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Digitaler Journalismus

  • Leif KrampEmail author
  • Stephan Weichert
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Digitaler Journalismus beschreibt das ganzheitliche professionelle Feld journalistischer Praxis auf Grundlage digitaler Produktion, Verbreitung und Rezeption von Berichterstattung. Der vorliegende Beitrag identifiziert die wesentlichen Linien der historischen Entwicklung des Digitalen Journalismus im deutschsprachigen Raum, beschreibt technologische Determinanten, diskutiert den Zusammenhang zwischen veränderten medienvermittelten Kommunikationspraktiken und journalistischen Darstellungsformen und beschäftigt sich mit den daraus folgenden Implikationen für die Steigerung von Reichweiten und die Involviertheit von Nutzern in Bezug auf journalistische Inhalte. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Frage nach Finanzierungsoptionen für Journalismus in der digitalen Medienumgebung gelegt.

Schlüsselwörter

Journalismus Digitalisierung Internet Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) Datafizierung Digitales Storytelling Audience Engagement Geschäftsmodelle 

1 Einleitung

„Wir haben zwei Häuser. Eines brennt, und das andere ist noch nicht gebaut worden. Unser Problem ist also, dass wir die Flammen des alten Hauses löschen müssen und gleichzeitig versuchen herauszufinden, wie man das neue baut.“ Mit dieser Anekdote, die ihm ein befreundeter Zeitungsredakteur erzählte, beschreibt der amerikanische Blogger und Journalismusprofessor Jeff Jarvis (2017) in seinem Essay „Wenn ich eine Zeitung leiten würde …“ treffend das Gefangenendilemma der Presse im 21. Jahrhundert: Die alten Geschäftsmodelle und redaktionellen Arbeitsweisen der traditionellen Medienhäuser sind dabei sich aufzulösen, während noch keine genauen Baupläne für das digitale Zeitalter existieren, sondern vieles nach dem Prinzip Versuch und Irrtum ausprobiert werden muss. Im Zuge der ökonomisch-publizistischen Medienkrise und vor dem Hintergrund einer tief greifenden digitalen Transformation erleben traditionelle Medienhäuser bis dato einen Umbruch medienhistorischen Ausmaßes. Diese in Anlehnung an die vier Perioden der Journalismusgeschichte nach Baumert (1928) und Birkner (2010, 2011, 2015) als „fünfte Phase“ zu bezeichnende Revolution ist gekennzeichnet durch eine Aufwertung digitaler Kommunikationstechnologien in Kultur und Gesellschaft, einen radikalen Mediennutzungswandel und einem daraus resultierenden Strukturwandel der Pressewirtschaft als ehemaliger Treiberin und zentralem Bindeglied journalistischer Arbeit (Stichwort Zeitungssterben; vgl. Weichert und Kramp 2009; Weichert et al. 2015). Stimuliert wird die digitale Revolution unter anderem durch die „Gratiskultur“ (Schmalz 2009) im Internet sowie durch neue technologisch-publizistische Akteure, Räume und Rahmenbedingungen, etwa die Dominanz von Technologiemonopolisten aus dem Silicon Valley, aber auch durch die Entlokalisierung von Medieninhalten mittels mobiler Endgeräte sowie die Disruption des Rollenselbstbildes von Medienschaffenden und des journalistischen Geschäftsmodells, das zuvor auf Kontrolle und Verknappung von Informations- und Nachrichtenressourcen beruhte (Jarvis 2017).

Angesichts des kontinuierlichen „Strukturwandels der Öffentlichkeit“ (Habermas 1962) hat der Journalismus gleichfalls digitale Kulturtechniken adaptiert, die im Rahmen seiner handwerklichen Potenziale einen erheblichen Qualitätssprung bedeuten – etwa durch die multimedialen Möglichkeiten journalistischer Darstellungs- und Erzählweisen (Storytelling), die automatisierte Aufbereitung, Analyse und Visualisierung großer Datenmengen (Data Journalism), den Einbezug der partizipativen Leistungen seines Publikums (Audience Engagement) sowie die Aktualität des Nachrichtenflusses insgesamt (Lilienthal et al. 2014). Die Forschungsdebatte um die Transformation des Journalismus wurde unlängst unter dem Begriff „Online-Journalismus“ geführt (vgl. u. a. Altmeppen et al. 2000; Neuberger 2002; Matzen 2014; Hooffacker 2016), der sich auch in der umgangssprachlichen Verwendung in Bezug auf Berichterstattung für webbasierte Medienangebote hält. Dies beschreibt jedoch nur einen Teilaspekt des Journalismus: seinen Übertragungsweg. Im Hinblick auf die Entstehung neuer professioneller Anforderungsprofile (Data Analyst, Social Video Maker, Community Manager, Mobile Reporter, Multimedia Producer etc.) und die damit zusammenhängenden, vor allem technisch induzierten Spezialisierungen muss hier insofern von einem Digitalen Journalismus gesprochen werden, als dass mit dem Begriff „Online-Journalismus“ die epochalen handwerklichen Neuerungen sowie die redaktionell-publizistischen Innovationen unzureichend beschrieben wären.

Demgegenüber betont „Digitaler Journalismus“ eine holistische Perspektive auf die Erweiterung der Kulturpraxis des Journalismus in die Digitalität, die auf unterschiedlichen Ebenen eine Vielzahl neuer Denkweisen und Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen impliziert (vgl. Jones und Salter 2012; Witschge et al. 2016). Unter Digitalem Journalismus wird entsprechend der Einsatz von digitalen Technologien zur Recherche, Produktion, Auslieferung, Analyse und Vermarktung von journalistischen Inhalten verstanden. Dabei stellt das Internet als Infrastruktur für die journalistische Recherche, als Produktionsumgebung und als Distributions- sowie Vermarktungskanal das primäre Medienökosystem des Digitalen Journalismus dar (vgl. Nuernbergk und Neuberger 2018).

Für das journalistische Handwerk geht dies mit mehreren grundlegenden Veränderungen einher: Die Non-Linearität des Hypertextes ermöglicht die dynamische Verknüpfung von Inhalten und macht die Abgeschlossenheit von Nachrichtenprodukten wie einer Zeitung oder einer Nachrichtensendung obsolet. Die Multimedialität ermöglicht eine massive Erweiterung der Darstellungsmöglichkeiten von Inhalten, insbesondere in der Verbindung von Text, (Bewegt-)Bild und Ton. Die Interaktivität der Netzkommunikation ermöglicht einen direkten Dialog mit Nutzern und verändert darüber hinaus die Beziehung zwischen Redaktionen und ihren Publika. Gleichzeitig ist eine personalisierte Vermarktung von Inhalten an die Bedürfnisse fragmentierter Teilpublika durch die Analyse von Nutzerdaten möglich.

Das Internet fordert traditionelle Nachrichtenorganisationen jedoch nicht allein durch die veränderten Vorbedingungen des digital-vernetzten Publizierens heraus: Medienökonomisch sind Verlage und Rundfunkanbieter auch mit dem Wandel ihrer Erlösstruktur konfrontiert, der bisherige Wertschöpfungsstrategien zur Disposition stellt: Zum einen ist die Werbe- und Anzeigenvermarktung bei der digitalen Distribution erheblich verringert (v. a. TKP) und von neuen Vergütungsformen abhängig (u. a. in der Zusammenarbeit mit Social-Media-Plattformen wie Facebook und YouTube); zum anderen erweisen sich Nutzererlöse durch kostenpflichtige digitale Nachrichtenangebote in der Breite als nicht nachhaltig: Sie stoßen vor allem bei jüngeren Zielgruppen auf wenig bis gar keine Akzeptanz. Gleichzeitig haben sich genuin digitale Marktakteure (‚online-only‘) mit neuartigen Angebotskonzepten etablieren können und gestalten den Wandel des Nachrichtensektors neu aus. Entsprechend befindet sich der Digitale Journalismus auch mehr als zwei Jahrzehnte, nachdem sich das Internet auch breiteren Bevölkerungsschichten eröffnet hat, in einem fortdauernden Transformationsprozess, der von einer bis daton anhaltenden „Synthese von Tradition und Innovation“ (vgl. Kawamoto 2003, S. 3–4) gekennzeichnet ist.

