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Freiheit des Inhalts in Sich

  • András Horn
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Zusammenfassung

Hegel lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sich das Wesen des Ästhetischen für ihn keineswegs im Formwerden des Inhalts erschöpft. Er betont immer wieder, dass es beim sinnlichen Scheinen in der Kunst nicht nur auf das Dass, sondern auch auf das Was ankomme, dass es nicht gleichgültig sei, was da sinnlich scheint. Die Kunst hat nach ihm „nichts anderes zu ihrem Beruf, als das in sich selbst Gehaltvolle zu adäquater sinnlicher Gegenwart herauszustellen.“ In ihr haben wir es „mit der Befreiung des Geistes vom Gehalt und den Formen der Endlichkeit“ zu tun, sie „hebt … die blosse Zufälligkeit des Gehalts sowohl als der äusseren Erscheinung auf.“ (Ä/573, 1105, 300. Von mir hervorgehoben.) Es handelt sich hier also überhaupt nicht nur um eine Freiheit des Inhalts in der Form, sondern auch um eine Freiheit des Inhalts in sich: Der Inhalt muss auch von seinen eigenen Zufälligkeiten bereinigt, auch im Hinblick auf sich selbst frei gemacht werden.

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Literatur

  1. 1.
    Dieses Ineinandergreifen von Ethischem und Anthropologischem schlägt sich am deutlichsten etwa im folgenden Satz nieder: „Das allgemein Gute am Einzelnen als solchen ist das Pathos, das Allgemeine, das ihn treibt“ (18/77f).Google Scholar
  2. 2.
    Die hier bloss zusammengedrängt umrissene Anthropologie Hegels ist in sein Gesamtwerk eingebettet; es lassen sich also schwerlich einzelne Stellen zitieren. Gleichwohl sei — neben der einschlägigen Abschnitten der „Rechtsphilosophie“ — besonders auf S. 258–263 der „Religionsphilosophie“ hingewiesen, wo das Problem, ob der Mensch gut oder böse sei, eingehend erörtert wird. Über Hegels Anthropologie sind besonders zwei Arbeiten zu erwähnen: Justus Schwarz, Die anthropologische Metaphysik des jungen Hegel,Diss. Königsberg 1931; sowie Walter Brüning, „Das Bild des Menschen im objektiven Idealismus“, Kantstudien,Bd. 46 (1954/55). Beiden Arbeiten ist der Verfasser verpflichtet.Google Scholar
  3. 6.
    Domke (a.a.O., S. 55) bestimmt den Weltzustand als „das in einem Zeitzustand fixierte Absolute“; nach Christa Dulckeit-v. Arnim ist für Hegel die Kunst überhaupt „eine Form der Erfassung der Gesamtwirklichkeit auf der jeweiligen Stufe ihrer Entwicklung.“ („Hegels Kunstphilosophie“, Philosophisches Jahrbuch der Gärres-Gesellschaft,Bd. 67 [1959], S. 286). Dass hier allerdings höchstens von der Erfassung der menschlichen Gesamtwirklichkeit die Rede sein kann, braucht nicht nochmals eigens dargetan zu werden.Google Scholar
  4. 8.
    A History of Modern Criticism 1750–1950,Bd. II, New Haven 1955, S. 320.Google Scholar
  5. 9.
    Hegels Ästhetik“ (einführender Essay zur von uns gebrauchten Bassengeschen Ausgabe der Hegelschen Ästhetik),S. 21. Auf S. 29 definiert Lukács den Inhalt als „aus konkreten gesellschaftlichen, historischen Situationen herausgewachsenes Lebensgefühl.“Google Scholar
  6. 10.
    Kennern der Hegelschen Ästhetik mag übrigens aufgefallen sein, dass wir das Prinzip der „Versöhnung des Geistes im Leiblichen“ (oder wollen wir allgemeiner sagen: im Sinnlichen), wobei „sich das Geistige vollständig durch seine äussere Erscheinung hindurchzieht“ (A/495), unbedenklich auch auf die von Hegel „romantisch“ genannte Kunstperiode übertragen, es überhaupt verallgemeinert, „ontologisiert“ haben, obwohl dieses Prinzip für Hegel bloss das der klassischen Kunst war. Dazu ist einerseits zu sagen, dass für ihn Ästhetisches in seiner wahren Form und klassische Kunst schlechterdings zusammenfielen; dass es also durchaus legitim ist, seinen Begriff des Ästhetischen vom Grundprinzip des Klassischen her zu deuten. Was andererseits die Anwendung dieses Prinzips auf die moderne Kunst betrifft, so erwuchs sie aus der kunstwissenschaftlich belegbaren und im Laufe dieser Untersuchung an sich bereits mehrfach belegten Überzeugung, dass mit dem Wort von dem sinnlichen Scheinen der Idee genialer-weise nicht nur das Wesen der Klassik, sondern das Wesen der Kunst schlechthin getroffen wurde, dass es also — mit anderen Worten — grosse Kunst nicht nur in Hellas gab.Google Scholar
  7. 11.
    Die Eigenart des Asthetischen, Neuwied 1963, Bd. I, S. 610.Google Scholar
  8. 18.
    Hegels Ästhetik und das Allgemeinmenschliche“, Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Bd. 4 (1956), S. 544.Google Scholar

Copyright information

© Springer Science+Business Media Dordrecht 1969

Authors and Affiliations

  • András Horn
    • 1
  1. 1.BaselSchweiz

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