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Medieninnovationen und Medienrevolutionen

Von Gutenberg zu Berners Lee
  • Svenja HagenhoffEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Der Beitrag behandelt die Ressource Technik (bzw. Technologie) aus der Perspektive von Innovation und Revolution. Festzuhalten ist, dass keine sehr fundierte domänenspezifische Innovationsforschung existiert. Die meisten der Beiträge sind sehr kleinteiliger Art, verstreut und schlecht auffindbar in unterschiedlichen Publikationsorganen, als wenige Ausnahmen werden die größeren Werke von Dogruel und Schüller identifiziert. Eine unüberschaubare Zahl an Beiträgen jedoch liegt vor, die Technik und die Veränderungen und Neuerungen dieser Ressource in Form von „Revolutionsgeschichten“ behandeln, konkret werden diskutiert Medienrevolutionen, Kommunikationsrevolutionen oder digitale Revolutionen. Die mittlerweile lauter werdende Kritik an diesen teils unterkomplexen, theoriearmen und oft technikdeterministischen Narrationen entlang vermeintlicher Brüche wird zum Anlass genommen, keine Von-Gutenberg-zu-Berners-Lee-Geschichte zu erzählen. Stattdessen werden ausgewählte Möglichkeiten der Kategorisierung von Techniken aus verschiedenen Disziplinen präsentiert. Sie können dabei helfen, die Technikdiskussion, die in der und für die Medienwirtschaft geführt werden, auf ein höheres Abstraktionslevel zu heben.

Schlüsselwörter

Innovation Medienrevolution Kommunikationsrevolution Digitale Revolution Techniken nach Aktivitätsgrad Techniken nach Lebenszyklus Techniken nach Einsatzbreite Digitale und analoge Informationsrepräsentation 

1 Einführung

„Medieninnovationen und Medienrevolutionen: Von Gutenberg zu Berners Lee“. Die Überschrift dieses Kapitels impliziert, dass eine weitere der zahlreichen „Bruchgeschichten“ erarbeitet wird, die zeitgenössisch neuartige Techniken, wie Druck mit beweglichen Lettern oder elektronische Hyptertext-Dokumente, phänomenologisch-deskriptiv darbietet und versucht, aus dem (historiographisch) Beobachtbaren Konsequenzen für das System der Medienkommunikation zu identifizieren. Für diesen Aufsatz wurde ein anderer Ansatz gewählt, nachdem aktuelle medien- und kommunikationstheoretische Forschungsströmungen deutliche Kritik an zäsur- und epochenbetonten Zugängen äußern und ein Aufbrechen bisheriger historischer Narrative und Periodisierungen sowie einen stärkeren Theoriebezug einfordern.

In Abschn. 2 des Beitrags werden zunächst die zentralen Begriffe Technik und Technologie, Innovation sowie Revolutionen erläutert. In Abschn. 3 wird der Stand der wissenschaftlichen Diskussion der domänenspezifischen Innovations- sowie Revolutionsforschung knapp aufbereitet und die erwähnte Kritik an den Bruchgeschichten dargelegt. In Abschn. 4 werden dann ausgewählte theoretische Zugänge aus den Wirtschaftswissenschaften (Abschn. 4.1 und 4.4), aus der Soziologie (Abschn. 4.2) sowie aus der Informationstechnik in Verbindung mit der Zeichentheorie (Abschn. 4.3) zur Differenzierung von Techniken als Ressource im System der Medienkommunikation präsentiert und anhand domänenspezifischer Beispiele illustriert. Sie können genutzt werden, um empirische Beobachtungen einzuordnen oder zu deuten. Abschn. 5 enthält die Schlussbetrachtung.

2 Zentrale Begriffe

2.1 Technologie und Technik

Der Begriff Technologie ist auf das griechische téchne (Kunstfertigkeit) und lógos (Lehre) zurückzuführen (Amberg et al. 2011, S. 33). Er bedeutet ursprünglich also Lehre der Technik oder Lehre der Kunstfertigkeit und wurde vom Staatwissenschaftler Johann Beckmann im 18. Jahrhundert in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht (Häußling 2014, S. 124). Er verstand darunter „die Wissenschaft, welche die Verarbeitung der Naturalien, oder die Kenntniß (sic!) der Handwerke, lehret“ (Beckmann 1809, S. 17, zitiert nach Häußling 2014, S. 124). Kunstfertigkeit oder Technik ist allgemeiner formuliert ein planvolles Vorgehen oder ein Artefakt zur Lösung eines Problems. An die Problemlösung werden Erwartungen wie Vereinfachung, Entlastung, Ersatz, Steigerung oder Stabilisierung geknüpft (Rammert 2008, S. 293), Ziele, die nicht nur durch physikalische Techniken erreicht werden, sondern ein ganzes Ensemble aus Organisations-, Verfahrens-, Handlungs- und Zeichentechniken aufspannen (Rammert 2008, S. 296). Techniken grenzen sich von natürlichen Prozessen durch ihre Künstlichkeit (‚ingenium‘) ab, sie werden von Menschen entwickelt (Rammert 2008, S. 291 f.) und zur Lösung eines Problems bewusst eingesetzt. Die Ausrichtung auf konkrete Zwecke macht die Technik zu einem Mittel um etwas zu erreichen (Ziel-Mittel-Beziehung). Technik kann sich bis hin zur Unverzichtbarkeit in soziale und gesellschaftliche Prozesse implementieren (Häußling 2014, S. 12) und diese auch verändern.

Rammert (2008, S. 292) differenziert das technikbezogene Handeln des Menschen nach drei Kategorien: Machen von Technik bezieht sich auf die Technikgenese und die Technikgestaltung als sozialer Konstruktionsprozess. Neue Techniken enthalten häufig „Überschusssinn“ (Baecker 2015 auf Basis von Luhmann 1998, S. 405): oft ist zunächst unbekannt, wie das Neue sinnvoll zu nutzen sei, das bisher Bekannte und Gelernte wird somit zunächst in seiner Ordnung bedroht, in Konsequenz bedarf es gesellschaftlicher Aushandlungs- sowie Aneignungsprozesse, um den Überschusssinn ggf. in einer neuen Ordnung aufzufangen. Ogburn (1957) formulierte in gleichem Sinne die These vom „Cultural Lag“, bei dem die kulturelle der technischen Entwicklung hinterherhinkt. Rosa (2005, S. 80–82) bezeichnet den Aushandlungsprozess als einen Kulturkampf, dem Hindernisse, Widerstände, Gegenbewegungen und nostalgische Sehnsüchte nach dem Verlorenen innewohnen. Machen mit Technik bezieht sich auf die instrumentelle Nutzung und Interaktivität verbunden mit der tatsächlichen Entwicklung und Durchsetzung von Nutzungspraktiken, kultureller Deutungen oder Umdeutungen implizierten Sinns. An diesem Prozess sind konkurrierende gesellschaftliche Gruppen beteiligt, die Leistungskriterien, Nutzungsvisionen und Anwendungsmöglichkeiten definieren und aushandeln. Möglich ist auch die schlussendliche Ablehnung neuer Techniken, wenn sich neue Ordnungen, Deutungen oder Praktiken nicht verhandeln lassen (Heßler 2012, S. 111). Mitmachen der Technik selbst bezieht sich darauf, dass avanciertere Techniken selbstständig oder relativ selbstständig Probleme lösen. Mit Autonomie ausgestattete Techniken agieren und reagieren als soziale Akteure in hybriden Systemen (hierzu genauer Abschn. 4.2).

Im englischen Sprachraum gibt es keine Unterscheidung zwischen den Begriffen Technik und Technologie, dort wird der Begriff Technology im Sinne des deutschen Begriffs Technik verwendet (Häußling 2014).

2.2 Innovation

Der etymologische Ursprung des Begriffes Innovation liegt im lateinischen Wort innovatio, womit eine Neuerung oder etwas Neues bezeichnet wird. Neu oder das Neue kann nur mit Bedeutung und Sinn aufgeladen werden in Wechselwirkung und Abgrenzung zu Alt oder dem Alten, dem Bewährten oder Etablierten, welches durch das Neue in Frage gestellt wird. Rammert (2008, S. 294) bestimmt innovatives Handeln mit Verweisen auf verschiedene Autoren als ein Handeln, das von den Werten und Normen abweicht, oder das Institutionen und Traditionen in Frage stellt und umwälzt, oder das Beziehungen und Bedingungen kreativ und experimentell erprobt.

