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Ethnographische Forschung

  • Sigrid KannengießerEmail author
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

In der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Geschlechterforschung verfolgen ethnographische Arbeiten das Ziel, die Relevanz und die Bedeutung von Medien und (medial vermittelter) Kommunikation für Geschlechterkonstruktionen und -verhältnisse im Alltag zu analysieren. Unter Einsatz ethnographischer Methoden kann u. a. untersucht werden, welche Rolle Medieninhalte im Prozess der Herstellung von Geschlechteridentitäten spielen und wie sich Personen Medien für die Herstellung ihrer Geschlechtsidentität aneignen. Dabei ist das Besondere ethnographicher Forschung, dass sie die Prozesse der Herstellung von Geschlechtsidentitäten und Geschlechterverhältnissen im Alltag untersuchen.

Schlüsselwörter

Ethnographie Virtuelle Ethnographie (teilnehmende) Beobachtung Qualitatives Interview Feministische Perspektiven 

1 Einleitung

Ethnographie ist eine Methode, mit der Wissenschaftler∗innen das Alltagshandeln von Menschen, ihre Sinnkonstruktionen und ihre Lebenswelten untersuchen. Sie ermöglicht den Forschenden, durch eine längere und unmittelbare Beobachtung des Forschungsfeldes soziales Leben zu analysieren (Ayaß 2016, S. 335). Charakteristisch für ethnographische Forschung sind die längere Teilnahme im Forschungsfeld, Flexibilität in der Forschungsstrategie und Besonderheiten ethnographischen Schreibens (Lüders 2000, S. 391). In der traditionellen Ethnographie und der Kulturanthropologie wird die Ethnographie vorwiegend genutzt, um andere Kulturen zu erforschen, während die sozialwissenschaftliche Ethnographie „die Kulturen der eigenen Gesellschaft“ (Lüders 1994, S. 390) erforscht.

Während sich ethnographische Forscher∗innen traditionell lange im Feld einer fremden Kultur aufhalten, verfolgt die „fokussierte Ethnographie“ das Ziel, einen besonderen Ausschnitt der (eigenen) Kultur in den Blick zu nehmen (Knoblauch 2001, S. 125). Es geht darum, Vertrautes, selbstverständlich Erscheinendes zu untersuchen (Ayaß 2016, S. 337). In der Ethnographie kommt eine Kombination aus verschiedenen qualitativen Methoden zum Einsatz. Da ethnographisches Arbeiten immer Feldforschung ist, kommt der teilnehmenden Beobachtung eine zentrale Rolle zu (Ayaß 2016, S. 337). Darüber hinaus wird ein Methodenspektrum eingesetzt, das vom einfachen Gespräch über vertiefende, informelle Gespräche, narrative Interviews, teilstrukturierte qualitative Interviews und Gruppeninterviews, die in bestimmten Zeitabschnitten wiederholt werden können, über Tagebuchanalysen bis zu Bild- und Filmanalysen reicht (Lindner 2000, S. 70). Auch wenn nur eine Methode eingesetzt wird, „ist das, was sie zur Ethnographie macht, eine Einbettung in den Kontext einer andauernden teilnehmenden Beobachtung.“ (Breidenstein et al. 2015, S. 71)

Die Beobachtung kann teilnehmend oder nicht-teilnehmend sein, d. h., die forschende Person wird entweder selbst Teil der Gruppe der zu Beforschenden oder sie nimmt eine außenstehende Beobachterposition ein (Flick 2009, S. 282). Mit Hilfe der Beobachtung taucht der/die Forscher∗in ein in die Alltagswelt anderer und beobachtet – angeleitet durch präzise Forschungsfragen und einen Beobachtungsleitfaden (Schöne 2003, o. S.) – das Handeln der Beobachteten und die sozialen Gefüge, in denen die Personen agieren. Die Forscher∗innen beobachten, was immer sich im Feld ergibt (Ayaß 2016, S. 338).