2 Historischer Abriss

Mit Spiegel Online ging am 25. Oktober 1994 der Vorreiter der journalistischen Digitalisierungswende in Deutschland ans Netz (noch einen Tag vor dem US-Magazin Time) und setzte damit eine Vorwärtsbewegung der Online-Publizistik in Gang, die letztlich eine veränderte Wahrnehmung des journalistischen Rollenbildes anstieß. Die ersten kommerziellen Webbrowser machten das Internet öffentlichkeitsrelevant, Netscape (Markteinführung: 1994) und der Internet Explorer (Markteinführung: 1995) ermöglichten Nutzern den Eintritt in die digitalen Weiten eines globalen Website-Angebots. In den darauffolgenden Jahren entschieden sich immer mehr Verlage und Rundfunkanbieter dazu, eigene Präsenzen im Internet einzurichten. Aufgrund der vergleichsweise stabilen Renditeergebnisse im tradierten Verlagsgeschäft konnten viele Zeitungs- und Zeitschriftenverleger ihre Online-Ableger im ersten Jahrzehnt der Internet-Ära trotz teils umfänglicher Investition in Personal und Infrastruktur problemlos querfinanzieren. Strategischen Nutzen und publizistischen Mehrwert erkannte man im digitalen Engagement damals noch nicht. Der sogenannte Online-Journalismus galt vielen als Spielerei für Technik-Freaks oder als Werbefläche für das Printprodukt, entsprechend fanden sich auf den Websites der Verlage in der Regel Derivate der journalistischen Muttermedien statt originärer Web-Inhalte.

Die erste deutschsprachige Tageszeitung ging im Februar 1995 online: Der Standard aus Wien veröffentlichte auf seiner Website jeweils am Vorabend die Ausgabe vom nächsten Tag und wurde schnell zur meistgeklickten Nachrichtenseite in Österreich. Nur kurze Zeit später starteten in Deutschland die Burda-Tochter Schweriner Volkszeitung, die genossenschaftliche tageszeitung aus Berlin, Springers Die Welt und das Jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung mit Internetangeboten. Das Anzeigengeschäft für die neuen Online-Angebote war allerdings mangels geeigneter Konzepte nachrangig. Im Fokus der Verlagshäuser stand zunächst die Etablierung eines publizistischen Zusatzangebotes, um im internationalen Datennetz vertreten zu sein und nicht von der technologischen Entwicklung abgehängt zu werden. So starteten 1996 auch die Online-Nachrichtenwebsites der Tagesschau und des ZDF. Während Tagesschau.de aus dem Rundfunkgebührenetat finanziert wurde, konnte das Mainzer Angebote zunächst in Kooperation mit dem Microsoft-Dienst MSN verbreitet werden. 1999 gab es bereits etwa 400 Online-Medien in Deutschland (vgl. Neuberger 2000). Die ersten Jahre des Engagements von Verlagen und Rundfunkanstalten im Netz waren deutlich vom Anliegen geprägt, eine publizistische Präsenz in der fremden Medienumgebung aufzubauen, indem Zeitungsinhalte und Rundfunksendungen digitalisiert und quasi eins zu eins über die jeweilige Homepage distribuiert wurden. Eine Strategie der Wertschöpfung oder eine zielgerichtete Konzeptionierung originärer journalistischer Formate für die Online-Verwertung standen in diesen Jahren nicht im Vordergrund.

Dabei veränderte bereits die neue digitale Angebotsform an sich das Rezeptionserlebnis: Die Rubrizierung auf Nachrichten-Websites erlaubte ein aus analogen Medienangeboten bislang unbekanntes übersichtliches Navigieren durch Themen und Services. Journalistische Beiträge wurden unter ihren Schlagzeilen thematisch sortiert (später folgten zusätzlich knappe Teaser), der gesamte Inhalt (Text/Video) wurde erst nach einem Auswahl-Klick angezeigt. Nutzer konnten darüber immer tiefer in die mehrschichtige Struktur der digitalen Nachrichtenangebote eintauchen, die auf der obersten Ebene die Empfangsseite der Homepage mit wichtigen Schlagzeilen und der Übersicht über alle Rubriken bot und deren unterste Ebene die einzelnen Beiträge bereithielt, die über Hyperlinks miteinander verknüpft waren. Ein entscheidender Mehrwert im Vergleich zum analogen Medienangebot lag in der Archivfunktion der Nachrichten-Websites, die eine Volltextsuche durch die Datenbank an früheren Artikeln ermöglichte (vgl. Scott 2005).

So, wie das Internet einen Rund-um-die-Uhr-Abruf aktueller Informationen ermöglichte, wuchsen entsprechend die Anforderungen an den Arbeitstakt von Redaktionen: Nach und nach wurde auch in Zeitungsverlagen vielerorts der bereits aus dem Rundfunk bekannte Schichtdienst eingeführt, der keinen festen Redaktionsschluss vorsah, sondern die Nachrichtenproduktion zu jeder Tages- und Nachtzeit am Laufen halten sollte. Weite Teile der Nachrichtenindustrie reagierten auf die strukturellen Herausforderungen mit dem Aufbau separater Online-Redaktionen, die in der Regel über Tochtergesellschaften ausgegründet wurden und nicht der Tarifpflcht unterlagen. Die gravierende Folge: Online-Journalisten erhielten bei radikal gewandelten Arbeitsbedingungen geringere Löhne als ihre Kollegen aus den Mutterhäusern. Die aus dem Gefälle von Löhnen und Wertschätzung erwachsenden Konflikte zwischen Print- und Online-Redaktionen belasten bis heute die Unternehmenskultur und Arbeitszufriedenheit in vielen Medienbetrieben (vgl. Kramp 2015a).1

Anders als in den USA, wo mit Slate und Salon bereits Mitte der 1990er-Jahre erste reine Online-Nachrichtenmedien (‚online-only‘) gegründet wurden und sich bereits früh ein strukturell wie handwerklich genuin digitaler Journalismus ausformen konnte, der im Laufe der Zeit mit weiteren Neugründungen wie der Huffington Post (2005) und Buzzfeed (2006) globale Strahlkraft entwickelte, stand der Digitale Journalismus in Deutschland unter starkem Reglement der Presse- und Rundfunkwirtschaft. Im Jahr 2000 startete mit der Netzeitung zwar ein eigenständiges digitales Nachrichtenmedium, das in Anspruch und Anmutung eindrücklich einer ‚Online-Tageszeitung‘ glich. Die in Berlin ansässige Redaktion wurde von dem norwegischen Online-Portal-Betreiber Spray (Nettavisen) gegründet und erlebte unter anderem durch den Einbruch des Anzeigenmarktes und ein kaum entwickeltes Abonnementgeschäft jedoch eine wechselvolle Gründungsgeschichte, bis das redaktionelle Angebot durch den mittlerweile siebten Eigentümer, dem Kölner Verlagshaus M. Dumont Schauberg, 2009 endgültig beerdigt wurde.

