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Schelers Ansätze zu Einer Phänomenologischen Anthropologie

  • Felix Hammer
Chapter
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Part of the Phaenomenologica book series (PHAE, volume 45)

Zusammenfassung

Es mag bei der Auseinandersetzung mit einem so ausdrücklich phänomenologisch orientierten Denker wie Scheler, dem „Phä-nomenologen der ersten Stunde”,1 auf den ersten Blick befremdlich erscheinen, daß erst jetzt und auch da nur von Ansätzen zu einer phänomenologischen Anthropologie die Rede ist. Alles hängt davon ab, was unter phänomenologischer Anthropologie verstanden wird. Hier soll keine verbindliche Bestimmung des immer noch kontroversen Sinnes von Phänomenologie überhaupt versucht werden. Daß jedoch Phänomenologie nicht unbedingt nur transempirische Wesensschau zu sein braucht, dürfte inzwischen anerkannt sein. In diesem Sinn soll phänomenologische Anthropologie als am konkret-einzelnen Erscheinungsbild des individuell und gemeinschaftlich begegnenden Menschen orientierte Merkmals- und Verhaltensanthropologie aufgefaßt werden.

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Literatur

  1. 1.
    H. Plessner, Die Stufen d. Organischen u. der Mensch IX.Google Scholar
  2. 2.
    Der Formalismus…: GW II, 293.Google Scholar
  3. 3.
    Bezeichnenderweise orientieren sich die Darstellungen der Schelerschen Anthropologie und die von Scheler beeinflußten Anthropologen vielfach überwiegend an den Spätwerken, wenn nicht überhaupt nur an der „Stellung d. Menschen im Kosmos”; vgl. etwa die Reflexionen E. Rothackers (Philosophische Anthropologie; Bonn 1966, 7–26) oder Ch. Grawes (Herders Kulturanthropologie; Bonn 1967, 60–65) über Scheler oder die Übernahme und Weiterbildung Schelerscher Kategorien etwa durch A. Gehlen (Der Mensch 35: Schelers Weltoffenheit des Menschen) oder H. E. Hengstenberg (Philosophische Anthropologie 9–41: Schelers Bestimmung des Geistes als Fähigkeit zur vergegenständlichenden Sachlichkeit; vgl. a.a.O. 23, wo zu Recht festgestellt wird, Scheler selbst habe „keine zusammenhängende Phänomenologie von Sachlichkeit und Unsachlichkeit als Haltungen durchgeführt.”)Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 185–195; „Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 23–32; Die Stellung d. Menschen im Kosmos 10f.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 191.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. „Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 24; Die Stellung d. Menschen im Kosmos 73–81. „Was wir also,physiologisch‘und,psychologisch‘nennen, sind nur zwei Seiten der Betrachtung eines und desselben Lebensvorganges. Es gibt eine,Biologie von innen‘und eine,Biologie von außen‘.” (Die Stellung d. Menschen im Kosmos 74.)Google Scholar
  7. 7.
    Die Stellung d. Menschen im Kosmos 10.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. a.a.O. 78; „Die Formend. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 24.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Die Stellung d. Menschen im Kosmos 78–80; „Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 24f.Google Scholar
  10. 10.
    So, wenn allgemein die Rede ist von „anatomischer Verschiedenheit, die wir, wie alle Strukturbildung der organisch belebten Materie, in letzter Linie funktionell zu verstehen haben, d.h. als je verschiedene relativ stabile Anordnungen chemischphysikalischer Stoffkomplexe und Energiegefälle zu Funktionsfeldern…” („Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 24.)Google Scholar
  11. 11.
    „Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 25.Google Scholar
  12. 12.
    A.a.O. 25f.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 192.Google Scholar
  14. 14.
    M. Landmann, „Der Mensch als Evolutionsglied und Eigentypus”; in: G. Heberer (Hrsgb.), Menschliche Abstammungslehre. Fortschritte d.,Anthropogeniey 1863–1964; Stuttgart 1965, 431.Google Scholar
  15. 16.
    Vgl. „Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 17; „Erkenntnis u. Arbeit”: GW VIII, 242; ebenso: Der Formalismus…: GW II, 296.Google Scholar
  16. 17.