Die zweite sehr häufig verwendete ethnographische Forschungsmethode sind Interviews. „Im Rahmen ethnographischer Forschung können alle möglichen Formen von qualitativen Interviews geführt werden“ (Breidenstein et al. 2015, S. 80). Wichtig ist auch hier die Kontextualisierung des Interviews. Mit Interviews kann die/der Forschende durch verschiedene Frageformen Einblicke in die Lebenswelt der Beforschten erhalten (Spradley 1979) und kann die Perspektive der Beforschten und ihre Sinnzuschreibungen rekonstruieren. Durch einen Leitfaden strukturiert, gehören ethnographische Interviews zur Kategorie der Leitfadeninterviews. Besonders für ethnographische Interviews ist, dass das Interview offen geführt wird, d. h., der/die Interviewer∗in spontan auf neu auftretende Aspekte im Interview eingeht, und dass der Kontext des Interviews und der Interviewten berücksichtigt wird.

Die Arbeit im Feld bedeutet auch, dass der/die Ethnograph∗in körperlich anwesend ist und die verschriftlichten Ethnographien immer auch das Ergebnis der Interaktionen im Feld sind (Ayaß 2016, S. 338–339).

Ziel der Ethnographie ist eine „dichte Beschreibung“ (Geertz 2009) einer Kultur (oder von Ausschnitten einer Kultur), mit der diese durch die forschende Person nicht nur beschrieben, sondern aufgrund der Vertrautheit mit dem Kontext und den je spezifischen kulturellen Referenzsystemen interpretiert wird. Für die Interpretation ethnographischer Daten ist es nicht nur notwendig, die historischen und theoretischen Kontexte sowie die strukturellen Bedingungen untersuchter Subjekte und ihrer Kultur einzubeziehen, sondern auch die gesammelten Daten in Bezug zu bestehenden Theorien zu setzen (Willis 2000).

2 Ethnographische Ansätze in der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Geschlechterforschung

Erste ethnographisch orientierte medienwissenschaftliche Arbeiten mit Geschlechterbezug entstanden im Kontext der Cultural Studies. Da in den Cultural Studies die Rezeption und Aneignung der Produkte der Populär- und Massenkultur als ein in den Alltag integrierter Prozess des Aushandelns konzipiert ist, wurde von Anfang an ein ethnographischer Zugang forciert. So hat etwa James Lull (1990) auf der Basis teilnehmender Beobachtungen und von Interviews das Fernsehen in der Familie als Teil der Familiendynamik beschrieben, und Ann Gray (1992) untersuchte, in welcher Weise Videorekorder von Frauen genutzt werden. Allerdings wurde in vielen Medienaneignungsstudien zwar davon gesprochen, einem ethnographischen Zugang zu folgen, aber de facto wurde kaum im Feld gearbeitet, sondern nur Textanalysen, Interviews und Gruppendiskussionen durchgeführt, wie Virginia Nightingale (1993) problematisiert.

Ethnographische Arbeiten in der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Geschlechterforschung verfolgen das Ziel, die Relevanz und Bedeutung von Medien und (medial) vermittelter Kommunikation für Geschlechterkonstruktionen und -verhältnisse im Alltag zu analysieren. Unter Einsatz ethnographischer Methoden kann u. a. untersucht werden, welche Rolle Medien(inhalte) im Prozess der Herstellung von Geschlechteridentitäten spielen, wie sich Personen Medien für die Herstellung ihrer Geschlechtsidentität aneignen und welche Relevanz Medien und (medial vermittelte) Kommunikation für die Verhältnisse zwischen Geschlechtern zukommt. Dabei ist das Besondere ethnographischer Forschung, dass sie die Prozesse der Herstellung von Geschlechtsidentitäten und Geschlechterverhältnissen im Alltag untersucht. Ethnographische Forschung nimmt auch Macht- und Herrschaftsverhältnisse zwischen unterschiedlichen Geschlechtergruppen in den Blick und legt sowohl diskriminierende Geschlechtszuschreibungen als auch ungleiche Geschlechterverhältnisse offen. Gefragt wird auch, wie Medien für die Ermächtigung diskriminierter und marginalisierter Geschlechtergruppen und für Geschlechtergerechtigkeit bedeutsam werden können. Ethnographische Studien, die Frauen in den Fokus und Fragen nach Geschlechtergerechtigkeit stellen, können eine „feministische Perspektive“ einnehmen, also das normative Ziel der „Aufdeckung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten und die Gleichberechtigung von Frauen“ (Finke 2003, S. 482) verfolgen, die Methode selbst ist jedoch nicht feministisch (Reinharz 1992, S. 241). Ethnographischen Methoden sind aber auch Widersprüche in Hinblick auf feministische Zielsetzungen inhärent, zum einen, weil die Beforschten einer größeren Verwundbarkeit ausgesetzt werden, zum anderen, weil die Produkte des Forschungsprozesses weniger den Beforschten als den Forschenden selbst dienen (Stacey 1988, zum zweiten Aspekt s. u. und Kannengießer 2014, S. 132–133).

