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Begriff des Ästhetischen

  • András Horn
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Zusammenfassung

Bekanntlich hat Hegel das Ästhetische als „das sinnliche Scheinen der Idee“bestimmt — eine verschlüsselte Definition, die im folgenden in Kunst- und Menschennähe gebracht werden soll.1 Ihr Kern wird offensichtlich vom Begriff der „Idee“ gebildet, in dem wohl das Wesentlichste an der Hegelschen Philosophie eingefangen ist. Um ihm beizukommen, muss jedoch weiter ausgeholt werden.

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Literatur

  1. 1.
    Ästhetik (künftig: A), S. 146. Gebraucht wurde die von Friedrich Bassenge besorgte einbändige Ausgabe (Berlin 1955).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Hegel: Sämtliche Werke, Bd. VIII, S. 366f: „Der Begriff ist das Dingen selbst Innewohnende, wodurch sie das sind, was sie sind, und einen Gegenstand begreifen, heisst somit sich seines Begriffs bewusst werden“. (Von mir gesperrt. Hegels Werke werden, wenn nicht anders angegeben, nach der Jubiläumsausgabe von Hermann Glockner zitiert, und zwar mit blosser Angabe der Band- und Seitenzahl.)Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. 3/142: „Die Idee ist die Einheit des Begriffs und der Realität, der Begriff, insofern er sich und seine Realität selbst bestimmt, oder die Wirklichkeit, die so ist, wie sie sein soll und ihren Begriff selbst enthält.“Google Scholar
  4. 4.
    Dem Verfasser würde es schwer fallen, in dieser Interpretation des Hegelschen Ideenbegriffes und somit der Hegelschen Grundkonzeption seine eigenen Gedanken von denen seiner Wegweiser zu sondern. Statt einzelne Hinweise zu geben, möchte er daher an dieser Stelle einige Werke als ganze erwähnen, die — von Hegels Werken erhellt und sie erhellend — ihm in seiner Arbeit am meisten geholfen haben; so vor allem Nicolai Hartmanns Hegel-Monographie in seiner Philosophie des deutschen Idealismus (Berlin 1929), seine Abhandlung über „Hegel und das Problem der Realdialektik“in: Kleinere Schriften (Berlin 1957), sodann Ernst Bloch: Subjekt—Objekt, Erläuterungen zu Hegel (Frankfurt/Main 1962), Theodor Litt: Hegel, Versuch einer kritischen Erneuerung (Heidelberg 1961) und Eberhard Fahrenhorst: Geist und Freiheit im System Hegels (Leipzig 1934).Google Scholar
  5. 5.
    Hegel nennt die Idee ausdrücklich den Inhalt der Kunst (Ä/108).Google Scholar
  6. 6.
    Dieser Auslegung des Begriffes „Idee“, wie er in der Bestimmung des Ästhetischen verstanden wird, widerspricht nur scheinbar, dass Hegel als die erste, unmittelbare Form der Idee das Leben bezeichnet (vgl. etwa 3/142). Zwar ist das Leben, „dieses ideelle einfache Fürsichsein des Leiblichen als Leiblichen“(A/660), bereits ein Sich-selbst-Haben im Anderen und insofern ein mögliches Fundament des Ästhetischen sowohl in der Natur als auch in der Kunst. Daher ist in manchen Bestimmungen Hegels nicht nur das „geistige“, sondern auch das „physische Leben“Inhalt, Thema der Kunst (3/142, auch 15/151). Der grosse Mangel des Lebens als Geistesidee besteht jedoch darin, dass die lebendige Individualität als bloss Lebendiges sich ihres Beisichseins nicht bewusst ist. Das Leben bedeutet also kein bewusstes Sich-selbst-Haben im Anderen und ist mithin doch keine wahre Erscheinungsform des Geistes. Daher verlagert Hegel das Hauptgewicht in den meisten Umschreibungen seines in der Ästhetik gebrauchten Ideenbegriffes vom „Leben“auf „selbstbewusstes Leben“, auf „geistige Beseelung“. Vgl. hierzu noch: Eduard von Hartmann, Die deutsche Ästhetik seit Kant (Leipzig 1886), Teil I, S. 110f.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. A/111: „... die Idee als das Kunstschöne... ist die Idee mit der näheren Bestimmung, wesentlich individuelle Wirklichkeit zu sein“.Google Scholar
