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Der Gesellschaftsbegriff in der Kritischen Theorie

  • Christian LudwigEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Die Kritische Theorie ging lange Zeit davon aus, dass Gesellschaft als Totalität Ausgangspunkt jeglicher Gesellschaftsanalyse ist. Doch der von ihr favorisierte Zusammenhang von Individuum und Gesellschaft steht in jüngeren Varianten zur Disposition. Der vorliegende Beitrag klärt, welche Bedeutung der Gesellschaftsbegriff in den verschiedenen Generationen der Kritischen Theorie hatte, wie er sich umformte und welche Bedeutung ihm derzeit zukommt. Es wird gezeigt wie die Transformation eines Paradigmas aufgrund notwendiger Veränderungen die Substanz der Kritischen Theorie gefährdet und die Überzeugung vertreten, dass eine Analyse der Gegenwartsgesellschaft ohne Anschluss an den Gesellschaftsbegriff nur eingeschränkte Ergebnisse erzielt.

Schlüsselwörter

Gesellschaft Kritische Theorie Individuum Gesellschaftskritik Natur 

1 Einleitung

Der Kritischen Theorie wird gegenwärtig neue Aufmerksamkeit entgegengebracht. Spätestens seit dem 34. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie im Jahr 2008 in Jena entwickelt sich ein neues Interesse an ihr. Das interdisziplinäre Arbeitsprogramm, philosophische, psychologische und sozialwissenschaftliche Fragestellungen miteinander zu verbinden, kann „im Zeitalter neuer Unsicherheiten“, so der Titel, mit dem Hartmut Rosa ein Forum für Kritische Theorie auf dem Soziologiekongress in Jena einleitete, fruchtbare Erklärungsmöglichkeiten für den gesellschaftlichen Wandel zur Verfügung stellen (Rosa 2010, S. 703).

Die Kritische Theorie entwickelt bereits in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein interdisziplinäres Forschungsprogramm (Ludwig 2006, S. 36). Sie verfolgt das Ziel, die jeweils aktuelle gesellschaftliche Lage in der Zusammenarbeit von Ökonomen, Philosophen, Psychologen, Soziologen u. a. grundlegend zu erforschen und die herangezogenen Begriffe historisch abzuleiten (siehe hierzu auch die Beiträge im Abschnitt 1.1 des Handbuchs). Grund für dieses Forschungsinteresse ist bei Max Horkheimer die Kritik an dem Unrecht und der Lage der Erniedrigten und Entrechteten (Wiggershaus 1993, S. 14).

Von dieser Beschreibung ausgehend entwickelt sich das Paradigma Kritischer Theorie ausgesprochen differenziert.

In diesem Beitrag wird ein weitgefasster Begriff Kritischer Theorie zu Grunde gelegt. Daher stehen nicht Brüche, Dissonanzen und Korrekturen im Fokus, sondern Gemeinsamkeiten und Anschlussmöglichkeiten. Das weite Verständnis des hier diskutierten Theorieparadigmas zeigt sich auch darin, dass Denker aus verschiedenen Generationen zu Wort kommen und nicht ausschließlich auf Theorieimplikationen und Forschungsinteressen der Gründergeneration Bezug genommen wird. Zwar wird die Theoriegeschichte der Kritischen Theorie nicht selten in Form eines Familienromans erzählt (kritisch hierzu u. a. Demirović 1999; Steinert 2007; vgl. zur Diskussion über Paradigmen in der Kritischen Theorie den Abschn. 1.3 im Handbuch), theoriekonzeptionell jedoch lässt sich ein derartiges Vorgehen angesichts der Fülle von Brüchen und Neuanfängen nicht rechtfertigen, weil es der Pluralität innerhalb der Kritischen Theorie nicht entspricht. Die hier vorgenommene Gliederung nach Generationen unterstreicht einerseits Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Entwicklungsphasen. Andererseits wird der Generationenbegriff als ein analytisches Differenzierungskriterium zur Abgrenzung der Grundüberzeugungen zwischen den Generationen genutzt. Dieses Vorgehen dient dazu, bei aller vorhandenen Unterschiedlichkeit im Theorieverständnis der einzelnen Generationen die bestehenden Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und auf neue Anschlussmöglichkeiten hinzuweisen. Die lösungsorientierte Arbeit an grundlegenden Begriffen stellt das Verbindungsglied zwischen den hier aufgeführten Autoren dar.

Häufig werden drei Konzeptionsphasen1 zwischen der Gründungsphase und der Gegenwart zu unterschieden: Die ältere kritische Theorie (u. a. Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse) favorisiert als Grundbegriffe Produktionsverhältnisse und Ideologiekritik, die mittlere kritische Theorie (u. a. Jürgen Habermas, Claus Offe und Oskar Negt) dagegen Kommunikationsstrukturen und Solidarität, die jüngere kritische Theorie (u. a. Axel Honneth, Rainer Forst und Hauke Brunkhorst) wiederum Anerkennungsformen und Rechtfertigungsverhältnisse.2 Bereits an dieser Aufzählung zeigt sich, dass zwischen den einzelnen Theoriephasen erhebliche Unterschiede bestehen. Eine Verbindung ist am ehesten über die Themenkreise Umsetzung einer gerechten Gesellschaft, Emanzipation und Vernunft herzustellen.

Der begriffliche Schwerpunkt Kritischer Theorie hat sich über diese drei Konzeptionsphasen von der Gesellschaft immer weiter auf soziale Konflikte und identitätstheoretische Fragestellungen verschoben.3 Ausgelöst durch die Umstellung der Grundbegriffe kristallisiert sich das Problem heraus, gesellschaftliche Fragen vornehmlich auf der Ebene des Individuums und nicht mehr auf derjenigen der Gesellschaft zu bearbeiten (Honneth 2014, S. 57). Der in der älteren kritischen Theorie favorisierte Zusammenhang von Individuum und Gesellschaft steht zur Disposition. Kritische Theorie ging lange Zeit davon aus, dass Gesellschaft als Totalität Ausgangspunkt jeglicher Gesellschaftsanalyse ist und Gesellschaft zudem den „Existenzgrund des Individuums“ darstellt (Ritsert 2009, S. 32; vgl. auch den Beitrag von Freytag im Handbuch). Der hier angedeutete Wandel Kritischer Theorie gibt Anlass, den Gesellschaftsbegriff in diesem Paradigma genauer zu untersuchen und zu klären, ob seine derzeitige Bedeutung zu begründen ist oder ob auf den Gesellschaftsbegriff sogar vollständig verzichtet werden kann. Die zentrale Frage dieses Beitrags lautet also: Ist der Gesellschaftsbegriff zur Analyse und Erklärung der gegenwärtigen Gesellschaft notwendig oder reicht es nicht aus, soziale Phänomene auf der institutionellen und individuellen Ebene zu untersuchen?

Der vorliegende Beitrag klärt in diesem Zusammenhang, welche Bedeutung der Gesellschaftsbegriff in der Kritischen Theorie hatte, wie sich dieser im Rahmen der Theorieentwicklung umgeformt hat und welche Bedeutung ihm derzeit zukommt. Anschließend ist zu erörtern, ob es verteidigungswürdige Argumente für eine stärkere Berücksichtigung des Gesellschaftsbegriffs gibt und worin gegebenenfalls der daraus zu ziehende Gewinn bestehen könnte. Hierzu wird erstens auf die Verflüssigung des Gesellschaftsbegriffs, zweitens auf seine aktuelle Bedeutung und drittens auf die Rückkehr zum Gesellschaftsbegriff eingegangen. Verflüssigung des Gesellschaftsbegriffs zeigt innerhalb der drei Theoriephasen Kritischer Theorie den voranschreitenden Bedeutungsrückgang des zentralen Grundbegriffs (2). Aktuelle Bedeutung des Gesellschaftsbegriffs geht auf dessen Implementierung und auf erhaltenswerte Grundüberzeugungen ein (3). Rückkehr zum Gesellschaftsbegriff diskutiert Grenzen und Möglichkeiten einer erneuten Berücksichtigung von Gesellschaft als zentrale Grundüberzeugung der älteren kritischen Theorie (4). Im vierten Kapitel werden die Positionen zum Gesellschaftsbegriff in zwei Teilen vorgestellt. Neben den bereits eingeführten Vertretern der jüngeren Generation wird in Abgrenzung dazu auf die Positionen Axel Demirovićs, Christoph Görgs und Heinz Steinerts eingegangen.

