Advertisement

Reflexionsproblematik und Teleologie der Vernunft bei Husserl

Das “dialektische” Problem des transzendentalen Psychologismus im Rahmen einer teleologisch konzipierten “transzendentalen” Phänomenologie
  • Reinald Klockenbusch
Chapter
  • 49 Downloads
Part of the Phaenomenologica book series (PHAE, volume 117)

Zusammenfassung

Das Problem, was “transzendentale Subjektivität” bei Husserl ist und welcher “Weg” in die Phänomenologie als “transzendentale” führt, ist sicherlich komplex und durch bisherige Forschungen keineswegs restlos gelöst1. Zu kurz greifende Bestimmungen des “phänomenologischen Verfahrens”, die sich mit der Direktive begnügen, hier gelte es einfach den’transzendentalen Ursprung in seiner Bedeutung für alles aktuell oder potentiell Be-wußte’ auf- und auszuweisen, werden der Komplexität der’Sache’ jedenfalls nicht gerecht. Anderenfalls wäre es nicht verständlich, warum Husserl sich mit den verschiedenen Wegen in die “transzendentale Phänomenologie” abgemüht hätte.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1).
    Vgl. insbes. HUA VIII; dort spricht der Herausgeber (Rudolf Boehm) von “im Ganzen acht” möglichen’Wegen’(S. XXXIIff.). Nicht sehr klar wird informiert über drei dieser Wege in PAZANIN 1972; vgl. dort S. 62ff. — Die folgenden Ausführungen versuchen die Debatte um Husserls sog.’Abschied vom Cartesianismus’ (LAND-GREBE 1963) fortzusetzen, wobei insbes. auch Anregungen Elisabeth Strökers aufgegriffen werden sollen, die den “Weg einer Selbstkritik der transzendentalen Phänomenologie” über die Psychologie als den “besten” der Husserlschen Wege ansieht (STRÖKER 1981; vgl. dort S. 183). — Vgl. auch Husserls “Selbstanzeige”, FTL, 340.Google Scholar
  2. 2).
    Vgl. HUA VI, 184f. — Deshalb kann Husserl wie auch Cohn mit dem bloßen “Begriff” Rickerts, der aller Anschaulichkeit entbehrte, nichts anfangen. Was für Husserl Apriori heißen darf, muß aufweisbares “Eidos” sein. Vgl. 4.3.1. u. 6.5.d.Google Scholar
  3. 3).
    Vgl. Id I, 46 sowie HUA VIII, S. 50.Google Scholar
  4. 4).
    Vgl. z.B. HUA VIII, S. 458–465, ein Forschungsmanuskript, das die Auffassung phänomenologischer Epoché prägnant umreißt.Google Scholar
  5. 5).
    Der Grund hierfür ist, daß der Welt ihr Geltungsstatus sozusagen’egal’ sein dürfte: Das Subjekt ist das einzig Interessierte.Google Scholar
  6. 6).
    Vgl., auch zu folgendem, Heideggers Anmerkung, die Biemel anfuhrt: “Welches ist die Seinsart dieses absoluten Ego — in welchem Sinne ist es dasselbe wie das je faktische Ich; in welchem Sinne nicht dasselbe?” (Manuskript M III 10 III, 3, zitiert nach BIEMEL 1950 ). Biemel zeigt in dem genannten Aufsatz, wie die Problematik des Paradoxons der Subjektivität bzw. das Problem des transzendentalen Psychologismus bei Heidegger zu einer Transformation der Phänomenologie führt. Wir können diesen Heideggerschen Weg, der von Husserl wegfuhrt, hier außer acht lassen.Google Scholar
  7. 7).
    Vgl. HUA VI, 194ff., vgl. dazu STRÖKER 1981 passim.Google Scholar
  8. 8).
    Vgl. HUA VI, 185 Husserls Abweisung des Heranholens von Argumenten aus den Werkstätten vergangener Philosophen.Google Scholar
  9. 9).
    Husserl beeilt sich immer, für Paradoxien “Lösungen” anzugeben (vgl. HUA VI, § 54 sowie FTL, 262, Z. 7). Ob dies in diesem Fall gelingt, muß gefragt werden.Google Scholar
  10. 11).
    Vgl. oben, 2.2 c, insbes. Anm. 18 mit Verweis auf FTL, 145.Google Scholar
  11. 12).
    Die Gründe, die zu dem Patlios Husserls führen, sowie die sich daraus ergebende Problematik werden weiter unten erörtert.Google Scholar
