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Kritisches Denken mit negativer Dialektik

  • Daniela HolzerEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag widmet sich einer Erkundung von Möglichkeiten negativ-dialektischen Denkens, die als Methode für Theorieentwicklung zugänglich gemacht werden soll. Ausgangspunkt sind zwei Problemlagen: Erstens, dass unter „Methoden“ zumeist nur empirische Herangehensweisen gefasst, während für Theorieentwicklung kaum Methoden ausgeführt werden. Zweitens, dass es keine explizite Methode kritischer Theorie gibt. Die negative Dialektik als eine der eindrücklichsten Ausformulierungen der Grundlagen kritischer Theorie wird von Adorno selbst als Methode und zugleich Nicht-Methode bezeichnet und auch im aktuellen Diskurs wird ein methodischer Entwurf weitgehend abgelehnt. Dies führt allerdings unweigerlich dazu, dass negativ-dialektisches Denken nur unter sehr hohem Aufwand und nur nach langjähriger Auseinandersetzung mit den Grundlagen und komplexen Feinheiten zugänglich und anwendbar wird. Damit verschließt sich negativ-dialektisches Denken für viele, insbesondere für unerfahrene Forschende, und wird zu einer Analysepraxis, die mit dem aktuellen Wissenschaftsbetrieb nur schwer vereinbar ist. Vor diesem Hintergrund wird im vorliegenden Beitrag ein Entwurf einer negativ-dialektischen Methode der Theorieentwicklung und des kritischen Denkens vorgestellt. Entlang zentraler Aspekte negativer Dialektik – Kritik, Reflexion, Unauflöslichkeit von Widersprüchen, Negation, Nichtidentisches, Konstellationen, Erfahrung und Subjekt – werden Dimensionen und Denkweisen entworfen, die denkleitend eingesetzt werden können und dennoch der Komplexität und den Erkenntnissen der negativen Dialektik gerecht werden.

Schlüsselwörter

Negative Dialektik Theoriebildung Kritisches Denken Kritische Methoden Methoden der Theorieentwicklung Methodologie 

1 Einleitung

„Die Formulierung Negative Dialektik verstößt gegen die Überlieferung“. So beginnt Theodor W. Adorno seine Vorrede in der „Negativen Dialektik“ (Adorno 1966/2003, S. 9) und er informiert in den ersten Sätzen über sein Vorhaben, idealistischen, an Synthese orientierten und damit affirmativen Dialektikverständnissen ein kritisches dialektisches Antisystem entgegenzusetzen. In seinen Argumentationen arbeitet Adorno die aus materialistischer, kritischer Sicht problematischen und unrichtigen Aspekte insbesondere der Hegelschen Dialektik heraus und formuliert von dieser Kritik ausgehend, dass angesichts derzeitiger gesellschaftlicher Verhältnisse Dialektik nur negativ sein könne. Adorno setzt negative Dialektik sogar weitgehend mit kritischer Theorie gleich und spricht davon, dass die „Negative Dialektik“ in weiten Teilen die nachträglichen methodischen Ausführungen zu Vorgehensweisen in seinen vorangegangen Forschungsarbeiten sei. In diesem Beitrag wird nun die Spur der negativen Dialektik unter dem spezifischen Fokus einer möglichen forschungsmethodischen Explikation für kritisches Denken und Theoriebildung aufgenommen. Insofern verstößt dieser Beitrag ebenfalls gegen Überlieferungen, nämlich gegen jene, Adornos negative Dialektik könne nicht auf Methoden heruntergebrochen werden, zu komplex, vielfältig, verwoben und verschlungen sei Adornos Entwurf. Dennoch wird in diesem für ein Handbuch spezielleren Beitrag die Skizze einer möglichen Methodologie negativer Dialektik entfaltet, nicht zuletzt, um das komplexe Denken Adornos zugänglicher zu machen und als Potenzial für kritisches Denken nicht brach liegen zu lassen.

2 Ungenutzte Reserve

Adornos „Negative Dialektik“ bietet beeindruckende und für gesellschaftskritische Analysen höchstrelevante Einsichten, die allerdings schwer zugänglich, kaum systematisch explizierbar und daher nur schwer konsequent im Denken und Handeln umsetzbar sind. Dies birgt die Gefahr, sie als nicht praktikabel und eben nur von wenigen ExpertInnen fassbar abzutun und somit auf ein großes, radikal kritisches Potenzial zu verzichten. Zahlreiche vorliegende Interpretationen von Adornos Denken und Beschreibungen seiner Methode (z. B. Bonß 1983, 2011; Naeher 1984a; Ritsert 2011) helfen insofern nicht weiter, als sie entweder ganz spezifische Aspekte herausgreifen oder ebenso komplex sind wie die Schriften Adornos selbst (vgl. z. B. Honneth und Menke 2006). So bereichernd und wichtig solche Auseinandersetzungen sind, so wenig erschließen sie konkrete Verfahrensweisen negativer Dialektik. Berufungen darauf, Adornos Denken lasse sich nicht methodisch reduzieren und solle dies auch nicht, mögen gut begründet sein, verhindern allerdings gleichzeitig die Hebung des „Schatzes“ und die Möglichkeit, negative Dialektik zugänglich zu machen. Solche Arbeiten nähren – vielleicht sogar mitunter mit Absicht – den Mythos, bei der negativen Dialektik handle es sich um eine Art „Geheimlehre“ (vgl. Müller 2008, S. 287), die erst durchschaubar und damit auch anwendbar werde, wenn die Initiation über langjährige Auseinandersetzung und Übung erfolgt sei. „Neulinge“ bleiben lange ausgeschlossen, was jedoch nicht im Sinne kritischer Theorie sein kann, die sich die Aufgabe stellt, die Gesellschaft zum Besseren zu verändern und dafür möglichst viele mit auf den Weg zu nehmen. Ebenso „geheimlehrig“ können manchmal jene Arbeiten erscheinen, die zwar negative Dialektik oder Adornos kritische Theorie als Ausgangs- und Bezugspunkt ihrer Analysen benennen und zugleich schuldig bleiben, wie das Denken, der Blick geschult wurde, um solche Analysen anzufertigen. Es finden sich aber zumindest gelegentlich Hinweise: So spricht Ludwig A. Pongratz beispielsweise von einem „seismographischen Instrumentarium“ (2010a, S. 9 f.), Andreas Gruschka (1988, S. 38 f.) formuliert Leitfragen und Ute Guzzoni hebt den „langen, gewaltlosen Blick“ (2003, S. 117 ff.) hervor. Heinz Steinert konzentriert seine Überlegungen – zwar auf qualitative empirische Sozialforschung bezogen, aber auch für die hier aufgeworfene Frage kritischen Denkens relevant – auf „Klugheits- und Handwerks-Regeln der Interpretation“: „Genau hinsehen, geduldig nachdenken und sich nicht dumm machen lassen“ (Steinert 1998, S. 46, 65 ff.).

Ausgangspunkt für ein Interesse an negativer Dialektik als Methode ist zunächst eine Faszination für das dichte Denkgewebe in der „Negativen Dialektik“ und mehr eine Ahnung denn eine Gewissheit davon, welche Relevanz negative Dialektik für kritische Wissenschaft haben könnte. Mit dem von Adorno selbst eingeforderten spielerischen Denken (Adorno 1965–66/2003, S. 133) kann die negative Dialektik darauf befragt werden, inwiefern sie als Denkhorizont, als Lesart, Reflexionsinstanz und vielleicht sogar als eine Art „Verfahren“, wenn auch nicht in einem engen Methodenverständnis, für die Entwicklung von Theorie und von kritischem Denken erschlossen werden kann. Die „Negative Dialektik“ kann und soll Inspiration dafür sein, nicht dogmatische Vorgabe und es ist daher kein Denken über Adorno, sondern ein Denken mit Adorno. Die Überlegungen sollen Mut machen, sich auf komplexes, vieldimensionales, radikal kritisches Denken einzulassen und gleichzeitig eine Art Handreichung sein, entlang derer sich solches Denken aneignen und üben lässt. Gegen die Komplexität und die zuweilen irritierende „Andersartigkeit“ der negativen Dialektik wehrt sich das Denken: zu deformiert scheint es von traditionellen, vorherrschenden Vorstellungen von Eindeutigkeiten und linearen Kausalitäten, um sich auf negativ-dialektisches Denken konsequent einlassen zu können, zu sehr strebt das Denken nach Auflösung von Widersprüchen, nach klaren, eindeutigen Erklärungen. Das bietet negative Dialektik nicht. Sie bietet lediglich die Möglichkeit komplexer, mehrdimensionaler, radikal kritischer Denk- und Verhaltensweisen, sie fordert Verflüssigungen des Denkens und Offenheit für Unbestimmbares.