Weitere verlagsunabhängige Neugründungen digitaljournalistischer Angebote sind im deutschsprachigen Raum ungefähr zu dieser Zeit zu beobachten, als der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger „das schwierigste Jahr in der Geschichte der Zeitungen“ (BDZV 2009) ausrief. Vornehmlich freie Journalisten gründeten etliche hyperlokale Nachrichtenmedien – darunter Ruhrbarone (2007), Regensburg-digital (2008), Altona.info (2009) das Heddesheimblog (2009), Meine Südstadt (2010) und die Prenzlauer Berg Nachrichten (2010). Doch auch die Wirtschaftlichkeit dieser eigenständigen Angebote stand unter schlechten Vorzeichen, da sich die Angebote hauptsächlich auf Bannerwerbung konzentrierten und der lokale Anzeigenmarkt hinter den Erwartungen zurückblieb (vgl. Emmerich 2010, S. 90–94; Langer 2010; Jacobs 2015), was vereinzelt zur Einstellung der Angebote führte. Gleichwohl trugen die zahlreichen Initiativen in ihrer Summe dazu bei, dass sich die Sicht der Nachrichtenbranche auf die Blogosphäre grundlegend veränderte: So ist eine jahrelange Skepsis gegenüber der mit Amateurhaftigkeit konnotierten Bloggerkultur, die aus Sicht mancher Branchenvertreter eine Gefahr für den Journalismus darstellen könnte (vgl. Steppacher 2006; Brauck und Müller 2009), einem neugierigen Interesse für die Besonderheiten netztypischer Kommunikations- und Darstellungsformen gewichen. Zudem ist mit fortschreitendem Mediennutzungswandel in jüngeren Bevölkerungsteilen und durch die Dominanz von Social-Media-Diensten eine starke Ausformung publizistischer Prinzipien festzustellen, die vormals insbesondere mit der Blogosphäre konnotiert waren, etwa Subjektivität, Transparenz, Vernetzung und Interaktion sowie eine generell stärkere Orientierung an der Kommunikation von Amateuren im Netz (vgl. Lasica 2003; Kramp und Weichert 2017).

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die jüngere Entwicklung im Digitalen Journalismus hat die Monopolstellung der Internetkonzerne Google und Facebook: Weil ein wesentlicher Teil der Nutzungsdauer weiter Bevölkerungskreise auf die Plattformen und Dienste der beiden Tech-Unternehmen bzw. deren Ableger (z. B. Instagram, WhatsApp und YouTube) entfällt, arbeitet ein Großteil der Nachrichtenbranche an Formaten, bei denen journalistische Inhalte für die betreffenden Social-Media-Angebote ansprechend aufbereitet werden. Dies betrifft die inhaltlich angepasste Produktion von Texten (Suchmaschinenoptimierung, SEO), die Erprobung neuer Darstellungsformen (siehe Abschn. 4), die Analyse von Nutzerdaten, aber auch die direkte Zusammenarbeit mit Google und Facebook zur Distribution von Inhalten und deren Vermarktung (z. B. Google Accelerated Mobile Pages/AMP und Facebook Instant Articles).

3 Technologische Determinanten

Die Orientierung an dem, was technologisch möglich ist, hat die Vordenker der journalistischen Praxis schon immer motiviert: die Erfindung der Massenpresse, die Radiotechnik, das Fernsehen, später die Möglichkeit der Live-Übertragung und schließlich die Verbreitung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) stießen jeweils Kaskaden von Innovationen bei der Produktion und zum Vertrieb von Nachrichten an. Der jüngere Medienwandel und die Weiterentwicklung des Journalismus mit den Produktionsmitteln der Digitalisierung wurden nicht selten als „digitale Revolution“ bezeichnet (vgl. Dotzler 2005, S. 14; Prantl 2010, S. 9; Weischenberg 2018, S. 273) oder als permanente Umwälzung (vgl. Blau 2013).

Weil sich Digitaler Journalismus durch seine technologisch dominierten Merkmale als dynamischer und ‚unabgeschlossener‘ darstellt als Printerzeugnisse, mussten die meisten journalistischen Anbieter die neuen Publikationsrhythmen und prozesshaften Arbeitsweisen, aber auch den Dialog mit ihren Nutzern verinnerlichen. Journalisten können sich nunmehr auch als Kuratoren und Koordinatoren von digitalem Content betätigen sowie als Moderatoren und Manager von Teilöffentlichkeiten, die sich vor allem in populären sozialen Netzwerken wie Facebook und YouTube konstituieren. Hinzu kommt, dass Journalismus bereits seit den 1980er-Jahren nicht nur ein computergestützter Beruf ist, sondern zunehmend als technikdeterminiert erscheint: Die in vielen Redaktionen inzwischen eingesetzten technischen Hilfsmittel, Werkzeuge und Content-Management-Systeme könnten das Leitbild des Journalismus allmählich überformen und die hergebrachten Normen und deren Tätigkeitsprofile von Grund auf verändern (Lilienthal et al. 2014).

Die Digitalisierung als technologischer Transformationsprozess hat zum einen eine fundamentale Veränderung der Nachrichtenproduktion als auch des Medienkonsums eingeläutet, verändert zum anderen aber auch die organisatorischen und sozialen Strukturen im Journalismus (vgl. Klinenberg 2005; Hermida 2014; Kramp und Weichert 2012; Kramp et al. 2013; Meijer und Kormelink 2015; Paulussen 2012). Seit den 1990er-Jahren sind die Herausforderungen des Journalismus mit der Verbreitung des Internet als globaler Informationsinfrastruktur und den damit einhergehenden kommunikativen Vorbedingungen des gesellschaftlichen Gesprächs verbunden (vgl. Allan 2006). Mit Hasebrink und Hepp (2016, S. 4–5) lassen sich fünf übergreifende Trends der sich verändernden Medienumgebung beschreiben, die in der digitalen Transformation des Journalismus eine hervorgehobene Rolle spielen (vgl. auch Kramp 2015b; Kramp und Loosen 2017):
  1. 1)

    Digitale Technologien ermöglichen eine weit verzweigte Konnektivität auf unterschiedlichen Ebenen: Journalisten können mit technischen Hilfsmitteln effizient orts- und zeitübergreifend zusammenarbeiten wie z. B. in Form internationaler Rechercheverbünde wie im Falle der „Panama Papers“ (vgl. Heft et al. 2017). Darüber hinaus sind journalistische Inhalte und ihre Datengrundlage weitreichend untereinander verknüpfbar und ermöglichen dadurch eine umfassende, tief greifende und kontextualisierte Informationsvermittlung. Zudem gibt es vielgestaltige neue kommunikative Verbindungen zwischen Journalisten und der Bevölkerung, sowohl in Bezug auf die Journalismus-Publikums-Beziehung als auch im Hinblick auf die journalistische Recherche.

     
  2. 2)

    Digitale Technologien ermöglichen Omnipräsenz: von journalistischen Beiträgen (Text/Bild/Video), die über leistungsfähige mobile Endgeräte (u. a. Smartphones) nahezu überall abgerufen werden können; aber auch von einer Vielzahl anderer Informationsquellen und Kommunikationsinhalte, welche die öffentliche Kommunikation im digitalen Zeitalter prägen. Das Netz animiert auch zum mobilen Publizieren in Echtzeit: Digitale Übertragungsmöglichkeiten machen technisch ausgereifte Berichterstattung mithilfe des Smartphones möglich (vgl. Staschen 2017) und prägen damit in fundamentaler Weise das Rezeptionserleben, aber auch die Erwartungshaltung gegenüber der Leistungsfähigkeit der omnipräsenten Nachrichtenvermittlung.

