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Crowdfunding als Finanzierungsinstrument für junge Unternehmen

  • Marisa HennEmail author
  • Eva Lutz
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Wirtschaft book series (SRW)

Zusammenfassung

Crowdfunding ist ein Finanzierungsinstrument, bei dem junge Unternehmen über eine Crowdfunding-Plattform finanzielle Mittel von einer Vielzahl an Investoren zur Verfügung gestellt bekommen. Durch die Einführung des Web 2.0 und der Etablierung von Crowdfunding-Plattformen hat Crowdfunding im vergangenen Jahrzehnt an enormer Bedeutung bei der Finanzierung junger Unternehmen gewonnen. Dieser Buchbeitrag beleuchtet das Finanzierungsinstrument: Neben einer Erklärung der Begrifflichkeit werden die Historie, die Marktentwicklung, die verschiedenen Akteure und die unterschiedlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten des Crowdfundings beschrieben. Angereichert durch Praxisbeispiele aus den USA und Deutschland wird die Praxisrelevanz des Finanzierungsinstruments aufgezeigt.

Schlüsselwörter

Crowdfunding Crowdinvesting Crowdsourcing Startup-Finanzierung Entrepreneurial Finance 

1 Einleitung

Für junge Unternehmen ist der Zugang zu finanziellen Ressourcen bei der Weiterentwicklung der Geschäftsidee hin zu einem marktfähigen Produkt unerlässlich. Neben bereits etablierten Finanzierungsinstrumenten, wie z. B. Venture Capital, Business-Angel-Finanzierung oder klassischen Bankkrediten hat sich Crowdfunding als ein weiteres attraktives Finanzierungsinstrument in den vergangenen Jahren bei der Finanzierung von Geschäftsideen etabliert (Roma et al. 2017; Moritz und Block 2013).

Beim Crowdfunding handelt es sich um eine Finanzierung, bei der geringe finanzielle Summen von einer Vielzahl an Investoren für ein, über eine Crowdfunding-Plattform, beworbenes Projekt gesammelt und anschließend dem Projektinitiator zur Verfügung gestellt werden (Short et al. 2017).

Während das Finanzierungsinstrument bereits zur Finanzierung der Freiheitsstatue im 19. Jahrhundert genutzt wurde und somit kein neuartiges Finanzierungsinstrument darstellt, ist die Popularität und Attraktivität erst im vergangenen Jahrzehnt durch die Einführung des Web 2.0 und der ersten Crowdfunding-Plattformen gestiegen (Bouncken et al. 2015). So steigerte sich die über Crowdfunding erzielte Finanzierungssumme weltweit innerhalb von zwei Jahren um mehr als das Doppelte von 16 Milliarden US-Dollar in 2014 auf 34 Milliarden US-Dollar in 2016 (Barnett 2015; Statista 2018).

Der Crowdfunding-Hype ist auch auf die flexible Ausgestaltung der Finanzierungsform zurückzuführen. Mit den vier verschiedenen Ausgestaltungsformen (Darlehens-, Spenden-, Eigenkapital- und Belohnungsmodell) wurde Crowdfunding auf die unterschiedlichen Bedürfnisse junger Unternehmen flexibel angepasst. Neben der Beschreibung der unterschiedlichen Ausgestaltungsformen des Crowdfundings beschäftigt sich der Beitrag mit der Definition, der Historie, der Marktentwicklung sowie mit den Akteuren und dem Ablauf einer Crowdfundingfinanzierung. Angereichert durch Finanzierungsbeispiele wird auf die Relevanz des Finanzierungsinstruments in der Praxis aufmerksam gemacht.

2 Definition

Crowdfunding unterliegt dem weitergefassten Konzept des Crowdsourcings, bei dem das Feedback der Crowd zur Bewertung von unternehmerischen Ideen oder zur Entwicklung von Lösungsansätzen genutzt wird (Belleflamme et al. 2014). Crowdsourcing findet vornehmlich bei profitorientierten Unternehmen Anwendung, die Arbeitsschritte im Rahmen der Entwicklung oder Vermarktung von Produkten an die Öffentlichkeit auslagern (Kleemann et al. 2008). Die Crowd arbeitet hierbei häufig unentgeltlich und freiwillig dem Unternehmen zu oder aber erhält eine Aufwandsentschädigung, die jedoch deutlich geringer als der Nutzen für das Unternehmen ist (Kleemann et al. 2008).