Weiter präzisiert werden kann der Begriff mithilfe dreier Dimensionen (ausführlich z. B. Hagenhoff 2008, S. 14–18): Die Dimension Innovationsobjekt präzisiert in Bezug auf die Frage, was neu ist (Artefakte, Prozesse, Techniken, Geschäftslogiken, Organisationsformen oder Institutionen). Die Dimension Innovationsgrad beantwortet die Frage nach dem Ausmaß der Neuerung in Bezug auf einen vorangegangenen Zustand (inkrementelle Innovationen vs. radikale oder auch transformatorische1 Innovationen). Die Dimension Bezugseinheit fragt danach, für wen etwas neu ist (für die Welt, für eine lokale Gesellschaft, für eine Branche, für ein Unternehmen oder für ein einzelnes Individuum).

Theorien oder Erklärungsmodelle für das Entstehen, die Durchsetzung und die Folgen von Innovationen sind zahlreich vorhanden. Grob einteilen lassen sie sich hinsichtlich ihres spezifischen Erkenntnisinteresses in zwei Gruppen:2

Erstens, ökonomische Ansätze untersuchen Innovationshandeln oder die Möglichkeiten hierzu von Akteuren in Wertschöpfungsstrukturen wie Märkten oder Organisationen sowie die Auswirkungen des Handelns auf diese Strukturen. Diese Ansätze sind stark ausdifferenziert und von Vertretern der Wirtschaftswissenschaften kaum je klassifiziert oder strukturiert worden. Sie lassen sich entsprechend der Zweiteilung der Wirtschaftswissenschaften in volkswirtschaftlich orientierte Ansätze mit Bezug zu Wirtschaftswachstum und -wandel, sowie in betriebswirtschaftlich orientierte Ansätze, die nach das Innovationshandeln von Organisationen betrachten, subsumieren. Eine Übersicht findet sich bei Dogruel (2013, Kap. 3.2), auch Rammert (2008, Kap. 3) liefert einen Versuch einer Sortierung dieser Beiträge.

Zweitens, soziologische und insbesondere techniksoziologische3 Ansätze untersuchen die Wechselwirkung und Bedingtheiten von technischen Innovationen und Gesellschaft. Diese Beiträge sind gut klassifiziert. Nach Rammert (2016, S. 18–39) fragen technikdeterministische Ansätze nach den Folgen von Technik für die Gesellschaft (wie wirkt Technik), sozialkonstruktivistische Ansätze nach den gesellschaftlich bestimmten Größen mit Wirkung auf die Genese und die Gestalt neuer Techniken (was formt Technik), und technopragmatische Ansätze fragen danach, wie technische und menschliche Aktivitäten in hybriden Ordnungen verteilt sind und wie sich diese Verteilung durch Innovation verändert.

2.3 Revolution(en)

Der Begriff der Revolution hat eine lange und wechselvolle Geschichte (im Folgenden Kosellek 1979, S. 67–86; Griewank 1992, S. 17–22; Rahden 2012). Ursprünglich benutzt wurde er im Sinne einer Wiederherstellung eines alten Zustands, konkret bezeichnete er das Zurückwälzen gesellschaftlicher Verhältnisse. Bis in das 18. Jahrhundert hinein fand sich in Deutschland eine häufige Verwendung als Fachbegriff in der Astronomie, dort ebenfalls in der Interpretation einer Wiederkehrung, nämlich der Verlaufsbahnen der Planetenbewegungen. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts finden sich erste Belege für eine Begriffsinterpretation mit einer politischen Konnotation im Sinne von Tumult, Rebellion oder Umsturz bzw. Versuch dessen. Dieser neue Revolutionsbegriff enthält nun einen Fortschrittsgedanken, der den Weg öffnet für die schlussendliche Verkehrung seiner Bedeutung in das genaue Gegenteil dessen, was das Präfix re sprachlich transportiert. Verwendet wird der Begriff heute, um Umbrüche bzw. Diskontinuitäten zu benennen und damit verbunden Periodisierungen („Epochen“) der Geschichte vorzunehmen. Umbrüchen und Diskontinuitäten wohnt etwas Plötzliches, Radikales inne, was die Revolution von der Evolution, also der schrittweisen, sukzessiven Veränderung unterscheiden soll.

3 Stand der Forschung

3.1 Stand der Forschung zu Medieninnovationen

Mit Medieninnovationen, Innovationen im Mediensystem oder im System der Medienkommunikation beschäftigen sich die Kommunikations- und Mediengeschichte, die Wirtschaftswissenschaften, die Kommunikationswissenschaft sowie explizit die Medienökonomie als Melange beider zuvor genannter Disziplinen. Der Stand des Wissens liegt jedoch in eher kleinteiliger und verstreuter Form vor (Journal- und Sammelbandbeiträge), es existieren nur wenige umfassende Werke, in denen Facetten einer domänenspezifischen Innovationsforschung in theoriebasierten größeren, aufeinander abgestimmten Zusammenhängen bearbeitet werden.

Eine Ausnahme von der Kleinteiligkeit ist die Arbeit von Dogruel (2013)4 mit kommunikationswissenschaftlichem Fokus, in der sich auch ein ausführlicher Überblick zu den verschiedenen domänenspezifischen Forschungsströmungen findet. Die Autorin (2013, S. 300–310) identifiziert vier Innovationsobjekte, die Medieninnovationen als System ausmachen: Neue Techniken, wie z. B. Empfangsgeräte; neue Zeichensysteme, wie z. B. Emoticons; neue Organisationsleistungen, wie z. B. Pay-per-Click als Erlösmodell sowie neue Institutionen, wie z. B. Regelungen zum Leistungsschutz. Ob einzelne Phänomene Medieninnovationen darstellen, wird anhand der Indikatoren Neuheit aus der Sicht des Betrachters (Mikro: Individuum, Meso: Organisation oder Makro: Gesellschaft), Verwertbarkeit im Sinne der Fruchtbarmachung im Hinblick auf ökonomische oder nicht-ökonomische Nutzenstiftung5 sowie kommunikative Folgen festgemacht. Nur wenn Innovationen Auswirkungen auf Kommunikationsprozesse und -strukturen haben, sind sie als Medieninnovationen zu klassifizieren. So argumentiert auch Giesecke (2002, S. 81): Kommunikationsmedien sind genau dann neu, wenn sie neue Kommunikationssysteme und neue Rollenverteilungen schaffen, indem sie den Kreis derjenigen verändern, die Zugang zu Information haben oder gar den Kreis derjenigen, die selber kommunizieren können. Damit schaffen sie gesellschaftliche Differenzierung in der Form dazugehören/nicht dazugehören oder teilhaben/nicht teilhaben. Die Arbeit von Schüller (2015) fokussiert auf die Teilbranche TV und dort dann auf betriebliche Funktionen.

3.2 Stand der Forschung zu Revolutionen

Auch in der Medien- und Kommunikationsforschung werden beobachtete Veränderungen an den verschiedenen, oben genannten Innovationsobjekten dazu benutzt, Zäsuren, Schwellen oder Brüche festzustellen, anhand derer Periodisierungen vorgenommen werden. Unterstellt wird eine Differenzqualität zwischen Vorher und Nachher (Käuser 2006, S. 149), die häufig bestimmt sein soll durch neue Techniken der Codierung, Speicherung oder Übertragung von Kommunikaten und der Produktion und Beschaffenheiten von Medien als Artefakte.

In der Literatur findet sich der Begriff der Revolution häufig in den Ausprägungen Medienrevolution, Kommunikationsrevolution oder digitale Revolution, meistens ohne dass diese Revolutionsarten abstrakt definiert wären. Stattdessen werden zahlreiche Bruchgeschichten (s. Abschn. 3.3) erzählt, in dem Neuartiges enumeriert und Wandelphänomene dargeboten werden.