    Vgl. Phil. Weltanschauung 122, Anm. 11. „Würde ein Papagei jene Tendenz [des Gottsuchers] verraten, so würde er uns, verständlicher’ sein als ein irgendwie einmal auffindbares Glied eines primitiven Volkes, dem jenes Transzendieren über den Lebenswert hinaus fehlen würde. Und er verdiente insofern trotz seiner abweichenden Organisation mit mehr Recht ein,Mensch‘zu heißen, als jedes Glied eines Naturvolkes ohne sie…” (Der Formalismus…: GW II, 296.)Google Scholar
  17. „Würde mein Hund auch nur sich hinter einer Wand verstecken und zuweilen hervorgucken, so daß ich sähe, er wolle nicht gesehen sein, und beobachtete er mich beim Frühstück — ich wenigstens würde dann jede Wette eingehen, er sei ein verzauberter Mensch… Eine Hutschachtel, die immer da wäre, wenn ich sie brauche, oder gerade dann immer nicht da — auch sie würde ich geneigt sein, für einen verzauberten Menschen zu halten.” („Zur Idee d. Menschen”: GW III, 176.)Google Scholar
  18. 18.
    „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 194; Phil. Weltanschauung 122f.Google Scholar
  19. 19.
    K. Rahner, „Die Frage nach dem Erscheinungsbild d. Menschen als Quaestio disputata d. Theologie”; in: P. Overhage, Um das Erscheinungsbild der ersten Menschen; Basel-Freiburg-Wien 1959, 23f.Google Scholar
  20. 20.
    „Die Formen d. Wissensu. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 31. Schelers Einsicht von der Einheit des lebendigen Leibes als Ausdrucksfeld des Seelischen (die freilich durch die Unterscheidung von äußerer und innerer Wahrnehmung wieder gelockert wird) müßte auf das Verhältnis von Körper und Geist überhaupt angewendet werden. Auch dafür gilt: „Die Rede, es sei uns,zunächst nur ein Körper gegeben‘, ist völlig irrig. Nur dem Arzt oder dem Naturforscher ist so Etwas gegeben, d.h. dem Menschen, soweit er künstlich von den ganz primär gegebenen Ausdrucksphänomenen abstrahiert.” (Wesen u. Formen d. Sympathie 6.)Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. „Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 24; Wesen u. Formen d. Sympathie 37, 85f., 118 u.a.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. dazu: Der Formalismus…: GW II, 331–345.Google Scholar
  23. 23.
    Der Formalismus…: GW II, 333.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. Der Formalismus…: GW II, 334.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. a.a.O. 341f.Google Scholar
  26. 26.
    W. J. Revers, „Anthropologische Problematik d. Schichttheorien”; in: Schweizerische Zeitschrift f. Psychologie u. ihre Anwendungen (Revue Suisse de Psychologie pure et appliquée) 18 (1959), 36.Google Scholar
  27. 27.
    Wesen u. Formen d. Sympathie 246f.Google Scholar
  28. 28.
    Wesen u. Formen d. Sympathie 247.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. a.a.O. 16–40.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. a.a.O. 33–35; 102–110.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. a.a.O. 37, 38.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. a.a.O. 35.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. Wesen u. Formen d. Sympathie 66–70.Google Scholar
  34. 34.
    A.a. O. 43.Google Scholar
  35. 35.
    A.a. O. 44.Google Scholar
  36. 36.
    Vgl. a.a. O. 49, 75.Google Scholar
  37. 37.
    A.a. O. 76.Google Scholar
  38. 38.
    In diesem Sinn schreibt Scheler, daß „Nachfühlen und Mitgefühl Urphäno-mena sind, die nur in ihrem Wesen aufgewiesen werden können, nicht aber psycho-genetisch aus einfacheren Tatsachen ableitbare Erscheinungen. Unableitbare Ur-phänomene aber sind — soweit ihr Dasein noch erklärbar ist — eben auch nur metaphysisch erklärbar, d.h. mit Heranziehung desjenigen real Seienden und seiner Ordnung, das… in keiner direkten oder indirekten kausalen Verknüpfung mehr mit unserer realen psychophysischen Organisation steht. Das Mitgefühl ist ein Phänomen metaphysischer Ordnung.” (Wesen u. Formen d. Sympathie 64.)Google Scholar
  39. 39.