Begrifflich wurde das Crowdsourcing erstmals von Jeff Howe und Mark Robinson in 2006 verwendet (Belleflamme et al. 2014; Howe 2006, 2008). Während Crowdsourcing sowohl die finanzielle als auch nicht-finanzielle Unterstützung durch die Crowd beinhaltet, umfasst Crowdfunding ausschließlich die finanzielle Unterstützung durch die Öffentlichkeit. Belleflamme et al. (2014, S. 588) definieren Crowdfunding wie folgt:

„Crowdfunding involves an open call, mostly through the Internet, for the provision of financial resources either in form of donation or in exchange for the future product or some form of rewards to support initiatives for specific purposes.“

Gemäß dieser Definition stellt Crowdfunding das zur Verfügung stellen von finanziellen Mitteln in Form einer Spende oder aber im Austausch einer Gegenleistung, häufig in Form eines Produkts, dar. Crowdfunding ist demnach von Open-Source-Praktiken zu unterscheiden. Während die bei Open-Source-Praktiken entstandenen Produkte in der Regel für die Öffentlichkeit freizugänglich sind, ist das Kapital, das beim Crowdfunding gesammelt wird, nicht für die Allgemeinheit, sondern ausschließlich für den Projektinitiator bestimmt (Belleflamme et al. 2014; Brabham 2008; Fershtman und Gandal 2011).

In der Literatur wird zwischen dem direkten und indirekten Crowdfunding unterschieden (Moritz und Block 2013; Belleflamme et al. 2014). Während beim direkten Crowdfunding der Initiator auf der eigenen Website die Kampagne durchführt und eigene Social-Media-Kanäle nutzt, wird beim indirekten Crowdfunding eine eigens für Crowdfunding-Projekte konzipierte Plattform als Intermediär zwischengeschaltet, auf der junge Unternehmen ihre Finanzierungsaufrufe platzieren können (Moritz und Block 2013). Vorteile bei der indirekten Crowdfunding-Methode stellen vor allem der standardisierte Ablauf der Crowdfunding-Kampagne durch die Plattform als Intermediär sowie die durch verbesserte Kommunikations- und Informationswege reduzierten Informationsasymmetrien zwischen Initiator und Investor dar (Moritz und Block 2013; Berger und Gleisner 2010; Beck 2014). Aufgrund der vorstehend genannten Vorteile wird in der Regel das indirekte Crowdfunding von Initiatoren bevorzugt (Moritz und Block 2013).

3 Historie und Marktentwicklung

Das erste registrierte Crowdfunding-Projekt reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Als 1885 Frankreich den USA die Freiheitsstatue als Symbol der Unabhängigkeit schenkte, hatte das für die Freiheitsstatue verantwortliche US-amerikanische Komitee, gezeichnet von der wirtschaftlichen Depression Amerikas, Schwierigkeiten in der Finanzierung des Sockels, auf dem die geschenkte Freiheitsstatue errichtet werden sollte (National Park Service 2016).

Joseph Pulitzer, seinerzeit Herausgeber der Zeitung New York World, machte daraufhin auf die finanziellen Engpässe bei der Errichtung der Freiheitsstatue aufmerksam und rief seine Leserschaft auf, durch die Spende von einem US-Dollar zur Anfertigung des Sockels beizutragen. Insgesamt konnten über 100.000 US-Dollar durch den Spendenaufruf eingesammelt werden, was letztendlich den Bau des Sockels und die Errichtung der Freiheitsstatue ermöglichte (National Park Service 2016).

Während Joseph Pulitzer aufgrund seiner Tätigkeit als Herausgeber einer Zeitung direkten Zugang zur Öffentlichkeit hatte, war es für viele herkömmliche Personen nicht ohne weiteres möglich, eine große Menschenmenge auf derartige Crowdfunding-Projekte aufmerksam zu machen (Short et al. 2017). Durch die Innovation des Internets, der Online-Bezahlsysteme und der ersten Crowdfunding-Plattformen in 2008 bzw. 2009 (Indigogo und Kickstarter) wurde der Zugang zu Crowdfunding-Projekten für interessierte Investoren in junger Vergangenheit deutlich erleichtert, was in einem weltweiten „Crowdfunding-Hype“ im letzten Jahrzehnt resultierte (Short et al. 2017; Schmiedgen 2014).