2 Verflüssigung des Gesellschaftsbegriffs

In der Zeit um die Gründung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, die noch vor den durch Josef Stalin angeordneten Massenmorden des ‚Großen Terrors‘ (1937/1938) in der Sowjetunion liegt, hat der Marxismus als Alternative zum bürgerlich-demokratischen Staatsverständnis seine Prägekraft noch nicht vollkommen eingebüßt. Dementsprechend wird die Arbeiterbewegung als mitentscheidendes Reform- und Protestpotenzial angesehen. So entsteht, in Anlehnung an Hegel und Marx, die Kritische Theorie, die den Marxismus-Leninismus befreien und unter gleichzeitigem Rückgriff auf die empirische Sozialforschung weiterentwickeln will. Dieses Forschungsprogramm soll nach dem Vorhaben Horkheimers zu einer Gesellschaftstheorie erweitert werden, die im Rahmen sozialphilosophischer Fragestellungen sowie in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Sozialforschern eine veränderte ‚These über die Materie als Wirklichkeit‘4 entfaltet (Horkheimer 1980a/1933, S. 14). Diese Forschungsarbeit wird am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main Ende der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgenommen. Erst mit der Institutsübernahme durch Horkheimer im Jahre 1931 erfolgt in mehreren Stufen die Theoriefokussierung zur Kritischen Theorie. Horkheimer beschreibt in der Vorlesung „Die gegenwärtige Lage der Sozialphilosophie und die Aufgaben eines Instituts für Sozialforschung“ die zukünftigen Aufgaben; diese bestehen insbesondere darin, den „Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Leben der Gesellschaft, der psychischen Entwicklung der Individuen und den Veränderungen auf den Kulturgebieten im engeren Sinn“ zu bearbeiten (Horkheimer 1988/1931, S. 32).

2.1 Gesellschaft in der älteren kritischen Theorie

In Anlehnung an Marx sieht Horkheimer die Vielfalt der Erscheinungsformen eines gesellschaftlichen Ganzen in der Tiefendimension der gesellschaftlichen Praxis verwurzelt. Letztere besteht in der historisch notwendigen, aber stets veränderlichen Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Natur. Vernunft wird als ein der Wirklichkeit prinzipiell innewohnendes Prinzip betrachtet, das erforderlich ist, um den Freiheitsgewinn der Aufklärung einzulösen. Nur wenn dieses Ziel im Sinne eines kritischen Verhaltens umgesetzt wird, kann die Geschichte freier Individuen in der sozialen Realität verwirklicht werden (Horkheimer 1997/1947, S. 142 f.).

Der Gesellschaftsbegriff bei Horkheimer bezieht sich mithin ‚auf das Ganze‘ und lässt sich nicht auf Teilaspekte begrenzen. Grundlage für dieses Verständnis ist die Überzeugung, dass sich die Gesellschaft zur Zeit der Theoriegründung über Tauschverhältnisse und eine kapitalistische Klassenstruktur beschreiben lässt. Darüber hinaus versteht die ältere kritische Theorie ihre Gegenwartsgesellschaft als formbar und veränderbar (Horkheimer 1995/1937, S. 259). Wenige Jahre später wird diese positive Gesellschaftsbeschreibung nicht weiter aufrechterhalten. Als Begründung lassen sich die Wirkungen des Faschismus und Stalinismus sowie die Erfahrungen des amerikanischen Monopol- und Kriegskapitalismus anführen, die pessimistischeren Gesellschaftsdeutungen zunehmend Raum geben (Horkheimer und Adorno 1998/1944, S. 259).

Theodor W. Adorno wendet sich als zweiter Vertreter der älteren kritischen Theorie in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts explizit dem Gesellschaftsbegriff zu. In den ‚Soziologischen Exkursen‘ wird die Ausgangsposition der Kritischen Theorie zur Gesellschaft bestimmt.

„Mit Gesellschaft im prägnanten Sinn meint man eine Art Gefüge zwischen Menschen, in dem alles und alle von allen abhängen; in dem das Ganze sich erhält nur durch die Einheit der von sämtlichen Mitgliedern erfüllten Funktionen, und in dem jedem Einzelnen grundsätzlich eine solche Funktion zufällt, während zugleich jeder Einzelne durch seine Zugehörigkeit zu dem totalen Gefüge in weitem Maße bestimmt wird“ (Institut für Sozialforschung 1991/1956, S. 22).

Dem Gesellschaftsbegriff wird von der älteren kritischen Theorie eine hohe Bedeutung beigemessen: Die Gesellschaft bestimmt das Individuum und das Individuum übt Einfluss auf die Gesellschaft aus. Bereits in dieser allgemeinen Beschreibung von Gesellschaft sind Individuum und Gesellschaft miteinander verbunden und es wird darauf hingewiesen, dass das Individuum ohne die Gesellschaft nicht existieren könne.5 Ausgehend von dieser Begriffsbestimmung analysiert Adorno u. a. die Grundlagen der Soziologie, die seiner Auffassung nach unmittelbar mit der Verwendung des Begriffs Gesellschaft in Zusammenhang stehen.

„Das, was Gesellschaft eigentlich zu einem Gesellschaftlichen macht, wodurch sie im spezifischen Sinn sowohl begrifflich konstituiert wird, wie auch real konstituiert wird, das ist das Tauschverhältnis, das virtuell alle Menschen, die an diesem Begriff von Gesellschaft teilhaben, zusammenschließt, und das in einem gewissen Sinn auch die Voraussetzung der nachkapitalistischen Gesellschaften, wenn ich es einmal so vorsichtig jetzt ausdrücken soll, darstellt, in denen ja sicher nicht davon die Rede sein kann, daß nicht mehr getauscht würde“ (Adorno 2012/1993, S. 57).

Hier zeigt sich, dass Adorno den Gesellschaftsbegriff mit dem Tauschverhältnis6 in einen unmittelbaren Zusammenhang bringt. Grundsätzlich ist zu beachten, dass der Begriff der Gesellschaft bei Adorno dialektisch verstanden wird: Er darf weder ausschließlich auf das Individuum noch auf die Gesellschaft bezogen werden, sondern bewegt sich dynamisch zwischen beiden Begriffen und bildet eine gemeinsame Klammer.7

Herbert Marcuse, als dritter Vertreter der älteren kritischen Theorie, schreibt dem Gesellschaftsbegriff ebenfalls eine hohe Bedeutung zu.

„Die Kategorie ‚Gesellschaft‘ selbst drückt den akuten Konflikt zwischen der sozialen und politischen Sphäre aus – die Gesellschaft als antagonistisch gegenüber dem Staat. Entsprechend bezeichneten Begriffe wie ‚Individuum‘, ‚Klasse‘, ‚privat‘, ‚Familie‘, ‚Sphären‘ und ‚Kräfte‘, die in die etablierten Verhältnisse noch nicht integriert waren – Sphären von Spannung und Widerspruch“ (Marcuse 1998/1964, S. 16).

