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Freiheit des Menschen in der Ästhetischen Situation

  • András Horn
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Zusammenfassung

Jede Ästhetik ist eine Metaphysik des Schönen und der direkten Verifizierung somit entzogen. Niemand erlebt z.B. das Ästhetische als Inhaltsfreiheit, sondern bloss als etwas, das ganz allgemein Wohlgefallen hervorruft, als „Schönes“. Es ist nicht möglich, auf einen spezifisch ästhetischen Erlebnisinhalt hinzuweisen und dadurch eine Grundannahme der Ästhetik einleuchtend zu machen. Da andererseits die Möglichkeit einer apriorischen Herleitung im Hegelschen System ebenfalls nicht vordemonstriert wurde, bleibt es wie bei allen unbeweisbaren Hypothesen: man muss bestrebt sein, der Annahme möglichst grosse Wahrscheinlichkeit nachzuweisen.

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Literatur

  1. 1.
    Grundgedanken der Ästhetik“, Studia Philosophica, Bd. 16 (1956), S. 74.Google Scholar
  2. 3.
    Philosophie der Erscheinung,Bd. II, S. 478. Vgl. noch den bereits zitierten Ausspruch Kuno Fischers: „Ohne den Zustand der Freiheit von seiten der subjektiven Betrachtung (d.h. ohne Interesselosigkeit, A. H.)... ist nichts ästhetisch; diesen Zustand vorausgesetzt, ist alles ästhetisch.“Google Scholar
  3. 4.
    Wenn das technische Können grundsätzlich vorhanden ist, die Stofflichkeit aber an gesonderten Punkten trotzdem Oberhand gewinnt, so handelt es sich hier wohl nicht mehr um eine „vorästhetische“ Erscheinung — denn die Voraussetzungen auf der Objektseite sind ja grundsätzlich gegeben —, sondern um ein Vergehen gegen die Ästhetizität selbst, um eine Vereitelung der Inhaltsfreiheit. Vgl. hierzu Schillers Formulierungen über die „dreierlei Naturen“, die beim Entstehen eines Kunstwerks „miteinander ringen: die Natur des Darzustellenden, die Natur des darstellenden Stoffes und die Natur des Künstlers...; Es ist... bloss die Natur des Nachgeahmten, was wir an einem Kunstprodukt zu finden erwarten... Sobald aber entweder der Stoff oder der Künstler ihre Naturen mit einmischen, so erscheint der dargestellte Gegenstand nicht mehr als durch sich selbst bestimmt, sondern Heteronomie ist da“ (Kallias, S. 47).Google Scholar
  4. 5.
    Gerade weil wir, damit Ästhetisches sei, integrale Erscheinung vor uns haben müssen, ist es auch notwendig, dass uns die Illusion als Illusion ebensowohl bewusst als auch nicht-bewusst sei. Wenn wir nämlich naiverweise Opfer der Illusion werden und das Kunstwerk für einen Bestandteil der „wirklichen Wirklichkeit“ halten, wird auch unsere Einstellung zu ihm praktisch, d.h. eben nicht „liberaler Art“. Der ästhetisch Ungebildete, der sich etwa im Theater auf die Bühne stürzt und sich in die Handlung einmischt, um der gerechten Sache zum Siege zu verhelfen, kann unmöglich gleichzeitig die Freiheit des Inhalts geniessen.Google Scholar
  5. 6.
    Vgl. Richard Kroner, Von Kant bis Hegel, Tübingen 1921, Bd. I, S. 258.Google Scholar
  6. 8.
    a.a.O., S. 81, 84, 102, 113. Vgl. noch Eduard von Hartmann, a.a.O., S. 26f, auch — über den Begriff des Spiels bei Kant — S. 4. — Dies ist übrigens auch der einzige Aspekt, unter dem in den Ästhetischen Briefen das Objektive am Ästhetischen thematisch wird; gleichzeitig wird es klar, dass hier auf objektiv gesehen Anderes abgezielt wird als in seinen Briefen an Körner.Google Scholar
  7. 10.
    Jakob Hommes, Zwiespältiges Dasein, Die existentiale Ontologie von Hegel bis Heidegger,Freiburg 1953, S. 111.Google Scholar
  8. 12.
    Phänomenologie des Geistes,Hamburg 1952, S. 389.Google Scholar
  9. 17.
    Über die Hegelsche Unterscheidung von „Wirklichkeit“ und „Realität“ sowie über die Kunst als „Wirklichkeit“ vgl. noch Fahrenhorst, a.a.O., S. 57, 73Google Scholar
  10. 17.
