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Kinderwunsch, Familie und Beruf

  • Diana BaumgartenEmail author
  • Andrea Maihofer
  • Nina Wehner
Living reference work entry
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Zusammenfassung

Im vorliegenden Text liegt der Fokus auf der Verwobenheit von Kinderwünschen, Anforderungen an Mutter- und Vaterschaft sowie den Berufsvorstellungen und -verläufen von Frauen und Männern. In einem ersten Schritt geht es um die Herausbildung der Vorstellungen von Weiblichkeit und Mutterschaft sowie Männlichkeit und Vaterschaft, wie sie sich im Zuge der Etablierung der bürgerlichen Gesellschaft entwickelt haben und das Bild von Familie bis heute prägen. Wie sich zeigt, sind diese Vorstellungen bei der Entwicklung eines Kinderwunsches und den Überlegungen, wie dieser gelebt werden kann, nach wie vor ein wichtiger normativer Bezugspunkt. Gleichzeitig lassen sich für beide Geschlechter auch neue Bedürfnisse bezogen auf Elternschaft feststellen, was für Männer wie für Frauen zu deutlichen Spannungen führt, wenn es darum geht, Elternschaft und Beruf zu vereinbaren. Gründe sind vor allem die gegenwärtigen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Sie erlauben es derzeit kaum, Beruf und Familienleben entsprechend den eigenen Bedürfnissen und (Zeit-) Wünschen zu organisieren.

Schlüsselwörter

Kinderwunsch Mutterschaft Vaterschaft Geschlechternormen im Wandel Beruf Teilzeit Vereinbarkeit 

1 Einleitung

Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Kinderwünschen von Frauen und Männern und ihren Vorstellungen von Familie und Beruf gibt, lässt sich zweifellos positiv beantworten. Doch wie genau sieht dieser Zusammenhang aus? Und wie wirken sich dabei Geschlechternormen auf die Lebens- und Berufsverläufe von Männern und Frauen aus? Diesen Fragen werden wir im Folgenden nachgehen und greifen hierfür neben aktuellen Forschungen auch auf Ergebnisse aus eigenen Forschungsprojekten (Baumgarten et al. 2012, 2017a, 2017c) zurück. Die Ergebnisse unserer Studien sowie in der herangezogenen Literatur beziehen sich vor allem auf verschiedengeschlechtliche Paare und die Lebensform der heterosexuellen (Klein-) Familie. Die Anzahl Homosexueller oder Transpersonen ist zu klein, um fundierte Aussagen zu deren familialen Lebensweisen und der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf formulieren zu können (als Ausnahme siehe Nay 2017).

2 Die Herausbildung der (hegemonialen) Norm der bürgerlichen Familie

Um die gegenwärtige Verwobenheit von Kinderwünschen mit vergeschlechtlichten Vorstellungen von Familie und Beruf zu verstehen, ist es hilfreich, einen Blick in die historische Entwicklung der bürgerlichen Familie zu werfen. Denn die gegenwärtigen Bilder und Vorstellungen von Familie sind nicht naturgegeben, sondern stehen in engem Zusammenhang mit den jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden kulturellen Vorstellungen und sozioökonomischen Verhältnissen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzt mit dem Aufkommen der industriellen Gesellschaft mit ihren kapitalistischen Produktionsbedingungen und dem Aufstieg des Bürgertums in westlich geprägten Gesellschaften ein Verallgemeinerungsprozess der Lebens- und Arbeitsbedingungen ein, der sich von den feudalen ‚Haus- und Haushaltungsgemeinschaften‘1 grundlegend unterscheidet. Es entsteht ein spezifisches Familienideal, das Vorstellungen von Familie bis heute bestimmt: Das der ‚bürgerlich-patriarchalen Kleinfamilie‘. Es ist gekennzeichnet durch die Trennung von Erwerbs- und Familienleben und einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung. Mit der Herausbildung neuen Wissens in der Medizin, Biologie und auch der Anthropologie, Pädagogik und Psychologie entwickelt sich die Vorstellung von zwei biologisch qualitativ verschiedenen Geschlechtskörpern, deren „anatomisch-biologische Verschiedenheit (…) zugleich die Grundlage ist für die fundamentale Verschiedenheit der Geschlechter (…), für deren unterschiedliche Eigenschaften und Fähigkeiten, deren verschiedenen gesellschaftlichen Aufgaben, Rechten und Pflichten“ (Maihofer 1995, S. 32). Im Unterschied zum davor vorherrschenden Eingeschlechtermodell (Laqueur 1992), in welchem lediglich von einer graduellen Geschlechterdifferenz ausgegangen wird, entsteht nun die Idee zweier binär-hierarchisch angeordneter „Geschlechtscharaktere“ (Hausen 1976, S. 388), mit denen fundamental verschiedene psychische und intellektuelle Konstitutionen einhergehen. Zudem kommt es mit dem Übergang von der manuellen zur mechanischen Produktion zu einer physischen Trennung von Wohnen und Arbeiten und zu einer ideologisch basierten Trennung von Erwerbsarbeit und Familie. Die Erwerbsarbeit wird zur männlichen, die Familie zur weiblichen Sphäre. Zudem geht damit eine unterschiedliche Bewertung beider Bereiche einher. Und nicht zuletzt wird das bürgerlich-patriarchale Familien- und Geschlechtermodell mit dem Mann als Familienoberhaupt und Ernährer und der Frau als Gattin, Hausfrau und Mutter als ‚natürlich‘ und ‚universell‘ angesehen (Röder 2014) – eine Vorstellung, die bis heute wirkmächtig ist.

Damit verbunden bilden sich spezifische Konzepte von Weiblichkeit und Mutterschaft sowie Männlichkeit und Vaterschaft aus. Durch die Trennung von Wohnen und Arbeiten und die damit einhergehende Abwesenheit der Väter sowie durch die zunehmende Übernahme der pädagogischen Erziehung durch Kirche und Schule, wird die Stellung des Hausvaters als Erzieher zwar geschwächt, zugleich wird seine Position als Familienoberhaupt durch die Institution der (ehelichen) „Geschlechtsvormundschaft“ (Holthöfer 1997, S. 390) verstärkt. Gleichzeitig festigt sich die Vorstellung, dass es die Lohnarbeit des Mannes ist, die das Überleben der Familie zu sichern habe. Diese Anforderung, der Ernährer der Familie zu sein, wird nach und nach konstitutiver Bestandteil des männlichen Selbstverständnisses. Innerhalb der binär-hierarchischen Geschlechterordnung, wie sie mit der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft entsteht, lässt sich dementsprechend die hegemoniale Form von Männlichkeit (Connell 1999) als erwerbszentriert bestimmen. „Berufs- statt Familienorientierung, Vollerwerbstätigkeit im Rahmen des sogenannten Normalarbeitsverhältnisses und eine Karriereorientierung machen den Kern industriegesellschaftlicher bürgerlicher Männlichkeitskonstruktionen aus (…). Sie bilden die Normalitätsfolie männlicher Lebenslagen, und sie sind die Basis männlicher Suprematie“ (Meuser 2007, S. 34–35).