  12. 13).
    HUA VIII, 16, Z. 25–28, vgl. Z. 33f. sowie 17, Z. 13–15. Man ist unweigerlich an Cohns zentrale These erinnert, daß das individuelle Ich danach strebe, überindividuelles Ich zu werden — eine These, die Husserl durch die Lektüre von VZE gekannt haben kann. Darauf wird zurückzukommen sein.Google Scholar
  13. 15).
    HUA VIII, 14f. — Dieses Affmitätsproblem “Liebe” (als ein für die Erkenntnis wichtiges Verhalten) behandelt MÜLLER 1982, 227ff.Google Scholar
  14. 16).
    Hier ist in Erinnerung zu rufen, daß z.B. EU deutlicher macht, was Tendenz, Streben einerseits, Hemmung andererseits für das Erkennen bedeuten. Husserl hielt die oben herangezogene Stelle (HUA VIII, 15, vgl. dort die Anm. 1) für unzureichend.Google Scholar
  15. 17).
    Der Untertitel der FTL ist mehrdeutig. Der Genitiv läßt sich als genitivus objectivus als auch subjectivus interpretieren, das “logische” weist auf die objektive Logik als auch den Logos hin.Google Scholar
  16. 18).
    Zu dem an erster Stelle genannten Punkt ließe sich ein weiteres Beispiel anfuhren — so kann man sagen, das im Bewußtseinsfeld Vordergründige sei gegenüber dem bloß facettenhaft gegebenen Hintergrunderlebnis als das (originär, “in Leibhaftigkeit”) Selbstgegebene ausgezeichnet.Google Scholar
  17. 19).
    FTL, 285, Z. 26–29 (Hervorh. hinzugef.). — Bei Colin würde es ähnlich heißen: “Wahrheit in einem Zusainmenliang”.Google Scholar
  18. 20).
    Wir nennen dieses Problem “werttlieoretisches Dilemma”. Auf dieses wird in 6.4.6 sowie in Kapitel 7 noch ausführlicher eingegangen werden. Vgl. ferner BERNET 1974 sowie BERNET/BOEHM 1974 zum Problem der Erreichbarkeit bzw. Unerreichbarkeit des Erkenntnisziels.Google Scholar
  19. 21).
    HUA, VIII, 13. — Platon spräche allerdings vom “τόπος υπέρ ουάνιος”.Google Scholar
  20. 22).
    Vgl. LANDGREBE 1963, 173 unten.Google Scholar
  21. 23).
    Dieses Problem wird uns noch bis in das siebte Kapitel hinein beschäftigen.Google Scholar
  22. 24).
    HUA VIII, 14, Z. 29–31. — Daß es solche Unendlichkeit in der “Formalen und transzendentalen Logik” und ilirem kritischen Vorhaben gibt, wird gezeigt in Kapitel 7.2.3.2.Google Scholar
  23. 25).
    Wir werden auf die Problematik dieses Begriffs allerdings noch in 7.3. d zurückkommen.Google Scholar
  24. 26).
    Auch Landgrebe (LANDGREBE 1963, 196) gibt zu, es sei bei Husserl das “sittliche Ich, das Gericht über seine sämtlichen weltlichen Interessen hält”, gemeint, wenn das transzendentale Ich thematisch ist. Allerdings scheint Landgrebe in dieser Erkenntnis keinen Hinweis zu sehen, der einem Abschied vom Cartesianismus entgegenstünde. Dies mag mit der Axiologismusproblematik zusammenhängen, die wir in 6.4.5 aufzeigen werden.Google Scholar
  25. 27).
    Auf dieses Verhältnis relativer Wahrheit angesichts einer absoluten Idee werden wir noch ausführlich zurückkommen; vgl. die oben bereits zitierten Stellen, HUA VIII, 14.Google Scholar
  26. 28).
    Zu dieser Evidenzproblematik (Ich — Welt) gehört, dies sei ausdrücklich bemerkt, die Intersubjektivitätsproblematik. Vgl. dazu HUA I, V. Meditation sowie HUA XIII–XV. Zum Verhältnis von “Wahrheit und Wirklichkeit” vgl. WIEGERLING 1984, 143ff.Google Scholar
  27. 29).
    Vgl. LANDGREBE 1963, 192 und 202. — Ströker (STRÖKER 1981, 182) spricht von dem Husserl zunächst verborgen gebliebenen “Rest cartesianischer Substanzenmetaphysik”, die sie durch die Krisisschrift Husserls für überwunden hält.Google Scholar
  28. 30).
