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Telos und Methode bei Husserl und Cohn

Das Unendlichkeitsproblem bei der letztendlichen Bestimmung des Ziels von Phänomenologie und Dialektik
  • Reinald Klockenbusch
Chapter
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Part of the Phaenomenologica book series (PHAE, volume 117)

Zusammenfassung

Wenn wir im folgenden der Frage nachgehen, wie sich bestimmte Grundlagenprobleme der Mathematik, wie sie von den Mathematikern zu Anfang des 20. Jahrhunderts diskutiert wurden, aus der Sicht Husserls und Cohns darstellten, so beschränken wir uns auf solche Aspekte, die für die Frage nach der Beschaffenheit des Telos beider Philosophien relevant sind. Es geht nicht darum, nachzuweisen, daß Cohn oder Husserl etwa einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der mathematischen Probleme ihrer Zeit geleistet hätten. Auch geht es uns nicht darum, die Mathematikauffassungen Husserls und Cohns vollständig darzustellen. Es geht nur um die Frage: Inwieweit ist Husserls und Cohns methodologisches Umgehen mit Fragen der Unendlichkeit, wie sie in der Mathematik auftauchen, ein Hinweis darauf, was methodologisch als “unendliche Aufgabe” ein Problem in der Philosophie darstellt — sei es nun in der dialektischen Erkenntnistheorie oder der transzendentalen Phänomenologie.