Frauen hingegen wird zunehmend die alleinige Verantwortung für den Haushalt übertragen, das Herstellen eines „trauten Heims“ (Segalen 1998, S. 40), die die Regeneration des Mannes sowie die bestmögliche Betreuung und Erziehung gesunder Kinder gewährleisten soll. Während der (Ehe-) Mann zum hauptverantwortlichen Alleinernährer wird, wird die (Ehe-) Frau zur Gattin, Hausfrau und Mutter. Im Zuge dessen wird die bis dahin übliche und überlebensnotwendige weibliche Erwerbsarbeit zunehmend problematisiert und bestenfalls auf eine Übergangslösung zwischen Elternhaus und Heirat bzw. auf ein Zuverdienst zum Haupteinkommen des Mannes reduziert. Insgesamt wird das heteropatriarchale binär-hierarchische Geschlechterverhältnis ein zentrales Kennzeichen der bürgerlichen Familie. Selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass ein verheiratetes heterosexuelles Paar in einem gemeinsamen Haushalt lebt und der Mann das Oberhaupt der Familie ist, während die Ehefrau ihm untergeordnet und absoluten Gehorsam schuldig ist, auch sexuell.2

Bei der Durchsetzung der bürgerlich-patriarchalen Familienvorstellungen erweisen sich die bürgerlichen Frauen als bedeutsame Akteurinnen. Sie sind es, die viele der neuen sozialen und moralischen Verhaltensanforderungen umsetzen und sich intensiv der Bildung und Erziehung ‚guter Hausfrauen‘ in der Arbeiter- und Unterschicht widmen (Maihofer 2018). Zugleich wollte die Arbeiterklasse selbst vermehrt ihren Frauen das Hausfrauendasein ermöglichen. So etablierte sich die bürgerliche Vorstellung von Familie als neue gesellschaftliche Norm, die über das bürgerliche Milieu hinaus durch alle Schichten und Klassen erstrebenswert und damit allgemein verbindlich wurde.

Zu diesen neuen Vorstellungen von ‚Familie‘ gehört auch die ‚Entdeckung der Kindheit‘. In feudalen Gesellschaften lässt sich die Phase, die wir heute als ‚Kindheit‘ bezeichnen, eher als eine Art „Übergangszeit verstehen, die schnell vorüberging“ (Ariès 2003, S. 93). Im Alltag waren die Kinder unter den Erwachsenen und nahmen an deren Leben – ob Arbeit oder Spiel – teil. Eine bewusste Wahrnehmung spezifisch kindlicher Bedürfnisse hatte dabei wenig Platz, zumal die Kinder früh zur Arbeit verpflichtet wurden. Da im Zuge der Etablierung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft stetig wachsende (Sozialisations-) Anforderungen an die Individuen gestellt werden, wird mit der Herausbildung der bürgerlichen Familie Kindheit nun zu einer eigenständigen, vom Erwachsenenalter abgegrenzten, Lebensphase. Die Betreuung und Erziehung der Kinder hin zu gesellschaftlich gewünschten Individuen, die den neuen sozialen, körperlichen und moralischen Verhaltensanforderungen und Wertvorstellungen in Beruf, Familie, Politik und Alltag entsprechen, erhält nun ein zentrales Gewicht. Während dies zuvor keine ausdrückliche Aufgabe war, wird die Sozialisation der Kinder in der bürgerlichen Familie zu einer ihrer wichtigsten Funktionen (König 1974, S. 69). Das ging jedoch keineswegs mit einer Aufwertung dieser weiblichen Tätigkeiten einher.

Mit der Herausbildung des bürgerlichen Familienideals ist zudem sowohl eine Verknüpfung von Ehe und Liebe (Liebesheirat) als auch die Entstehung von Mutterliebe verbunden. Auch wenn die Liebe einer Mutter zum Kind kein neu entstandenes Gefühl ist, so erfährt sie jetzt eine gesellschaftliche Auf- und Neubewertung (Ratzenböck 1990). Nicht nur, dass die Hauptbestimmung der Frauen nun vor allem auf Mutterschaft liegt, es entsteht auch der Mythos vom ‚Mutterinstinkt‘ und der spontanen Liebe jeder Mutter zu ihrem Kind (Badinter 1980). Das heisst, im gleichen Zug wie die Hausarbeit (als ‚natürliche‘ Gabe der liebenden Hausfrau) wurde die Beziehung zu den Kindern als eine den Müttern inhärente natürliche Liebe konzipiert. Es ist die Liebe zum Gatten und zu den Kindern, die es Frauen ‚natürlich‘ erscheinen lassen soll, deren Bedürfnissen und Wohlergehen Priorität vor dem eigenen einzuräumen. Es wird zum wesentlichen Motiv, „Arbeit aus Liebe“ im Dienste der Familie zu leisten; wobei genau besehen, die Liebe zur „Arbeit“ (Bock und Duden 1977, S. 118) wird. Dies war nicht immer so: Immerhin mussten die ‚Freuden und das Glück der Mutterschaft‘ das ganze 19. Jahrhundert in Erziehungsschriften von Pädagogen und Ärzten wiederholt werden, um diese neue Form von Mütterlichkeit und dieses neue Gefühlsregime zu etablieren, das Frauen emotional bindet und sie aus Liebe unbezahlt gesellschaftlich notwendige Arbeit verrichten lässt.

Mit der Etablierung der bürgerlich-patriarchalen Familie werden also Familie, Ehe, Liebe, Heterosexualität, biologische sowie soziale Reproduktion, geschlechtliche Arbeitsteilung und ein hierarchisches Geschlechterverhältnis eng miteinander verwoben und genau in dieser normativen Verknüpfung in westlichen Gesellschaften historisch erstmalig zu der allgemein verbindlichen Lebensweise oder anders ausgedrückt: Sie führt zu einer „Familialisierung der Lebensweise“ (Maihofer 2018, S. 114). Spätestens ab dieser Zeit hängen Kinderwünsche, Familie und Beruf für Männer und Frauen unterschiedlich vergeschlechtlicht und vergeschlechtlichend zusammen: Vaterschaft wird vor allem mit der Aufgabe des Familienernährers verbunden und bringt für Männer eine einseitige Konzentration auf Beruflichkeit, die größtenteils außerhalb der Familie stattfindet. Mutterschaft wird hingegen vor allem mit der Führung des Haushaltes und der Erziehung der Kinder verbunden, was wiederum eine Fokussierung auf Hausarbeit, Kinderbetreuung und/oder Pflege innerhalb der Familie bedeutet.