Der Ursprung des Begriffs Medienrevolution liegt vermutlich bei McLuhan, der ihn 1959 – allerdings nur in paraphrasierter Form – in einem Vortrag mit dem Titel „Electronic Revolution: Revolutionary Effects of New Media“ benutzt hat (abgedruckt in McLuhan und McLuhan 2005). Eine frühe explizite Verwendung des Begriffs findet sich bei Pratte (1970) in einer Abhandlung darüber, wie das Denken und Handeln von Studierenden beeinflusst werden könnte durch einen Wechsel von einer print-literary era zu einer electronic (=computational) era. Baudrillard (1978[1972], S. 83) kritisiert mit Bezugnahme auf McLuhan den Begriff, in dem er feststellt, dass die Medienrevolution „empiristisch und mystisch geblieben“ sei. Weitere zeitnahe Verwendung findet er dann bei Eisenstein (1979, S. 14) in ihrem viel zitierten und diskutierten Werk The Printing Press as an Agent of Change. Umfangreichere Werke unter Verwendung des Begriffs Medienrevolutionen wurden herausgeben von Rogers und Balle (1985) sowie von Schnell (2006). Auch Giesecke (1990, 1991, 2002) nutzt ihn intensiv.

Der Begriff Kommunikationsrevolution (Communication Revolution) lässt sich auf Diskussionen unter amerikanischen Wirtschaftshistorikern in den 1930er-Jahren zurückführen (Behringer 2005, S. 40). Albion (1933)6 identifiziert ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts etliche neue Techniken, die massiv die Geschwindigkeit erhöht haben, mit der Personen, Waren und Informationen Raum und Zeit überwinden können. Hierzu zählt er u. a. Wasserstraßen, Straßenbau und Postwesen, Eisenbahn, den elektrischen Telegrafen, Automobil, Flugzeug und Radio. Alle diese Techniken sind tauglich, Informationen zu übertragen oder informationstragende Artefakte zu transportieren und so für deren Zirkulation zu sorgen. Anknüpfend an diese Idee stellt Behringer (2002, 2003, 2005, 2006, 2010) die These auf, dass nicht die Gutenberg-Galaxis sondern die Taxis-Galaxis das eigentlich Revolutionsbringende darstellt: Ohne verteilende Infrastrukturen und Netzwerke sowie zugehörige Organisationsleistungen7 – er arbeitet diesen Gedanken an der Etablierung des Postwesens in der Frühen Neuzeit aus – nützt die Erfindung des Buchdrucks nichts: das Artefakt ist dann nicht mehr als ein Informationsspeicher, welcher am Ort der Produktion in großen Mengen liegend kaum kommunikative Effekte erzielt. Ähnlich argumentiert sehr knapp auch Langenbucher (1975, S. 17).8 Exemplarisch seien als zwei weitere Werke North (1995) sowie Moran (2010) genannt, die das Phänomen der Kommunikationsrevolution in umfänglicherer Form – vor allem aus historiographischer Perspektive – bearbeiten.9

Der Begriff digitale Revolution (auch: Algorithmic Turn, z. B. Bächle 2016, S. 24) wird benutzt um einen Umbruch vom Analogen zum Digitalen von „welthistorische Zäsur“ (Schröter 2004, S. 8) zu konstatieren. Die Unschärfe der hier gewählten Formulierung resultiert daraus, dass Autoren sich kaum die Mühe machen zu spezifizieren, was ‚das Digitale‘ eigentlich sei: üblicherweise wird weder der Begriff Digital als solcher definiert noch werden Ausprägungen von Digitalphänomenen präzise gefasst.10 So handelt es sich mal um eine Art der Codierung (binär oder enger 1/0), mal um ein Synonym für etwas Computerbasiertes, etwas Elektronisches, etwas Entmaterialisiertes, etwas Vernetztes, das Internet an sich oder das Auftreten großer IT-affiner Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook oder Apple.11 Herold (1974, S. 385, zitiert nach Scholz 2004, S. 103) beispielsweise verweist auf die „Fundamentaldemokratisierung größten Ausmaßes“, die der „dritte menschheitliche Kulturabschnitt“ durch die elektronische Verarbeitungs- und Reorganisationsmöglichkeit (dieser Aspekt auch bei Manovich 2001) von Daten- und Wissensbeständen erlauben würde; Herbert (2015, S. 1239) fokussiert auf die Durchsetzung von Internet und Web und nennt das Jahr 1995 als Wendemarke von analog zu digital; und Fischer und Vogel (2013, S. 97) verstehen unter dieser Revolution, dass die Global Player „frischen Wind in die altehrwürdige Buchbranche“ bringen, „möglicherweise aber auch deren Gefüge“ einstürzt, wobei unklar bleibt, ob dieses Szenario als Schöpferische Zerstörung nach Schumpeter (1931[1912]) zu interpretieren wäre.

Die praktizierte, wahlweise euphorisch- oder dysphorisch-inflationäre Verwendung des Begriffs digital leistet nichts anderes als Bedeutungsverunklarung, wie Loleit (2004, S. 211) ausführt: Seine ursprüngliche Bedeutung wird verdrängt durch eine ideologische Zuschreibung von neu mit beliebiger Interpretationsmöglichkeit. Differenzierte Betrachtungen über Ausprägungen und Entwicklung des Digitalen (auch) in Zusammenhang mit Medien und Kommunikation finden sich bei Böhnke und Schröter (2004) sowie Schmitt et al. (2016).

3.3 Bruchgeschichten und Kritik daran

In der Medien- und Kommunikationsforschung hat eine unüberschaubare Anzahl an Autoren einfache Chroniken der Entwicklung von Medien und Kommunikation oder komplexere Versuche der Epochenabgrenzungen und -beschreibungen angeboten. Der bekannteste Beiträger ist sicher McLuhan (1962) mit seiner Einteilung in orale Stammeskultur, literale Manuskript-Kultur, Gutenberg-Galaxis und elektronisches Zeitalter. Dieser Separierung folgt auch Giesecke (1991, 1992, S. 36–42), er verwendet den spezifischen Begriff „Typographeum“. Auch Luhmann (1985, S. 20 f.) zäsiert anhand der Erfindungen Schrift, Buchdruck sowie „elektronik-basierte Medien der Informationsverarbeitung“. Kübler (2003) referiert literaturbasiert drei Bruchmomente: den Buchdruck und die damit verbundene Mechanisierung von Schrift Mitte des 15. Jahrhunderts, das Aufkommen von Massenmedien und deren Ausdifferenzierung Mitte des 19. Jahrhunderts sowie die Ablösung der analogen durch die digitale Übertragung und die Möglichkeiten der Vernetzung und Telekommunikation Mitte des 20. Jahrhunderts. Stöber (2008) erkennt die Epochen der Protomedien (insb. Sprache, aber auch Gestik, Mimik), der der Basismedien (Schrift, Bild), der Verbreitungsmedien als Ergänzung der Basismedien um technische Infrastrukturen wie Buchdruck, sowie die (vermutete) Epoche der individualisierten Massenkommunikation.

Dieser kurze Ausschnitt aus der Sammlung der Bruchgeschichten verdeutlicht bereits ein zentrales Problem der Epochenkonstrukte: sie sind häufig auf kategorialer (und auch globaler) Ebene nicht funktionierende Ordnungsversuche (Bellingradt und Hagenhoff 2017), da keine klaren, theoriegeleiteten Kriterien benannt werden, nach denen Abgrenzungen erfolgen.12 Stattdessen wird auf (historiographisch) empirischem Wege Beobachtbares bzw. Dokumentiertes benannt, beschrieben und teils eklektisch aneinandergereiht. Balbi und Kittler (2016, S. 1972) führen aus, dass die bisherigen Periodisierungen schlicht „narratives relying on a sequence of communication eras defined through technological paradigms“ seien. In den einzelnen Beispielen oben vermischen sich Produktions- und Reproduktionstechniken wie Schreiben oder Drucken mit Techniken, die auf Übertragungsaufgaben reduziert werden (analog/digital) mit Aussagen zu quantitativen Aspekten von Kommunikation (Masse, Individual). Auch langfristig, über die Epochengrenzen hinwegreichende konstante Kommunikations- und Mediennutzungspraktiken wie auch parallele Anwendung von Techniken, damit ggf. verbundene Neuzuweisung von Systemplätzen (Kittler 1993) werden in den (technikzentrierten) zäsurbetonenden Von-zu-Zugängen (Käuser 2006, S. 153) typischerweise ignoriert. Der Erkenntnishorizont wird dadurch künstlich eingeschränkt und Erkenntnis struktureller Art oft nicht erzeugt, wie z. B. Mauelshagen (2005); Wolf (2011), sehr fundamental Leschke (2010); Raven (2014, S. 257 f.) oder eben (Balbi und Kittler 2016) kritisieren.

