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Einleitung

  • Ulrich Claesges
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Zusammenfassung

Der Terminus „Geschichte des Selbstbewußtseins“ stammt von Schelling. Er taucht bei ihm erstmalig in derjenigen Abhandlung auf, in der er sich ausführlich mit der Wissenschaftslehre Fichtes auseinandersetzt. In seinen Abhandlungen zur Erläuterung des Idealismus der Wissenschaftslehre1 schreibt Schelling: „Alle Handlungen des Geistes also gehen darauf, das Unendliche im Endlichen darzustellen. Das Ziel aller dieser Handlungen ist das Selbstbewußtseyn, und die Geschichte dieser Handlungen ist nichts anderes als die Geschichte des Selbstbewußtseyns. Jede Handlung der Seele ist auch ein bestimmter Zustand der Seele. Die Geschichte des menschlichen Geistes wird also nichts anderes seyn als die Geschichte der verschiedenen Zustände, durch welche hindurch er allmählich zur Anschauung seiner selbst, zum reinen Selbstbewußtseyn, gelangt“.2 In seinem System der transzendentalen Idealismus3 hat Schelling dann später die Transzendentalphilosophie ausdrücklich als Geschichte des Selbstbewußtseins durchgeführt. In der Vorrede zu diesem Werk schreibt er: „Das Mittel übrigens, wodurch der Verfasser seinen Zweck, den Idealismus in seiner ganzen Ausdehnung darzustellen, zu erreichen versucht hat, ist, daß er alle Theile der Philosophie in Einer Continuität und die gesamte Philosophie als das, was sie ist, nämlich als fortgehende Geschichte des Selbstbewußtseyns . . . vorgetragen hat“.4