3 Kinderwünsche von Männern und Frauen

Bereits seit einiger Zeit lässt sich allerdings ein Wandel von Familie und damit ein allmähliches Schwinden der normativen Wirkmächtigkeit dieses bürgerlichen Familienideals feststellen (Maihofer 2014). Damit einhergehend pluralisiert sich das Verständnis von Familie und findet eine deutliche Erweiterung des gesellschaftlichen Denk- und Lebbaren statt; es zeichnet sich möglicherweise sogar die Entstehung einer neuen Form gesellschaftlicher ‚Normativität‘ ab (ebd., S. 318). Doch auch wenn der Umgang mit ‚traditionellen‘ Geschlechter- und Familiennormen flexibler geworden ist, sind diese weiterhin wirkmächtig. Insofern gilt es aufzuzeigen, was die historisch entstandenen Geschlechtervorstellungen für die gegenwärtigen Kinderwünsche von Männern und Frauen bedeuten und wie sie zum Tragen kommen, wenn sich Männer vorstellen ‚Vater‘ und Frauen ‚Mutter‘ zu werden.

Mit der Frage nach der Entstehung eines Kinderwunsches, dem Zustandekommen einer Entscheidung und seine Umsetzung beschäftigen sich verschiedene Disziplinen wie die Soziologie, Psychologie oder Demografie (Sardadvar 2010). Der Begriff des Kinderwunsches wird im Übrigen nicht nur umgangssprachlich, sondern auch in der Psychologie und Familiensoziologie verwendet. Die demografische Forschung nutzt hingegen den Begriff Fertilitätsintension, worunter die Absicht verstanden wird, in einem begrenzten Zeitrahmen von z. B. den nächsten zwei Jahren, Mutter oder Vater werden zu wollen (Cornelissen et al. 2017). Konstatiert wird, dass sich die meisten Menschen in Deutschland Kinder wünschen und die Familiengründung nach wie vor ein bedeutsames Lebensziel darstellt. Von allen Kinderlosen wollen nur 18 Prozent keine Kinder (BMFSFJ 2015). Letztlich bleiben ca. 20 Prozent aufgrund sozialstruktureller oder biologischer Gründe endgültig kinderlos (Krätschmer-Hahn 2012). Dabei zeigt sich, dass Kinderlosigkeit – entgegen der in den 2000er-Jahren üblichen Wahrnehmung – keineswegs vornehmlich ein Phänomen vor allem akademisch gebildeter Frauen ist. Trotzdem dominieren Studien über weibliche Kinderlosigkeit (Lück et al. 2016). Empirische Längsschnittdaten weisen auch auf einen höheren Anteil an dauerhaft kinderlosen Männern hin. Demnach wollen Männer häufiger kinderlos bleiben bzw. sind unentschlossener als Frauen (Krätschmer-Hahn 2012). Dauerhafte Kinderlosigkeit kann aber auch ungewollt eintreten, weil die (gewünschten) Voraussetzungen für eine Familiengründung nicht gegeben sind. Das kann zu einem Aufschieben von Elternschaft führen, bis eine Realisierung unwahrscheinlich oder unmöglich wird. Generell zögern Männer eine mögliche Elternschaft länger hinaus als Frauen. Entgegen der Vorstellung, Männer könnten noch später im Lebenslauf Vater werden, gibt es für sie ebenfalls ein subjektiv begrenztes Zeitfenster; eine Erstvaterschaft jenseits des 45. Lebensjahres ist noch immer ein seltenes Ereignis (Helfferich et al. 2004).

3.1 Hintergründe männlicher Kinderwünsche

Die Frage nach der Bedeutung von Kindern für Männer sowie nach den genauen Ursachen und Hintergründen ihres Kinderwunsches fand bislang kaum Beachtung. Sowohl im Alltagsbewusstsein als auch in der Forschung wird das Thema ‚Kinderwunsch‘ primär mit Frauen in Zusammenhang gebracht und somit im Kontext von Weiblichkeit verhandelt. Selbst in großen längsschnittlichen Erhebungen (Mikrozensus) wurden die Kinderwünsche von Männern lange gar nicht erfragt (Krätschmer-Hahn 2012). Erst seit den 1990er/2000er-Jahren geraten Männer und Väter verstärkt in den Blick – vor allem hinsichtlich des Topos der neuen oder aktiven Väter. Seitdem liegen eine Reihe empirischer Befunde zum Übergang in Vaterschaft vor (Baumgarten et al. 2012; BMFSFJ 2016; Eckhard und Klein 2006; Helfferich et al. 2004; Knijn et al. 2007; Marten und Ostner 2009; Possinger 2013; Rost 2007; Schmitt 2005; von der Lippe 2005).

In der aktuellen Forschung zu Kinderwünschen von Männern wird ein Zusammenhang zwischen der Herausbildung eines Kinderwunsches und positiven Erfahrungen in der Herkunftsfamilie gesehen. Ebenso wird den kindlichen Sozialisationserfahrungen als kleiner Junge eine wichtige Rolle zuerkannt. Darüber hinaus werden verschiedene selbst- und paarbezogene Motive wie Sinnstiftung, Übernahme von Verantwortung oder Entwicklung der eigenen Persönlichkeit für die Entstehung eines Kinderwunsches benannt. Dem stehen Ambivalenzen und Unsicherheiten gegenüber, z. B. der Situation von Schwangerschaft und Geburt sowie einer Vaterschaft nicht gewachsen zu sein. Dies geht mit einer Abkehr vom negativen Vorbild des eigenen als abwesend erlebten Vaters einher, ohne dass damit bereits ein positives Bild verbunden wäre, wie die eigene Vaterschaft anders gelebt werden könnte. Ein Vater, der seine Kinder nur abends und am Wochenende sieht, wollen viele Männer heute nicht mehr sein – auch wenn es alltagspraktisch oft schwierig wird, diesen Anspruch umzusetzen (Baumgarten et al. 2017c).

Des Weiteren erweisen sich Partnerschafts- und Erwerbsstatus der Männer als zentrale Faktoren. So erklärt sich statistisch Kinderlosigkeit zu einem guten Teil durch Fehlen einer Partnerin. Die Bedeutung des Erwerbsstatus zeigt sich darin, dass Männer mit hohem Einkommen und/oder hohem beruflichem Status statistisch größere Chancen haben, eine Partnerin zu finden und eher Väter sind als Männer mit geringem Erwerbsstatus. Viel stärker als für Frauen ist Familiengründung für Männer mit ihrem sozioökonomischen Status und der Fähigkeit verbunden, das Familieneinkommen sichern zu können. Für Frauen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf relevanter. Mögliche berufliche Einschränkungen durch Familie werden von Frauen stärker antizipiert und real wahrgenommen als von Männern.

