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Mikromedien

Mobile Communication
  • Thomas DöblerEmail author
  • Jana Hofmann
Living reference work entry
Part of the Springer NachschlageWissen book series (SRS)

Zusammenfassung

Mobile Kommunikation wurde innerhalb kürzester Zeit scheinbar selbstverständlich und unverzichtbar in das Alltagshandeln der Menschen integriert. Ausgehend von Mediatisierungsüberlegungen wird der mobil kommunizierende Akteur medienökonomisch gewendet: Vor dem Hintergrund der sich verändernden gesellschaftlichen Mobilitätsbedarfe sowie individuellen Mobilitätsbedürfnisse erfolgt eine die persönlichen Bedürfnisse weitestgehend befriedigende Allokation von Ressourcen immer stärker mediatisiert. Die mobile Kommunikationspraxis wird dabei angelehnt an Hobfolls „Conservation of Resources“ auf den Erhalt oder die Mehrung eines individuell zur Verfügung stehenden Ressourcenpools bezogen – ebenso aber auch auf die individuell nur bedingt überschaubare und abschätzbare mögliche Minderung des Ressourcenpools angesichts struktureller, insbesondere ökonomischer Rahmenbedingungen und Einflüsse auf das mobile Kommunikationsverhalten.

Schlüsselwörter

Kommunikationsbedürfnisse Kommunikationspraxis Mediatisierung Mikromedien Mobilität Mobile Kommunikationsmedien Individueller Ressourcenerhalt Smartphone Soziale Beziehungen 

1 Einleitung

Unübersehbar haben für mobile Kommunikation geeignete Mikromedien eine beinah unverzichtbar scheinende Rolle und Bedeutung im und für den Alltag des einzelnen Individuums gewonnen. Allein die so rasche Verbreitung von Smartphones belegt schon die quantitative Relevanz; mehr noch aber, dass das Smartphone sich innerhalb kürzester Zeit als beständiger Begleiter etabliert hat, ohne das man sich „nackt“ (Neckenig 2013, S. 275) fühlt, verweist auf ein gesellschaftliches Phänomen, welches auch für die medienökonomische Analyse eine Herausforderung darstellt.

Ausgehend von Überlegungen der Mediatisierung von Alltag und alltäglichen Handlungen werden der mobil kommunizierende Akteur und sein Entscheidungsverhalten unter ökonomischen Aspekten beschrieben. Der Akteur wird dabei als ein Individuum betrachtet, dem für grundsätzlich unbegrenzte Wünsche nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen, um diese Wünsche zu realisieren. Deshalb wird der Akteur – so die Annahme – Entscheidungen über den Einsatz von Ressourcen so treffen, dass diese die möglichst maximale Befriedigung der Wünsche versprechen. Übertragen auf die medienökonomische Betrachtung mobiler Kommunikation heißt das, dass sowohl die Entscheidung für digitale Infrastrukturen, Mediengeräte und Applikationen als auch die konkrete Nutzung spezifischer Funktionalitäten und das mobile Kommunikationsverhalten als Befriedigung von Bedürfnissen begriffen werden, die unter Abschätzung des Verbrauchs, des Erhalts oder sogar der Neugewinnung von Ressourcen praktiziert werden.

Nach einigen grundlegenden begrifflichen Ausführungen, die insbesondere auch den Mobilitätsbegriff selbst und seine Facetten sowie mobile Medien und mobile Kommunikation im Wandel einschließen (Abschn. 2), wird in Abschn. 3 auf den mobil kommunizierenden Marktakteur eingegangen. Hier werden mit dem Aufzeigen der Zusammenhänge von Präferenzen, Entscheidungsverhalten und Ressourcenallokation im mediatisierten mobilen Alltagshandeln der medienökonomische Bezug hergestellt und dann Entscheidungen für mobile digitale Infrastrukturen, mobile digitale Geräte und digitale Anwendungen (Abschn. 3.2) von Entscheidungen, die sich auf konkrete Kommunikationshandlungen beziehen (Abschn. 3.3) theoretisch ausdifferenziert. Abschn. 4 wendet sich schließlich mit einer Betrachtung der möglichen Konsequenzen mobiler Kommunikation auf die Gestaltung des sozialen Alltags und auf das persönliche Beziehungsgefüge den Forschungsperspektiven für eine Medienökonomie mobiler Kommunikation zu: Argumentiert wird hier, dass die stark akteurszentrierte Betrachtungsweise für eine umfassendere Analyse dieses komplexen sozialen Phänomens um strukturelle Einflüsse bzw. Wechselwirkungen zwischen Akteur und Struktur erweitert werden sollte, wofür die ressourcenorientierten Ausführungen eine theoretische Grundlagen bieten können.

2 Standortbestimmung und Ausgangsüberlegungen

Die Medienökonomie hat sich, so wie die Medien- und Kommunikationswissenschaft insgesamt, lange Zeit vor allem mit den Erscheinungsformen der Massenkommunikation befasst, und die Erforschung mediatisierter interpersonaler Kommunikation eher stiefmütterlich behandelt (Beck 2003, S. 86; Raupp und Klewes 2009, S. 9; Höflich 2011, S. 25–38; Heueis 2014, S. 25). Es wurden zwar der aktive (aber stationäre) Rezipient, der Radio-Hörende, der Fern-Sehende, der Zeitung-Lesende oder der Telefonierende untersucht, aber erst mediale Konvergenzprozesse, funktionaler Synkretismus, Digitalität und Transportabilität haben schließlich zu einem tief greifenden Wandel nicht nur in der Kommunikation selbst geführt, sondern auch in der Art, wie diese Kommunikation untersucht wird. Digitale und transportable Medien haben menschliche Kommunikationspraktiken schließlich soweit verändert, dass sich zunehmend auch die traditionelle Dichotomie zwischen Massen- und interpersonaler Kommunikationsforschung aufzulösen begonnen hat. Diejenigen, die sich gegenwärtig mit ökonomischen Verhaltensweisen von mobil kommunizierenden Marktakteuren beschäftigen, sind also mit einer wesentlich umfassenderen Art von Kommunikationshandlungen konfrontiert, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Es geht längst nicht mehr nur um den stationären Rezipienten, den Medienunternehmer, den Fern-Sehenden oder den Telefonierenden. Die Mikroökonomie der Medien (Ludwig 2003) hat sich mittlerweile um eine Ökonomie mobil kommunizierender Marktakteure ergänzt und verlangt eine entsprechende wissenschaftliche Auseinandersetzung, zu der nicht zuletzt auch eine Verständigung über Begriffe und deren Bedeutung gehört. Begonnen mit der angemessenen Einordnung einer Ökonomie von Mikromedien und mobiler Kommunikation in das Zusammenspiel mit der Makroökonomie muss auch die Auseinandersetzung mit den bestimmenden Termini mobil, Mobilität sowie (Mikro-)Medien erfolgen. Es ist darüber hinaus auch ein Mindestmaß an Verständnis für die Entwicklung und Bedeutung von Mobilität in der Gesellschaft insgesamt notwendig, um das Wachstum mobiler Medien einordnen und nachvollziehen zu können. Nur so kann auch der Wandel in der mobilen mediatisierten Kommunikation verstanden werden, der wiederum Impulse und Ansätze für zahlreiche künftige Forschungsarbeiten geben kann.

2.1 Ökonomische Aspekte und Mobile-Markt-Akteure als Forschungsfeld

Innerhalb der Ökonomie wird bekanntermaßen grundsätzlich zwischen den beiden Teilgebieten Makro- und die Mikroökonomie unterschieden (Doyle 2013, S. 4). Während sich die Mikroökonomie auf die Analyse des Verhaltens individueller ökonomischer Einheiten, also auf einzelwirtschaftliche Fragestellungen, insbesondere auf Unternehmen und Haushalte und deren Zusammenspiel und Wechselwirkungen konzentriert, beschäftigt sich die Makroökonomie mit ökonomischen Aggregaten (Hoskins et al. 2004, S. 4, 9 f.). Das heißt, dort, wo sich die Makroökonomie die Frage stellt, inwiefern addierte Kräfte ein Wirtschaftssystem im Ganzen beeinflussen, blickt die Mikroökonomie auf kleine Entitäten, auf Haushalte und Individuen bzw. gut definierte individuelle Märkte, Produkte oder Unternehmen.

Die Beschäftigung mit den Verhaltensweisen einzelner handelnder Medienakteure mit mobilen digitalen Medien ist jedoch immer noch relativ jung (vgl. Höflich 2016, S. 5). Denn es geht hier nicht mehr nur um den Unternehmer, der auf Mikroebene betrachtet wird oder um den stationären Rezipienten, sondern um einen vielseitig handelnden Medienakteur, der längst auch nicht mehr einem Betrieb oder gar einem bestimmten Medium per se zuzuordnen ist. Auch beschränken sich Forschungsarbeiten im Bereich der Mikromedien nicht mehr nur auf einen Wirtschaftsraum, auf berufliche oder bestimmte Hör-, Lese- oder Sendezeiten. Der handelnde Akteur muss in einer umfassenden Alltagsökonomie gesehen werden, bei dem die Ressourcenallokation und sämtliche Formen des Verhaltens in allen Bereichen des Alltags mediatisiert betrieben werden.

Wenngleich sich also das Verständnis für Forschung auf dieser Mikroebene wandelt, so ist das Ökonomische hierbei nach wie vor als ein Prinzip zu verstehen, das bestimmt, warum und inwiefern Güter und Dienstleistungen, in diesem Fall digitale Infrastrukturen, Mediengeräte und Applikationen, angeboten und nachgefragt werden. Diesem ökonomischen Prinzip folgen wiederum auch die mobilen Medien-Markt-Akteure, die als Konsumierende und Produzierende handeln. Ebenso bestehen bleibt die Annahme, dass der Akteur als ein Individuum betrachtet wird, dem für grundsätzlich unbegrenzte Wünsche nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen, um diese Wünsche zu realisieren. Deshalb wird weiter unterstellt, dass der Akteur die Entscheidung über den Einsatz von Ressourcen so trifft, dass er die höchste Satisfaktion, also die möglichst maximale Zufriedenheit seiner Wünsche erreicht:

Die Forschung im Bereich einer Ökonomie der (mobilen) Mikromedien konzentriert sich sehr stark auf die Verhaltensweisen mobil kommunizierender Marktakteure und analysiert vor allem aus deren Perspektive (vgl. Döbler und Wahl 2013; Eberspächer und Speidel 2007, S. 67–102). Untersucht wird das Wechselspiel von Entscheidungswegen, Bedürfnissen, Präferenzen und der Einsatz von Ressourcen. Wer sich mit Fragestellungen einer Ökonomie von mobil kommunizierenden Medienakteuren beschäftigt, hat also primär die Sicht des einzelnen Akteurs im Blick, sein Kauf-, Nachfrage-, aber auch Angebots- und Nutzungsverhalten, und zwar in Bezug auf die Unterscheidung mobiler digitaler Infrastrukturen, Geräte und Anwendungen. Dabei geht es aber nicht allein um die Untersuchung „technischer Lösungen für die Bedarfe der Wirtschaft“ (Döbler 2014, S. 142), sondern um eine Nützlichkeit im Alltag und eine „Soziologie des guten Lebens“ (Rosa 2012) (Abb. 1).
Abb. 1

Forschungsverständnis Mikromedien mobile Kommunikation. Quelle: eigene Darstellung

2.2 Mobilität als Begriff und Konzept

Neben der Bestimmung des ökonomischen Zugangs für die Analyse von Mikromedien ist der Terminus „mobil“ begrifflich und inhaltlich zu beleuchten: Der mobilen Kommunikation und den mobilen Medien gehen gesellschaftliche Entwicklungen voraus, die unter einem Sammelbegriff „Mobilität“ verortet werden und vor allem vom Phänomen des „Stationären“ unterschieden werden können. Obwohl heute in aller Munde, ist „Mobilität“ als gesellschaftliches Phänomen keineswegs neu und auch ebenso wenig in ihrer Entstehung an Medien gebunden.

