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Organisationssoziologie und Wirtschaftssoziologie im Dialog

Raimund Hasse im Gespräch mit Jürgen Beyer
  • Raimund HasseEmail author
  • Jürgen Beyer
Living reference work entry
Part of the Springer Reference Sozialwissenschaften book series (SRS)

Zusammenfassung

Jürgen Beyer wurde von Raimund Hasse zum Verhältnis der Wirtschaftssoziologie zur Organisationssoziologie interviewt. Konkret geht es um Berührungspunkte der Wirtschaftssoziologie mit der Organisationssoziologie, empirische und theoretische Lücken der Organisationssoziologie aus Sicht der Wirtschaftssoziologie und zukünftige gemeinsame Fragestellungen.

Schlüsselwörter

Neue Wirtschaftssoziologie Märkte Netzwerk Digitalisierung Ökonomisierung 

Zunächst vielen Dank für diese Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Wissenschaftssoziologisch sind die einzelnen „Bindestrichsoziologien“ ja Ausdruck fachinterner Differenzierungen, die in erster Linie etwas mit Größe und Wachstum zu tun haben. Zugleich brauchen Spezialgebiete Forschungsprogramme oder Profile, die der Integration und Erkennbarkeit dienen. Worum geht es also in der Wirtschaftssoziologie – und als Zusatzfrage: Worin unterscheidet sich die sogenannte neue Wirtschaftssoziologie, von der man ja seit ca. 20 Jahren hört, von ihren Vorläufern?

Dann versuche ich mal, eine Antwort zu geben, obwohl ich solchen Differenzierungsfragen auch gerne ausweiche. Für mich werden Zugehörigkeiten eigentlich über die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens und über Selbst- und Fremdzuschreibungen bestimmt. Wirtschaftssoziologie wäre demnach dies, was Wirtschaftssoziologinnen und -soziologen tun. Diese eher ausweichende Antwort ist vielleicht auch angemessen, denn die Wirtschaftssoziologie ist, meinem Eindruck nach, ein theoretisch und methodisch recht vielfältiges Forschungsgebiet. Gemeinsamer Schnittpunkt der Forschungsanstrengungen ist die inhaltliche Auseinandersetzung mit „Wirtschaft“ bzw. mit Untersuchungsgegenständen wie etwa Märkten, Unternehmen, Wirtschaftssystemen oder Geld, die gemeinhin dem Bereich der Wirtschaft zugerechnet werden – in theoretischer und methodischer Hinsicht ist die Wirtschaftssoziologie aber ähnlich vielfältig, wie die gesamte Soziologie. Manche potenziell in Frage kommenden Untersuchungsgegenstände prägen die wirtschaftssoziologische Debatte dennoch eher als andere. Dies hängt primär damit zusammen, dass es für bestimmte an sich ebenfalls der Wirtschaft zurechenbare Themen wie Arbeit, Industrie oder Konsum auch andere „Bindestrich“-Zuschreibungen gibt. Zudem wird in der Wissenschaft persönliche Profilierung ja auch häufig dadurch angestrebt, dass neue Communities ausgerufen werden. Insofern gibt es auch in der Wirtschaftssoziologie verschiedene Dynamiken der Ein- und Ausgrenzung, sodass dann manchmal Personen Gegenströmungen ausrufen, die wenig später als Stimme innerhalb der Wirtschaftssoziologie wahrgenommen werden.

Zur Frage, was „soziologisch“ an der Wirtschaftssoziologie sei – denn die Soziologie ist ja nicht die einzige Wissenschaft, die sich mit Wirtschaft befasst –, gibt es verschiedene Stellungnahmen von Wirtschaftssoziologinnen und -soziologen, die sich allerdings unterscheiden. Mal wird die Anerkennung der gesellschaftlichen Einbettung ökonomischen Handelns betont, mal die differierenden handlungstheoretischen Vorannahmen, der Stellenwert von Ungewissheit und Kontingenz oder die Spezifik der soziologischen Erkenntnisziele. Eine eindeutige Abgrenzung zur Wirtschaftspsychologie, zur politischen Ökonomie oder zu verschiedenen heterodoxen ökonomischen Ansätzen ist analytisch durchaus schwierig – als sozialer Prozess der Selbst- und Fremdzuschreibung dann aber doch überraschend trennscharf.

