesondere den seit den 1980er-Jahren beliebten Topos vom Ende der Arbeitsgesellschaft, der angeblich die Arbeit ausgehe (Dahrendorf 1983), zutiefst fragwürdig erscheinen. In der Explikation von Offe (1983, S. 58) wird der Anspruch eines grundlegenden Paradigmenwechsels mit einer „breiten anti-produktivistischen Strömung“ begründet. Solche Wahrnehmungsmuster oder diskursive Tendenzen beziehen sich auf eine andere kategoriale Ebene als die Wertanalyse. Hier ist kaum mehr eine Auseinandersetzung mit den werttheoretischen Fragestellungen zu erkennen, etwa im Hinblick auf die Folgen einer verwissenschaftlichten Produktion, die die Verwertung des Kapitals vorgeblich von menschlicher Arbeit entkoppele. Die bereits seit Mitte der 1970er-Jahre diskutierten Prozesse der großräumigen Produktionsverlagerung (s. Fröbel et al. 1977, 1986), die später eine wesentliche Dimension der breit diskutierten Globalisierungsprozesse ausmachten, legten die Beschränkungen des der Rede vom Ende der Arbeitsgesellschaft inhärenten methodologischen Nationalismus offen.

Die an die Wertanalyse anzuschließenden Problemstellungen sind andere. Es ist aufschlussreich, wie die weitgehende Aussparung der Kernfragen der Wertform die Kritische Theorie an diesen Fragen geradezu vorbeigeleitet hat. So hat Pollock (1964) in einer Analyse der Automatisierung, deren Erhebungen in die Mitte der 1950er-Jahre fallen, die Perspektive der weitgehenden Eliminierung qualifizierter ebenso wie unqualifizierter Handarbeit ebenso wie die einer Verwissenschaftlichung der Produktion gezeichnet (Pollock 1964, S. 17 f.). Damit rücken Menschen an die Ränder des Produktionsprozesses. Pollock begreift dies hier in erster Linie als Anforderung an eine perspektivische gewerkschaftliche Politik in Westdeutschland – sicher eine weitsichtige Überlegung in Zeiten der Vollbeschäftigung und überregionalen Arbeitskräfterekrutierung, als diese Probleme sich noch nicht wirklich im Alltag aufdrängten. Nicht angesprochen werden dabei jedoch die hier implizierten liminalen Probleme des Kapitalismus. In der Sprache der Kritik der politischen Ökonomie lässt sich dieser Prozess so formulieren, dass in der Tat von einer objektiven Grenze die Rede sein könnte: Die organische Zusammensetzung des Kapitals, d. h. das Verhältnis des konstanten Kapitals (Maschinen, Anlagen, Roh- und Hilfsstoffe) gegenüber dem variablen (Lebensmittel der Arbeitenden, Lohn) stiege durch den immer höheren Anteil des konstanten Kapitals, der wertmäßig in der Produktion nicht wie die Arbeitskraft vernutzt und nicht wie Lohn und Mehrwert (Neuwert) neu geschaffen, sondern lediglich umgeschlagen wird, immer weiter an. Das gilt insbesondere für die technologischen Schübe, die wie von Pollock auch für die bevorstehende „Automatisierung“ antizipiert, Arbeit radikal reorganisieren, Arbeitsvermögen obsolet machen und nicht zuletzt die effektive Arbeitszeit verdichten. Dies lässt sich in der Tat in die Vorstellung übersetzen, dass „Arbeit“ immer weniger gebraucht wird und „Arbeitsplätze“ knapp werden. Pollock hat dies ein Vierteljahrhundert vor Offe und Dahrendorf sehr viel konkreter gefasst als diese. Aus der Perspektive der Analyse der Wertform aber verfehlt diese Sichtweise den entscheidenden Punkt. Es geht nicht um „Arbeit“, zu der auch wie eben erinnert auch die riesige Masse unbezahlter Arbeit gehört, die „unproduktiv“ ist für das Kapital; vielmehr steht der Verkauf von Arbeitskraft zur Debatte, und für alle diejenigen, deren Überleben davon abhängt, dies tagtäglich und möglichst kontinuierlich zu bewerkstelligen, ist dies eine beherrschende Frage. Sie sind den Folgen des technischen Fortschritts oder auch von weiträumigen Produktionsverlagerungen ausgeliefert, ohne dass ihre tatsächlich – dann noch mehr außerhalb des Marktes – geleistete Überlebensarbeit durch den Wegfall entlohnter Arbeit geringer würde; allermeist ist das Gegenteil der Fall. In Wahrheit geht den Lohnabhängigen dann nicht die „Arbeit“ aus, sondern sie verlieren Lebenschancen.

Wie wir schon sahen, hat Marx an die Problematik der steigenden Zusammensetzung des Kapitals die Perspektive angeschlossen, dass die kapitalistische Produktion an eine Grenze geraten könne, wenn durch die immer weitere Mechanisierung – heute muss dies durch Digitalisierung ergänzt werden – menschliche Arbeit zunehmend und wenigstens der Tendenz nach gänzlich aus dem Produktionsprozess verdrängt würde, Wenn „der Arbeiter“ im Rahmen einer verwissenschaftlichten Produktion den „in einen industriellen“ umgewandelten „Naturprozeß … als Mittel zwischen sich und die unorganische Natur [schiebt], deren er sich bemeistert“ (MEW 42, S. 601). Allerdings bedeutet dies aus Marxscher Sicht nicht einfach Verlust und Katastrophe, sondern viel mehr eine welthistorische Chance. Denn für Marx verbindet sich hier mit der Verwissenschaftlichung der Produktion die Aufsprengung des Systems der Lohnarbeit selbst, „sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein“. Dann nämlich „muß aufhören, die Arbeitszeit sein Maß zu sein, und daher der Tauschwert [das Maß] des Gebrauchswerts“. Damit wären die in der Vorherrschaft der Wertform implizierten Verkehrungen aufgehoben: „Die Surplusarbeit der Masse hat aufgehört Bedingung für die Entwicklung des allgemeinen Reichtums zu sein, ebenso wie die Nichtarbeit der Wenigen für die Entwicklung der allgemeinen Mächte des menschlichen Kopfes“ (MEW 42, S. 601). Das Kapital freilich verkehrt die so geschaffenen menschheitsgeschichtlichen Möglichkeiten der Aufsprengung der Zwänge der Kapitalherrschaft wiederum in seinem Sinne; es „setzt … die überflüssige [Arbeitszeit] in wachsendem Maß als Bedingung für die – question de vie et de mort – für die notwendige. Nach der einen Seite ruft es also alle Mächte der Wissenschaft und der Natur, wie der gesellschaftlichen Kombination und des gesellschaftlichen Verkehrs ins Leben, um die Schöpfung des Reichtums unabhängig (relativ) zu machen von der auf sie angewandten Arbeitszeit“, d. h. das Wertgesetz zu durchbrechen. „Auf der andren Seite will es diese so geschaffnen riesigen Gesellschaftskräfte messen an der Arbeitszeit, und sie einbannen in die Grenzen, die erheischt sind, um den schon geschaffnen Wert als Wert zu erhalten“ (MEW 42, S. 602) Die andere Seite des Widerspruchs besteht in der befreienden Perspektive: „In fact aber sind [dies] die materiellen Bedingungen, um [die bornierte Grundlage des Kapitals] in die Luft zu sprengen“ und den wahrhaftigen Maßstab des Reichtums in sein Recht zu setzen, wie Marx zustimmend aus einer Schrift von 1821 zitiert: „Wahrhaft reich ist eine Nation, wenn statt 12 Stunden 6 gearbeitet werden. Wealth ist nicht Kommando von Surplusarbeit … sondern disposable time außer der in der unmittelbaren Produktion gebrauchten für jedes Individuum und die ganze Gesellschaft“ (MEW 42, S. 602).

