Advertisement

Thesen zur gegenwärtigen Situation der kritischen Theorie

  • Peter BulthaupEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Die bürgerliche Theorie ist wesentlich affirmativ, sei die adaequatio rei et intellectus nur kontemplativ oder auch praktisch, als Veränderung der res gefaßt. Das Resultat des Erkenntnisprozesses ist die Übereinstimmung von Erkenntnis und Gegenstand. Die Erkenntnis ist positive Theorie positiver Gegenstände, und das Subjekt des Erkenntnisprozesses befindet sich in dessen Resultat in Übereinstimmung mit sich und mit den Gegenständen. Von daher erscheint die Differenz von theoretischer und praktischer Vernunft unbegründet, denn diese setzt voraus, daß der autonom und vernünftig bestimmte Wille von den Gegenständen unabhängig sei, sich von ihnen unterscheide, was nur möglich ist, wenn diese Gegenstände heteronom sind. Heteronome Gegenstände unterstehen nicht der transzendentalen Einheit der Apperzeption. Wenn diese als Bedingung der Möglichkeit der Erfahrung zugleich die Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung ist, so ist kein heteronomer Gegenstand denkbar. Die Möglichkeit der Kritik der Heteronomie, die erst durch die Preisgabe der Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft, von Wissenschaft und Moral eröffnet wird, impliziert die Unmöglichkeit, den vernünftig bestimmten Willen affirmativ auf die Gegenstände der von ihm zu bestimmenden Handlungen zu beziehen. Die Entgegensetzung von Autonomie des vernünftig bestimmten Willens und Heteronomie der Gegenstände, auf die sich das vom Willen bestimmte Handeln richtet, ist aufgehoben in der affirmativen Theorie der Geschichte, in der Autonomie und Heteronomie als Momente des fortschreitenden historischen Prozesses erscheinen. Dieser Theorie zufolge ist die Tendenz des historischen Prozesses nicht durch die Vermittlung beider Momente bestimmt, sondern durch die fortschreitende Dominanz der Autonomie. So ist aus der Tendenz des historischen Prozesses der Widerspruch eliminiert, das moralische Bewußtsein kann sich affirmativ zwar nicht auf die nach wie vor heteronome Realität, wohl aber auf die Tendenz der historischen Entwicklung dieser Realität beziehen. Erkenntnisprozeß und historischer Prozeß stehen unter der Bedingung ihres Resultats, der sich durch sie herstellenden Identität, in der beide konvergieren. Diese vorauszusetzende Identität, die der bürgerlichen Theorie zufolge in der Tendenz des historischen Prozesses sich manifestiert, ist die Bedingung der Möglichkeit einer wenn auch nur mittelbar affirmativen Beziehung mit sich übereinstimmender Subjekte auf die Realität. Daß diese heteronom sei, gehört ebenso zu den Voraussetzungen des Geschichtsoptimismus wie die Affirmation der historischen Tendenz. Der Optimismus selbst ist erzwungen, denn er allein garantiert dem mit sich selbst übereinstimmenden subjektiven Selbstbewußtsein eine mittelbare Übereinstimmung mit der Realität, die begründet ist durch die Identifikation mit der Geschichte, einem objektiven Prozeß, als deren Subjekt die Bourgeoisie sich sah.