3 Methodenverständnisse erweitern

Adorno selbst spricht davon, mehr noch in der „Vorlesung über Negative Dialektik“ als in der „Negativen Dialektik“ selbst, diese sei Methode und zugleich nicht Methode (vgl. Adorno 1966/2003, S. 148). Diese Feststellung ist in hohem Maß einem zur damaligen Zeit vorherrschenden engen Methodenbegriff geschuldet. Es ist also zunächst zu untersuchen, mit welchen wissenschaftlichen Methodenverständnissen wir aktuell konfrontiert sind und welche kritischen Möglichkeiten sich dadurch ergeben, aber auch inwiefern aktuelle Verständnisse weiterhin zu eng gefasst sind und gerade mit Adornos Denken aufgebrochen werden können und müssen. Das derzeit vorherrschende Methodenverständnis ist in zumindest zweierlei Hinsicht zu erweitern: Zum einen ist der Reduktion auf instrumentelle und rein formale Operationsanweisung ein breiterer Methodenbegriff entgegenzusetzen, der mehr, auch nicht formalisierbare Forschungswege zulässt. Zum zweiten bedarf es einer Ausweitung auf einen Methodenbegriff, der nicht lediglich an empirische Verfahren gebunden ist, sondern auch Methoden der Theorieentwicklung umfassen kann.

Adorno hält fest, seine Ausführungen seien „so etwas wie eine methodische Betrachtung dessen […], was ich überhaupt tue“ (Adorno 1965–66/2003, S. 15) und er spricht von „methodischen Grundsätzen“ (Adorno 1965–66/2003, S. 49). Zugleich wehrt er sich gegen eine methodische Reduzierung. In positivistischen Wissenschaftsverständnissen folgen Methoden einer Subsumptionslogik, in der innerhalb bestehender Systematiken Erfasstes zu- und eingeordnet wird, die Systematik selbst weder hinterfragt wird noch an ein Interesse an einer Veränderung besteht (vgl. Horkheimer 1937/1984; Adorno 1966/2003, S. 43; zum Positivismus vgl. auch Müller/Bittlingmayer im Handbuch). Methoden werden so als abstrakte Operationalisierungen verstanden, wohingegen kritische Theorie auf einer unbedingten Verbindung mit Inhalten, auf notwendiger (Selbst-)Kritik und (Selbst-)Reflexion insistiert (vgl. Naeher 1984b, S. 184; Ritsert 2011). Entsprechend unzulänglich sind Begriffe wie „Instrumente“ oder „Werkzeuge“ zur Beschreibung kritischer Methoden, verweisen sie doch zu sehr auf rein formalisierte Operationalisierungen, und doch wird hier zuweilen auf diese Worte zurückgegriffen, um damit zu beginnen, einen negativ-dialektischen „Werkzeugkasten“ zu füllen, der genutzt werden kann und sich doch zugleich gerade dieser Nutzung immer wieder entzieht. Adorno betont im Besonderen, dass nicht sichtbare, nicht identifizierbare Wirklichkeitsaspekte in operationalisierender Subsumption nicht zur Geltung gelangen können und insofern sind die Leerstellen des Werkzeugkastens als solche mit wahrzunehmen. Adorno insistiert darauf, dass Methoden nicht von Inhalten zu trennen sind und entsprechend skeptisch müssen Versuche gelesen werden, die Adornos Denken von inhaltlichen Momenten und Erkenntnisinteressen „befreien“ wollen und es ganz auf methodische und sprachliche Aspekte reduzieren (vgl. z. B. Bartonek 2011; Brunkhorst 1990; Heidbrink 2004). Adornos radikal gesellschaftskritisches Anliegen würde amputiert und ohne das emanzipatorische und herrschaftskritische Interesse hört eine Wissenschaft auf, kritische Theorie zu sein. Dialektik ist weder nur Methode noch nur Sache, sie verbindet diese beiden Aspekte aber nicht lediglich oberflächlich, sondern diese werden bereits untrennbar vorgefunden (vgl. z. B. Thyen 1989, S. 265). Die Verkürzung des Methodenbegriffs auf formalisierte Verfahren ist aber, trotz vielfacher methodischer Erweiterungen und Entwicklungen, auch im aktuellen Wissenschaftsbetrieb weiterhin vorherrschend. An solchen formalisierten Verfahrensweisen kritisiert Adorno das Primat der Methode anstatt der Gegenstände und Inhalte (vgl. Adorno 1969, S. 294). Negative Dialektik ist aber „kein klappernder Algorithmus, den man nur genau befolgen müßte, damit unten die ‚Wahrheit‘ herausfällt“ (Steinert 1998, S. 53).

Eng mit dem Verständnis von Methode als formalisierte Verfahren verbunden ist die fast ausschließliche Reduzierung auf empirische Forschung, wie ein Blick in Hand- und Lehrbücher zu Methoden der Sozial- und Humanwissenschaften beispielhaft verdeutlicht. Theoriebildung bleibt weitgehend im Dunkeln und zudem werden Methoden kritischer Theorien häufig als unwissenschaftlich diffamiert (vgl. z. B. Opp 2005). Theorie scheint manchmal eher „lästige“ Vorarbeit zu sein, um dann zur „wirklichen“, empirischen Forschung zu kommen. Die Hegemonie solcher Wissenschaftsverständnisse schlägt sich entsprechend in der Ausbildung von Studierenden und in deren Qualifizierungsarbeiten nieder. Auch im restlichen Wissenschaftsbetrieb ist Theorieentwicklung kaum weniger verpönt, gehe sie angeblich zu sehr an der Wirklichkeit vorbei und sei schlimmstenfalls sogar nur Fantasterei. Diesem spekulativen Moment von Theorie sei gar nicht widersprochen, vielmehr liegt gerade darin ein wesentliches Element, um eventuell nicht Sichtbares, um blinde Flecken und empirisch vielleicht nicht Wahrnehmbares zur Geltung zu bringen (vgl. Gruschka 2006, S. 36; Pongratz 2010b, S. 10). Unterschiede innerhalb empirischer Ausrichtungen zeigen sich daran, dass qualitative Empirie Theoriebildung zumindest teilweise mit bedenkt oder, wie z. B. in der Grounded Theory, sie als wesentliches Element, sogar Ziel, der empirischen Forschung besonders hervorhebt.

Dass Theorien nicht einfach da sind, sondern ebenso einer gezielten Entwicklung bedürfen, bleibt zumeist unterbeleuchtet, eine der wenigen Ausnahme stellt beispielsweise Tenorth (2010) dar. Es entsteht zuweilen der Eindruck, Theorie „passiere“ einfach oder sei Ergebnis eines nicht nachvollziehbaren und nicht-methodischen Prozesses. Wenn Methoden der Theoriebildung referiert werden, sind diese häufig – wiederum den vorherrschenden Wissenschaftsverständnissen entsprechend – an logischen Verfahren und an Kriterien der Widerspruchsfreiheit und Wertfreiheit orientiert (vgl. z. B. Astleitner 2011) und somit kritischer Theorie, dialektischer Verfahren überhaupt und negativer Dialektik im Besonderen diametral entgegengesetzt. Im gesamten Lehr- und Forschungsbetrieb, inklusive wissenschaftlicher Fördermaßnahmen und universitätspolitischer Steuerungsinstrumente, ist Empirie vorherrschend. Theoriebildung wird hingegen entweder gar nicht als relevant wahrgenommen oder als „nicht wirkliche“ Forschung abqualifiziert. Das Engagement nicht nur für kritische Wissenschaft sondern insbesondere für erweiterte Methodenverständnisse, die auch Methoden der Theoriebildung in den Blick nehmen, ist daher unbedingt erforderlich. Einen möglichen, erweiterten Methodenbegriff, der offen und zugleich nicht zu breit ist, formuliert Ritsert anknüpfend an Adorno: „Man kann unter ‚Methode‘ in der Tat auch die Einheit der allgemeinsten syntaktischen, erkenntnistheoretisch-ontologischen und praxisorientierten (pragmatischen) Grundvorstellungen verstehen, auf deren Hintergrund sich ein Autor mit der Mannigfaltigkeit der ihn interessierenden Gegenstände und Themen auseinandersetzt“ (Ritsert 2011, S. 224).

Für die weiteren Ausführungen ist Adorno nun mehrfach beim Wort zu nehmen: Zum einen fordert Adorno, dass kritische Theorie nach Selbstreflexion, Selbstkritik und an gesellschaftlichen Verhältnissen orientierte Veränderungen und Erweiterungen verlange. Entsprechend ist die negative Dialektik Adornos als Ausganspunkt zu nehmen und sind reflexive und kritische Überschreitungen geradezu gefordert. Zum anderen soll er beim Wort genommen werden, negative Dialektik sei Methode und zugleich nicht Methode. Entgegen mancher Empfehlungen von Adorno selbst und auch gegen die Warnungen der Methodologisierung negativ-dialektischen Denkens, trotz der Nicht-Trennbarkeit von Methode und Inhalt und im Eingedenken der prinzipiellen Unabgeschlossenheit kann dennoch eine Methodenbeschreibung versucht werden, die entsprechend offen und vorläufig bleiben muss. Methoden kritischer Theorie dienen als Ausgangspunkt, um dann eine unmethodische Methode oder eine methodische Unmethode zu skizzieren.

