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Die Sinnhaftigkeit der Kategorialen Formen

  • Guido Antônio de Almeida
Part of the Phaenomenologica book series (PHAE)

Zusammenfassung

Wir haben im vorhergehenden Kapitel gezeigt, daß der Sinn weder ausschließlich eine Sache der meinenden, noch der gebenden Intention ist, sondern aus dem Wechselspiel zwischen beiden im Wahrheits- oder Erfüllungsverhältnis entspringt. Gleichwohl kann die eine oder die andere Struktur stärker hervorgehoben werden. An sich sind beide in diesem Wechselspiel gleichursprünglich und gleichwertig; aber es hängt von unserer Erkenntnisintention (im weitesten Sinne des Wortes), d.h. von der das Erkennen motivierenden „Absicht” oder vom „Interesse”1 ab, welche dieser Strukturen zum Vorschein kommt. Erkenntnis ist kein passives Wissen oder Gewußthaben (kein Wissen im Modus der Vollendung), sondern ein zielgerichtetes Streben nach Wissen. Der „Gegenstand” dieses Mehr-wissen-wollens kann in doppeltem Sinn verstanden werden.2 Jeder dieser in Frage kommenden Sinne hängt vom jeweiligen Erkenntnisinteresse ab.

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Literature

  1. 1.
    Zum Begriff von „Interesse” vgl. EU, S. 87 und S. 91 f.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. oben § 1 des zweiten Kapitels.Google Scholar
  3. 3.
    Der Begriff der explikativen Wahrnehmung als von der schlichten Wahrnehmung verschieden wird in EU ausführlich behandelt. Vgl. insbesondere § 24, S. 124 ff.Google Scholar
  4. 4.
    Das ist natürlich nur eine Redensweise; nicht die Erscheinung, sondern das erscheinende Haus selbst wird wahrgenommen ; die Erscheinung als solche ist entweder die Seinsweise des Hauses in der Wahrnehmungssituation oder der Wahrnehmungsinhalte selbst.Google Scholar
  5. 5.
    Ideen I, S. 36.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. EU, 81 Anm. und 64. Vgl. auch FTL, § 62, S. 148 f.Google Scholar
  7. 7.
    „Klar” ist kein überflüssiges Adjektiv. Es bedeutet: im Modus der Klarheit, des explizit thematischen Seins. Das setzt aber voraus, daß die objektive Einheit schon „unklar,” implizit in der sinnlichen Wahrnehmung intendiert ist. Während dieses implizite Wissen erst in der prädikativen Synthesis artikuliert wird, wirkt es schon als „dynamis” in der sinnlichen Wahrnehmung. Vgl. EU, S. 24.Google Scholar
  8. 8.
    Die Einführung der Adjektive „typisch,” „schematisch” (nur das erste ist von Husserl in diesem Zusammenhang gebraucht), zeigt, daß in der Intention auf einen idealen Gegenstand mehr als bloß Ideales intendiert wird. Die „transzendentale Ästhetik,” die Husserl in FTL als eine Vorstufe zur „transzendentalen Logik” entwirft, zeigt sich wie die logische Sinnhaftigkeit in den typischen Einheitsformen der Erfahrung begründet. Wie bei Kant setzt auch die transzendentale Logik bei Husserl eine „Schematismuslehre” voraus.Google Scholar
  9. 9.
    „Archontisch” bezeichnet für Husserl die Dominanz einer Thesis oder eines Themas. Vgl. Ideen I, 288.Google Scholar
  10. 10.
    „Materie” bedeutet hier offensichtlich den sinnlichen „Stoff” mit seinem Sinn („Aktmaterie” bzw. „Erfüllungsmaterie”).Google Scholar
  11. 11.
    Denn sie betreffen die objektive Bestimmung eines Gegebenen, welche in der Aussage, im prädikativen Urteil erfolgt. Kategorein = aussagen.Google Scholar
  12. 12.
    „Die wesentliche Gleichartigkeit der Erfüllungsfunktion und aller mit ihr gesetzlich zusammenhängenden idealen Beziehungen macht es eben unvermeidlich, jeden in der Weise der bestätigenden Selbstdarstellung erfüllenden Akt als Wahrnehmung, jeden erfüllenden Akt überhaupt als Anschauung und sein intentionales Korrelat als Gegenstand zu bezeichnen” (LU III, S. 142).Google Scholar
  13. 13.
    „Die Intention des Wortes Weißes deckt sich nur partiell mit dem Farbenmoment des erscheinenden Gegenstandes, es bleibt ein Überschuß in der Bedeutung, eine Form, die in der Erscheinung selbst nichts findet, sich darin zu bestätigen. Weißes, d.h. weiß seiendes Papier” (LU III, S. 131).Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. LU III, S. 172f. Vgl. auch den Begriff vom „Bewußtseinsband” oben S. 60. Anm.Google Scholar
  15. 15.
    E. Tugendhat, Der Wahrheitsbegriff bei Husserl und Heidegger, S. 119 ff.Google Scholar
  16. 16.
    A.a.O., S. 122.Google Scholar
  17. 17.
  18. 18.
    A.a.O., S. 123.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. FTL, S. 71.Google Scholar
  20. 20.
    Das gilt, freilich nur für die Gegenstände, und nicht für das Sein des transzendentalen Ich, oder für das Sein der Welt als eines transzendentalen Horizontes, das streng genommen kein Sein-für, sondern Sein in einem ursprünglichen Sinn ist.Google Scholar
  21. 21.
    D.h. „konkreszieren” : die Teilintentionen und die Teilmomente können für sich selbst herausgehoben werden nur durch Abstraktion; nur die Gesamtintention und die Gesamtheit der gegenständlichen Momente sind „konkret.”Google Scholar
  22. 22.
    Eine eigentümliche Reflexion, weil sie sich nicht auf den Akt zurückbeugt, sondern auf den Gegenstand; diese gegenständliche Reflexion ist eine Wiederaufnahme des Gegenstandes in das aktive Erfassen.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. EU, S. 128 f.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. LU III, § 47, S. 150.Google Scholar
  25. 25.
    Die Zurückweisung des genetischen Standpunktes für die Behandlung der Problematik des Fundierungsverhältnisses zwischen der sinnlichen Erfahrung und den logischen Akten wird am deutlichsten in einem Passus aus Ideen I bekräftigt: „Es wird hier keine Geschichte erzählt. Weder an psychologisch-kausale, noch an entwicklungsgeschichtliche Genesis braucht und soll bei dieser Rede von Ursprünglichkeit gedacht werden. Welcher sonstige Sinn gemeint ist, das wird erst später zu reflektiver und wissenschaftlicher Klarheit kommen. Von vornherein fühlt aber jeder, daß das Frühersein der empirisch konkreten Tatsachenerkenntnis vor jeder anderen, z.B. jeder mathematisch-idealen Erkenntnis keinen objektiven zeitlichen Sinn haben müsse und in unzeitlichem verständlich ist” (Ideen I, S. 10 Anm.).Google Scholar

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© Springer Science+Business Media Dordrecht 1972

Authors and Affiliations

  • Guido Antônio de Almeida

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