     
  3. 3)

    Mittels digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien ist eine fortlaufende Differenzierung von Medienangeboten und kommunikativen Praktiken zu beobachten, die beispielsweise in Form von emergierenden Social-Media-Diensten zur wechselseitigen Kommunikation (z. B. Chat-Apps), Vergemeinschaftung (z. B. Social Networking) oder Wissensorganisation (z. B. Suchmaschinen-Alerts) entwickelt werden.

     
  4. 4)

    Der Innovationszyklus von Medientechnologien erfährt eine immer stärkere Beschleunigung: Sowohl die Technologie selbst als auch die mit ihr entwickelten Medienangebote sowie deren Nutzung durch das Publikum sind einem permanenten Wandel unterzogen und erfordern aufseiten von Nachrichtenanbietern eine flexible wie agile Strategie organisationalen Lernens, um den Wandel von Technologie und der Medienumgebung gestalterisch zu begleiten und zu antizipieren.

     
  5. 5)

    Die zunehmende Datafizierung des digitalen Mediennutzungsverhaltens ermöglicht eine Erfassung, Auswertung und Vermarktung von digitalen Spuren z. B. in Form von Klickraten und Social-Media-Analytics, um Nutzungspräferenzen sowohl individuumsbezogen als auch in Bezug auf soziale Dynamiken und den Grad der Involviertheit zu ermitteln.

     

Gegeben sind mit diesem aufscheinenden Technikprimat auch Gefahren einer digitalen Monokultur, die beispielsweise durch Algorithmen (bspw. Suchmaschinen, Social Bots) geprägt ist. Gerade im Rechercheverhalten von Journalisten ergeben sich trotz großer Vorteile der Digitalität – etwa des Zugangs zu Primärquellen, der Auswertung von Daten, der Barrierefreiheit zu journalistischen Angeboten und der Attraktivität multimedialer Vermittlungsmöglichkeiten – neue technologische Zwänge, die auch die Denk- und Arbeitsweisen von Journalisten maßgeblich beeinflussen (vgl. Lilienthal et al. 2014). Die implizierten Dysfunktionalitäten sind ernst zu nehmen: Beispielsweise beeinflusst Google schon durch seine Page-Ranks und die Link-Popularität inzwischen in hohem Maße viele Recherchevorgänge in Redaktionen und damit die Genese von Inhalten – ein (ungewollter) Filter- und Zensureffekt. Dass die Algorithmisierung journalistischer Handlungen und der grundständige Technikeinsatz zu einer weiteren Verbreitung automatisierter Verfahren führen wird, die unter anderem unter dem Begriff „Roboterjournalismus“ diskutiert werden, sind wahrscheinliche Szenarien (vgl. Carlson 2015; Matzat 2017a). Auch dass weitere, nicht speziell für den journalistische Einsatz entwickelte digitale Technologien und Tools in das redaktionelle Standardrepertoire aufgenommen werden, steht dabei außer Frage.

4 Veränderte Kommunikations- und Darstellungsformen

Das Besondere am Onlinejournalismus sieht Nea Matzen (2014) in den multimedialen, per Hypertext verknüpften Darstellungsformen: von Zeitleisten bis Dossiers übers Blog, Integration von nutzergenerierten Inhalten, mobile Echtzeitberichterstattung, Visualisierung komplexer Daten bis hin zu Bilderstrecken mit Bild und ohne Ton, Web-Videos und Social TV, animierten Grafiken und weiteren Anwendungen, die Text, Audio und Video miteinander verbinden. Es scheint, als „könne“ Online-Journalismus „eigentlich alles“ (Matzen und Rosenberg 2015). Tatsächlich ist der Digitale Journalismus vor dem Hintergrund seiner technologischen Möglichkeiten als eine hoch dynamische Praxis zu verstehen, die nicht allein auf die Veröffentlichung und Distribution von abgeschlossenen Inhalten fixiert sein muss, sondern diese aktualisiert, individualisiert und eine sich darauf beziehende Anschlusskommunikation induziert.

Nichtsdestotrotz ist im Digitalen Journalismus eine vorherrschende Orientierung an hergebrachten journalistischen Funktionszuschreibungen, Prinzipien, Werten und Nachrichtenfaktoren festzustellen (vgl. Weischenberg 2018, S. 259 ff.). Erst nach und nach bilden sich neue journalistische Vermittlungsmuster aus, welche die klassischen Darstellungsformen um neue Merkmale ergänzen, etwa informierende und unterhaltende Formen beim journalistischen Einsatz von Direct-Messaging-Diensten oder Chat-Apps auf der einen und Social-Video- oder spielerischen Formaten auf der anderen. Maßgeblicher Treiber hierbei sind die gewandelten Kommunikationsformen im Social Web. Dabei verläuft die redaktionelle Entwicklung und Anwendung neuer Kommunikations- und Darstellungsformen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten: Während in traditionellen Zeitungsredaktionen Beharrungskräfte überwiegen, die das Change Management zum Stocken oder erliegen bringen (vgl. Weichert et al. 2015), kommen insbesondere von der Peripherie des Nachrichtensektors Impulse für neue Wege in der Ausbringung journalistischer Inhalte: Start-ups, gemeinnützige Projekte, Softwareentwickler und zur eine große Zahl individueller Pioniere, die der Wille zur Verbesserung und zur Neuerfindung journalistischer Darstellungsprinzipien vor dem Hintergrund digitaler Möglichkeiten antreibt, beleben seit einigen Jahren die internationale Innovationsdebatte und -praxis im Journalismus (vgl. Kramp 2016). Daraus haben sich in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Reihe neuer Einflüsse im Journalismus ergeben, beispielsweise mittels Sensoren (vgl. Maas 2015), Drohnen (vgl. Gynnild 2014), sogenannten „Newsgames“ (vgl. Bogost et al. 2010; Meier 2017) oder auch eines „Algorithmus-Journalismus“ (vgl. Pearson und Kosicki 2017).

Bislang standen bei der Entwicklung innovativer Vermittlungsansätze vor allem narrative Formate im Vordergrund: Als internationales Vorbild für ein gelungenes digitales Storytelling (vgl. Sturm 2013), das sowohl die multimedialen Potenziale als auch die Anforderungen mobiler Rezeption und intuitiver Navigation erfüllte, fungierte das von der New York Times veröffentlichte Feature „Snow Fall: The Avalanche at Tunnel Creek“, das etwa zehn Monate nach dem Ereignis mittels Text, Videos, Fotos und Animationen akribisch den Ablauf, die Hintergründe und die Folgen eines Lawinenunglücks im US-Bundesstaat Washington rekonstruierte (Branch 2012; vgl. Dowling und Vogan 2015). Die Navigation durch die sechs Abschnitte des Features erfolgt durch Scrollen am Computer oder Wischen am Smartphone oder Tablet. Das sogenannte „Scrollytelling“ (Wolf und Godulla 2015) hat sich als lineare und vertikal ausgerichtete Darstellungsform dank zahlreicher Software-Tools nicht nur für aufwendige Langformen wie Web-Reportagen, Dokumentationen und Features etabliert, sondern kommt auch in kürzeren multimedialen Beiträgen zur Anwendung, in denen trotz vorgegebener Reihenfolge der Erzählelemente eine „elastische Erzählstruktur“ (Godulla und Wolf 2017, S. 56) für den Nutzer erlebbar wird.