Bezüglich des zweiten Teils der Frage würde ich sagen, dass die sogenannte „Neue Wirtschaftssoziologie“ eine recht erfolgreiche Profilierungsinitiative in der Soziologie war. Der Begriff wurde wohl von Mark Granovetter in einem Vortrag bei einer Konferenz der American Sociological Association im Jahr 1985 (Granovetter und Soong 1986) geprägt. Der Gründungsmythos besagt, dass in der Soziologie zuvor wirtschaftliche Aspekte aufgrund einer Anerkennung der primären Zuständigkeit der Ökonomie für „originär Ökonomisches“ nur noch eingeschränkt diskutiert wurden. Lediglich die gesellschaftlichen Folgen der Ökonomie oder die gesellschaftlichen Voraussetzungen ökonomischer Prozesse seien noch diskutiert worden, nicht jedoch Marktprozesse, Preisbildungen, unternehmerisches Handeln, der Geldkreislauf etc. Die Neue Wirtschaftssoziologie habe daher, ähnlich wie Gary Becker auf Seiten der Ökonomie, einen nicht mehr sinnvollen historischen Kompromiss zwischen der Soziologie und der Ökonomie aufgekündigt und sich der Erklärung des Ökonomischen selbst zugewandt. Als Gründungsdokument der Neuen Wirtschaftssoziologie wird zudem der „Embeddedness“-Aufsatz (Granovetter 1985) angeführt, in dem sich Granovetter gleichermaßen von normorientierten Handlungsvorstellungen der Soziologie und von zu sehr auf individuelles Handeln ausgerichteten ökonomischen Vorstellungen abgrenzt – und sich stattdessen für eine dientierte Perspektive ausspricht, in der die „Einbettung“ in soziale Zusammenhänge bedeutsam ist. Auch wenn der Gründungsmythos sicherlich Teil einer bewusst eingesetzten Stilisierung des „Neuen“ war, waren die vielfältigen Möglichkeiten zum Ausbuchstabieren von „Einbettung“ und die bewusste Herausforderung ökonomischer Erklärungen ein nicht zu unterschätzender anregender Impuls für die wirtschaftssoziologische Forschung. Dieser Impuls wirkt bis heute nach. Zuweilen ist aber auch erkennbar, dass die Sehnsucht nach einer „neuesten Wirtschaftssoziologie“ dazu führt, dass man die Neue Wirtschaftssoziologie nach erfolgreichen dreißig Jahren auch als etabliert wahrnimmt und sich davon abgrenzt.

Welche Bedeutung haben einerseits formale Organisationen und andererseits Prozesse der Organisierung, in denen etwa Zugehörigkeiten, Regeln und Sanktionen bestimmt werden, die eben nicht unbedingt auf formale Organisationen beschränkt sind für den seitens der Wirtschaftssoziologie bearbeiteten Gegenstandsbereich?

Was das Verhältnis von Wirtschafts- und Organisationssoziologie betrifft, kann gesagt werden, dass formale Organisationen in der Wirtschaftssoziologie natürlich auch eine Rolle spielen, aber eben nicht den Fokus der Perspektive bestimmen. Unternehmen werden dann zum Beispiel Gegenstand netzwerkanalytischer Untersuchungen, Gewerkschaften spielen für die Reflexion der kapitalistischen Verhältnisse eine Rolle, Regulierungseinrichtungen werden beispielsweise dann bedeutsam, wenn die gesellschaftlichen Veränderungen infolge der Finanzkrise reflektiert werden und Verbände werden mitbetrachtet, wenn es um die Erklärung der Spezifizität von Märkten geht. Zuweilen wird aus Gründen der Präzisierung oder der Abgrenzung der Begriff Organisation vermieden, dann werden lieber Begriffe wie „corporation“, „firm“ oder „internal governance unit“ verwendet. Organisieren ist zudem auch bedeutungsvoll. Es gibt beispielsweise eine wirtschaftssoziologische Perspektive, welche die soziale Organisation der Wirtschaft für den Kernaspekt der Wirtschaftssoziologie hält. In anderen wirtschaftssoziologischen Perspektiven kommt man allerdings auch komplett ohne Organisationsbegriff oder der Auffassung des aktiven Organisierens von Wirtschaft aus.