Über lange Zeit war Mobilität vor allem auf Bewegung im (geografischen) Raum bezogen; in diesem Sinne war schon das europäische Mittelalter eine durchaus mobile Zeit, auch wenn damals nicht von Mobilität, sondern von Reisen gesprochen wurde (Rosentreter 2010). War dieses Reisen über viele Jahrhunderte zunächst auf Händler und Missionare, dann auch auf Seefahrer und Eroberer bezogen, wurde dieses Bewegen im geografischen Raum, vor allem auch in neue Räume hinein, vom ausgehenden 18. und dann im 19. Jahrhundert im Zuge von Entdeckungsreisen (im deutschsprachigen Raum besonders prominent z. B. Georg Förster oder Alexander von Humboldt) oder Bildungsreisen (z. B. Goethes Italienreise) zunehmend zu einem Synonym für Freiheit, Individualität und Erweiterung des Geistes (Rosentreter 2010, S. 42–43).

Auch der Begriff „mobil“ selbst, der bis ins 20. Jahrhundert vor allem im Kontext von Mobilmachung Verwendung fand, war unmittelbar mit dem Begriff der Bewegung verknüpft, nämlich für das „Inbewegungsetzen“ von Militär auf einen (kriegerischen) Einsatz (Tully und Baier 2006, S. 12) – bis heute in diesem Sinne durchaus vergleichbar der „Mobilisierung“ etwa von Gewerkschaftsmitgliedern zu einem Arbeitskampf. Daneben hängt der Begriff der Mobilmachung auch mit dem Eisenbahnwesen zusammen und ist hier mit eng der Entwicklung des Telegrafen verknüpft. So schreibt u. a. Höflich (2016, S. 84): „Eisenbahn und Telegraf gingen eine enge Verbindung ein. In Preußen beispielsweise wurde der erste elektrische Telegraf 1843 durch die „Rheinische Eisenbahn“ installiert. Dies geschah aus durchaus praktischem Interesse an einem reibungslosen Zugverkehr. Bei einem eingleisigen Betrieb mit Warte- und Kreuzungsschlaufen war es nämlich von Belang, dass Betriebsstörungen rechtzeitig mitgeteilt wurden. Der Telegraf erwies sich als ein unentbehrliches Mittel der Betriebsregelung.“ Die Zugtelefonie erwies sich als ein „exklusives Vergnügen“. In der Eisenbahn wurde später ein Abteil „so ausgebaut, dass von dort aus während der Fahrt telefoniert werden konnte“ (ebd., S. 159). Tatsächlich schließt sich hier der Bogen zum militärischen Einsatz, denn 1918 wurde die Mobiltelefonie auf der „Militärbahnstrecke Berlin-Zossen“ erprobt und dann bei allen D-Zügen der Strecke Hamburg-Berlin eingeführt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfährt der Begriff der Mobilität, insbesondere ausgehend von Georg Simmel, über die Bewegung im Raum hinaus systematisch soziologische Erweiterungen: In der Folge von Industrialisierung, aber auch von dauerhaften Wirkungen der napoleonischen politischen und Gebietsreformen, entwickelte sich die Idee von Mobilität als einer Fähigkeit, „das Band mit den Nächsten [zu lockern], um dafür ein neues – reales und ideales – zu den Entfernteren zu spinnen“ (Simmel 1890, S. 48). Die Auswanderungen von großen Bevölkerungsteilen z. B. nach Nordamerika oder die Landflucht und Verstädterung mit ihren vielfältigen sozialen Verwerfungen und grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen machten eine Erweiterung des Mobilitätsverständnisses um die Dimension des Sozialen erforderlich (vgl. Polanyi 2001 2, S. 42, 166). Mobilität, zwar immer auch räumlich verankert, meint in diesem Sinne, das Überwinden alter Ordnungen, sich als Individuum in einer sozial beweglichen Gesellschaft zu begreifen und nach eigenen Zielen und Bedürfnissen und nicht mehr nach traditionell vorgegebenen Konventionen die eigenen sozialen Kontexte zu bestimmen (Kesselring 2004). Und die Positionierung im geografischen Raum selbst, die Orte, an denen man sich befindet, können eben nicht nur räumlich, sondern müssen stets auch sozial definiert betrachtet werden (Giddens 1992, S. 185–186), da sich mit ihnen je unterschiedliche soziale Kontexte, soziale Regeln und Strukturen verknüpfen.

Mobilität wird dann vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gleichsam zum Symbol der Moderne erhoben. Im Kern geht es darum, mobil zu sein in allen Lebensbereichen, ob beruflich oder privat, ob geistig oder körperlich, ob zeitlich, örtlich oder in der Sache. Während sich die Mobilität also zu einer sozialen Norm einer modernen Gesellschaft entwickelt, wird das vermeintliche Gegenteil davon, nämlich Immobilität konsequent abgewertet. Massentourismus ist lediglich ein äußerliches Kennzeichen für diese Entwicklung. Die tief liegenden Triebkräfte hierfür liegen in den seit den 1970er-Jahren sich verstärkenden Deregulierungen etwa für den freien Kapitalverkehr, die eine nicht vorhergesehene Dynamik auf die Mobilität des Kapitals entfaltete (Eichengreen 1999, S. 37; Osterhammel und Petersson 2006, S. 7–16). In dessen Folge stiegen die Mobilitätsanforderungen für Banken, dann für Unternehmen und schließlich dann auch für Arbeitskräfte (Sassen 1990) sprunghaft an. Doch damit beginnt zumindest auf der Ebene des Individuums auch manche Kehrseite von Mobilität aufzuscheinen. Steht bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Mobilität noch weitgehend als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit, als ein Mehr an Optionen, beginnt diese Symbolhaftigkeit jetzt ein stückweit zu bröckeln. Denn ‚mobil sein‘ steht nun auch für den Zwang jederzeit und überall verfügbar sein zu müssen, nicht mehr nur dafür sich zu bewegen, sondern eben auch bewegt zu werden (Schneider 2005, S. 91–94): Die Erweiterung der individuellen Handlungsräume und Bewegungsmöglichkeiten korrespondiert mit einer gleichzeitigen Steigerung der sozialen Erwartungen, diese Möglichkeiten auch tatsächlich zu nutzen. Und auch wenn man Sennetts (2000) Analyse nicht folgen mag, wonach hoch mobile Menschen nur kurzfristig zu den Gewinnern gehören, die negativen Folgen für sie zumindest langfristig aber meist überwiegen, so rückt doch der ambivalente Charakter von Mobilität zunehmend in den Blick.

Ob und inwieweit sich diese Ambivalenz mit der Erweiterung des Mobilitätskonzepts um eine zusätzliche Dimension weiter verschärft oder abmildert, ist derzeit noch nicht klar erkennbar. Indem neben geografische und soziale Mobilitätsformen nun aber auch virtuelle Formen treten, verändert sich das Mobilitätskonzept jedenfalls mehr als nur graduell. Urry (2007) bezeichnet diese virtuelle Mobilität als „virtual travel“, um sie als etwas sehr Reales, als vollständig gleichwertig zum Reisen im geografischen Raum begrifflich zu fassen. Letztlich, so Urry, ist die Geschichte der Moderne durch unterschiedliche technische und kulturelle Mobilisierungsschübe gekennzeichnet, in denen Kommunikation und Medien gegenwärtig eine übergeordnete und eigens zu betrachtende Rolle zugeschrieben werden muss. In seiner Theorie eines „mobility turn“ unterscheidet Urry neben der physischen Bewegung von Menschen, Dingen und Objekten eben auch imaginative und virtuelle Reisen sowie schließlich die kommunikative Mobilität selbst durch die Nutzung von Kommunikationsmedien.

Lag das Spezifische und Reizvolle des Internets ja ursprünglich gerade darin, dass es ohne irgendeine räumliche Bewegung des Nutzers möglich wurde, durch einen weltweit aufgespannten Informations- und Kommunikationsraum virtuell zu „reisen“, erweitert und verändert sich die Bedeutung von Mobilität mit dem mobilen Zugang zum Internet über mobile Endgeräte abermals, indem nun die räumlich mobile mediatisierte Kommunikation noch hinzutritt.

Indem Höflich (2014) zurecht darauf hinweist und präzisiert, dass es im Grunde die Menschen sind, die mobil sind, und – soweit sei durch Völker (2010) ergänzt – den Medien eher das Attribut „transportabel“ zuzuschreiben ist, rückt er die in der aktuellen Diskussion um mobile Kommunikationstechnologien etwas in den Hintergrund geratene soziale Dimension von Mobilität wieder in den Vordergrund: Menschen sind nicht einfach nur mobil unterwegs, vielmehr wird das Unterwegssein „erzeugt“ (Höflich 2014, S. 32). Mobilität entsteht durch eine Handlung mit Zielrichtung, die Höflich (2014) und Weilenmann (2003) unter dem Begriff „doing mobility“ zusammenfassen und beschreiben. In diesem Verständnis wird „mobil sein“ als das Praktizieren von Kultur (Hörning und Reuter 2004, S. 10), „doing mobility“ als menschliches Handeln und einer damit verbundenen Medienverwendung gefasst.

Mit der Hervorhebung der Zielgerichtetheit des mobilen medialen Handelns, wonach also auch dieses Kommunikationsverhalten der Individuen motivierte und reflexive Handlungen und keine zufälligen Aktionen sind, lässt sich unmittelbar mit den ökonomischen Grundannahmen von Handeln verknüpfen: Individuen als Marktakteure verbinden mit der Nutzung mobiler Medien einen Zweck. Die entsprechenden Medienhandlungen sind mit Absichten verbunden, sowohl, was das Mobilsein als Ganzes angeht als auch die mobile Kommunikation im Speziellen (Abb. 2).
Abb. 2

Mobilität, Mobilisierung und mobile Medien. Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Urry (2010) und Höflich (2014)

Die wirtschaftswissenschaftliche und die medien- bzw. kommunikationswissenschaftliche Perspektive auf – in diesem Fall – Mikromedien und mobile Kommunikation sind zweifellos verschieden. Die Wirtschaftswissenschaften sind im Allgemeinen überwiegend normativ angelegt; sie verfolgen eigene Erkenntnisziele, indem sie vor allem nach der Optimalität des Mobil-Marktes fragen, dagegen weniger den Doppelcharakter der mobilen Medien (und Medienhandlungen im Sinne des „doing mobility“) als Wirtschafts- und als Kulturgut berücksichtigen.

Doch so wie grundsätzlich gilt, dass die Ökonomie als Disziplin seitens der Medien- und Kommunikationswissenschaften nicht abgelehnt, vielmehr einzelne ökonomische Prinzipien als theoretisches Rüstzeug oder Ausgangspunkt für eine medienökonomische „Problemdurchdringung“ gewählt (Siegert 2002, S. 226) werden, gilt dies auch für die Analyse von Mikromedien und mobiler Kommunikation. Die Medienökonomie hat spezifische Fragestellungen mit Bezug auf mobile Markt-Akteure sowie spezifische Vorgehensweisen in deren Untersuchung und schließlich auch eine spezifische Art, die Ergebnisse ihrer Forschungen kritisch oder zumindest ambivalent zu reflektieren und zu diskutieren.

2.3 Mobile Medien und mobile Kommunikation im Wandel

Unstrittig ist, dass Mikromedien und mobile Kommunikation eine zunehmend wachsende Rolle und Bedeutung sowohl im und für den Alltag des einzelnen Individuums als auch für die gesellschaftliche Wirklichkeit einnehmen. Derzeit assoziiert man mit dem Begriff mobile Medien vor allem das Smartphone, noch vor wenigen Jahren war das der Laptop („tragbarer Computer“) und in wenigen Jahren werden es weitere möglicherweise auch andere digitale Devices sein, die etwa in Brillen, Armbanduhren oder Kleidung integriert sind (vgl. Lawo und Witt 2012, S. 235–252). Bei all dieser rasanten informations- und kommunikationstechnischen Dynamik wird mitunter vergessen, dass mobile Medien auch schon vor den digitalisierten Technologien existent waren. So war es in der Medien- und Kommunikationswissenschaft lange Zeit der aktive Zeitungsleser, dessen Leseverhalten bezogen auf das mobile Medium „Zeitung“ analysiert wurde (vgl. Wilke 2004; Krone 2010, S. 26). Die Entstehungsgeschichte mobiler Medien beginnt jedoch streng genommen sogar noch früher. Wilke (2004) beschreibt, dass die erste mobile Kommunikation mit der Entstehung der Schrift möglich ist, weil diese zeitliche und räumliche „Entfesselung“ bedeutet. Geschriebenes war unabhängig von Raum und Zeit. Die Drucktechnik machte schließlich eine größere Zahl und Verbreitung von Kommunikaten möglich. Beides, Schrift und Drucktechnik erforderten jedoch noch den stationären Rezipienten. Den Auftakt zu einer mobilen Rezeption stellten die Eisenbahnen her, die es ermöglichten, in Bewegung, also im fahrenden Zug zu lesen (Mobilisierung des Lesens).