    „Und nun folgt allerdings: da eine wesensteleologische Beziehung gegenseitigen Füreinanderbestimmtseins… eine über alle endliche Personen erhabene, Zweck und Bestimmung setzende Vernunft notwendig fordert,… wird das reine Mitgefühl, eben da es nicht assoziativ genetisch erklärbar ist, zum Mitfundament eines Schlusses auf einen und denselben Schöpfer aller dieses Gefühls ursprünglich teilhaftigen Personen. Wenn also das Mitgefühl metaphysisch verstanden werden soll, so ist es… Hinweis… auf eine theistische (eventuell panentheistische) Metaphysik des Weltgrundes.” (Wesen u. Formen d. Sympathie 77.)Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. Wesen u. Formen d. Sympathie 194.Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. a.a.O. 82.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. a.a.O. 163, 169; 221; 166, 72.Google Scholar
  43. 43.
    Vgl. a.a.O. 3, 78, 165, 166.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. a.a.O. 2, 65, 78f.Google Scholar
  45. 45.
    Vgl. a.a.O. 165.Google Scholar
  46. 46.
    „Alle Funktionen sind erstens Ichfunktionen, niemals etwas zur Personsphäre Gehöriges. Funktionen sind psychisch, Akte sind unpsychisch. Akte werden vollzogen, Funktionen vollziehen sich. Mit Funktionen ist notwendig ein Leib gesetzt und eine Umwelt, der ihre,Erscheinungen‘angehören; mit Person und Akt ist noch kein Leib gesetzt, und der Person entspricht eine Welt und keine Umwelt. Akte entspringen aus der Person in die Zeit hinein; Funktionen sind Tatsachen in der phänomenalen Zeitsphäre und indirekt durch Zuordnung ihrer phänomenalen Zeitverhältnisse auf die meßbaren Zeitdauern der in ihnen gegebenen Erscheinungen selbst meßbar.” (Der Formalismus…: GW II, 387.)Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. Wesen u. Formen d. Sympathie 118.Google Scholar
  48. 48.
    Vgl. zu diesen Bestimmungen von innerer und äußerer Wahrnehmung den Aufsatz „Die Idole d. Selbsterkenntnis”: GW III, 226–245.Google Scholar
  49. 49.
    Wesen u. Formen d. Sympathie 288.Google Scholar
  50. 50.
    Richtig bemerkt dazu H. Plessner: „Da das Problem eigentlich darin besteht, wie der Andere ist, von dem wir,nur‘in physischen Daten äußerer Wahrnehmung Kenntnis erhalten,… muß der Lösungsversuch diese Spielregel einzuhalten trachten. Wenn auch der dogmatische Sensualismus dieses Problem erst geschaffen hat, so darf doch die Lösung nicht einfach durch Einführung von Anschauungsweisen und Begriffen geschehen, deren Gültigkeit die Fragesteller leugnen und deren Leugnung sie gerade durch die Art der Fragestellung bekräftigen. Diesen methodologischen Fehler begeht die Schelersche Theorie aber gewiß. Nimmt man einmal eine innere Wahrnehmung an, so gibt es gar nicht mehr das Problem, zu dessen Lösung der Analogieschluß, die Einfühlung, Miterregung, Nachahmung und Mitvollzug eingeführt worden sind.” (,,Die Deutung d. mimischen Ausdrucks”; in: Zwischen Philosophie u. Gesellschaft 171.)Google Scholar
  51. 51.
    Dabei ist die reale Einheit des lebendigen, leibseelischen Individuums unbedingt über die Aspektdivergenz von,,außen” — „innen” bzw. „physisch” — „psychisch” zu stellen. Th. Litt geht den richtigen Weg, wenn er schreibt: Im Erlebnis der Wahrnehmung des Anderen „ist mir in den sichtbaren Betätigungen des fremden Ich nie ein an und für sich äußerliches, bedeutungsleeres Vorkommnis gegeben, dem ich dann… bestimmte Innengeschehnisse als Ursache unterlegte, sondern in dem Innewerden des,äußeren‘Vorgangs ist jenes angeblich davon sich unterscheidende,Innere‘, sofern man darunter den im Geschehen sich ausdrückenden Erlebnisgehalt versteht, unablösbar eingeschlossen.” (Individuum u. Gemeinschaft. Grundlegung d. Kulturphilosophie; Leipzig-Berlin 21924, 32.) Im selben Sinn vgl. auch H. Plessner, „Die Deutung d. mimischen Ausdrucks”; in: Zwischen Philosophie und Gesellschaft 132–179, bes. 162–179; dazu F. Hammer, Die exzentrische Position d. Menschen 89–92.Google Scholar
  52. 52.