Anstelle eines weiteren schlecht funktionierenden Versuchs einer großen transformationskonnotierten Von-(Gutenberg)-zu-(Berners Lee)-Geschichte sollen ausgewählte theoriebasierte Angebote aus verschiedenen Disziplinen zur Analyse der Ressource Technik im System der Medienkommunikation gemacht werden. Jedes Angebot für sich ist kategorial binnenhomogen. Auf den Versuch einer Großanalyse der Konsequenzen des Einsatzes verschiedener Techniken wird bewusst verzichtet.

4 Zur Differenzierung von Techniken

4.1 Embryonische Techniken, Schrittmacher-, Schlüssel- und Basistechniken

Die Forschung zum Technologiemanagement13 charakterisiert Techniken anhand des Konzepts des Lebenszyklus. Dieses geht davon aus, dass Techniken im Laufe der Zeit unterschiedliche Reifegrade durchlaufen, angefangen von ihrer initialen Entwicklung oder Erfindung über die Weiterentwicklung und Reife bis zum bis zu ihrem Ausscheiden aufgrund erschöpften Potenzials. Die Lebenszyklus-Konzepte sind im Rahmen des betrieblichen Technologiemanagements erarbeitet worden, wo sie als Hilfe bei Ressourcenentscheidungen in Form von Investition oder Desinvestition aus wettbewerbsstrategischer Perspektive verwendet werden. Sie sind aber auch außerhalb dieses engen Einsatzbereichs anwendbar, um Techniken, die von und in Teilsystemen von Gesellschaft entwickelt und verwendet werden, in abstrakter Form zu kategorisieren. In den unterschiedlichen Lebenszykluskonzepten werden im Kern embryonische Techniken, Schrittmacher-, Schlüssel- und Basistechniken mit geringfügig unterschiedlicher Abgrenzung zueinander unterschieden (für eine Übersicht der verschiedenen Konkretisierungen des Lebenszyklus-Konzepts unter vielen vgl. Schuh et al. 2011).

Embryonische Techniken sind sehr jung. Sie werden wahrgenommen von Experten, nicht jedoch von der Breite eines Bezugssystems. Wofür die Techniken genau genutzt werden können und ob sie sich durchsetzen werden, ist noch unbekannt oder zumindest sehr unsicher. Die Techniken sind in Bezug auf bestimmte Anwendungsmöglichkeiten noch so unreif oder in Bezug auf weitere Systemkomponenten noch so inkompatibel, dass sie ggf. noch keinen überzeugenden Problemlösungsbeitrag stiften. Andersherum kann es auch sein, dass das Bezugssystem (Gesellschaft, Unternehmen) für den potenziellen Lösungsbeitrag dieser Techniken noch nicht reif ist, sie also ‚zu früh dran‘ sind. Diese Techniken überleben das Embryo-Stadium ggf. (zunächst) nicht, wie z. B. die frühen, wieder aufgegebenen Versuche des Drucks mit beweglichen (Ton-)Lettern im asiatischen Raum, wo sich die Zeichensysteme als nicht modular genug erwiesen haben (s. Abschn. 4.3). Der Electronic Book Player von Sony als früher E-Book-Versuch (1990) scheiterte ebenso wie das Rocket E-Book von NuvoMedia (1998).14 Erst die Entwicklung des Kindle durch Amazon (2007) bzw. des Tablet bzw. Smartphones (2010) durch Apple katapultierte ein komplexes Ensemble aus Endgerät, Lesestoff und Distributionssystem aus dem Embryo-Stadium hinaus in die Stufe der Schrittmachertechnik. Eine aktuell embryonische Technik ist der Werkstoff Graphen bzw. neuere Herstellungsmethoden dafür. Das Material ist dünn wie Folie, biegsam und gleichzeitig stabil und es leitet Strom (Guldner 2015). Verwendet werden könnte es zukünftig in Form echten elektronischen Papiers,15 das harte, bildschirmartige Anzeigegeräte ablöst.

Schrittmachertechniken können bereits erste nutzenstiftende Anwendungen nachweisen, im Vergleich zu vorangegangenen Lösungen für die gleiche Problemklasse sind sie aber noch von geringerer Leistungsstärke. Beispiele hierfür sind die Auswahl an digitalem Lesestoff im Vergleich zum Sortiment an gedruckten Büchern oder die gegenwärtige Usability von digitalen Lesemedien im Vergleich zur Bedienbarkeit von Druckwerken (Kuhn und Hagenhoff 2017). Dafür ist aber ihr Entwicklungspotenzial sehr hoch, da sie z. B. aufgrund konzeptioneller Andersartigkeit systemische Grenzen der bisher verwendeten Technik überwinden können (z. B. kein ‚nicht lieferbar‘ mehr). Sie stehen an der Schwelle zur Marktreife oder zur breiteren Diffusion, es besteht aber die Gefahr, dass sie aufgrund der Stärke einer Referenzlösung (noch) nicht breit akzeptiert oder auch frühzeitig totgeredet werden. (Noch) geringe Marktanteile auf dem deutschen E-Book-Markt im Umfang von ca. 5 % bei schrumpfender Wachstumsrate gelten einigen Akteuren in der Buchbranche als Indikator dafür, dass E-Books eher eine vorrübergehende Erscheinung seien und keine Schlüsseltechnik sind oder werden. Der geringe Marktanteil der E-Books im deutschsprachigen Raum kann – als These formuliert – mit der Stärke des Referenzsystems begründet werden (ausführlich Hagenhoff 2015b, S. 639): Eine organisatorisch wie physisch leistungsstarke Buch-und Pressehandels-Infrastruktur ermöglicht eine schnelle und umfängliche Versorgung Lesewilliger mit Printprodukten. Um die gleiche theoretische Dichte an Buchhandlungen pro Quadratkilometer Landesfläche wie in Deutschland zu erreichen, müsste es in den USA über 100.000 Buchhandlungen geben, die Gesamtzahl an Buchhandlungen beträgt jedoch ca. 13.000. Ein recht hoher Anteil der E-Books am US-amerikanischen Buchumsatz von 25 % kann mit der Schwäche der Organisationsleistungen für die Distribution physischer Bücher erklärt werden.

Schlüsseltechniken haben sich auf dem Markt durchgesetzt und gehören zum akzeptierten Technikportfolio einer Branche. Allerdings haben noch nicht alle Wettbewerber Zugang zu diesen Techniken, so dass sie einen Differenzierungsbeitrag im Branchengeschehen leisten können. Auch ist ihr Leistungs- und Entwicklungspotenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft, so dass weitere Investitionen zu weiteren Verbesserungen führen können. Content-Management-Systeme können hier als Beispiel genannt werden: Während solche Systeme für jedes Großunternehmen (auch außerhalb der Medienwirtschaft) Standard sind im Umgang mit größeren Content-Beständen, die z. B. über Webseiten an die Öffentlichkeit kommuniziert werden, sind sie für viele etablierte Akteure der klein- und mittelständisch geprägten Verlagswirtschaft noch keine Selbstverständlichkeit. Dieses liegt u. a. an den nach wie vor noch hohen Investitions- und Betriebskosten, die als zusätzliche Kosten durch zusätzlichen Umsatz finanziert werden müssen, sowie an den erforderlichen Neugestaltungen etablierter oder tradierter Geschäftsprozesse.