Marcuse geht von einer weitgehenden Instrumentalisierung der Dinge aus, die insbesondere die Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen erkennbar begrenzen. Darüber hinaus ist er überzeugt, dass die durchaus vorhandenen Ideale des Bürgertums nur im Geiste verwirklicht werden. Marcuses Verständnis Kritischer Theorie wendet sich der Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft und der Kritik am kulturellen System zu. Innerhalb des ersten Themengebiets geht er in den 1960er-Jahren davon aus, dass die damalige Industriegesellschaft eine Gesellschaft ohne Opposition darstellt. Darin zeigt sich seine kritische Sozialphilosophie, die auch weiterhin an der Unterscheidung des wahren und falschen Bewusstseins festhält. Marcuse bleibt skeptisch, ob es gelingen kann, einen Weg aus der versklavenden Zufriedenheit zu finden.

2.2 Gesellschaft in der mittleren kritischen Theorie

Als Hauptvertreter der mittleren kritischen Theorie beabsichtigt Jürgen Habermas, die negative Geschichtsphilosophie8 der älteren kritischen Theorie hinter sich zu lassen und mit der Ausarbeitung der Kommunikationsstrukturen (Sprache, Geltungsansprüche und Diskurs) einen positiven Zugang zur Gesellschaft zu gewinnen (Ludwig 2006, S. 60). Habermasʼ Konzeption bezieht sich auf einen Gesellschaftsbegriff, der sowohl ein durch Konflikte geprägtes Gemeinwesen konstatiert und zugleich eine solidarische Gesellschaft für möglich hält. Innerhalb der Gesellschaft ist es demnach notwendig, dass vorhandene Institutionen sich zu ihrer eigenen Absicherung in Diskursen immer wieder neu legitimieren. Habermas geht im Rahmen seiner Zeitdiagnose von einer konflikthaften Gesellschaftsentwicklung aus. Gesellschaft besteht in der Moderne aus System und Lebenswelt (siehe hierzu auch den Beitrag von Scherr im Handbuch).

„Wenn man diesen Trend der Entkoppelung von System und Lebenswelt auf der Ebene einer systematischen Geschichte der Verständigungsformen abbildet, verrät sich die unaufhaltsame Ironie des weltgeschichtlichen Aufklärungsprozesses: die Rationalisierung der Lebenswelt ermöglicht eine Steigerung der Systemkomplexität, die so hypertrophiert, daß die losgelassenen Systemimperative die Fassungskraft der Lebenswelt, die von ihnen instrumentalisiert wird, sprengen“ (Habermas 1987, S. 232 f.).

An dieser Stelle zeigt sich Habermasʼ ambivalente Deutung der Gesellschaftsentwicklung. Er sieht die rechtsstaatliche Verfasstheit der demokratischen Gesellschaft, erkennt aber ebenso, wie die Lebenswelt durch systemische Zwänge der materiellen Reproduktion unter Druck gerät (Habermas 1987, S. 483; vgl. zur Verrechtlichung bei Habermas den Beitrag von Loick im Handbuch). Eine wichtige Voraussetzung für eine neue Gesellschaftstheorie, die sich sowohl kritisch verhalten als auch für Selbstkritik offen bleiben will, besteht nach Habermas darin, die eigene Kritikfähigkeit lebendig zu erhalten und sich gegen ein vereinnahmendes Vorverständnis der gesellschaftlichen Umwelt zur Wehr zu setzen. Für die Wissenschaft ergibt sich daraus die folgende Konsequenz: sie muss sich mit der kulturellen Überlieferung, der sozialen Integration und der Vergesellschaftung der Individuen befassen.

Eine zweite der mittleren kritischen Theorie zugehörige Position bildet das Werk von Claus Offe. Er leistet einen Beitrag zur politischen Soziologie und geht ebenfalls von einem ambivalenten Gesellschaftsbegriff aus. Offe befasst sich mit gesellschaftlichen Krisen und den Steuerungsproblemen von kapitalistischen Gesellschaften. „Gesellschaftliche Prozesse vollziehen sich in dem politischen System spätkapitalistischer Gesellschaften nahezu ausnahmslos nicht jenseits der politischen Handlungssphäre, sondern sie sind durch politische Dauerintervention reguliert und getragen“ (Offe 2003, S. 17, Herv. im Org.). Offe wendet sich den Strukturproblemen des kapitalistischen Staates zu und geht auf bestehende Defizite in der erfolgreichen Durchsetzung des sozialen Wandels ein. Der Staat nämlich erfüllt zwei miteinander verknüpfte Funktionen, die sich als Verbindung von Intervention und Interventionsverzicht darstellen lassen. Folgeprobleme entstehen darüber hinaus auch aus einer Kopplung von Planung und Freiheit. Das ausdifferenzierte politisch-administrative System benötigt nach Auffassung von Offe zur eigenen Absicherung eine pauschale Legitimationsbasis, die jedoch immer schwerer herzustellen ist (Offe 2006/1972, S. 184).9

Oskar Negt, als dritter Vertreter der mittleren kritischen Theorie, misst dem Gesellschaftsbegriff eine ähnlich hohe Bedeutung bei wie die ältere kritische Theorie. Zwar gehört er biografisch zur mittleren kritischen Theorie, konzeptionell jedoch steht er der älteren kritischen Theorie näher.

„Nur wer sich einen Begriff von dieser Gesellschaft macht, wer die Mühe auf sich nimmt, den Prinzipien des Zusammenhalts dieser nach wie vor vom Kapital und von der betriebswirtschaftlichen Zeitökonomie definierten Produktionsordnung auf die Spur zu kommen, wird auch vom sogenannten Wertewandel, von den Desintegrationstendenzen und Erosionen etwas verstehen. Der Grundskandal dieser Gesellschaft […] besteht darin, daß diese Gesellschaft an ihrem Reichtum und ihren Überschußprodukten zu ersticken droht und gleichwohl außerstande ist, Millionen von Menschen das zivilisatorische Minimum für eine menschliche Existenzweise zu sichern: nämlich einen Arbeitsplatz […]“ (Negt 1995, S. 51).

Negt befasst sich mit Arbeit, Gemeinwesen und Utopie. Er geht davon aus, dass das Individuum durch Ökonomie bestimmt und gesteuert wird (Negt 1995, S. 386). Aus diesem Grund ist Negt bestrebt, den Zusammenhang von Arbeit und menschlicher Würde neu zu begründen. Er ist davon überzeugt, dass der Ökonomie und dem Kapital Grenzen gesetzt sind und eine alternative Ökonomie entwickelt werden muss. Negts Gesellschaftsbegriff geht vom Ganzen der Gesellschaft aus und beschreibt einen „qualitative[n] Sprung in eine neue Gesellschaft“ hinein (Negt 1984, S. 36).

An dieser Stelle zeigt sich eine erste Verflüssigung des Gesellschaftsbegriffs.10 Im Gegensatz zur älteren kritischen Theorie wird in der mittleren kritischen Theorie der Gesellschaftsbegriff positiv aufgeladen, gleichzeitig jedoch mit einem Rückzug von der Gesellschaft als Totalität 11 ‚erkauft‘. Kommunikationsstrukturen, gesellschafts-politische Organisationsstrukturen oder menschliche Würde bilden hier die Basis der Kritischen Theorie. Diese Konzepte sind bei aller Unterschiedlichkeit ihrer inhaltlichen Begründung aneinander anschlussfähig und bevorzugen einen ambivalenten Gesellschaftsbegriff.

2.3 Gesellschaft in der jüngeren kritischen Theorie

Hauptvertreter der jüngeren kritischen Theorie ist Axel Honneth, der an Habermasʼ Kommunikationstheorie anknüpft, sich aber in erster Linie für identitätstheoretische Fragen und moralische Empfindungen sozialen Unrechts interessiert. Die von Honneth ausgearbeitete Anerkennungstheorie befasst sich mit der anthropologischen Fundierung der Gesellschaftstheorie. Ihr zu Folge sind diejenigen Identitätsansprüche zu untersuchen, die zur sozialen Reproduktion der gesamten menschlichen Gattung einen Beitrag leisten.