    Wesen u. Formen d. Sympathie 284.Google Scholar
  53. 53.
    Schelers Ausführungen sind hier verworren, wenn nicht widersprüchlich: „Im Sinne unserer Deutung müßten wir sagen: der Akt innerer Anschauung von A umspannt nicht nur dessen eigene Seelenvorgänge, sondern dem Rechte und der Möglichkeit nach das gesamte existierende Reich der Seelen — zunächst als einen noch ungegliederten Strom von Erlebnissen. Und wie wir unser Gegenwartsich von vornherein auf dem Hintergrund des Ganzen unseres zeitlichen Erlebens erfassen —… ebenso erfassen wir auch unser eigenes Ich immer auf dem Hintergrund eines immer undeutlicher werdenden allumfassenden Bewußtseins, in dem auch das Ichsein und Erleben Aller Anderen als prinzipiell,mitenthalten‘gegeben ist. Nicht also das Wahrnehmen der fremden Iche und ihrer Erlebnisse, sondern nur der jeweilige besondere Gehalt, der uns aus diesem großen Ganzheitsgehalt gerade habhaft wird, das Hervortauchen eines Ich und seines Erlebens aus dem großen Gesamtstrom des universellen Seelenlebens wäre es, das dann »bedingt’ wäre durch die Prozesse, die zwischen unseren Leibkörpern stattfinden.” (Wesen u. Formen d. Sympathie 289; die konjunktivisch-hypothetische Satzkonstruktion dieser „Theorie” sollte nicht übersehen werden.)Google Scholar
  54. Zur ganzen Fremd Wahrnehmungstheorie Schelers schreibt H. Spiegelberg: „I submit that much of this theory goes considerably beyond the scope of direct phenomenological verification.” (The Phenomenological Movement, vol. I, 262.) Vgl. zum Ganzen auch den kritischen Beitrag von A. Schuetz, „Scheler’s Theory of Inter-subjectivity and the General Thesis of the Alter Ego”; in: Philosophy and Phenomenological Research 2 (1941/42), 323–347.Google Scholar
  55. 54.
    Wesen u. Formen d. Sympathie 258.Google Scholar
  56. 55.
    A.a.O. 265.Google Scholar
  57. 56.
    A.a.O. 267.Google Scholar
  58. 57.
    G. Heberer, „Über den systematischen Ort und den physisch-psychischen Status der Australopithecinen”; in: ders. (Hrsgb.), Menschliche Abstammungslehre 352.Google Scholar
  59. 58.
    Vgl. H. Plessner, Die Stufen d. Organischen u. der Mensch 309–321.Google Scholar
  60. 59.
    Vgl. zu den letzten Bestimmungen: „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 183.Google Scholar
  61. 60.
    „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 183f.Google Scholar
  62. 61.
    Vgl. „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 185, 184 u. Der Formalismus…: GW II, 291f.Google Scholar
  63. 62.
    „Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 26; vgl. Die Stellung d. Menschen im Kosmos 32.Google Scholar
  64. 63.
    Vgl. Die Stellung d. Menschen im Kosmos 341.Google Scholar
  65. 64.
    Vgl. „Der Mensch im Weltalter d. Ausgleichs”: Phil. Weltanschauung 93.Google Scholar
  66. 65.
    „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 183.Google Scholar
  67. 66.
    Der Verstand ist nach Scheler „das eigentlich zivilisatorische Organ zur Ordnung und Beherrschung der mechanisch lenkbaren Seite des äußeren und inneren Universums” („Probleme d. Religion”: GW V, 347); die Verstandesformen sind jene „Denkeinrichtungen, die zu einem mechanischen Bilde des Universums führen.” (Der Formalismus…: GW II, 295, Anm. 1.) Exponent der Verstandestätigkeit ist „der,führende Geist‘der Zivilisation”: „Er ist nicht als Person an erster Stelle wertvoll…, er ist es durch seine Handlungen und seine Leistungen. Er hat immer nur einen Prozeß weitergeführt oder seine Richtung umgebogen, der schon in bestimmten Richtungen da war; er dient vor allem dem, was wir den,Fortschritt‘der Werte nennen, die nicht,ewig‘sind, nicht wachsen können wie die hohen geistigen, sondern von denen der folgende Wert den früheren entwertet… “(„Vorbilder u. Führer”: GW X, 315.)Google Scholar
  68. Dagegen ist die Vernunft,,das der menschlichen Natur Wesentliche (im Unterschied vom Tier)” (Wesen u. Formen der Sympathie 256), ja das „,lumen natural‘, das natürliche, in jede Seele einstrahlende Gotteslicht” („Probleme d. Religion”: GW V, 343). Ihre Verkörperung, der kulturschaff ende Genius, ist jener „Mensch, der ohne bewußte Regel und Methode Vorbildhaftes in der Realisierung rein geistiger Güter der Kultur auf unersetzliche Art hervorbringt; der zugleich ausschließlich zweck- und bedürfnisfrei aus innerer wahlloser Notwendigkeit seines Geistes schafft — durch eine leidenschaftliche Liebe zum Wesenhaften und Ideenhaften in und an der Welt dazu positiv bestimmt… Und wir können hinzufügen: Der Mensch, der auf die Gedanken Gottes liebend eingestellt ist, die in der Welt realisiert sind.” („Vorbilder u. Führer”: GW X, 326.)Google Scholar
  69. 67.