Eine ähnliche Entwicklung ist am sogenannten „Datenjournalismus“ (Matzat 2016; Weinacht und Spiller 2014) zu beobachten, dessen Anforderungen und Methoden redaktionell zunächst als kaum zu bewältigen erschienen und eine Auslagerung der Software-Entwicklung an externe Dienstleister erforderlich machten (Außerhofer 2015). Ressourcenintensive Veröffentlichungen wie die Visualisierung der digitalen Vorratsdatenspeicherung anhand der Mobiltelefondaten des Grünen-Abgeordneten Malte Spitz bei Zeit Online oder von Zugverspätungen der Deutschen Bahn bei Süddeutsche.de („Zugmonitor“) waren frühe Leuchtturmprojekte, die sich kleinere, insbesondere Regional- und Lokalmedien nicht leisten konnten. Allerdings erfuhr die Praxis der Datenerhebung, -auswertung und -aufbereitung – in unterschiedlichen Umfängen und Abstufungen – im Laufe der Zeit nach und nach eine verbreitete redaktionelle Aneignung und wird mittlerweile, auch durch die Rekrutierung entsprechend geschulten Personals, in vielen Redaktionen umgesetzt, um digitale Daten mittels (animierter) Infografiken und interaktiven Anwendungen zu veranschaulichen. Die Etablierung des Datenjournalismus zeigt sich damit weniger an eigens eingerichteten Daten-Redaktionen wie beim Bayerischen Rundfunk oder der Berliner Morgenpost, sondern vielmehr an einer Routine im Umgang mit statistischen Verfahren und Software-Tools zur Datenvisualisierung als auch einer daraus folgenden Integration der entsprechenden Vermittlungsformen in den journalistischen Werkzeugkasten, was durchaus als Ausdruck einer journalistischen Neuperspektivierung verstanden werden kann (vgl. Matzat 2017b).

Unter welchen Voraussetzungen beim Einsatz digitaler Technologien in der journalistischen Praxis nach gewisser Zeit eine Phase der Normalisierung eintritt und welche Rolle Pioniere im Journalismus und seinen benachbarten Feldern bei der Durchsetzung neuer Kommunikations- und Darstellungsformen generell spielen, ist weithin unerforscht. Übergreifend dürften allerdings Erwägungen der Rentabilität eine hervorgehobene Rolle spielen, auch im Hinblick auf die Relevanzbeurteilung des Datenjournalismus für den aktualitätsgetriebenen Nachrichtenjournalismus und eher experimenteller angelegter, narrativ orientierter (Hintergrund-)Berichterstattung. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass aufwendige datenjournalistische Veröffentlichungen durch ihre technologische Komplexität bisweilen (noch) nicht nativ in die bestehenden Content-Management-Redaktionssysteme eingebunden werden können und damit nicht direkt in die Reichweitenmessung und Anzeigenvermarktung einfließen. Insofern richtet sich die redaktionelle Adaption solcher datengetriebenen Kommunikations- und Darstellungsformen hauptsächlich nach den plattformspezifischen Anforderungen beim crossmedialen Vertrieb von Inhalten.

5 Audience Engagement

Wechselseitige Medienkommunikation hat durch die Aufwertung von Social Network Sites (SNS) und digitaler Kommunikationsdienste im Social Web in den Medienrepertoires der Bevölkerung global eine hohe Aufwertung erfahren. Vor allem jüngere Bevölkerungsteile nutzen soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder YouTube und Messaging-Dienste wie WhatsApp und Snapchat zum direkten Austausch mit ihren sozialen Peers sowie zur Information und Unterhaltung (vgl. die jährlichen Erhebungen der JIM-Studie, z. B. MPFS 2016). Angesichts der Ambivalenz und Wandelbarkeit öffentlicher Kommunikation sowie der individuellen Informationsgewohnheiten bemerkt der Mediensoziologe Mark Deuze nachgerade eine ‚Verflüssigung‘ des Journalismus: Ein solcher „liquid journalism“ (Deuze 2008) folge den Vorzeichen der Netzwerkgesellschaft und fungiere – direkter als jemals zuvor – als „amplifier of the conversation society has with itself“ (ebd., S. 848). Diese ‚Verflüssigung‘ des Journalismus bedeutet eine teilweise Verabschiedung von seinem massenmedialen Selbstverständnis (Ryfe 2012, S. 146), vor allem eine Erweiterung des Produktverständnisses von Journalismus um eine Prozess- bzw. Dienstleistungsperspektive (vgl. Oswald 2013; Jarvis 2017). Dies hat Auswirkungen auf das Innovieren einer Reihe redaktioneller Arbeitsprozesse (z. B. Open Newsroom Crowdsourcing), handwerklicher Konventionen (z. B. Blogging, Mobile Journalism) und neuer, aber bereits etablierter Berufsrollen (z. B. Social Media Redakteur, Community-Manager). Dabei sind moderierende und kuratierende Ansätze zentraler als rein informierende und unterhaltende Leistungen.

Vor allem die Interaktionsmöglichkeiten im Verhältnis zum Publikum müssen als eine der chancenreichen Umwälzungen im Journalismus gelten, da sie vollkommen neue Voraussetzung für eine Publikumsintegration „auf Augenhöhe“ (Dialogisierung) ermöglichen. Dementsprechend wird das Handwerk digital arbeitender Redaktionen wesentlich davon dominiert, dass Nutzer über den gesamten Tag verteilt permanent informiert und ihre Anfragen beantwortet haben wollen – das bedeutet: Nie hatten Journalisten und Redakteure intensiveren Publikumskontakt, auch im Sinne eines Feedbacks: Dieser Dialog impliziert für Journalisten des Öfteren Meinungen sowie Hinweise, die zur Fortschreibung journalistischer Geschichten und zur Recherche bzw. zur Umsetzung zielgruppenspezifischer Beiträge dienlich sein können. Das Publikum wird somit in seiner Funktion als Themenlieferant, Ko-Rechercheur, Diskutant und Distributeur von Inhalten immer mehr zum Kernfaktor des journalistischen Produktionsprozesses.

Die Wiederentdeckung des Publikums als zentralem Akteur für die digitale Berichterstattung (vgl. Schmidt und Loosen 2014) werden in der Kommunikationswissenschaft unter den Begriffen „partizipativer Journalismus“ (vgl. Singer et al. 2011; Sehl 2013), „kollaborativer Journalismus“ (vgl. Bruns 2005), „reziproker Journalismus“ (vgl. Lewis et al. 2014) und „Netzwerkjournalismus“ (vgl. Heinrich 2011) diskutiert. Sie schließen an die Ideen und Konzepte des „Civic“ bzw. „Public Journalism“ (vgl. Black 1997) an: Im Vordergrund steht hierbei die Einbeziehung von Nutzern in die journalistische Praxis, die effizienter als jemals zuvor mit Redaktionen oder einzelnen Journalisten in Kontakt treten. Der ebenfalls nicht neue, aber im Zuge der Social-Media-Orientierung weit verbreitete Begriff des „Audience Engagement“ meint darüber hinaus eine Reaktivierung von Nutzern in der Auseinandersetzung mit journalistischen Inhalten. Eine Eingrenzung des Begriffs blieb allerdings bislang aus: Bezogen auf den redaktionellen Kontext beschreibt Audience Engagement im Regelfall Maßnahmen der Reichweitenoptimierung durch Analyse, Betreuung und Aufbau neuer Nutzer-Communities mittels Social Media (vgl. Assmann und Diakopoulos 2017; Renner 2017).

Die vielzähligen Plattformen und Kommunikationsdienste des Social Webs, für die und über die Journalismus produziert, genutzt und verteilt wird, ergänzen die kommunikativen Möglichkeiten traditioneller Massenmedien in dieser Hinsicht vielfältig. Sie eröffnen zahlreiche neue Optionen des Austauschs zwischen Journalisten und ihren Publika. Eine Konsequenz ist eine verstärkte Konnektivität zwischen Journalisten und Publikum sowie die Allgegenwart des Publikums-Feedbacks: Nachrichtenorganisationen müssen mit einer wachsenden Zahl von Nutzer-Kommentaren umgehen, die sie über diverse Feedback-Kanäle ihrer Websites und Social-Media-Ableger erreicht. Die Verwaltung dieser Kanäle schafft einerseits neue journalistische Berufsrollen, andererseits verändert die Interaktion mit Nutzern auch Arbeitsprozesse in Redaktionen und den Umgang mit dem Publikum insgesamt (vgl. Loosen und Schmidt 2012; Loosen 2016).