So existieren heute über 2000 Crowdfunding-Plattformen, wovon die US-amerikanische Crowdfunding-Plattform Kickstarter mit Finanzierungsbeiträgen von über 4 Milliarden US-Dollar, 155.000 erfolgreich finanzierten Projekte und 15,5 Millionen Unterstützern derzeit die größte Crowdfunding-Plattform weltweit ist (Drake 2015; Kickstarter 2018). In 2014 belief sich die Finanzierung über Crowdfunding auf eine Finanzierungssumme von 16 Milliarden US-Dollar (Barnett 2015), in 2016 bereits auf über 34 Milliarden US-Dollar (Statista 2018). Ein Ende des Crowdfunding-Hypes ist momentan noch nicht in Sicht – die Weltbank prognostizierte zuletzt, dass sich die Gesamtfinanzierungssumme über Crowdfunding in 2025 bei über 300 Milliarden US-Dollar bewegen wird (Short et al. 2017; Meyskens und Bird 2015).

In Deutschland spielte Ende 2011 der Kinofilm Stromberg eine Rolle dabei, den Crowdfunding-Hype auszulösen. Dessen Produktionskosten in Höhe von einer Millionen Euro wurde innerhalb von drei Wochen erfolgreich finanziert. Während auch in Deutschland mittlerweile hauptsächlich Crowdfunding-Pattformen, wie z. B. Startnext oder Companisto, von Startups zum Finanzierungsaufruf genutzt werden, erfolgte das Crowdfunding für den Stromberg-Film damals noch über eine dafür eigens aufgesetzte Website (Schmiedgen 2014).

Das aktuell erfolgreichste Crowdfunding-Projekt weltweit ist das Startup Pebble Time, dass Smartwatches produziert und in 2015 über Kickstarter 10 Millionen US-Dollar eingesammelt hat (Schmiedgen 2014; Short et al. 2017). Erfolgreichstes Crowdfunding-Projekt in Deutschland ist das Münchner Technologieunternehmen Bragi, das im Zeitraum von nur zwei Monaten von ca. 16.000 Unterstützern über 3 Millionen US-Dollar auf Kickstarter erhalten hat. Das eigentliche Finanzierungsziel von 260.000 US-Dollar wurde innerhalb von 48 Stunden erreicht (Dietz 2014). Mit ihrem Produkt „The Dash“ bietet das junge Unternehmen smarte Kopfhörer an, mit denen nicht nur Musik gehört, sondern anhand modernster Sensorik auch die Geschwindigkeit, der Kalorienverbrauch oder der Puls gemessen werden kann (Dietz 2014).

4 Akteure und Ablauf

Die Hauptakteure des Crowdfundings stellen die Projektinitiatoren (insb. Startups), die Kapitalgeber und die Plattform als Intermediär dar. Die Projektinitiatoren bewerben sich bei der Crowdfunding-Plattform, bei der sie ihre Crowdfunding-Kampagne durchführen möchten. Die Bewerbungsunterlagen umfassen in der Regel eine Beschreibung des Projekts sowie Informationen zum Finanzierungsvorhaben wie z. B. das Finanzierungsziel oder die Laufzeit der Kampagne (Moritz und Block 2013). Das Finanzierungsziel wird vom Kapitalnehmer vorab selbst bestimmt. Nach erfolgreicher Bewerbung stellt der Intermediär die Crowdfunding-Kampagne für einen begrenzten Zeitraum, in der Regel für durchschnittlich zwei Monate, online (Crosetto und Regner 2014; Mendes-Da-Silva et al. 2016).

Während der Kampagne erhalten die Kapitalgeber auf der Plattform detaillierte Informationen zum Projekt (z. B. über die Geschäftsidee und die Projektinitiatoren) in schriftlicher sowie in Form eines Videos. Die Kapitalgeber können in diesem Zeitraum in das Projekt investieren. Der (sofern erforderliche) Vertragsabschluss zwischen Kapitalnehmer und -geber wird durch den Intermediär vollzogen. Der selbst festzulegende finanzielle Beitrag wird durch den Kapitalgeber an den Treuhänder überwiesen, der die Gelder während der Projektlaufzeit verwaltet und nach erfolgreicher Kampagne an den Kapitalnehmer unter Abzug der Transaktions- und Provisionsgebühr auszahlt. Die Transaktionsgebühr ist für den Treuhänder bestimmt, hingegen die Provisionsgebühr vom Treuhänder an die Plattform weitergeleitet wird (Startnext 2019).