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Literatur

  1. 1).
    Für diejenigen, die sich als Nichtmathematiker für die angerissenen Fragen interessieren, sei als Einstiegsliteratur MESCHKOWSKI 1956 und EBBINGHAUS 1983 empfohlen.Google Scholar
  2. 2).
    Über den Gegensatz Konstruktivismus — Piatonismus bei dem Problem der Grundlegung der Mathematik am Anfang des 20. Jahrhunderts siehe SCHMIT, 1981.Google Scholar
  3. 3).
    Vgl. unseren entscheidungstheoretischen Ansatz zur Lösung des Problems des transzendentalen Psychologismus bei Husserl in Kapitel 6.Google Scholar
  4. 4).
    Vgl. EBBINGHAUS 1983, passim, insbesondere zur unvermeidlichen “Unvollstän-digkeit” mengentheoretischer Axiomensysteme dort S. 275f.Google Scholar
  5. 5).
    Dieses Zitat, nach SCHMIT 1981, 115, entstammt einem unveröffentlichten Manuskript Husserls aus dem Jahre 1912.Google Scholar
  6. 7).
    SCHMIT 1981 a.a.O., in Anlehnung an Gödel.Google Scholar
  7. 8).
    Dieses Zitat entstammt einem Manuskript Husserls aus dem Jahre 1920, zitiert nach SCHMIT 1981, 116. — Zur originären Evidenz vgl. oben, Kapitel 6.Google Scholar
  8. 9).
    A.a.O., nach SCHMIT 1981, 117.Google Scholar
  9. 11).
    Vgl. FUNKE 1962 und BEILS 1985, 126ff. zu diesem Problem der “Grenze” und der hier unvermeidbar scheinenden Dialektik.Google Scholar
  10. 12).
    In dem “platonistischen” Argumentationsstrang wird nicht nur naiv der Sinn der Begriffe “Absolutes”— “Relatives” als unproblematisch (sozusagen existent) angenommen, sondern auch mit scheinbarer Anschaulichkeit verquickt, wenn z.B. die “Teil”/ “Ganzes”-Relation herangezogen wird.Google Scholar
  11. 14).
    Wir drehen die Reihenfolge der Unterableitungen um, was am’Ergebnis’ offenbar nichts ändert.Google Scholar
  12. 15).
    Vgl. TD, 346. — Cohns Begriff des Absoluten deckt sich offenbar nicht mit dem des “Ganzen”, vgl. auch TD, 343.Google Scholar
  13. 16).
    Wir werden bei Husserl zeigen, daß in der Phänomenologie dieselbe Offenheit gegeben ist dort, wo bei Urteilen eine “Horizontstruktur der Wahrheit” vorliegt (vgl. unten, 7.3. c).Google Scholar
  14. 17).
    Zum Thema “Endlichkeit und Unendlichkeit in Husserls Phänomenologie der Wahrnehmung” vgl. BERNET 1987.Google Scholar
  15. 18).
    EU, 437. — Man könnte auch formulieren: Zur Erfassung des Eidos “Ding” geht Husserl von einem wahrgenommenen “Ding” aus. Dadurch ist der Verdacht, daß es sich bei der “Gewinnung” der Gattung um eine creatio ex nihilo handele, von vornherein beiseite geräumt.Google Scholar
  16. 19).
    Anders als nach dem typischen Wie der Gegebenheit läßt sich das Wie der Gegebenheit gar nicht befragen; immer wird etwas Eidetisches implizit vorausgesetzt, was allerdings erst zu explizieren ist. Vgl. das folgende.Google Scholar
  17. 20).
    EU, 437: “Aber ins Unendliche und nach allem, was dieses Ding in Wahrheit ist (wenn es ist), können wir nicht aktuelle Erfahrung frei ins Spiel setzen, prinzipiell ist, was wir in der Einheit einer aktuellen Erfahrung gewinnen, ein’einseitig’ und unvollkommen Selbstgegebenes; was da als Ding zur Selbsthabe kommt, ist umgeben von einem präsumptiven Horizont, einem Innen- und Außenhorizont.”Google Scholar
  18. 21).
    EU, 437f. — Hier knüpft Husserl an den 1. Absclinitt von EU an. Wir werden ausführlicher dem Disjunktiven dieser Vorstellbarkeiten naclizugehen haben; vorerst kommt es jedoch darauf an, methodisch Klarheit über das eidetische Verfahren zu gewinnen.Google Scholar
  19. 22).
    Nochmals sei auf folgenden Sachverhalt hingewiesen: “Nur in eidetischer Intuition kann das Wesen der eidetischen Intuition gklärt werden” (FTL, 256).Google Scholar
  20. 23).
    Vgl. Husserls Hinweis auf die Konstitution des Dinges als zeitliches, EU, 72.Google Scholar
  21. 24).
    Wir übernehmen mit Wiegerling diesen Terminus von G. Brandt, vgl. WIEGERLING 1984, 80, Anm. 81.Google Scholar
  22. 25).
    Die Zweiseitigkeit des Eidetischen als “ontisches” und “konstitutives Apriori” hebt Husserl FTL, 255 hervor. Auf die ausgezeichnete Stellung des Ontischen in Ansehung des Erkenntnisinteresses ist hingewiesen worden.Google Scholar
  23. 26).
    Vgl. das oben, 7.1 b zitierte Husserlzitat, nach SCHMIT 1981.Google Scholar
  24. 27).
    Über das vielfältig vernetzte System möglicher Auffassungsweisen und deren “Konstruktionsgesetze” geben vor allem die “Analysen zur passiven Synthesis” Auskunft (HUA XI).Google Scholar
  25. 28).
    Vgl. unten, 7.3. c.Google Scholar