Geschlecht wird auch in der ethnographischen Forschung zunehmend nicht isoliert, sondern durch eine „intersektionale Perspektive“ (Knapp 2008, S. 44), also im Wechselverhältnis mit weiteren sozio-kulturellen Kategorien wie Ethnizität, Sexualität oder Alter in den Blick genommen. Die sozio-kulturellen Kategorien sind dabei als prozesshaft zu denken, die performativ hergestellt werden.

Ethnographische Forschung wird in der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Geschlechterforschung vor allem in der Medienaneignungsforschung eingesetzt, um die Rolle von Geschlecht in der alltäglichen Aneignung von Medien zu verstehen. Studien fokussieren oftmals ein Einzelmedium und untersuchen, wie medial repräsentierte Geschlechterbilder für die Herstellung der Geschlechtsidentitäten der Rezipierenden genutzt werden. Untersucht wird z. B. die Aneignung von Fernsehserien und Soap Operas mittels ethnographischer Interviews (Seiter et al. 1994; Miao 2018) oder die Rezeption von Musikvideos durch Männer und Frauen (Bechdolf 1999) bzw. junge Mädchen (Duits und van Zoonen 2013). Dabei wird mit Einsatz qualitativer Interviews die Perspektive der Beforschten und ihre Sinnzuschreibungen rekonstruiert. Ethnographische Studien zeigen, dass die Rezipierenden mediale Geschlechterbilder für ihr „doing gender“, also den Herstellungsprozess ihrer Geschlechtsidentität heranziehen, dies jedoch nicht nur affirmativ, sondern durchaus auch mit einer kritischen Perspektive, indem sich die Rezipierenden von den medialen Geschlechter(vor)bildern auch distanzieren (z. B. Duits und van Zoonen 2013).

Ethnographische Methoden verändern sich vor dem Hintergrund des Wandels ihres Forschungsgegenstandes: Durch die Etablierung von Internetmedien steht die kommunikations- und medienwissenschaftliche Geschlechterforschung vor der Herausforderung, ihre ethnographischen Verfahren für die Erforschung der „neuen“ Medien weiterzuentwickeln (Mangelsdorf 2017).

Die Aneignung von Internetmedien wird mit „traditionellen“ ethnographischen Methoden wie qualitativen Interviews, die offline durchgeführt werden, erforscht. Ahrens (2009) untersucht etwa mit ethnographischen Interviews, inwiefern über den Prozess der Aneignung von Internetmedien im Alltag traditionelle Geschlechterverhältnisse fortgesetzt werden oder ob die verstärkte Internetnutzung von Frauen zu Geschlechtergerechtigkeit führen kann.