Basistechnologien haben sich auf dem Markt durchgesetzt, gelten als ausgereift und stellen die Status-Quo-Technik der jeweiligen Branche oder in Bezug auf ein zu lösendes Problem dar. Sie sind allgemein bekannt und gut zugänglich und leisten damit keinen Differenzierungsbeitrag im Wettbewerb unterschiedlicher Akteure. Sie sind zudem am Ende ihres Leistungspotenzials und entwickeln sich daher nicht mehr weiter. Basistechniken können aufgrund ihrer Reife, Beherrschbarkeit und Belastbarkeit als Problemlöser dauerhaft eingesetzt werden und in einer Branche verbleiben, es besteht aber auch die Gefahr, dass Akteure an diesen Techniken aufgrund ihrer guten Funktionstüchtigkeit festhalten und einen Wechsel auf eine potenzialreichere neue Technik verpassen (Innovator’s Dilemma nach Christensen (1997), Konzept der S-Kurve im Technologiemanagement, z. B. Gerpott 2005). Basistechnologien können auch verdrängt werden (Ende des Lebenszyklus), wenn neue Techniken zu Schlüsseltechniken gereift sind. Ein gutes Beispiel für eine langlebige Basistechnik, die nicht zügig nach Erscheinen einer neuen Schlüsseltechnik verdrängt wurde, ist die handschriftliche Produktion von Lesemedien: Die oben kritisierten Bruchgeschichten implizieren einen relativ radikalen Wandel von handgeschriebenen Medien zu Druckmedien, tatsächlich aber waren handgeschriebene Medien verschiedenster Art (sowohl der Brief, wie Bücher als auch Flugschriften und Zeitungen) noch lange Zeit nach Entwicklung des Drucks mit beweglichen Lettern erfolgreich im Einsatz (hierzu z. B. Schnell 2007; Stuber 2005; Vellusig 2000).

4.2 Passive, aktive, reaktive, interaktive und transaktive Techniken

Der Soziologe Rammert (2003) unterteilt Techniken nach dem Aktivitätsniveau. Er argumentiert, dass man einen Gewinn für die empirische Beobachtung und Deutung von Unterschieden zwischen Techniken und den Beziehungen dieser zu Menschen erzielt, wenn man sich löst von der Betonung einer Dichotomie zwischen hier Mensch, dort Technik und der mit Faszination oder Angst diskutierten Frage der Vormacht von Mensch oder Technik (in der heutigen Digitalisierungsdiskussion konkret: ‚Algorithmus‘). Stattdessen schlägt er vor in Bezug auf die Gesamtperformanz eines technischen Systems die Verteilung von Aktivität und damit verbunden die Verteilung von Steuerung und Kontrolle auf die Elemente einer soziotechnischen Konstellation zu bestimmen. Entsprechend unterscheidet er Techniken nach fünf Aktivitätsniveaus (Rammert 2003, S. 296–298):

Auf der untersten Stufe befinden sich passive Techniken in Form von Werkzeugen. Sie werden vom Menschen bedient und benutzt, der seinerseits Energie aufwenden muss, um mit diesen Techniken etwas zu erreichen. Beispiele für passive Techniken sind der Pinsel, der Federkiel, das Setzerschiff, der Winkelhaken, die Gutenberg‘sche Druckerpresse oder ihr Nachfolger die Stanhope-Presse. Energie und Arbeitszeit des Menschen sind die zentralen limitationalen Faktoren, von denen der Wirkungsgrad der passiven Techniken abhängt: Handsatz, Handpresse und Bedrucken von einzelnen Blättern, die der Presse manuell zugeführt und entnommen wurden, haben bis ins 18. Jahrhundert hinein einen Ausstoß von ca. 250 Druckbögen pro Stunde erzeugt (zur Quantifizierung Hagenhoff 2017 und die dortige Literatur).

Auf der nächsten Stufe befinden sich aktive Techniken. Sie führen bestimmte Operationen ganz oder in Teilen selbsttätig aus, dieses solange, bis entweder ein definiertes Ziel erreicht16 oder die bereitgestellte Energie verbraucht ist. Die Gießmaschine zur Produktion von Bleilettern sowie die Schnellpresse, in der z. B. das Auftragen der Druckfarbe automatisiert wurde, sind solche aktiven Techniken. Der Ausstoß von bedrucktem Papier einer Walter-Rotationsmaschine lag gegen Mitte des 19. Jahrhunderts bei 10.500 Druckbögen pro Stunde. Auch heutige hochkomplexe, elektronische Druck- und Bindeanlagen sind lediglich ein Ensemble aktiver Techniken: wenn ein Printwerk ein Lesebändchen erhalten soll, dann wird das entsprechende Aggregat über einen Elektromotor für dieses Los aktiviert (die Maschine gerüstet), danach für das nächste lesebändchenfreie Los wieder abgeschaltet. Auch einfache Software-Applikationen können diese Ausprägung von Technik aufweisen: eine Textverarbeitung erstellt automatisiert auf der Basis von manuell gesetzten Markierungen Verzeichnisse, wie Gliederung oder Index. Im viel zitierten Roboterjournalismus werden auf Basis wohlstrukturierter Daten zu z. B. Wetter- oder Sportereignissen und vorgefertigter Textbausteine eher unterkomplexe Berichte automatisch generiert.

Aktiven Techniken folgen auf der nächsten Stufe reaktive Techniken. Sie reagieren auf Umweltbedingungen und passen ihr Verhalten diesen an. Ein sehr einfaches Beispiel ist ein Content-Management-System, das Inhalte zu einem definierten Datum (Eintreten eines vorbestimmten Ereignisses) selbstständig aus dem Web entfernt, wie es für das auch 2017 medienpolitisch intendierte Depublizieren von Beiträgen aus den Mediatheken öffentlich-rechtlicher Fernsehsender notwendig ist.17 Ebenfalls sind Social Bots reaktive Techniken. Sie reagieren auf definierte Hashtags und liefern automatisiert dazu passende Beiträge in Form von Werbung oder politischer Propaganda. Ein weiteres Beispiel sind digitale Schrift- und Lesemedien, die im Responsive Design realisiert sind: Wird die Anzeigefläche in der Größe oder der Ausrichtung verändert (Umweltbedingung), reagiert die Funktionslogik des Mediums hierauf mit einer passenden Verteilung der visuell codierten Zeichen auf der Fläche. Hack (2015) führt aus, wie an die Stelle der Materialität die Mathematik tritt, die das typografische Gefüge dynamisch steuert.

Interaktive Techniken erarbeiten situationsadäquat eine Lösung in wechselseitiger Abstimmungen von Umweltbedingung, früherer Erfahrung und ggf. anderen technischen Teilen eines Systems. Die Lösung ist nicht mehr das Ergebnis einer einfachen, immer gleichen Ursache-Wirkungsbeziehung. Rammert (2003, S. 295) verweist diesbezüglich auf die Bedeutung der ausgedehnten Möglichkeit der Speicherung immer längerer Abschnitte der Vergangenheit,18 die für die Gestaltung der zukünftigen Abläufe herangezogen werden kann. Dieses führt zu einem potenziellen „Auch-anders-handeln-Können“ (Rammert 2003, S. 293) anstelle des Abarbeitens des determinierten Pfads, was den Eindruck einer relativen Autonomie der Technik auslösen kann. Solche Techniken werden angewendet bei der Inhalte- oder Informationsbereitstellung auf Basis des aktuellen Klick- oder Rechercheverhaltens (Umweltbedingung) sowie des vergangenen Verhaltens anderer Nutzer (Profile). Konkrete Ausprägungen finden sich in Empfehlungssystemen (Hagenhoff 2016), bei der Aussteuerung von Artikeln auf Online-Nachrichtenportalen (Schulz 2016, S. 84) oder auch in Form der Predictive Analytics bzw. des Personal Pricings im E-Commerce.