1 Wissenschaft und Realität

Die bürgerliche Theorie ist wesentlich affirmativ, sei die adaequatio rei et intellectus nur kontemplativ oder auch praktisch, als Veränderung der res gefaßt. Das Resultat des Erkenntnisprozesses ist die Übereinstimmung von Erkenntnis und Gegenstand. Die Erkenntnis ist positive Theorie positiver Gegenstände, und das Subjekt des Erkenntnisprozesses befindet sich in dessen Resultat in Übereinstimmung mit sich und mit den Gegenständen. Von daher erscheint die Differenz von theoretischer und praktischer Vernunft unbegründet, denn diese setzt voraus, daß der autonom und vernünftig bestimmte Wille von den Gegenständen unabhängig sei, sich von ihnen unterscheide, was nur möglich ist, wenn diese Gegenstände heteronom sind. Heteronome Gegenstände unterstehen nicht der transzendentalen Einheit der Apperzeption. Wenn diese als Bedingung der Möglichkeit der Erfahrung zugleich die Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung ist, so ist kein heteronomer Gegenstand denkbar.1 Die Möglichkeit der Kritik der Heteronomie, die erst durch die Preisgabe der Einheit von theoretischer und praktischer Vernunft, von Wissenschaft und Moral eröffnet wird, impliziert die Unmöglichkeit, den vernünftig bestimmten Willen affirmativ auf die Gegenstände der von ihm zu bestimmenden Handlungen zu beziehen. Die Entgegensetzung von Autonomie des vernünftig bestimmten Willens und Heteronomie der Gegenstände, auf die sich das vom Willen bestimmte Handeln richtet, ist aufgehoben in der affirmativen Theorie der Geschichte, in der Autonomie und Heteronomie als Momente des fortschreitenden historischen Prozesses erscheinen. Dieser Theorie zufolge ist die Tendenz des historischen Prozesses nicht durch die Vermittlung beider Momente bestimmt, sondern durch die fortschreitende Dominanz der Autonomie. So ist aus der Tendenz des historischen Prozesses der Widerspruch eliminiert, das moralische Bewußtsein kann sich affirmativ zwar nicht auf die nach wie vor heteronome Realität, wohl aber auf die Tendenz der historischen Entwicklung dieser Realität beziehen. Erkenntnisprozeß und historischer Prozeß stehen unter der Bedingung ihres Resultats, der sich durch sie herstellenden Identität, in der beide konvergieren. Diese vorauszusetzende Identität, die der bürgerlichen Theorie zufolge in der Tendenz des historischen Prozesses sich manifestiert, ist die Bedingung der Möglichkeit einer wenn auch nur mittelbar affirmativen Beziehung mit sich übereinstimmender Subjekte auf die Realität. Daß diese heteronom sei, gehört ebenso zu den Voraussetzungen des Geschichtsoptimismus wie die Affirmation der historischen Tendenz. Der Optimismus selbst ist erzwungen, denn er allein garantiert dem mit sich selbst übereinstimmenden subjektiven Selbstbewußtsein eine mittelbare Übereinstimmung mit der Realität, die begründet ist durch die Identifikation mit der Geschichte, einem objektiven Prozeß, als deren Subjekt die Bourgeoisie sich sah.

2 Die Antinomie von bürgerlichem Selbstbewußtsein und kapitalistischer Produktionsweise

Autonom sind die Subjekte der bürgerlichen Gesellschaft, wenn sie frei über die Gegenstände verfügen können, die ihr Eigentum sind. Ist dies Eigentum eines an Gegenständen, die die Reproduktion dieser Subjekte garantieren, so sind sie durch ihr Eigentum unabhängig, freie Bürger, deren Wille durch die Vernunft bestimmt werden könnte. In der arbeitsteilig sich reproduzierenden Gesellschaft jedoch steht deren Reproduktion und damit die jedes Einzelnen unter der Bedingung der funktionalen Einheit des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses, der transzendentalen Einheit der Apperzeption. Keines der Subjekte gebietet über den gesamten Prozeß, der, weil die gegenständlichen Bedingungen der Reproduktion eines jeden Einzelnen aus ihm resultieren, allen Subjekten vorgeordnet ist, diese nur als dessen Funktionselemente sich reproduzieren können. Die Eigentümer der gegenständlichen Bedingungen des Reproduktionsprozesses werden so zu Funktionen ihres Eigentums, denn folgten sie den immanenten Gesetzen des Verwertungsprozesses nicht, verlören sie ihre bürgerliche Existenz. Die einzige Freiheit der Subjekte der bürgerlichen Gesellschaft ist die Affirmation der vorgegebenen Objektivität, der Bedingung ihrer Existenz, die ihrer Kontrolle sich entzieht. Die historische Tendenz des unter der Bedingung der funktionalen Einheit stehenden Reproduktionsprozesses, fortschreitende Akkumulation und der durch sie verursachte Fall der Profitrate, sprengen die historische Kontinuität und mit ihr die funktionale Einheit des Reproduktionsprozesses. Krisen und Katastrophen sind Bedingungen der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Produktionsweise. Wenn die Tendenz der historischen Entwicklung der Realität Krisen und Katastrophen zum Resultat hat, ist keine, und sei‘s nur mittelbare Übereinstimmung des Selbstbewußtseins mit der Realität möglich. Autonomie regrediert dann auf die Freiheit des subjektiven Geistes, dessen Willkür undurchschauten Erkenntnisinteressen pariert, oder die Kritik der Heteronomie wird radikal und richtet sich gegen die Totalität der Bedingungen der Reproduktion der Menschen.