    „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 186.Google Scholar
  70. 68.
    „So ist der,Verstand‘, der… die Erscheinungen der inneren und äußeren Welt zu abhängigen Funktionen eines Bewegungsmechanismus umdenkt…, durchaus noch von dem Grundwert eines Lebewesens überhaupt, möglichst große Beherrsch-barkeit und Lenkbarkeit der Dinge durch das Wollen und Handeln dieses Lebewesens zu erzielen, bestimmt… Schon die Vernunft,… die nicht mehr ein Weltbild zur Beherrschung der Dinge, sondern zu ihrer adäquaten Erkenntnis geben möchte, die nicht mehr die Welt von unten her, sondern auch von oben her anblickt, vermag uns zu zeigen, daß alle möglichen Mechanismen… im Dienste stehen von form-, ziel-, wertrealisierenden Tätigkeiten, durch die sich ein Ideenzusammenhang auswirkt. Noch höhere Kräfte als Vernunft aber — Offenbarung und Gnade — erst bringen uns Licht über das innere Wesen Gottes und Kraft aus ihm: ein Licht und eine Kraft, die keine Vernunft erspäht und die wir nicht verdienen… So löst die große Lebensnot die Verstandestätigkeit aus und gibt ihr Ziel und Richtung ihrer Fragen. So löst das Werk des Verstandes die Tätigkeit der Vernunft aus und legt ihr zugleich die Frage vor, zu welchen Zielen dieser Mechanismus da ist… Und so löst die Vernunft selbst, an ihrer Wesensgrenze… angelangt, den Blick aus auf mögliche Offenbarung… Überall hat sich in diesem Stufenreiche, das dem Wesen des Menschen selbst entspricht, das Niedrigere dem Höheren frei… unterzuordnen, und nur indem es dem je Höheren also frei dient, vermag es selbst seine volle und ganze Freiheit innerhalb seiner Sphäre zu bewahren.” („Probleme d. Religion”: GW V, 115f.)Google Scholar
  71. Nach der liberalisierten Sprache der Spätphase besteht die gleiche „objektive Rangordnung” zwischen den drei Wissensarten: „Vom Beherrschungswissen, das der praktischen Veränderung der Welt… dient,… geht die Wegrichtung des Zieles zum,Bildungswissen‘, durch das wir das Sein und Sosein der geistigen Person in uns zu einem Mikrokosmos erweitern und entfalten… Und vom,Bildungswissen‘geht die weitere Wegrichtung zum,Erlösungswissen‘. D.h. zu dem Wissen, in dem unser Personkern an dem obersten Sein und Grund der Dinge selbst Teilhabe zu gewinnen sucht, respektive ihm solche Teil-habe durch den obersten Grund selbst zuteil wird…” („Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 42.)Google Scholar
  72. 89.
    „Zur Idee d. Menschen”: GW III, 190f. 70 A.a.O. 191.Google Scholar
  73. 71.
    A.a.O. 191f.Google Scholar
  74. 72.
    A.a.O. 194.Google Scholar
  75. 73.
    Scheler ist hier nicht eindeutig: Einerseits behauptet er, nur die Einsfühlungen, nicht aber Liebe und Mitgefühl verwiesen auf ein Alleben (vgl. Wesen u. Formen d. Sympathie 84–87), anderseits versichert er, es sei überhaupt „dem menschlichen Gemüte, der Sympathie, und im höchsten Falle der Einsfühlung… dieser ewig zeugende dynamische Urgrund der Natur… aufgeschlossen.” („Erkenntnis u. Arbeit”: GW VIII, 274.)Google Scholar
  76. 74.