4 Methoden kritischer Theorie

Kritische Theorie verfügt nicht in einem engeren Sinn über eine für sie spezifische Methodologie, sondern vielmehr geteilte erkenntnistheoretische Grundhaltungen, die methodisch unterschiedlich ausgeformt werden. Als Anklänge gemeinsamer kritischer Methoden werden teilweise Dialektik und Ideologiekritik genannt (vgl. z. B. Demirović 1999). Ideologiekritik und immanente Kritik sind spezifische Kritikbegriffe kritischer Theorien, die in Verbindung mit Reflexion, Selbstreflexion und Selbstkritik ein wesentliches Grundgerüst jener Zugänge beschreiben, an die in diesem Beitrag angeschlossen wird. Trotz geteilter gesellschaftskritischer Grundhaltung finden sich in unterschiedlichen Ausprägungen kritischer Theorien eine entsprechende Vielfalt an methodischen Ausformulierungen, die von diversen qualitativen Forschungsmethoden mit kritischem Hintergrund bis hin zu empirischen Methodenentwicklungen mit konkretem Bezug auf kritische Theorie oder einzelne VertreterInnen davon reichen (vgl. z. B. Oevermann 2011; Steinert 1998, 2007). So bereichernd und interessant diese Entwicklungen sind, so geben sie doch aufgrund ihrer empirischen Orientierung kaum Hinweise darauf, wie kritisches Denken und Theorie entwickelt werden könnte. Um negative Dialektik greifbar zu machen, sind daher unbedingt Bezüge zu Ideologiekritik, immanenter Kritik und Reflexion notwendig.

4.1 Kritische Kritik

Kritik erhält in der kritischen Theorie eine spezifische Ausformung, die sich sowohl von einem Alltagsverständnis als auch von einem allgemeinen wissenschaftlichen Kritikbegriff abgrenzt. In allen Wissenschaftsverständnissen spielt Kritik die Rolle, Vorhandenes und existierende Erklärungen zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern. Solche Kritik ist aber nicht per se kritisch im Sinne einer kritischen Theorie, stellt sie doch nicht notwendig bestehende Verhältnisse und Strukturen in Frage, sondern orientiert sich vielmehr in den meisten Fällen an Optimierungen innerhalb bestimmter Ordnungen, normativen Annahmen, Wertesystemen etc., die selbst nicht weiter in Frage gestellt werden (vgl. Steinert 2007; Demirović 2008; Schäfer 2009; Jaeggi 2009; vgl. hierzu auch die Beiträge von Schiller, Demirović und Müller/Bittlingmayer im Band). Insofern ist solche Kritik wesentliches Element der Weiterentwicklung kapitalistischer Verhältnisse, da zu Fortschritt und neuen Entwicklungen beigetragen wird, ohne jedoch die grundlegende Frage zu stellen, ob und inwiefern diese Verhältnisse selbst in die Kritik zu nehmen wären. „So kann sich die bürgerliche Gesellschaft auch mit der Kritik noch arrangieren, wenn diese nämlich zu einem Katalysator ihrer permanenten Modernisierung und Selbstrevolutionierung wird“ (vgl. Demirović 2008, S. 26). Selbst gesellschaftskritische Ansätze finden sich zuweilen in diesen Denkgewohnheiten verhaftet, wenn zwar z. B. Ungerechtigkeiten aufgedeckt und negativ beurteilt werden, Veränderungen allerdings primär innerhalb von bestehenden Logiken und Verhältnissen gedacht werden. Dennoch werden bereits solche wertenden Beurteilungen in vorherrschenden Wissenschaftsverständnissen als zu wenig neutral und objektiv und damit unwissenschaftlich abgelehnt. Und doch reichen sie im Sinne kritischer Theorie noch bei weitem nicht aus. Masschelein (2003) und Sonderegger (2009) sprechen von einer Trivialisierung von Kritik, wenn darunter nur das Fällen von Urteilen verstanden werde und Bünger (Bünger in Bierbaum und Bünger 2007) wirft das Problem auf, dass Kritik häufig zu einem kritischen Habitus verkomme, der sich mehr in Gesten und Begriffen, denn in grundlegender Infragestellung äußert. Der Begriff Kritik reicht demnach nicht aus, um zwischen affirmativen und kritischen Zugängen differenzieren zu können, vielmehr bedarf es einer Ausformulierung „kritischer“ Kritik, indem der Begriff der Kritik „reflexiv radikalisiert“ werden muss (Demirović 2008, S. 26).

In kritischen Theorien ist Kritik insbesondere dadurch ausgezeichnet, immanent und ideologiekritisch zu verfahren. Die Maßstäbe und Ausgangspunkte von Kritik sind nicht ahistorische, metaphysische Ideale, sondern vielmehr materiale, historisch eingebettete reale Bedingungen und Verhältnisse. In dieser materialistischen Grundverfassung kritischer Theorie kann Kritik daher nur radikal in dem Sinne sein, dass die bestehenden Verhältnisse daraufhin befragt werden, inwiefern sie bis hin zu ihren grundlegendsten Aspekten hin verändert werden können und müssen (vgl. z. B. Demirović 2008; Jaeggi 2009). Kritik erhält so politische Relevanz und entzieht sich zugleich selbst den Boden unter den Füßen, da sie – immanent – nur mit aktuell bestehenden gesellschaftlich geformten Denkweisen, Begriffen und Wahrnehmungen agieren kann, diese aber zugleich in die Kritik nimmt, also die „gesamte Sphäre negiert, in der sie sich bewegt“ (Adorno 1966/2003, S. 197). Solche Kritik ist nicht von einem Außenstandpunkt möglich, die KritikerInnen können keine Distanz zur kritisierten Sache einnehmen, sondern stehen vielmehr in denselben Verhältnissen und agieren entsprechend aus einer Innenperspektive heraus. Entgegen einer angeblich möglichen und nötigen objektiv distanzierten Wissenschaft, die den „Mythos nicht-normativer Kritik“ (Ritsert 2009) pflegt, fordert kritische Theorie gezielt Parteinahme. Sie verfolgt ein emanzipatorisches Interesse und ist somit „explizit normativ imprägniert“ (Bittlingmayer et al. 2011, S. 195), indem sie an Zielen der Freiheit, Gleichheit, Solidarität orientiert ist, auch wenn diese nicht positiv formulierbar, sondern lediglich negativ als Unfreiheit, Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu fassen sind. Sie werden negativ formuliert, weil sie keine ahistorischen Ideale verkörpern, sondern positiv erst in der Transformation gesellschaftlicher Verhältnisse entwickelbar, Verstöße dagegen aber jederzeit wahrnehmbar sind. Immanente Kritik verfährt dabei insofern radikal, als sie sämtliche Gegebenheiten in den Blick nimmt. Sie gibt sich nicht damit zufrieden, die Nichterfüllung bestehender Normen und Vorstellungen in die Kritik zu nehmen, sondern stellt diese selbst mit in Frage. Solche Kritik greift also – immanent – auf bestehende Maßstäbe zurück, prüft deren (Nicht-)Verwirklichung, nimmt die Maßstäbe selbst aber mit in die Kritik. In der Verwirklichung würden und müssten sich also die Maßstäbe selbst auch transformieren (vgl. z. B. Jaeggi 2009). Die normative Orientierung an Bedingungen eines guten, gerechten, freien Lebens ist somit notwendig und möglich und zugleich unmöglich: Es existieren Ahnungen davon und die Nichtverwirklichung lässt sich nicht zuletzt an der Erfahrung des Leidens unter ungerechten, unfreien Verhältnissen festmachen. Eine Verwirklichung ist prinzipiell realisier- und denkbar. Da die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse dies allerdings verhindern, sind diese bis an ihre Wurzeln – also radikal – zu kritisieren und zu negieren (vgl. Steinert 2007; Schäfer 2009). Unmöglich bleibt eine statische Festschreibung des Besseren.

Solche Kritik verfährt insofern ideologiekritisch, als sie bestehende Verhältnisse auf verschleiernde Herrschaftsmomente befragt. Ideologie bezeichnet in materialistischen Theorien daher nicht (politische) Überzeugungen und auch nicht einfach „falsche“ Ideen, sondern Ideologie wird als spezifisches Herrschaftsinstrument gefasst, das darauf fußt, Hintergründe bestehender Verhältnisse im Dunkeln zu lassen und damit einen herrschaftsstabilisierenden Schein der Unveränderlichkeit erzeugt (vgl. z. B. Steinert 2007; Pongratz 2010a). Ideologie ist aber kein über die Verhältnisse ausgebreiteter Schleier, der lediglich zerrissen werden muss, um Dahinterliegendes sichtbar zu machen: „Ideologie überlagert nicht das gesellschaftliche Sein als ablösbare Schicht, sondern wohnt ihm inne“ (Adorno 1966/2003, S. 348). Ausgangspunkte für Ideologiekritik sind daher innere Widersprüche, die sichtbar gemacht und auf herrschaftsstabilisierende Momente befragt werden und welche Gründe dahinter liegen. „Der Kritik geht es nicht allein um Beanstandung […], sondern darum zu begreifen, warum es dazu kommt“ (Demirović 2008, S. 32), da nur so an umfassenderen Transformationen gearbeitet werden kann. Die KritikerInnen sind aber ebenso in diese tief greifenden Ideologien verstrickt, sodass sie nie sicher sein können, nicht selbst verblendet zu sein. Ein paternalistischer Gestus, der andere als verblendet tituliert, selbst aber „durchblickt“, ist aus einer solchen Haltung heraus ebenso wenig möglich, wie klare Aussagen darüber, wie es denn besser sein könnte. Bereits das Bewusstsein selbst, auch das kritische, muss in die (Selbst-)Kritik genommen werden. Scheinhaft naturgesetzliche Elemente der Gesellschaft können aber als veränderlich und Täuschungen als solche sichtbar gemacht werden.