Für Marx erscheint so die rationelle Konsequenz aus einer immer weiter rasant steigenden Produktivität und dem periodischen Umbau des gesamten Produktionsapparats nicht die Eliminierung oder Freisetzung von Lohnabhängigen unter Beibehaltung der auf Tauschwertproduktion basierenden Wirtschaft, sondern die Einlösung der Chancen auf Freiheit. Diese Freiheit denkt er immer jenseits der weiterhin notwendigen Arbeit, auch wenn diese gesellschaftlich anders als unter der Herrschaft des Kapitals organisiert ist: „Das Reich der Freiheit beginnt … erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion“ (MEW 25, S. 828). Die möglichst weitreichende, niemals jedoch vollständige Freistellung vom Ringen mit der Natur und Unterwerfung unter „Naturnotwendigkeit“ – die auch da nicht völlig hintergehbar ist, wo „die assoziierten Produzenten diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln“ (MEW 25, S. 828) – wäre daher die Schaffung von Dispositiven freier Zeit, die jene Perspektive des „reichen Menschen“, der freien Entfaltung menschlicher Kreativität, einlösen könnten, die der junge Marx als Zukunftsbild entworfen hatte.

Die Lücken in der Rezeption der Marxschen Grundposition innerhalb der kritischen Theorie werden deutlich in der Behandlung der angeführten Passage aus den Grundrissen bei Habermas (1968, S. 66 ff.). Habermas präsentiert die Marxschen Überlegungen als Ausdruck „der materialistischen Wissenschaftslehre eines Saint-Simonistisch übersetzten Fichte“ (Habermas 1968, S. 66) und moniert dann, dass – gemäß der oben angesprochenen Engführung des Arbeitsbegriffs bei Habermas – hieraus folge, „die Gattungsgeschichte als eine Synthesis durch gesellschaftliche Arbeit und nur durch Arbeit zu konstruieren“ (Habermas 1968, S. 68). Kaum zufällig bricht das Zitat in Habermas’ Text an der Stelle ab, wo die Widersprüchlichkeit der durch Maschinerie und Automatisierung bezeichneten Prozesse in den Kategorien der Wertform und damit auch ihr sprengendes Potenzial untersucht werden. Ganz konsequent hat Habermas (1981, Bd. II) später Marx einseitig auf der Seite des „Systems“ diskutiert, dem Handeln, Interaktion und „Lebenswelt“ gegenübergestellt werden.

Auf dieser Ebene wären zweifellos noch immer die weiteren Wandlungen der Kapitalherrschaft auch als Wandlung des „Kapitalismus, wie wir ihn kennen“ (Altvater 2006) zu diskutieren; doch bleiben dabei nicht nur die Widersprüche und verschütteten objektiven Möglichkeiten der Umgestaltung der Arbeitsformen ausgeblendet, sondern zugleich auch die Verkehrungen, die Marx als Konsequenz der kapitalistischen Produktion und der sie bestimmenden Wertform herausgearbeitet hat – mithin der letztlich zentrale Erkenntnisgewinn seines Werkes. Wie der kurze Durchgang zentraler Werke und Wendepunkte gezeigt hat, prägt dies die Kritische Theorie ungeachtet ihrer Auffächerung und tiefgreifenden Veränderungen.

Fußnoten

  1. 1.

    Im Folgenden zitiert nach der Simmel Gesamtausgabe (GSG), Band 6.

  2. 2.

    Dass im Produktions- und Reproduktionsprozess des Kapitals eine sog. Dienstleistung, die unter der Regie eines einzelnen Kapitals verrichtet wird, den Wert des vorgeschossenen Kapitals plus seinem (Durchschnitts-)Profit ersetzen kann, hebt den realen Status des Werts als Vergegenständlichung eines gesellschaftlichen Verhältnisses nicht auf als die der verallgemeinerten Warenproduktion eigene Weise der Vermittlung von gesellschaftlicher „Güterordnung“ und „Arbeitsordnung“ (Kahn-Freund 1965, S. 6). Der Dingcharakter des ökonomischen Wertes darf jedoch nicht mit dem stofflichen Charakter von Warendingen vermischt werden (vgl. dagegen die Ausführungen bei Dämpfling (2000, S. 51 ff.) um einen Fetisch der „Stofflichkeit“ bei Marx).

  3. 3.

    Beispiele dürften auch die Megalith-Anlagen im nördlichen und westlichen Europa sein. Auch die Bewässerungssysteme der Inkas, in China oder die Wasserbaukulturen am Indus, in Mesopotamien und Ägypten dürften nicht einen Begriff der „gesellschaftlichen Arbeit“ oder gar der „Gesellschaftlichen Gesamtarbeit“ rechtfertigen, die für die Erklärung der materiellen Reproduktion kapitalistischer Ökonomien sowohl nach der Gebrauchswertseite wie nach der Wertseite hin erforderlich sind.

    Gesellschaftliche Gesamtarbeit als Voraussetzung und Resultat eines gesellschaftlichen „Gesamtprozesses“ ist erst auf der Basis der Vermittlung durch Waren und Warenwerte theoretisch explizierbar (Wasmus 1987, S. 238 ff.).

  4. 4.

    Zur Diskussion der Konzepte von Karl August Wittfogel („hydraulische Gesellschaft“) und Lewis Mumford („Mega-Maschine“) vgl. u. a. Breuer 1991, Kößler 1993.

  5. 5.

    Dies bleibt allerdings Postulat, solange die Mechanismen oder Institutionen einer proportionalen Verteilung der Gesamtarbeit auf einzelne Produktionszweige nicht benannt werden können.

  6. 6.

    Vgl. Weber 1988, S. 298 ff.; zur Problematik der Kennzeichnung der antiken Sklaverei als Produktionsweise vgl. insb. Finley 1993, S. 210 ff.

  7. 7.

    Mit den Grundrissen, der ersten und zweiten Auflage von Band I von „Das Kapital“ und dem Nachwort zur ersten Auflage, den Kommentaren zur Umformulierung oder „Popularisierung“ der Wertformanalyse im ersten Abschnitt liegen mindestens vier durchformulierte Fassungen vor (vgl. Heinrich 2008).

  8. 8.

    Marx wird die hier von Smith geäußerte Auffassung des Lohns als Bestandteil des Warenwertes später kategorisch zurückweisen.

  9. 9.