  26. 29).
    Mohanty scliließt sich bezüglich des Lebensweltbegriffs der Dogmatismuskritik Funkes (FUNKE 1966) in bestimmter Hinsicht an: “[…] Funke is right inasmuch as any specific, historically constituted life-world cannot as such be accepted as the final resting place for philosophical reflection which has to go beyond it to the constituting subjectivity” (MOHANTY 1985, 150 f.).Google Scholar
  27. 30).
    Gerhard Funke spricht von der “Historizität” des reflektiv/iterativ aufklärenden Bewußtseins. Vgl. seine Ausführungen zum “topischen Bewußtsein” und dem “utopischen”, d.h. mit Husserls Metiioden nicht durchflihrbaren Rückgang auf sogenannte’Letzterfahrungen’ (FUNKE 1979, 136–165).Google Scholar
  28. 31).
    Ludwig Landgrebe weist darauf hin, daß “Vernunft” bei Husserl nicht ist “eine in sich geschlossene Vernunft, die aus ihrem eigenen Vermögen a priori die Welt zu entwerfen imstande wäre, sondern sie ist offene Vernunft […]”. Was bei Husserl zur Aufdeckung gelangt, ist nicht etwa “das Offenbarwerden eines immer schon gewesenen (des Wesens als des τό τζ ᾖν εἶναι)” der Antike (LANDGREBE 1973, 323f.).Google Scholar
  29. 32).
    Zum Begriff des unselbständigen Moments vgl. die dritte der Logischen Untersuchungen Husserls (“Zur Lehre von den Ganzen und den Teilen”), LU II, 225ff. — Vgl. ferner zu der besonderen Zirkelproblematik des “Zirkels in der Hermeneutik” die Überlegungen Seebohms, die auf Husserls Untersuchungen fußen (SEEBOHM 1972, S. 21ff.).Google Scholar
  30. 33).
    Es genüge hier der Verweis auf WIEGERLING 1984, S. 6ff.Google Scholar
  31. 34).
    FTL, 287, Z. 25ff. — Husserls Rede von “vollständiger Durchstreichung” ist hier mißverständlich, da jede Durchstreichung etwas Identisches voraussetzt (Kapitel 4). Gemeint ist wohl eine Umwandlung eines bestimmten Sinnes in einen anderen, z.B. Puppe als “Realität” ist doch nur “Traum”.Google Scholar
  32. 35).
    Ein sinnvolles, wenn auch unerreichbares Ziel wird bei Husserl als “Idee” oder “Idee im Kantischen Sinne” bezeichnet. Bei Rickert (GE, 206), der sich auf Kant bezieht, hieße dies nicht “Idee”, sondern “Ideal”, da für ihn eine “Idee” kein in sinnvoller Weise zu Forderndes für das Erkennen ist. Husserls Sprachgebrauch scheint allerdings mit dem des Neukantianers Colin deckungsgleich, vgl. z.B. die Stelle, die Tischner (mit Bezug auf COHN 1926) anführt (TISCHNER 1982, 304).Google Scholar
  33. 36).
    Vgl. unsere Überlegungen oben im Anschluß an Cohns Mathematikdiskussion, 7.1.Google Scholar
  34. 37).
    Vgl. zum folgenden FTL 283ff. — Wir werden die Polemik und das Pathos Husserls nicht nälier verfolgen, sondern die entscheidenden Gesichtspunkte für die Klärung der Husserl eigenen Position herauszustellen versuchen.Google Scholar
  35. 38).
    FTL, 284; vgl. zur “Theorie von obenlier”, FTL, 286.Google Scholar
  36. 39).
    Daß dieser Begriff “absolutes Leben” ebenfalls nicht unproblematisch ist, haben wir in 7.3. b gezeigt.Google Scholar
  37. 40).
    Auf das Verhältnis vorliegender Untersuchungen, die Positionen Husserls und Cohns zum Thema haben, zu möglichen weiterführenden Untersuchungen, die den Vergleich mit dem deutschen Idealismus durchführen, vgl. unten, Kapitel 8.Google Scholar
  38. 41).
    In welcher Weise hier von einem “Erfordernis” die Rede sein kann, befragen wir kritisch in 7.3. fund 7.4.Google Scholar
  39. 42).
    Vgl. die vorausgehende Anmerkung.Google Scholar
  40. 43).
    Funke weist darauf hin, daß Husserl mit dem Titel “Verantwortung” “unabweisbar die praktische Vernunft” anspreche (FUNKE 1980, 84); deren oberstes Prinzip aber sei bei Husserl “urteile nur mit zureichendem Grund”. — Ist damit nicht gerade originäre Evidenz gefordert, wie wir sie oben bestimmt haben (Kapitel 7)?Google Scholar
  41. 44).
    FTL, 285. — Zu dem Begriff “absolutes Leben” vgl. oben (7.3. d) unsere kritische Interpretation.Google Scholar
  42. 45).
    Vom Gegensatz “topischer” und “utopischer” Verhältnisse bei der Beantwortung der Frage, ob die Phänomenologie es mit letzlich unüberprüfbaren metaphysischen oder rein methodisch-gegründeten Verhälüiissen zu tun hat, spricht Gerhard Funke in FUNKE 1966, z.B. S. 9, 16, 34. Wir lehnen uns an Funkes Terminologie an.Google Scholar

Copyright information

© Kluwer Academic Publishers 1989

Authors and Affiliations

  • Reinald Klockenbusch
    • 1
  1. 1.Wiesbaden/MainzDeutschland

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