3.2 Kinderwunsch und Wunsch nach Familie bei Männern

Aufgrund unserer Studie „Warum werden manche Männer Väter, andere nicht“ (Laufzeit 2007–2010) erscheint es angemessen, zwischen einem eigenständigen Kinderwunsch und dem Wunsch nach Familie zu unterscheiden. So weisen manche Männer keinen eigenständigen Kinderwunsch auf, möchten dafür aber ‚Familie haben‘. Ausschlaggebend für das Zustandekommen ist in diesem Fall die richtige Partnerin. Was bislang unter männlichem Kinderwunsch subsumiert wurde, meint Unterschiedliches: Für manche Männer ist im wörtlichen Sinne der Wunsch nach einem Kind und einer Beziehung zu ihm gemeint, der eigenständig und unabhängig vor einer konkreten Paarbeziehung vorhanden ist. Für andere geht es eher um die ‚Lebensform Familie‘, die Frau und Kinder beinhaltet. Ziel ist hier der erwachsene Status des Familienvaters und weniger eine alltägliche Beziehung zu einem Kind. Bemerkenswert erscheint, dass selbst in diese Familienwünsche veränderte Vorstellungen von neuer Vaterschaft eingelagert sind. Dies macht einmal mehr deutlich, wie präsente Vaterschaft zum Bestandteil einer ‚neuen‘ hegemonialen Norm wird. Nicht mehr allein die Pflicht zur materiellen Existenzsicherung wird mit Vaterschaft verknüpft, sondern die Bereitschaft zu mehr Zeit für das Kind (BMFSFJ 2016, S. 10). Bei Männern, die Familienwünsche haben, folgen im Anschluss an ihre Realisierung allerdings nur bedingt praktische Konsequenzen im Sinne einer präsenten Vaterschaft. Möglicherweise steht dies gerade mit dem ‚Fehlen‘ eines intrinsischen Kinderwunschs in Verbindung (Baumgarten et al. 2012).

Des Weiteren zeigt sich: Je ausdrücklicher auf Seiten des Mannes ein Kinderwunsch ist, desto unkomplizierter die Positionierung zur eigenen potenziellen Vaterschaft. Allerdings bedeutet ein vorhandener Kinderwunsch keineswegs, dass es automatisch zu einer Familiengründung kommt. Über den Kinderwunsch hinaus ist das Zustandekommen von Vaterschaft von einer Reihe weiterer Faktoren abhängig (zum Einfluss sozial-struktureller Faktoren: Eckhard und Klein 2006; Krätschmer-Hahn 2012). Dennoch fällt auf, wie viel einfacher Familiengründungsprozesse verlaufen, wenn ein Kinderwunsch des Mannes ausdrücklich vorhanden ist. Sein Vorhandensein hat möglicherweise einen starken Einfluss darauf, wie mit Ängsten und Unsicherheiten umgegangen wird, die mit Familiengründungprozessen verbunden sein können. Kurz: Ein vorhandener Kinderwunsch auf Seiten des Mannes erleichtert die Integration von Vaterschaft in das eigene Männlichkeitskonzept deutlich.

3.3 Hintergründe weiblicher Kinderwünsche

Während sich bei Männern ein Kinderwunsch oft erst im Rahmen einer Paarbeziehung konkretisiert, ist ein solcher bei Frauen meist unabhängig von äußeren Rahmenbedingungen vorhanden. Die konkrete Frage danach, ob, wann und wie viele Kinder gewollt sind, kann letztlich erst innerhalb einer Partnerschaft ausgehandelt werden (Marten und Ostner 2009). Insbesondere vor dem Hintergrund der erhöhten Bildungs- und Erwerbsbeteiligung von Frauen wird dieser Prozess für beide Beteiligten voraussetzungsvoller und konfliktreicher (Burkart 1994). Eine Erstelternschaft oder eine Familienerweiterung sind also keineswegs mit dem Vorhandensein von Kinderwünschen festgelegt. Vielmehr muss von einem „Prozesscharakter des Kinderwunsches“ (ebd., S. 170) ausgegangen werden. Bei ungleich gelagerten Kinderwünschen scheint sich in der Regel die Person durchzusetzen, die keinen Wunsch nach (weiteren) Kindern hat. Einem Befund aktueller Forschung zufolge lassen sich zudem beim Thema Kinderwunsch und den konkreten Entscheidungen empirisch signifikant keine Kosten-Nutzen-Kalküle feststellen (Cornelissen et al. 2017). Die Entscheidung für eine Familiengründung ist mithin weder immer eine eindeutige noch unbedingt eine rational überlegte.

Im Umgang mit Unschlüssigkeit in Bezug auf die Entscheidung für eine Schwangerschaft weisen Frauen in der Regel eine stärkere Handlungsmächtigkeit auf („ich habe die Pille abgesetzt“), während Männer ihre Beteiligung am Prozess der Familiengründung als Konsensentscheidung darstellen („wir haben die Pille abgesetzt“) (Helfferich und Kruse 2006, S. 132). Entsprechend realisieren Frauen ihren Kinderwunsch häufiger als Männer bzw. bringen die Debatte um Kinder häufiger auf (Cornelissen et al. 2017). Ein Weg zu einer Entscheidung zu kommen kann auch darin bestehen, auf Verhütung zu verzichten und „es drauf ankommen“ zu lassen (Sardadvar 2010, S. 240). In der Regel aber versuchen unentschlossene Paare, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Insofern ist das Timing für die Realisierung eines Kinderwunsches auch vom Tempo abhängig, einen Konsens zu finden.

Das durchschnittliche Alter zum ersten Mal Mutter zu werden liegt derzeit bei 30 Jahren (Destatis 2018). Wenn sich eine Bereitschaft zur Mutterschaft erst spät einstellt oder ungünstige Bedingungen (ökonomische Probleme, instabile Partnerschaften) zu einem Aufschub der Familiengründung jenseits des 35. Lebensjahres führen, gelten diese Frauen als ‚späte Mütter‘. Diese zeitliche Bestimmung beruht vor allem auf medizinischen Klassifikationen, in denen eine Erstmutterschaft ab dem Alter von 35 Jahren als ‚spät‘ gilt.