3 Das Subjekt radikaler Kritik

Die Wissenschaft, die notwendig unter der Bedingung der Einheit der Subjektivität steht, kann eben darum nicht affirmativ auf die heteronome Realität sich beziehen. Sie muß, um Wissenschaft bleiben zu können, dies negative Verhältnis zur Realität affirmieren, und wird dann zur bloßen Bestätigung ihrer selbst, zum unverbindlichen Sprachspiel, es sei denn, ihr negatives Verhältnis zur Realität habe ein Fundament in dieser selbst. Die Negation des autonomen Subjekts sind in der bürgerlichen Gesellschaft die Proletarier, denn die Garantie ihrer Autonomie, ihr Eigentum, beschränkt sich auf das an ihrer Arbeitskraft, durch deren Verkauf sie erst die Möglichkeit der Reproduktion erwerben. Da ihr Eigentum nicht von ihnen zu trennen ist, können sie es nur verkaufen, wenn sie sich selbst verkaufen, die Garantie ihrer Autonomie impliziert die Preisgabe ihrer Autonomie, oder ihre Autonomie ist Schein, die virtuelle Negation der Negativität ihrer Existenz als Proletarier. Die Einheit des Selbstbewußtseins der Proletarier kann sich nur negativ auf die Realität beziehen, das Proletariat als Subjekt ist in der bürgerlichen Gesellschaft so virtuell wie das Subjekt radikaler Kritik. Das subjektive Bewußtsein pariert der heteronomen Realität, der materiellen Bedingung ihrer Existenz, und die Wissenschaft hat dem subjektiven Bewußtsein der Proletarier nichts entgegenzusetzen als die Einsicht in die Negativität ihrer Existenz. Die radikale Kritik steht unvermittelt zu dem Bedürfnis der Proletarier, unmittelbar als selbstbewußte Subjekte anerkannt zu sein. Daß die Arbeiterbewegung mit der historischen Tendenz sich identifizierte, das Prinzip des bürgerlichen Selbstbewußtseins übernahm, vermittelte ihnen den Schein unmittelbarer Anerkennung, für den sie auf den Schlachtfeldern sich selbst zu Opfern der Negativität ihrer Existenz machten. Auf dem Weg in den kollektiven Selbstmord duldeten sie Miesmacher ebensowenig wie Wilhelm II. oder Goebbels.

4 Der Idealismus der radikalen Kritik

Der radikalen Kritik immanent ist ihr Anspruch auf Autonomie, die, der großen bürgerlichen Philosophie zufolge, mit der Realität zu vermitteln war durch die Identifikation mit der historischen Tendenz. Die Geschichte, die die Realisierung des Anspruchs auf Autonomie dementierte, ließ das Subjekt der Kritik zu einem zeitlos vergangenen Sein, zu einem Wesen ohne Dasein werden. Die illusionäre Identifikation mit der historischen Tendenz, die denkbar war, als das Bürgertum noch für die Menschheit sprach, ist die Voraussetzung der radikalen Kritik, die von ihr selbst negiert wird, denn sie selbst ist wesentlich Negation der Affirmation der Heteronomie.2 Das Subjekt der radikalen Kritik ist zum Wesen ohne Dasein erst im Prozeß der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise geworden, in einem Prozeß, dem dieselben Prinzipien zu Grunde liegen, die den Subjekten die Erfüllung ihres Anspruchs auf Autonomie versprachen: die heteronome Natur wurde immer mehr der Verfügung der Menschen unterworfen, doch sie wurde durch die Arbeit der Menschen unterworfen, die, als gegenständliche Wesen selbst auch Natur, dem Prinzip der Verwertung des Werts unterstellt waren. Derselbe Prozeß, der die Realisierung des Anspruchs auf Autonomie zu befördern versprach, verfestigte durch die Entwicklung der Arbeitsteilung die ökonomische Herrschaft, bis eine Existenz außerhalb des Verwertungsprozesses undenkbar wurde. Daß in diesem Prozeß das Subjekt radikaler Kritik zu einem Wesen ohne Dasein wurde, machte die empirischen Subjekte radikaler Kritik zu Angehörigen der freischwebenden Intelligenz, zu heimatlosen Intellektuellen. Doch deren Freiheit und Internationalismus ist Schein, denn sie können die empirischen Bedingungen ihrer Existenz nicht negieren, ohne sich selbst zu negieren. Die radikale Kritik, die durch die Negation der Affirmation der Heteronomie sich selbst begründet, behauptet damit eine Freiheit, die, da sie ihrer eigenen Einsicht nach nicht real ist, nur die des Geistes sein kann, der von den empirischen Bedingungen der Existenz derer, deren Geist er ist, unabhängig sein soll. Seine Unabhängigkeit von den heteronomen Bedingungen der Existenz der Subjekte suggeriert diesen, sie partizipierten an der Freiheit des absoluten Geistes, und schlägt sie mit dem selbstgerechten Wahn, ihnen sei durch die Negation des Negativen ein Positives, der sich selbst affirmierende Geist zuteil geworden.3 Doch die Selbstaffirmation durch die Negation der Negation nähme der radikalen Kritik durch ihre Selbstbehauptung jeden Gegenstand, sie wäre als Feier der Absolutheit ihrer selbst Apotheose des eigenen Untergangs; ihre politische Perspektive wäre die creatio ex nihilo einer neuen Welt, ihre Taktik die Zerstörung der bestehenden, die Affirmation der realen historischen Tendenz. Der Nihilismus, die letzte Gestalt des absoluten Geistes, ist mit dem katastrophalen Verlauf der Geschichte verträglich, er ist dessen subjektiver Ausdruck.