Nach der Druck- war es die Funktechnik, die einen entscheidenden ersten Impuls zur Loslösung vom Ort gab. Der Hörer war nicht mehr räumlich an den Verlautbarenden gebunden, sondern konnte über Funktechnik auch an einem anderen Ort zuhören. Schließlich kamen der Transistor und das tragbare Radio, das Autoradio und der Walkman auf. Das Fernsehen dagegen war über eine vergleichsweise lange Zeit an die häusliche Umgebung gebunden – spät erst wurde das Fernsehen „mobilisiert“ und damit die Möglichkeit ortsungebunden fern zu sehen.

Neben den Formen der Massenkommunikation (Zeitunglesen, Radiohören oder Fernsehen) kommt es mit der Etablierung des Telefons auch bei der interpersonalen Kommunikation zu Mobilisierungsschüben, auch wenn Telefonie zunächst über viele Jahre an feste Orte gebunden war. Nach den in mobilen Fahrzeugen wie Zug und Auto noch aufwendig und fest installierten Telefonen kam 1985 das erste, zum Teil digitale Mobilfunknetz. Die Geräte hierfür passten nun schon in eine Aktentasche und waren vom Auto unabhängig (Wilke 2004, S. 26). Wechselseitig sich beeinflussend und verstärkend wurden einerseits Mobiltelefone nach und nach günstiger in der Anschaffung und leistungsfähiger und entwickelten sich andererseits recht schnell zum Alltagsgegenstand. Ihr Funktionsspektrum erweiterte sich kontinuierlich, neue Nutzungsformen wie SMS (Short Message Service)/MMS (Multimedia Messaging Service) entstanden. Mediale Konvergenz und funktionaler Synkretismus führen schließlich die bislang separierten Kommunikationsmodi zusammen und finden ihren Antrieb in der Entstehung und Verbreitung des Internets.

Im Laufe der Zeit hat sich demnach nicht nur die Annahme dessen, was ein mobiles Medium ist, gewandelt. Vielmehr ist auch der Nutzende längstens kein rezipierender Zeitungsleser mehr, sondern ein mobil Kommunizierender, der zahlreiche Medienhandlungen im Sinn eines „doing mobility“ umsetzt (Höflich 2014, S. 31). Wenige Definitionen beschreiben mobile Medien so treffend, wie jene von Völker, nach der mobile Medien heutzutage „digitale und multifunktionale Netzwerktechnologien (sind, d. V.), die so klein sind, dass sie mindestens in der Hand gehalten werden können, mittels Funkwellen funktionieren und daher während des Bewegens verwendet werden können (…)“ (Völker 2010, S. 15). Aus einer Verwendung des Mediums in der menschlichen Bewegung heraus hat die kommunikative Mobilität in rasantem Tempo an gesellschaftlichem Interesse gewonnen. Die Bewegung des Menschen und die Transportabilität eines multifunktionalen Gerätes können also als konstituierende Momente verschiedener Entwicklungsschübe angesehen werden. Doch Bewegung und Transport allein sind noch nicht hinreichend; bei genauer Betrachtung ist die neuere Geschichte mobiler Medien unauflöslich an die Geschichte des Internets gekoppelt (Abb. 3).
Abb. 3

Mobile Kommunikation im Wandel. Quelle: eigene Darstellung

Das Internet, das zunächst auch ortsfest war, erlebte eine ähnliche Entwicklung hin zu einem mobilen Internet im Zuge der Fortschritte im Mobilfunkbereich. Als mit der ARD-Online-Studie 1997 erstmalig repräsentative Basisdaten zur Onlinenutzung in Deutschland zur Verfügung gestellt wurden, konnte nachgewiesen werden, dass das Nachfragepotenzial für Onlineangebote maßgeblich von ihrer Handhabbarkeit, der kostengünstigen Anschaffung und Nutzung und insbesondere von dem subjektiv wahrgenommenen individuellen Nutzwert für ihre Anwender abhängt. 4,1 Millionen Nutzer waren 1997 online (van Eimeren et al. 1997). Allerdings waren es damals vor allem stationäre Arbeitsplätze, die einen Online-Zugang ermöglichten. Bereits im Jahr 2000 sprechen die Autoren über den „großen Gebrauchswert“ von Online-Angeboten und davon, dass der „Kundenkontakt der Zukunft“ über Online-Medien laufe (van Eimeren und Heinz 2000, S. 338). 2001 wird erstmals die Nutzung nicht mehr in den „Arbeitswelten“, sondern „zuhause“ konstatiert. 2010, also dreizehn Jahre nach dem Erscheinen der ersten Online-Studie, wird die „mobile Internetnutzung“ als vielversprechender Zukunftsmarkt behandelt (van Eimeren und Frees 2010, S. 334). Mit 13 Prozent war die Zahl der mobilen Onlinenutzer jedoch noch gering. Ganze sieben Prozent der Befragten hielten zu dieser Zeit das mobile Internet für „unverzichtbar“. Und ebenso nur acht Prozent nutzen für den mobilen Internetzugang ein Smartphone. Die Mehrheit, nämlich 51 Prozent, nutzte dazu noch den Laptop. Bereits ein Jahr später hat sich die Zahl der mobilen Onlinenutzer verdoppelt. Digitalität und Mobilität (oder besser Transportabilität) werden zu den Leitmotiven für die Anschaffung von Mediengeräten (van Eimeren und Frees 2011, S. 338). Fünfzehn Jahre nach der ersten Onlinestudie, also im Jahr 2012 wird der Durchbruch auf dem Markt der mobilen Endgeräte verzeichnet. Neue mobile Nutzungssituationen, neue Marktmodelle mit mobilen Geräten und hohe Wachstumsraten werden beschrieben. Allerdings spielt die innerhäusliche Mobilität noch eine größere Rolle als das „Unterwegssein“. Die Kosten für die Geräte sinken weiter, die Geräte werden handlicher und optisch attraktiver, außerdem steigt die Zahl der „nützlichen“ Anwendungen (van Eimeren und Frees 2014, S. 383).

Fasst man die Entwicklung der letzten Jahre zusammen, so kann geschlussfolgert werden, dass die Zahl der Smartphone-, Tablet-PC- und Laptop-Nutzer bis heute so stark angestiegen ist, weil das Internet in seiner Entwicklung mobil und auch leistbar geworden ist (Nordlight Research 2015). Das ist auch ein Argument dafür, von der Entwicklung von mobilen Infrastrukturen, mobilen Geräten und mobilen Anwendungen differenziert zu sprechen, da sie je eigene Charakterisierungen beanspruchen. In einer ihrer jüngeren Auswertung haben die Autoren der Online-Studie mit dem Motto „kleiner, leichter, preiswerter“ die Antriebskräfte für die Nutzung mobiler Medien beschrieben, die gleichzeitig auch zu erhöhtem Internetkonsum führen (van Eimeren und Frees 2014, S. 383 f.). Neben der innerhäuslichen Bewegungsfreiheit mit Hilfe mobiler digitaler Medien verdoppelte sich die Unterwegsnutzung innerhalb von 23 Prozent im Jahr 2012 auf 50 Prozent im Jahr 2014 (im Jahr 2015: 55 Prozent) (Koch und Frees 2015, S. 379).

Grundsätzlich sehr ähnliche dynamische Entwicklungen, wenn auch im Detail mit teils leicht unterschiedlichen Anteilen, lassen sich für Österreich und die Schweiz nachzeichnen: So verfügten etwa im Jahr 2010 32 Prozent aller österreichischen Handynutzer ab 12 Jahren über ein Smartphone, im Jahr 2014 lag dieser Anteil bereits bei fast 75 Prozent (Telekom Austria 2014) – in der Schweiz liegt dieser Anteil im Jahr 2015 (Handynutzer ab 15 Jahre) bei 78 Prozent (IaKom 2015). Und obwohl ähnlich wie in Deutschland vorrangig von zu Hause aus auf das Internet zugegriffen wird, nutzen 57 Prozent der Österreicher das mobile Internet – in der Schweiz liegt dieser Anteil mit 60 Prozent sogar noch etwas höher (Stand 2014; Eurostat 2015). In Deutschland nutzten 2014 rund 51 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen ein Smartphone (=41 Millionen Smartphones auf 81 Millionen Menschen), bis zum April 2016 stieg diese Zahl auf 60 Prozent (=49 Millionen Smartphones auf 82 Millionen Menschen). Damit hat sich auch die Zahl der Smartphone-Nutzer seit 2012 mehr als verdoppelt (comScore 2016). Und auch die Tablet-Nutzung entwickelte sich in Deutschland äußerst dynamisch: Von einem knappen Fünftel im Jahr 2012 auf rund zwei Fünftel im Jahr 2015 verdoppelt (eMarketer 2015); in der Schweiz verdreifachte sich der Anteil sogar im gleichen Zeitraum von allerdings nur ausgehenden 14 Prozent (2012) auf über 40 Prozent (2015) (Comparis 2016); auch in Österreich liegt der Anteil der Tablet-Nutzer im Jahr 2015 bei etwas über 40 Prozent (MindTake 2015) und damit fast identisch wie in Deutschland oder der Schweiz.

Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch für die digitalen Anwendungen (Apps) festhalten, die 2012 für 24 Prozent, doch 2013 bereits für 44 Prozent der Online-Nutzer „alle nur denkbaren Bedürfnisse“ erfüllen (van Eimeren und Frees 2014). Digital vernetzt und mobil zu sein, werden als zentrale Beweggründe beschrieben, wenn es darum geht, sich neue Mediengeräte anzuschaffen. Dies gilt besonders für die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen, bei denen zwei von drei Befragten mittlerweile dauerhaft mobil online sind (ebd.). Es sind die Vorzüge einer mobilen digitalen Mediennutzung, die Menschen dazu bewegen, Geräte und Anwendungen nicht nur in immer größerer Zahl zu nutzen, sondern auch recht schnell in eine Alltagsökonomie (vgl. Becker 1965) zu integrieren.

Anders als die Printmedien (Zeitung, Zeitschrift, Buch), waren die elektronischen Massenmedien aufgrund ihrer Abhängigkeit vom Stromnetz und von spezifischen Empfangstechniken noch weitestgehend ortsgebunden, also stationär. Dies betraf das Radio und das Fernsehen ebenso wie die Individualmedien Telefon und PC. Erst Weiterentwicklungen dieser Geräte, die wesentlich kleiner und handlicher waren, auch mit einer vom Stromnetz unabhängigen Energiequelle betrieben werden konnten und vor allem (wie beim Mobilfunk) auf neue Empfangstechniken zurückgriffen, führten zur mobilen Nutzung der elektronischen Massenmedien und zur mediatisierten interpersonalen Kommunikation mit digitalen und transportablen Medien, wie sie heute allgegenwärtig sind.

Alltagshandeln, so kann zugespitzt formuliert werden, ist heute zunehmend Medienhandeln und Alltagszeit zunehmend Medienzeit. Den gesellschaftlichen Hintergrund hierfür bilden die zunehmenden Anforderungen, den eigenen Lebens(ver)lauf individuell zu gestalten – unter dem Begriff der „Individualisierung“ zu einem der wichtigsten Stichworte in die Diskussion um gesellschaftlichen Wandel von Ulrich Beck (1986) eingebracht. Die mit der Individualisierung einhergehende gestiegene Komplexität des modernen Lebens ist ein zentraler Grund dafür, dass die mobile Kommunikation nicht nur äußerst rasch in den Lebensalltag integriert wurde, sondern bereits nach nur wenigen Jahren für die Koordination und Organisation des Alltags in Familie, Beruf oder Freizeit eine unverzichtbar scheinende Funktion einnimmt: Abstimmungen und die Gestaltung eines gemeinsamen Lebensalltags werden zunehmend über mobile Kommunikation arrangiert oder hierdurch überhaupt erst möglich (Döbler 2014, S. 145). Eine von örtlichen, zeitlichen und auch sachlichen Zwängen befreite Kommunikation (bzw. auch nur die Möglichkeit hierzu) erleichtert dabei aber nicht nur die Bewältigung eines von Mobilität und Flexibilität gekennzeichneten Lebens- und Arbeitsalltags, sondern ermöglicht eben auch ein stückweit die soziale Beziehungspflege und das Bedürfnis von sozialer Nähe zu befriedigen.

