Der Lebenslauf A. de Gelders

  • Karl Lilienfeld
Part of the Quellenstudien zur Holländischen Kunstgeschichte book series (QHK, volume 4)

Zusammenfassung

Alles, was wir von den äusseren Lebensumständen A. de Gelders wissen, beruht auf den Mitteilungen Houbrakens 1) und Weyermans 2), ferner auf den archivalischen Funden G. H. Veths 3), A. Bredius’ 4) und des Verfassers 5). Houbrakens Bericht ist umso wertvoller, als er auf sehr genauen Erkundigungen zu fussen scheint. Dies geht daraus hervor, dass Houbraken in dem Jahr, in dem er die Biographie de Gelders schrieb (1715), genaue Details über die augenblickliche Tätigkeit des Künstlers zu geben vermochte. Dazu kommt, dass Houbraken mit unserm Künstler befreundet gewesen ist. Erzählt er doch selbst, wie er eines Tages in Gesellschaft von A. de Gelder und Hendrik Noteman den Maler A. Terwesten zu einem Spaziergange abholen wollte 6). Wenn auch Weyerman die von Houbraken gegebene Biographie z. T. abgeschrieben hat, — er verrät sich besonders durch die Citierung derselben Verse des Dichters Pels und durch den Vergleich des Ateliers des Malers mit dem „ grooten Saal ins Gravenhagen ” so be-berichtet er doch manches Neue über die Person, insbesondere iiber den Tod des Künstlers, den er persönlich kannte 1).