    Wesen u. Formen d. Sympathie 89f.Google Scholar
  77. 75.
    „Erkenntnis u. Arbeit”: GW VIII, 361.Google Scholar
  78. 76.
    Vgl. Wesen u. Formen d. Sympathie 36f., 131f.; 153.Google Scholar
  79. 77.
    „Die Formen d. Wissens u. die Bildung”: Phil. Weltanschauung 31.Google Scholar
  80. 78.
    „Mensch u. Geschichte”: Phil. Weltanschauung 30.Google Scholar
  81. 79.
    Vgl. GW II, 392–395.Google Scholar
  82. 80.
    H. E. Hengstenberg hat deutlicher als Scheler darauf hingewiesen, daß der Mensch nie in einer bloßen Umwelt steckt, die er erst auf Welt hin überschreiten müßte: „Der Mensch ist dagegen das Wesen, das immer schon über Umwelt hinaus ist. Man kann nicht einmal sagen, daß er sie erst überschreitet, er ist von Anfang an nicht drin. Zwar ist der Mensch auch des utilitären Verhaltens fähig und bedürftig; aber… wo sich der Mensch utilitär verhält, da geschieht es um eines Realisationszieles willen…, das nicht wieder utilitär erklärt werden kann. Damit aber entfällt von vornherein der Sachverhalt,Umwelt’ für den Menschen. Die Rede von der,Um-weltüberschreitung’ seitens des Menschen beruht auf ungenauer Phänomenanalyse.” (Philosophische Anthropologie; Stuttgart 1957, 10.)Google Scholar
  83. 81.
    Die Stellung d. Menschen im Kosmos 38f. — Die Betonung der offenen Welt-verwiesenheit des Menschen verbindet Heidegger mit einer Kritik an der ungenauen Redeweise vom Haben der Umwelt:,,Die heute vielgebrauchte Rede,der Mensch hat seine Umwelt‘besagt ontologisch solange nichts, als dieses,Haben’ unbestimmt bleibt. Das,Haben‘ist seiner Möglichkeit nach fundiert in der existentialen Verfassung des In-Seins. Als in dieser Welt wesenhaft Seiendes kann das Dasein das umweltlich begegnende Seiende ausdrücklich entdecken, darum wissen, darüber verfügen, die,Welt‘haben.” (Sein u. Zeit; Tübingen 61949, 57f.) Der Ausdruck „Umwelt” ist hier nicht streng abgesetzt von „Welt”; der anthropologische Gewinn liegt in der Betonung der spezifisch menschlichen Existenzweise des In-der-Welt-seins.Google Scholar
  84. 82.
    Vgl. Die Stufen d. Organischen u. der Mensch 293.Google Scholar
  85. 83.
    Der Mensch 35.Google Scholar
  86. 84.
    So bei H. E. Hengstenberg, Philosophische Anthropologie 9–41.Google Scholar
  87. 85.
    Vgl. Die Stellung d. Menschen im Kosmos 41–42.Google Scholar
  88. 86.
    „Sammlung, Selbstbewußtsein und Gegenstandsfähigkeit des ursprünglichen Triebwiderstandes bilden eine einzige unzerreißbare Struktur, die als solche erst dem Menschen eigen ist.” (Die Stellung d. Menschen im Kosmos 41.)Google Scholar
  89. 87.
    Die Stellung d. Menschen im Kosmos 41.Google Scholar
  90. 88.
    „Denn das ist das Große der menschlichen Wissenschaft, daß der Mensch in ihr mit seiner Zufallsstellung im Universum, mit sich selbst und seinem ganzen physischen und psychischen Apparat gleichwie mit einem fremden Dinge, das in strengen Kausalverknüpfungen zu anderen Dingen steht, immer umfassender zu rechnen lernt und damit langsam ein Bild der Welt selbst zu gewinnen weiß, das und dessen Gegenstände und deren Gesetze von seiner psychophysischen Organisation, seinen menschlichen Sinnen und deren Schwellen, seinen Bedürfnissen und deren Interessen an den Dingen ganz und gar unabhängig sind…” (Die Stellung d. Menschen im Kosmos 47.)Google Scholar
  91. 89.