Auf der letzten Stufe befinden sich die transaktiven Techniken. Sie sind von einem hohen Maß an Verteiltheit der Aktivitäten auf verschiedene Teile eines Gesamtsystems gekennzeichnet, deren Zusammenspiel keiner Planung, keiner hierarchischen Integration und keiner funktionalen Aufteilung folgt. Stattdessen entsteht aus einer Wechselwirkung von Eigenaktion, Fremdaktion und Gesamtaktion eine selbstständige Reflexion und Veränderung der Ziel-Mittel-Relationen und schrittweise ein funktionierendes Gesamtsystem. Die ersten Versuche autonomen Fahrens (z. B. Google Car oder „Olli“ von IBM) können als Beispiel genannt werden. Notwendige und sinnvolle Anwendungsszenarien für das System der Medienkommunikation sind für diese Stufe im Moment nicht erkennbar. Auch die jüngeren Ausführungen der Kommunikationswissenschaft zu algorithmen- oder datenbasierter Kommunikation, wie z. B. von Hepp (2016), liefern (noch) keine konkreten Beispiele19 für diese avancierte Stufe der Technik. Kritisch zu hinterfragen ist zudem, ob alle Formen von Kommunikation, also z. B. auch Maschine-zu-Maschine-Kommunikation20 wirklich zum Gegenstandsbereich der medial vermittelten Kommunikation in Gesellschaften gehören.21

Rammert (2003, S. 313) schlägt vor, verschiedenartige soziotechnische Konstellationen, in denen sich Aktivität, Steuerung und Kontrolle unterschiedlich auf Techniken und Menschen verteilen, zu vergleichen und zu analysieren. Als Beispiel nennt er die Konstellation von Menschen mit Büchern und Inhaltsverzeichnissen im Vergleich zu der Konstellation von Menschen mit Computern, Internet und Datenbanken.

4.3 Analoge und digitale Techniken der Informationsrepräsentation

Damit Kommunikation stattfinden kann, muss das Gedankengut des Kommunikators zunächst externalisiert werden. Dieses wird erreicht durch Repräsentation der Gedanken (allg. Informationen). Hierzu kann der Kommunikator Zeichen aus einem Repertoire – z. B. Buchstaben des lateinischen Alphabets – nach bestimmten Regeln oder Mustern der Zeichenverwendung zu einer Aussage verknüpfen, die im Idealfall auf Rezipientenseite mittels semiotischer Kompetenz (Keller 1995) entschlüsselt werden kann.

Die Möglichkeit der sinnhaften Verknüpfung von Zeichen aus einem Repertoire wird beeinflusst vom Informationsgehalt22 der einzelnen Zeichen: Zeichen mit geringem eigenem Informationsgehalt sind vielfältig miteinander kombinierbar, der Zeichenvorrat, also die Menge an verschiedenen Zeichen, kann klein gehalten werden. Beispiele für informationsarme Zeichen finden sich im Morsesystem (kurz – lang) oder im polyadischen Zahlensystem zur Basis 2 (0 – 1), deren beider Zeichenvorräte auf zwei Elemente begrenzt ist. Aus der Kombination von acht informationsarmen Bits aus dem Zeichenvorrat mit den Elementen 0 und 1 kann ein Zeichen des lateinischen Alphabets entstehen: das große B wird codiert durch das Byte 01000010. Auch die 24 Buchstaben des lateinischen Alphabets sind ein Beispiel für eher informationsarme und kombinationsfähige Zeichen. Heider (Original 1926, zitiert aus 2004, S. 328) hat das so formuliert: „Diese Vielheit [an Wörtern und Sätzen] kommt dadurch zustande, daß (sic!) einige wenige Elemente, die 24 Buchstaben, in verschiedenster Weise kombiniert werden. Die Buchstaben lasen (sic!) sich auf mannigfaltige Art zusammensetzen, weil sie nicht zusammengekoppelt sind, allgemeiner ausgedrückt, weil sie voneinander unabhängig sind.“ Zeichen mit hohem Informationsgehalt sind schlecht miteinander kombinierbar, die Menge der benötigten, divergenten Zeichen muss entsprechend groß sein, um differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten zu realisieren. Ideographische oder logografische Zeichensysteme weisen einen hohen Gehalt pro Zeichen auf, weswegen beispielsweise im Zeichensystem des Chinesischen mehrere tausend Zeichen für die alltägliche Kommunikation benötig werden. Die nachstehende Abbildung verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der Kombinationsmöglichkeit bzw. der Größe des Zeichenvorrats in Abhängigkeit vom Informationsgehalt des Zeichens eines Zeichensystems. Gehaltvolle Zeichen führen zu Systemen mit geringer struktureller Ökonomie (Abb. 1).
Abb. 1

Informationsgehalt, Kombinationsmöglichkeit und Größe von Zeichenvorrat

Information kann in digitaler oder analoger Form dargestellt werden. Digital bedeutet abzählbar. Digital sind alle Techniken, die mit einer festgelegten (und damit abzählbaren) Menge an Zeichen arbeiten und alle gewünschten Aussagen oder Informationen durch Kombination dieser begrenzten Menge an Zeichen erzeugen. Analog sind alle Verfahren, bei denen innerhalb eines definierten Bereichs jede beliebige Abstufung an Werten oder Ausdrücken direkt erzeugt werden kann. Das Analoge ist daher gekennzeichnet durch Dichte: zwischen zwei beliebige Entitäten passt immer eine weitere dazwischen, so dass fließende, kontinuierliche Übergänge zwischen zwei Entitäten möglich sind. Diese Abstufungen sind konzeptionell beliebig klein (eben stufenlos), wobei die praktische Genauigkeit von darstellenden (z. B. Zeiger einer Uhr) oder abtastenden (z. B. Auge, Ohr) Instrumenten limitiert wird. In dieser Logik sind die oben beschriebenen Zeichensysteme digitale Darstellungstechniken, da sie mit einer abzählbaren (wenn auch ggf. großen) Menge an Elementen arbeiten und diese zu Aussagensystemen kombinieren. Im Vergleich zu dieser Informationscodierung mittels standardisierter Grapheme können auf Akustik basierende Äußerungen analoger Art sein: Töne können innerhalb eines gegebenen Intervalls jede beliebige Höhe annehmen; sie sind kontinuierlich variierbar, nicht standardisiert und in der Menge nicht begrenzt. Auch eine mechanische Druckerpresse als Reproduktionstechnik arbeitet analog, da der Druck, der auf den Bedruckstoff ausgeübt wird, stufenlos variiert werden kann.

Häufig wird Digitaltechnik heute auf ‚etwas mit Zahlen‘ oder ‚etwas Elektronisches‘ reduziert. Bereits Leibniz hat mit der von ihm entwickelten 0-1-Binärcodierung gezeigt, dass auf Basis dieser Codierung auch gerechnet werden kann. Operatoren und Werte sind in dieser Codierung in identischer Form repräsentiert (Werber 2004, S. 86). Eine ziffernmäßige23 Darstellung von Informationen erleichtert somit die Verarbeitung von Informationen, insbesondere wenn große Mengen davon vorliegen. Ihre Mächtigkeit erhält die ziffernmäßig codierte Informationsverarbeitung durch die Elektronifizierung. Den Weg hierzu hat Carl Friedrich Gauß zusammen mit Wilhelm Weber eröffnet: er hat bei seinen Experimenten mit dem ersten elektromagnetischen Telegrafen die Zeichen + und – benutzt24 und die Elektrifizierbarkeit des binären Codes aufgezeigt (Ernst 2004, S. 54). Die so gefasste Digitaltechnik weist zwei Vorteile auf: Erstens ist sie von spezifischen Materialitäten und Übertragungstechniken, wie Papier oder mechanischen Teilen, unabhängig und damit ubiquitär. Zweitens arbeitet ein Artefakt (Medium, Maschine, Rechner) auf Basis von Digitaltechnik programmgesteuert. Seine konkrete Funktionalität wird als (veränderbares) Bündel logischer Entscheidungen (Algorithmus) formuliert. Für sämtliche Informationsdarstellungen, Reproduktions- und Übertragungsoperationen liegt mit einer Menge an diskreten Zeichen zur Repräsentation von Operatoren und Werten eine gemeinsame technische Basis vor, ohne dass deren konkrete Ausprägungen systembedingt determiniert wären. Digitaletechnik ist daher eine General Purpose Technology (Helpman 1998). Beide Charakteristika zusammen führen dazu, dass die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung sowie die Menge der zu verarbeitenden Informationen fast grenzenlos ist, ebenfalls ist die Automatisierung (s. Abschn. 4.2) der informationsverarbeitenden Prozesse möglich (ausführlich Schmitt et al. 2016).