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Literatur

  1. 1.
    Schellings Werke. Herausgegeben von K. F. A. Schelling (1856 ff.) Bd. I, S. 345-452 (1796/97).Google Scholar
  2. 2.
    Bd. I, S. 382.Google Scholar
  3. 3.
    Bd. III, S. 329-634 (1800).Google Scholar
  4. 4.
    Bd. III, S. 331.Google Scholar
  5. 5.
    I, 29-81 (1794). Fichtes Werke werden in dieser Arbeit zitiert nach Band-und Seitenzahl der Ausgabe von I. H. Fichte, Johann Gottlieb Fichte’s sämmtliche Werke (1845 f.), und zwar ohne jeden Zusatz (also z.B. I, 222). Alle Zitate, bei denen die moderne Schreibweise der ursprünglich benutzten Ausgaben von Medicus (Darmstadt 1962) und der Philosophischen Bibliothek (Meiner, Hamburg) beibehalten wurde, sind mit der neuen Gesamtausgabe der Werke Fichtes, die von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wird (Stuttgart) verglichen worden. Die Zeichensetzung in den Zitaten entspricht dem Text der Akademieausgabe. Hervorhebungen in den Zitaten wurden fortgelassen.Google Scholar
  6. 6.
  7. 7.
    I, 85-328 (1794/95).Google Scholar
  8. 8.
    Diese zweite Reihe ist thematisch innerhalb der Grundlage in der Deduktion der Vorstellung (I, 227-246) und in den §§ 6-11 (I, 246-328). Darüber hinaus in der Schrift Grundriβ des Eigentümlichen der Wissenschaftslehre in Rücksicht auf das theoretische Vermögen (I, 331-410). Ein Überlick über die neuere Fichte-Literatur zeigt, daß man sich mit dieser zweiten Reihe so gut wie gar nicht befaßt hat.Google Scholar
  9. 9.
    Diese Schriften sind also: Rezension des Aenesidemus (1793); I, 1-25; — Über den Begriff der Wissenschaftslehre oder der sogenannten Philosophie, als Einladungsschrift zu seinen Vorlesungen über diese Wissenschaft (1794); I, 29-81; — Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre als Handschrift für seine Zuhörer (1794/95); I, 85-328; — Grundriβ des Eigentümlichen der Wissenschaftslehre in Rücksicht auf das theoretische Vermögen, als Handschrift für seine Zuhörer (1795); I, 331-410. Vgl. dazu Fichte in der Vorrede zur Grundlage: „Im gegenwärtigen Buche, wenn man die Schrift: Grundriß des Eigentümlichen der Wissenschaftslehre in Rücksicht auf das theoretische Vermögen mit dazu nimmt, glaube ich mein System, so weit verfolgt zu haben, daß jeder Kenner sowohl den Grund, und Umfang desselben als auch die Art, wie auf jenen aufgebaut werden muß, vollständig übersehen könne“. (1, 87).Google Scholar
  10. 10.
    Erste Einleitung in die Wissenschaftslehre von Professor Fichte (1797); 1, 419-449; — Zweite Einleitung in die Wissenschaftslehre für Leser, die schon ein philosophisches System haben (1797); 1, 453-518; — Versuch einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre. Fortsetzung (1797); I, 521-534.Google Scholar
  11. 11.
    Nachgelassene Schriften Bd. 2, hrsg. von H. Jacob, Berlin 1937, 344 ff.Google Scholar
  12. 12.
  13. 13.
    Die entsprechende Methode deutet Fichte schon in der Ersten Einleitung an. — Vgl. I, 446. 14 Vgl. 1, 459.Google Scholar
  14. 15.
    Vgl. 1, 492; 1, 460 f.Google Scholar
  15. 16.
    B. Zimmermann, Freiheit und Reflexion. Untersuchungen zum Problem des Anfangs des Philosophierens bei Joh. G. Fichte. Diss. Köln 1969, S. 194, Anm.; vgl. auch ebenda, S. 237. Zur Abgrenzung der beiden Gestalten der WL vgl. ebenda, S. 18 ff.Google Scholar
  16. 17.
    Der Terminus „Geschichte des Bewußtseins“ kommt noch einmal in der Wissenschaftslehre nova methodo vor, auf die aber aus angegebenen Gründen hier nicht eingegangen werden kann.Google Scholar
  17. 18.
    B XVI; vgl. B XXII, Anm.Google Scholar
  18. 19.
    B XXII, Anm.Google Scholar
  19. 20.
    Vgl. K. Held, „Der Logos-Gedanke des Heraklit“ in: Durchblicke. Festschrift für Martin Heidegger zum 80. Geburtstag. Frankfurt 1970, S. 162–206.Google Scholar
  20. 21.
    Diese Aufgabe hat in der Neuzeit J. Heinrich Lambert ausdrücklich in Angriff genommen, und zwar unter dem bezeichnenden Titel: „Phänomenologie“. Die menschliche Erkenntnis ist vielfältig von Schein bedroht und durchsetzt. Die Phänomenologie muß die Ursachen des Scheins, die im Erkennenden selbst, in den Objekten oder in deren Beziehung zum Erkennenden liegen können, aufdecken, um so die Mittel bereitzustellen, dem Schein zu entgehen. Lamberts 1764 erschienenes Werk trägt den Titel: Neues Organon oder Gedanken über die Erforschung und Bezeichnung des Wahren und dessen Unterscheidung von Irrtum und Schein durch J. H. Lambert. „Phänomenologie“ ist der vierte Teil dieses Neuen Organon mit dem Untertitel „Theorie des Scheins und seines Einflusses in die Richtigkeit und Unrichtigkeit der menschlichen Erkenntnis“.Google Scholar