3 Mobil kommunizierende Marktakteure

Sach- und Dienstleistungen werden von mobil kommunizierenden Marktakteuren nicht mehr nur konsumiert, sondern jeder Konsument kann im Bereich der mobilen Kommunikation gleichzeitig als aktiver Produzierender auftreten. Dieser Umstand ist nicht neu, die starre Dichotomie zwischen Konsument und Produzent wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert, als die ersten Selbstbedienungsrestaurants auftraten (vgl. ausführlich Hellmann 2010, S. 13–44). Und spätestens mit dem Aufkommen der ersten automatisierten Bankautomaten rückte der Konsument als „aktiv Mitarbeitender“, als Prosument in den Fokus der Wirtschaftswissenschaften. Der Prosument, so wurde salopp angenommen, baut sein Ikea-Regal selbst auf (Hellmann 2010, S. 13). Bei genauerer Betrachtung aber reicht diese Annahme bei weitem nicht mehr aus. Der mobil kommunizierende Marktakteur recherchiert heutzutage nämlich vorher schon online Kundenmeinungen, bevor er sich „sein“ Regal auf dem Laptop zunächst selbst zusammenstellt, im sozialen Netzwerk nach helfenden Händen fragt und schließlich das fertige Werk werbenützlich noch über seine Netzwerke distribuiert. Spätestens an diesem Beispiel wird deutlich, dass der mobil kommunizierende Marktakteur heute weit mehr als ein Nachfrager, ein Rezipient oder „mitarbeitender Kunde“ ist (Blättel-Mink 2010, S. 7), der an der Selbstzahlerkasse seine Rechnung begleicht. Der mobil kommunizierende Marktakteur kann in allen Produktionsstufen und in nahezu allen alltäglichen Dingen zwischen Eigenfertigung und Markterwerb, zwischen Konsumieren und Produzieren frei wählen (Hellmann 2010, S. 16). Die Möglichkeiten mediatisierter Handlungen gehen über eine „proaktive Mitarbeit“, eine Teilnahme an einer Leistungserbringung weit hinaus. Vormals analoge Handlungen können kostengünstig auch mediatisiert umgesetzt oder zumindest recherchiert werden – Hinweise, Rezepte, Bauanleitungen, Anweisungen, do-it-yourself-Tipps, Tauschgeschäfte oder Hilfeleistungen sind nur ein winziger Ausschnitt dessen, was ein digital vernetzter Marktakteur in der Lage ist, selbst zu realisieren, ohne auf die Notwendigkeit des klassischen Markterwerbs zurückgreifen zu müssen (Steffens und Döbler 2014, S. 246–253). Die veränderten Technologien und Nutzungsweisen führen so nicht nur zu einer Veränderung der Bedeutung einer Ressource „Medien“ für diesen Akteur, sondern auch zu veränderten Präferenzen, Entscheidungsverhalten und insgesamt einer Transformation der Alltagsökonomie (Eismann 2012, S. 149).

3.1 Präferenzen, Entscheidungsverhalten und Ressourcenallokation

Die Mediatisierung des Alltags und der alltäglichen Handlungen unter ökonomischen Aspekten zu betrachten, bedeutet konkret, den mobil kommunizierenden Akteur und sein Entscheidungsverhalten zu untersuchen. Unterstellt wird dabei ein Potpourri an Allokationsmöglichkeiten, innerhalb dessen mobil kommunizierende Marktakteure (nach wie vor) danach streben, ressourcenoptimierend zu handeln, also vorhandene Ressourcen sinnvoll einzusetzen und daraus Gewinne (auch soziale) zu ziehen.

Der Begriff der Ressource spielt dabei eine herausragende Rolle. In den Wirtschaftswissenschaften existieren eine Reihe von Eingrenzungs- und Definitionsversuchen, die sich – aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht – allerdings noch zu wenig auf den einzelnen Akteur beziehen. Selbst eine explizit ressourcenorientierte Sicht, wie etwa der „resource-based-view“ (vgl. Habann 2001, S. 107–120, Penrose; 2009 4, S. 66–67) bezieht sich letztlich doch auf die Erfolgsfaktoren für ein Unternehmen. Patente gehören hier dazu oder die Innovationsbereitschaft und die aggregierten Kompetenzen von Mitarbeitenden, die Vermögenswerte des Betriebs oder Nutzungsrechte (Habann 2001, S. 107). Unter einer empirische Perspektive ist Leschke (2012, S. 22) zuzustimmen, wenn er schreibt, dass die „Ökonomik (…) i. d. R. (eben doch, Anm. d. V.) keine Aussagen über das Verhalten einzelner Akteure in spezifischen (singulären) Situationen (trifft)“ und hierfür eher „andere Wissenschaften besser geeignet (scheinen)“, wie die „Psychologie“. In nahezu allen ökonomischen Modellen und Theorien, und dies gilt auch in der Mikroökonomie, werden schließlich die Handlungen und Resultate einzelner Akteure wiederum kumuliert betrachtet, selbst wenn es sich um Monopolisten oder Oligopolisten, also wenige Akteure handelt.

Die Ressourcenallokation für einzelne Individuen muss zudem auch im Sinne einer Alltagsökonomie operationalisierbar gemacht werden. Dabei kann es nicht mehr nur um den Einsatz von Produktionsfaktoren wie Arbeit, Kapital, Boden, Umwelt oder Wissen in einem Unternehmen oder einem Markt und einen maximalen Output gehen, sondern um den einzelnen Menschen, der seinen Alltag so gestaltet, dass sich seine Wünsche und Bedürfnisse im Sinn einer „Soziologie des guten Lebens“ weitestgehend erreichen lassen (ausführlich dazu Rosa 2012).

Für eine derartige erweiterte Perspektive bietet sich ein Rückgriff auf die Annahmen der „Theorie des Ressourcenerhalts“ (Hobfoll 1989, 1998; Buchwald und Hobfoll 2004), einem Ansatz aus der Psychologie, an. Er kann als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen handhabbar gemacht werden. Die unter der Bezeichnung Conservation of Resources (COR) bekannt gewordene Theorie, die stark auf verhaltenstheoretischen Überlegungen innerhalb der Sozialpsychologie basiert, beschreibt, wie sich menschliches Verhalten daran orientiert, Ressourcen zu schützen und in einem so genannten Ressourcenpool zu erweitern und aufzubauen. Ihre Anwendung finden die Prinzipien dieser Theorie mittlerweile nicht nur in der Psychologie, sondern auch in der Gesundheitswissenschaft, der Rechtswissenschaft, der Soziologie, der Pädagogik und schließlich auch in der Ökonomie. Ressourcengewinne und die Sorge um Ressourcen werden in der COR-Theorie als „die grundlegende Antriebskraft für menschliches Handeln […]“ beschrieben (Eppel 2007, S. 175). Ressourcenallokation wird dann in den Untersuchungen als das Streben des Individuums behandelt, jene Dinge zu erhalten und zu maximieren, die ihm „lieb und teuer“ sind. Individuen werden danach Lebensumstände, z. B. den Kauf und die Anwendung von mobilen Kommunikationsgeräten so gestalten, dass sie die von ihnen wertgeschätzten Dinge schützen und im ökonomischen Sinn auch aufbauen können. Gewinne und Verluste von Ressourcen werden in einem „Ressourcenpool“ bewusst oder unbewusst vom Individuum evaluiert.

Sachlich unterscheidet Hobfoll (1998) vier Arten von Ressourcendimensionen, die den Fokus der Handlungsmotivation umfassen. Als Ressourcen gelten danach grundsätzlich Objektressourcen (hier Infrastrukturen, Geräte und Anwendungen), Bedingungsressourcen (hier Mobilität, Digitalität, Kommunikate und ihre Funktionen), Persönliche Ressourcen (hier Fertigkeiten, Kompetenzen im Umgang mit mobilen Medien und die Diskussion um die „Verwertbarkeit persönlicher Daten“) sowie Energieressourcen (Zeit, Geld und Wissen). Akteure verhalten sich so, dass sie unter Einsatz dieser Ressourcen versuchen, weitere Ressourcen zu gewinnen, zumindest aber, die vorhandenen Ressourcen zu schützen. Erweitert und transferiert man Hobfolls Grundgedanken auf die mobile Kommunikation, findet demnach digitales und mobiles Medienhandeln statt, weil mit der Multifunktionalität der Geräte Ressourcengewinne in vielerlei Hinsicht verbunden sind bzw. künftig erwartet werden. Individuen können auf vielerlei Arten im Zuge der Nutzung digitaler Medien nach der Maximierung von Bedürfnissen streben. Die vier Arten von Ressourcen, die Hobfoll unterscheidet, beschreiben dazu den Ausgangspunkt. Sie beantworten die Frage danach, was Individuen im Zuge der Nutzung digitaler Medien als Ressourcen verstehen können und schützen bzw. gewinnbringend aufbauen wollen (vgl. Buchwald und Hobfoll 2004, S. 13–14). Objektressourcen treten hierbei als Infrastrukturen, Geräte und Anwendungen im Zusammenhang mit dem (materiellen und immateriellen) Besitz von digitalen Medien auf. Es sind im Grunde Dinge, die Individuen besitzen, ähnlich wie ein Auto, Kleidung oder Küchengeräte. Bedingungsressourcen haben den Charakter, selbst die Bedingung für etwas anderes zu sein, zum Beispiel kann die Tatsache, dass ein Individuum Teil eines sozialen Netzwerkes ist, der Bedingung folgen, mindestens schon einmal über einen Zugang zu einem Netzwerk zu verfügen. Die Anmeldung bei Facebook bedingt, dass der handelnde Akteur nachweisen kann, dass er mindestens dreizehn Jahre alt ist. Letztlich ist hier aber nur eine grobe Umschreibung möglich, weil Bedingungsressourcen nicht nur offenbare Regeln wie ein Mindestalter umfassen, sondern mitunter auch stark von kulturellen Zwängen und individuell geprägt und von einzelnen Erfahrungshorizonten und Sozialisierungen bestimmt sind. Persönliche Ressourcen gelten schließlich insbesondere als Fertigkeiten im Umgang mit digitalen mobilen Medien. Es sind hier im Grunde sämtliche Kompetenzbereiche angesprochen, begonnen mit einem adäquaten Umgang mit Medien aller Art, wobei nicht lediglich die technische Handhabung gemeint ist, sondern auch eine pro-aktive, individuelle Nutzung, bis hin zu analytischen und reflexiven Fähigkeiten, um sich kritisch mit Medien auseinanderzusetzen. Schließlich gehören auch das Wissen über Medien und deren Entwicklung sowie gestalterische Fähigkeiten dazu (vgl. ausführlich Baacke 1999 und auch der Beitrag von Ingrid Paus-Hasebrink in diesem Band).

Die Definition von persönlichen Ressourcen umfasst darüber hinaus auch die Diskussion, ob und in welcher Form Daten über die eigene Person, die im Netz mithilfe digitaler mobiler Zugänge mehr und mehr publiziert werden, auch als Ressourcen zu verstehen sind, dabei aber gerade von den Nutzern – zumindest im alltäglichen Medienhandeln – oftmals eben nicht als Ressource mit entsprechender Verwertbarkeit begriffen werden.