Prominente Autoren wie Frank Dobbin oder Walter Powell gelten sowohl als Wirtschafts- als auch als Organisationssoziologen – und in manchen Bereichen scheinen die Übergänge fließend zu sein. Inwiefern erachtest Du die Organisationssoziologie – und welche Art der Organisationssoziologie – für einflussreich und bedeutsam bei der Bearbeitung wirtschaftssoziologischer Fragestellungen?

In der Tat sind die Übergänge zwischen Wirtschafts- und Organisationssoziologie schon recht fließend. Ich habe ja auch eine Professur für Wirtschafts- und Organisationssoziologie inne, was keine Seltenheit in der Kombination darstellt. Es gibt ein interessantes MPIfG Discussion Paper von Adel Daoud und Sebastian Kohl (2016), in dem auf Basis einer Big-Data-Analyse soziologischer Zeitschriftenartikel recht deutlich gemacht wird, dass die Befassung mit Wirtschaft in der Soziologie sich eher auf eine breitere Debattenlinie stützt, die Organisationssoziologie und Sozialtheorie mit einschließt und nicht auf eine Wirtschaftssoziologie im engeren Sinne begrenzt ist. In einem anderen Beitrag zur Wirtschaftssoziologie differenziert Neil Fligstein (2001) zwischen drei zentralen Strömungen der Wirtschaftssoziologie: Der netzwerksoziologischen, der finanzorientierten und der institutionalistischen Wirtschaftssoziologie. Der institutionalistischen Strömung rechnet er die von Dir genannten Autoren zu und mein Eindruck ist, dass der Überlappungsbereich zwischen Wirtschafts- und Organisationssoziologie bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich dem Institutionalismus zurechnen, besonders groß ist. Da gibt es viel Grenzgängertum bzw. offene oder gar keine festen Grenzen.

Mein Verdacht ist allerdings, dass sich die Überlappungsbereiche eher aus sozialen Prozessen ergeben und nichts mit der theoretischen Orientierung an sich zu tun haben. Im deutschsprachigen Kontext gab es beispielsweise so eine Phase, in der ich den Eindruck hatte, dass systemtheoretisch argumentierende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Wirtschaftssoziologie gemieden und die Organisationssoziologie bewusst als alternativen Rahmen gewählt haben. Rein inhaltlich lässt sich dies meines Erachtens nicht begründen, denn Luhmanns „Wirtschaft der Gesellschaft“ (Luhmann 1998) ist natürlich auch als Anregungspotenzial für die Wirtschaftssoziologie nicht zu unterschätzen. Insofern würde ich in der Tendenz vermuten, dass im Grunde jede Art der Organisationssoziologie für die Bearbeitung wirtschaftssoziologischer Fragestellungen einflussreich werden kann oder auch nicht.

Seitens der Systemtheorie wurde das Interesse an Wirtschaft vielleicht dadurch relativiert, dass man eine Zeit lang immer mehr Funktionssysteme zu entdecken glaubte. Organisation konnte demgegenüber als eine von nur drei Referenzebenen (wenn man so will: „zwischen“ Interaktion und Gesellschaft) und als eine Besonderheit der modernen Gesellschaft ausgewiesen werden. Organisationen erschienen so möglicherweise wichtiger. Allerdings werden derzeit Fragen der Ökonomisierung der Gesellschaft bei Uwe Schimank (Schimank und Volkmann 2008) oder die besondere Bedeutung von Geld für sämtliche Organisationen bei Sven Kette (2017) auch mithilfe der Systemtheorie thematisiert. Vielleicht tut sich da also etwas. Nun aber zur nächsten Frage, bei der Du dich in besonderer Weise als Außenstehender oder als Beobachter der Organisationssoziologie verstehen kannst: Was könnte erklären, dass klassische organisationssoziologische Beiträge mitunter einflussreicher oder anschlussfähiger sind als aktuelle Beiträge? Gibt es hier Entwicklungen, die Du für übertrieben oder in die falsche Richtung gehend hältst?