Müller und Röser (2017) analysieren die Second-Screen-Nutzung, also den Umgang mit mobilen Medientechnologien parallel zur Fernsehnutzung (Busemann und Tippelt 2014, S. 409), im häuslichen Zusammenleben von Paaren. Eine ethnographische Herangehensweise ermöglicht in dieser Studie die Rekonstruktion der Perspektive der einzelnen Personen sowie ihr Handeln in (hier heterosexuellen) Paarbeziehungen. In dieser Studie wurden qualitative Interviews zeitgleich mit den Partner∗innen durchgeführt, zudem das Zuhause der Paare durch Wohnungsbegehungen beobachtet und in Fotografien festgehalten, an welchen Orten sich klassische und digitale Medien befinden (Müller und Röser 2017, S. 144). So konnte in der Studie herausgearbeitet werden, dass der häusliche Alltag und das Zusammenleben in Paarbeziehungen die „Second-Screen-Nutzung“ stark beeinflusst.

Jenson und de Castell (2011, S. 168) untersuchen in einer ethnographischen Studie die Aneignung von Spielekonsolen durch Mädchen und Frauen und argumentieren, dass der Einsatz ethnographischer Methoden ihnen ermöglicht habe, die Rolle des Geschlechts bei der Aneignung der Spielekonsolen gezielt und nuanciert herauszuarbeiten.

Wie Frauen und Frauenorganisationen digitale Medien für die Ermächtigung von Frauen und zur Entwicklung von Geschlechtergerechtigkeit nutzen, wird z. B. von Kannengießer (2014) untersucht. In einer Teilstudie zum Ermächtigungspotenzial von Workshops für digitales Geschichtenerzählen mit Sexarbeiterinnen in Südafrika wird durch die Kombination von Beobachtungen und qualitativen Interviews gezeigt, dass die Frauen sich von der Produktion ihrer digitalen Geschichten eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse wünschen, dass diese Hoffnung aber aufgrund des begrenzten Ermächtigungspotenzial der Workshops enttäuscht werden muss (Kannengießer 2012).

Ethnographische Forscher∗innen erheben ihr Material auch in den Online-Medien selbst und führen (teilnehmende) Beobachtungen in Weblogs, Foren, sozialen Netzwerkseiten oder bei Online-Kommentaren durch. Diese Form ethnographischer Forschung, welche in Internetmedien stattfindet, wird auch als virtuelle Ethnography (Hine 2000) oder Nethnography (Kozinets 2010) bezeichnet. Bozdag (2013, S. 200) zeigt durch eine Nethnography in Online-Foren auf Websites der türkischen und marokkanischen Diaspora in Deutschland, dass die Geschlechterbilder in fiktiven digitalen Geschichten, die in diesen Foren geschrieben werden, bestimmten Moralvorstellungen entsprechen. So werden hier sexuelle Themen tabuisiert und Nutzer∗innen, die Sexualität in ihren Geschichten thematisieren, in Online-Kommentaren kritisiert oder durch die Administrator∗innen sanktioniert. Nach Ayaß (2016, S. 342) besteht die Herausforderung hier darin, den Kontext der Akteur∗nnen nicht aus den Augen zu verlieren und sich eben nicht nur auf die sprachlichen Konstruktionen im Netz zu konzentrieren.

Ethnographische Methoden untersuchen also online und offline die alltägliche Bedeutung von Medien für die Herstellung von Geschlecht.

3 Reflexion der Methode

Eine große Herausforderung für die kommunikations- und medienwissenschaftliche Geschlechterforschung ist es, die untersuchte Geschlechterkategorie als eine prozesshafte zu analysieren und nicht als fixe Kategorie. Gerade dies kann durch einen ethnographischen Zugang gelingen, wenn wie in der traditionellen ethnographischen Forschung die Herstellung der Geschlechtsidentität (in den Medien oder mit Hilfe von Medien) über einen längeren Zeitraum beobachtet wird.