Die folgende Abbildung beschreibt den Ablauf des indirekten Crowdfundings (Abb. 1).
Abb. 1

Ablauf einer indirekten Crowdfunding-Transaktion (in Anlehnung an Moritz und Block 2013)

5 Ausgestaltungsformen

Die Ausgestaltungsformen von Crowdfunding unterscheiden sich hinsichtlich der Art des Investments und den Erwartungen der potenziellen Investoren (Short et al. 2017). Unterschieden wird zwischen dem Spenden-, Belohnungs-, Darlehens-, und Eigenkapitalmodell (Moritz und Block 2013).

5.1 Spendenmodell

Entscheidet sich der Projektinitiator für das Spendenmodell, erhält er finanzielle Mittel in Form einer Spende vom Kapitalgeber, ohne dass dieser eine Gegenleistung erbringen muss (Beck 2014).

Das Spendenmodell wird häufig für gemeinnützige Projekte oder von Wohltätigkeitsorganisationen genutzt (Orthwein 2014). Während der Kapitalgeber bei anderen Crowdfunding-Modellen in der Regel aus finanziellen bzw. materiellen Gründen in das Projekt investiert, sind die Beweggründe bei Investitionen im Rahmen des Spendenmodells häufig sozialer bzw. emotionaler Art. So sind Kapitalgeber davon überzeugt, mit ihrer Spende die Allgemeinheit bzw. gezielt Hilfsbedürftige zu unterstützen (Beck 2014).

Auch im Rahmen des Spendenmodells wird das Ziel verfolgt, möglichst viele Investoren davon zu überzeugen, in das Projekt zu investieren, um letztlich eine hohe Finanzierungssumme zu erreichen (Moritz und Block 2013). Mit Finanzierungszielen von durchschnittlich 5000 € sind die Finanzierungssummen jedoch als eher gering anzusehen (Beaulieu et al. 2015).

Ein prominentes Beispiel für die Verwendung eines spendenbasierten Modells ist die Wahlkampffinanzierung des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, der im Rahmen einer spendenbasierten Crowdfunding-Kampagne in 2008 insgesamt rund 770 Mio. US-Dollar Spendengelder und in 2012 mehr als 2 Milliarden US-Dollar von mehr als 10 Millionen Einzelspendern einsammeln konnte (Orthwein 2014; Sixt 2014).

5.2 Belohnungsmodell

Im Rahmen des Belohnungsmodells enthält der Kapitalgeber für seinen finanziellen Beitrag vom Projektinitiator eine Gegenleistung (Short et al. 2017). Die Gegenleistungen sind von dem Projektinitiator frei wählbar, häufig wird das durch die Kampagne zu finanzierende Produkt unter Abzug eines Rabattes als Gegenleistung angeboten. Weitere gängige Gegenleistungen sind T-Shirts, Turnbeutel oder Einladungen zu Events bei Crowdfunding-Kampagnen, die das Belohnungsmodell nutzen (Beaulieu et al. 2015; Orthwein 2014).

Die Finanzierungsziele schwanken bei Verwendung des Belohnungsmodells stark. So bewegen sich die Finanzierungsziele weltweit zwischen unter 100 US-Dollar und über einer Millionen US-Dollar, der Durchschnitt liegt bei 10.000 US-Dollar (Beaulieu et al. 2015). Auch die Gegenleistungen sind für unterschiedliche Beiträge zu erhalten, sodass Investoren je nach gewünschtem finanziellem Beitrag unterschiedliche Gegenleistungen erhalten (Beaulieu et al. 2015).