    Entgegen der Behauptung von Lange, dass sich im ersten Satz des hier Zitierten bei Smith eine „Faktorentheorie“ des Wertes ankündigt, wird in der zitierten Aussage der Profit des Meisters durch die Arbeit des Arbeiters zugesetzt.

  10. 10.

    Man könnte auch von einem „humanistischen Standpunkt“ sprechen, von dem aus es allein die formende Kraft des Menschen (und nicht die von Tieren oder anderen Naturkräften) ist, die seine gegenständliche Welt schafft. Dagegen spricht nicht, dass unter der Regie des Kapitals die formenden Kräfte auf die Maschinen übergegangen scheinen, die nun von den Arbeitskräften bedient werden. Das ist der „Standpunkt“ des Kapitals, das die „Produktivkräfte der Arbeit“, zu denen auch Wissenschaft und Technologie gehören, gratis oder gegen Zahlung verwertet.

  11. 11.

    Vom „Standpunkt“ des Kapitals aus erscheint die gesellschaftliche Arbeit jedoch unterteilt in „produktive“ und „unproduktive“ Arbeiten (vgl. weiter unten „Was ist Arbeit?“).

  12. 12.

    In den Augen der Operaisten, aber auch bei Arthur oder Postone, führt der Kampf der Massenarbeiter in der Fabrik gegen das Kapital zu einem Punkt der Immaterialisierung der Arbeit und des von Marx im sog. Maschinenfragment ins Auge gefassten Zusammenbruchs der Mehrwertproduktion, wenn im Reich sich selbst programmierender Maschinen den Menschen nur noch Restaufgaben bleiben (zum sog. Kognitiven Kapitalismus Lorey und Neundlinger 2012).

  13. 13.

    Die Analyse sog. Dienstleistungen, die nicht Teil der Warenproduktion ist, in denen die nützliche Tätigkeit unmittelbar konsumiert wird (etwa beim Friseur oder im Symphoniekonzert), die auch unter der Regie eines Kapitals stehen können, muss hier zunächst außerhalb der Betrachtung bleiben.

  14. 14.

    Ausgenommen hiervon sind sog. „freie Produktionsvoraussetzungen“, die dem Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt nichts kosten (wie die Sonnenenergie), die aber unter bestimmten Bedingungen zu den vom Kapital herzustellenden oder zu kompensierenden Voraussetzungen seiner Produktion werden können (Abfallbeseitigung, Emissionsschutz etc.).

  15. 15.

    In frühen Stadien des Naturaltausches können in dieser Form spezifische Überschüsse von Gruppen/Gesellschaften den Eigentümer wechseln, ohne dass sie als „Äquivalente“ gelten mussten.

  16. 16.

    Vgl. Kirchhoff und Reutlinger 2006, S. 210 f. Entscheidend sind hier die materialen Voraussetzungen einer solchen nominellen Transitivität, die nur bei Marktgängigkeit aller Waren auf einem umfassenden Markt (Weltmarkt) der Tendenz nach zu realisieren sind, was im Ansatz heute mit elektronischen Börsen bewerkstelligt werden könnte.

  17. 17.

    Insbesondere war von Marx zu zeigen, dass Wert nicht kategorial gleich aufgewendeter Arbeit ist, wie einige Sozialisten meinten, die Geld durch „Arbeitszettel“ ersetzen wollten. Der den Waren als Äquivalenten zukommende Wert ist als Resultat der faktischen Gleichsetzungen im Tausch unabhängig davon, wodurch die Gleichsetzungen reguliert werden. Der Wert als Form der Waren ist unabhängig von der Bestimmung der Wertsubstanz, die bei den Klassikern nicht unterschieden wurden.

  18. 18.

    Die Vorstellung einer vorkapitalistischen oder nicht-kapitalistischen „einfachen“ Warenproduktion, in der die Waren zu ihren „Arbeitswerten“ getauscht werden, hat zur für die theoretische und politische Diskussion und Praxis in der an Marx orientierten Linken, so auch in der kritischen Theorie der Frankfurter Schule, weitreichende Konsequenzen gehabt, da sie durch das Kapital, insbesondere als Monopolkapital, bereits eine Verfälschung der auf gesellschaftlicher Arbeit beruhenden Wertstruktur gegeben sah (vgl. weiter unten die Diskussion um Friedrich Pollock). Einflussreiche Theoretiker wie Karl Kautsky, Ernest Mandel oder Paul M. Sweezy sind hier zu nennen. Sie bildete aber auch bei der Frage einer nicht-kapitalistischen, sprich sozialistischen Warenproduktion einen zentralen Ausgangspunkt.

  19. 19.

    Wieweit dieses von ihm tatsächlich zwingend durchgeführt wurde, bleibt unter den Debattand_innen einer „Neuen Kapitallektüre“ umstritten (vgl. zum „Übergang ins Kapital“ Heinrich 2003, S. 253 ff.).

  20. 20.

    Die Austauschverhältnisse sind zugleich symmetrisch, aber nicht reflexiv, da eine Ware sich nicht gegen sich selbst tauschen kann bzw. der Wert einer Ware nicht durch diese selbst, sondern nur durch ihren Tauschwert, d. h. durch die mit ihr zum Tausch anstehende Ware ausgedrückt oder gemessen werden kann (vgl. Schlaudt 2011).

  21. 21.

    Entscheidend ist hier, dass Äquivalenz nicht als vorausgesetzte Gleichheit von Wertgrößen verstanden wird, sondern als das Ergebnis der allseitigen, unabhängigen Aktionen der am Markt Beteiligten, die sich als gleichberechtigte (wenn auch nicht als materialiter gleiche) Eigentümer ihrer Waren anerkennen. Marx sah als Voraussetzung für den Äquivalententausch das Vorhandensein eines Begriffs „menschlicher Gleichheit“ an, die es für Aristoteles in der Sklavenhaltergesellschaft nicht geben konnte (MEW 23, S. 74) Diese ist für ihn erst möglich „in einer Gesellschaft, worin die Warenform die allgemeine Form des Arbeitsproduktes […] ist“ (ebd.). Aristoteles sah in der „Nikomachischen Ethik“ die im Tausch der Ware gegen Geld herrschende „ausgleichende Gerechtigkeit“ nur als gesellschaftlichen Notbehelf gegenüber der „distributiven Gerechtigkeit“, die die Ungleichheit der Menschen berücksichtigt (vgl. Castoriadis 1983). Auch für Marx ist jedoch die „Gleichheit der Warenbesitzer“ im Kapitalismus nur ein „Notbehelf“ oder ein „Zwischenstadium“ auf dem Weg ins „Reich der Freiheit“ (Reitter 2011, S. 201 ff.).

