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Einleitung

  • Guido Antônio de Almeida
Part of the Phaenomenologica book series (PHAE)

Zusammenfassung

Die Repräsentationstheorie Husserls, die er zum ersten Mal in LU1 formulierte, ist möglicherweise nicht die Grundidee, wohl aber eine der wichtigsten Hypothesen seiner ersten phänomenologischen Untersuchungen. Sie mußte zwar mit der Entdeckung der transzendentalen Subjektivität und der transzendentalen Konstitution einen neuen Sinn annehmen, indessen blieb der Hauptgedanke dabei stets derselbe : die Gegenstände unserer Erkenntnis stellen sich selbst aufgrund intuitiver Inhalte im Erlebnisstrom des Bewußtseins dar, wobei der intuitive Inhalt erst mittels einer subjektiv vollzogenen Auffassungssynthese zu einem (den Gegenstand) darstellenden wird.2 Schon auf der untersten Erkenntnisstufe ist der intuitive Inhalt der bloße Bestand an sinnlichen Merkmalen, welche „außer der Auffassung” bloß „Empfindungsdaten” sind. Seinerseits kann dann der erste, aufgrund dieser sinnlichen Gegebenheiten konstituierte, Gegenstand den repräsentativen Anhaltspunkt für eine zweite Auffassungssynthese geben u.s.w. in infinitum. Die Erkenntnis hat somit auf allen Stufen zwei verschiedene Prinzipien: die Auffassungssynthese und den intuitiven Darstellungsinhalt.