Kampagnen, die dem Belohnungsmodell unterliegen, sind zeitlich begrenzt. In der Regel gibt die Plattform einen Finanzierungszeitraum von 2 Monaten vor, im Rahmen dessen Kapitalgeber die Möglichkeit haben, die Kampagne finanziell zu unterstützen (Crosetto und Regner 2014; Mendes-Da-Silva et al. 2016). Projektinitiatoren sind vor Beginn der Kampagne verpflichtet ein Finanzierungsziel festzulegen, welches von Interessierten während der Laufzeit öffentlich einsehbar ist.

Eine Vielzahl der Crowdfunding-Plattformen nutzt das Alles-oder-Nichts-Prinzip hinsichtlich der Erreichung des Finanzierungsziels (z. B. Kickstarter, Startnext): Sollte das Finanzierungsziels zum Ende der Kampagne nicht erreicht sein, gilt die Kampagne als nicht erfolgreich und das bereits eingesammelte Kapital wird von der Plattform an die Investoren zurückgezahlt (Beaulieu et al. 2015).

Die Finanzierung des Films über Franz Jacobi, dem Gründer des Vereins Borussia Dortmund, ist ein prominentes Beispiel für die erfolgreiche Verwendung des Belohnungsmodells im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne. So konnten Investoren als Gegenleistung für ihren finanziellen Beitrag zwischen einer DVD des Films, einer Namensnennung im Abspann und T-Shirts, Schals und Gründungstrikots auswählen. Der Film „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ wurde aufgrund der erfolgreichen Finanzierung in Höhe von 217.891 € produziert (Startnext 2013).1

5.3 Darlehensmodell

Das darlehensbasierte Crowdfunding umfasst die Vergabe von Mikrokrediten durch die Kapitalgeber (Moritz und Block 2013). Die Verzinsung des Kredits hängt häufig vom Projektzweck ab. Während Projektinitiatoren von profitorientierten Projekten häufig mit einer Verzinsung für die erhaltenen Mikrokredite werben, werden sozialorientierte Projekte in der Regel nicht verzinst, sodass Projektinitiatoren lediglich die nicht verzinste Darlehenssumme vom Projektinitiator zurück gezahlt bekommen (Short et al. 2017; Allison et al. 2013).

In der Literatur wird zwischen der reinen Unterstützung von Personen (Peer-to-Peer Lending) und der Unterstützung von Unternehmen unterschieden. Beim Peer-to-Peer Lending unterstützen die Kapitalgeber den Projektinitiator unmittelbar (Beaulieu et al. 2015; Moritz und Block 2013). Die Kleinstkredite werden gebündelt und in Form eines Kredites an den Projektinitiator vergeben (Hemer et al. 2011; Röthler und Wenzlaff 2011). Kapitalgeber nutzen das Darlehensmodell häufig als kurz- bis mittelfristige Kapitalanlagemöglichkeit (Sterblich et al. 2015; Assenmacher 2017). Übliche Kreditlaufzeiten bewegen sich zwischen 5 und 10 Jahren (Orthwein 2014).

Auf den erfolgreichen und bekannten deutschen Plattform smava können sich Privatpersonen gegenseitig Kredite vergeben, hingegen werden auf der Plattform Zencap Kredite ausschließlich an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben (Assenmacher 2017). Das Unternehmen Auxmoney bietet sowohl für Privatpersonen als auch für Gründer/innen als Plattform Kredite in Form des Crowdlendings an.

Das Restaurant-Konzept L’Osteria, das italienische Speisen zu moderaten Preisen anbietet, hat in 2016 erfolgreich über Crowdlending 100.000 € zur Finanzierung der deutschlandweiten Expansion des Franchise-Konzepts eingenommen. Die Gründer warben mit einer Verzinsung von 4,5 % p.a. (Crowdfunding 2018).

5.4 Eigenkapitalmodell

Der Begriff des Crowdinvestings wird häufig zur Beschreibung des Eigenkapitalmodells im Crowdfunding gewählt. Im Jahr 2017 umfasst der deutsche Crowdinvestingmarkt ein Investmentvolumen von 200 Millionen € (Crowdinvest 2018). Die verfügbaren Eigenkapitalmodelle umfassen in Deutschland anstatt einer klassischen Eigenkapitalfinanzierung häufig mezzanine Finanzierungsinstrumente (Klöhn und Hornuf 2015; Beck 2014; Fox et al. 2015). So werden im Rahmen des Crowdinvestings in Deutschland in der Regel Genussrechte und partiarische Nachrangdarlehen als Investitionsform verwendet und keine Eigenkapitalfinanzierung im eigentlichen Sinne, bei der der Kapitalgeber durch seine finanzielle Unterstützung Eigenkapitalanteile am jungen Unternehmen erwirbt (Beck 2014). Gründe hierfür sind sowohl im rechtlichen Bereich (z. B. Prospektpflicht beim öffentlichen Aufruf von Vermögensanlagen) als auch im privaten Bereich des Projektinitiators (z. B. Vergabe von Mitsprachrechten an unbekannte Investoren) zu finden (Fox et al. 2015).