    An dieser Stelle ist auch ein Blick auf die u. a. von Marcel Mauss untersuchten Beziehungen eines „Gaben-Tausches“ oder einer „Geschenkökonomie“ aufschlussreich. (Beide Begriffe sind allerdings problematisch, da sie schon ein Verständnis von Tausch bzw. Ökonomie implizieren, das erst an den Verhältnissen zu bilden wäre.) In den Untersuchungen zur Praxis der Gabe (u. a. auf den Tobriand-Inseln und bei den Indianervölkern der amerikanischen Nordwestküste) stieß Mauss auf elementare Formen der Herstellung von verpflichtenden Bindungen zwischen gesellschaftlichen Einheiten (Familien, Stammeshälften, Clans). Die Gaben-Beziehung ist dreigliedrig und besteht aus der Verpflichtung zur Gabe, zur Annahme und zur Erwiderung. Die Gaben-Beziehung ist daher nicht mit einer „Tauschbeziehung“ oder der Verpflichtung zur Reziprozität identisch, sondern geht ihr genetisch voraus. Zu schnell wird das von Mauss beschriebene „Geben von Gaben“ als elementare Form des „Tausches“, also als ökonomische Form begriffen. Die Gaben stiften „Bündnisse“ zwischen Familien, Gruppen, „Stämmen“, sprich zwischen Kollektiven, durch Geben und Nehmen von Töchtern oder Schwestern, durch Feste, den Konsum von Überschüssen, etwa den bei den Häuptlingen akkumulierten Reichtum an Schweinen, die Entsendung kostbarer Gegenstände auf lange, überseeische Routen der Zirkulation wie beim Kula-Ringtausch oder die demonstrative Zerstörung von Reichtum (Matten, Kupferplatten) im Potlatsch.

    Die Gaben haben stets einen zeremoniellen Charakter und sind in rituelle Verrichtungen eingebettet. Sie sind aber auch nicht frei von „ökonomischen“ Motivationen, insofern der Geber, der einen wertvollen Gegenstand in die Zirkulation, etwa im Kula-Ringtausch auf eine unsichere Reise gibt, eine mit einem „Wertzuwachs“ verbundene Rückkehr in Form einer Gegengabe erwartet. Die archaischen Gesellschaften hatten nach Mauss einen gewissen Begriff vom Wert der Dinge, durch den Überschüsse sichtbar werden, ein „Mehr“ in den Gabe-Spielen des Potlatsch, das verschwendet werden kann. Die kostbaren Dinge der archaischen Gesellschaften hatten auch eine „Kaufkraft“, und bestimmte von ihnen hatten die Kraft, Schulden zu tilgen (Mauss 2015, S. 49). Jedoch waren die Quantitäten nicht fixiert und variierten von Situation zu Situation. Der Preis der aufgefädelten Muschelschnüre, die nach der Handspanne des Gebers bemessen wurden, steigt so mit Zahl und Umfang der Transaktionen (Mauss 2015, S. 49 ff.). Die Bezahlung mit archaischem „Geld“ stellt nicht die Beendigung eines Tausches dar, sondern ein Vertragssiegel oder Unterpfand für die Überlassung eines Gegenstandes oder einer Frau aus einem Verband an einen anderen. Auch Simmel erkennt im Tausch ursprünglich eine Friedensstiftung (GSG 6, S. 89). In diesen zum Teil „ziemlich aufgeklärten Gesellschaften“ zirkuliert nach Mauss etwas ganz Anderes als das „Nützliche“ (Mauss 1978, S. 131).

  22. 22.

    Die Äquivalenzrelationen oder „gültigen Tauschwerte“ (MEW 23, S. 51) sind als Wertrelationen unabhängig von den Wollungen der Austauschenden und nur begrenzt bewußtseinsfähig (etwa in Vorstellungen vom intrinsischen Wert einer Sache) und werden überdeckt von Bedürfnissen und Nutzenvorstellungen, den Simmelschen Begehrungen.

  23. 23.

    In der Ersten Auflage von „Das Kapital“ heißt es: „Die Waaren [sind] zunächst als Werte schlechthin zu betrachten. Das Wertsein der Ware bildet ‚ihre Einheit‘“ (MEGA II/5, S. 19).

  24. 24.

    Reichelt spricht die gesellschaftstheoretische Bedeutung dieser Einheit aus: „Unmittelbar sind die Produkte lediglich konkrete Gebrauchsdinge, denen man nicht ansieht, daß sie Teil einer Einheit sind: daß ein Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit zu ihrer Herstellung aufgewendet wurde. Wenn aber die der Gesamtgesellschaft zur Verfügung stehende Arbeitszeit nach Maßgabe bestimmter Bedürfnisstrukturen auf die verschiedenen Produktionszweige verteilt werden soll, so ist das nur möglich, wenn die verschiedenen Produkte als quantitativ verschiedene Ausdrücke derselben Einheit in Erscheinung treten. Das ist der Schlüsselgedanke der Marxschen Wert- und Geldtheorie“ (Reichelt 2001, S. 161).

  25. 25.

    Keynes behilft sich mit dem Ausdruck „Rechnungseinheit“, also jener Einheit, in der Schulden, Preise und allgemeine Kaufkraft ausgedrückt werden. „Die Rechnungseinheit ist die Beschreibung, das Geld aber das Ding, das dieser Beschreibung entspricht“ (Keynes 1931, S. 3, zit. nach Krüger 2012, S. 43).

  26. 26.

    Neben einer Geldware, etwa im Goldstandard, sind auch andere Fundierungen des Geldes möglich, in denen der Wert einen gesellschaftlich geltenden, etwa durch Staats- und Bankautorität gesicherten Ausdruck besitzen muss. Jedoch verhindert dies nicht ab und an die „Flucht ins Gold“ angesichts einer den Warenkreislauf erschütternden Krise.

  27. 27.

    Der ambitionierte Versuch von Sohn-Rethel, formuliert auch im Austausch mit Adorno (1936/1965), in dem entstehenden Geldgebrauch in Griechenland ab dem 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bereits den „Wertbegriff“ angelegt zu sehen, der nach Sohn-Rethel maßgebend für die Entstehung der griechischen Philosophie und Mathematik und des „abstrakten Denkens“ oder „reinen Verstandes“ sein soll, kann hier nicht näher gewürdigt werden (Sohn-Rethel 1978). Er hat mit der Marxschen Wertanalyse wenig gemein, insofern er eine verallgemeinerte Tauschgesellschaft vor der Herausbildung einer verallgemeinerten Warenproduktion postuliert. (Zur antiken griechischen Ökonomie vgl. Finley 1981; Rostovtzeff 1998. Sohn-Rethel stützt sich insbesondere auf Thomson 1961a, b).

  28. 28.

    Heinrich moniert, dass „[i]ndem Marx seine Geldtheorie an die Existenz einer Geldware knüpft, (…) er die abstrakteste Bestimmung des Geldes mit einer bestimmten historischen Geldform [verquickt]“ (Heinrich 2003a, S. 240). Nach Fieler hatte das Geldsystem zur Zeit der Abfassung von „Das Kapital“ einen gemischten Charakter aus Metallgeld und Banknoten, deren Bedeutung Marx für das Kreditsystem in Ansätzen im zweiten und dritten Band von „das Kapital“ würdigte.

  29. 29.