  21. 22.
    Die Philosophie kann das natürliche Bewußtsein nicht total der Scheinhaftigkeit überantworten. Deshalb wird Kritik des natürlichen Bewußtseins auch immer eine Rechtfertigung desselben beinhalten müssen.Google Scholar
  22. 23.
    A 12/B 26.Google Scholar
  23. 24.
    Kant hat der Forderung Lamberts nach einer Theorie des Scheins große Bedeutung beigemessen. So erwägt er in einem Brief an Lambert vom 2. September 1770 die Ausarbeitung einer „phaenomenologia generalis“, die als bloß „negative Wissenschaft“, als „propädeutische Disziplin“ der Metaphysik voranzugehen habe. Die Phänomenologie sollte die Prinzipien der Sinnlichkeit in ihre Schranken weisen, damit sie nicht die Urteile über Gegenstände der reinen Vernunft verwirre. Diese bloß negative Wissenschaft hat Kant später unter den Bedingungen der Vernunftkritik gleichsam mit umgekehrten Vorzeichen, denn nun gilt es die reine Vernunft in ihre Schranken zu weisen, unter dem Titel „Transzendentale Dialektik“ durchgeführt.Google Scholar
  24. 25.
    Vgl. A 296/B 352 f.Google Scholar
  25. 26.
    A 297/B 353.Google Scholar
  26. 27.
    A 298/B 355.Google Scholar
  27. 28.
  28. 29.
  29. 30.
  30. 31.
  31. 32.
    A 509/B 537.Google Scholar
  32. 33.
    A 196/B 647.Google Scholar
  33. 34.
    Dieser Terminus soll nicht bedeuten, daß dem natürlichen Bewußtsein nicht doch „seine“ Wahrheit zukommt. Diese Problematik läßt sich anhand von Kant nicht zu Ende denken.Google Scholar
  34. 35.
    A 389; vgl. A 385.Google Scholar
  35. 36.
    A 619/B 647; vgl. auch A 375 ff., A 384 f., A 506/B 534.Google Scholar
  36. 37.
    A 492/B 520.Google Scholar
  37. 38.
    Deshalb ist Natur als Inbegriff der Gegenstände möglicher Erfahrung nicht Schein, sondern Erscheinung; vgl. auch A 393.Google Scholar
  38. 39.
    Kants Widerlegung des Idealismus (B 274 ff.) steht dem nur scheinbar entgegen. Kant will nur zeigen, daß die Gegenstände der äußeren Anschauung nicht weniger Realität und Objektivität haben als die Gegenstände des inneren Sinnes. Beide sind Erscheinungen und als solche gleichwertig.Google Scholar
  39. 40.
    A 619/B 647. Diese Überlegungen zeigen, daß dem Raum im Rahmen der Kritik der reinen Vernunft eine bedeutendere Rolle zukommt, als es zunächst den Anschein hat. Zur Problematik des Raumes in der Kr. d. r. V., vgl. J. Simon, Sprache und Raum, Berlin 1969. Zum Problem der Subreption vgl. dort S. 34 ff.Google Scholar
  40. 41.
  41. 42.
    Kritik der reinen Vernunft, B XVI.Google Scholar
  42. 43.
    Karl Leonhard Reinhold (1758–1823) war als Vorgänger Fichtes Professor für Philosophie in Jena; 1789 erschien sein Hauptwerk: Versuch einer neuen Theorie des menschlichen Vorstellungsvermögens.Google Scholar
  43. 44.
    I, 1-25. — Fichte rezensierte in der Jenaer Allgemeinen Literaturzeitung 1794 die von G. E. Schulze stammende, 1792 anonym erschienene Schrift: Aenesidemus oder über die Fundamente der von Herrn Prof. Reinhold in Jena gelieferten Elementarphilosophie. Nebst einer Verteidigung des Skeptizismus gegen die Anmaßungen der Vernunftkritik.Google Scholar
  44. 45.
    Die Entstehungsgeschichte der Wissenschaftslehre interessiert hier nicht. Vgl. zu dieser etwa W. Kabitz, Studien zur Entwicklungsgeschichte der Fichteschen Wissenschaftslehre aus der Kantischen Philosophie. Berlin 1902; — Richard Kroner, Von Kant zu Hegel. Tübingen 1961; — Dieter Henrich, „Fichte ursprüngliche Einsicht“, in: Subjektivität und Metaphysik. Festschrift für Wolfgang Cramer, Frankfurt 1966, S. 188-232; — vgl. ferner die Einleitungen der Herausgeber zu den entsprechenden Schriften Fichtes in der Akademieausgabe.Google Scholar
  45. 46.
    Dies notwendig eingeschränkte Interesse bestimmt auch, welche Schriften von Reinhold herangezogen werden müssen. Die entscheidenden Thesen Reinholds sind sämtlich dem 1. Band seiner „Beyträge“ zu entnehmen: Beyträge zur Berichtigung bisheriger Miβverständnisse der Philosophen von Karl Leonhard Reinhold. — Erster Band das Fundament der Elementarphilosophie betreffend. Jena 1790. — Von diesem Band steht fest, daß Fichte ihn vor 1793 studiert hat (vgl. Kabitz, a.a.O., S. 47 f.). — Außerdem bezieht sich Aenesidemus-Schulze auf ihn. Zur Entwicklung der Reinholdschen Philosophie vgl. Alfred Klemmt, Karl Leonhard Reinholds Elementarphilosophie, Hamburg 1958.Google Scholar

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© Martinus Nijhoff, The Hague, Netherlands 1974

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  • Ulrich Claesges

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