4.4 Spezial- und Universaltechniken

In Bezug auf die Anwendungsbreite werden spezifische Techniken von Querschnitts- oder Universaltechniken (General Purpose Technology) unterschieden (Schuh et al. 2011, S. 36).

Spezialtechniken sind limitiert. Sie können als Problemlöser nur in einer spezifischen Problemklasse eingesetzt werden, oder sie erzeugen Lösungen von sehr spezifischer Beschaffenheit. Dieses Charakteristikum beschränkt sie häufig auf den Einsatz in bestimmten Branchen. Bei struktureller Ähnlichkeit zweier Anwendungsgebiete können sie aber auch branchenübergreifend Verwendung finden, indem sie von einer konkreten Problemstellung auf eine andere konkrete Problemstellung der gleichen Problemklasse übertragen werden (Hagenhoff 2008, S. 178). Mit der Technik einer Presse lassen ich alle Probleme lösen, bei denen etwas gepresst wird (Problemklasse). Auf dieser Basis lassen sich Wein oder Druckwerke herstellen, wenngleich das konkrete Werkzeug (Weinpresse, Druckerpresse) für den Anwendungsbereich modifiziert werden muss. Bei einer solchen Übertragung im Prinzip bekannter Lösungen auf neue Problemstellungen liegt eine Innovation im Schumpeter’schen Sinne vor, die sich ergibt aus der neuartigen Kombination25 etablierter Lösungen. Eine Investition in spezifische Techniken ist durchaus risikobehaftet, da sie kaum anderen Verwendungszwecken zugeführt werden kann. Sind spezifische Techniken zudem proprietär und zu anderen Techniken nicht kompatibel, so besteht das große Risiko einer Fehlinvestition in das falsche System (Ökosysteme, Lock-Ins).

Querschnitts- oder Universaltechniken sind breit einsetzbar, ihre Verwendung ist nicht oder kaum limitiert. Sie finden Verwendung in vielen, ganz unterschiedlichen Problemklassen, Anwendungsfeldern oder Branchen, häufig bilden sie auch die Basis für andere Techniken (Schuh et al. 2011, S. 36). Eine Extremausprägung von Universaltechnik ist die Digitaltechnik, die – wie oben schon angeschnitten – für jedwede Problemstellung und für jeden Aufgabenbereich eingesetzt werden kann: Universalhardware, wie ein PC oder ein Smartphone, wird erst durch (beliebig programmierbare) Software zu einem Spezialgerät, mit dem man Bücher schreiben (Textverarbeitung, Editorial Modul im Content-Management-System), Bücher publizieren (Publishing-Modul im Content-Management-System), Bücher verkaufen (Onlineshop) oder Bücher lesen (Lese-App, Browser als universelle Laufzeitumgebung) kann.

Am Beispiel der Problemklasse ‚grafische Fixierung von Informationen mittels Buchstaben oder Bildern‘ soll exemplarisch aufgezeigt werden, wie verschiedene Techniken im Hinblick auf das grundsätzlich gleiche Ziel als Universal- oder Spezialtechnik klassifiziert werden können. An diesem Beispiel wird auch ersichtlich, dass die Einordnung einer Technik als großer Fortschritt, gar Revolution (Druck mit beweglichen Lettern) nicht pauschal, sondern nur in Bezug auf ein klar definiertes Kriterium vorgenommen werden kann, in Bezug auf andere Kriterien ggf. ein Rückschritt festzustellen ist. Um Informationen grafisch zu fixieren existieren die folgenden Möglichkeiten:
  • die Handschrift, die die Werkzeuge Feder,26 Stift oder Pinsel erfordert,

  • der Holzschnitt sowie der Kupfer- oder Stahlstich, die die Werkzeuge Messer, Stichel oder Geißfuß erfordern,

  • das typografische System mit beweglichen Bleilettern sowie

  • Systeme in Form eines komplexen Hard- und Softwareverbunds, die Pixel auf elektronischen Anzeigeflächen erzeugen.

In Bezug auf die erzeugbaren Figurationen, in denen sich grafische Zeichen präsentieren, sind die Techniken vor dem Druck mit beweglichen Lettern Universaltechniken: Sie erlauben das Erzeugen jedweder, beliebiger Figuration aus Strichen, Punkten, Bögen, Schnörkeln, Kringeln etc. Für die beweglichen Lettern des Typographeums hingegen ist ein Höchstmaß an Standardisierung erforderlich: der Zeichenvorrat, aus dem Wörter oder Schmuckformen zusammengesetzt werden können, ist zwangsläufig begrenzt,27 die druckbaren Figurationen sind präkonfiguriert. Alle Visualisierungen, die sich nicht standardisierten Mustern fügen, sind typografisch nicht produzierbar. Ein Extrem an nicht standardisierbaren Figurationen weisen Karten auf: die benötigten Visualisierungen, wie Straßen- oder Flussverläufe, Höhenlinien etc. sind in nahezu beliebiger Art geformt, weswegen der Kartendruck auf Basis typografischer Techniken gescheitert ist.28 Auch Abbildungen als textbegleitendes Element in Büchern, Zeitungen oder Flugpublizistik waren im Bleiletterndruck nur realisierbar, in dem die Produktionstechnik gewechselt wurde: Bilder wurden mit Hilfe von Holzschnitten, Kupfer- oder Stahlstichen oder per Lithografie erzeugt. Entweder es wurde die Druckform zusammen mit der typografischen Form in den Druckstock eingespannt, oder in einem zweiten Druckgang die Lücke im Text bedruckt oder das separat gedruckte Bild anschließend in das lückenbehaftete Druckwerk eingeklebt. Die Reduktion von Bildanteilen in gedruckten Büchern (Bleiwüste) im Laufe der Zeit könnte dem ineffizienten und teuren Wechsel der Produktionstechnik geschuldet sein.29 Der Binärcode in elektronischen Systemen und die ausführbaren Operationen hingegen erlauben wieder eine Darstellung beliebiger grafischer Formen: Das Schwarze auf dem Bildschirm wird aus Pixeln kombiniert. In dieser Interpretation liegt eine Revolution im originären Wortsinne vor: Zurück auf den Anfangszustand.

5 Zusammenfassung

Der Beitrag hat die Ressource Technik (bzw.Technologie) aus der Perspektive von Innovation und Revolution behandelt. Festzuhalten ist, dass noch keine umfassende domänenspezifische Innovationsforschung existiert. Die meisten der Beiträge sind sehr kleinteiliger Art, verstreut und schlecht auffindbar in unterschiedlichen Publikationsorganen, als eine Ausnahme hiervon wurde das Werk von Dogruel identifiziert. Eine unüberschaubare Zahl an Beiträgen jedoch liegt vor, die Technik und die Veränderungen und Neuerungen dieser Ressource in Form von Revolutions-Geschichten behandeln (Medienrevolution, Kommunikationsrevolution, digitale Revolution). Die mittlerweile lauter werdende Kritik an diesen teils unterkomplexen, theoriearmen und oft technikdeterministischen Narrationen entlang vermeintlicher Zäsuren wurde zum Anlass genommen, keine Von Gutenberg-zu-Berners-Lee-Geschichte zu erzählen. Stattdessen wurden ausgewählte Möglichkeiten der Kategorisierung von Techniken aus verschiedenen Disziplinen präsentiert, die dabei helfen können, Technikdiskussionen in der und für die Medienwirtschaft auf ein höheres Abstraktionslevel zu heben.

Fußnoten

  1. 1.

    Die praktische Identifikation einer radikalen Innovation ist oftmals schwierig, da insbesondere transformatorische, also strukturverändernde Wirkungen oft nur aus der Rückschau identifizierbar sind, was jedoch mit großen methodischen Herausforderungen verbunden ist (vgl. Stöber 2008, S. 30–32).

  2. 2.