4.2 (Selbst-)Reflexion

Reflexion und Kritik sind eng miteinander verwoben, insbesondere in der Zusammenführung „kritischer Reflexion“ oder „reflexiver Kritik“. Die Übergänge sind fließend und gelegentlich entsteht der Eindruck einer sprachlichen Doppelung. Allerdings haftet dem Begriff der Reflexion zumindest im Alltagssprachgebrauch ein weicheres Moment an, der sich in erster Linie aus dem alltagssprachlichen aburteilenden und damit harten Kritikbegriff und einer Konnotation von Reflexion mit einer weicheren „gelassenen Welt- und Selbstdistanzierung“ (Winkler 1999, S. 278) ergibt. Im Anschluss an den skizzierten Kritikbegriff der kritischen Theorie ist eine klare Unterscheidung der beiden Begriffe kaum möglich. Steinert sieht als „Errungenschaft gerade der deutschen Aufklärung, dass sie einen Begriff von Kritik eingeführt hat, der am besten mit ‚Reflexivität‘ zu übersetzen ist“ (Steinert 2007, S. 17). Und kritische Theorie ist für ihn in erster Linie durch Ideologiekritik, Dialektik – also Reflexivität – gekennzeichnet (vgl. Steinert 2007, S. 18). Gleich der Kritik ist auch Reflexion der Trivialisierung ausgesetzt und ein wesentlicher Motor bürgerlichen Fortschritts. Affirmative Reflexion wird so zu einer wesentlichen Funktion der Herrschaftsstabilisierung und Teil jener Ideologie, die es zu durchschlagen gälte. Wie bei der Kritik ist auch der Anspruch an die Reflexion entsprechend zu erhöhen: noch radikaler, noch genauer, noch kritischer – also kritische Reflexion (vgl. Steinert 2007, S. 14, 202). Solche Reflexion und Kritik richtet sich nicht nur auf die wahrgenommenen und kritisierten Verhältnisse sondern auch auf sich selbst: Selbstreflexion und Selbstkritik sind in kritischer Theorie unabdingbar, da sich KritikerInnen ihrer Position, ihrer Verformung und Verwobenheit nicht entziehen können, sich der eigenen Unzulänglichkeiten bewusst sein müssen, keine Außenperspektive einnehmen können. Adorno spricht daher von einem notwendigen „Denken […] in zweiter Reflexion“ (Adorno 1966/2003, S. 201), das eine Korrekturfunktion hat. Denken in zweiter Reflexion umfasst bei Adorno eine nochmalige Reflexion, im Besonderen aber die Selbstreflexion, die Befragung des eigenen Denkens, der eigenen Erkenntnisse auf mögliche affirmative und negative Konsequenzen. Er spricht vom Aufbrechen von zuerst Gedachten, von vorher nicht Mitbedachtem und gibt ihr die Rolle eines Gegengifts (vgl. Adorno 1966/2003, S. 54, 200). Selbstreflexion impliziert damit eine Notwendigkeit „gegen sich selbst [zu] denken“ (Adorno 1966/2003, S. 358). Für Adorno bedeutet dies „eine Korrektur des Herrschaftsgestus identifizierenden Denkens“ (Schäfer 2004, S. 92). Die bei Adorno ausgesprochen wichtigen leiblichen Aspekte, die körperliche Wahrnehmung von Widerständen, Abneigungen und Unstimmigkeiten, können zu einem Ausgangspunkt solcher Selbstreflexion genutzt werden. Reflexion bleibt dabei eine offene Denkfigur, die Gedachtes und Gefühltes einer statischen Zementierung entzieht. „Reflexivität wird wahrscheinlich deshalb so selten realisiert, weil ihre Ergebnisse nicht einfach als ‚ewige Wahrheit‘ behauptet und tradiert werden können, vielmehr in der Rezeption eine aktiven, anti-autoritären Mit-Vollzug erfordern“ (Steinert 2007, S. 251).

5 Grundzüge einer negativen Dialektik

In der „Negativen Dialektik“ formuliert Adorno erkenntnistheoretische Begründungen, Verfeinerungen und Erweiterungen und eben auch eine Art negativ-dialektischer „Methode“. Diese gilt es reflexiv weiterzuentwickeln, indem eine negativ-dialektische Denkart versucht wird, die zwar von Adorno und seinen Begründungen ausgeht, diese aber mehr als Inspiration denn als festgesetzten Maßstab nutzt. Insofern wird hier nicht die „Negative Dialektik“ referiert – unabhängig davon, ob dies, wie manche bezweifeln, überhaupt möglich und wünschenswert wäre, angesichts der Komplexität und Vielschichtigkeit und angesichts der Stellungnahme Adornos selbst, solche Philosophie soll nicht referierbar sein –, sondern jene Aspekte herausgegriffen, die für methodische Überlegungen als besonders relevant erachtet werden. Die Trennung der einzelnen Aspekte unter eigene Überschriften bleibt insofern inadäquat, als diese so eng miteinander verwoben sind, gegenseitig aufeinander verweisen und ineinander übergehen, dass eine Systematisierung immer unzureichend bleiben muss. Und doch sollen sie dem Versuch einer Klärung hilfreich sein.

5.1 Dialektik, negativ

Weder ist Dialektik ein genuin materialistisches Verfahren noch ist negative Dialektik lediglich ein dem Denken und der Feder von Adorno entsprungene Herangehensweise. Adorno steht nicht allein mit seinen Überlegungen, sondern bezieht sich auf eine Fülle an bereits Gedachtem, viele seiner Gedanken sind nicht neu oder lediglich adaptiert. Gerade in der „Negativen Dialektik“ arbeitet Adorno kritisch die idealistische Vergangenheit der Dialektik, insbesondere in seiner Ausprägung bei Hegel, heraus, um negative Dialektik davon abzuheben. Aber bereits Marx hat negativ-dialektisch gearbeitet (vgl. Demirović 1999, S. 649). Insofern führt Adorno eine negative Dialektik weiter, die er grundlegend und mit spezifischen Schwerpunkten argumentiert.

Ausgangspunkt der Dialektik sind Wahrnehmungen von Widersprüchen, „nicht, wie ihre Gegner es ihr vorrechnen, von oben her Widersprüche zu konstruieren“ (Adorno 1966/2003, S. 156), sondern die vorhandenen Widersprüche sichtbar und wahrnehmbar zu machen. Widersprüche wohnen der Sache inne und daher wird nicht einer These eine Antithese gegenüber konstruiert, sondern der bereits vorhandene Widerspruch muss in die Wahrnehmung gehoben werden. Insofern verfällt Dialektik nicht in Dichotomisierungen und Adorno weist auch Vereinfachungen zurück, die darauf hinauslaufen festzustellen, „daß jedes Ding seine zwei Seiten hat“ (Adorno 1951/1980, S. 281). Dies sei ein Rückfall in undialektisches Denken. Dialektik ist vielmehr als ein vermitteltes Verhältnis zu denken, wo die Widersprüche in der Sache selbst, in den Begriffen selbst bereits existieren. Koneffke führt dieses Verhältnis in seiner Diskussion der Subversion eindrucksvoll vor: Subversive Möglichkeiten sind nicht trotz der kapitalistischen Verhältnisse vorhanden, sondern gerade weil der kapitalistische Markt auf mündige, selbstbestimmte Subjekte angewiesen ist, bleibt darin ein subversives Moment aufbewahrt (vgl. Koneffke 1969). Obwohl entgegengesetzt ist das eine im anderen mitenthalten und in dieser vermittelten Beziehung analysierbar, können Elemente des einen Pols im anderen sichtbar gemacht werden (vgl. z. B. Ritsert 1997, S. 155; Ritsert 2011; Müller 2011). Und bei Adorno besonders relevant ist, dass Begriffe selbst bereits widersprüchlich sind: Begriffe versuchen die Sache zu identifizieren, wodurch das Nichtidentische, das dem Begriff ebenfalls anhaftet, abgeschnitten wird. Bereits in der „Dialektik der Aufklärung“ formulierten Horkheimer und Adorno (1988) jene Gedanken notwendig widersprüchlicher Entwicklungen, die Adorno in der „Negativen Dialektik“ fortführt: Befreiung schlägt in neue Unfreiheit zurück, Aufklärung in neue Mythen. Die Vermitteltheit und Verwobenheit von Widersprüchen in der Sache lassen sich vereinfacht in Form von wahr und unwahr zugleich erfassen, ein in der Logik unzulässiger Zustand. Dialektisches Denken ist dabei bewegtes Denken, ein pendeln zwischen verschiedenen Ebenen und Dimensionen, das sich nicht auf einer gefundenen Wahrheit ausruhen kann.