3.4 Frauen: Gewollte Kinder(-wunsch) losigkeit als Verletzung der gesellschaftlichen Norm

Obwohl sich auch kinderlose Männer gegenüber der Normalitätserwartung, irgendwann im Leben Kinder zu bekommen, verteidigen müssen, werden Kinderwunsch und Mutterschaft bei Frauen in spezifischer Weise mit weiblicher Identität verknüpft. Deshalb erfahren kinder(-wunsch) lose Frauen eine stärkere Infragestellung als Männer (Correll 2010). Eine Frau, die freiwillig auf Mutterschaft verzichtet, verletzt die nach wie vor herrschende Norm eines normalen weiblichen Lebensentwurfs. Zwar ‚müssen‘ Frauen heutzutage nicht mehr unbedingt Kinder bekommen, sie werden jedoch von der Gesellschaft immer wieder mit der Anrufung zur Mutterschaft konfrontiert (Correll 2010). Dies wurde in der Regretting Motherhood-Debatte (Donath 2016) deutlich. Die Studie analysiert Äusserungen von Frauen, die ihre Mutterschaft wegen der geforderten ständigen emotionalen Verfügbarkeit sowie der Reduzierung auf die „Identität als Mutter“ (Donath 2016, S. 99) bereuen. Dass diese sich dann als „abnormal“ (Mundlos 2016, S. 13) fühlen, belegt, wie wirkmächtig das Ideal der selbstlosen und aufopferungsbereiten Mutter noch immer ist.

Insgesamt zeigt sich die hohe Relevanz von Interaktions- und Aushandlungsprozessen für die Realisierung eines Kinderwunsches. Die Überlegungen für eine Familiengründung werfen grundlegende und weitreichende Fragen zu den eigenen Wünschen und Lebensvorstellungen auf – bei Männern wie bei Frauen. Die Herausbildung eines Kinderwunsches und die Überlegungen, wie dieser realisiert und gelebt werden kann (oder nicht), ist in hohem Maße mit Geschlechternormen verbunden, also damit, was ‚Kinder haben‘ langfristig für das Leben als Mann/Frau, Vater oder Mutter bedeutet.

4 Elternschaft und Beruf

Um den Zusammenhang zwischen Vorstellungen von Mutterschaft bzw. Vaterschaft und Vorstellungen von Beruf aufzuzeigen, gilt es zunächst festzuhalten, dass neben steigenden Prozentzahlen an erwerbstätigen Frauen und Müttern vor allem höhere Qualifikationen von Frauen auf allen Bildungsstufen zu abnehmenden Bildungsunterschieden zwischen den Geschlechtern geführt haben. So haben im Jugendalter Beruf und Familie für Männer wie Frauen eine gleich hohe Bedeutung (BMFSFJ 2015; Wehner 2012). Allerdings erweist sich der Übergang in die Elternschaft vor allem in den Erwerbsbiografien von Frauen als Zäsur. Die meisten Mütter unterbrechen ihre Erwerbsarbeit und kehren häufig nur in Teilzeit zurück, während sich die Anzahl der Arbeitswochenstunden bei Vätern oft noch erhöht. Hierbei zeigen die Einführung von Elterngeld (Plus) und der Ausbau von Kindertagesstätten einen deutlichen Effekt: So kehren mehr Mütter bereits nach einem Jahr ins Erwerbsleben zurück (rund 50% davon in Teilzeit) und ein gutes Drittel aller anspruchsberechtigen Väter nimmt Elternzeit (Reibstein und Brehm 2018).

4.1 Spannungsverhältnis zwischen weiblichen Berufsverständnis und der Norm ‚gute Mutter‘

Lange Zeit dominierte entsprechend dem traditionellen Bild von Familie die Vorstellung, ausserhäusliche Erwerbsarbeit und Mutterschaft schlössen sich aus und stellten eine ‚Doppelbelastung‘ dar, die Frauen überfordere und so der Entwicklung der Kinder schade. Denn eine ‚gute Mutter‘ ist stets anwesend und verfügbar, fördert und unterstützt die Familienmitglieder (auch ihren Mann) und ordnet ihre eigenen Bedürfnisse denen der Familie unter.

Während die Wirkmächtigkeit dieser Norm nur langsam schwindet, ist die Bedeutung der Berufstätigkeit für Frauen stark gestiegen. Insbesondere der Zugang zur Lohnarbeit sowie der Stellenwert von Frauenerwerbsarbeit haben sich erheblich gewandelt (von Aleman und Beaufaÿs 2015). Das Absolvieren einer (Berufs-) Ausbildung verbunden mit der Herausbildung einer beruflichen Identität ist für Frauen mittlerweile selbstverständlich und fast schon zur gesellschaftlichen Norm geworden. Bis zur Familiengründung sind Frauen heute ins Erwerbsleben integriert, entwickeln Kompetenzen und ein ausgeprägtes berufliches Selbstbewusstsein. Gleichzeitig fühlen sie sich aber noch immer unter Druck, sich im Falle einer Familiengründung zwischen den (normativen) Ansprüchen von Familie und der Weiterverfolgung der eigenen Berufsperspektive entscheiden zu müssen (Geissler und Oechsle 1996; sowie die ‚doppelte Vergesellschaftung‘ bei Becker-Schmidt et al. 1982). Massgeblich für den Druck ist die Vorstellung von ‚guter Mutterschaft‘ mit ihren hohen Ansprüchen an die Mutter-Kind-Beziehung, die eine uneingeschränkte Präsenz erfordert. Das heisst, das Vereinbarkeitsproblem ist für Frauen nicht nur ein zeitliches und finanzielles, sondern auch mit ihrer Identität und dem Selbstverhältnis verwoben. Angesichts des anspruchsvollen Mutterschaftsideals sehen sie sich vor das Problem gestellt, die bis zur Geburt ihres ersten Kindes entwickelte Berufsperspektive und -identität einzuschränken. Ein gleichberechtigtes Nebeneinander beider Aspekte zu leben scheint kaum möglich. Allerdings ist ein Familienarrangement, in dem der Vater Familienernährer ist und die Mutter nicht berufstätig, inzwischen immer seltener. Häufigste Erwerbskonstellation von Elternpaaren nach der Geburt ist die des vollzeiterwerbstätigen Vaters und der teilzeiterwerbstätigen Mutter. So ist die Mehrheit der Frauen bis etwa zum 30. Lebensjahr Vollzeit berufstätig, danach sinkt der Anteil deutlich unter 50 Prozent (Allensbach 2015). Und wenn das jüngste Kind das Teenageralter erreicht hat, arbeiten 58 Prozent der Mütter weiterhin Teilzeit (BMFSFJ 2014a, 2017). Damit ist die „modernisierte Versorgerehe“ (von Aleman und Oechsle 2015, S. 6) mit einem Vollzeit arbeitenden Mann und einer Teilzeitarbeitenden Frau das dominante Erwerbsmuster von Paaren in Deutschland – in Westdeutschland mit 76 Prozent deutlicher, als mit 46 Prozent in Ostdeutschland (Bernhardt 2017).