    Es ließe sich ggf. auch noch die Technologie-Kritik als Ansatz anführen (z. B. Habermas: „Technik und Wissenschaft als Ideologie“, oder Wagner: „Robokratie“), gleichwohl sind aber Innovationen nicht automatisch technischer Natur.

  3. 3.

    Die Techniksoziologie hat in Deutschland eine starke Tradition. Es sei ergänzend auf das wegweisende Werk von Weingart (1989) verwiesen.

  4. 4.

    Es sei auf zwei weitere Werke verwiesen die bei Dogruel nicht erfasst sind: Hiller (2016) wendet das Konzept des Innovator’s Dilemma von Christensen (1997) auf den Buchmarkt an und Holtmann (2008) bzw. Sydow et al. (2011) das der Pfadabhängigkeiten.

  5. 5.

    Zur Akzeptanz von neuen Technologien oder Medien siehe auch den Aufsatz von Krone und Pinkl in diesem Band.

  6. 6.

    Eine Zusammenfassung und Einordnung der Arbeiten von Albion und weiteren Historikern findet sich bei John (1994), eine lesenswerte frühe Abhandlung über die Kommunikationsrevolution und die Veränderung der Sozialfigur des Professional Communicator bei Carey (1965).

  7. 7.

    Zum Begriff der logistischen sowie akquisitorischen Distribution vgl. Hagenhoff in diesem Band (Buchsachgruppen).

  8. 8.

    Langenbucher verwendet im gleichen Aufsatz mit Bezug auf Engelsing (1969, S. 958) einen weiteren Revolutionsbegriff, den der Leserevolution.

  9. 9.

    Eine etwas andere Facette beleuchtet Beniger (1986) mit seiner Arbeit „Control Revolution“. Er arbeitet die Bedeutung von Informationen zur Steuerung arbeitsteiliger Prozesse und komplexer Systeme (wie z. B. Eisenbahn) in fortschrittlichen Industrieländern heraus. Er verweist in diesem Zusammenhang dann auch auf die Bedeutung von Kommunikationstechniken, wie Telegraph, Druckerpresse oder Radiowellen.

  10. 10.

    Vgl. auch die Auflistung und die mit den verschiedenen Ausprägungen verbundenen relevanten Revolutionszeitpunkte, die sich über gut 400 Jahre erstrecken, bei Schröter (2004, S. 8).

  11. 11.

    Abgekürzt GAFA. Akteure dieser Art heißen alternativ auch Algorithmiker, Dateinheinis oder Überwachungskapitalisten, hierzu Hagenhoff (2017).

  12. 12.

    Bei Hagenhoff: Buchsachgruppen (in diesem Band) findet sich ebenfalls eine kompakte epochenbezogene Darstellung der Buchwirtschaft, wobei dort zumindest Kriterien genannt sind (Beschaffenheit von a) Leistungserstellung, b) Produkt und c) Publikationssystem), nach denen Differenzen beschrieben werden.

  13. 13.

    In dieser Teildisziplin auf der Schnittstelle der BWL zur Ingenieurswissenschaft wird der Begriff Technologie anstelle von Technik verwendet.

  14. 14.

    Diese Beispiele und weitere „revolutionäre Medieninnovationen“ finden sich auf dem Blog www.gedankenstrich.org von Jan-Felix Schrape unter der Rubrik „Heute ist die Zukunft von Gestern“.

  15. 15.

    Zur aktuellen Begriffsverwendung vgl. Hagenhoff (2015a, S. 143).

  16. 16.

    Ein Charakteristikum von Algorithmen ist ihre Finitheit: ein Algorithmus ist nur funktionstüchtig, wenn er von selber zu einem Ende kommt (‚Fertig‘). Hierzu muss der Zustand ‚Fertig‘ definiert sein.

  17. 17.

    Für Deutschland geregelt im Rundfunkstaatsvertrag, für Österreich im ORF-Gesetz.

  18. 18.

    In der Informationstechnik spricht man von temporaler oder historisierender Datenhaltung, wenn die Entwicklung eines Datums bzw. des Sachverhalts, den das Datum repräsentiert, über die Zeit dokumentiert wird und nicht lediglich der jeweils aktuell gültige Wert durch Überschreiben gespeichert wird. Temporale Datenhaltung ist konzeptionell komplex sowie speicherintensiv, da mit jeder Zustandsänderung eines Attributs ein neuer Attributwert in einer zeitpunktbezogenen Ausdifferenzierung des Attributs separat abgelegt werden muss.

  19. 19.

    Das einzige scheinbar passende erwähnte Beispiel aus dem Bereich des Roboterjournalismus von Loosen und Scholl ist bisher nicht – nicht wie bei Hepp angekündigt – publiziert worden und konnte daher bis Redaktionsschluss dieses Beitrags auf seine Passigkeit zu Rammerts fünf Niveaus nicht überprüft werden.

  20. 20.

    Man beachte, dass sich in einem M2M-Szenario die Kommunikation eben nicht an Menschen als Mitglieder von „Gesellschaft“ richtet, sondern zunächst ein Artefakt ein anderes Artefakt durch Übergabe von Daten steuert.

  21. 21.

    Kritisch äußert sich hierzu Brosius (2016) in seiner Replik auf Hepp, differenziert auch Krone et al. 2009.

  22. 22.

    Vgl. hierzu basal die Informationstheorie von Shannon (1948) und den dort verwendeten Begriff der Entropie als Maß für den mittleren Informationsgehalt eines Zeichens. Der Kern der Überlegung besteht daraus, dass ein Zeichen umso gehaltvoller an Information ist, je weniger sein Auftreten in einer Zeichenkette vorhergesagt werden kann, oder anders ausgedrückt: der Informationsgehalt eines Zeichens ist proportional zum Grad seiner Überraschung. Zeichen von geringem Informationsgehalt können daher in der Nachrichtenübertragung auch weggelassen werden und am Ziel einfach wieder hinzugefügt werden, was man sich bei der Kompression zunutze machen kann. Ein Bespiel für ein Zeichen mit geringem Informationsgehalt ist im Deutschen das U, wenn es einem Q folgt. Da ein Q ohne U nicht vorgesehen ist, kann das U als Folger auf das Q eigentlich auch entfallen, ohne das ein Verlust an Information einherginge. Knapper formuliert Bateson (1981, S. 488), als Information sei „irgendein Unterschied [zu verstehen], der bei einem späteren Ereignis einen Unterschied ausmacht.“

  23. 23.

    Ziffernmäßige Darstellung ist nicht gleichzusetzen mit binär. Ziffern sind zunächst einzelne Stellen in einem Zahlensystem: im Dezimalsystem werden zehn Ziffern verwendet (0 bis 9), im ternären System drei (z. B. -1; 0; 1 oder 0; 1; 2) und im binären System zwei (z. B. 0; 1).

  24. 24.

    Plus und Minus zur Repräsentation positiver und negativer Elektrizität wurden von Georg Christoph Lichtenberg, einem Lehrer von Gauß, eingeführt.

  25. 25.

    Präzise spricht Schumpeter (1961, S. 95) von der Aufstellung einer neuen Produktionsfunktion. „Indem wir uns daran erinnern, dass Produktion im wirtschaftlichen Sinne nichts anderes als das Kombinieren von Produktionsleistung ist, können wird das gleiche auch dadurch ausdrücken, dass wir sagen, dass die Innovation Faktoren auf eine neue Art kombiniert“.

  26. 26.

    Zum Schreibwerkzeug Feder, seiner Produktion und der zugehörigen Märkte vgl. Hanson (2016, S. 228–239).

  27. 27.

    Zu den Kombinationsmöglichkeiten von Elementen s.o. Kittler (1993, S. 180) spricht von „Gutenbergs abzählbarer Kombinatorik“.

  28. 28.

    Zum Versuch der typographischen Produktion von Landkarten vgl. Hoffmann-Feer (1969).

  29. 29.

    Zum Einfluss der Arbeitsökonomie auf die Gestaltung von Büchern in der Frühen Neuzeit vgl. Rautenberg (2003).

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für BuchwissenschaftFriedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)ErlangenDeutschland

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