Wenn Beobachtungen online oder offline durchgeführt werden, gebietet es die Forschungsethik, die Beobachtung den beobachteten Subjekten transparent zu machen, also den Beforschten mitzuteilen, dass sie beforscht werden, und um ihre Einwilligung zu bitten. Des Weiteren muss die jeweilige Perspektive der Forschenden von diesen selbst im Forschungsprozess kritisch reflektiert werden. Denn auch im ethnographischen Forschungsprozess spielt z. B. das Geschlecht der forschenden Person selbst eine Rolle. So kann die Zugehörigkeit zu einer beforschten Geschlechtergruppe z. B. mehr Offenheit der Beforschten gegenüber der/dem Forschenden ermöglichen oder auch Zurückhaltung bewirken (Kannengießer 2014, S. 132–133). Auch hier ist eine intersektionale Perspektive relevant, denn nicht nur das Geschlecht der Forschenden, sondern auch weitere soziale Kategorien wie ihre/seine Nationalität, Ethnizität oder Sexualität können den Kontakt zu den Beforschten beeinflussen und damit auch den Forschungsprozess. Im Forschungsprozess werden Geschlecht und weitere soziale Kategorien andauernd hergestellt: Die Praktiken des „doing gender“, „doing ethnicity“ etc., die von Forschenden und Beforschten während des Forschungsprozesses erfolgen, müssen in die Reflexion einbezogen werden.

Ebenso ist kritisch zu reflektieren, in welcher Weise die Ergebnisse ethnographischer Forschung durch den/die Forschenden, der/die die Daten erhebt, auswertet und interpretiert, geprägt sind. Hierdurch kann auch die Reproduktion von Machtverhältnissen offengelegt werden (Parameswaran 2001). In dem von Clifford und Marcus herausgegebenen Sammelband „Writing Culture: The Poetics and Politics of Ethnography“ (1986), der eine tiefgreifende Diskussion in der Ethnologie und Anthropologie ausgelöst hat, wird eine Reflexion vor allem auch für den Schreibprozess eingefordert. Konkret werden Darstellungen der Forschungssubjekte als Andere problematisiert und Vorschläge zur Einbeziehung der Stimmen der Forschungssubjekte gemacht. Beispiele für ethnographische Forschung in der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Geschlechterforschung, in der die eigene Forschendenposition und die Kontexte und Diskurse, in denen die Forschenden eingebettet sind, hinterfragt werden, finden sich bei Kannengießer (2014, S. 132–133) oder Bechdolf, die in ihrer Studie zur Aneignung von Musikvideos ihren eigenen Musikkonsum reflektiert (Bechdolf 1999). Noch stärker zugespitzt wird das Ernstnehmen der Subjektivität von Forschung in autoethnographischen Methoden, in denen der/die Forscher∗in die eigenen Erfahrungen bearbeitet, um eine Kultur zu verstehen (Adams et al. 2015). Ausgangspunkt ist dabei, dass individuelle Erfahrungen nie nur für diese Person allein relevant sind, „sondern dass jede Geschichte Anschlussmöglichkeiten für die Geschichten anderer bereithält“ (Ploder und Stadlbauer 2013, S. 376). Autoethnographien verfolgen nicht das Ziel, Bedeutungen zu rekonstruieren oder Erforschtes zu repräsentieren, vielmehr sind die Verstehensprozesse selbst Gegenstand dieses Ansatzes (Ploder und Stadlbauer 2013, S. 378).

4 Fazit

Ein ethnographisches Vorgehen, das dem Alltagshandeln von Menschen und ihren Sinnkonstruktionen nachgeht, kann mithelfen, die Rolle und Bedeutung von Medien und medienvermittelter Kommunikation für die Herausbildung der Geschlechtsidentität, die Gestaltung von Geschlechterverhältnissen und für Schritte in Richtung Geschlechtergerechtigkeit zu verstehen.

Voraussetzung dafür ist nicht nur ein offenes Vorgehen im Feld, sondern auch ein hohes Maß an Selbstreflektion durch die forschende Person. In jüngster Zeit entstandene Netzwerke für qualitative Forschung und Methoden1 bieten Forschenden Möglichkeiten für den Austausch auch über ethnographisches Vorgehen.

Fußnoten

  1. 1.

    Siehe z. B. das Netzwerk Qualitative Methoden (https://netzwerqualitativemethoden.wordpress.com) oder das Netzwerk Qualitative Forschung an der Universität Graz (https://netzwerk-qualitative-forschung.uni-graz.at).

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Authors and Affiliations

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