Auffällig ist, wie bisher kinderlose Frauen mit der Familiengründung eine Verschiebung ihrer emotionalen Prioritäten hin zu Kind und Familie vorwegnehmen (Baumgarten et al. 2017b). Durch die für ihre familiäre Zukunft vorgestellte Konzentration auf die familiäre Betreuungsarbeit befürchten sie sowohl einen Verlust ihrer Berufsidentität und Selbstständigkeit als auch von Anerkennung und sozialer Teilhabe. Gleichzeitig fürchten sie, eine (Teilzeit-) Berufstätigkeit könnte es für sie schwierig machen, angemessen zeitlich und emotional in der Familie präsent zu sein. Noch bevor eine tatsächliche Familiengründung stattgefunden hat, ringen Frauen also um eine Vereinbarkeit sich widersprechender Wünsche und Anforderungen. Die nach wie vor bestehende normative Erwartung, als Mutter hauptverantwortlich für die Familie zu sein, führt zu einem kaum lösbaren Dilemma. Einerseits müssen sie ihre Berufstätigkeit und ihren Wunsch nach Berufsidentität gegenüber sich selbst und anderen rechtfertigen. Andererseits wird ihnen eine ausschließliche Konzentration auf Familie als Rückständigkeit ausgelegt. Bereits antizipierte Mutterschaft bringt Frauen dazu, ihr eigenes (potenzielles) Verhalten ständig zu reflektieren und gegen verschiedene Formen der Kritik zu verteidigen. Zugleich wird deutlich, wie sich die Perspektive von Frauen auf Mutterschaft langsam verändert und die Idealisierung von Mutterschaft als ‚einziger Lebenssinn‘ schwindet. Vor diesem Hintergrund ließe sich das derzeitige widersprüchliche Ideal von Mutterschaft als Teilzeit berufstätige engagierte Mutter, die für das Kind hauptverantwortlich ist umschreiben.

4.2 Spannungsverhältnis zwischen männlichen Berufsverständnis und der Vorstellung von Vaterschaft

Gemäß dem traditionellen Verständnis bürgerlicher hegemonialer Männlichkeit haben Kinder und Familie durchaus Platz im Leben von Männern. Allerdings schließt dies weder einen eigenständigen Kinderwunsch auf Seiten des Vaters noch seine Beteiligung an der alltäglichen Fürsorgearbeit für Kinder ein. Vielmehr kommt dem Vater herkömmlicherweise die Aufgabe des Familienernährers zu, der die Hauptverantwortung für die ökonomische Absicherung der Familie und damit auch für die Festigung des sozialen Status trägt. Auch ist er eher eine Autoritäts- und Erziehungsfigur als alltäglich präsent (Maihofer et al. 2001; Drinck 2005).

Aber während sich in den letzten Jahrzehnten für Frauen die Bedeutung von Erwerbsarbeit verändert hat, sind es bei Männern Vorstellungen und Praxen von Väterlichkeit. Wenngleich Erwerbstätigkeit für die Identität von Männern nach wie vor zentral und für viele Ausdruck ihrer Sorge um Familie ist, gibt es eine steigende Zahl, die sich um ein neues Verhältnis von Beruf und Familie bemühen und sich mehr in der Familie engagieren möchten.

So ist einerseits die Entwicklung einer ‚berufszentrierten Männlichkeit‘ noch immer wesentlicher Bestandteil des männlichen Selbstwertgefühls und männlicher Identität (Höyng und Puchert 1998; Döge 2001). Andererseits grenzen sich viele Männer inzwischen von der Figur des ‚abwesenden (Ernährer-) Vaters‘ ab. Dies ist auch dann der Fall, wenn die eigene Arbeitsteilung dem tradierten Arrangement (weitgehend) entspricht. Der Unterschied besteht im Wunsch nach einer intensiveren Beziehung zu den Kindern sowie in einer anderen emotionalen Zugewandtheit zur Familie. Dieser Einstellungswandel bezogen auf Vaterschaft verweist auf deutliche Veränderungen vom Ideal eines ‚guten‘ Vaters. Auch wenn sich die konkreten Vorstellungen und Praxen neuer Vaterschaft zum Teil stark unterscheiden, wird das Ideal eines Vaters als präsentem Beziehungsgegenüber, der im Alltag seiner Kinder einen eigenständigen Platz einnimmt, (mehrheitlich) geteilt. „Nicht mehr allein die Pflicht zur materiellen Existenzsicherung wird mit Vaterschaft verknüpft, sondern die Pflicht zu mehr persönlicher Zeit für das Kind und die Familie“ (BMFSFJ 2016, S. 10).

Aus diesem Grund ringen viele Väter mit der noch immer gültigen Norm Haupternährer der Familie zu sein und gleichzeitig aber auch eine aktive und präsente Rolle in der Familie einnehmen zu wollen. Dieses Ringen ist mit der Schwierigkeit verbunden, dass väterliche Fürsorge (noch) nicht allgemein als Bestandteil von Männlichkeit anerkannt wird (Kassner et al. 2013), und ein weniger erwerbszentriertes Bild von Vaterschaft erst allmählich Konturen annimmt (Meuser 2012). Somit stehen viele Männer gegenwärtig in einem Spannungsfeld zunehmend konfligierender Wünsche und (Selbst-) Anforderungen, die sich kaum oder nur schwer vereinbaren lassen (Maihofer et al. 2010; Wehner et al. 2010).

Wie bei den Frauen lässt sich daran die Hartnäckigkeit und Persistenz traditionell-bürgerlicher Geschlechternormen ablesen (Maihofer 2007, 2014). Das derzeitige widersprüchliche Ideal von Vaterschaft kann als „emotional involvierter, präsenter Ernährervater“ bezeichnet werden (Baumgarten et al. 2012, S. 436).

4.3 Vereinbarkeitsprobleme für Väter und Mütter

Aufgrund des gewandelten Verhältnisses von Männern zu Generativität (und der gestiegenen Erwerbsbeteiligung von Frauen) haben auch Männer heute ein Vereinbarkeitsproblem oder genauer, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist inzwischen ein Problem für beide Geschlechter geworden. Allerdings stellt sich das Problem für Männer und Frauen spiegelverkehrt dar: Während Frauen darum ringen Familie mit Beruf zu vereinbaren, ringen Männer darum, den Beruf mit Familie zu vereinbaren (Baumgarten et al. 2017c; Maihofer et al. 2010).