Auch wenn dieser Prozess weder linear verläuft noch in allen Redaktionen mit gleichbleibender Stringenz oder Vehemenz verfolgt wird ist davon auszugehen, dass dem Publikum im Digitalen eine zentralere und aktivere Rolle zukommt als im traditionellen massenmedial und monologisch bzw. linear geprägten Journalismus, in dem das Publikum eher eine abstrakte Größe bzw. eine große „Unbekannte“ (Noelle-Neumann 1971) gewesen ist. Dementgegen weisen die Anforderungen gegenüber dem Digitalen Journalismus zunehmend dialogisch-interaktive Aspekte auf, wodurch die journalistische Vermittlungsleistung flexibler und abwechslungsreicher wird.

Die (systematische) Messbarkeit der Publikumsaktivität im Internet insbesondere über Social-Media-Monitoring kompensiert dabei teilweise aus der Zersplitterung des Publikums erwachsene Schwierigkeiten, erfordert jedoch neue Ansätze sowohl in der redaktionellen Zielgruppenansprache als auch in der Anzeigenvermarktung. Die Dynamisierung der Journalismus-Publikums-Beziehung(en) in der digitalen Medienumgebung hat die statische Unterscheidung zwischen Produzent/Sender und Empfänger längst obsolet werden lassen. Dies fordert journalistischen Akteuren und Organisationen einen fortlaufenden Lernprozess ab, der durch die rasanten Veränderungen der Mediennutzung stimuliert wird: Da Social Media sowohl in der privaten als auch in der öffentlichen Kommunikation relevanter geworden sind, was insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchschlägt, verfolgen Journalisten unterschiedliche Anpassungsstrategien, um ihr Leistungsspektrum plattformübergreifend an den Publikumszuspruch anzupassen oder gar konsequent vom Publikum her zu denken (vgl. Lee und Chyi 2014). Die Weichenstellung folgt der konsequenten Öffnung des journalistischen Arbeitsprozesses, um die Nutzererwartungen und -präferenzen stärker und differenzierter bei der Vermittlung von Inhalten zu bedenken und das Publikum zur Teilhabe an der öffentlichen Debatte einzuladen.

Diese Adaption stellt nicht nur Chancen rein ökonomischer Natur in Aussicht, indem Journalisten Nutzer dort abholen, wo diese es gewohnt sind, ihre Meinung zu äußern, Wünsche und Kritik zu formulieren und mitzugestalten, was sie interessiert. Eine solche dialogische Annäherung an das Publikum, seine Fragen, Interessen und Bedürfnisse bietet auch eine Schärfung des öffentlichen Bewusstseins für die Rolle des Journalismus, die Verteidigung journalistischer Werte zur Herstellung kritischer Öffentlichkeit und eine nachhaltige Stärkung der gesamtgesellschaftlichen Integrationsfunktion des Journalismus im Informationsökosystem. Allerdings bergen die Teilhabe des Publikums und die direkte Kommunikation auch Herausforderungen: Die Ausarbeitung eines entsprechenden Leistungsportfolios erhält auch eine normative Dringlichkeit, da bei der im Social Web ausgelebten Debattenkultur eine zunehmende Skepsis, Radikalisierung sowie dysfunktionale Beziehungen bestimmter, empirisch nur schwer einzugrenzender Bevölkerungskreise gegenüber gesellschaftlichen Institutionen wie politischen Parteien, aber auch Nachrichtenorganisationen oszilliert, die sich unter anderem in der Verbreitung sogenannter ‚Fake News‘ (vgl. Ruß-Mohl 2017), aber auch Hasskommentaren und Hate Speech äußert (vgl. Brodnig 2016). Der Umgang mit Störern („Trollen“) ist in gleich mehrfacher Weise journalistisch heikel: Sie können mit Hassrede (Shitstorms) das Gesprächsklima innerhalb einer Community vergiften, die journalistischen Absender verunglimpfen und damit die redaktionell motivierte zivilgesellschaftliche Debattenkultur unterminieren (Weichert 2014a, 2015, 2016a).

Trotz des bisweilen vorherrschenden Negativismus in journalistischen Foren eröffnen sich für Nutzer journalistischer Angebote immer neue und erfinderische Wege, an einem Diskurs in enger Verbundenheit mit den journalistischen Akteuren teilzuhaben. Dass Journalisten und ihre Nutzer näher zusammenrücken ist mithin ein Trend, der sich durchzusetzen scheint. Mit Blick auf führende Nachrichtenanbieter wie Spiegel Online, Bild.de, Tagesschau.de, Welt.de, Süddeutsche.de, Freitag.de, Zeit Online, FAZ.net und einer Reihe weiterer Angebote werden Mediennutzer stärker untereinander vernetzt, und zwar nicht ausschließlich durch Kommentarspalten, sondern durch die aufwändige Pflege der Nutzer-Gemeinschaften auf externen sozialen Plattformen wie Facebook, Twitter und – mit wachsender Bedeutung – WhatsApp. Dieses Community Building wird schon aus wirtschaftlichem Eigeninteresse betrieben, denn offenbar existiert die Hoffnung, dem journalistischen Angebot einen clubähnlichen Charakter zu verleihen zu können und damit mittelfristig die Zahlungsbereitschaft der Nutzer zu stimulieren. Doch selbst bei den innovativen Anbietern gibt es erst wenige Eigenformate, mit deren Hilfe Nutzer aktiv in einen Dialog treten und mitwirken können. Experimente wie das Blog „Die Recherche“ von Süddeutsche.de oder das Geschichts- und Zeitzeugen-Portal „einestages“ von Spiegel Online bilden die Ausnahme. Aber selbst hier ist es so, dass Redaktionen die Kontrolle über die Themenfindung und -verbreitung innehaben, nicht die Nutzer.

Dass Social-Media-Aktivitäten zunehmend zur journalistischen Leitwährung werden, vor allem um jüngere Zielgruppen mobil zu attachieren, zeichnet sich bei wirtschaftlich erfolgreichen Journalismus-Hybriden wie Buzzfeed, Vice oder Huffington Post ab: Hier werden nicht nur die Bedürfnisse und der Traffic der Community anhand von Daten eingehend studiert, sondern es fließen auch deren Abstimmungsverhalten und Kommentare unmittelbar in den journalistischen Produktionskreislauf ein. Leserkommentare bei Facebook zu moderieren oder Trending Topics bei Twitter zu bedienen, hat für diese Redaktionen eine existenzielle Bedeutung. Audience Engagement wird dabei als radikalisierte Form professioneller Einbindung und Bindung der Nutzer verstanden. Hierzulande befinden sich dezidiert an einem Nutzerdialog interessierte Innovationsprojekte wie die crowdfinanzierte Plattform Krautreporter das Kuratierungsportal Piqd oder das stiftungsfinanzierte Recherchebüro Correct!v derzeit im Experimentierstadium. Auch sie denken – jedes Angebot auf seine Weise – den Clubcharakter sowie die zivilgesellschaftliche Öffnung ihrer journalistischen Inhalte im Sinne eines Open Journalism von vorne herein mit (Weichert 2014b; Olsen 2013).