    Das gleichwohl Husserls Programm ein ethisches Moment nicht aussparen kann, zeigt Funke (FUNKE 1980 ). Auch Landgrebe sieht diese Problematik, meint aber, daß hier die phänomenologische Deskription nicht heranreiche (vgl. insbes. LANDGREBE 1963, 203, Z. 15–19; vgl. auch Landgrebes Ratlosigkeit wegen Husserls spärlicher Problematisierung des Phänomens des Gewissens (ebda., S. 202f.).Google Scholar
  29. 31).
    Vgl. LU I, §§ 14 u. 16.Google Scholar
  30. 34).
    Ströker weist darauf hin, daß der tätige Psychologe “keine eigene Stellung nehmen und haben” darf zu Patientenmeinungen (STRÖKER 1981, 175 zu HUA VI, 240). Die Transzendentalphilosophie demgegenüber ist nach Husserl diejenige Wissenschaft, die sich Fragen der Selbstverantwortlichkeit zu stellen versucht.Google Scholar
  31. 35).
    Vgl. Husserls Rede von einem “kontingenten Apriori” mit Bezug auf die Tonpsychologie (FTL, 33).Google Scholar
  32. 37).
    Id II, 171f.; Hervorheb. hinzugef. — Der Zusammenhang zeigt deutlich, daß die zitierte “Subjektivität” nicht die des solus ipse, sondern die intersubjektive der “geistigen” Welt ist (vgl. Id II, 3. Abschnitt, S. 172ff.).Google Scholar
  33. 38).
    Vgl. hierzu Id II, 172f. — Husserl nennt neben Dilthey auch Windelband, Rickert, Simmel, Münsterberg.Google Scholar
  34. 39).
    Vgl. § 56 in Id II sowie RANG 1973. Vgl. dort insbes. S. 187ff. zu “Vernunftmotivation”, zur “Idee der Selbstgegebenheit” und dem Problem der “Endgültigkeit”, wo sich viele Parallelen zu den hier vorgelegten Überlegungen finden.Google Scholar
  35. 40).
    Wir werden in Kapitel 6.4.7 a auf diesen Gesichtspunkt zurückkommen, um den Anspruch der “Selbstverantwortlichkeit” angesichts solcher Akte einzugrenzen, die sich gleichsam “wider Willen” vollziehen.Google Scholar
  36. 41).
    Vgl. übrigens Husserls Ansätze, Formen der “Gemeinschaft” aufzuweisen, Id II, 200, Z. 17ff.Google Scholar
  37. 42).
    Vgl. die obige Widerstreitdiskussion als Beispiel für Irrtum und Korrektur im Bereich präprädikativen Erfahrens (Kapitel 3.4).Google Scholar
  38. 43).
    Id II, 213; Hervorhebungen Husserls sind hier und in beiden vorausgehenden Zitaten fortgelassen.Google Scholar
  39. 44).
    Vgl. auch Cohns Begriff des “irrationale rationandum”. Cohn bezeichnet in diesem Zusammenhang das “nackte Denkfremde” als Unbegriff.Google Scholar
  40. 45).
    Die “Grundstruktur” “keine Transzendenz ohne Immanenz” dient Beils als Leitfaden für seine Untersuchungen (BEILS 1985, 6). Beils stellt folgende “Grenzproblematik” heraus. Ist es möglich, die Sphäre der Immanenz zu erfassen, ohne sie damit bereits zu verlassen? Kann die besagte Transzendenz für die Phänomenologie eine Transzendenz in der Immanenz bleiben, wenn sie sich ilires eigenen Arbeitsfeldes versichern will?Google Scholar
  41. 46).
    Vgl. Id II, 213f. sowie MÜLLER 1982.Google Scholar
  42. 47).
    Vgl. Husserls Frage, Id II, 222. — Wir werden in 6.4.7 nochmals kurz auf dieses Problem zurückkommen.Google Scholar
  43. 48).
    Id II, 280. — Was “Motivation”, was “Assoziation” ist, kann im Rahmen dieser Arbeit nicht vollständig behandelt werden. Vgl. zur Ergänzung HOLENSTEIN 1972 und RANG 1973.Google Scholar
  44. 50).
    FTL, 292f. — Husserl verweist hier auf die Konstitution der Zeitlichkeit. Wir haben auf diese in 6.4.6 c hingewiesen.Google Scholar

Copyright information

© Kluwer Academic Publishers 1989

Authors and Affiliations

  • Reinald Klockenbusch
    • 1
  1. 1.Wiesbaden/MainzDeutschland

Personalised recommendations