Energieressourcen sind stets Zeit, Geld und Wissen im Zusammenhang mit der Flexibilität des Medienhandelns, −besitzens und der -kompetenz insgesamt. Das Besondere ist, dass diese Ressourcen extrinsischer Art sind und dem Erwerb anderer Ressourcen dienen. Sie gehören wegen ihrer vielseitigen Einlösbarkeit aber zu den wichtigen Ressourcen im Pool und es kann angenommen werden, dass sie dem handelnden Akteur überaus wertvoll und erstrebenswert erscheinen, weil sie noch umfassender als die anderen eingesetzt werden können. Darüber hinaus muss bei Forschungsarbeiten hier stets der Doppelcharakter mobiler Mediennutzung wahrgenommen und verdeutlicht werden: Digitale mobile Mediengeräte, Programme und Anwendungen stellen in ihrem Objektcharakter selbst eine Ressource dar. Sie ermöglichen zweitens mithilfe ihrer Vielzahl an Funktionen den Zugang zu anderen Ressourcen (Abb. 4).
Abb. 4

Forschungsverständnis Mikromedien mobile Kommunikation. Quelle: eigene Darstellung

Im Wechselverhältnis zum Doppelcharakter und dem Prinzip der Ressourcenallokation stehen nun die unter ökonomischen Aspekten definierten Präferenzen. Eine Präferenz zu haben drückt in diesem Fokus aus, einer Infrastruktur, einem Mediengerät, einer Anwendung den „Vorrang oder Vorzug“ (ggf. vor einer anderen oder etwas anderem) zu geben – das heißt, diese subjektiv als besser, mindestens aber als „gut“ zu bewerten. Im Entscheidungsverhalten von mobil kommunizierenden Individuen lassen sich also Präferenzen auf der Basis von Ressourcenallokationen feststellen (Theiler 2011, S. 44, 185). Das Konzept einer Präferenz basiert dabei auf dem Verhalten der Medienakteure, die wiederum nach Ressourcenmaximierung streben. Mobil kommunizierende Marktakteure verhalten sich als Individuen in bestimmten Situationen so, dass sie eine Entscheidung treffen, die in der Regel die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten umfasst. Sobald die Bevorzugung eines Geräts, einer Anwendung oder ähnlichem auftritt, ist der Medienakteur nicht mehr „indifferent“, sondern er äußert eine Präferenz. Mit der Untersuchung von Präferenzen werden somit Handlungen von Akteuren erklärt. Wird der Präferenzgedanke aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive betrachtet und mit Blick auf Mikromedien untersucht, dann können auch hier eine zeitliche Präferenz (zeitliche Flexibilität, ein „zu-jeder-Zeit-Prinzip“), eine räumliche Präferenz (Mobilität, ein „Allerorts-Prinzip“), eine persönliche Präferenz (persönliche Aspekte, individuelle Anforderungen, nicht-messbare Eigenschaften, Image-Aspekte und Markenwerbung) und eine sachliche Präferenz (messbare Eigenschaften) unterschieden werden.

Zeitliche Präferenzen drücken zum einen das insgesamt starke Empfinden für die Energie-Ressource „Zeit“ aus. Mobile Geräte dienen dazu, durch horizontale und vertikale Verdichtungsmöglichkeiten, subjektiv oder auch objektiv Zeit einzusparen.1 Anstelle eines analogen Briefes entscheidet also ein zeitliches Einspar-Empfinden darüber, lieber den kürzeren Weg einer E-Mail zu nehmen, und sich beispielsweise genau aus diesem Grund für ein mobiles Mediengerät, und eben nicht für einen neuen Notizblock zu entscheiden. Auch dass „Leerzeiten“, also etwa Wartezeiten oder Fahrzeiten in öffentlichen Verkehrsmitteln vermehrt mit mediatisierten Handlungen angefüllt und „genutzt“ werden, entspricht dieser Logik: Der ökonomische Nutzen stellt sich dabei nicht allein durch das Entziehen von Langeweile und einer dadurch erzielten Ablenkung ein, sondern auch durch explizit produktive Nutzung dieser ansonsten ungenutzten, möglicherweise als „vergeudet“ betrachteten Zeit, indem z. B. E-Mails geschrieben werden, Bankgeschäfte getätigt werden oder sozialer Kontakt und Austausch betrieben werden.

Die räumliche Präferenz spricht die Ressource Mobilität bzw. Transportabilität an; angenommen wird, dass der Medienakteur es als vorteilhaft empfindet, an jedem Ort kommunizieren zu können und somit Kosten eines räumlichen Transports, auch einer Wegstrecke zu sparen, so die Portogebühr für einen Brief als einfachstes Beispiel oder den Weg zum Bankautomat. Vereinfacht gesagt, verfolgen digitalisierte Kommunikate also räumlich und zeitlich kurze und kostengünstige Wege (vgl. Castells 2000 2).

Persönliche Präferenzen sind analytisch und empirisch dagegen schwieriger einzugrenzen, da sie sich aus der je individuellen sozioökonomischen Situation und sozialen Bindung sowie dem kulturellem Verständnis ergeben. Persönliche Präferenzen können darüber hinaus auch im Zusammenhang mit Markenwerbung stehen, es wird ein bestimmtes Image vermittelt, das der persönlichen Neigung entspricht (oder eben nicht). Die Bevorzugung einer Marke, einer Farbe oder einer Schutzhülle können hier Beispiele sein. Oder aber es kann der soziale Druck eine Rolle spielen: verfügt der nahestehende Sozialkreis des Akteurs über eine bestimmte Applikation, so empfindet es der Akteur als förderlich, wenn er diese Anwendung auch erwirbt. Unter dem Gesichtspunkt einer Markenfunktion könnte pointierter gesagt werden, dass beispielsweise das iPhone eben nicht nur eine beliebige Marke ist, sondern den Besitzern resp. Käufern einen gewissen Status verleiht. Anbieter solcher „Marken“ versuchen schließlich, diesen Premiumgedanken auch zu pflegen: Das Produkt sei etwas „Besonderes“ (und damit auch die Käufer dieses Produkts). Das neueste Smartphone zu besitzen, muss damit weniger aus einer technisch-funktionalen Sichtweise, etwa der Leistungsfähigkeit, heraus erklärt werden, sondern mit Blick auf eine Imagekomponente, bei der ein bestimmtes Gerät Anerkennung in der relevanten sozialen Bezugsgruppe – insbesondere bei Jugendlichen – bedeutet und damit Status vermittelt. Die Industrie hat es dann geschickt verstanden, aus einem an und für sich rein technischen, funktionalen Gerät mit einer bestimmten Lebensdauer, zumindest partiell und für bestimmte Zielgruppen (wiederum vor allem Jugendliche) ein kurzlebiges Mode-Accessoire zu machen, das im Schnitt alle 18 Monate ausgetauscht wird – ein Phänomen, welches Wolfgang Fritz Haug (2009) pointiert unter dem Begriff der „Warenästhetik“ im High-Tech-Kapitalismus analysiert und diskutiert.

Im Unterscheid zu persönlichen Präferenzen stehen die sachlichen Präferenzen, die messbare Eigenschaften umfassen, die allerdings vorher auch erst einmal durch den Medienakteur als solche definiert werden müssen. So könnte beispielsweise die Größe des Speichers ausschlaggebend für die Entscheidung für ein bestimmtes Mediengerät sein, weil der Nachfragende einen großen Speicher aus persönlichen Gründen benötigt (er ist zum Beispiel Grafiker von Beruf). Natürlich wird aber auch hier schnell klar, dass die Präferenzdimensionen nicht trennscharf kategorisiert und damit auch nicht losgelöst voneinander zu betrachten sind. Sie geben aber eine Möglichkeit, die Präferenzen fürs Erste deutlich zu machen. Präferenzmessungen sollten dennoch die Kombinierbarkeit, die wechselseitige Beeinflussung und vor allem die Kontextabhängigkeit immer mit berücksichtigen (vgl. dazu auch ausführlich Helm und Steiner 2008).

3.2 Mobile digitale Infrastrukturen, Geräte und Anwendungen

Das Streben nach Ressourcenoptimierung und die Annahme von Präferenzen führen schließlich zu zwei Arten von Entscheidungsverhalten. Im Unterschied zum Entscheidungsverhalten zweiten Grades, welches sich auf konkrete Kommunikationshandlungen bezieht (s. Abschn. 3.3) umfasst das Entscheidungsverhalten ersten Grades die Entscheidung für mobile digitale Infrastrukturen (Betreiber, Kapazitäten, Netze), mobile digitale Geräte (Hardware-Lieferanten, etablierte Marken, Zubehör) und digitale Anwendungen (Apps, App-Market).

Warum diese Unterscheidung überhaupt gemacht wird, verdeutlicht sich im Bewusstsein darüber, dass eben auch eine Präferenz für analoge bzw. stationäre Infrastrukturen, Geräte und Anwendungen oder der vollkommene Verzicht (die Nichtnutzung) vorherrschen können. Im digitalen Zeitalter umfasst der Begriff einer IT-Infrastruktur auch nicht mehr nur die Ausprägung einer Breitbandversorgung, sondern zunächst alles, was benötigt wird, um an einem digitalen Leben als Medienakteur teilzuhaben. Es gehören sämtliche Technologien, Techniken (Netzwerke, Server, Betreiber, Plattformen) und auch Regeln dazu. Nicht jeder mobil kommunizierende Marktakteur ist hier in der Sache Experte, aber er verfügt mindestens über das Bestreben für den übergeordneten Kerngedanken, digital und vernetzt kommunizieren und interagieren zu wollen (Lemke und Brenner 2015, S. 92–112). Damit er oder sie als Medienakteur Teil einer vernetzten digitalen Gemeinschaft sein kann, werden grundsätzlich digitale Infrastrukturen benötigt, die in diesem Zusammenhang als technische Voraussetzungen bei Soft- und Hardware verstanden werden. Erst dann sind Individuen in die Lage versetzt, digital und mobil zu kommunizieren, zu rezipieren, Informationen zu erhalten und selbst zu streuen. Die Medienakteure müssen also an diesem Punkt eine Entscheidung für das Digitale und später das Mobile bzw. das Transportable treffen: für ein IT-System, ein Netz, einen Anbieter und vielleicht eine Kapazitätsvorstellung. Hinzu kommt die Entscheidung für ein digitales Mediengerät, das zusätzlich transportabel, also mobil ist. Erst danach sind überhaupt Anwendungen in ihrer Art möglich.

Was die Bereitstellung von Infrastrukturen angeht, so ist im Mobilfunkbereich die Zahl der Anbieter, der Mobilfunkbetreiber, über die Jahre überschaubar geblieben. Nach der Übernahme von E-Plus durch die Telefónica Deutschland Holding AG im Jahr 2014 existieren in Deutschland noch drei Mobilfunkbetreiber (Telekom, Vodafone und Telefónica/O2). Auch in Österreich fand in den letzten Jahren durch Übernahmen (tele.ring durch T-Mobile sowie Orange durch Hutchison) eine Konzentration auf drei große Anbieter (A1, inkl. aller Marken wie bob und yesss! vor T-Mobile und Hutchison) statt (RTR 2016). In der Schweiz dominiert mit der Swisscom sehr deutlich (über 50 Prozent Marktanteil) vor den mit deutlichem Abstand folgenden Anbietern Sunrise, Orange und Migros (MACH Consumer 2015).

Ungeachtet der Konzentration auf Anbieterseite ist die Nachfrage nach mobilen Datendiensten seit Anfang der neunziger Jahre erheblich gestiegen und verursachte immer weiter einen erhöhten Bedarf an Netzkapazität und Bandbreite (vgl. umfassend dazu auch Döbler und Wahl 2013). Mobilfunkbetreiber waren und sind gefordert, beträchtlich in leistungsfähige Infrastrukturen zu investieren. Demgegenüber steht das veränderte Nutzungsverhalten mobil kommunizierender Marktakteure. Die bisher gewohnten hohen Umsätze im Bereich der vormaligen Telefonie wurden in der Vergangenheit zunehmend von Anwendungen verdrängt, die kosteneinsparend über das mobile Internet realisiert werden können (zum Beispiel Skype oder WhatsApp). Die verbesserte Netzinfrastruktur ergibt hier eine Reihe von Wettbewerbsvorteilen für sogenannte Over-the-Top (OTT)-Dienstleister, also Dienstleister, die Audio- und Video-Kommunikate übermitteln, ohne dass der Betreiber involviert sein muss. Kundenbindung ist daher das zentrale Motiv der Netzbetreiber, die in diesem Sinn versuchen, Vorteile für den mobil kommunizierenden Marktakteur mit verbessertem Service, vor allem durch die Entwicklung von Applikationen, zu bieten. Neuerdings wird auch die Vermarktung von sogenannten Diensteklassen, also verschiedenen Datentransportklassen mit unterschiedlicher Qualität und unterschiedlichen Preisen, diskutiert. Die Netzbetreiber sehen natürlich den Wachstumsmarkt und seine Potenziale, es existieren in Deutschland mittlerweile mehr Mobilfunkanschlüsse als Einwohner. Die Nachfrage ist also groß, allerdings ist die Übermacht der App-Market-Betreiber nicht außer Acht zu lassen. Und die drei großen Mobilfunkbetreiber müssen sich unter einem verschärften Wettbewerb entscheiden, ob sie sich auf Services konzentrieren oder sich in eine „Bitpipe“ verwandeln wollen, also lediglich die Infrastruktur bzw. die infrastrukturellen Möglichkeiten für einen Datenaustausch zur Verfügung stellen. Doch auch hier gehen die Annahmen eher dahin, dass das Kerngeschäft der Mobilfunkbetreiber die „Bereitstellung des Netzzugangs“ bleiben wird (Döbler und Wahl 2013, S. 29).