6 Finanzierung von Journalismus

Den von technischen Innovationen, dem kommunikativen Wandel in Kultur und Gesellschaft und der erstarkten Rolle des Publikums induzierten Transformationslinien im Digitalen Journalismus stehen disruptierte Geschäftsmodelle und rückläufige Nutzerzahlen gerade bei jüngeren Zielgruppen-Clustern gegenüber (vgl. Phillips 2015), Diese schränken die Agilität, aber auch den Enthusiasmus in der Nachrichtenbranche ob des Transformationsdrucks ein und begründen eine „institutionelle Krise“ (vgl. Cohen 2015). Dass „im Internet [...] unter den gegebenen Umständen und bis auf weiteres kein Geld zu verdienen“ sei (Range und Schweins 2007, S. 35) oder der Online-Journalismus – auch durch die ökonomischen Zustände – „kaputt“ sei, wie eine Gruppe von Journalisten in einer Kampagne zur finanziellen Unterstützung ihres digitalen Magazins Krautreporter kritisierte (vgl. Schächtele 2017, S. 369), entspricht zwar nicht unbedingt der tatsächlichen Lage des Medienmarktes. Dennoch beeinträchtigen wirtschaftliche Konvulsionen die strukturelle Leistungsfähigkeit des journalistischen Systems (vgl. Lobigs 2016, 2018).

Gleichwohl wird sich der Großteil journalistischer Angebote auch in Zukunft über den Markt finanzieren (müssen). Dies bedeutet für den Großteil digitaler Verlagsangebote eine Quersubventionierung aus Erlösen des in seine wirtschaftlichen Schranken verwiesenes Printgeschäfts. Auch aus diesem Grund haben sich Verlage zu digitalen Medienhäusern entwickelt (vgl. Kansky 2013). Andere entwickeln sich seit der Wirtschaftskrise zu „hohlen Organisationen“ (vgl. Sydow 2010, S. 402), die sich weitgehend Freiberuflern bedienen, um ihre betrieblichen Ziele zu erreichen. Während etablierte Nachrichtenmedien versuchen, ihre Organisationsstrukturen an eine sich ständig verändernde Medienumgebung anzupassen, wächst zugleich der Wettbewerb mit journalismusfremden Informationsanbietern (vgl. Carlson und Usher 2016). Um neue Zielgruppen ohne bestehende Markenbindung zu erreichen und Vermarktungsoptionen auszuweiten, haben Nachrichtenorganisationen verschiedentlich sogenannte ‚Verticals‘ gestartet: Solche unterschiedlichen themenspezifischen Websites unter einem Dach, die als eigene Sub-Marken die Reichweite des Medienunternehmens erhöhen, sind wesentlicher Bestandteil von Innovationsstrategien u. a. der New York Times (Snyder 2017) und Vox.com (Kramp und Weichert 2017, S. 281–285), aber auch deutscher Mediengruppen wie Madsack (Schmidt 2017). In Einzelfällen findet indes eine Neuorientierung und Schwerpunktverlagerung in einstmaligen Pressehäusern statt: Der Axel Springer Konzern hat vorgemacht, wie aus einem führenden Zeitungshaus ein global agierender Digitalkonzern werden kann, dessen publizistisches Profil nicht mehr vorrangig aus Zeitungs- und Zeitschriftentiteln abgeleitet wird, sondern an internationalen Beteiligungen in der Digitalwirtschaft, bei denen das Nachrichtengeschäft nur noch einen Randaspekt eines hochdiversifizierten Medienmenüs darstellt (vgl. Burgelman und Müffelmann 2016).

International ist ein zunehmendes Aufkommen von verlagsunabhängigen Journalismus-Projekten, -Initiativen und Start-ups festzustellen, die auf eine tendenzielle Ent-Institutionalisierung journalistischer Praxis hindeuten. Die vorrangig in den USA betriebene Start-up-Kultur hat eine neue unternehmerische Ideologie freigesetzt, indem Investments in journalistische Unternehmensgründungen an ihrer effizienten Skalierbarkeit, also einem schnellen Wachstum (mit möglichem Exit), gemessen werden. Dies kann die Unabhängigkeit, redaktionelle Traditionen und Werte sowie die Verantwortung der beteiligten Journalisten unterminieren (vgl. Chadha 2016). Bisher ist der Begriff des „Entrepreneurial Journalism“ (vgl. Marsden 2017) unklar und seine Implikationen auf die vormals getrennten Domänen betriebswirtschaftlichen und redaktionellen Handelns in Nachrichtenorganisationen ungewiss (vgl. Singer 2017a, b; Vos und Singer 2016).

In Deutschland hat sich, anders als in den USA, bislang außerdem keine eigene Start-up-Kultur im journalistischen Feld etabliert. Unabhängige Unternehmensgründungen haben im deutschsprachigen Raum – trotz einzelner Investmenterfolge wie beim Mainzer Merkurist (vgl. Penke 2017) – (noch) kaum nennenswerte Relevanz (vgl. Buschow 2018). Hier kurbeln vielmehr international erfolgreiche Start-ups wie Huffington Post, Business Insider oder Politico den Wettbewerb an, indem diese mit etablierten Medienhäusern wie Burda und Springer kooperieren. Zuweilen gibt es jedoch auch eigenständige Markteintritte wie im Falle von Buzzfeed, Refinery29 oder Vice. Einige der jüngeren journalistischen Start-ups wie das auf dem deutschen Markt vertretene US-amerikanische Lifestyle- und Frauen-Magazin Refinery29 orientieren sich in ihrem unternehmerischen Auftritt an Marketing-Agenturen: Um im ökonomischen Wettbewerb zu reüssieren, bietet Refinery29 Werbekunden über eine hauseigene Agentur Branded Content an. Diese in enger Zusammenarbeit mit der Redaktion erstellte und aufbereitete Werbeform dient auf der eigenen Website, aber auch auf Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram dazu, Produkte und Waren beispielsweise über Events zu vermarkten (vgl. Kramp und Weichert 2017, S. 247–258).

Bis auf weiteres verspricht die Entbündelung journalistischer Angebote keine tragfähige Finanzierung etablierter Medienstrukturen. Die Marken-Importe aus den USA haben deshalb auch in Deutschland nicht nur einen publizistischen Wettstreit um die Gunst junger Zielgruppen entfacht, der den Innovationscharakter redaktioneller Kommunikations- und Darstellungsformen antreibt, sondern auch den Einsatz unkonventioneller Werbe- und Marketingmaßnahmen wie Native Advertising und Content-Marketing erst hoffähig gemacht (vgl. Weichert und Kramp 2017).

Journalistische Strukturen werden inzwischen auch durch das so genannte Crowdfunding subventioniert, allerdings kann diese Finanzierungsform nicht die Milliardenverluste auf dem Zeitungsmarkt kompensieren (vgl. Keller und Eggert 2015). Die kollektive Finanzierung von Journalismus durch Nutzerspenden hat sich vor allem bei organisationsunabhängigen Gemeinschafts- oder Einzelprojekten als probat erwiesen: Hierbei werden Journalisten als Individuen oder Teams mit einer festgelegten Spendensumme gefördert. Diese Form der ‚Schwarmfinanzierung‘ ermöglicht es beispielsweise freischaffenden Berichterstattern sich zusätzlich zu regulären Redaktionsaufträgen direkt von interessierten Nutzern fördern zu lassen, um eine bestimmte Themenrecherche durchzuführen und darüber persönlich zu berichten. Prominente Beispiele für erfolgreiches Crowdfunding sind in Deutschland die Krautreporter (siehe oben), die mittlerweile eine Mitglieder-Genossenschaft gegründet haben, das hyperlokale Blog Prenzlauer Berg Nachrichten, das nach Einbrüchen im Anzeigengeschäft einen Leseraufruf startete und dadurch einen hinreichenden Abonnentenstamm aufbaute, um in Zukunft auf Anzeigen verzichten zu können, oder das Journalistinnen-Duo Crowdspondent, das sich unregelmäßig für aufwendige Recherchereisen von Nutzern mit Geld, Tipps und Recherchefragen unterstützen lässt. Anfang 2017 sorgte die Crowdfunding-Aktion des digitalen Magazins Republik aus der Schweiz für Aufsehen, weil sie bereits innerhalb von einem Tag das angestrebte Förderziel erreichte und nach einem Monat über drei Millionen Euro aus Nutzerkreisen einsammeln konnte, um ab 2018 in den Regelbetrieb zu gehen. Das Team der Republik warb unter anderem damit, dass traditionelle Medienhäuser einen qualitativ unausgewogenen Journalismus böten.