Inwiefern ist Adornos Dialektik nun aber „negativ“? Einen wesentlichen Aspekt formuliert er bereits in der Vorrede zur Negativen Dialektik: „Dialektik will bereits bei Platon, daß durchs Denkmittel der Negation ein Positives sich herstelle; die Figur der Negation der Negation benannte das später prägnant. Das Buch möchte Dialektik von derlei affirmativem Wesen befreien, ohne an Bestimmtheit etwas nachzulassen. Die Entfaltung seines paradoxen Titels ist eine seiner Absichten“ (Adorno 1966/2003, S. 9). Der Denkfigur, dass aus der Negation der Negation eine Synthese entspringe, verwehrt sich Adorno nun entschieden (vgl. Adorno 1966/2003, S. 161, 151). Synthese sei Identität und vernachlässige somit das Nichtidentische. Synthese sei dem Fetisch des Positiven geschuldet. Synthese bringe das Denken scheinbar zu einem Abschluss, der Herrschaft reproduziere, da wiederum alles dieser Synthese unterworfen wird. In negativ-dialektischem Denken wird demnach nicht dem Drang nach Eindeutigkeit und Abschluss nachgegeben, vielmehr lassen sich Widersprüche nicht auflösen. Sie sind weder Denkfehler (wie in der Logik festgehalten), noch lassen sie eine Flucht in abgeschlossene Klarheiten zu. Im Widerspruch ist zu verharren und die Verwirrung zu ertragen, denn „so dialektisch geht es in der Welt nun einmal zu“ (Adorno 1965–66/2003, S. 152).

5.2 Negation und Negativität

Die Bedeutung der Negation und Negativität klingt in der negativen Dialektik selbst und in den ersten Sätzen bei Adorno an. Dennoch bleiben diese Begriffe – möglicherweise absichtlich – unbestimmt und offen. Beide Begriffe lassen sich zunächst formal bestimmen. Die Negation ist dann als denkerische Aktivität der Verneinung, der Aufhebung durch ein Entgegengesetztes zu lesen. Das Negativ repräsentiert das „Subtrahierte“, das Gegenteil des Positivs als das sichtbare Seiende. Zum Verständnis geeignet ist als Metapher das Fotonegativ (für all jene, die sich noch an analoge Fotografie erinnern können), das komplementär die Wirklichkeit abbildet. Das Negative ist damit das „Nicht-“. Negation und das Negative sind aber zugleich als Werturteile lesbar, mit denen Vorhandenes als schlecht, unzureichend, eben negativ eingeschätzt wird. Bei Adorno verschwimmen diese beiden Verständnismöglichkeiten des „Nichtseienden“ und des „Nichtseinsollenden“ (Theunissen 1983, S. 41, Hervorhebung i. Orig.), auch wenn Adorno-Interpretationen häufig Adorno ausschließlich letztere Verwendung unterstellen (z. B. Theunissen 1983; Wesche 2011). Adorno selbst verwebt die beiden Aspekte miteinander. Insbesondere in der Auseinandersetzung mit der Negation der Negation steht ein formales Verständnis im Vordergrund, während das bewertende Urteil besonders deutlich in der Ablehnung des Positiven hervortritt, dessen Fetischisierung negativ zu bewerten sei. Manche Formulierungen lassen vermuten, dass Adorno mit dieser Mehrfachbedeutung geradezu spielt, insbesondere, wenn man sich die Bedeutung der Nichtidentität vor Augen hält: Hinter dem fetischisierten Begriff der Positivität „steht der Glaube, das Positive sei an sich bereits ein Positives“ (Adorno 1965–66/2003, S. 33, Hervorhebung i. Orig.). Weder lehnt Adorno Positivität per se ab, noch stimmt er einer ausschließlichen Negativität zu, vielmehr sei abzuwägen und kritisch zu beurteilen, was positiv und was negativ sei. Da aber Positivität zu einem Wert an sich erhoben worden ist, wird sie zu Ideologie und bedarf konsequenter Negation und Kritik. „Aus diesem Grund also könnte man, um es dialektisch auszudrücken, sagen, daß gerade das positiv Auftretende wesentlich das Negative, das zur Kritik stehende sei. Und das ist das Motiv, das wesentliche Motiv, für Konzeption und Nomenklatur einer negativen Dialektik“ (Adorno 1965–66/2003, S. 34). Negativität dürfe aber ebenso wenig als absolut festgeschrieben und per se als gut verteidigt werden. „Sie schlüge somit sogleich ihrerseits in schlechte Positivität um“ (Adorno 1965–66/2003, S. 44). Die dennoch konsequente, weil in diesen gesellschaftlichen Verhältnissen notwendige Negativität, wurde Adorno jedoch immer wieder als Pessimismus vorgeworfen und machte ihn vielen suspekt, weil zu resignativ. Allerdings ignorieren solche Vorwürfe Adornos Negation absoluter Negativität. Die KritikerInnen können aber, da nicht außerhalb stehend, keine positiven Vorschläge machen und wollen dies auch nicht, da etwas Neues, Anderes, Besseres nur gemeinsam im Fortschreiten entwickelt werden kann, um nicht neuerlich paternalistisch und herrschaftlich zu werden. Adorno verwehrt sich dagegen, Kritik müsse immer konstruktiv sein: „Aber von außen die Forderung heranzubringen: ja, wenn er ein negatives Prinzip hat oder wenn er die Negativität für ein wesentliches Medium hält, dann darf er doch eigentlich überhaupt nichts sagen, − darauf ist im Grunde nur zu antworten mit dem: das würde jenen so passen!“ (Adorno 1965–66/2003, S. 45 f.).

5.3 Nichtidentität

Negative Dialektik ist „eine Dialektik nicht der Identität sondern der Nichtidentität“ (Adorno 1965–66/2003, S. 15, Hervorhebung i. Orig.). In enger Verbindung mit der Negation und der Negativität wird Nichtidentität zum Ausdruck nicht fassbarer Aspekte der Wirklichkeit: „Unmittelbar ist das Nichtidentische nicht als seinerseits Positives zu gewinnen und auch nicht durch Negation des Negativen. […] Die Gleichsetzung der Negation der Negation mit Positivität ist die Quintessenz des Identifizierens“ (Adorno 1966/2003, S. 161). Identifizierend versucht traditionelle Wissenschaft die Sache begrifflich zu fassen und in Verfeinerungen die Wirklichkeit immer mehr zu durchdringen. Im Bestehen auf identifizierend fassbarer Wirklichkeit ignoriert solche Wissenschaft diese nicht greifbaren Aspekte und erzeugt so einen Schein: „Identität ist die Urform von Ideologie“ (Adorno 1966/2003, S. 151) und damit Herrschaftsinstrument. Hier wird auch nochmals die affirmative und herrschaftsproduzierende Rolle der Synthese deutlich, denn „in jeglicher Synthesis arbeitet der Wille zur Identität“ (Adorno 1966/2003, S. 151), als Wunsch, in der Synthese das Gute, das Richtige feststellen zu können, der man sich dann zu beugen habe.

Adornos Kritik richtet sich nun darauf, dass Begriffe immer unzulänglich bleiben müssen, die Sache nie ganz fassen können. Das Nichtidentische ist das nicht Fassbare, das nicht Sagbare, das nicht begrifflich Festzumachende, das „was im Begriff eben nicht aufgeht: das Konkrete, Besondere, sich Entziehende“ (Schäfer 2004, S. 92). Die „Richtung der Begrifflichkeit zu ändern, sie dem Nichtidentischen zuzukehren, ist das Scharnier negativer Dialektik“ (Adorno 1966/2003, S. 24). Das Identische wäre somit das positiv Wahrnehmbare, diesmal positiv nicht im Sinne eines Urteils, sondern als Wahrnehmung des Sichtbaren, Greifbaren, eben Positiven. Hier überschneidet sich Nichtidentität neuerlich mit der Negation, dem Negativen: Nichtwahrnehmbares ist die negative Seite im Sinne der wissenschaftlichen (Nicht-)Wahrnehmbarkeit: Das Negative als das nur indirekt Sichtbare, nicht Bestimmbare, das eben nur negativ Identifizierbare und damit das Nichtidentische. Es geht also wieder um ein Nachdenken über das „Nicht-“ (vgl. Adorno 1965–66/2003, S. 86). Gleichzeitig bleibt Adorno bewusst, dass wir darauf angewiesen sind, begrifflich zu denken und zu sprechen und er verharrt in genau diesem Widerspruch, dass identifizierendes, begriffliches Denken gleichzeitig nötig und doch nicht ausreichend sei. Dieser Widerspruch erfordert einen entsprechend reflexiven, selbstkritischen Zugang. Negative Dialektik ist für Adorno das „konsequente Bewußtsein von Nichtidentität“ (Adorno 1966/2003, S. 17) und doch wäre es „die Utopie der Erkenntnis […] das Begriffslose mit Begriffen aufzutun, ohne es ihnen gleichzumachen“ (Adorno 1966/2003, S. 21). Das Nichtidentische lässt sich also nicht identifizieren, sondern nur erahnen, vermuten, spekulieren.