    Die Werte können in der kapitalistischen Welt auch nicht mehr wie in der Antike oder Scholastik als „gerechte Preise“ (iustum pretium) gelten (Lichtblau 2004, S. 586 f.). Die bürgerliche Ökonomie steht nicht mehr auf einer moralischen Grundlage, sondern erhebt sich auf der Basis eines Privateigentums, das, nur von den individuellen Interessen geleitet, die beste aller Welten hervorbringen soll.

  30. 30.

    Ähnlich Ammon, der von den Preisausdrücken der Waren verlangt, „[…] daß sie etwas gemeinsames Soziales enthalten, eine Gleichartigkeit in Sozialer Beziehung aufweisen, d. h. eine Geleichartigkeit, die nur unter Voraussetzung eines sozialen Verkehrs, abgesehn davon aber nicht denkbar ist.[…] Zugleich darf sie aber als soziale Gleichartigkeit nicht bloß in Gedanken des einen oder anderen Individuums existieren, sondern muss eben für alle, einen geschlossenen Gesellschaftskreis bildenden Individuen in derselben Weise gelten“ (Hervorhebungen im Original, Ammon 1927, S. 314; zit. nach Eichler 2015, S. 158).

  31. 31.

    Das heißt auch, dass die Äquivalenz der getauschten Warenwerte vor dem Austausch von den Tauschenden nicht notwendig als solche erkannt werden muss. Die Äquivalenz der Waren als Arbeitsprodukte setzt sich im Chaos des allseitigen Handelns nicht deshalb durch, weil die Beteiligten es so wollen, sondern weil es letztlich die verrichtete (produktive) Arbeit als Teil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit ist, die faktisch und letztendlich (quasi mit der Kraft eines Naturgesetzes; MEW 32, S. 552 f.) als verbindendes Element der Wertsetzung und Werterhaltung im Reproduktionsprozess wirkt, d. h. auch makro-ökonomisch in den Wertschöpfungsprozessen zählt. Das muss sich auch empirisch zeigen (vgl. dazu Fröhlich 2009).

  32. 32.

    Historisch nimmt die Herstellung einer konsistenten Wert-Ökonomie ihren Ausgangsprunkt bei der Geldgier, Geldnot, Geldaufhäufung der spätfeudalen Fürsten und Staaten zur Kriegsführung und merkantiler Politik, von der aus das Kapital mehr und mehr Produktionssektoren für sich erschließt und beginnt, einer realen Ökonomie der Arbeitszeit zu unterwerfen.

  33. 33.

    Das übersieht Simmel, der glaubt, einer irgendwie gebildeten Gesamtsumme von Warenwerten (wie immer diese ausdrückbar sind), eine nominale Gesamtsumme des verfügbaren Geldes gegenüberstellen zu können. Dies wird von seiner Interpretin leider anstandslos nachvollzogen (Cantó Milà 2005, S. 176 ff.).

  34. 34.

    Marx MEW 13, S. 18.

  35. 35.

    Zur Gleichgültigkeit als Abstraktionsverhältnis vgl. Schlaudt 2011, S. 266.

  36. 36.

    Trotz der Homogenisierung und Entqualifizierung in weiten Bereichen der Industrie, heute auch in der IT-Industrie, bleibt das kapitalistische Management auf den „menschlichen Faktor“ angewiesen.

  37. 37.

    Die Zeit der Uhren ist bereits eine „abstrakte Zeit“ gegenüber den Rhythmen der Körper, der Pflanzen oder der sozialen Feste.

  38. 38.

    Diese liegen in den Industriestatistiken gut dokumentiert für die Aggregate vor und benötigen keine Umrechnungen in „abstrakte Arbeitsstunden“.

  39. 39.

    Zur Bestimmung dieser Sektoren vgl. Fröhlich 2009, bereits auch Wienold 1984.

  40. 40.

    In einem Produktionssystem, in dem alle Inputs durch Outputs des Systems reproduziert werden und der einzige exogene Faktor die Arbeit oder die Arbeitskraft ist, sind die Austauschrelationen (relativen Preise) durch die aufgewendete Arbeit bestimmt (vgl. Helmedag 1992, S. 317 f.). In einem solchen System, wie in den linearen Produktionssystemen nach Sraffa 1976, die durch Produktionskoeffizienten zwischen Inputs und Outputs beschrieben werden, gibt es ebenfalls ein System relativer Preise, ohne dass diese explizit durch Arbeit-Inputs vermittelt scheinen. Es geht Marx jedoch um die Kategorie des Werts, der in diesen Preisen erscheint und um seine Verselbständigung in Geld, von dem die Sraffa-Modelle vollständig absehen. Werttheorie ist für ihn Geld- und Kapitaltheorie, die auf „abstrakte Arbeit“ als ihren Grund verweisen.

  41. 41.

    Habermas 1981, S. 474 ff. sieht Lukács eher in der Tradition Webers, dessen Rationalisierungsthese er mit dem Grundbegriff der ‚Verdinglichung‘ verknüpfte, den „die marxistische Theorie … bereit(halte)“ (1981, S. 473) und betont im Weiteren die Kontinuität der Arbeiten von Horkheimer und Adorno mit Lukács, die erst mit der Negativen Dialektik abbreche.

  42. 42.

    Weitere Zusammenhänge mit dem Theorem des „organisierten Kapitalismus“ können hier nicht verfolgt werden.