Neben den mobilen digitalen Infrastrukturen spielt die Entscheidung für ein Mediengerät eine Rolle. Hier stehen die Umsätze, die mit Smartphones, Tablet-PCs und Laptops gemacht werden, symbolisch für die hohe Nachfrage und Entscheidungspräferenz für mobile Geräte. Während im Jahr 2008 in Deutschland fünf Millionen Smartphones verkauft wurden, belief sich die Zahl der verkauften Geräte im Jahr 2014 auf über 24 Millionen Geräte (EITO/IDC 2016). Insgesamt ist hier festzuhalten, dass das Smartphone von den meisten mobil kommunizierenden Marktakteuren genutzt wird (Koch und Frees 2015). Das hängt damit zusammen, dass diese Mobilgeräte klein, handlich und multifunktional sind. Es ist immer noch leichter, ein Smartphone im Unterwegssein zu nutzen als beispielsweise einen Tablet-PC oder gar einen mobilen Laptop, bei dem nach wie vor ein Platz gesucht werden muss, an dem das Gerät in Ruhe eingeschaltet und nutzbar gemacht werden kann. Das Smartphone bietet also nach wie vor den größten Komfort, wenn es darum geht, ein Gerät nicht nur vielseitig, sondern vor allem mobil zu nutzen, ohne „sesshaft“ werden zu müssen.

Sind mobile digitale Infrastrukturen und Geräte vorhanden, werden schließlich alle möglichen Anwendungen genutzt. Der Markt für digitale mobile Anwendungen/Applikationen (Apps) ist dabei enorm gewachsen und wächst kontinuierlich weiter. 2014 sind allein in Deutschland über 700 Millionen Euro mit Apps umgesetzt worden (Bitkom 2014), was zum Vorjahr eine Zunahme von rund einem Drittel (2013: 547 Millionen) bedeutet. Dies spiegelt sich auch in der äußerst dynamischen Steigerungsrate des Herunterladens von Anwendungen wider: Während es 2011 noch 962 Millionen Apps waren, sind es drei Jahre später – 2014 – bereits über drei Milliarden. Dabei werden Applikationen seitens der mobilen Marktakteure als Programme in allen Bereichen des Lebens genutzt. Im Vordergrund stehen beim Smartphone Applikationen der interpersonalen Kommunikation, die insb. auch das personenorientierte Teilen von Inhalten erleichtern (Instant Messaging, WhatsApp als Marktführer neben anderen Anbietern wie Instagram, Twitter oder Snapchat2), gefolgt von sozialen Netzwerken, Nachrichtendiensten, Spielen, Verkehr, E-Mail, Fernsehen, Radio (van Eimeren 2013, S. 388). Die „Always On“-Debatten beziehen sich vornehmlich darauf, dass genau diese Anwendungen auf Mobilgeräten wie dem Smartphone stattfinden. Der Tablet-PC wird weniger für interpersonale Kommunikation, sondern mehr zum Abrufen von Nachrichten und auch für das Spielen genutzt (ebd., S 389). Nicht zuletzt hieran wird deutlich, dass bestimmte Applikationen speziell für Mobilgeräte wie Smartphones oder Tablet PCs entwickelt werden. Anwendungen sind daher streng genommen nochmals hinsichtlich ihrer charakteristischen Mobilität/Transportabilität und Flexibilität zu differenzieren und zu analysieren. Vereinfacht gesagt, gibt es auch zwischen diesen Geräten Unterschiede in Bezug auf Mobilität und Anwendbarkeit. Insgesamt aber gilt, dass, vom Zeitvertreib, Spieleanwendungen über Online-Einkäufe, Bankgeschäfte oder Kommunikationsaustausche bis hin zu kalendarischen Funktionen, die den Tag organisieren helfen, für jedes vorstellbare Bedürfnis von Individuen eine entsprechende als hilfreich ausgewiesene Applikation anwendbar ist. Daher generieren diese Anwendungen auf unterschiedliche Weise zunehmend Umsätze, entweder über den Verkaufspreis oder kostenpflichtige Services innerhalb der App oder auch durch Werbung. Die zunehmende Nutzung digitaler mobiler Infrastrukturen und digitaler mobiler Geräte führt auch dazu, dass der sogenannte App-Markt weitere Wachstumsraten verzeichnet. Die Wirkungsverhältnisse und Wachstumsimpulse dürften sich gegenseitig beeinflussen und befördern bzw. hemmen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Präferenz eindeutig hin zu mobilen digitalen Infrastrukturen, Geräten und Anwendungen geht. Sowohl die Umsätze der Netzbetreiber, als auch die Statistiken der IT-Hardware und Applikationen zeichnen das klare Bild eines mobil kommunizierenden Marktakteurs, dessen Nachfrage auf hohem Niveau weiter konstant bleibt. Die Vorteile, die in einer mobilen digitalen Mediennutzung gesehen werden, sind in starkem Zusammenhang zu den beschriebenen Ressourcendimensionen zu sehen. Nicht nur, dass die Geräte selbst Ressourcen/Wertobjekte darstellen; mit ihrer Hilfe sowie den spezifischen Anwendungen ist es möglich, unterschiedlichste alltägliche Bedürfnisse mit einem vergleichsweise geringen Aufwand zu befriedigen. Die Präferenz und die Entscheidung der Akteure für den Weg des Mobilen und Digitalen anstelle des Stationären und Analogen sind eindeutig.

3.3 Mobile mediatisierte Kommunikationshandlungen

Gerade, wenn es heißt, mobile digitale Infrastrukturen, Geräte und Anwendungen realisieren alle nur vorstellbaren Bedürfnisse, ist dies bereits die Hinführung zu einer weiteren Verhaltensweise von Akteuren. Ist nämlich die Ausstattung, die „Wahl der Mittel“ geklärt, können konkrete Kommunikationshandlungen untersucht werden. Dieses Entscheidungsverhalten zweiten Grades beschreibt nicht mehr was, sondern wie bzw. inwiefern digitale Infrastrukturen, Mediengeräte und Anwendungen in das Alltagshandeln, in eine Alltagspraxis eingebettet werden und Bedürfnisse erfüllen. Zur analytischen Umsetzung können die drei Arten von Kommunikationshandlungen nach Friedrich Krotz herangezogen werden (2007, S. 17): die Produktion und Rezeption von standardisierten Inhalten, die interpersonale mediatisierte Kommunikation sowie die interaktive Kommunikation. Die Produktion und Rezeption von standardisierten Inhalten ist die Kommunikation mit Kommunikaten, also mit übermittelten Inhalten, die gehört, gelesen, gesehen oder „sonst wie wahrgenommen werden“ (Krotz 2007, S. 90). Es ist zunächst nicht relevant, wer das Kommunikat erstellt hat. Es wird rezipiert oder produziert. Hierunter können Audio- oder Videobeiträge aller Art gehören sowie auch Texte. Informiert zu sein oder zu informieren, unterhalten zu werden oder selbst zu unterhalten sind die Bedürfnisse, die sich hinter dieser Art der Kommunikation verbergen. Die interpersonale mediatisierte Kommunikation ist die Kommunikation mit anderen Menschen, die dazu weder räumlich, noch zeitlich präsent sein müssen. Es ist die Kommunikation mittels Medien, zum Beispiel um soziale Verbindungen aufrecht zu erhalten, gemeinsame Termine zu organisieren oder sich zu einem Thema, welcher Art auch immer, auszutauschen. Drittens wäre da noch der Austausch, von Krotz ebenfalls als Kommunikation bezeichnet, mit interaktiven Systemen, dessen Kennzeichen ist, dass das Gegenüber eben kein Mensch, sondern eine Maschine ist. GPS-Systeme und eine Vielzahl an programmierten Applikationen sind diesem Bereich zuzuordnen. Und diese Möglichkeiten der Mensch-Maschine Kommunikation werden nicht nur stetig vielfältiger, sondern für den Menschen auch selbstverständlicher: Sie reichen von Sport- und Fitness- über Lernprogramme, Rätsel und Spielanwendungen bis hin zur Steuerberatung oder Siri, dem Sprachassistenten von Apple.

Die aufgeführten drei Typen von Medienkommunikation werden in diesem Beitrag nur angerissen. Sie sind allgegenwärtig und finden auf unterschiedliche Weise Anwendung im Alltag. Mobil kommunizierende Marktakteure machen sich die Infrastrukturen, Geräte und Anwendungen in einer bestimmten Art und Weise zunutze und integrieren sie, teils ganz bewusst, zu bestimmten Zwecken kommunikativ in eine Alltagsökonomie: „[S]ie [die Menschen] konstituieren diese Veränderungen, insofern sie immer mehr Medien für immer neue Aktionen und Prozesse in ihren Alltag einbeziehen“ (Krotz 2007, S. 33). Im Rahmen dieser drei Arten von Kommunikation wird deutlich, inwiefern der Medienhandelnde seine Präferenzen ausdrückt und Nutzen für sich feststellt, indem er mit der Nutzung des Smartphones eine Vorteilhaftigkeit verbindet, die für ihn eine Ressourcenoptimierung, eine möglichst maximale Bedürfnisbefriedigung und letztlich das bedeutet.

3.4 Fazit: Nutzen durch Nutzung?

Das Besondere an mobilen Medien und mobiler Kommunikation ist, dass mit der Multifunktionalität digitaler Mediengeräte ein Großteil der Alltagshandlungen mittlerweile mediatisiert und unterwegs stattfinden kann. Mit der Transformation analoger Handlungen in mediatisierte und mobile „Welten“ wird wiederum zeitlicher und räumlicher Aufwand optimiert, und Individuen können ihre Handlungen auf diese Weise im Alltag horizontal und vertikal verdichten. Zeit wird hierbei als eine zentrale Energieressource verstanden. Die bessere Allokation der Ressource Zeit, die auch in der Ökonomie eine herausragende Rolle spielt, wird in den Zusammenhang mit der Anschaffung mobiler Endgeräte gebracht. Mobile digitale Medien und ihre Anwendungen bieten in vielen Teilbereichen des alltäglichen Lebens Zeitersparnisse und Ressourcengewinne und somit eine Art Nutzen durch Nutzung.

Dass genau dieser effizienzorientierte Umgang mit Zeit, diese intensivere „Bewirtschaftung“ (Rinderspacher 1982) der Zeit aber auch kritische Auswirkungen zur Konsequenz haben können, verdeutlichen die zahlreichen geführten Debatten zur Beschleunigung des alltäglichen Lebens. Mobile digitale Geräte schaffen freie Zeiträume, die wiederum mit anderen Handlungen gebunden, also gefüllt werden können. Der Mensch, so lautet die Annahme, füllt die freien Zeiträume mit immer mehr und mehr Aufgaben und Handlungen, sodass am Ende eine Wachstumsrate an Handlungen über der Bewältigungskraft liegt, mit der diese Handlungen vollzogen werden können. Dann entsteht das Gefühl, trotz aller zeitsparenden Geräte keine freien Zeitfenster, sondern im Gegenteil, immer weniger Zeit zu haben. Der zeitsparende Nutzen kann sich also zu einer Art Produktivitätsfalle entwickeln (Beck 2003; Rosa 2005).

Aus einer subjektiven Sicht verbindet der mobile Marktakteur mit der Nutzung mobiler digitaler Mediengeräte sicherlich zahlreiche Arten von Nutzen für sich; doch jenseits der unmittelbaren Nutzbarkeit von mobilen Medien und mobiler Kommunikation mehren sich mittlerweile auch die kritischen Reflexionen und Analysen unerwünschter Folgen oder negativer Begleiterscheinung, sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft.