„Ein anerkennungstheoretisches Konzept der Sittlichkeit geht von der Prämisse aus, daß die soziale Integration eines politischen Gemeinwesens nur in dem Maße uneingeschränkt gelingen kann, wie ihr von seiten der Gesellschaftsmitglieder kulturelle Gewohnheiten entgegenkommen, die mit der Art ihres wechselseitigen Umgangs zu tun haben; […] der Begriff der ‚Anerkennung‘ stellt dafür ein besonders gut geeignetes Mittel dar, weil er Formen der sozialen Interaktion im Hinblick auf die in ihr enthaltenen Muster der Achtung für die andere Person systematisch voneinander unterscheidbar macht“ (Honneth 1994, S. 98).

In dieser Interpretation der Anerkennungsbeziehungen durch Honneth zeigt sich sehr deutlich, dass der Zwang zur Reproduktion im Umkehrschluss die Voraussetzung der Anerkennung mitliefert. Die Menschen sind also an einen Prozess der Individuierung und an die Erweiterung der wechselseitigen Anerkennung gebunden.

Rainer Forst ist der zweite Vertreter der jüngeren kritischen Theorie, der dem Gesellschaftsbegriff eine vermittelnde Bedeutung zwischen Individuum und Institution beimisst.

„Für eine kritische Theorie der Gerechtigkeit liegen diese sozialen Verhältnisse keineswegs ‚jenseits‘ der Rechtfertigung, und ihre Kritik richtet sich gegen all die Institutionen, Regeln oder Praktiken, von denen fälschlicherweise entweder gesagt wird, dass sie gerechtfertigt sind, oder dass sie nicht rechtsfertigungsbedürftig, z. B. naturhaft oder unveränderbar, sind. In beiden Fällen ist eine ideologiekritische Betrachtung vonnöten“ (Forst 2007, S. 368).

Forst geht es um die grundsätzlich zu rechtfertigenden Beziehungen zwischen Individuen und sowie um die demokratische Institutionalisierung für die Individuen. Das Ziel der Gerechtigkeit besteht auch darin, den Bürgern eine wirkliche Option zur Verfügung zu stellen, damit sie ihr gemeinsames Leben politisch selbst gestalten können. Der hier vorgestellte Gesellschaftsbegriff zeigt eine prozedurale und positive Position, die sich stärker auf Habermas und teilweise auf Honneth bezieht.

Hauke Brunkhorst ist der dritte Vertreter der jüngeren kritischen Theorie. Im Arbeitsfeld der politischen Soziologie setzt er sich für die Ausarbeitung eines modernen Politikbegriff und eines Ansatzes zur distributiven Gerechtigkeit sowie für Solidarität innerhalb der Weltgesellschaft ein. Für Brunkhorst ist das Prinzip der Volkssouveränität an die Verwirklichung der distributiven Gerechtigkeit gebunden (Brunkhorst 1994, S. 180 f.). Er plädiert für die Herstellung gleicher Teilnahmevoraussetzungen bei Gesetzgebungsverfahren. Nur unter diesen Voraussetzungen lässt sich die politisch egalitäre Massendemokratie rechtfertigen und aufrechterhalten.

„Ohne Input-Demokratie, und das heißt: ohne politische Inklusion der jeweils betroffenen Bevölkerung durch eine Öffentlichkeit, die sich Gehör verschaffen kann, […] schlägt das Kapitalinteresse weltweit ungebremst durch und reduziert die schwache Öffentlichkeit der globalen und lokalen Zivilgesellschaften […]“ (Brunkhorst 2001, S. 621).

Brunkhorsts ambivalenter Gesellschaftsbegriff orientiert sich an sozialer Ungleichheit und jeglichen Formen von Exklusion. Im Gegensatz zu Honneth ist bei ihm ein „Kampf gegen die Ungleichheit mit der Anerkennung der Verschiedenheit“ zu erkennen, der die gesamtgesellschaftliche Ebene unter einer weltgesellschaftlichen Prämisse bearbeitet (Brunkhorst 2008, S. 4).

An dieser Stelle ist ein zweiter Vorgang der Verflüssigung des Gesellschaftsbegriffs festzustellen.12 In der jüngeren kritischen Theorie wird dem Gesellschaftsbegriff der älteren kritischen Theorie noch weniger Beachtung geschenkt als in der mittleren kritischen Theorie. Er hat sein Erklärungs- und Deutungspotenzial weitgehend aufgebraucht. Sind in der mittleren kritischen Theorie institutionelle und teilweise gesellschaftliche Probleme noch von Bedeutung, entfernt sich die dritte Phase13 noch etwas weiter davon und bearbeitet im Wesentlichen identitätstheoretische oder gerechtigkeitsrelevante Fragestellungen. Die Verflüssigung des Gesellschaftsbegriffs zeigt sich in der Weiterentwicklung Kritischer Theorie sehr deutlich. Zwar bleiben alle Theoriephasen der Grundfragestellung Kritischer Theorie14 verpflichtet, aber die Hypothesen und weitere Kennzeichen der älteren kritischen Theorie werden durch neue Überzeugungen ersetzt. Bei aller Verschiedenheit dieser Ansätze zeigt sich eine Umorientierung im Verständnis von Gesellschaft: An Stelle von Fragen nach der Gesellschaft ‚als Ganzes‘ werden zunehmend Phänomene von Sprache, Sozialstruktur, Gerechtigkeit oder Identität bearbeitet.

3 Bedeutung des Gesellschaftsbegriffs

Der Begriff der Gesellschaft bezeichnet, analytisch betrachtet, sowohl funktional als auch material etwas vollständig Selbstverständliches. Schon immer lebten Menschen in Gemeinschaften, in denen sie durch aufeinander abgestimmtes Handeln Institutionen generierten. Institutionen wiederum entwickeln sich aufgrund spezifischer Tätigkeiten (u. a. Produktion, Handel und Siedlungswesen) ab einem bestimmten Zeitpunkt und über eine längere Zeitspanne hinweg zu Gesellschaften (Steinert 2007, S. 176).

Hartmut Esser bestimmt mittels einer allgemeinen Definition den Begriff der Gesellschaft und verweist auf dessen Reichweite: „Gesellschaft als der weiteste institutionelle Rahmen autarker Produktion und Reproduktion bedeutet also, daß es außerhalb einer Gesellschaft keinen weiteren sozialen Kontext gibt“ (Esser 1996, S. 324, Herv. im Org.). Die hier vorgenommene Begriffsbestimmung lässt trotz ihres allgemeinen Charakters sowohl Eindeutigkeit, begriffliche Klarheit als auch weitgehende Akzeptanz erhoffen. Diese Erwartung erweist sich bei einer eingehenderen Beschäftigung mit dem Gesellschaftsbegriff als unzutreffend.

„Das Bürgertum hatte sich des Begriffs eines gesellschaftlichen Ganzen entledigt; jenes war so irrational geworden, daß es bereit war, beim Verfolgen seiner Interessen sogar seine Selbstzerstörung in Kauf zu nehmen und dabei alle anderen gesellschaftlichen Gruppen mit sich in den Untergrund zu reißen. Rationalität und Gesellschaft hatten ihren kollektiv verbindlichen Sinn in den alltäglichen Verstehens- und Deutungspraktiken der Individuen verloren“ (Demirović 1999, S. 264).