Literatur

  1. 1).
    A. Houbraken. Groote Schouburgh 1721. S. 206 ff.Google Scholar
  2. 2).
    J. C. Weyerman. De Levensbeschrijvingen der Nederlandsche Konst-Schilders. Haag. 1729: III. S. 41 ff.Google Scholar
  3. 3).
    G. H. Veth in Obreens Archief und in Oud Holland VI und VII.Google Scholar
  4. 4).
    Inedita von A. Bredius.Google Scholar
  5. 5).
    Inedita des Verfassers. Die Notiz zu Nr. 1 und am Schluss von Nr. 12 verdankt Verfasser Herrn J. v. d. Elst im Haag, der längere Zeit im Dordrechter Archiv gearbeitet hat.Google Scholar
  6. 6).
    a. a. O. III. S. 269. Hierauf wies H. d. G. schon in, A. Houbraken S. 65.Google Scholar
  7. 1).
    Dies geht daraus hervor, dass Weyerman berichtet, de Gelder habe ihm eine Anecdote von G. Schalken selbst erzählt. Für die Zuverlässigkeit des heute so geschmähten Weyerman spricht auch der Umstand, dass er das Todesjahr A. de Gelders richtig angibt.Google Scholar
  8. 1).
    Dieses Buch wurde mir durch Herrn Dr. Bredius zur Verfügung gestellt.Google Scholar
  9. 1).
    Johan de Gelder kauft ein Haus in der Wijnstraat, genannt das westindische Haus für 3100 Gulden (aus dem Dordrechter Archiv; Datum unbekannt).Google Scholar
  10. 1).
    Dass Arent der ältere Sohn war, geht daraus hervor, dass er in allen notariellen Akten immer vor seinem Bruder Jan genannt wird.Google Scholar
  11. 2).
    Eine auf den Namen Maria de Lotringh lautende Obligation von 3000 Gulden wurde im Jahre 1641 ausgestellt. Sollte dies ihre Mitgift gewesen sein, und ihre Heirat in das Jahr 1641 fallen? Siehe das „Inventar“ (abgedruckt im Anhang).Google Scholar
  12. 3).
    In diesem Jahre machte sie das Testament mit ihrem Mama, Jan de Gelder.Google Scholar
  13. 4).
    Im Inventar von 1727 (siehe Anhang) erwähnt.Google Scholar
  14. 1).
    Da er in dem Testament der Eltern von 1686 als verheiratet erwähnt wird. Da er Advokat war, so wird er natürlich in den Notariatsakten des Dordrechter Archivs häufig erwähnt. — Kurz vor der Drucklegung dieser Arbeit teilte mir Herr J. v. d. Elst, der im Dordrechter Archiv gearbeitet hat, mit, dass die Frau dieses Jan de Gelder, Helena Bouwens hiess und sehr verschwenderisch gewesen zu sein scheint. In einem Testament der Eltern (?) vom 27. Juli 1689 wird diese Helena von jeder Erbschaft ausgeschlossen, weil sie ihren Mann verlassen hat. Beide, Jan de Gelder (der Bruder des Künstlers) und Helena Bouwens hatten einen Sohn, Jan Adriaen de Gelder.Google Scholar
  15. 2).
    Dies glaubte schon Houbraken, der in der Einleitung zur Biographie des Herm. Zachtleven (Groote Schouburgh III. 5.137) sagt: „Mein Meister S. v. Hoogstraaten besass einen grossen Verstand in fast allen Dingen; insbesondere verstand er die Grundregeln der Kunst so vollkommen in allen Teilen, dass meiner Meinung niemand nach ihm dieselben besser verstanden hätte: Aber er war darum noch nicht ein „Hochflieger“ in der Anwendung dieser Regeln.“Google Scholar
  16. 1).
    Leider ist in beiden Ausgaben von Houbrakens „ Groote Schouburgh“ ein Druckfehler stehen geblieben: Der Eintritt A. de Gelders in Rembrandts Atelier ist mit 1645 (dem Geburtsjahre des Künstlers) fälschlich angegeben. Vosmaer („ Rembrandt“ S. 373) schlug ohne weitere Begründung das Jahr 1665 vor. Mit Recht wies H. d. G. („ Arnold Houbraken “ 1893 S. 65) darauf, dass „ dies vermutlich zu spät sei, da die Künstler des 17. Jahrhunderts mit 20 Jahren bereits selbstständig zu sein pflegten.“ H. d. G. schlägt die Zeit um 1660-1662 vor. Michel („Rembrandt” 1893 S. 493) nimmt im Amschluss an G. H. Vetos Ausführungen (in Oud Holland VI. S. 184) an, dass A. de Gelder bis September 1662 bei Hoogstraten blieb, und sich alsdann zu Rembrandt begab.Google Scholar
  17. 1).
    Descamps (La vie des Peintres III.) sagt 1760 von A. de Gelder, dass er sich zu Rembrandt begeben habe, weil er dessen Werke zu sehr hohen Preisen (um 1660!!!) verkaufen sah. Dies beruht natürlich auf freier Erfindung Descamps“. Eher noch könnte man annehmen, dass der Vater des Künstlers, vielleicht auf Anraten Hochstratens seinen Sohn nach Amsterdam zu Rembrandt brachte.Google Scholar
  18. 2).
    Das Wenige, was hierüber Descamps (a. a. O. Bd. III) schreibt, beruht wohl nicht auf einer alten Tradition, sondern scheint das Ergebnis eigener und vielleicht richtiger Erwägungen.Google Scholar
  19. 3).
    Ich erinnere besonders an das Ecce Homo („ Dresden), dessen Zusammenhang mit der Radierung“ Rembrandts besonders zur Zeit seiner Entstehung (1671) jedem sofort auffallen musste.Google Scholar
  20. 4).
    Weyerman. a. a. O. Bd. III.Google Scholar
  21. 1).
    Houbraken (a.a. O.) citiert an dieser Stelle einige Verse des Dichters Pels, in denen von Rembrandt gesagt wird: Door de gansche Stad op bruggen, en op hoeken, Op Nieuwe, en Noordermarkt zeer ijv“rig op ging zoeken Harnassen, Mariljons, Japonsche Ponjerts, Bont, En Rafelkragen, die hij schilderagtig vont. Während wir aber von Rembrandt wissen, dass er sich infolge seines vielseitigen Verständnisses und seiner grossen Kauflust eine wirklich wertvolle Kunstsammlung anlegte, so scheint dies bei A. de Gelder nicht der Fall gewesen zu sein. Ihn bestimmte wohl nur die Freude am „Schilderagtigen“ bei seinen Einkäufen.Google Scholar
