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Die Exemplifizierung des gewonnenen Entscheidungsmodells anhand schwerwiegender Ordnungswidrigkeiten

  • Robert Maiazza
Chapter
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Part of the Studien zum Wirtschaftsstrafrecht book series (STWI)

Zusammenfassung

Nachdem der allgemeine Versuch unternommen wurde, eine genaue Beschreibung der unteren und oberen Grenzen der Ermessensbildung der Entscheidungsträger bei der Ermittlung und Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten zu entwickeln, geht es nun in einem weiteren Schritt darum, ob sich deliktsspezifische Fallgruppen denken lassen, in denen unabhängig vom konkreten Tatgeschehen und Ermittlungsverlauf abstrakt aufgrund der Deliktsnatur regelmäßig ein Einschreiten geboten ist. In diesen Fällen wäre es dem Entscheidungsträger trotz Bestehens des Opportunitätsprinzips von vornherein verwehrt, von Ermittlungen und entsprechenden Sanktionen abzusehen, wenn nicht eine atypische Fallsituation gegeben ist1050. Anders also als bei den meisten Ordnungswidrigkeiten müßte sich der Entscheidungsträger um sein Verfolgungsermessen regelmäßig keine Gedanken machen, weil in diese Fällen eine Verfolgung prinzipiell intendiert ist1051. Solche Fälle liegen am wahrscheinlichsten vor, wenn Ermittlungen wegen „schwerwiegender Ordnungswidrigkeiten” anstehen1052.