Literatur

  1. Adorno, T. W. (1966). Negative Dialektik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  2. Altvater, E. (2006). Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Eine radikale Kapitalismuskritik. Münster: Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  3. Ammon, A. (1927). Objekt und Grundbegriffe der Theoretischen Nationalökonomie (2. Aufl.). Leipzig/Wien: Franz Deuticke.Google Scholar
  4. Aristoteles. (2013). Nikomachische Ethik (übersetzt und herausgegeben von Ursula Wolf). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.Google Scholar
  5. Arthur, C. (2011). Arbeit, Zeit, Negativität. In W. Bonefeld & M. Heinrich (Hrsg.), Kapital und Kritik. Nach der „neuen“ Marx-Lektüre (S. 281–305). Hamburg: VSA.Google Scholar
  6. Backhaus, H.-G. (2002). Der widersprüchliche und monströse Kern der nationalökonomischen Begriffsbildung. In I. Fetscher & A. Schmidt (Hrsg.), Emanzipation als Versöhnung. Zu Adornos Kritik der „Warentausch“-Gesellschaft und Perspektiven der Transformation (S. 111–141). Frankfurt a. M.: Neue Kritik.Google Scholar
  7. Backhaus, H.-G. (2011). Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur Marxschen Ökonomiekritik (2., durchges. Aufl.). Freiburg: ça ira.Google Scholar
  8. Bellofiore, R. (2011). Ein Geist verwandelt sich in einen Vampir: Kapital und lebendige Arbeit. In W. Bonefeld & M. Heinrich (Hrsg.), Kapital und Kritik, Nach der „neuen“ Marx-Lektüre (S. 306–327). Hamburg: VSA.Google Scholar
  9. Bettelheim, C. (1971). Theorie und Praxis sozialistischer Planung. München: trikont.Google Scholar
  10. Bidet, J. (2006). Exploring Marx’s capital. Philosophical, economic, and political dimensions. Chicago: Haymarket Books.Google Scholar
  11. Bitterolf, M., & Maier, D. (Hrsg.). (2012). Verdinglichung, Marxismus, Geschichte. Von der Niederlage der Novemberrevolution zur kritischen Theorie. Freiburg: ça ira.Google Scholar
  12. Boserup, E. (1970). Woman’s role in economic development. London: George Allen and Unwin.Google Scholar
  13. Braunstein, D. (2011). Adornos Kritik der politischen Ökonomie. Bielefeld: transcript.CrossRefGoogle Scholar
  14. Breuer, S. (1991). Max Webers Herrschaftssoziologie. Frankfurt a. M.: Campus.Google Scholar
  15. Bucharin, N. I. (Hrsg.). ([1920]/1989). Ėkonomika perichodnogo perioda. Maj 1920g. In Problemy teorii i praktiki socializma (S. 94–176). Moskva: Izdatel’stvo političeskoj literatury.Google Scholar
  16. Bucharin, N. I. (Hrsg.). (1926). K voprosu o zakonomernostjach perechodnogo perioda. In Izbrannye proizvedenija Putk socializmu (S. 114–153). Novosibirsk: „Nauka“ Sibirskoe otdelenie 1990.Google Scholar
  17. Bücher, K. (1897). Arbeit und Rhythmus. Leipzig: Hirzel.Google Scholar
  18. Burawoy, M. (1985). The politics of production. London: Verso.Google Scholar
  19. Cantó Milà, N. (2005). A sociological theory of value. Georg Simmel’s sociological relationism. Bielefeld: transcript.CrossRefGoogle Scholar
  20. Carr, E. H. ([1952]/1972). The Bolshevik revolution 1917–1923 (Bd. 2). Harmondsworth: Penguin.Google Scholar
  21. Castoriadis, C. (1983). Wert, Gleichheit, Gerechtigkeit, Politik. Von Marx zu Aristoteles und von Aristoteles zu uns. In C. Castoriadis (Hrsg.), Durchs Labyrinth. Seele, Vernunft, Gesellschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  22. Cogoy, M. (1977). Wertstruktur und Preisstruktur. Die Bedeutung der linearen Produktionstheorie für die Kritik der politischen Ökonomie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  23. Conert, H. (1990). Die Ökonomie des unmöglichen Sozialismus. Krise und Reform der sowjetischen Wirtschaft unter Gorbatschow. Münster: Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  24. Dahrendorf, R. (1983). Wenn der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgeht. In J. Matthes (Hrsg.), Krise der Arbeitsgesellschaft? Verhandlungen des 21. Deutschen Soziologentages in Bamberg 1982 (S. 25–37). Frankfurt a. M./New York: Campus.Google Scholar
  25. Dämpfling, B. (2000). Arbeit und Wertschöpfung bei Marx. Ein kritische Studie über produktive und unproduktive Arbeit. Hamburg: VSA.Google Scholar
  26. Diamond, J. (2006). Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. Frankfurt a. M.: Fischer.Google Scholar
  27. Dörre, K. (2013). Landnahme. Triebkräfte, Wirkungen und Grenzen kapitalistischer Wachstumsdynamik. In M. Backhouse, O. Gerlach, S. Kalmring & A. Nowak (Hrsg.), Die globale Einhegung. Krise, ursprüngliche Akkumulation und Landnahmen im Kapitalismus (S. 112–141). Münster: Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  28. Dörre, K. (2016). Limits to Landnahme. Growth dilemma as challenge. In J. Dellheim & F. O. Wolf (Hrsg.), Rosa Luxemburg. A permanent challenge for political economy (S. 219–261). Basingstoke: Palgrave Macmillan.CrossRefGoogle Scholar
  29. Eichler, M. (2015). Von der Vernunft zum Wert. Die Grundlage der ökonomischen Theorie von Karl Marx. Bielefeld: transcript.Google Scholar
  30. Elbe, I. (2010). Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik seit 1965 (2., korr. Aufl.). Berlin: Akademie Verlag.Google Scholar
  31. Engels, F. (1878). Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (Anti-Dühring). MEW, 20, 1–303.Google Scholar
  32. Engels, F., & Marx, K. (1845). MEW 2: Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik: Gegen Bruno Bauer und Konsorten (S. 3–223).Google Scholar
  33. Finley, M. I. (1981). Economy and society in ancient Greece. London/New York: Chatto & Windus.Google Scholar
  34. Finley, M. I. (1993). Die antike Wirtschaft (3., durchges. u. erw. Aufl.). München: DTV.Google Scholar
  35. Fröbel, F., Heinrichs, J., & Kreye, O. (1977). Die neue internationale Arbeitsteilung. Strukturelle Arbeitslosigkeit in den Industrieländern und die Industrialisierung der Entwicklungsländer. Reinbek: Rowohlt.Google Scholar
  36. Fröbel, F., Heinrichs, J., & Kreye, O. (1986). Umbruch in der Weltwirtschaft. Die globale Strategie: Verbilligung der Arbeitskraft/Flexibilisierung der Arbeit/Neue Technologien. Reinbek: Rowohlt.Google Scholar
  37. Fröhlich, N. (2009). Die Aktualität der Arbeitswerttheorie: Theoretische und empirische Aspekte. Marburg: Metropolis.Google Scholar
  38. Gilcher-Holtey, I. (1986). Das Mandat des Intellektuellen. Karl Kautsky und die Sozialdemokratie. Berlin (W): Siedler.Google Scholar
  39. Grigat, S. (2012). Von der positiven zur negativen Dialektik. In M. Bitterolf & D. Maier (Hrsg.), Verdinglichung, Marxismus, Geschichte. Von der Niederlage der Novemberrevolution zur kritischen Theorie (S. 339–366). Freiburg: ça ira.Google Scholar