    ,,Der Mensch allein — sofern er Person ist — vermag sich über sich — als Lebewesen — emporzuschwingen und von seinem Zentrum gleichsam jenseits der raumzeitlichen Welt aus alles, darunter auch sich selbst, zum Gegenstande seiner Erkenntnis zu machen. So ist der Mensch als Geistwesen das sich selber als Lebewesen und der Welt überlegene Wesen.” (Die Stellung d. Menschen im Kosmos 47.)Google Scholar
  92. 90.
    Die Stellung d. Menschen im Kosmos 47. Auf die postulatorische Formulierung dieser wichtigen Stelle wurde schon oben (137, Anm. 15) hingewiesen.Google Scholar
  93. 91.
    Vgl. Die Stellung d. Menschen im Kosmos 38, 39, 40, 48.Google Scholar
  94. 92.
    A.a.O. 38.Google Scholar
  95. 93.
    A.a.O. 49–56.Google Scholar
  96. 94.
    A.a.O. 52.Google Scholar
  97. 95.
    Scheler versucht diese für ihn aus theologischen Quellen längst klare Bewegungsrichtung nunmehr auch als immanentes und notwendiges Sinnziel des geistigen Verhaltens des Menschen aufzuweisen. Die Stelle zeigt den wahren Sinn der sachlichen Weltoffenheit und sei wegen ihrer zusammenfassenden Intensität zur Gänze angeführt: „Im selben Augenblicke, da jenes,Nein, Nein‘zur konkreten Wirklichkeit der Umwelt eintrat, in welchem sich das geistige aktuale Sein und seine ideellen Gegenstände konstituierten; genau in dem selben Augenblicke, da das weltoffene Verhalten und die nie ruhende Sehnsucht entstand, grenzenlos in die entdeckte Weltsphäre vorzudringen und sich bei keiner Gegebenheit zu beruhigen; genau im selben Augenblicke, da der werdende Mensch die Methoden alles ihm vorhergehenden tierischen Lebens, der Umwelt angepaßt zu werden oder ihr sich anzupassen, zerbrach und die umgekehrte Richtung einschlug: die Anpassung der entdeckten Welt an sich und sein organisch stabil gewordenes Leben; in genau dem selben Augenblicke, da sich der,Mensch‘aus der,Natur‘herausstellte und sie zum Gegenstand seiner Herrschaft und des neuen Kunst- und Zeichenprinzips machte, — in ebendemselben Augenblicke mußte der Mensch auch sein Zentrum irgendwie außerhalb und jenseits der Welt verankern. Konnte er sich doch nicht mehr als einfacher,Teil‘oder einfaches,Glied‘der Welt erfassen, über die er sich so kühn gestellt hatte!” (Die Stellung d. Menschen im Kosmos 89.)Google Scholar
  98. 96.
    K. Rahner, „Die Hominisation als theologische Frage”; in: P. Overhage — K. Rahner, Das Problem der Hominisation; Freiburg i.B. 1961, 47.Google Scholar
  99. Was diese „gemeinsame Physis”, von der Gott und Mensch „getragen und eingehüllt sind”, für den Zugang des Menschen zur Wirklichkeit Gottes bedeutet, hat H. U. v. Balthasar in der ihm eigenen Eindringlichkeit aufgezeigt: „Der tragende Unterbau des Geistes ist… bei all seiner Untergeistigkeit derart geistdurchwirkt, daß der Mensch,… sich dieser scheinbaren Naturübermacht nicht dämonisch ausgeliefert zu fühlen braucht… somit steht hinter dem scheinbar Fremden der Natur, auf dem er aufruht und das ihn bis in seine höchsten Fähigkeiten durchwaltet, zuletzt ein seinem Geist verwandter ewiger Geist,… von dem ihn der Vorgang und die Vermittlung der Weltnatur nicht ernstlich entfernt.” Es liegt „in der Tatsache, daß untergeistige Natur nur im absoluten Geist (und damit in der Liebe) begründet sein kann, eine der Natur selbst eingeschriebene Verheißung, daß diese freie Erfüllung aller Welt-und Existenzsuche… einmal Ereignis werden wird.” („Der Zugang zur Wirklichkeit Gottes”; in: Mysterium Salutis, Bd. II, 19, 20.)Google Scholar
  100. 97.