4 Perspektiven für die Forschung

4.1 Veränderungen sozialer Beziehungen

Wurde schon das stationäre Internet als grundlegend neue Basistechnologie für die Erschließung neuer Räume der sozialen Entfaltung gesehen, so wandelt sich mit der dynamischen Etablierung mobiler digitaler Medien und Kommunikationsmöglichkeiten im menschlichen Alltagshandeln das soziale Beziehungsverhalten, die Gestaltung und Pflege von sozialen Beziehungen nun unübersehbar. Insbesondere die Möglichkeiten zu ort- und zeitunabhängiger interpersonaler Kommunikation verändern auf einer zwischenmenschlichen Ebene die kommunikativen Gelegenheiten und damit die Optionen der Gestaltung der Kommunikation in Beziehungen (Krotz und Thomas 2007, S. 39). Dabei ist zu beachten, dass das wie wann worüber und mit wem kommuniziert werden kann, nicht nur konstitutiv ist für das persönliche Beziehungsnetzwerk, sondern letztlich ebenso für Gesellschaften als Ganzes (Keppler 2013, S. 90).

Die spezifische Aneignungsform mobiler Medien, einhergehend mit der bemerkenswert raschen Akzeptanz, überall und jederzeit erreichbar zu sein sowie umgekehrt jeden anderen von überall und zu jeder Zeit erreichen zu können, wird bereits seit Anfang der 2000er-Jahre umfänglicher thematisiert und diskutiert (Burkart 2000; Höflich 2003; Hess et al. 2005). Insbesondere die Ausformung eines gleichsam dauerhaften Kontakts (Katz und Aahkus 2002), die Wirkung auf die Koordination des persönlichen Beziehungsalltags (Ling und Yttri 2002), Phänomene wie die Auflösung von öffentlichen und privaten Sphären oder das sog. „absent presence“-Verhalten finden sich in etlichen Studien analysiert und erörtert (Gergen 2002; Götzenbrucker 2005; Höflich 2005; Hanekop und Wittke 2006). Neben den Einflüssen mobiler Medienkommunikation auf die Struktur sozialer Netzwerke (Campbell und Ling 2009) oder auf soziale Kohäsionsprozesse (Ling 2008) wird zunehmend auch versucht, nicht zuletzt mittels ethnografischer Forschungen, ein umfassenderes Verständnis von mobiler Kommunikation im Alltag der Menschen (Höflich und Hartmann 2007; Keppler 2013) zu entwickeln und Prozesse der sozialen Normierung von mobiler Kommunikation, etwa im öffentlichen Raum (Höflich 2005; Höflich und Kircher 2010), zu identifizieren – allerdings weisen viele Erkenntnisse, auch angesichts der äußerst dynamischen Fortentwicklung der technischen Möglichkeiten, doch immer einen vorläufigen Charakter auf (vgl. auch Vorderer 2015).

Unzweifelhaft ist jedoch, dass das Mobiltelefon mit seinen vielfältigen mobilen Kommunikationsoptionen sich sehr rasch zu einem gleichsam unverzichtbaren integrativen Bestandteil in fast allen Alltagsaktivitäten entwickelt hat. Empirische Studien legen dabei nahe, dass Mobilkommunikation insbesondere oft als Chance gesehen wird, soziale Bindungen und emotionale Nähe trotz wachsender räumlicher Mobilität und Distanz aufrecht zu erhalten und einen gemeinsamen Alltag in Familie oder von Paaren (Linke 2010) und unter Freunden (Selmer 2005; Tully und Zerle 2005) zu organisieren. Mitunter scheint sogar umgekehrt die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte ohne Mobiltelefon undenkbar (Götzenbrucker 2005). Dabei erweist sich weniger das empirisch beobachtbare, das faktische Kommunikationsverhalten als vielmehr die Möglichkeit der permanenten Erreichbarkeit, die optionale Anbindung der Kommunikation und Kontaktsicherung zu Personen des persönlichen Beziehungsnetzes als relevant. Giddens (1995, S. 119–120) zufolge vermittelt nicht allein realisierte Kommunikation, sondern schon die Möglichkeit zur Kommunikation ein Gefühl von Nähe (Hanekop und Wittke 2006, S. 114). Höflich (2003, S. 39–48) arbeitet heraus, dass mobile Kommunikation oft nicht primär einem intensiven Austausch, sondern mehr der gegenseitigen Versicherung der Existenz und der Festigung des persönlichen sozialen Netzes dient, was Parzer (2008, S. 83–84) in ihrer Studie empirisch bestätigen kann. Auch Tully und Zerle (2005) betonen, dass insbesondere für Jugendliche das Handy weniger die Funktion hat, Gespräche führen zu können, als vielmehr der wechselseitigen und ständigen Erreichbarkeit innerhalb der Peer-Group dient. Hier wie auch in anderen Analysen zeigt sich zudem, dass mobile Kommunikationen oft nicht zweckhaft, sondern vielfach emotional motiviert ist: Die jederzeit mögliche Erreichbarkeit und Kontaktaufnahme wird subjektiv dabei überwiegend als Freiheitsgewinn und erweiterter Handlungsspielraum erlebt (Götzenbrucker 2005; Parzer 2008, S. 89; Santillán 2009). Die Möglichkeit kurzfristig und spontan persönliche Treffen vereinbaren zu können und damit vorausschauende Planungen für persönliches Zusammenkommen weitgehend überflüssig zu machen, wird vor allem in jugendlichen Peer-Groups (Tully und Zerle 2005) ebenfalls positiv bewertet. Vor allem dort etablierte sich sehr schnell eine, von Ling und Ytrri (2002) als „Microcoordination“ bezeichnete Just-in-Time-Feinabstimmung von Alltagsabläufen über Mobilkommunikation (Döring 2006), die längst auch die Menschen in anderen biografischen Lebensphasen erfasst hat. Empirisch vielfach bestätigt ist zudem auch die intensive Nutzung der mobilen Kommunikationsmöglichkeiten in Situationen, in denen in der Vergangenheit mangels eines physisch anwesenden Gesprächspartners üblicherweise nicht kommuniziert wurde, etwa unterwegs in Bussen und Bahnen, beim Autofahren oder bei Wartezeiten (Hanekop und Wittke 2006; Döbler 2014), wobei viele Studien zeigen, dass sich diese mobile Kommunikation oft auf Personen konzentriert, zu denen man generell, also auch nicht-virtuell eine enge Beziehung unterhält (Hanekop 2010).

Insgesamt scheint mobile Kommunikation ein Stück Unabhängigkeit für den Einzelnen zu schaffen, eine Unabhängigkeit, um in einer komplexer und mobiler werdenden Welt die sozialen Beziehungen des eigenen Netzes weiterhin pflegen und organisieren zu können (Hanekop 2010); gleichzeitig, und das ist den Nutzern durchaus bewusst, wird man mehr und mehr abhängig von dem mobilen Gerät und seinen Funktionen, um am sozialen Leben überhaupt noch Anteil haben zu können (Strauss et al. 2009, S. 8–9). Die Möglichkeit, losgelöst von räumlichen Beschränkungen und der Notwendigkeit eines persönlichen Zusammentreffens, Erlebnisse, Gedanken und Gefühle anderen fast in Echtzeit (Parzer 2008, S. 90) mitzuteilen, etabliert darüber hinaus auch eine neue Dimension der Kurzfristigkeit (Döbler 2014). Nicht nur das Phänomen des durch mobile Kommunikation ermöglichte und insbesondere bei Jugendlichen anzutreffende „Location-hopping“ (Tully und Zerle 2005, S. 14), sondern auch andere und subjektiv durchaus als Erleichterung und Bereicherung angesehene Funktionen und Optionen der mobilen Kommunikation tragen mit einer zum Prinzip werdenden Kurzfristigkeit das Potenzial zu Unverbindlichkeit und zu Fragmentierung von Beziehungen in sich; insofern kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass mobile Kommunikation nicht allein die Verbindlichkeit von Verabredungen überflüssig macht, sondern die Verlässlichkeit sozialer Beziehungen darüber hinaus ein stückweit untergräbt, was letztlich zu einer möglichen Destabilisierung langfristiger Beziehungen führen kann.

Wenn Kommunikation mit wichtigen Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich ist, steigt auch die individuelle Bereitschaft und Akzeptanz mobil und flexibel zu sein und Zeiten des persönlich-physischen Zusammenseins zu reduzieren. So würde die Möglichkeit zur Mobilkommunikation das, für das es subjektiv als Lösung empfunden wird, nämlich die zweifellos gestiegene Komplexität des modernen Lebens durch wachsende Mobilität und Individualisierung besser koordinieren und meistern zu können (Döbler 2014) gleichzeitig weiter erhöhen und nicht nur die Mobilität selbst weiter steigern, sondern eben auch die Zeiten physischer Kopräsenz (Giddens) mindern. Verstärkt und beschleunigt wird dieser Effekt durch Anforderungen, die aus der Arbeitswelt auf den Einzelnen wirken: Mobile Kommunikationstechnologien können als funktional für eine von der Ökonomie ausgehende zunehmend weitere Mobilisierung von Kapital und Arbeitskräften in einem globalisierten Wettbewerbsumfeld betrachtet werden (Rosa 2005; Castells et al. 2007); die Potenziale mobiler Kommunikation werden in diesem Sinne als eine Lösung für die zunehmenden Mobilitäts-, Flexibilitäts- und Beschleunigungsbedarfe der Wirtschaft begriffen (Döbler 2012). Zwar ist nicht von einem kausalen Zusammenhang auszugehen, gleichwohl verstärken die Nutzungsmöglichkeiten mobiler Kommunikationstechnologien die Mobilitäts- und Flexibilisierungsdynamik auf individueller wie auf gesellschaftliche Ebene; letztlich wird damit die Ressource Zeit auf individueller Ebene eher verbraucht und abgebaut als erhalten oder gar gemehrt.

Auch wenn viele der bisherigen Studien zur mobilen Kommunikation zu dem Schluss kommen, dass die engen und emotional wichtigen Beziehungen sich durch mobile Kommunikation nicht verändern bzw. diese dadurch sogar besser zu pflegen und zu leben sind, besteht die Gefahr, dass dauerhafte Kommunikationsbereitschaft und praktizierte kleinteilig parzellierte Kommunikation langfristig zu einer Fragmentierung von auch für Beziehungen relevanten (gemeinsamen) Erfahrungen führen (Döbler 2014). Punktuelle, möglicherweise sogar simultan ablaufende Ereignisse begünstigen im Erleben der Subjekte ein unverbundenes Nebeneinander-Stehen der einzelnen Erfahrungsbereiche (Steinhardt 1999). Bei Kommunikation in allen Pausen und bei pausenloser Kommunikation wird es schwierig, Erlebnisse in eine bedeutungsvolle Beziehung zur je eigenen und gemeinsamen Vergangenheit und Zukunft (vgl. auch Parzer 2008, S. 46) zu setzen und damit in „genuine Erfahrung zu transformieren“ (Rosa 2005, S. 235); eine zwar „erlebnisreiche, aber erfahrungslose“ Zeit (ebenda) bedroht nicht nur die Fähigkeit der Menschen identitätsstiftende „durchhaltbare Erzählungen“ (Sennett 2000, S. 37) zu formen, sondern, so Sennetts pessimistische Schlussfolgerung, auch langfristige Bindungen einzugehen: Die Kurzfristigkeit in der Gestaltung des sozialen Austauschs, die der mobilen Kommunikation ein stückweit inhärent ist, unterläuft die nur langfristig mögliche Entwicklung von Vertrauen, Loyalität und gegenseitiger Verpflichtung (Sennett 2000, S. 28).