Wenn man den Einfluss neuerer Beiträge mit denen der klassischen Beiträge vergleicht, kann man sich meines Erachtens leicht verschätzen, denn der Zeitraum, in dem die klassischen Beiträge Wirkung entfalten konnten, ist ja wesentlich länger. Die Wissenschaftsgeschichte ist zudem reich an zeitversetzten späten Entdeckungen oder auch unterschiedlichen Bedeutungszuschreibungen im Zeitverlauf. Die Attraktivität der klassischen Beiträge ergibt sich aber auch aus der ausgesprochen hohen theoretischen Produktivität der Organisationsforschung in bestimmten historischen Phasen. Ich glaube Gerald Davis (2010) hat einmal den kurzen Zeitraum zwischen dem Ende der 1960er-und Mitte der 1970er-Jahre nicht zu Unrecht als „theoretical Cambrian explosion“ bezeichnet, da in diesem Zeitraum entscheidende Beiträge sowohl des Institutionalismus als auch der Transaktionskostentheorie, der Agency Theory, der Populationsökologie und der Ressourcenabhängigkeits-Theorie entstanden sind. Der Theoriekanon der Organisationssoziologie ist daher beeindruckend groß, sodass es neuere Beiträge deshalb vielleicht schwerer haben, sich ihr Recht auf eine ähnliche Würdigung zu erkämpfen. Die Zeit dürfte zeigen, wie sich der Theoriekanon mit den Generationswechseln ändert. Manchmal ist das Vergessen für eine Disziplin/Subdisziplin wichtiger als die Entwicklung neuer Ansätze.

Als wohlwollender teilnehmender Beobachter der Organisationssoziologie – als gänzlich Außenstehender möchte ich mich nicht bezeichnen – scheint mir die Akzentuierung des Soziologischen in der Organisationsforschung zudem noch schwerer zu sein als in der Wirtschaftssoziologie. In der Wirtschaftssoziologie klappt das Imaginieren einer andersartigen „Ökonomie“ noch recht gut – auch wenn wahrscheinlich viel wechselseitige Ignoranz dieses Imaginieren erleichtert. Die Organisationsforschung nehme ich demgegenüber eher als interdisziplinär ausgerichtetes Forschungsgebiet wahr. Ich biete beispielsweise ab und an ein Master-Seminar an, das ich „Druckfrische Wirtschaftssoziologie“ bzw. „Druckfrische Organisationssoziologie“ nenne, in dem ich die jeweils neuesten Zeitschriftenartikel aus dem Forschungsgebiet mit meinen Studierenden diskutiere. Das führt dann zwangsläufig dazu, dass ich bei der Literaturauswahl entscheiden muss, was ich einbeziehe und was nicht. Bei dem Wirtschaftssoziologie-Seminar taucht eher das Abgrenzungsphänomen auf, das ich Soziologinnen und Soziologen der Wirtschaftssoziologie großzügig zurechne, die sich vielleicht selbst nicht der Wirtschaftssoziologie zugehörig fühlen. Bei der Organisationssoziologie stoße ich eher auf das Phänomen, dass die Artikel, die ich noch großzügig als soziologisch wahrnehme, letztlich häufig gar nicht von Personen verfasst wurden, die Stellen im Bereich der Soziologie innehaben. Das kann natürlich auch an meinem eigenen Wahrnehmungsvermögen liegen.

In die falsche Richtung gehend finde ich es, wenn unterschiedliche theoretische oder methodische Positionen dazu führen, dass man andere soziologische Orientierungen für nicht mehr diskussionswürdig hält. Derzeit sehe ich in dieser Hinsicht aber nicht die Wirtschafts- oder die Organisationssoziologie als gefährdet an – sondern eher die Soziologie im Allgemeinen.