Die Sorge um die Zukunftsfähigkeit des privatwirtschaftlichen Fundaments des Journalismus hat eine Fachdiskussion über die Perspektive eines „postindustriellen Journalismus“ (Anderson et al. 2012) angestoßen, aber auch in der breiteren Zivilgesellschaft ein neues Problembewusstsein für die „Systemrelevanz“ (Prantl 2009) von Zeitungen und des Journalismus insgesamt als Integrationsinstanz geschaffen. Auch in Deutschland wird seit Jahren über Finanzierungsmöglichkeiten jenseits von Markt und Masse nachgedacht (vgl. Kolo und Weichert 2014). Ähnlich wie in den USA stehen dabei Mäzene und politikferne Stiftungen im Vordergrund, die sich als zivilgesellschaftliche Akteure für den Erhalt eines unabhängigen Qualitätsjournalismus stark machen. Die wachsende Relevanz eines gemeinnützigen Journalismus gegenüber traditionellen Marktansätzen wird als zumindest temporärer Schutzmechanismus gegen die Volatilität des Mediensystems und eine drohende Schädigung journalistischer Organisationsstrukturen und Berufsbilder verstanden (vgl. Levy und Picard 2011), aber auch kritisch mit Blick auf mögliche Abhängigkeiten von Stiftungsbelangen gesehen (vgl. Browne 2013; Scott et al. 2017).

Privatem Kapital, das wohlhabende Mitbürger, Stiftungen und Unternehmer spenden, kommt als zivilgesellschaftlichem Instrument der Journalismusförderung in der jüngeren Entwicklungsgeschichte des Journalismus eine hohe Relevanz zu. Nicht erst in den USA, wo sich Non-Profit-Redaktionen wie ProPublica oder California Watch als Vorbilder der investigativen Berichterstattung etablieren konnten (Weichert und Kramp 2010; Weichert et al. 2010), setzt sich die Finanzierung von Journalismus durch Stiftungsgelder durch. In Deutschland werden maßgeblich über Stiftungsmittel unter anderem die gemeinnützigen Redaktionen von Piqd (August-Schwingenstein-Stiftung) und von Correct!v (u. a. Brost-Stiftung, Rudolf-Augstein-Stiftung, Schöpflin-Stiftung) getragen. Stiftungen können dabei nicht nur als Geldgeber identifiziert werden, sondern auch als strategische Gestalter bei der Intensivierung eines interdisziplinären Gedankenaustauschs in Forschung und Entwicklung, wie das Beispiel der US-amerikanischen Knight Foundation zeigt. Sie unterhält zahlreiche journalismusbezogene Hochschulkooperationen, Inkubator- und Accelerator-Programme und schreibt regelmäßig Förderwettbewerbe und Fellowships aus (vgl. Lewis 2011, 2012). In diesem Zuge haben auch Journalistenschulen und Hochschulinstitute – vor allem in den USA – ihre Rolle als Impulsgeber, Thinktanks und Beschleuniger von journalistischen Projekten und Unternehmungen erkannt (vgl. Breiner 2013; Sindik und Graybeal 2017). Zusammen mit einer wachsenden Zahl von öffentlichen und industriellen Veranstaltungen, die sich insbesondere auf Innovationen in der digitalen Gesellschaft und im Digitalen Journalismus konzentrieren, ergänzt dies die Vielfalt neuer Ansätze im Journalismus, indem strukturelle Muster des professionellen kommunikativen Austauschs und der interdisziplinären Entwicklung in der Nachrichtenproduktion aufgebaut werden, die Kompetenz aus anderen Teilen der Medienbranche zusammenbringen (vgl. Kramp 2016, S. 16).

Dieser Prozess wird seit dem Jahr 2015 auch verstärkt von einem finanziellen Engagement großer (US-amerikanischer) Tech-Unternehmen begleitet, deren Einfluss auf die Nachrichtenindustrie durch ihre infrastrukturelle Akkumulation von Macht und ihre Dominanz auf dem Werbemarkt zuvor eher kritisch beurteilt wurde: So haben Google und Facebook Förderprogramme aufgelegt, die sich speziell an (europäische) Nachrichtenorganisationen richten: 2015 schob etwa Google seine „Digital News Initiative“ an, die vornehmlich Verlagshäuser dabei unterstützen soll, innovative und marktfähige journalistische Produkte zu entwickeln (vgl. Doktor 2015). 2017 startete die Konkurrenz ihr „Facebook Journalism Projekt“ mit Schwerpunkt auf kollaborativer Produktentwicklung, Schulung und Bereitstellung von Tools und die „News Integrity Initiative“, ein institutionelles Netzwerk zur Erforschung und Förderung von Medienkompetenz (News Literacy), um angesichts der Fake-News-Debatte das Vertrauen der Bevölkerung in den Journalismus zurückzugewinnen (Dunkin 2017). Allerdings sind die nachhaltigen Effekte dieser Engagements auf den Journalismus vollkommen offen (vgl. Ingram 2017).

7 Ausblick

Um der konsequenten Nutzerorientierung des Journalismus in der digitalen Sphäre, seinem Verständnis als Dienstleistung und weniger als Produkt sowie der wachsenden Bedeutung von Technikkompetenzen im redaktionellen Alltag und der ungeklärten Finanzierung des Journalismus gerecht zu werden, muss auch die Aus- und Weiterbildung an Hochschulen und in Verlagen reagieren: Erst wenige Studiengänge und Journalistenschulen wollen dem Mediennachwuchs die neuen handwerklichen Erfordernisse und ethischen Problemlagen näherbringen, indem sie die Herausforderungen des digitalen Medienwandels stärker in ihren Curricula abbilden – ohne dabei die klassischen Prinzipien, Strukturen und Ideale journalistischer Praxis zu vernachlässigen (vgl. Mossbrucker und Weichert 2016; Weichert 2016b, c). Dieser Spagat wird vorerst bestehen bleiben, solange der Wandel des Berufs und seines Handwerks eine vorherrschende Konstante ist. Wichtig wird indessen für die Zukunft sein, dass sich der Journalismus als öffentlichkeitsstabilisierendes System behaupten und seine gesellschaftliche Integrationsfunktion festigen kann.

Fußnoten

  1. 1.

    Beispiele aus jüngerer Zeit sind die Auseinandersetzung bei der Süddeutschen Zeitung zur Aufnahme des ehemaligen Online-Chefredakteurs Stefan Plöchinger in die Chefredaktion des Blattes (vgl. Fichter 2014) und der Streit um die Reformbestrebungen von Wolfang Büchner als Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel und Spiegel Online (vgl. Hörisch 2014).

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Authors and Affiliations

  1. 1.ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und InformationsforschungUniversität BremenBremenDeutschland
  2. 2.HMS Hamburg Media School GmbHHamburgDeutschland

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