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Logische Grammatik Von Der Begriffsschrift Zum Tractatus

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Zusammenfassung

Auf diese Bemerkung, die Lichtenbergs Beschäftigung mit der Leibnizischen »Characteristica universalis (ed. Raspe 1765)« widerspiegelt, sind wohl Frege, Russell und der frühe Wittgenstein zu vereidigen. Frege tritt mit dem Anspruch auf, nicht nur einen »calculus ratiocinator«, sondern eine »lingua characterica« geschafFen zu haben (BS 98); denn treten mathematische Formeln in Sätzen von Wissenschaften auf, so müssen sie sich mit diesen in einen Gesamtsinn zusammenschliessen lassen. Daher muss die Logik so gebaut sein, dass sie den mathematischen Formeln selbst, den Sätzen, in die diese einzubetten sind, sowie dem Resultat dieser Operation einen Sinn zuweist. Freges These ist nun, dass alle arithmetischen Sätze in wissenschaftlichen Texten Schlussweisen anzeigen, mithin auf Logik allein gründen2. Ausdrücklich bezeichnet Frege seine Begriffsschrift als »eine der arithmetischen nachgebildete Formehprache des reinen Denkens«, und setzt sie gegen die »Sprache des Lebens« (BS XI) ab. Diese eigentümliche Gegenwendung einer Sprache des reinen Denkens gegen die Sprache lässt inTriumpf und Enttäuschung alle Momente und Strategien der Erfahrung Wittgensteins hervorkommen, noch dessen spätes Diktum, dass »Philosophie ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache« (PU 109) sei, (nunmehr einschliesslich der neuen »Sprache des reinen Denkens«) ist Freges Anstoss verpflichtet. Frege ist sich der Dialektik seines Ansatzes sehr wohl bewusst: denn einerseits erscheint wohl seine Formelsprache als ein Ableger der Sprache, andererseits tritt uns diese nur in der Vielzahl der gewordenen Muttersprachen entgegen, deren Differenzen die eine Formelsprache als gleichgültig beiseite lässt. Das Ergreifen dieser Sprachmoglichkeit proponiert die eine Welt gegen alle ihre historischen Perspektivierungen. Dies ist der erste und einzige Schritt über Kant hinaus, welcher uns gelehrt hatte, die Übermacht der empirischen Anschauung (etwa das Auf- und Untergehen der Sonne) durch »reine Anschauung« zu suspendieren. Bildlich gesprochen können wir den Blick aus magischer Verhaftung der Natur lösen, und aufsehen: die Utopie, welche für den Common sense aller Konstruktion in reiner Anschauung anhaftet, entfaltet die Kraft der Aufklärung, die Kant auch Kirche und Majestät vor ihr Tribunal zitieren lässt. Noch aber verläuft der Disput in aristotelischer (oder kaum noch in so etwas wie) Logik, die die Oberfläche eines gewissen Sprachtypus »rhapsodisch« zusammengelesen hat. Noch mehr als der »ahistorische« Kant hat sich Frege die Schelte der Traditionsanbeter zugezogen: denn hier ist einer am Werk, der nachweist, dass sie gar nicht meinen können, was sie so gern meinen wollen. Freges Logik entfaltet sich in drei Ansätzen: als Sprache mit einem Prädikat, als Erkenntnis der Gesetze des Wahrseins, und als »Phänomenologie des Logisch-Einfachen«, ohne dass ich das Schiefe der Einteilung eines so konsequenten Denkers verschweigen möchte; eine andere grobe Einteilung konnte, das Verhältnis von Sinn-Bedeutung vorausgesetzt, folgende sein: Logik gegründet auf Bedeutung, gegründet auf Sinn und Bedeutung, gegründet auf Sinn allein.

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© Martinus Nijhoff, The Hague, Netherlands 1971

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