  22. 2).
    Natürlich ist dabei zu berücksichtigen, dass unser Künstler besonders in seinen späten Jahren von religiösen Strömungen (die zur Zeit Rembrandts noch nicht bestanden) beeinflusst worden ist. Vergl. hierzu unsere Ausführungen auf S. 27.Google Scholar
  23. 1).
    Das Portrait befindet sich in Dordrecht (Museum).Google Scholar
  24. 2).
    Dies Alles geht hervor aus dem Inventar A. de Gelders. Siehe Anhang.Google Scholar
  25. 3).
    Zu sehr darf das Entgegenkommen dieses Herrn Hartkamp nicht verwundern: Denn durch das in Papieren angelegte Vermögen, das der Künstler ja noch besass, war der Gläubiger ziemlich gesichert.Google Scholar
  26. 1).
    Weyerman a. a. O. Da Houbraken (1715) nichts davon erwähnt, ist anzunehmen, dass sich dies Augenleiden erst in den letzten Jahren de Gelders einstellte.Google Scholar
  27. 2).
    Das Todesdatum des Kiinstlers steht nicht genau fest. Die Erwâgungen Kramms (a.a. O. S. 556) sind durch die Ergebnisse der modernen Forschung überflüssig geworden. Schon G. H. Veth wies (in Obreens Archief VI. S. 3.) darauf hin, dass in dem Buch, in das alle diejenigen, die in der Groote Kerk von Dordrecht begraben sind, eingetragen wurden, gerade um die fragliche Zeit einige Blätter fehlen. Verfasser überzeugte sich persönlich von diesem Zustand des betr. Buches, das aus den Flammen gerettet zu sein scheint. Weiterhin fand G. H. Veth die am 28. August 1727 ausgestellte Quittung für die Begräbniskosten (Obreens Archief VI. S. 3.) und ferner die Eintragung des Begräbnisses des A. de Gelder in das Totenbuch der Weeskamer (Oud Holland VI. S. 184) Diese Eintragung geschah, wie sich Verfasser persönlich überzeugt hat, am 27. August 1727. Nicht ohne Weiteres berechtigt war der Schluss G. H. Veths, dass nun auch der Künstler an diesem Tage begraben ist. Noch weiter zurück wird der Tod des Künstlers verschoben durch die „ Acte vanVersegelingh“(Siehe oben unsere No. 57) welche besagt, dass sich am 25. August der Notar A. Cant auf Antrag der zum Teil in Herzogenbusch, z. T. in Dordrecht lebenden Erben zwecks Versiegelung in das Sterbehaus A. de Gelders begab. Da eine Verständigung zwischen den in Herzogenbusch und in Dordrecht lebenden Erben vorher nötig war, so muss der Tod des Künstlers noch einige Zeit vor der Versiegelung angesetzt werden. Am 24. August war er vielleicht nicht mehr am Leben, denn die an diesem Tage fälligen Zinsen einer Obligation wurden nicht mehr ausgezahlt. (siehe das „Inventar“ im Anh.) Allerdings sind auch die Zinsen einer anderen Obligation die am 27. Juni fällig waren, im Juni des Jahres 1727 nicht mehr ausgezahlt worden. Das letzte Mal wird A. de Gelder am 9. Juni 1727 als lebend erwähnt, wo A. v. Claverden 416 Gulden von ihm borgt (siehe das Inventar.)Google Scholar
  28. 1).
    Wie aus dem im Anhang abgedruckten „ Inventar“ hervorgeht, betrugen die Begräbniskosten über 350 Gulden.Google Scholar
  29. 2).
    Weyerman (a. a. O.) sagt, dass A. de Gelder von ganzem Herzen Maler war und ein echtes Künstlerleben führte.Google Scholar
  30. 1).
    Auch in dem reichen Begräbnis, (siehe das Inventar im Anh.) das man auf Veranlassung der Freunde dem Künstler bereitete, kann man ein Zeichen ihrer wahren Anhänglichkeit sehen. Ausdrücklich heisst es in dem Inventar: durch die Freunde wurden an A. v. Claverden 625 Gulden gegeben zum Bezahlen der Begräbniskosten etc.Google Scholar
  31. 1).
    Ueberhaupt scheint A. de Gelder nicht viel verkauft zu haben. In dem bei seinem Tode aufgenommenen „Inventar“ (Anh.) sind in seinem eigenen Besitze viele Gemälde erwähnt, die mit sehr guten, uns erhaltenen Werken identisch sein werden. Sogar eins seiner Hauptwerke, die berühmte „Passionsserie in 22 Stücken“ hatte er nicht verkauft (nicht verkaufen können?). Es dünkt uns dies gar nicht verwunderlich, wenn wir bedenken, in welchem Gegensatz die Kunst A. de Geldern zu den Richtungen steht, die in jener Zeit (um 1700) den Kunstmarkt beherrschen, und die durch die Namen eines Adrian v. d. Werff, eines Arnold Boonen, einer Rachel Ruysch charakterisiert werden.Google Scholar
  32. 2).
    v. G-ool (De nieuwe Schoubourgh I. 299.) begründet mit diesen Worten die Uebersiedlung A. Boonens von Dordrecht nach Amsterdam.Google Scholar
  33. 1).
    Sie scheinen besonders in England in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts geschätzt worden zu sein.Google Scholar
  34. 2).
    Ich verweise nur auf die Diskusionen, die sich auf den „ Savojardenknaben“ (Petersburg, Prinz Joussoupoff), auf die „Landschaft mit Boas und Ruth“ (Berlin), weiterhin auf das Bild des Prager Rudolfinums („Vertumnus u. Pomona”) beziehen. Am bezeichnendsten ist aber die Geschichte des sogenannten „Rembrandt du Pecqu“ (Abraham bewirtet die Engel,) die zum Tagesereignis von Paris wurde.Google Scholar

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  • Karl Lilienfeld

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