Eine solche Diagnose mag zutreffen, wenn empirisch tatsächlich die mediatisierte mobile Kommunikation nicht primär ergänzend, sondern die persönliche, nicht medial vermittelte Kommunikation mehr ersetzend praktiziert wird. Möglicherweise verkennt diese Gegenüberstellung von medial vermittelter und persönlicher Kommunikation jedoch auch die Potenziale der Herausbildung neuer verlässlicher sozialer Praktiken, in denen mobile Kommunikation als „Schmieröl“ (Keppler 2013, S. 101) für die alltägliche Face-to-Face-Kommunikation fungieren kann; auf Basis ihrer Forschungsergebnisse schlussfolgert Keppler zumindest, dass die alltägliche Face-to-Face-Kommunikation ihre Bedeutung für „die Erzeugung individueller wie gemeinschaftlicher Orientierungen“ (ebenda) nicht verlieren wird. Turkle (2011) dagegen sieht allein schon in der „unerbittlichen Verbundenheit“, welche die mobilen Kommunikationstechnologien wie Smartphones bewirken, den Keim zu einer „emotionalen Entwurzelung“ angelegt, was letztlich in ihrer Argumentation zu einer „neuen Einsamkeit“ führen werde. Dass die sich so rasch entwickelten sozial praktizierten Gebrauchs- und Nutzungsweisen von mobiler Kommunikation einen kollektiven Druck erzeugen, dem sich der Einzelne nur schwer entziehen kann, darauf hat Santillán (2009, S. 50–53) schon hingewiesen.

Die Analysen und Annahmen zu den direkten und indirekten Wirkungen mobiler Kommunikation auf das Beziehungshandeln selbst wie auch auf die Ausgestaltung sozialer Beziehungen differenzieren sich in den letzten Jahren zunehmend aus und werden dabei unübersichtlicher und in ihren Erkenntnissen widersprüchlicher, sodass sie hier nicht weiter im Einzelnen vorgestellt werden können: Während einerseits die Potenziale einer ‚immer und überall‘ Online-Verbundenheit für die Stärkung sozialer Unterstützung und von Freundschaft betont und herausgestellt werden, wird andererseits auf einen beschleunigten, einen kleinteilig werdenden, möglicherweise auch stärker instrumentalisierten Beziehungsaustausch und deren Folgen auf die Langfristigkeit von Beziehungen, auf Vertrauen und Verlässlichkeit in Beziehungen abgehoben.

Die zunehmend vielfältiger und auch kritischer werdenden Analysen zu den Folgen einer unabhängig von zeitlichen und räumlichen Restriktionen möglichen und praktizierten Kommunikation, hat Vorderer (2015) in einem Essay systematisiert zusammengetragen. Bezüglich der Folgen für das Beziehungshandeln, worauf Vorderer fokussiert, unterscheidet er dabei folgende Argumentationsstränge (2015, S. 263–268), die hier nur mit den pointiert zugespitzten, vielleicht auch etwas plakativen Überschriften abschließend genannt werden sollen: „Erreichbarkeit ersetzt räumliche Nähe“, „Latente Konversationsfäden ersetzen Gespräche“, „Persönliche Netzwerke ersetzen Freunde“, „Reversibilität ersetzt Verbindlichkeit“, „Soziale Kontrolle ersetzt Vertrauen“, „Aufmerksamkeit ersetzt Wertschätzung“ sowie „Dabeisein ersetzt Nacherzählen“.

4.2 Schlussfolgerungen für eine Medienökonomie mobiler Kommunikation

Vorderers verdienstvolle und äußerst hilfreiche Übersicht der aktuellen Diskussionen zu einem „kommunikativen Alltag permanenter Vernetzung“ (2015, S. 259) erhebt nicht den Anspruch überschneidungsfrei zu sein, bietet jedoch gleichwohl eine gute Orientierung für weitergehende theoretische Analysen und empirische Forschungen.

Anzumerken ist allerdings, dass in dieser auf den Nutzer bezogenen handlungsorientierten Zusammenschau sowohl strukturelle Aspekte als auch Interessen und Intentionen etwa von wichtigen Akteuren der IT- und der konsumgüterproduzierenden Industrie oder auch von Gesundheitsdienstleistern und Versicherern weitgehend ausgeblendet sind. Und auch wenn Medienhandeln keinesfalls als durch technische oder organisatorische Umgebungen determiniert zu verstehen ist (Thomas und Krotz 2008), so ist gleichwohl davon auszugehen, dass Kräfte auf das individuelle Kommunikationsverhalten teils absichtsvoll beeinflussend, teils als nicht-intendierte Nebenwirkung einwirken. Nicht allein, aber in besonderem Maße beeinflussen die Bedingungen des Wirtschaftens und Arbeitens die Biografie und die Lebenspraxis der Menschen allgemein und damit eben auch die Ausformungen von gemeinschaftlichem Leben und sozialem Austausch, die Gestaltungen und auch die Bedeutungen von Beziehungen. Beispielsweise befördern Beschleunigung, Flexibilisierung und wachsende Mobilitätserwartungen einer global vernetzten und im Wettbewerb stehenden Wirtschaft neue Techniken und Praktiken der mediatisierten Kommunikation, die über die Arbeitswelt hinaus auch private Lebensbereiche sowie andere gesellschaftliche Bereiche (z. B. Bildung, Gesundheit) zu durchdringen vermögen. Und selbst wenn man argumentiert, dass sich die Subjekte ja selbst z. B. auf die Erfordernisse flexibilisierter Markterfordernisse ausrichten, so ist doch zu bezweifeln, dass sie die Konsequenzen und Wirkungen auf die eigene Biografie und sozialen Beziehungen überschauen können (Sennett 2000; vgl. auch Schröder 2008, S. 66). Mit Habermas (1982) ließe sich formulieren, dass die Dominanz der Sphäre der erwerbswirtschaftlich organisierten Arbeit (über andere Lebensbereiche) ein Eindringen der ökonomischen Logik mit Funktionalisierung und Vermarktlichung in die durch Kommunikation und Werte integrierte Lebenswelt begünstigt; und dies betrifft nachhaltig auch das mediatisierte und mobile Kommunikationsverhalten und somit das Beziehungshandeln.

Eine medienökonomische Betrachtung und Analyse mobiler Kommunikation sollte mittelfristig versuchen, diese mögliche „Kolonisierung der Lebenswelt“ (Habermas 1982), also die Rationalisierung von Lebensbereichen und -interessen nach ökonomischen Kriterien theoretisch mit bedenken – und damit eine mikroökonomisch angelegte Argumentationsgrundlage ein stückweit aufgeben. Und auch eine handlungsorientierte Perspektive sollte spezifische strukturelle Rahmenbedingungen nicht vernachlässigen und insbesondere Einflüsse der Ökonomie auf die Aneignung und Ausbildung mobiler Kommunikationspraktiken sowie die Wechselwirkungen zwischen den Akteuren auf Anbieter- und Nachfragerseite des Mobile Marktes in künftige Forschungen konzeptionell verstärkt mit einbeziehen.

Die in Abschn. 3 vorgestellte Ressourcenperspektive bietet insbesondere für die Untersuchung des mobilen Kommunikationsmarktes ein sicherlich noch weiter auszuformulierendes Argumentationsgerüst an, womit die beiden Akteursseiten des Marktes, aber auch Sphären der Vermischung bzw. Entgrenzung der beiden Seiten, darüber hinaus aber auch mögliche Einflussfaktoren auf die Akteure analytisch und empirisch zu fassen sind. Vor allem mit einer begrifflichen und theoretischen Präzisierung bzw. auch partiellen Neufassung der Bedingungs-, aber auch der Energieressourcen, etwa indem hier auch kulturelle und strukturelle Aspekte systematisiert integriert werden, könnte die bisherige starke Fokussierung auf die Verhaltensweisen mobil kommunizierender (Markt-)Akteure um strukturelle und ökonomische Einflussbedingungen ergänzt und der Blick über den einzelnen Akteur mit seinen Präferenzen und seinen Entscheidungen erweitert werden. Mit einer solchermaßen konkretisierten Perspektive könnte die Medienökonomie sich auch befruchtend z. B. in die aktuelle Diskussion um die sog. Sharing Economy, die sich mit und parallel zur mediatisierten mobilen Kommunikation entwickelt (hat) und selbst wiederum auf Kommunikationspraktiken und die Gestaltung von Beziehungen zurückwirkt, einbringen.

5 Zusammenfassung

Technologien und Medien, die in das Leben der Menschen integriert werden, führen oft auch zu Veränderungen in deren Lebensalltag, in deren Handeln und Kommunikation. Allein quantitativ ist die so sprunghaft gestiegene Verbreitung von Mikromedien zur mobilen Kommunikation schon äußerst spektakulär und damit der Untersuchung wert; mehr noch aber ist deren qualitativer Bedeutungszuwachs innerhalb von nur wenigen Jahren, der extrem rasche Aneignungsprozess mit der Herausbildung von spezifischen Nutzungspraxen als soziales Phänomen bemerkenswert. Vor allem dieser Aspekt steht im Mittelpunkt der medienökonomischen Betrachtung von mobiler Kommunikation, wobei diese auch in einen Zusammenhang sowohl mit den sich verändernden gesellschaftlichen Mobilitätsbedarfen als auch individuellen Mobilitätsbedürfnissen gestellt wird.

Theoretisch werden die innerhalb der Kommunikationswissenschaft zunehmend ausformulierten und mittlerweile breit etablierten Überlegungen zur Mediatisierung zugrunde gelegt, darauf aufbauend wird die Mediatisierung des Alltags und der alltäglichen Handlungen medienökonomisch gewendet. Ausgehend von einem vielseitig handelnden Medienakteur wird dieser in einer umfassenden Alltagsökonomie gesehen, bei dem im Grunde sämtliche Formen des Verhaltens in allen Bereichen des Alltags und eben auch eine unterstellte, die persönlichen Bedürfnisse weitestgehend befriedigende Allokation von Ressourcen mediatisiert betrieben werden. In Anlehnung an Hobfolls „Conservation of Resources“ können nämlich der Erwerb und die konkrete Nutzung von Kommunikationsgeräten zur mobilen Kommunikation so interpretiert werden, dass damit die Akteure ihnen wichtige „Dinge“ erhalten bzw. sogar aufbauen können. Die Mehrung und Minderung der vier unterschiedenen Ressourcen werden dabei in einem „Ressourcenpool“ gleichsam in einer Art Gewinn und Verlust-Rechnung bewusst oder unbewusst vom Individuum evaluiert. Zeit- und ortsunabhängige Kommunikationsmöglichkeiten mit Zeitersparnis und Vermeidung von Bewegungskosten, damit die Chance in einer komplexen Welt den Alltag flexibel organisieren und soziale Kontakte pflegen zu können, stellen in diesem Verständnis z. B. Ressourcengewinne dar, die den Akteur zu Entscheidungen veranlassen, spezifische transportable Endgeräte mit bestimmten Applikationen zu erwerben und ausgewählte, den persönlichen Präferenzen entsprechende Nutzungsweisen mobiler Kommunikation zu praktizieren. Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass möglicherweise mit manchen Entscheidungen auch nicht-intendierte, ggf. sogar unerwünschte Wirkungen (z. B. Ressourcenverbrauch) einhergehen, und die Ausbildung von Nutzungspraktiken auch Logiken folgen können, die nicht den eigenen – langfristigen – Präferenzen und Lebenszielen entsprechen. Insofern wurde abschließend dafür plädiert, dass die Medienökonomie über die akteursspezifische Analyse hinaus künftig auch konsequenter strukturelle, insbesondere ökonomische Rahmenbedingungen und Einflüsse auf das mediatisierte mobile Kommunikationsverhalten – ebenso auch Rückwirkungen vom handelnden Akteur aus – mit einbezieht. Eine noch zu leistende begriffliche Schärfung und theoretische Konkretisierung der Ressourcenüberlegungen scheint für eine Verknüpfung von Akteur und Struktur dabei fruchtbar gemacht werden zu können.

Fußnoten

  1. 1.

    Die „Zeitersparnis“ ist ein Aspekt, der angefangen von neu entwickelten E-Business-Modellen über eine effizientere Nutzung der Arbeitszeit in unterschiedlichsten Kontexten bis hin zum Mobile Banking regelmäßig explizit im Zusammenhang mit mobilen Anwendungen herausgestellt wird.

  2. 2.

    Ein Aspekt, auf den hier nicht eingegangen werden soll, ist, dass Mobile Messenger und mobiles Surfen Treiber von sog. Dark Social sind; gemeint ist damit, dass beim gezielten Teilen von Inhalten der Ausgangspunkt, zum Beispiel ein mobile Messenger, nicht ermittelt werden kann. Vgl. hierzu im selben Band das Kapitel zu Social Media Communication von Castulus Kolo.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Hochschule MacromediaStuttgartDeutschland
  2. 2.Universität ErfurtErfurtDeutschland

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