Advertisement

„Integration“ in der deutschen Staatsrechtslehre

  • Robert Chr. van OoyenEmail author
Living reference work entry

Zusammenfassung

„Integration“ spielt in der deutschen staatstheoretischen Diskussion eine herausragende Rolle. Die zur Weimarer Zeit entwickelte Integrationslehre des deutschnationalen Etatisten Rudolf Smend war jedoch gegen die liberal-demokratische Republik und offene Gesellschaft gerichtet. Das zeigte schon ihr seinerzeit schärfster Kritiker, der Wiener Staatsrechtler und Demokrat Hans Kelsen. Trotzdem avancierte sie in der Bundesrepublik zu einer quasi-offiziellen Staatsdoktrin. Dies lag einerseits an der Dominanz bzw. Abwesenheit staatsrechtlicher Schulen nach 1945. Darüber hinaus kann die Integrationslehre bis heute an wirkmächtige Traditionen der deutschen politischen Kultur anknüpfen, die gemeinschaftsbezogen auf den „Staat“ und das „Volk“, weniger jedoch konfliktorientiert an „Verfassung“ und „pluralistischer Gesellschaft“ ausgerichtet sind.

Schlüsselwörter

Integrationslehre Gemeinschaft und Gesellschaft Politische Theologie Smend Kelsen 

Literatur

  1. Bärsch, Claus-Ekkehard. 1974. Der Staatsbegriff in der neueren deutschen Staatslehre und seine theoretischen Implikationen. Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  2. Bülow, Birgit von. 1996. Die Staatsrechtslehre der Nachkriegszeit (1945–1952). Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  3. Fraenkel, Ernst. 1990. Deutschland und die westlichen Demokratien, 2. erw. Aufl. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  4. Günther, Frieder. 2004. Denken vom Staat her. Die bundesdeutsche Staatsrechtslehre zwischen Dezision und Integration 1949–1970. München: Oldenbourg.CrossRefGoogle Scholar
  5. Häberle, Peter, und Markus Kotzur. 2016. Europäische Verfassungslehre, 8. Aufl. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  6. Heun, Werner. 1989. Der staatsrechtliche Positivismus in der Weimarer Republik. Eine Konzeption im Widerstreit. Der Staat 28(3): 377–403.Google Scholar
  7. Hofmann, Hasso. 1995. Legitimität gegen Legalität. Der Weg der politischen Philosophie Carl Schmitts, 3. Aufl. Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  8. Kant, Immanuel. 1997. Die Metaphysik der Sitten. Stuttgart: Reclam.Google Scholar
  9. Kelsen, Hans. 1926. Der Staat als Übermensch. Wien: Verlag Julius Springer.CrossRefGoogle Scholar
  10. Kelsen, Hans. 1930. Der Staat als Integration. Wien: Springer.CrossRefGoogle Scholar
  11. Kelsen, Hans. 1981. Der soziologische und der juristische Staatsbegriff. Kritische Untersuchung des Verhältnisses von Staat und Recht, 2. Neudr. der 2. Aufl. von 1928. Aalen: Scientia.Google Scholar
  12. Korioth, Stefan. 1990. Integration und Bundesstaat. Ein Beitrag zur Staats- und Verfassungstheorie Rudolf Smends. Berlin: Duncker & Humblot.CrossRefGoogle Scholar
  13. Korioth, Stefan. 2005. Integration und staatsbürgerlicher Beruf. Zivilreligiöse und theologische Elemente staatlicher Integration bei Rudolf Smend. In Die Integration des modernen Staates. Zur Aktualität der Integrationslehre von Rudolf Smend, Hrsg. Roland Lhotta, 113–132. Baden-Baden: Nomos.CrossRefGoogle Scholar
  14. Lehnert, Detlef. 1999. Wie desintegrativ war die Weimarer Reichsverfassung? KJ 32(3): 298–409.CrossRefGoogle Scholar
  15. Lepsius, Oliver. 2003. Die Wiederentdeckung Weimars durch die bundesdeutsche Staatsrechtslehre. In Weimars lange Schatten – „Weimar“ als Argument nach 1945, Hrsg. Christoph Gusy, 354–394. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  16. Lhotta, Roland, 2005. Ethischer Institutionalismus und sittliche Pflicht: Der Schatten Hegels in der Integrationslehre. In Ders. (Hrsg,), Die Integration des modernen Staates. Zur Aktualität der Integrationslehre von Rudolf Smend, 91–112. Baden-Baden: Nomos.CrossRefGoogle Scholar
  17. Lübbe-Wolff, Gertrude. 2007. Homogenes Volk. Über Homogenitätspostulate und Integration. ZAR 27(4): 121–127.Google Scholar
  18. Ooyen, Robert Chr. van. 2003. Der Staat der Moderne. Hans Kelsens Pluralismustheorie. Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  19. Ooyen, Robert Chr. van. 2004. Der Begriff des Politischen des Bundesverfassungsgerichts. Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  20. Ooyen, Robert Chr. van. 2008. Die Integrationslehre von Rudolf Smend und das Geheimnis ihres Erfolgs in Staatslehre und politischer Kultur nach 1945. JoJZG, 2(2): 52–57.Google Scholar
  21. Ooyen, Robert Chr. van. 2014. Integration. Die antidemokratische Staatstheorie von Rudolf Smend im politischen System der Bundesrepublik. Wiesbaden: Springer.Google Scholar
  22. Ooyen, Robert Chr. van. 2017. Hans Kelsen und die offene Gesellschaft, 2. Aufl. Wiesbaden: Springer.Google Scholar
  23. Ooyen, Robert Chr. van. 2018. Die Staatstheorie des Bundesverfassungsgerichts und Europa, 7. Aufl. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  24. Schmitt, Carl. 1993. Legalität und Legitimität, 5. Aufl. Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  25. Schmitt, Carl. 1996. Der Begriff des Politischen, 6. Aufl. Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  26. Schwarz, Hans-Peter. 2012. Von Heuss bis Köhler. Die Entwicklung des Amtes im Vergleich der Amtsinhaber. In Der Bundespräsident im politischen System, Hrsg. Robert Chr. van Ooyen und Martin H.W. Möllers, 285–306. Wiesbaden: Springer.CrossRefGoogle Scholar
  27. Smend, Rudolf. 1955. Staatsrechtliche Abhandlungen und andere Aufsätze. Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  28. Smend, Rudolf. 1975. Integration. In Evangelisches Staatslexikon, 2. Aufl., 1024–1027. Stuttgart/Berlin: Kreuz.Google Scholar
  29. Sontheimer, Kurt. 1978. Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. München: Verlag dtv Wissenschaft.Google Scholar
  30. Sontheimer, Kurt. 1991. Grundzüge des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 14. Aufl. München: Piper.Google Scholar
  31. Stolleis, Michael. 1999. Geschichte des öffentlichen Rechts. Bd. 3: Staats- und Verwaltungsrechtswissenschaft in Republik und Diktatur 1914–1945. München: C.H. Beck.CrossRefGoogle Scholar
  32. Tönnies, Ferdinand. 1963. Gemeinschaft und Gesellschaft. Nachdr. der 8. Aufl. von 1935. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Technische Universität DresdenDresdenDeutschland

Personalised recommendations