Das Interesse an der Gesellschaft als Ganzes wird bereits in der Nachkriegszeit weitgehend preisgegeben. Im Fach Soziologie lässt sich diese Veränderung gut nachzeichnen. Mit der Etablierung des Studiengangs Sozialwissenschaften wird der Fokus vom Grundbegriff der Gesellschaft auf aktuelle empirische Forschungsmethoden gelegt. Die Bemühungen der Soziologie, als eigenständige Wissenschaft anerkannt zu werden, führen zu weitgehend fest vereinbarten Methoden und Inhalten des Fachs.15 Damit wird die Vorstellung der Gesellschaft als Totalität nicht weiter verfolgt, im Vordergrund stehen jetzt die ‚wirklichen‘ Lebenszusammenhänge von Menschen. Mit Totalität wird hier auf einen dialektischen Begriff Bezug genommen, der sowohl Gesellschaft als Ganzes als auch in Bezug auf Gewalt- und Herrschaftsverhältnisse zum Ausdruck bringt (vgl. hierzu auch das Interview mit Ritsert sowie den Beitrag von Freytag im Handbuch).

„Entweder die Totalität kommt zu sich selber, indem sie sich versöhnt, also durch den Austrag ihrer Widersprüche die eigene Widersprüchlichkeit wegschafft, und hört auf, Totalität zu sein, oder das alte Unwahre dauert fort bis zur Katastrophe. Das Ganze der Gesellschaft, als ein Widersprüchliches, treibt über sich hinaus“ (Adorno 1997a/1970, S. 317).

Die Umsetzung dieses Problemzusammenhangs musste die Kritische Theorie alleine durchführen; die Soziologie hat dieser Fragestellung keine zentrale Bedeutung beigemessen und sie in Folge dessen weitgehend vernachlässigt. Adorno und Horkheimer stellen sich jetzt der Aufgabe, die gesellschaftliche Totalität weiter zu untersuchen. Für Adorno geht es in diese Frage um den dialektischen Kern einer Theorie der Gesellschaft, welcher sich unmittelbar im Tauschverhältnis ausdrückt und in dem alle Individuen einer Gesellschaft zusammengeschlossen sind.

Adorno geht davon aus, dass es kein Faktum in der Gesellschaft gibt, das nicht wiederum durch Gesellschaft bestimmt wird. Zugleich aber ist es nicht einfach, den Begriff der Gesellschaft umfassend und präzise zu bestimmen und einzuordnen. Aus diesem Grund kann für Adorno nur derjenige, der in einer Gesellschaft lebt und an ihr aktiv teilnimmt, Kenntnis davon haben, was Gesellschaft ist.

Die Tauschverhältnisse in der Gesellschaft bewirken, dass jedes Individuum in die Herrschaft über ein anderes Individuum hineingezogen wird. Daraus folgt, dass der totale Zusammenhang der Ökonomie zu einer Subjektivierung des Profitmotivs führt, indem der Warenaustausch sich bis in die zwischenmenschlichen Strukturen fortsetzt. Dies bedeutet aber auch, dass jedes Individuum umfassend vom gesellschaftlichen Ganzen bestimmt ist (Adorno 1997c/1965, S. 14). Weiterhin ist in diesem Zusammenhang auf die bestehenden Antagonismen der Gesellschaft hinzuweisen: „Die Gesellschaft erhält sich nicht trotz ihres Antagonismus am Leben sondern durch ihn; […]“ (Adorno 1997b/1970, S. 314). Für Adorno sind die Widersprüche innerhalb der Gesellschaft durch die ökonomischen Verhältnisse von Produktion und Reproduktion bedingt. Sie sind weder Randphänomene noch für die Individuen immer klar erkennbar.

Eine besondere Bedeutung kommt im Rahmen einer Diskussion des Gesellschaftsbegriffs in der Kritischen Theorie dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu. Um auf diese Verhältnisbestimmung näher einzugehen, wird zunächst der Begriff der ‚verwalteten Welt‘ erläutert.16 Diese negative Begriffsbestimmung verbindet die Abhängigkeit von Kultur und Leben mit der Umsetzung ökonomischer Interessen (Adorno 1997e/1956, S. 25). Jeder Tätigkeit des Individuums kommt nur aufgrund der Umsetzung bestimmter Profitziele eine Bedeutung zu, wodurch Freiheit und Spontanität erheblich eingeschränkt werden: „Sie gelten dem, was der Musik in der verwalteten Welt widerfährt, unter Bedingungen planender, organisierter Erfassung, die der künstlerischen Freiheit und Spontaneität die gesellschaftliche Basis entziehen“ (Adorno 1997e/1956, S. 9). Adorno prognostiziert für das Individuum und die Gesellschaft problematische Perspektiven. Das Individuum kann sich zwar nur in der Gesellschaft vereinzeln, nutzt aber die in einer Tauschgesellschaft vorhandenen Möglichkeiten, um eigene Interessen durchzusetzen und sich am Markt zu behaupten. Dadurch, dass das Individuum sich nicht mehr an der Gesellschaft orientiert, sondern eigene Ziele verfolgt, leistet es einen Beitrag zur Erschütterung der bürgerlichen Gesellschaft.

Des Weiteren geht Adorno als Präzisierung des Gesellschaftsbegriffs von einer besonderen Dynamik aus.

„Die Totalität, in der wir leben und die wir auf jeden Schritt und in jeder unserer sozialen Handlungen fühlen können, die ist nicht bedingt durch ein solches unmittelbares, uns alle umgreifendes Miteinander, sondern sie ist gerade bedingt dadurch, daß wir, wie es durch das abstrakte Tauschverhältnis geschieht, wesentlich voneinander getrennt sind“ (Adorno 2012/1993, S. 77).

Totalität beschreibt kein solidarisches Handeln in der Gesamtgesellschaft, sondern bezeichnet die in der Tauschgesellschaft vorhandenen antagonistischen Interessen der Individuen. Nach Adornos Interpretation zeigen sich bereits an dieser Stelle Anzeichen einer Entfremdung der Individuen. Diese verfolgen gemeinsame Ziele nicht weiter, sondern orientieren sich in erster Linie an Profit und eigenem Vorteil (Adorno 1997d/1977, S. 589 ff.).

Auch Horkheimer teilt im Wesentlichen die hier vorgestellte negative Bestimmung des Gesellschaftsbegriffs. Für ihn fallen in der Menschheitsgeschichte Individuum und Gesellschaft auseinander und lassen sich auch nicht mehr zusammenführen. „Society slipped away from individuals and individuals from society“ (Horkheimer 1980b/1941, S. 303). Horkheimers und Adornos Gesellschaftsbegriff vermittelt eine negative Perspektive gesellschaftlicher Entwicklung. Die Erfahrungen des Zivilisationsbruchs haben auch Horkheimers Erwartungen an einen positiven gesellschaftlichen Wandel grundsätzlich zunichte gemacht. „Weil die moderne Gesellschaft eine Totalität ist, beeinträchtigt der Niedergang der Individualität die niederen ebenso wie die höheren sozialen Gruppen, den Arbeiter nicht weniger als den Geschäftsmann“ (Horkheimer 1997/1947, S. 137). Eine positive Menschheitsgeschichte könnte sich für Horkheimer dann entwickeln, wenn die Anwendung des unabhängigen Denkens in der Gesellschaft erprobt und angewendet wird.

Marcuse hat dem Gesellschaftsbegriff der Kritischen Theorie durch zugespitzte Formulierungen und eigenständige Theoriearbeit einen neuen Impuls gegeben. Er knüpft an Horkheimers Geschichtsphilosophie an, geht aber einen eigenen Weg, indem er Ideologien auf ihren utopischen Gehalt untersucht. Sein Interesse ist aufzuzeigen, in welcher Form der Widerspruch zwischen fortschrittlichem Bewusstsein und negativer Wirklichkeit aufrechterhalten wird (Marcuse 1969, S. 188 f.). Auch Marcuses Gesellschaftsbegriff ist von negativen Begründungsformen keineswegs frei. „In der voll entwickelten bürgerlichen Gesellschaft verdrängt der Marktwert den Wert individueller Schöpferkraft. Wenn diese dazu dient, jenen zu erhöhen, ist es mehr der Markt, der sich durchsetzt, als das Individuum“ (Marcuse 1969, S. 170). Marcuse sieht hier die Freiheit des Individuums vom zunehmenden Einfluss der Ökonomie bedroht. Für ihn vergrößert die Autonomie des Individuums unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen nicht die Chancen auf eine freie Gesellschaft, sondern reduziert diese nachweislich.