  8. 8.
    Ober diese einschränkende Funktion des Sinnlichen in der Kunst schreibt Hegel folgendes: „... eben ihrer Form wegen ist die Kunst auch auf einen bestimmten Inhalt beschränkt. Nur ein gewisser Kreis und Stufe der Wahrheit (eben das Menschlich-Individuelle! A.H.) ist fähig, im Elemente des Kunstwerks dargestellt zu werden... Dagegen gibt es eine tiefere Fassung der Wahrheit, in welcher sie nicht mehr dem Sinnlichen so verwandt und freundlich ist, um von diesem Material in angemessener Weise aufgenommen und ausgedrückt werden zu können“(Ä/56). Darin liegt übrigens eine Vorwegnahme jener Auffassung Hegels, dass die Kunst doch nicht die alleinige und höchste Stätte des verwirklichten Geistes, der Idee ist. Vgl. S. 96–98.Google Scholar
  9. 9.
    Einzig Helmut Georg Domke hebt in seiner Dissertation über Grundfragen der Hegelschen Kunstphilosophie (Kiel 1939) den Anthropozentrismus der Hegelschen Ästhetik gehörig, wenn auch nicht in gebührender Detailliertheit hervor (S. 41).Google Scholar
  10. 10.
    Ästhetik, Berlin 1953, S. 89.Google Scholar
  11. 11.
    „Zur Konkretisierung der Besonderheit als Kategorie der Ästhetik“, Deutsche Zeitschrift für Philosophie,Bd. 4 (1956), S. 415, auch 417.Google Scholar
  12. 12.
    Domke interpretiert (a.a.O., S. 34, 38f) das „Scheinen“ebenfalls als Wesensbekundung und kommt zum Schluss, dass nach Hegel „die Gestalt des Kunstwerkes... das Wesentliche zu zeigen“hat (S. 40), dass „die Kunst für Hegel Wesensschau der Wirklichkeit“ist (S. 78). Auch Nicolai Hartmann meint. dass es sich hier „nicht eigentlich um ein,Scheinen’ handelt, sondern um ein Erscheinen“(Ästhetik, S. 79).Google Scholar
  13. 13.
    Trotzdem scheint Hegel dem Phänomen der Illusion (und damit der Nachahmung) nicht die Bedeutung beigemessen zu haben, die ihm in der Auslegung und Weiterführung seiner Ästhetik objektiv zukommt. Vgl. S. 72ff.Google Scholar
  14. 14.
    Nicolai Hartmann erwähnt noch einen möglichen Grund, dass nämlich die Kunst zwar der gewöhnlichen Wirklichkeit gegenüber wohl die tiefere Wahrheit repräsentiere, mit der Philosophie verglichen jedoch Schein, d.h. „Grenze der Erkenntnis“sei (Ästhetik, S. 79). Über diese Auszeichnung der Philosophie der Kunst gegenüber, siehe S. 97–101.Google Scholar
  15. 15.
    Philosophie der Erscheinung, Eine Problemgeschichte, II. Teil, Basel 1959, S. 608.Google Scholar
  16. 17.
    Auch Nicolai Hartmann betont, dass nicht die Idee das Schöne sei, sondern ihr „Scheinen“(Ästhetik, S. 76; Hegel S. 370). Vom Inhalt als dem „Wahren“wird im vierten Kapitel ausführlich die Rede sein.Google Scholar
  17. 18.
    Vgl. Hegel Ä/132f: „Im Kunstwerk ist nichts vorhanden, als was wesentliche Beziehung auf den Inhalt hat und ihn ausdrückt.“Google Scholar
  18. 19.
    Vgl. unter anderem Nicolai Hartmanns Kommentar zu Hegels Freiheitsbegriff: „Nicht Willensfreiheit ist gemeint, auch nicht eine allgemeiner verstandene Undeterminiertheit, also überhaupt kein Gegensatz zur Notwendigkeit... Es ist Freiheit... als Gegensatz nur zum Zwang, zur äusseren Notwendigkeit also, nicht zur inneren; Freiheit als Betätigung eigener innerer Tendenz,... Selbstentfaltung, Selbstverwirklichung; ein Wirken demnach, welches seine Ursächlichkeit keineswegs verleugnet; eine Wirklichkeit, welche nichts ist als die,enthüllte Notwendigkeit “(Hegel, S. 259).Google Scholar
  19. 20.
    Hegels Leben, Werke und Lehre, Heidelberg 1901, Bd. II, S. 818f.Google Scholar
  20. 21.
    Einleitung zu „Hegels Ästhetik“ München 1922, S. 14.Google Scholar
  21. 22.
    Hegel, S. 371–374. Vgl. unsere auch ihm verpflichtete Darstellung auf S. 7.Google Scholar

Copyright information

© Springer Science+Business Media Dordrecht 1969

Authors and Affiliations

  • András Horn
    • 1
  1. 1.BaselSchweiz

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