    N. Hartmann, a.a.O., S. 286; Bloch, a.a.O., S. 253, 275; sowie Barth, Philosophie der Erscheinung, Bd. II, S. 606. — Eben wegen der notwendigen Unvollkommenheit der „Realität“ misst Hegel dem Schönen in der belebten Natur untergeordnete Bedeutung bei und verwirft die Nachahmung in ihrer engen, auf das Nachahmen des Gegebenen beschränkten Bedeutung. Auf der Hegelschen Unterscheidung zwischen „Wirklichkeit“ und „Realität“ beruht übrigens auch die Lukâcs’sche Dichotomie von „Realismus“ und „Naturalismus“. Vgl. noch Bernard Teyssèdre, L’esthétique de Hegel, Paris 1958, S. 27.Google Scholar
  11. 18.
    Vgl. N. Hartmann, a.a.O., S. 375: „... das Ideal ist... nicht wirklichheitsfremd. Es ist vielmehr das eigentlich Wirkliche...“ In diesem Sinne ist etwa der Hegelsche Ausspruch zu verstehen, wonach ein nur das Wesentliche herauskehrendes Porträt „gleichsam getroffener, dem Individuum ähnlicher sei als das wirkliche Individuum selbst“ (Ä/787).Google Scholar
  12. 19.
    Um Freud Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muss allerdings bemerkt werden, dass er an vereinzelten Stellen seines Gesamtwerkes doch auch dem Unlustvollen in der Kunst Rechnung zu tragen versuchte, so z.B. in „Jenseits des Lustprinzips“ und „Zeitgemässes über Krieg und Tod“ (Gesammelte Werke,Bd. XIII bzw. X).Zu seiner Theorie der Kunst als Ersatzbefriedigung siehe u.a. „Der Dichter und das Phantasieren“ sowie seine XXXII. Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse (Bd. VII bzw. XI).Google Scholar
  13. 20.
    Auch Nicolai Hartmann merkt, dass sich nach Hegel die Notwendigkeit der Kunst für das Subjekt aus der „Unvollständigkeit der Natur-Sphäre“ ergibt (a.a.O., S. 373f), dass also letzten Endes die Existenz der Kunst aus dem Freiheitsbedürfnis des Menschen zu erklären ist. Er leitet aber einerseits die Genusshaftigkeit der Kunst zur Hauptsache nicht aus dieser Freiheitsverwirklichung ab, sondern aus dem bereits besprochenen „Enthobensein“; andererseits stellt er nicht expressis verbis heraus — wie dies übrigens auch Hegel nicht tut —, dass das, was wir in der ästhetischen Situation geniessen, eine potenzierte Freiheit,eine emphatisch gemeinte Selbstbegegnung des Subjekts ist. Wohl spricht er von der Verwirklichung der Freiheit in der Kunst, zeigt aber nicht auf, wie diese ausserhalb der Kunst zur Freiheit führt. Umgekehrt fasst Lukács in seinem Alterswerk — ohne sich allerdings auf Hegel zu beziehen — die Kunst wohl als „Selbstbewusstsein des Menschengeschlechts“, als „Fürsichsein“ (Eigenart des Ästhetischen, Bd. I, S. 617; Bd. II, S. 325), womit er übrigens seinen Kunstbegriff wesentlich erweitert, „ästhetisiert“ und humanisiert. Er merkt aber nicht, dass das Spezifische des Fürsichseins, wie es im Kunsterlebnis Wirklichkeit wird, darin liegt, dass hier der Mensch sich seiner selbst als freien bewusst wird.Google Scholar
  14. 22.
    Kritik der Urteilskraft,Hamburg 1954, S. 159. Nach einer Paraphrase Schillers.Google Scholar
  15. 23.
    In der „Phänomenologie des Geistes“ finden wir die bedeutsame Gleichsetzung: des Individuums „Fiirsichsein oder seine Lust“. (S. 269. Von mir gesperrt.)Google Scholar
  16. 27.
    Vgl. N. Hartmann, a.a.O., S. 281: „Gegen alles andere... Denken ist Philosophie dadurch abgehoben, dass sie um sich als um die Selbstverwirklichung des Absoluten weiss.“Google Scholar
  17. 28.
    Vgl. Phänomenologie des Geistes,S. 152: „Im Denken bin Ich frei,weil ich nicht in einem Andern bin, sondern schlechthin bei mir selbst bleibe... und meine bewegung in Begriffen ist eine Bewegung in mir selbst.“Google Scholar
  18. 30.
    Vgl. Georg Lukâcs, „Das ästhetische Problem des Besonderen in der Aufklärung und bei Goethe“, in: Festschrift für Ernst Bloch,Berlin 1955, S. 223: „... für Goethe ist in Leben, Wissenschaft und Kunst gleichermassen der ganze Mensch, mit Einsatz aller seiner seelischen Fähigkeiten, das notwendige Subjekt für die Rezeption und Reproduktion der objektiven Wirklichkeit.“Google Scholar
  19. 31.
    Die protestantische Theologie im 19. Jahrhundert, Zollikon 1947, S. 374.Google Scholar

Copyright information

© Springer Science+Business Media Dordrecht 1969

Authors and Affiliations

  • András Horn
    • 1
  1. 1.BaselSchweiz

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