4 Rückkehr zum Gesellschaftsbegriff

Die Positionen von Rainer Forst, Jürgen Habermas und Axel Honneth verbinden Gemeinsamkeiten und Differenzen sowie eine unterschiedliche Distanz zum Gesellschaftsbegriff.

Forsts Interessen sind auf die Ausarbeitung einer sozialen Gerechtigkeits- und Rechtfertigungstheorie gerichtet. Er knüpft im Rahmen seiner Konzeption an Habermasʼ Werk an und gibt dessen Standpunkt eine weiterführende Richtung. Forst geht vom Grundsatz einer reziproken und allgemeinen Rechtfertigung innerhalb einer komplexen Gesellschaft aus. Sein besonderes Anliegen besteht darin, einen zu rechtfertigenden Legitimationsrahmen zu bestimmen, der für eine demokratische und gerechte Gesellschaft angemessen ist.

„Das Prinzip der Rechtfertigung ist zugleich ein Prinzip der Autonomie und der Kritik. Die Theorie macht dies selbst zu ihrer Grundlage, das heißt, sie konstruiert nicht über die Köpfe hinweg eine normative Ordnung, sondern versucht, diese selbst als konstruktive Hervorbringung zu denken – und stößt damit auf die Phänomene, die das verhindern. Damit wird sie zu einer kritischen Theorie, die die alte Frage aufnimmt, weshalb eine moderne Gesellschaft nicht dazu in der Lage ist, rationale Formen der gesellschaftlichen Ordnung hervorzubringen“ (Forst 2011, S. 18).

Forsts Verständnis des Gesellschaftsbegriffs ist wiederum näher an Adornos Deutung von Gesellschaft. Gerechtigkeit und Rechtfertigung werden hier als Prinzipien verstanden, um die Voraussetzungen für rationale Formen der gesellschaftlichen Ordnung zu bestimmen. Die Verwirklichung der Grundstruktur der Gerechtigkeit stellt für Forst den einzig gangbaren Weg zu einer Partizipation von Bürgern an Institutionen und Staaten dar (Forst 1996, S. 436 f.). Nur auf diesem Weg können die Autonomie des Individuums und die demokratische Selbstbestimmung ermöglicht werden.

Habermas schließt an die Grundfragestellung der älteren kritischen Theorie an, verfolgt darüber hinaus aber einen ganz eigenständigen Weg der Theoriekonzeptionierung. Seinem Verständnis nach ist das kommunikative Einverständnis notwendige Voraussetzung für die kollektive Sicherung der materiellen Existenz. Daraus folgt gleichzeitig die Umstellung von Zweckrationalität auf kommunikative Rationalität.17 Mit der Veränderung des leitenden Grundbegriffs von Arbeit auf Sprache wird im Vergleich zur älteren kritischen Theorie ein positiveres Verständnis der Moderne hergestellt.

„Wir können Gesellschaften unter den Aspekten der Lebenswelt und des Systems betrachten; unter diesen Aspekten müssen wir mit verschiedenen Mechanismen der gesellschaftlichen Integration rechnen. Wiederum besteht eine eindeutige Zuordnung nur zwischen dem kommunikativen Handeln und der sozialen Integration. Hingegen setzen die Mechanismen der systemischen Integration an Ergebnissen und Folgen der Zwecktätigkeit, d. h. an den Effekten an, die sowohl die kommunikativen wie die strategischen Handlungen in der objektiven Welt hervorrufen können“ (Habermas 1995, S. 603 f.).

Mit dieser Begriffsbestimmung wird ‚Gesellschaft als Ganzes‘ zum Teil zurückgenommen und auf konkrete Problemlösungen angewandt. Habermas argumentiert auf der einen Seite handlungstheoretisch und bestimmt Gesellschaft als Geflecht kommunikativer Handlungen. Auf der anderen Seite wird systemtheoretisch auf eine demokratische Selbststeuerung der Gesellschaft verwiesen (Habermas 1998, S. 386). Habermasʼ Verständnis Kritischer Theorie setzt nicht mehr auf Gesellschaft als basalen Theoriebegriff. Aber er gibt den Gesellschaftsbegriff nicht vollständig auf, sondern bezieht diesen auf gesellschaftliche Teilaspekte, u. a. auf Demokratie, Lebenswelt und System.

Honneth bezieht sich auf den Gründungsimpuls Kritischer Theorie und schließt darüber hinaus an Habermasʼ ‚linguistic turn‘ Kritischer Theorie an (Honneth 1989, S. 224). Honneths Verständnis nach ist der praktische Begriff des Unrechtsbewusstseins gegenüber den Verfahrensregeln der Kommunikationsstrukturen zu bevorzugen. Kein Individuum empfindet moralisches Unrecht, nur weil bestimmte Argumentationsregeln nicht eingehalten werden. Vielmehr lassen sich innerhalb der Identität der Individuen wichtige Anzeichen sozialen Unrechts finden.

„Im Kern läuft meine Vorstellung auf die Hypothese hinaus, daß jede soziale Integration von Gesellschaften auf geregelte Formen der wechselseitigen Anerkennung angewiesen ist, an deren Unzulänglichkeiten und Defiziten sich stets wieder Empfindungen der Mißachtung festmachen, die als Antriebsquelle gesellschaftlicher Veränderungen gelten können“ (Honneth 2003b, S. 282).

Der Gesellschaftsbegriff Honneths ist im Vergleich zu dem von Habermas weiter entfernt von Adornos Gesellschaftsverständnis. Honneths Vorhaben besteht in einer Klärung der wesentlichen Interessen und Erwartungen der Individuen im gesellschaftlichen Prozess (Honneth 2003b, S. 304). Damit fällt der Zusammenhang von Individuum und Gesellschaft zwar nicht unmittelbar auseinander, aber das Gesellschaftliche verliert gegenüber dem Individuellen an Bedeutung (Honneth und Stahl 2013, S. 283).

5 Andere Positionen zum Gesellschaftsbegriff

In einem zweiten Schritt sollen nun Konzeptionen dargestellt werden, die sich von einer Rückkehr zum Gesellschaftsbegriff zusätzliche Instrumente zur Analyse der Gegenwartsgesellschaft erwarten. Sie sind durch Alex Demirović, Christoph Görg und Heinz Steinert vertreten.

Demirović nimmt Bezug auf Grundüberzeugungen der älteren kritischen Theorie und verbindet diese mit gegenwartsorientierten Ansätzen der Gesellschaftstheorie. Seiner Auffassung nach sollte der Grundbegriff der Gesellschaft nicht preisgegeben, aber durchaus an die veränderte gesellschaftliche Realität angepasst werden. Profitinteressen bestimmen den Gesellschaftsprozess und überformen damit auch die gesellschaftlichen Bindungen. Die von der älteren kritischen Theorie vorhergesagte gesellschaftliche Totalisierung vollendet sich in der Regel aber nicht, weil die Gesellschaft „sich immer wieder einem konsistenten, systematischen Zugang entzieht“ (Demirović 2003a, S. 7). Erforderlich ist ein Gesellschaftsbegriff, der sich der veränderten Realität stellt:

„Die entscheidende und so häufig übersehene These in der Kritischen Theorie ist, dass diese Einheit, dass Gesellschaft bislang nicht gelungen ist und nicht gelingen wird. Denn der Prozess der zwanghaften Vergesellschaftung durch den Tausch gründet die Konstitution der Gesellschaft auf einen Selbstbetrug“ (Demirović 2003b, S. 21).