Ja, das sind wichtige Anmerkungen zum spezifisch Soziologischen der Organisationsforschung. Vielleicht könnte man noch hinzufügen, dass sich eine sozialwissenschaftliche – und eben nicht unbedingt eine entweder ökonomische oder eine soziologische – Organisationsforschung in verschiedener Hinsicht stärker institutionalisiert hat. Disziplinäre Zuordnungen sind dann vergleichsweise sekundär und sehr gute Soziologinnen und Soziologen netzwerktheoretischer, neo-institutionalistischer oder populationsökologischer Ausrichtung können ihre Organisationsforschung an Business Schools fortsetzen. Abgesehen von dem – vor allem in den USA – dann möglicherweise besseren Gehalt muss sich dadurch jedoch nicht viel ändern. Und soziologische Organisationstheorien sind in diesen Kontexten ja auch in einem Maße anerkannt, wie man sich das für soziologische Wirtschaftstheorien vermutlich (noch) nicht vorstellen kann. Als jemand, der vergleichsweise nah an der Organisationssoziologie ist: Gibt es umgekehrt wirtschaftssoziologische blinde Flecken oder Desiderate, auf die man sehr gut mit einer organisationssoziologischen Perspektive reagieren könnte oder geschieht das bereits irgendwo?

Aktuell scheinen mir die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung höchst untersuchenswert. Die Organisationssoziologie und die Wirtschaftssoziologie könnten sich in diesem Themengebiet meines Erachtens sinnvoll unterstützen bzw. ergänzen. Was man beobachten kann, ist, dass Plattformunternehmen Märkte organisieren und damit gleichzeitig die traditionelle Organisation von Unternehmen potenziell in Frage stellen. Hier scheint mir die Organisationsforschung schon Vieles vorgedacht zu haben, etwa was das „lose oder enge Koppeln“ von Dingen oder den Übergang von Organisationen zum Organisieren angeht. Dies könnte für die Wirtschaftssoziologie als theoretische Anregung hilfreicher sein als die Anbindung an techniksoziologische oder arbeitssoziologische Debatten, in denen das Thema natürlich auch als relevant identifiziert wurde.

Umgekehrt wäre das natürlich eine Einladung an die Organisationssoziologie, etwaige Beschränkungen auf die Analyse einzelner formaler Organisationen und deren Entscheidungsverhalten zu überwinden und auf Vernetzungen, Feldkonzepte und Fragen der gesellschaftlichen Einbettung zu fokussieren – womit man dann wieder bei Granovetter wäre. Aber nun die letzte kurze Frage: Wo würdest Du konzeptionell und/oder empirisch die wichtigsten Anknüpfungspunkte identifizieren – und wo siehst Du „points of departure“, die man besser als solche akzeptieren sollte?

Wichtige Anknüpfungspunkte zwischen der Wirtschaftssoziologie und der Organisationssoziologie sehe ich im wechselseitigen Gebrauch theoretischer Konzepte. Konzepte kann man übertragen und in einen anderen theoretischen Rahmen überführen, ohne dass notwendigerweise die gesamte Theoriesicht geteilt werden muss. Die Organisationssoziologie befasst sich auch mit Organisationen oder dem Organisieren, ohne dass wirtschaftliche Fragen bedeutsam sein müssten. In solchen Anwendungsgebieten ist die Distanz zwischen der Wirtschaftssoziologie und der Organisationssoziologie naturgemäß besonders groß. Ansonsten gilt meines Erachtens das, was ich eingangs formuliert habe – differenzierend sind eher die sozialen Prozesse. Glücklicherweise sieht man manche Kolleginnen und Kollegen aber immer auch hier und dort und anderswo.

In diesem Sinne. Ich bedanke mich für die überaus interessanten Ausführungen.

Literatur

  1. Daoud, A., und S. Kohl. 2016. How much do sociologists write about economic topics? Using big data to test some conventional views in economic sociology, 1890 to 2014. MPIfG Discussion Paper 16(7). Köln: Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung.Google Scholar
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  8. Schimank, U., und U. Volkmann. 2008. Ökonomisierung der Gesellschaft. In Handbuch der Wirtschaftssoziologie, Hrsg. Andrea Maurer, 382–393. Wiesbaden: Springer VS.CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universität LuzernLuzernSchweiz
  2. 2.Fakultät für Wirtschafts- und SozialwissenschaftenUniversität HamburgHamburgDeutschland

Section editors and affiliations

  • Maja Apelt
    • 1
  • Maximiliane Wilkesmann
    • 2
  1. 1.Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche FakultätUniversität PotsdamPotsdamDeutschland
  2. 2.Institut für SoziologieTechnische Universität DortmundDortmundDeutschland

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