5.4 Konstellation

Adorno versucht nun, dem Nichtidentischen zu seiner Geltung zu verhelfen, ohne in Identifizierung zu verfallen, indem er ein Denken in Konstellationen vorschlägt. Der Astronomie entlehnt als Stellung der Sterne zueinander und deren Bewegung greift Adorno auf die Konstellation in zumindest zweierlei Hinsicht zurück: Als zu beschreitender Weg zu Erkenntnis und zugleich als spezifische Darstellungsform, indem er Gedanken formuliert, umkreist, dreht und wendet, später darauf zurückkommt. Adornos Denken wird gerade dadurch schwer zugänglich, da sich seine Überlegungen dadurch eben nicht einfach systematisieren, ordnen, identifizieren lassen. Die Konstellation ist vielmehr eine Anordnung von Gedanken, von Begriffen, von unterschiedlichsten Betrachtungsweisen im Versuch, durch die möglichst große Vielfalt der Sache möglichst nahe zu kommen und doch die Ahnung des Nichtidentischen stets bewusst zu halten. In seinem „Der Essay als Form“ bringt er diesen Anspruch besonders deutlich zum Ausdruck. Nur in der spielerischen, offenen, unsystematischen, essayistischen Form wird der Sache keine repressive Gewalt angetan, sondern die Begriffe werden statt abschneidend definiert „erst durch ihr Verhältnis zueinander“ präzisiert (Adorno 1958/1974, S. 19). Erst in der Bewegung und Wechselwirkung der Momente weisen diese „über den spezifischen Gegenstand hinaus, indem sie sich versammeln“ (Adorno 1958/1974, S. 21). Der Essay „koordiniert die Elemente, anstatt sie zu subordinieren“ (Adorno 1958/1974, S. 32). In solchen Konstellationen sieht Adorno die Möglichkeit, dieses Mehr fühlbar, ahnbar zu machen (vgl. z. B. Adorno 1966/2003, S. 111, insbesondere aber S. 164 ff.). Eine Metapher für die Vorgehensweise ist die Nummernkombination: „Als Konstellation umkreist der theoretische Gedanke den Begriff, den er öffnen möchte, hoffend, daß er aufspringe etwa wie die Schlösser wohlverwahrter Kassenschränke: nicht nur durch einen Einzelschlüssel oder eine Einzelnummer sondern eine Nummernkombination“ (Adorno 1966/2003, S. 166). Wussow ergänzt zu diesem Bild, dass darüber hinaus die Wirklichkeit sogar „durch ein Zahlenschloss gesichert ist, dessen Code sich permanent ändert“ (Wussow 2007, S. 188). Sachen sollen in einem anderen Licht erscheinen und es kann im Idealfall ein Verständnis erschlossen werden, das in der Identifizierung nicht greifbar ist. „Indem die Begriffe um die zu erkennende Sache sich versammeln, bestimmen sie potenziell deren Inneres, erreichen denkend, was Denken notwendig aus sich ausmerzte“ (Adorno 1966/2003, S. 164 f.). Ein Denken in Konstellationen ist entsprechend verflüssigt, mehrdimensional und spielerisch. Das spielerische Element betont Adorno explizit, da Erkenntnis auf den „Moment des Zufalls, das dem Spiel innewohnt,“ (Adorno 1965–66/2003, S. 133) angewiesen ist. Bonß und Brunkhorst greifen beide den Begriff des Rätsellösens für Adornos Vorgehensweise auf, allerdings ohne Patentrezept und ohne eine angenommene feststehende „richtige“ Lösung (vgl. Bonß 1983, S. 205 f.; Bonß 2011, S. 235 f.; Brunkhorst 1990, S. 235 f.). Auf dem Weg werden aber möglichst viele unterschiedliche Perspektiven eingenommen, wird zwischen unterschiedlichen Ebenen gewechselt, werden vielfältige Dimensionen eröffnet, ohne sich der Abgeschlossenheit und Vollständigkeit jemals sicher sein zu können. Komplexitätssteigernd wird versucht, das Rätsel mit unterschiedlichsten Wegen immer wieder zu lösen.

5.5 Zu sich und über sich hinaus: Erfahrung und Forschungssubjekt

Für Adorno ist Philosophie geistige Erfahrung (Anke Thyen liest Adornos „Negative Dialektik“ sogar als eine „Theorie der Erfahrung,“ Thyen 1989), die versucht, Gedanken über das Gegebene hinaus zu treiben, Gedachtes in Schwebe zu halten und nicht an die Grenzen sinnlicher Erfahrung zu binden. Solche Gedanken laufen Gefahr, sich zu verlieren und falsch zu sein, aber dadurch dürfe sich das Denken nicht einschränken lassen. Erst dieses spekulative, spielerische Hinausdenken ermöglicht Erkenntnis und Adorno beharrt darauf, dass „eine Erkenntnis, die nicht gefährlich ist, nicht wert ist, gedacht zu werden“ (Adorno 1965–66/2003, S. 127). Selbstreflexiv, durch kritische Prüfung und Rückbindung an Theorie, Empirie und Praxis wird dieser Gedanke dann neuerlich geprüft. Es wird kontrolliert, ob ein Einfall „wirklich das Gemeinte genau trifft oder ob das nicht der Fall ist“ (Adorno 1965–66/2003, S. 137). Weder dürfe das Denken gänzlich diszipliniert sein, noch gänzlich undiszipliniert, sondern in einer Bewegung zwischen diesen beiden Polen. In dieser Rolle geistiger Erfahrung spiegelt sich auch Adornos Forderung nach einem „Mehr an Subjekt“ (Adorno 1966/2003, S. 50) in der Wissenschaft, da Gedanken nicht von der Person zu trennen sind. Der denkenden geistigen Erfahrung tritt bei Adorno aber auch ein somatisches Moment hinzu. Mit körperlich wahrnehmbarer Abneigung reagiere er auf so manchen Gedanken „und das sogenannte theoretische Denken ist dann in einem weiten Maß nur der Versuch, diesen idiosynkratischen Reaktionen durch Bewußtsein nachzufolgen“ (Adorno 1966/2003, S. 49), z. B. sich „selbst auf die Sprünge zu kommen, warum ich mich gegen den Begriff der Synthese so sträube“ (Adorno 1966/2003, S. 16, Hervorhebung i. Orig.). Dieses leibliche Moment ist auch ein leidendes, wenn wahrgenommen wird, was schmerzt, nicht nur die Person selbst, sondern vielmehr geht es auch darum, das Leid anderer wahrzunehmen. Subjektive Leidenserfahrung ist für Adorno als Erkenntnisimpuls zwingende Notwendigkeit (vgl. Bonß 1983, S. 209). Leid wird zum Ausgangspunkt kritischen Handelns und Denkens: „Das Bedürfnis, Leiden beredt werden zu lassen“ (Adorno 1966/2003, S. 29). Die unerträglichen Leiden, die im Nationalsozialismus Menschen zugefügt wurden, müssten für Adorno Hass und Ekel bei den BetrachterInnen auslösen. Und es existiert weiterhin wahrnehmbares Leid. „Aller Schmerz und alle Negativität, Motor des dialektischen Gedankens, sind die vielfach vermittelte, manchmal unkenntlich gewordene Gestalt von Physischem“ (Adorno 1966/2003, S. 202, Hervorhebung D.H.). Viele kleine und große Leiden, physisches und psychisches Leid werden so zum Ausgangspunkt für Erfahrungen. Manchmal sind die vielen kleinen Schmerzen auf den ersten Blick unkenntlich, aber sie halten dennoch die Menschen weitab von einem glücklichen Zustand. Dies gilt es zu ändern: „Das leibhaftige Moment meldet der Erkenntnis an, daß Leiden nicht sein, daß es anders werden solle“ (Adorno 1966/2003, S. 203). Zu schnell wird angenommen, Schlechtes sei überwunden, aber es braucht weiterhin den Impuls „die Augen für ein Unrecht oder Leiden [zu öffnen], das vorschnell als überwunden und versöhnt gilt“ (Wesche 2011, S. 321).

6 Unmethodische Methode – methodische Unmethode

Adorno selbst gibt uns keine hilfreichen Hinweise hinsichtlich methodischer Konkretisierungen. Er umkreist, begründet, argumentiert und beschreibt umfassend die epistemologischen Hintergründe und die spezifisch notwendigen Aspekte einer negativen Dialektik. Er deutet an, verdeutlicht aber nicht. Es ist auch wenig hilfreich, wenn er in seiner Vorlesung „Einleitung in die Soziologie“ sagt, man müsse mal anfangen, auch ohne festen Ausgangspunkt, ohne methodische Anweisung, wie etwas zu machen sei. Wie? Indem „man’s halt macht“ (Adorno 1968/1993, S. 31). Jetzt mag das für Adorno zumindest zu diesem Zeitpunkt recht einfach sein, formuliert er dies doch in einer seiner letzten Vorlesungen und er kann daher auf eine lange und intensive Auseinandersetzung und Übung kritischen Verhaltens zurückblicken. Für ein erst entdeckendes, noch unerfahrenes, noch zu übendes Herantasten an kritisches Denken braucht es hingegen konkretere Hilfestellung, zu groß ist das Risiko, im „einfach machen“ Herrschaft, Gewalt, Macht, Affirmation etc. unkritisch zu reproduzieren. Adorno fordert aber auch dazu auf, man müsse sich in der Dialektik „verlieren“ (Adorno 1951/1980, S. 281), anstatt sich ihrer zu bedienen und sie damit ihrer Offenheit zu berauben.

Kritisches Denken mit negativer Dialektik setzt eine kritische Grundhaltung zu dieser Welt, ein Interesse an gerechten, freien, solidarischen, herrschaftsfreien gesellschaftlichen Verhältnissen voraus, da Methode nicht von Inhalten getrennt werden kann. Eine Auseinandersetzung mit sich selbst, mit eigenen Interessen und Vorannahmen, mit eigenen Möglichkeiten und Grenzen ist unausweichlich und kritisches Denken mit negativer Dialektik bedarf bereits im Vorfeld und ebenso fortlaufend Akte der Selbsttransformation, um die eigene kritische Haltung zu verfeinern und sich die Denkweisen sukzessive zu verinnerlichen (vgl. z. B. Pongratz 2010a,b). Negative Dialektik kann demnach nicht einfach methodisch erschlossen werden, sondern erfordert intensive Auseinandersetzung mit erkenntnistheoretischen Begründungen, mit Denkansätzen und mit den vielfältigen Überlegungen, eigentlich ein – gelegentlich über der Anwendung von Regeln „vergessenes“ – Erfordernis in jeder Forschungshaltung.