Diese Konzeption steht in der Nähe zu Adornos Verständnis von Gesellschaft und misst dem Gesellschaftsbegriff auch weiterhin eine wichtige Bedeutung bei. Demirovićʼ Ziel ist es, einen theoretischen und praktischen Bezug zu einer vernünftigen Gesellschaft zu leisten, auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen und Vorschläge zu deren konkreter Veränderung zu unterbreiten.

Görgs Beitrag zum Gesellschaftsbegriff geht davon aus, dass die Strukturmerkmale der kapitalistischen Vergesellschaftung die Balance zwischen Individuum, Gesellschaft und Natur verändern. Das Naturverhältnis der älteren kritischen Theorie nutzt Görg als Begründung einer materialistischen Geschichtsauffassung, um auf den wechselseitigen Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Natur hinzuweisen.

„Ausgangspunkt einer soziologischen Analyse muss daher ein Begriff der Gesellschaft sein, der diese weder von den ‚natürlichen‘, d. h. materiell-stofflichen Bedingungen ihrer Existenz isoliert und einen Dualismus zweier vermeintlich unabhängiger Bereiche reproduziert oder gar die Vermitteltheit von Gesellschaft und Natur völlig leugnet, noch zu einem unhistorischen und substantialistischen Begriff der Natur zurückkehrt“ (Görg 2003, S. 42).

Görg geht davon aus, dass der Zusammenhang von Individuum, Gesellschaft und Natur gefährdet ist, und aus diesem Grund die ‚Dialektik der Aufklärung‘ fortgeschrieben werden muss (Görg 2004, S. 222). Der hier zugrunde gelegte Gesellschaftsbegriff schließt an die ältere kritische Theorie an und plädiert dafür, den aufs Ganze zielenden Gesellschaftsbegriff keinesfalls preiszugeben.

Steinert interessiert sich schließlich für eine Verbindung aus Psychoanalyse, Kritik der Kulturindustrie und Gesellschaftskritik. Er knüpft an Adornos Gesellschaftsbegriff an und aktualisiert diesen durch die Einbeziehung einer veränderten Forschungsperspektive. Steinert nutzt die Begriffe Kritischer Theorie in einem erweiterten Verständnis. Sein Ziel besteht darin, leitende Begriffe zu untersuchen und weiterzuentwickeln, um sie daraufhin für gegenwartsorientierte Fragestellungen nutzen zu können. „Gesellschaft verändert sich, sie kann radikal umgebaut werden, aber irgendwelche Zuversicht, dass das in Richtung von größerer Freiheit und Autonomie für alle oder wenigstens für die Arbeiterschaft gehen wird, ist unangebracht“ (Steinert 2007, S. 219). Gemeinsam mit dem Gesellschaftsbegriff erfährt auch die Kulturindustrie bei Steinert eine aktualisierte Bedeutung: Besonders in der Wissensgesellschaft nimmt die Geltung der Kulturindustrie zu und einer Kritik an deren gesellschaftstheoretischer Relevanz kommt eine hohe Bedeutung zu (Resch und Steinert 2003, S. 335 f.; vgl. hierzu auch den Beitrag von Resch im Handbuch). Steinert schließt im Rahmen seines Gesellschaftsbegriffs an Horkheimer und Adorno an und plädiert auch aktuell für eine Orientierung an der ‚Gesellschaft als Ganzes‘. Dem negativen Gesellschaftsbegriff der älteren kritischen Theorie wird hier durch die Herausstellung der besonderen Bedeutung der Kulturindustrie ausdrücklich zugestimmt.

Die erneute Aktualisierung der Grundforderung Kritischer Theorie macht es überlegenswert, den Gesellschaftsbegriff auf Grundlage der älteren kritischen Theorie aufrecht zu erhalten. Theoretische und konzeptionelle Weiterentwicklungen sind geboten, sollten aber das Grundmodell (Individuum und Gesellschaft) nicht aus dem Blick verlieren. Anderenfalls lässt sich eine Rückkehr zum Gesellschaftsbegriff kaum begründen, und den differenzierten gesellschaftlichen Problemlagen in den gegenwärtigen Gesellschaften werden wichtige Argumente für deren Problemlösung vorenthalten.

6 Fazit

Der Gesellschaftsbegriff in der Kritischen Theorie zeigt ein ambivalentes Bild. Horkheimer und Adorno gehen übereinstimmend davon aus, dass sich gesellschaftliche Krisen in der Gegenwartsgesellschaft ausschließlich im Verhältnis von Gesellschaft, Natur und Individuum angemessen analysieren lassen. „Ein die Gesellschaftsstruktur betreffendes Problem verlangt eine auf die Gesellschaftsstruktur bezogene Lösung, die von Horkheimer generell als die wirksame Einbeziehung der Individuen in kollektive Entscheidungsprozesse gekennzeichnet wird“ (McCarthy 1993, S. 222). Die Bedeutung des Gesellschaftsbegriffs der älteren kritischen Theorie wird bereits in der zweiten Phase Kritischer Theorie von Habermas zurückgedrängt und in der darauf folgenden dritten Phase von Honneth weitgehend preisgegeben (Habermas 2009, S. 393; Honneth 2003a, S. 205). Die bei Habermas zentrale Bedeutung von Kommunikationsstrukturen, Diskursethik und Demokratie führt u. a. dazu, der ‚Gesellschaft als Ganzes‘ in ihrer ursprünglichen Form weniger Raum zu geben. Im Werk Honneths wird die soziale Struktur der Lebensformen mit konfliktuellen und moraltheoretischen Fragen verbunden. Mit dieser konzeptionellen Entscheidung wird der Zugang zur gesellschaftlichen Totalität weitgehend versperrt.

Der vorliegende Beitrag zeigt, wie die Transformation eines Paradigmas aufgrund notwendiger Veränderungen in Begriffsbildung, Zeitdiagnose und lösungsorientierten Prognosen die Substanz der Kritischen Theorie gefährdet. Horkheimer und Adorno sind davon überzeugt, dass jede Theorie über einen bestimmten Zeitkern verfügt und keineswegs einen Anspruch auf ewige Gültigkeit ihrer Überzeugungen beanspruchen kann (Horkheimer und Adorno 1998/1944, S. 9). An diese Voraussetzung ist anzuschließen, verbunden mit einer detaillierten Überprüfung der erhaltenswerten und überflüssigen Theoriebausteine. Hier wird die Überzeugung vertreten, dass eine Analyse der Gegenwartsgesellschaft ohne Anschluss an den Gesellschaftsbegriff nur eingeschränkte Ergebnisse liefern wird. Einen produktiven Weg, die Gesellschaft erneut zum Objekt zu machen, beschreibt Luc Boltanski:

„Das Vorhaben, die Gesellschaft zum Objekt zu erheben und die Komponenten des sozialen Lebens oder, wenn man will, seinen Rahmen zu beschreiben, rekurriert auf jenes Gedankenexperiment, sich außerhalb des Rahmens zu stellen, um ihn als ganzen in Augenschein zu nehmen. Denn von innen läßt sich ein Rahmen nicht erfassen. Von innen gesehen, verschwimmt der Rahmen mit der Realität in ihrer gebieterischen Notwendigkeit“ (Boltanski 2010, S. 24, Herv. im Org.).

Es ist notwendig, den Gesellschaftsbegriff mit einer negativen und positiven Beschreibung zu versehen, indem auf Teile des Befreiungsprojekts der Aufklärung, auf Möglichkeiten der sozialen Ordnung sowie auf Anwendungsfelder der Emanzipation Bezug genommen wird. Diese Begriffe sind in der Kritischen Theorie immer schon von Bedeutung gewesen und könnten Ideen für eine Gesellschaft freier Menschen leisten. Wenn Aufklärung und Emanzipation auf Grundlage reflexiver Vernunft wieder eine Bedeutung zugesprochen wird, bietet sich Raum für ein gerechtes gesellschaftliches Handeln.