Die Vergabe von Genussrechten hat aus der Sicht des Startups den Vorteil, dass der Investor zwar ein Recht auf Partizipation am Unternehmensgewinn erhält, ihm jedoch keine Stimm- oder Mitwirkungsrechte an unternehmerischen Entscheidungen eingeräumt werden. Ähnlich verhält es sich beim partiarischen Nachrangdarlehen, bei dessen Erwerb Investoren ebenfalls keine Mitspracherechte erhalten. Durch Zinszahlungen auf das investierte Kapital erhalten Investoren hierbei die Möglichkeit, am Gewinn des Unternehmens zu partizipieren. Als Bezugsgröße für die Zinszahlung wird häufig eine Gewinn- oder Umsatzgröße gewählt (Fox et al. 2015). Aus Investorensicht haben diese Modelle den Nachteil, dass sich ihr Investitionsrisiko nicht vom Risiko der Eigentümer des Unternehmens unterscheidet, sie aber gleichzeitig geringere Informationsrechte und keine Mitspracherechte erhalten.

Während die Plattformen Seedmatch, Startnext und Companisto partiarische Nachrangdarlehen anbieten, werden auf den Plattformen Innovestment und Mashup Finance Genussrechte vergeben. Lediglich die Plattform Bergfürst bietet eine direkte Beteiligung in Form eines klassischen Eigenkapitalerwerbs an (Fox et al. 2015).

Platz eins der erfolgreichsten Crowdinvesting-Kampagne belegt das Startup AoTerra, das durch eine Finanzierungsrunde auf Seedmatch eine Millionen Euro durch die Vergabe von partiarischen Nachrangdarlehen einsammeln konnte. AoTerra hat zum Ziel, mithilfe der Abwärme von Servern zukünftig Immobilien mit Warmwasser und Heizenergie zu versorgen (Wirminghaus 2013).

6 Zusammenfassung

Crowdfunding hat sich in den vergangenen Jahren als attraktives Finanzierungsinstrument für jungen Unternehmen weltweit etabliert. So sind heute mehr als 2000 Crowdfunding-Plattformen aktiv. Allein auf der größten Crowdfunding-Plattform Kickstarter sind derzeit durch insgesamt 15,5 Millionen Unterstützer über 4 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet worden (Kickstarter 2018).

Durch die verschiedenen Ausgestaltungsformen des Crowdfundings (Spenden-, Belohnungs-, Darlehens- und Eigenkapitalmodell) ist das Finanzierungsinstrument für eine Vielzahl von Projekten attraktiv und anwendbar. So haben heute erfolgreiche deutsche Unternehmen, wie beispielsweise das Unternehmen erdbär, die Freche Freunde Snacks für Kleinkinder aus Obst und Gemüse vertreiben, bereits auf Crowdfunding zurückgegriffen, um ihre Geschäftsvorhaben zu verwirklichen.

Dem Crowdfunding-Hype scheint kein Ende gesetzt zu sein. Allein die Niedrigzinspolitik in den vergangenen Jahren zwingt deutsche Anleger immer mehr, sich nach alternativen Anlagemöglichkeiten umzusehen. Insbesondere das eigenkapitalbasierte Crowdfunding wird daher trotz des hohen Risikos als attraktive Anlagemöglichkeit wahrgenommen. Es sollte demnach auch in den nächsten Jahren nicht an Investoren mangeln (Toll et al. 2018).

Fußnoten

  1. 1.

    Siehe für weiterführende Informationen zum Film: http://franz-jacobi.de/.

Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Entrepreneurship und FinanzierungHeinrich-Heine-Universität DüsseldorfDüsseldorfDeutschland

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