Die „Kunst“ bestünde aber nun darin, negativ-dialektisches Denken und Lesen dennoch davon zu befreien, unerlernbare Begabung oder erst nach langjährigen Auseinandersetzung möglich zu sein. Die methodischen Überlegungen müssen vereinfachend sein und dürfen dennoch nicht unterkomplex werden. Sie sollen das Denken lenken und konzentrieren und gleichzeitig öffnen und befreien. Sie bedürfen einer gewissen „Anwendbarkeit“ und sollen doch nicht vereinfachende Operationen in einem herkömmlichen Methodenverständnis sein. Wenn eine negativ-dialektische Methode also keine einfache Verfahrensweise sein kann, ist sie als methodische Unmethode oder unmethodische Methode zu entfalten, in der jene Aspekte benannt werden, die im Denkprozess nicht vergessen werden dürfen und die in gewisser Weise als „Denkkrücken“ das Nachdenken zugleich verflüssigen und konzentrieren(vgl. Holzer 2017).

6.1 Negativ-dialektisches, kritisches und reflexives Denken

Denken im Anschluss an kritische Theorie und negative Dialektik muss bestimmte Merkmale aufweisen, um kritisch bleiben zu können. Dialektisch und in Widersprüchen denkend sind Gegensätze sichtbar zu machen, die vermittelte Beziehung zu erfassen und einfachen Kausalitäten zu misstrauen. Der Blick richtet sich gezielt darauf, ob das eine ein mögliches anderes oder viele andere Dimensionen enthält und – negativ-dialektisch – werden diese Widersprüche nicht aufgelöst, sondern ausgehalten. Solches Denken ist mehrdimensional, indem möglichst viele Facetten auf möglichst vielen Ebenen in den Blick genommen werden. Es ist das eine zu betrachten, aber auch noch das andere und noch ein anderes … Denken ist in Bewegung, indem es soweit denkt, bis „Knoten“ entstehen, die – Auflösung suchend und nicht findend – zu Bewegung zwingen. Wenn das Denken sich beruhigt, liegt der Verdacht der Falschheit nahe. Denken muss sich verflüssigen, indem es zumindest den Versuch unternimmt, gewohnte Bahnen zu verlassen, Undenkbares zu denken. Solches Denken ist komplex: Es misstraut Einfachheiten und versucht, gewebeartig statt kausal-linear zu denken. Und es erfordert Geduld, ein langsames, geduldiges Hinschauen, ein Innehalten bei Irritationen, Einfachheiten und Klarheiten.

Kritische Kritik erfordert zunächst überhaupt eine Wahrnehmung, die einen genauen Blick auf Verhältnisse richtet, um Negatives überhaupt als solches zu erkennen. Solche Kritik ist getragen von Misstrauen und Skepsis, die scheinbar positiven Verhältnissen mit grundsätzlichen Vorbehalten begegnet. Gegebenes wird darauf geprüft, ob es nicht auch anders sein könnte. Vorbehaltlich späterer Prüfung werden Herrschaft und negative Wirkungen zunächst angenommen. Kritik muss Ursachen ergründen und begibt sich daher auf die Suche nach Hintergründen und Triebfedern für bestehende Verhältnisse, für Normen und Maßstäbe, für Auswirkungen. Sie ist mehrdimensional und radikal. Um scheinbare Unveränderlichkeiten aufzudecken kann eine Denkkrücke sein, zunächst so zu „tun, als ob“ es anders wäre. Kritische Kritik denkt veränderungsorientiert, da sie ein Interesse an der Veränderung der Gesellschaft und aller in ihr wirkenden Mechanismen und Handlungen zu einem möglichen Besseren hat. Selbstkritisch wird die eigene Kritik reflektiert, werden eigene Maßstäbe, Denkgewohnheiten, Vorannahmen in die Kritik genommen und eigene Verstricktheiten thematisiert und mitbedacht. Kritik ist auch spekulativ, indem Denkexperimente gewagt, spekulative Entwürfe versucht werden und das Denken über Bestehendes hinausgeht.

Reflexion hält inne und tritt zurück, indem sie sich die Zeit lässt, zwischendurch aus dem Tun und Denken auszusteigen und eine fiktive Außenposition einnimmt. Reflexion ist eine Kritik der Kritik, indem die eigene Kritik mit den eigenen Maßstäben nochmals der Kritik überführt wird. Selbstreflexiv werden die eigenen Vorannahmen und Normen überprüft. Man befragt sich selbst auf Irritationen, sucht eigene Verwobenheiten und hält diese soweit präsent wie möglich. Mit hypothetischen Vorbehalten wird ein Misstrauen gegen Vorgaben und bereits Gedachtes ausgedrückt. Ein Beispiel könnte sein: Ist Emanzipation tatsächlich befreiend oder könnte sie auch per se affirmativ und unterdrückend sein? Reflexion dient der Affirmationsprüfung und Irrtumsvermeidung, indem Denkprozesse und Ergebnisse nochmals auf affirmative Momente und mögliche Irrtümer befragt werden. Reflexion kann mit Umkehrungen arbeiten, indem Aussagen nochmals auf den Kopf gestellt werden, Gegenteile gesucht werden.

Negation und Negatives kann als operative Verneinung, als Inverssetzung des Wahrgenommenen und als Beurteilung des Schlechten und Verwerflichen genutzt werden. Es ist zu fragen, was als das „Nicht-“ vermutet werden kann und was urteilend abzulehnen ist. Nichtidentität nimmt jene Aspekte ernst, die nicht begrifflich fassbar und dennoch vorhanden sind. Es ist ständig zu fragen, welches „Nicht-“ noch vorhanden sein könnte und es ist zu prüfen, inwiefern man selbst in unnötig ausschließendes identifizerendes Denken verfällt. Ein Denken in Konstellationen umkreist die Sache und betrachtet sie aus möglichst vielen Perspektiven. Konstellationen sind bereits in der Forschungsplanung, z. B. in der Auswahl der betrachteten Aspekte, zu berücksichtigen, aber ebenso im konkreten Forschungsprozess selbst, indem Elemente immer wieder neu angeordnet werden.

6.2 Konkret-abstrakte Handlungs- und Denkoptionen

Die grundlegenden Hintergrundfolien negativ-dialektischen Denkens geben erst eine Ahnung davon, wie denn nun verfahren werden könnte, einige Konkretisierungsansätze sind daher angebracht. Weiterhin unmethodisch, widersprüchlich und offen. Überschneidungen und Mehrfachnennungen sind unvermeidlich, wenn das Ganze als komplex, interdependent und unsystematisch verstanden wird.

Vollständige Lücken: Wird zwar versucht, eine gewisse Vollständigkeit herzustellen, möglichst viele, auch noch so kleine Teile zusammenzutragen und in Kombinationen zu bringen, sind doch zugleich Lücken nicht nur unvermeidbar, sondern sogar notwendig. Adorno findet die herkömmliche wissenschaftliche lückenlose Darstellung aller Schritte nicht nur langweilig, sondern unzulänglich, da Erkenntnis vielmehr in einem dichten Geflecht und nicht an allen Stellen transparenten Erfahrung möglich sei (vgl. Adorno 1951/1980, S. 89). Lücken lassen Platz für Ergänzungen und sind Ausdruck der Unabgeschlossenheit. Vollständige Lücken erfordern die Erfassung von Gesamtheiten, vielfältige Konstellationen und gezielte Leerstellen.

Begriffslose Begriffe: Das Nichtidentische ist mit identifizierenden Begriffen nicht fassbar, das darin aufgehobene Mehr lediglich erahnbar zu machen. Mit einem konsequenten Bewusstsein von Nichtidentität werden begriffslose Teile von Begriffen aber soweit in die Wahrnehmung gerückt, dass die Offenheit, Unabgeschlossenheit und Unvollständigkeit berücksichtigt bleiben. Definitionen bleiben vorläufig, müssen nochmals gegen den Strich gebürstet werden und gedanklich invers und negativ reflektiert werden. Begriffslose Begriffe beanspruchen demnach konsequente Wahrnehmung von Nichtidentität, ein genaues Hinsehen und eine Berücksichtigung in Forschungsplanung und Darstellung, um gezielt Vorläufigkeiten, Offenheit und Reflexionen über Nicht-Erfassbares nicht zu verlieren.

Ungewisse Gewissheit: In den meisten Wissenschaftsverständnissen werden eine zunehmende Gewissheit, Eindeutigkeiten, Klarheiten und gesicherte Evidenzen angestrebt. In einem kritischen, materialistischen Wissenschafts- und Weltverständnis sind Wirklichkeiten und Wahrheiten historisch und gesellschaftlich eingebettet, entwickeln sich aus den jeweiligen Verhältnissen heraus. Vorgefundene Widersprüche sind Ausgangspunkte, die sich – negativ-dialektisch – nicht in Gewissheiten auflösen lassen. Der in unserem Denken verankerte Drang nach Eindeutigkeit, Klarheit, Linearität ist als Ideologie zu demaskieren, in der scheinbare Gewissheit das Gewissen beruhigt. Ungewisse Gewissheit erfordert dialektisch Widersprüche sichtbar zu machen, Widersprüche auszuhalten, gegen sich selbst zu denken und einen gewaltlosen Blick, der langsam, genau, skeptisch und zweifelnd bleibt und nicht gewaltsam Systematisierung vorantreibt.