    Schelers Wandlung in der Beurteilung der Forma-corporis-Lehre mag durch die Gegenüberstellung zweier rund fünfundzwanzig Jahre auseinanderliegender Texte deutlich werden: „Und auch die christliche Philosophie hielt sich dem,Dualismus‘von Seele und Leib im Kerne fern. So bildet für Thomas Aquinas die,Seele‘als belebendes Prinzip des Körpers und als geistige Kraft eine untrennbare Einheit. Erst in der modernen Philosophie (Descartes usw.) erscheint… jene neue Haltung, in der das,denkende Ich’… auf den,Leib‘herabblickt.” („Das Ressentiment im Aufbau d. Moralen”: GW III, 114.)Google Scholar
  101. 97a.
    Schelers Wandlung in der Beurteilung der Forma-corporis-Lehre mag durch die Gegenüberstellung zweier rund fünfundzwanzig Jahre auseinanderliegender Texte deutlich werden: „Wertvoll an der Lehre Descartes ist nur eines: die neue Autonomie und Souveränität des Geistes…, die Erkenntnis der Überlegenheit des Geistes über alles Organische und Nur-Lebendige, die er bei der mittelalterlichen Identifizierung der forma corporeitatis mit der Geistseele nicht besaß.” Jetzt gehört „die scholastische Lehre von der Seele als,forma corporeitatis‘“„zum alten Eisen.” (Die Stellung d. Menschen im Kosmos 72; 75.)Google Scholar
  102. 98.
    K. Rahner, „Die Hominisation als theologische Frage”; in: Das Problem d. Hominisation 53.Google Scholar
  103. 99.
    Vgl. „Probleme d. Religion”: GW V, 241f.; 269; 275.Google Scholar
  104. 100.
    Vgl. a.a.O. 240–264.Google Scholar
  105. 101.
    A.a.O. 244f.Google Scholar
  106. 102.
    Dies mag eine Gegenüberstellung von Texten veranschaulichen, die rund zwanzig Jahre auseinanderliegen: In „Probleme d. Religion” schreibt Scheler: „Das erste, was jedem religiösen Akt eigentümlich ist, ist, daß in ihm… alle Dinge… in ein Ganzes zusammengefaßt werden mit Einschluß der eigenen Person und zur Idee der,Welt‘vereinigt werden… Das zweite, was zum religiösen Akt selbst gehört, ist, daß in seiner Intention diese,Welt‘übergriffen oder transzendiert wird… Transzendenz im allgemeinen ist eine Eigentümlichkeit, die jeder Bewußtseinsintention zukommt… Aber erst wo das also Transzendierte die Welt als Ganzes ist (mit Einschluß der eigenen Person), haben wir das Recht, von einem religiösen Akt zu reden.” (GW V, 245.)Google Scholar
  107. 102a.
    Dies mag eine Gegenüberstellung von Texten veranschaulichen, die rund zwanzig Jahre auseinanderliegen: In der Sprache der Spätphase lautet derselbe Befund: „Es ist eine der schönsten Früchte…, daß man zeigen kann, mit welch innerer Notwendigkeit der Mensch in demselben Augenblicke, in dem er durch Welt- und Selbstbewußtsein und durch Vergegenständlichung auch seiner eigenen psychophysischen Natur — den spezifischen Grundmerkmalen des Geistes —,Mensch‘geworden ist, auch die formalste Idee eines überweltlichen unendlichen und absoluten Seins erfassen muß.” „Auf alle Fälle ist der Mensch… der ewige,Faust‘,… immer begierig, die Schranken seines Jetzt-Hier-So-seins zu durchbrechen, immer strebend, die Wirklichkeit, die ihn umgibt, zu transzendieren — darunter auch seine eigene jeweilige Selbst Wirklichkeit.” (Die Stellung d. Menschen im Kosmos 87f.; 56.)Google Scholar
  108. 103.
    „Probleme d. Religion”: GW V, 247tGoogle Scholar
  109. 104.
    Die Stellung d. Menschen im Kosmos 88.Google Scholar
  110. 105.
    E. Blessing, Das Ewige im Menschen. Die Grundkonzeption d. Religionsphilosophie Max Schelers; Stuttgart 1954, 53; vgl. unsere Ausführungen oben 28f.Google Scholar
  111. 106.
    Vgl. Die Stellung d. Menschen im Kosmos 90, 92f.Google Scholar
  112. 107.
    Vgl. a.a.O. 93.Google Scholar

Copyright information

© Martinus Nijhoff, The Hague, Netherlands 1972

Authors and Affiliations

  • Felix Hammer
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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