Bei der Suche nach einer gelingenden Vereinbarkeit wird jedoch deutlich, wie stark sich die einzelnen Berufsbranchen darin unterscheiden, wie realisierbar Teilzeit für Väter bzw. kontinuierliche Erwerbstätigkeit für Mütter ist. Der Wunsch von (zukünftigen) Vätern nach mehr Zeit mit dem Kind steht im Widerspruch zu den Anforderungen einer Vollzeitbeschäftigung und den damit verbundenen Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten. Aus Unternehmenssicht stellen familiäre Verpflichtungen einen Bruch der ‚organisationalen Verfügbarkeitsnorm‘ dar und stören die eingespielten Routinen (von Aleman und Beaufaÿs 2015; Bernhardt und Bünning 2017). Bei der Frage nach einer realistischen Umsetzung erweisen sich die Berufsbranche (Sektor, Firmengröße, öffentlicher Dienst) und die jeweils vorherrschende Berufskultur (Leistungs-, Zeit-, Team- und Führungskultur) als zentral, um bei Vätern das Gefühl auf einen Anspruch auf Teilzeit zu erzeugen oder zu verhindern. So bewegen sich Männer in frauentypischen Berufen (Frauenanteil mehr als 70 Prozent) in einem teilzeitfreundlichen Arbeitsumfeld, in dem ihr Anliegen unkompliziert verhandelbar ist. Zum Teil gelingt ihnen dies auch in geschlechtsneutralen Berufen (ausgewogenes Geschlechterverhältnis) wie den Lehrberufen oder im Einzelhandel. In männertypischen Berufen (Männeranteil mehr als 70 Prozent) stellt sich Teilzeitarbeit dagegen oft als schwierig bis unmöglich dar. Hier ist eine Chance auf Realisierung nur denen möglich, die sich selbstständig machen oder das Berufsfeld wechseln.

Auch Frauen sehen sich in vielen Branchen mit Strukturen konfrontiert, die sich am männlichen Vollzeitideal orientieren: Ein intensiver und zeitlicher Aufwand, eine ungeteilte Verfügbarkeit und eine Erwerbsbiografie ohne Unterbrechungen. Demgegenüber wünschen sich Mütter, ihren Beruf in einem überschaubaren Rahmen und mit hoher Flexibilität nachgehen zu können. Ihre Berufstätigkeit entwerfen sie mit unterschiedlichen Teilzeit-Stellenprozenten um den Familienalltag herum. Angesichts ihrer Vorstellungen, die von einem Normalarbeitsverhältnis abweichen, nehmen viele Mütter eine berufliche Disqualifizierung meist schon vorweg. Denjenigen, die Teilzeit arbeiten, droht vielfach ein Ausschluss aus karrierefähiger Berufstätigkeit. Damit nehmen Mütter erhebliche Nachteile wie Exklusion von gesellschaftlicher Teilhabe und Altersarmut in Kauf (Baerwolf 2014). Für eine qualifizierte Berufstätigkeit für Mütter braucht es neben Möglichkeiten zur Kinderbetreuung auch eine andere Arbeitszeitpolitik jenseits einer Allzeit-Verfügbarkeit. Wie bei Männern spielt die konkrete Berufsbranche eine wichtige Rolle: In frauentypischen Berufen wie Pflegerin oder Psychologin gelten Teilzeitarbeit und eine geteilte Prioritätensetzung als selbstverständlicher. Was nicht heißt, dass jedes Wunschpensum möglich ist. Gleichwohl können Frauen hier eher berufliche Ansprüche mit Mutterschaft verbinden und haben mehr Flexibilität, beide Bereiche auszubalancieren (BMFSFJ 2017). Aufstiegsoptionen antizipieren viele Mütter aber auch in diesem Berufsspektrum nicht. Denn bereits das Interesse an Teilzeit- bzw. Vereinbarkeitsangeboten stigmatisiere als ‚nicht karriereorientiert‘ (von Aleman et al. 2017). Während viele Väter, die Karriereeinbussen befürchten, Vereinbarkeitsmaßnahmen erst gar nicht in Anspruch nehmen, arrangieren sich Frauen meist damit, ihre beruflichen Ambitionen zurückzuschrauben und sich mit geringeren beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten zu bescheiden (Baumgarten et al. 2017b).

5 Fazit

Die gegenwärtigen Vorstellungen von Familie und Geschlechterordnung sind nach wie vor vom bürgerlich-patriarchalen Familienideal beeinflusst. Gleichzeitig werden traditionelle normative Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit zunehmend brüchiger, flexibler und verlieren ihre Wirkmächtigkeit. Zudem lässt sich eine zunehmende Pluralisierung familialer Lebensformen feststellen (Maihofer 2018). Dies impliziert für ‚beide‘ Geschlechter wachsende Spannungen zwischen Berufs- und Familienvorstellungen, zwischen Anforderungen an Männlichkeit bzw. Weiblichkeit sowie Vorstellungen von Vaterschaft bzw. Mutterschaft.

Für Männer ist eine Vollerwerbs- und Karriereorientierung nach wie vor ein wichtiger Teil ihrer Identität. Gleichzeitig finden wir eine verstärkte Problematisierung dieser einseitigen Orientierung, möchten sie doch vermehrt ins alltägliche Familienleben involvierte Väter sein. Sich bewusst Zeit für die Vater-Kind-Beziehung zu nehmen, empfinden sie als sinnvoll und befriedigend. Aufgrund dieses Nebeneinanders alter Anforderungen an Männlichkeit und neuen Wünschen bezüglich Vaterschaft müssen sich Männer derzeit sowohl mit ihrer Rolle als Familienernährer auseinandersetzen als auch Ideen entwickeln, wie sie ihre Vaterschaft aktiv und alltäglich präsent leben können.

Für Frauen hingegen ist das Ideal einer Mutter, die ihre Bedürfnisse hinter die der Familie stellt und vollumfänglich die Verantwortung für die Familienarbeit trägt, weiterhin dominant. Gleichzeitig ist es Teil ihres Selbstverständnisses, erwerbstätig zu sein und eine Identität als berufstätige Frau zu haben. Somit verläuft die Konfliktlinie bei ihnen zwischen der bisherigen Norm von Mütterlichkeit und neuen Vorstellungen von Weiblichkeit. Durch die Auseinandersetzung mit der Frage, wie der Anspruch an eine ausgedehnte und möglichst flexible zeitliche Verfügbarkeit als Mutter mit dem Wunsch nach einem kontinuierlichen und vollzeitnahen Berufsleben zu vereinbaren ist, werden auch ihnen traditionelle Vorstellungen von Mutterschaft zum Problem.