Undisziplinierte Diszipliniertheit: Neues zu denken, sich aus gesellschaftlich geformten Denkbahnen und ideologischen Verstrickungen zu lösen benötigt ein Denken über das Bestehende hinaus. Disziplinloses Denken eröffnet für Adorno mehr als „tausend Augen, denen die rosarote Einheitsbrille aufgestülpt ward“ (Adorno 1966/2003, S. 56). Und zugleich ist der überschießende Gedanken wieder diszipliniert zu prüfen. Solches Denken ist spielerisch, spekulativ und verlangt nach einem gewaltlosen Blick. Gleichzeitig ist eine reflexive Rückbindung und eine Anwendung von Regeln, z. B. Anbindungen an empirische Analysen, dialektisches Denken etc., nötig.

Mikrologische Makrologie: Kritische Analyse verbleibt nicht bei einer Perspektive, sondern bewegt sich vielmehr von einer zur anderen Ebene und über weitere Umwege wieder zurück. Gesellschaftliche Verhältnisse sind nur als Zusammenspiel zwischen kleinsten Momenten und großen Zusammenhängen, die sich gegenseitig durchdringen, zu erschließen und zu verstehen. So ist im Kleinsten auch das große Ganze enthalten und umgekehrt und mit vielen Zwischenebenen und Nebenmomenten. Kritische Analyse braucht daher Mikrologie als Blicke auf das Kleinste, Makrologie, um Gesamtheiten einzubeziehen und darüber hinaus eine Bewegung vom Großen zum Kleinen, wieder zurück und das eine durch das andere hindurch.

Sinnliche Rationalität: Erkenntnis erfordert ein rationales Vorgehen, kritische Erkenntnis ist aber nicht von sinnlichen Empfindungen zu trennen, die nicht die herkömmliche Empirie meint, sondern die Einbeziehung emotionaler, körperlicher Momente. Leid wird zum einen Impuls für Forschung und für Handeln und zum anderen wird die forschende Person mit all ihren Empfindungen, Vorurteilen, Wünschen und Hoffnungen Teil der Erkenntnispraxis, ob nun in Theorieentwicklung oder in empirischer Forschung. Sinnliche Rationalität beansprucht Denken in allen bereits beschriebenen Aspekten, aber auch denkfreies Denken als Misstrauen gegenüber dem Denken, als spielerische Verflüssigung des Denkens und spekulativer Überschuss. Weiter bedarf es leiblicher Momente, von idiosynkratischen Abwehrraktionen bis hin zu Irritationen und emotionalen Empfindungen, einer inneren Stimme, die zunächst als „seismographisches Instrument“ (Pongratz 2010a, S. 9) entwickelt, dann aber auch berücksichtigt werden muss und einer Wachheit in Form von Aufmerksamkeit, Gespür, einem offenen Blick und hoher Selbstreflexion.

Kontrollierte Unkontrollierbarkeit: Bereits in undisziplinierter Diszipliniertheit oder der sinnlichen Rationalität tritt eine Unkontrollierbarkeit zum Vorschein, mit der kontrollierten Unkontrollierbarkeit wird aber das Moment der geplanten Berücksichtigung der Nicht-Planbarkeit explizit in den Blick gerückt. Viele unabwägbare und unvorhersehbare Ereignisse im Forschungs- und Erkenntnisprozess sind unkontrollierbar. Kontrolliert werden sie aber insofern, als sie nicht als Störfaktoren möglichst beseitigt werden, sondern vielmehr gezielt Räume für diese unplanbaren Prozesse geschaffen werden. Einige unkontrollierbare Momente lassen sich gezielt kontrolliert einbeziehen. Forschendes Denken durchläuft eine gewisse Inkubation, in der Prozesse „sickern“ und die sich nicht steuern, aber gezielt einbeziehen lässt, indem entsprechende Zeit eingeplant wird, die Geduld, Langsamkeit und Reifung zulässt. Offen bleibt: Die Lösung tritt hinzu oder auch nicht.

Dystopische Utopien: Utopische Aspekte äußern sich in der negativen Dialektik in erster Linie dystopisch. Die zwar kaum explizit formulierten, aber vorhandenen Utopien nähren sich aus der Negation, aus dem Urteil über das Negative, aus wahrnehmbaren Brüchen. Irritiert hält sich das Denken in der Schwebe, schreibt aber nicht vor. Dystopische Utopien verlangen nach Negation und Wahrnehmung des Negativen, nach Skepsis und Illusionslosigkeit, nach der Wahrnehmung von aufblitzenden Möglichkeiten und nach hypothetischen Denkexperimenten mit der Frage „was wäre, wenn“.

Schwere Leichtigkeit: Negative Dialektik bietet wenig Positives. Negatives überwiegt, weil die Verhältnisse negativ zu beurteilen sind und weil erkenntnistheoretisch begründet ist, dass in der Unmöglichkeit das Richtige aus dem Jetzt zu entwerfen nur das „Nicht-“ bestimmbar ist. Eine gewisse Hoffnungslosigkeit macht sich im Denken breit und behindert so manches Spielerische, Schwebende und Offene. Schwer ist auch das negativ-dialektische Denken selbst. Es bleibt komplex, kompliziert, vielschichtig, schwer durchdringbar. Um an solchen Realitäten und an solchem Denken nicht zu verzweifeln, braucht es zum einen Stärke für die Schwere, um den Blick nicht von negativen Zuständen abzuwenden, und zugleich Metaphern der Leichtigkeit, um nicht zu verzweifeln. Hilfreich sind Ironie und spielerische Elemente, aber auch gezielte Suche nach emotionalen Ausgleichen „außerhalb“.

Systematische Unsystematik: Adorno wehrte sich gegen Systematisierungen und deren Subordinationsmechanismen, die Relevantes abschneiden. Nichtidentisches wird ausgeblendet, offene Gedanken verhindert. Und doch bedarf es zuweilen der Disziplinierung des Denkens. Negativ-dialektisches Denken ist unsystematisch und systematisch zugleich. Da unser Denken aber zu Systematiken tendiert, ist es wichtiger, eine systematische Unsystematik gezielt zu berücksichtigen. Diese erfordert im Vorgehen ein Denken und eine Darstellung in Konstellationen, die Wahl unvertrauter Bezugspunkte und die Systematik brechende Darstellungsformen, z. B. über die Nutzung von Metaphern, aber auch sprachliche Offenheiten.

Unpraktische Praxis: Kritische Theorie ist immer auf Praxis gerichtet, gibt aber keine einfachen, positiven Handlungsvorschläge, sondern ist auf umfassende gesellschaftsverändernde Praxis gerichtet. Die Kritik, da radikal und negativ, stößt entsprechend auf Ablehnung und Skepsis und doch müssen in jeder Theorie, die sich kritisch nennen will, Übergänge zur Praxis gesucht werden, was methodische Implikationen birgt. Sie bleibt insofern unpraktisch – eigentlich eher schwierig praktisch – als statt schlichter Antworten schwierige Fragen präsentiert werden. Es bedarf daher, Dinge und Verhältnisse in Bewegung bringen zu wollen, Widersprüche auszuhalten und auch entgegen allen Vorwürfen auf der Kritik zu bestehen, indem Versuchungen der Vereinfachung widerstanden, Radikalität statt Relativierung beibehalten wird.

7 Ausblicke

„Dialektik als Methode, gerade als Methode Adornos, hat schon immer Anstoß erregt – was zu ihrem großen Vorteil […] gehört“ (Ritsert 2011, S. 232, Hervorhebung i. Orig.). Die Anstößigkeit einer Negativ-dialektischen Denkart speist sich aus ihrer Negativität, Radikalität, Komplexität und Unnachgiebigkeit. Dieses negativ-dialektische Denken birgt gesellschaftskritisches Potenzial, das nicht ungenutzt bleiben darf, nur weil es schwer zu erschließen und umzusetzen ist. Ebenso wenig ist negative Dialektik nur den Überlegungen Adornos anzuheften, auch wenn er fundamentale Begründungen dafür bereitstellt. Solche Verständnisse missachten Möglichkeiten, sie für aktuelle Forschung aufschließbar zu machen. Um aber im Forschungsalltag nicht auf jahrelanges Adorno-Studium zurückverwiesen zu werden oder (junge) ForscherInnen sich aus der Vielzahl an aktuelleren, auf negative Dialektik Bezug nehmend und diese doch nicht explizierend, ihre eigenen Handlungsoptionen mühsam erschließen müssen, sind methodische Überlegungen eine mögliche Weiterentwicklung negativ-dialektischen Denkens. Dafür ist auch ein forschungsstrategisches und universitätspolitisches Engagement notwendig, um Methodenverständnisse zu erweitern und sich für die Bedeutung von Theorieentwicklung einzusetzen. Negativ-dialektisches kritisches Denken öffnet Möglichkeiten neuer Denk- und Lesarten.

Literatur

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Erziehungs- und BildungswissenschaftKarl-Franzens-Universität GrazGrazÖsterreich

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