Fußnoten

  1. 1.

    Das Paradigma Kritischer Theorie hat eine ambivalente Geschichte. Damit die Hauptphasen voneinander abgegrenzt werden können, finden verschiedene Orientierungskriterien Verwendung. Neben der älteren, mittleren und jüngeren kritischen Theorie wird auch zwischen früher und später Theoriephase oder zwischen Gründern und jüngerer Generation unterschieden (Honneth 2007, S. 28; Ludwig 2013, Kap. 1.3; Wiggershaus 1993, S. 729).

  2. 2.

    Es kann in diesem Beitrag nur auf wenige Vertreter der drei Konzeptionsphasen Kritischer Theorie Bezug genommen werden. Eine genauere Übersicht kritischer Theoretiker geben für die ältere kritische Theorie Walter-Busch 2010 und Wiggershaus 1993; für die jüngere Theorieentwicklung Bittlingmayer et al. 2011 und Waschkuhn 2000.

  3. 3.

    Die jüngere kritische Theorie zeigt eine plurale Strukturierung mit differenten Grundbegriffen: neben Anerkennung und Gerechtigkeit treten mit Aktivierung, Beschleunigung, Landnahme, Rechtfertigung und Solidarität weitere theorieleitende Begriffe (Brunkhorst 2002; Dörre 2009; Forst 2011; Honneth 1994; Lessenich 2009; Rosa 2012).

  4. 4.

    Die Bedeutung des Materialismus in Horkheimers Verständnis Kritischer Theorie arbeitet Alfred Schmidt überzeugend heraus: „Die sozialen Tatsachen erscheinen deshalb sogleich im Licht der materialistischen Frage, ob sie geeignet sind, menschliches Glück zu befördern“ (Schmidt 1976, S. 85).

  5. 5.

    Individuum und Gesellschaft werden von der älteren kritischen Theorie begrifflich verwendet, um auf eine wichtige Form gesellschaftlicher Arbeitsweise und auf deren zeitbezogene Bedeutung hinzuweisen. Weiterhin werden Individuum und Gesellschaft mit Natur verbunden, um die historische Dynamik in den Blick zu nehmen. „Die Naturverfallenheit der Menschen heute ist vom gesellschaftlichen Fortschritt nicht abzulösen“ (Horkheimer und Adorno 1998/1944, S. 4).

  6. 6.

    In seiner Interpretation des Tauschverhältnisses bezieht sich Adorno auf die grundlegenden Vorarbeiten von Marx zur Wertform einer Ware (Marx 1968/1867, S. 74 f.).

  7. 7.

    Darüber hinaus ist Dialektik bei Adorno „in eins Abdruck des universalen Verblendungszusammenhangs und dessen Kritik“ (1997b/1970, S. 397). Darunter sind widersprüchliche Einflüsse der kapitalistischen Moderne zu verstehen, die einerseits dem Individuum einzelne Teilfreiheiten zusprechen, andererseits aber die Verwirklichung einer umfassenden Freiheit unerfüllt lassen. Zum Themenfeld der Dialektik vgl. die Beiträge von Demirović und Holzer im Handbuch.

  8. 8.

    Für Horkheimer und Adorno spiegelt sich Habermas zufolge im Prozess der Aufklärung eine geradezu negative Rationalitätsentwicklung, welche Erklärungsansätze für die Entwicklung des Nationalsozialismus und andere Erscheinungen moderner Gesellschaften liefert (Habermas 1988, S. 145).

  9. 9.

    Die von Offe aufgeworfenen Fragen zu den Legitimationsproblemen im Spätkapitalismus erfahren aktuell eine erneute Aufmerksamkeit. Wolfgang Streeck diskutiert in den Adorno-Vorlesungen zum Thema „Gekaufte Zeit“ die Krise des demokratischen Kapitalismus und analysiert Folgewirkungen für den Rechtsstaat und die Demokratie (Streeck 2013). Vgl. zu Offes Theorie des Spätkapitalismus und ihrer Aktualität auch den Beitrag von Lessenich im Handbuch.

  10. 10.

    Wie differenziert die einzelnen Entwicklungsphasen Kritischer Theorie zu betrachten sind und wie unterschiedlich sich selbst innerhalb einer Generation die einzelnen Positionen bestimmen lassen, zeigt sich auch an der Konzeption Negts. Auf ihn trifft die konstatierte Verflüssigung des Gesellschaftsbegriffs nicht zu. Negt hält am Gesellschaftsbegriff in der Diktion von Adorno fest und bildet damit eine wichtige, aber eben nicht stilbildende Nebenvariante Kritischer Theorie.

  11. 11.

    ‚Gesellschaft als Ganzes‘ oder ‚gesellschaftliche Totalität‘ sind Begriffe der älteren kritischen Theorie, in denen auf das dialektische Verhältnis von Individuum und Gesellschaft verwiesen wird. Vgl. zum Begriff der Totalität ausführlich Freytag im Handbuch.

  12. 12.

    Wie facettenreich einzelne Positionen innerhalb einer Theoriephase sind, zeigt sich am Beispiel Brunkhorst. Dieser Vertreter Kritischer Theorie gehört biografisch zur jüngeren kritischen Theorie, kann aber konzeptionell nicht eindeutig zugeordnet werden. Er verwendet Theoriebausteine der älteren und mittleren kritischen Theorie und formt daraus ein eigenes Theorieverständnis. Aus diesem Grund trifft auf ihn die Verflüssigung des Gesellschaftsbegriffs nur sehr abgeschwächt zu.

  13. 13.

    Um das Gesamtverständnis Kritischer Theorie nicht noch unübersichtlicher zu machen wurde hier eine Reduktion auf viel rezipierte Autoren vorgenommen. Die vorgelegte Beschreibung zur dritten Phase Kritischer Theorie beschränkt sich auf diejenigen Autoren, die an Habermas anschließen. Darüber hinaus sind u. a. mit Kurt Lenk, Jürgen Ritsert und Gerhard Schweppenhäuser weitere Konzeptionen vorhanden, die sich eher der älteren kritischen Theorie verpflichtet fühlen (Lenk 2009; Ritsert 2000; Schweppenhäuser 2014).

  14. 14.

    Die Grundüberzeugung Kritischer Theorie besteht in der Erforschung der Gegenwartsgesellschaft mit den jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln und Methoden. Unterhalb dieser Voraussetzung ist an der „Reflexionsform einer geschichtlich wirksamen Vernunft“ am „normative[n] Motiv eines vernünftigen Allgemeinen“ und an der „sozialen Pathologie der Vernunft“ konzeptionell festzuhalten (Honneth 2007, S. 56).

  15. 15.

    Die Auseinandersetzungen innerhalb der westdeutschen Soziologie der Nachkriegszeit zur eigenen theoretischen und methodischen Positionierung arbeitet Alex Demirović sehr präzise heraus (Demirović 1999, S. 276 ff.).

  16. 16.

    Der Begriff der ‚verwalteten Welt‘ hat in der älteren kritischen Theorie unterschiedliche Konnotationen. Die Orientierung an der Effektivität und rationellen Steuerung bestehender Verhältnisse beinhaltet die Abhängigkeit von Macht- und Herrschaftsverhältnissen. Eine Folge davon ist, dass sich eine Verdinglichung des Individuums bis hinein in die letzten Reservate des Privatlebens vollzieht (Horkheimer und Adorno 1998/1944, S. 135).

  17. 17.

    Die Bedeutung von Rationalität in Habermas‘ Theorie wird mit positiven und negativen Konnotationen versehen. Charles Taylor z. B. kritisiert die formale Rationalisierung innerhalb der Gesprächstheorie der Sprache und weist auf die Grenzen dieses Ansatzes zur Deutung der Gesellschaft hin (Taylor 2002, S. 50 f.).

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieFernUniversität in HagenHagenDeutschland

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