5 Kritik und Selbstkritik des absoluten Geistes: der Materialismus der radikalen Kritik

Der absolute Geist hat endliche Voraussetzungen, die materiellen Bedingungen der Existenz jener, deren Geist er ist. Ihre Negation wäre die Negation des Geistes selber. Seinem eigenen Begriff nach muß der absolute Geist auch seine Voraussetzungen zum Gegenstand haben, er wird dann zur Reflexion der Voraussetzungen, die, da sie von ihm nicht gesetzt sind, in ihm auch nicht aufzuheben sind. Seinem eigenen Anspruch nach geht der Geist so über in die materialistische Reflexion, ist nicht länger affirmiertes Resultat der Negation eines Negativen, sondern Negation der Affirmation der Heteronomie, die ihrerseits als materielle Voraussetzung der Reflexion erkannt ist. Deren Autonomie ist nicht die des absoluten Geistes, sondern Moment der Beziehung der Wissenschaft auf den bestimmten Gegenstand, oder die Autonomie ist die negative Beziehung der Wissenschaft auf die Negativität des Gegenstandes. Die Wissenschaft, die notwendig die objektive Einheit des Selbstbewußtseins voraussetzt, wird durch die Erkenntnis der Negativität des Gegenstandes zu deren Kritik, wenn dieser Gegenstand zu ihren eigenen Voraussetzungen zählt, dessen Negativität aber jene objektive Einheit des Selbstbewußtseins negiert. Sie ist Kritik der Negativität ihres Gegenstandes, in der diese zu Bewußtsein kommt.4 Das Klassenbewußtsein, die Einsicht des Proletariats in die Negativität, i.e. Nichtigkeit seiner eigenen Existenz, wäre Moment der Agitation der Proletarier, sich selbst als Zweck zu setzen, und statt die Negativität der eigenen Existenz durch die Mitarbeit am kollektiven Selbstmord zu vollstrecken, sich durch die Veränderung der Produktionsverhältnisse aus ihr zu retten. Ohne das Klassenbewußtsein ist die radikale Kritik Einsicht in die Negativität ihres Gegenstandes, die Bewußtsein von diesem Gegenstand bleibt, ohne Bewußtsein des Gegenstandes zu werden, ein Wesen ohne Dasein. Die empirische Manifestation der Kritik durch einzelne Subjekte gibt diesem Wesen kein Dasein, denn sonst müßte entweder das Wesen idealistisch sein Dasein selbst hervorbringen, oder es müßte über das Dasein als über seine verfügbare Bedingung gebieten. Im Zweiten liegt der Irrtum stalinistischer Organisationen, die durch die gewaltsame Unterwerfung des Daseins unter die objektive Vernunft des ZK’s glaubten, dessen Wesen ein Dasein geben zu können. Der Verfolgungswahn, der die Vernunft des ZK’s paralysiert, hat buchstäblich ein fundamentum in re, ein Dasein, durch das die Vernunft, die nicht Einsicht in die Negativität ihres Gegenstandes, sondern positive Realität zu sein behauptet, tatsächlich bedroht wird und mit ihrer Pervertierung in einen gegen die Realität abgedichteten Wahn reagiert. Nur insofern das Dasein an sich Wesen ist, aber unter den Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise, in der es nichtig ist, nicht zu seinem Wesen kommen kann, ist die empirische Manifestation des Wesens ohne Dasein eine Provokation für das Dasein, das daran erinnert wird, daß es an sich Wesen ist. Die Reaktion auf diese Provokation, Wut und militante Abwehr, ist Symbol des an sich seienden Wesens des Daseins,5 das nicht für sich werden kann, ohne die radikale Veränderung der Verfassung der Totalität der Bedingungen seiner Reproduktion. Die Affinität zur Forderung nach Liquidierung der empirischen Manifestation des Wesens ohne Dasein, die mit der realen historischen Tendenz harmoniert, ist zugleich Ausdruck davon, daß das Dasein an sich Wesen ist, das nicht von sich wissen, nicht für sich werden darf. Im Widerstand gegen die Tendenz zu seiner Liquidation erst wird die empirische Manifestation des Wesens ohne Dasein, die Selbstbehauptung radikaler Kritik, zu einem objektiven Moment der Agitation für die essentia singularis, die noch nicht ist.