  40. Habermas, J. (1968). Erkenntnis und Interesse. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  41. Habermas, J. (1969). Arbeit und Interaktion. In Technik und Wissenschaft als „Ideologie“ (S. 9–47). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  42. Habermas, J. (1973). Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  43. Habermas, J. (1976). Zur Rekonstruktion des historischen Materialismus. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  44. Habermas, J. (1981). Theorie des kommunikativen Handelns. Band 1: Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung. Band 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  45. Hall, T. (2012). Verdinglichung, Materialismus und Praxis. Adornos Kritik an Lukács. In M. Bitterolf & D. Maier (Hrsg.), Verdinglichung, Marxismus, Geschichte. Von der Niederlage der Novemberrevolution zur kritischen Theorie (S. 303–337). Freiburg: ça ira.Google Scholar
  46. Haug, W. F. (2005). Vorlesungen zur Einführung ins „Kapital“, Neufassung von 2005. Hamburg: Das Argument.Google Scholar
  47. Hegel, G. W. F. ([1807]/1952). Phänomenologie des Geistes (Hrsg. von J. Hoffmeister). Hamburg: Philosophische Bibliothek.Google Scholar
  48. Heinrich, M. (1999). Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  49. Heinrich, M. (2003a). Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition (überarb. u. erw. Neuaufl.). Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  50. Heinrich, M. (2003b). Geld und Kritik in der politischen Ökonomie. Das Argument, 45(251), 397–409.Google Scholar
  51. Heinrich, M. (2008). Wie das Kapital lesen? Leseanleitung und Kommentar zum Anfang des Kapital. Stuttgart: Schmetterling Verlag.Google Scholar
  52. Heller, A. (1972). Hypothese über eine marxistische Theorie der Werte. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  53. Helmedag, F. (1992). Warenproduktion mittels Arbeit. Zur Rehabilitation des Wertgesetzes. Marburg: Metropolis.Google Scholar
  54. Hilferding, R. (1910). Das Finanzkapital. Eine Studie über die jüngste Entwicklung des Kapitalismus. Frankfurt a. M.: Europäische Verlagsanstalt Wien: Europa Verlag (1968).Google Scholar
  55. Horkheimer, M. (1942). Autoritärer Staat. In Gesammelte Schriften (Bd. 5, S. 293–319). Frankfurt a. M.: S. Fischer (1987).Google Scholar
  56. Horkheimer, M., & Adorno, T. W. (1947). Dialektik der Aufklärung. Amsterdam: Querido.Google Scholar
  57. Iber, C. (2006). Die Bedeutung der Differenz in der Entwicklung der Wertformen zwischen der ersten und zweiten Auflage des Kapital. In J. Hoff, A. Petrioli, I. Stützle & F. O. Wolf (Hrsg.), Das Kapital neu lesen. Beiträge zur radikalen Philosophie (S. 189–199). Münster: Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  58. Kahn-Freund, O. (1965). Vorwort. In K. Renner (Hrsg.), Die Rechtsinstitute des Privatrechts und ihre soziale Funktion. Stuttgart: Gustav Fischer.Google Scholar
  59. Kautsky, K. (1906). Karl Marxökonomische Lehren (10., durchges. u. vermehrte Aufl.). Stuttgart: Dietz (1886).Google Scholar
  60. Keynes, J. M. (1931). Vom Gelde. Berlin: Duncker-Humblot.Google Scholar
  61. Kirchhoff, D., & Reutlinger, A. C. (2006). Vorarbeiten zu einer relationslogischen Rekonstruktion der Marxschen „Wertformanalyse“. In J. Hoff, A. Petrioli, I. Stützle & F. O. Wolf (Hrsg.), Das Kapital neu lesen. Beiträge zur radikalen Philosophie (S. 200–227). Münster: Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  62. Kirchhoff, C., Meyer, L., Pahl, H., Heckel, J., & Engemann, C. (Hrsg.). (2004). Gesellschaft als Verkehrung. Perspektiven einer neuen Marx-Lektüre, Festschrift für Helmut Reichelt. Freiburg: ça ira.Google Scholar
  63. Klaus, G., & Buhr, M. (Hrsg.). (1970). Wert. In Marxistisch-leninistisches Wörterbuch der Philosophie (Bd. 3, S. 1150–1154). Reinbek: Rowohlt (1972).Google Scholar
  64. Korsch, K. (1923). Marxismus und Philosophie (S. 196). Frankfurt a. M.: Europäische Verlagsanstalt.Google Scholar
  65. Kößler, R. (1990). Arbeitskultur im Industrialisierungsprozeß. Studien an englischen und sowjetischen Paradigmata. Münster: Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  66. Kößler, R. (1993). Despotie in der Moderne. Frankfurt a. M./New York: Campus.Google Scholar
  67. Krüger, S. (2012). Politische Ökononomie des Geldes. Gold, Währung, Zentralbankpolitik und Preise. Kritik der Politischen Ökonomie und Kapitalismusanalyse (Bd. 2). Hamburg: VSA.Google Scholar
  68. Lange, E. M. (1980). Das Prinzip Arbeit. Drei metakritische Kapitel über Grundbegriffe, Struktur und Darstellung der ‚Kritik der Politischen Ökonomie‘ von Karl Marx. Frankfurt a. M./Berlin/Wien: Ullstein.Google Scholar
  69. Lenin, W. I. (1917a). Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution. In Werke (Bd. 24, S. 1–8). Berlin (DDR): Dietz (1974).Google Scholar
  70. Lenin, W. I. (1917b). Staat und Revolution. Die Lehre des Marxismus vom Staat und die Aufgaben des Proletariats in der Revolution. In Werke (Bd. 25, S. 393–507). Berlin (DDR): Dietz (1977).Google Scholar
  71. Lichtblau, K. (2004). Wert/Preis. In J. Ritter, K. Gründer & G. Gabriel (Hrsg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie (Bd. 12, S. 586–592). Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft.Google Scholar
  72. Lorey, I., & Neundlinger, K. (Hrsg.). (2012). Kognitiver Kapitalismus. Wien: Turia + Kant.Google Scholar
  73. Lukács, G. (1923). Geschichte und Klassenbewußtsein. In Werke (Bd. 2, S. 161–517). Neuwied/Berlin: Luchterhand.Google Scholar
  74. Lukács, G. (1968). Vorwort. In Werke (Bd. 2, S. 17–41). Neuwied/Berlin: Luchterhand.Google Scholar
  75. Luxemburg, R. (1912). Frauenwahlrecht und Klassenkampf. In Gesammelte Werke (Bd. 3, S. 159–165). Berlin (DDR): Dietz (1973).Google Scholar
  76. Mandel, E. (1962). Marxistische Wirtschaftstheorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp (1968) (traité d’économie marxiste).Google Scholar
  77. Marx, K. ([1844]/1973). MEW 40. (Ergänzungsband Erster Teil) „Ökonomisch-philosophische Manuskripte“ (S. 465–588). Berlin (DDR): Dietz.Google Scholar
  78. Marx, K. ([1857]/1976). MEW 42. Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie. Berlin (DDR): Dietz.Google Scholar
  79. Marx, K. ([1859]/1963). MEW 13: Zur Kritik der politischen Ökonomie (S. 3–160). Berlin (DDR): Dietz.Google Scholar
  80. Marx, K. ([1867]/1983). MEGA II/5: Das Kapital. Kritik der Politischen Ökonomie (Bd. 1). Berlin (DDR): Dietz.Google Scholar
  81. Marx, K. ([1872a]/1963). MEW 23: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Der Produktionsprozeß des Kapitals (Bd. 1). Berlin (DDR): Dietz.Google Scholar
  82. Marx, K. ([1872b]/1963). MEW 26.1. Theorien über den Mehrwert (Bd. 1). Berlin (DDR): Dietz.Google Scholar
