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Krankheiten des Innenohrs bei Kindern und Jugendlichen

  • Friedrich BootzEmail author
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Zusammenfassung

Angeborene Fehlbildungen des Innenohres stellen den größten Teil aller frühkindlichen Hörstörungen dar. Bei der Mondini-Dysplasie sind die Windungen der knöchernen Kochlea unvollständig und die membranöse Kochlea nur rudimentär angelegt. Neben entsprechendem Hörscreening können diese Fehlbildungen durch CT und MRT aufgedeckt werden. Die häufigste Ursache pränataler Innenohrschwerhörigkeiten sind mütterliche Infekte, z. B. Röteln im 2.–4. Schwangerschaftsmonat. Postnatale Schädigungen des Innenohres werden häufig durch Infektionen, wie Mumps, Masern und Keuchhusten ausgelöst. Auch bei der bakteriellen Meningitis ist das Risiko einer Innenohrschädigung hoch. Toxische Schäden des Innenohres sind gefürchtete Nebenwirkungen von Aminoglykosiden und Chemotherapeutika, wie z. B. Cisplatin oder Carboplatin. Über diese Nebenwirkung muss vor jeder Chemotherapie aufgeklärt werden. Hörstürze sind bei Kindern selten, sie manifestieren sich durch eine plötzlich auftretende einseitige Hörminderung (Schallempfindungsschwerhörigkeit). Da die Ursache nicht bekannt ist, ist eine kausale Therapie nicht möglich, die Gabe von Glukokortikoiden wird kontrovers diskutiert. Tinnitus kann auch bereits bei Kindern auftreten und ist häufig mit Stresssituationen verbunden. In diesen Fällen ist allenfalls eine psychologische Betreuung der betreffenden Kinder möglich. Lang anhaltende Lärmeinwirkung kann zu einer Innenohrschwerhörigkeit führen, was bei Jugendlichen durch das Hören von sehr lauter Musik über Kopfhörer die häufigste Ursache ist. Hier ist lediglich eine entsprechende Aufklärung und Prophylaxe möglich. Akustikusneurinome sind sehr selten bei Kindern, wohingegen die Neurofibromatose sich bereits durch Neurofibrome im inneren Gehörgang manifestieren können. Diese können auch beidseitig auftreten. Therapeutische Optionen sind neben der Bestrahlung die operative Entfernung. Kochleäre Hörstörungen können nur durch Hörgeräte ausgeglichen werden. Bei Ertaubungen ist der Einsatz von Kochleaimplantaten ein- und beidseitig möglich.

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universität Bonn, Klinik und Poliklinik für Hals- Nasen- Ohrenheilkunde/ChirurgieBonnDeutschland

Section editors and affiliations

  • Michael J. Lentze
    • 1
  1. 1.BonnDeutschland

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