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Notizen

  1. 1050.
    Vgl. Tiedemann, ZStW 94 (1982), S. 342. Zum Atypikvorbehalt vgl. oben 1.8 und 3.5.3.5.Google Scholar
  2. 1055.
    Vgl. Wolter, GA 1989, S. 397 ff. (398).Google Scholar
  3. 1057.
    Zu letzterem und zur besonderen Problematik der Regelbeispielstechnik: Vgl. Maiwald, NStZ 1984, S. 433 ff.;Google Scholar
  4. Montenbruck, NStZ 1987, S. 311 ff.Google Scholar
  5. 1063.
    Vgl. Lüderssen, BB 1996, S. 2530. Selbst das BVerfG benutzt den Begriff, vgl. BVerfG BB 1973, S. 812 f.Google Scholar
  6. Achenbach, wistra 1999, S. 241 ff. (242);Google Scholar
  7. ders., GA 1969, S. 71 ff.;Google Scholar
  8. ders., ZStW 88 (1976), S. 231 ff;Google Scholar
  9. Weber, ZStW 96 (1984), S. 376 ff;Google Scholar
  10. 1078.
    Zu diesen funktionsabhängigen Differenzierungen Tiedemann, GA 1969, S. 71 ff.Google Scholar
  11. 1080.
    Zusammenfassend zu den Auswirkungen von Wirtschaftsstraftaten Tiedemann, GA 1969, S. 71 ff. (88 ff);Google Scholar
  12. ders., ZStW 88 (1976), S. 231 ff Siehe im übrigen oben 2.3.Google Scholar
  13. 1108.
    Tagungsbericht von Bangard, WuW 1996, S. 980 ff.Google Scholar
  14. 1111.
    Vgl. Möschel, Wernhard: Zur Problematik einer Kriminalisierung von Submissionsabsprachen, Köln, 1980.Google Scholar
  15. Vgl. hierzu Tiedemann, ZStW 94 (1982), S. 338 ff.Google Scholar
  16. 1112.
    Vgl. Selmer, Peter: Verfassungsrechtliche Probleme einer Kriminalisierung des Kartellrechts, Köln, 1977.Google Scholar
  17. Baumann/Arzt, ZHR 1970, S. 24 ff. (27);Google Scholar
  18. 1115.
    Vgl. Möhrenschlager, JZ 1996, S. 822 ff. (829).Google Scholar
  19. 1116.
    Vgl. Lüderssen, BB 1996, S. 2525 ff. (Fn. 43).Google Scholar
  20. 1118.
    Siehe zu den Schätzungen: Otto, wistra 1999, S 41 ff. (43);Google Scholar
  21. dort wird allein der materielle Schaden der öffentlichen Hand durch Bieterabsprachen mit 10 Mrd. DM angegeben. Vgl. dazu auch Baumann/Arzt, ZHR 1970, S. 24 ff. (27).Google Scholar
  22. 1123.
    Vgl. Möschel, Submissionsabsprachen, S. 33 der dort zu Recht den Wettbewerb als überragendes Gemeinschaftsgut rühmt, welcher wirtschaftlicher Handlungsfreiheit erst ermögliche, aber dann nicht der Versuchung widerstehen kann, diese Erkenntnis durch eine akzeptierte Instrumentalisierung des Kartellrechts im Hinblick auf wohlfahrtsökonomische Zielsetzungen zu relativieren. Zu der Einstufung des Wettbewerbs als schlichte Kategorie ökonomischer Zweckmäßigkeit sogleich im folgenden Abschnitt und zur weiterführenden Kritik des Ansatzes von Möschel: Tiedemann, ZStW 94 (1982), S.341 ff.Google Scholar
  23. 1127.
    Vgl. Jescheck, JZ 1959, S. 457 ff. (461).Google Scholar
  24. Baumann/Arzt, ZHR 1970, S. 24 ff. (30 ff.).Google Scholar
  25. 1135.
    Vgl. Otto, wistra 1999, S. 41 ff.Google Scholar
  26. 1136.
    Otto, wistra 1999, S. 42 im Anschluß an Lüderssen, Beilage, S. 8: Otto heißt freilich die Kriminalisierung der Submissionsabsprachen gut, sofern nicht Submissionsabsprachen kriminalisiert werden, die erwiesenermaßen nicht auf eine Vermögensschädigung abzielen. Ähnlich: Müller-Gugenberger, in M-G/Bieneck, § 57 Rdn. 27, der aber die richtigen verfahrensrechtlichen Schlüsse zieht. Vgl. auch: Tiedemann, in: Immenga/Mestmäcker, § 38 Rdn. 1 („nur eindeutig verbotswidrige Fälle sind bußgeldbewehrt”).Google Scholar
  27. 1142.
    Dazu gleich im nächsten Abschnitt. Es handelt sich vor allem um solche Kartellordnungswidrigkeiten, die ähnlich der Submissionsabsprache (Nähe zum Betrug!) sich mit bestimmten Straftatbeständen, wie etwa der Erpressung oder der Nötigung überschneiden. Vgl. zu den Überschneidungen mit Straftatbeständen des UWG: Müller-Gugenberger, in: M-G/Bieneck, § 57 Rdn. 5. und mit denen des StGB vor allem Baumann/Arzt, ZHR 1970, S. 24 ff. (34 ff.).Google Scholar
  28. 1145.
    Vgl. Baumann/Arzt, ZHR 1970, S. 24 ff. (32).Google Scholar
  29. 1172.
    Vgl. Bangard, Tagungsbericht WuW 1996, S. 980.Google Scholar
  30. 1173.
    Vgl. Bangard, Tagungsbericht WuW 1996, S. 981. Siehe auch Beschlüsse des 61. Deutschen Juristentages 1996 S. 8 Punkt 15.Google Scholar
  31. 1175.
    Dazu Achenbach, wistra 1998, S. 168 ff.;Google Scholar
  32. ders., JZ 1986, S. 865 ff. (866).Google Scholar
  33. Pernice, EuZW 1992, S.139 ff (141).Google Scholar
  34. 1214.
    Vgl. allgemein zu solchen Bagatellkartellen: Hoppmann, BB 1970, S. 93 ff.Google Scholar
  35. Karte, BB 1969, S. 53 ff. (54).Google Scholar
  36. Hoppmann, DB 1970, S. 93 ff. (100).Google Scholar
  37. 1230.
    Vgl. etwa die Untersuchungen von Meinberg zum Umweltstrafrecht und Umweltordnungswid-rigkeitenrecht: NJW 1990, S. 1273 ff.Google Scholar
  38. 1232.
    Zu Recht kritisch: Achenbach, wistra 1999, S. 241 ff. (242).Google Scholar
  39. 1241.
    Auf diese Schwäche des strafrechtlichen Schutzes vor wettbewerbsbeschränkenden Kartellen weisen Baumann/Arzt, ZHR 1970, S. 24 ff. ( 35) hin.Google Scholar
  40. 1242.
    Der Irrtum liegt darin, daß der Kunde oder Konkurrent von dem Nichtvorhandensein einer Absprache ausgeht, deshalb eine Vermögensverfügung vornimmt und einen anteiligen korrespondierenden Schaden am Mehrerlös des Kartells erleidet. Die Bereicherungsabsicht folgt bereits aus dem Kartellierungsvorsatz, denn die Kartellabsprache soll ja gerade einen Vermögensvorteil mit sich bringen. Vgl. dazu näher Baumann/Arzt, ZHR 1970, S. 24 ff. (34 ff. und 50 f.).Google Scholar
  41. Baumann/Arzt, ZHR 1970, S. 24 ff (40).Google Scholar
  42. kritisch hierzu: Achenbach, wistra 1998, S. 168 ff. („Papiertiger”).Google Scholar
  43. 1285.
    Gleichlautende Befürchtungen, die teils durch jüngere Entscheidungen zum Submissionsbetrug bestätigt wurden, bei Achenbach, wistra 1998, S. 169 ff.;Google Scholar
  44. Bangard, wistra 1997, S. 167 ff.Google Scholar
  45. Achenbach, wistra 1998, S. 168 ff. (171 Fn. 33);Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Robert Maiazza
    • 1
  1. 1.Landgericht BerlinDeutschland

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