  83. Mauss, M. (1978). Die Gabe. Form und Funktion des Austausches in archaischen Gesellschaften. In Soziologie und Anthropologie (Bd. II, S. 9–173). München: Ullstein.Google Scholar
  84. Mauss, M. (2015). Schriften zum Geld. Berlin: Suhrkamp.Google Scholar
  85. Mies, M. (1999). Patriarchy and accumulation on a world scale. London: Zed.Google Scholar
  86. Mumford, L. (1981). Mythos der Maschine. Kultur, Technik und Macht. Frankfurt a. M.: Fischer.Google Scholar
  87. Offe, C. (1983). Arbeit als soziologische Schlüsselkategorie? In J. Matthes (Hrsg.), Krise der Arbeitsgesellschaft? Verhandlungen des 21. Deutschen Soziologentages in Bamberg (S. 38–65). Frankfurt a. M./New York: Campus (1982).Google Scholar
  88. Offe, C. (2006). Strukturprobleme des kapitalistischen Staates. Aufsätze zur politischen Soziologie. Veränderte Neuausgabe, herausgegeben und eingeleitet von J. Borchert und St. Lessenich. Frankfurt a. M./New York: Campus[Original Ausgabe,1972: Frankfurt a. M.: Suhrkamp].Google Scholar
  89. Pollock, F. (1932). Die gegenwärtige Lage des Kapitalismus und die Aussichten auf eine planwirtschaftliche Neuordnung. Zeitschrift für Sozialforschung, 1, 8–27.CrossRefGoogle Scholar
  90. Pollock, F. (1933). Bemerkungen zur Wirtschaftskrise. Zeitschrift für Sozialforschung, 2, 321–354.CrossRefGoogle Scholar
  91. Pollock, F. (1941a). State capitalism: Its possibilities and limitations. Studies in Philosophy and Social Science, 9, 200–225.Google Scholar
  92. Pollock, F. (1941b). Is national socialism a new order? Studies in Philosophy and Social Science, 9, 440–455.Google Scholar
  93. Pollock, F. (1964). Automation. Materialien zur Beurteilung ihrer ökonomischen und sozialen Folgen (vollst. überarb. Neuausgabe). Frankfurt a. M.: Europäische Verlagsanstalt (1956).Google Scholar
  94. Postone, M. (1993). Time, labor, and social transformation. A reinterpretation of Marx’s critical theory. Cambridge: Cambridge University Press.CrossRefGoogle Scholar
  95. Preobraženskij, E. (1926). Die neue Ökonomik. Berlin (W): Verlag Neuer Kurs (Novaja Ėkonomika).Google Scholar
  96. Rajan, K. S. (2009). Biokapitalismus. Werte im postgenomischen Zeitalter. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  97. Rakowitz, N. (2000). Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie. Freiburg: ça ira.Google Scholar
  98. Reichelt, H. (2001). Zur logischen Struktur des Kapitalbegriffs bei Karl Marx. Freiburg: ça ira.Google Scholar
  99. Reichelt, H. (2011). Zur Konstitution ökonomischer Gegenständlichkeit. Wert, Geld und Kapital unter geltungstheoretischem Aspekt. In W. Bonefeld & M. Heinrichs (Hrsg.), Kapital und Kritik. Nach der „neuen“ Marx-Lektüre (S. 232–257). Hamburg: VSA.Google Scholar
  100. Reitter, K. (2011). Prozesse der Befreiung. Marx, Spinoza und die Bedingungen eines freien Gemeinwesens. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  101. Rostovtzeff, M. (1998). Gesellschaft- und Wirtschaftsgeschichte der hellenistischen Welt (3 Bde.). Darmstadt: WBG.Google Scholar
  102. Rubin, I. I. (1973). Studien zur Marxschen Werttheorie. Frankfurt a. M.: Europäische Verlagsanstalt.Google Scholar
  103. Rubin, I. I., Bessonow, S. A., et al. (1975). Dialektik der Kategorien. Debatte in der UdSSR (1927–29). Hamburg: VSA.Google Scholar
  104. Sahlins, M. (1972). Stone age economics. New York: Aldine de Gruyter.Google Scholar
  105. Schlaudt, O. (2011). Marx als Messtheoretiker. In W. Bonefeld & M. Heinrichs (Hrsg.), Kapital und Kritik. Nach der „neuen“ Marx-Lektüre (S. 249–280). Hamburg: VSA.Google Scholar
  106. Schmidt, K. (2008). Sie bauten die ersten Tempel. Die archäologische Entdeckung am Göbekli Tepe. München: DTV.Google Scholar
  107. Simmel, G. (1907): Philosophie des Geldes (2., vermehrte Aufl.). In Gesamtausgabe (GSG) (Bd. 6, S. 7–716). Frankfurt a. M.: Suhrkamp (1989).Google Scholar
  108. Simmel, G. (1916). Die Krisis der Kultur. In GSG (Bd. 16, S. 37–49). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  109. Smith, J., Wallerstein, I., & Evers, H.-D. (Hrsg.). (1984). Households in the world economy. Beverly Hills: Sage.Google Scholar
  110. Smith, A. ([1776]/1923). Buch II, Drittes Kapitel (Bd. 2, S. 80 f.). Jena (1923).Google Scholar
  111. Sohn- Rethel, A. (1978). Warenform und Denkform. Mit zwei Anhängen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  112. Sohn-Rethel, A. (1970). Geistige und körperliche Arbeit. Zur Theorie der gesellschaftlichen Synthesis. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  113. Sraffa, P. (1976). Warenproduktion mittels Waren. Einleitung zu einer Kritik der ökonomischen Theorie. Nachworte von Bertram Schefold. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  114. Stalin, J. V. (1952). Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR. Berlin (DDR): Dietz.Google Scholar
  115. Stapelfeldt, G. (2012). ‚Katastrophe‘ oder ‚Revolution‘. In M. Bitterolf & D. Maier (Hrsg.), Verdinglichung, Marxismus, Geschichte. Von der Niederlage der Novemberrevolution zur kritischen Theorie (S. 243–282). Freiburg: ça ira.Google Scholar
  116. Thomson, G. (1961a). Forschungen zur altgriechischen Gesellschaft. Berlin (DDR): Akademie-Verlag (Studies in ancient Greek society. The prehistoric Aegean, 1949).Google Scholar
  117. Thomson, G. (1961b). Forschungen zur altgriechischen Gesellschaft. Band 2: Die ersten Philosophen. Berlin (DDR): Akademie-Verlag. (The First Philosophers, 1955).Google Scholar
  118. Wasmus, H. (1987). Produktion und Arbeit. Immanente Kritik der politischen Ökonomie. Hamburg: VSA.Google Scholar
  119. Weber, M. (1988). Die sozialen Gründe des Untergangs der antiken Kultur. In Gesammelte Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (S. 289–311). Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck).Google Scholar
  120. Werlhof, C. von (1978). Frauenarbeit: Der blinde Fleck in der Kritik der politischen Ökonomie. Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis 1, 18–32.Google Scholar
  121. Werlhof, C. von, M. Mies und V. Bennholdt-Thomsen (1983). Frauen, die letzte Kolonie. Reinbek: Rowohlt.Google Scholar
  122. Wienold, H. (1984). Gesellschaftlicher Reichtum und die Armut der Statistik Einführung in die Sozialstatistik I (2., überarb. Aufl.). Münster: Edition Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  123. Wolf, D. (1985). Ware und Geld. Hamburg: VSA.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Arnold Bergstraesser InstitutFreiburgDeutschland
  2. 2.Institute for Reconciliation and Social JusticeThe University of the Free State, SüdafrikaBloemfonteinSüdafrika
  3. 3.Institut für SoziologieUniversität MünsterMünsterDeutschland

Personalised recommendations