Aufgrund einer paradoxen Gleichzeitigkeit von Wandel und Persistenz ringen ‚beide‘ Geschlechter mit den Widersprüchen zwischen alten und neuen Geschlechtervorstellungen und -anforderungen. Dies ist für Frauen wie Männer gerade bei der Frage nach Kindern bedeutsam: Viele wissen sehr viel deutlicher als bislang um die Defizite herkömmlicher Geschlechterkonzepte und -praxen, wie die fehlende Teilhabe der Väter am Alltag der Kinder bzw. die nicht vorhandenen persönlichen wie beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von Müttern angesichts der Reduktion auf Familie. Damit können Männer als Väter und Frauen als Mütter Teile ihrer Identität, ihrer Fähigkeiten und Lebensvorstellungen/-wünsche nicht voll entfalten. Dies obwohl eine gelingende Balance von Arbeit und Familie mittlerweile ein eigenständiges Lebensziel geworden ist (von Alemann und Beaufaÿs 2015). Gleichzeitig kann nicht selbstverständlich auf neue Vorbilder hierfür zurückgegriffen werden. Vielmehr müssen gleichberechtigte Berufs- und Familienvorstellungen im Alltag mühsam erprobt und oft gegen existierende Rahmenbedingungen entwickelt und durchgesetzt werden. Die Vorstellung einer gleichberechtigten Teilhabe an allen Bereichen des Lebens muss „gegen die Verlockungen der beruflichen, steuerlichen, krankenversicherungstechnischen Anreizstrukturen“ (BMFSFJ 2014b, S. 10) verwirklicht werden. Dies macht es schwer, individuellere Entfaltungsmöglichkeiten jenseits normativer Beschränkungen positiv erfahrbar zu machen. Das Durchsetzen echter Gleichheit ist somit in hohem Masse individualisiert und privatisiert.

Gleichzeitig bestehen die Widersprüche nicht nur auf Ebene der Familien- und Geschlechterordnung, sondern auch zwischen Familien- und Erwerbssphäre. Die Bedingungen und Anforderungen der Erwerbssphäre (Verfügbarkeit, Flexibilität, Mobilität) stehen denen an ein gelingendes Familienleben (Verfügbarkeit, Routine, Stetigkeit) gegenüber. Die Unvereinbarkeiten zwischen Verhaltensanforderungen der Erwerbsarbeit auf der einen und familialen/lebensweltlichen auf der anderen Seite werden immer deutlicher (Fasang et al. 2016).

Daher gilt es, Widersprüche, Ambivalenzen, Hierarchien und Konflikte im Verhältnis der beiden Bereiche in den Blick zu nehmen. Insofern lässt sich die verstärkte Werbung von Firmen mit Maßnahmen zu ‚Familienfreundlichkeit‘ und ‚Work-Life-Balance‘ als Reaktion auf gesellschaftliche Erwartungen begreifen (von Aleman et al. 2017) und als Willen nach einer Veränderung der wettbewerbsorientierten Arbeitsweise. Die Implementierung einer familienfreundlichen Arbeitsorganisation benötigt neben Zeit auch ein grundlegendes Umdenken. Bisher werden Veränderungen, die die Erwerbsarbeit betreffen, „nur dann diskutiert und umgesetzt, wenn sie sich mit den Flexibilisierungszielen der Unternehmen treffen“ (Janczyk 2008, S. 80). Erforderlich wäre jedoch ein Paradigmenwechsel weg von der Grundannahme des von Familienarbeit entlasteten Arbeitnehmers hin zu einer Kultur, die alle Menschen als potenziell in Familien- und Reproduktionsarbeit eingebunden sieht. Das heißt, es gilt eine Lebensweise zu erreichen, in der anstatt das Leben um die Erwerbsarbeit herum zu organisieren, die Erwerbsarbeit besser ‚ins Leben‘ eingefügt werden kann (ebd.).

Autorinnenangaben

  • Dr. Diana Baumgarten, assoziierte Forscherin am Zentrum Gender Studies, Universität Basel und Projektkoordinatorin am Institut für Soziologie der TU Dortmund, hat in verschiedensten Forschungsprojekten zu den Themen Familie, Vaterschaft, Mutterschaft und Männlichkeit gearbeitet. Derzeit beschäftigt sie sich im Rahmen eines Forschungsprojektes zu ‚Männlichkeit und Erwerbsarbeit‘ intensiv mit Fragen der kritischen Männlichkeitenforschung.

  • Prof. Dr. Andrea Maihofer, Professorin für Geschlechterforschung und Leiterin des Zentrums Gender Studies, Universität Basel, arbeitet seit vielen Jahren zu Wandel und Persistenz der Geschlechterverhältnisse, geschlechtsspezifischer Sozialisation und Sexualität. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Familienforschung, insbesondere auf Arrangements von Familie und Beruf, Familienkonstellationen sowie Wandel von Vaterschaft und Mutterschaft.

  • Prof. Dr. Nina Wehner, Professorin für Soziale Arbeit, Dekanin Fachbereich I sowie Studiengangsleitung im Master ‚Management, Ethik und Innovation im Nonprofit-Bereich Soziologie‘ an der Evangelischen Hochschule Freiburg, arbeitet in Forschung und Lehre zu verschiedenen Aspekten der Familiensoziologie und Geschlechterforschung.

Fußnoten

  1. 1.

    Haus- und Haushaltungsgemeinschaften waren Produktionsgemeinschaften, also soziale Verbände, die durch die gemeinsam verrichtete Arbeit bestimmt waren. Produktive und reproduktive Tätigkeiten fanden gleichzeitig und an einem Ort statt und sind kaum nach typisch ‚weiblichen‘ oder ‚männlichen‘ zu unterscheiden. Geschlecht kam in der ständischen Gesellschaft nicht die gleiche universelle Strukturierungskraft zu, wie sie sich später mit der bürgerlichen Gesellschaft entwickelt (Wunder 1997).

  2. 2.

    Eine grundlegende Veränderung erfährt die rechtliche Festschreibung der patriarchalen Geschlechterverhältnisse in Deutschland erst mit den Reformen des Ehe- und Familienrechts Ende der 1970er-Jahre bzw. mit der Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe im Jahr 1997.

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Literatur zum Weiterlesen

  1. Zum Weiterlesen empfehlen wir die im Literaturverzeichnis aufgeführten Texte der Autorinnen.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020

Authors and Affiliations

  • Diana Baumgarten
    • 1
    Email author
  • Andrea Maihofer
    • 2
  • Nina Wehner
    • 3
  1. 1.Zentrum Gender StudiesUniversität BaselBaselSchweiz
  2. 2.Universität BaselBaselSchweiz
  3. 3.Evangelische Hochschule FreiburgFreiburg im BreisgauDeutschland

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