Fußnoten

  1. 1.

    Das Argument bezieht sich auf Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, B 197. Bulthaup betonte stets, dass dort hinsichtlich der „Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände“ der bestimmte Artikel fehlt: „die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung überhaupt sind zugleich Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung“. Hier wird die Konsequenz des Ignorierens dieses Unterschieds hervorgehoben.

  2. 2.

    Die Anfangspassage dieses Abschnitts lautet in UNT-011: „Die radikale Kritik hat eine falsche Voraussetzung, die als falsche in ihr aufgehoben ist: den Anspruch auf Autonomie. Dieser Anspruch war auf die Objektivität bezogen durch die Identifikation mit der historischen Tendenz, die selbst die Realisierung des Anspruchs dementierte. [am Rande: „er wurde von dieser selbst dementiert“] Diese Einsicht macht den Anspruch auf Autonomie zu einem zeitlos vergangenen Sein, einem Wesen, das kein Dasein hat, oder, die radikale Kritik ist begründet durch die Negation der Affirmation der Heteronomie, die die ideologische Affirmation der historischen Tendenz voraussetzt und als falsch erkennt.“

  3. 3.

    Die Passage „Seine Unabhängigkeit … geworden.“ lautet in UNT-011: „Die Unabhängigkeit von den heteronomen Bedingungen der Existenz der Subjekte unterstellt diesen, sie partizipierten an der Freiheit des absoluten Geistes der Wissenschaft, und schlägt sie mit dem selbstgerechten Wahn, sie hätten durch die Negation eines Negativen, des falschen Bewußtseins, die Selbstaffirmation des richtigen Bewußtseins gewonnen.“

  4. 4.

    Die Passage „Seinem eigenen Anspruch nach … zu Bewußtsein kommt.“ lautet in UNT-011: „Doch die radikale Kritik ist wesentlich materialistische Reflexion, nicht Negation eines Negativen sondern Negation der Affirmation der Heteronomie, die zugleich als materielle Voraussetzung der Kritik selbst erkannt ist. Ihre Autonomie ist nicht die des absoluten Geistes der Wissenschaft, sondern selbst Moment in [gestrichen: der] Beziehung [gestrichen: der] Wissenschaft auf den bestimmten Gegenstand und damit negative Beziehung auf die Negativität des Gegenstandes, die, weil sie als Wissenschaft die objektive Einheit des Selbstbewußtseins voraussetzt, nicht nur Erkenntnis sondern Kritik der Negativität des Gegenstandes ist, in der dessen Negativität zu Bewußtsein kommt und zum Moment seiner Selbstbehauptung wird. [Gestrichen: Als Moment des Klassenkampfes ist die autonome Kritik Agitation zur Selbstbefreiung des Proletariats.]“

  5. 5.

    Der Text folgt hier UNT-012. In den Typoskripten heißt es, vermutlich irrtümlich transkribiert: „Wesens ohne Daseins“.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Peter Bulthaup ArchivHannoverDeutschland

Personalised recommendations