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Literature

  1. 1.
    Vgl. z.B. LU II, S 74f. und S. 380 f. (Die Abkürzungen der Büchertitel sind vor der Bibliographie angegeben.)Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. auch LU III, S. 91.Google Scholar
  3. 3.
    Weder die sinnlichen Repräsentanten noch der Sinn sind das, was in der Auffassung gegenständlich intendiert ist. Durch den Sinn richtet sich das Bewußtsein auf den Gegenstand (Ideen I, S. 316). Andererseits ist der Gegenstand keine bloße „Empfindungskomplexion” (LU III, S. 234 f.), und die Empfindungen sind nicht als Zeichen oder Bilder in der „verstehenden Auffassung” gedeutet, sondern sind in der „objektivierenden Auffassung” die „Präsentanten” des Gegenstandes selbst (LU II, S. 75, Ideen I, S. 98).Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Q. Lauer, Phénoménologie de Husserl, S. 357 f. oder The Triumph of Subjectivity’, S. 109 f.Google Scholar
  5. 5.
    Zur Konfrontation dieser beiden Auffassungen vgl. Ideen I, § 80, S. 194 f. und CM, §§ 30–33, S. 99 f.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. „Die phänomenologische Philosophie Edmund Husserls in der gegenwärtigen Kritik,” in: Studien zur Phänomenologie, S. 101.Google Scholar
  7. 7.
    Ms. orig. A VI 8/i, S. 366 f., von 1911, zitiert nach Iso Kern, Husserl und Kant, S. 258.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. CM, S. 113.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. CM, § 38, S. III f. und dazu auch EU, S. 83: „Dieser phänomenologisch notwendige Begriff der Rezeptivität steht keineswegs in ausschließendem Gegensatz zur Aktivität des Ich, unter welchem Titel alle spezifisch vom Ichpol ausgehende Akte zu befassen sind; vielmehr ist die Rezeptivität als unterste Stufe der Aktivität anzusehen.”Google Scholar
  10. 10.
    „Es braucht hier nicht erwogen zu werden, ob es Urapperzeptionen gibt, die an den ,Anfang’ des Bewußtseinsstroms gestellt werden können” (HUS. XI, S. 338). „Die ,Geschichte’ des Bewußtseins (die Geschichte aller möglichen Apperzeptionen) betrifft nicht die Aufweisung faktischer Genesis für faktische Apperzeptionen oder faktische Typen in einem faktischen Bewußtseinsstrom oder auch in dem aller faktischen Menschen — nichts Ähnliches also wie die Entwicklung der Pflanzen- und Tierspezies-, vielmehr jede Gestalt von Apperzeptionen ist eine Wesensgestalt und hat ihre Genesis nach Wesensgesetze” (HUS. XI, S. 339).Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. HUS. XI, Beilage über „Die statische und die genetische phänomenologische Methode,” S. 336 f.Google Scholar
  12. 12.
    Das wird von Husserl im CM implizite eingeräumt. Er sagt nämlich: „Was uns im Leben sozusagen fertig entgegentritt als daseiendes bloßes Ding, .. . das ist in der Ursprünglichkeit des es selbst in der Synthesis passiver Erfahrung gegeben.” Und ein paar Zeilen weiter fügt er hinzu: „Mit gutem Grund heißt es, daß wir in früher Kinderzeit das Sehen von Dingen überhaupt erst lernen mußten, wie auch, daß dergleichen allen anderen Bewußtseinsweisen von Dingen genetisch vorangehen mußte. Das vorgebende Wahrnehmungsfeld in der frühen Kindheit enthält also noch nichts, was in bloßem Ansehen als Ding expliziert werden könnte” (S. 112). Allem anderen voran ist zu bemerken, daß Husserl sich hier in diesem Text mit der Frage des faktischen Anfangs befaßt, deren Möglichkeit für die Phänomenologie er aber sonst nicht wahrhaben möchte. Nach diesem Text besteht die passive Erfahrung in der Auffassung vor allen aktiven Synthesen von „bloßen Dingen,” d.h. von raumzeitlichen Körpern mit primären und sekundären Qualitäten. Wie aber aus dem letzt zitierten Satz hervorgeht, setzt die Dingauffassung „in der frühen Kindheit,” also an einem hypothetischen Anfang, die Vorgegebenheit (vgl. im Text: „im vorgebenden Wahrnehmungsfeld”) von etwas voraus, „was in bloßem Ansehen (nicht) als Ding expliziert werden könnte,” d.h. (in kantischen Begriffen) ein mannigfaltiges Gegebenes, eine empirische Mannigfaltigkeit, die radikal verschieden von der Auffassungsform ist.Google Scholar
  13. 13.
    HUS. XI, S. 411–416Google Scholar
  14. 14.
    Husserl berücksichtigt die Chaoshypothese ja nur für ein Sinnlichkeitsressort ausdrücklich, nämlich das des Gesichtes ; man kann aber ohne weiteres die Hypothese auf den ganzen Bereich der Sinnlichkeit extrapolieren.Google Scholar
  15. 15.
    Nur der assoziative intentionale Prozeß kommt in Frage, weil Husserl es hier mit der sinnlichen Genesis zu tun hat, und weil die Assoziation das universale Gesetz der passiven Genesis vom inhaltlichen Standpunkt her ist. Natürlich kommen aber auch die formalen raumzeitlichen Gesetzlichkeiten der passiven Genesis hinzu. Vgl. HUS. XI, S. 125 f.Google Scholar
  16. 16.
    „Was hier zeitlich statthat” (nämlich in der Fortpflanzung der Affektion im assoziativen Prozeß) „das ist unzeitlich im Zusammenhang einer erhöhenden Gegenwart in Aktion” (HUS. XI, S. 413).Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. E. Tugendhat, Der Wahrheitsbegriff bei Husserl und Heidegger, S. 263.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. Ideen I, S. 115.Google Scholar
  19. 19.
    „Alles was als seiender Gegenstand Ziel der Erkenntnis ist, ist Seiendes auf dem Boden der selbstverständlich als seiend geltenden Welt. Einzelnes vermeintlich Seiendes in ihr mag sich als nicht seiend herausstellen, Erkenntnis mag im einzelnen Korrektur von Seinsmeinungen bringen; aber das heißt nur, daß es statt so anders ist, anders auf dem Boden der im Ganzen seienden Welt” (EU, S. 25).Google Scholar
  20. 20.
    Die Unmodalisierbarkeit der Seinsgewißheit bedeutet natürlich nicht die Unmöglichkeit, sie in der Epoche zu neutralisieren. Wie wir aus Ideen I selbst (vgl. S. 265) wissen, ist die Neutralität keineswegs ein Modus der Gewißheit unter anderen wie die Negation, die Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit, usw., sondern eine paralelle Modifikation aller dieser Modi, mit Einschluß des Grundmodus der Gewißheit.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. HUS. XI, Beilage VIII (S. 365 f.), die den Text aus einem Forschungsmanuskript aus den Jahren 1922/23 wiedergibt.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. Kritik der reinen Vernunft, A 188-B 231.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. Husserls Kritik an Kants Zurückweisung des Psychologischen (Krisis, § 31). Der letzte Satz dieses Paragraphen lautet: „Sowie wir diese transzendentale Subjektivität aber von der Seele unterscheiden, geraten wir in ein unverständlich Mytisches*’ (S. 120).Google Scholar
  24. 24.
    Das ist der Sinn von Husserls Kritik an Kants vermeintlichem „Psychologismus.” Dazu vgl. I. Kern, Husserl und Kant, 114 f.Google Scholar
  25. 25.
    Es handelt sich, wie Tran-Duc-Thao bemerkt, nicht um die „impossibilité d’une conscience,” sondern um die „conscience d’une impossibilité.” Vgl. Phénoménologie et matérialisme dialectique, S. 26.Google Scholar
  26. 26.
    FTL, II. Abschnitt, 4. Kapitel. Vgl. bes. § 85, S. 183 f.Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. FTL § 85, S. 183 f.Google Scholar

Copyright information

© Springer Science+Business Media Dordrecht 1972

Authors and Affiliations

  • Guido Antônio de Almeida

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