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Bedeutungsgehalt und Grundlagen des Opportunitätsprinzips

  • Robert Maiazza
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Part of the Studien zum Wirtschaftsstrafrecht book series (STWI)

Zusammenfassung

Die Rechtswissenschaft arbeitet häufig mit Begriffen, deren Bedeutungsgehalt auf den ersten Blick klar und eindeutig erscheint. Rechtliche Phänomene werden dadurch griffig, aber nicht unbedingt eindeutiger36. Die Vorteile liegen auf der Hand. Jeder weiß, was mit dem „terminus technicus” gemeint ist; eine allfällige mühselige Herleitung der Bedeutungswurzeln des Begriffs wird durch die Konvention des Gebrauchs vermieden. Genau um derartige bedeutungsschwere Begriffe handelt es sich bei den Prinzipien der Opportunität37 und der Legalität38. Unter dem Opportunitätsprinzip des Verwaltungshandelns versteht man geläufigerweise, daß die Verwaltung bei Vorliegen der tatbestandlichen Voraussetzungen einer Rechtsnorm nicht in jedem Fall tätig werden muß39. Vielmehr steht die Entscheidung darüber, ob sie tätig wird und welche Maßnahmen sie ergreift, in ihrem Ermessen40. Die Wortbedeutungswurzeln sind vieldeutig, aber überwiegend negativ konnotiert41. Das lateinische Wort „opportunum” kann übersetzt werden mit bequem, passend oder vorteilhaft42, hat im Deutschen aber schon durch das gebräuchliche Wort „Opportunismus” einen unvorteilhaften Beiklang erhalten. Aus zweckmäßigen Erwägungen werden vor diesem wortgeschichtlichen Hintergrund vorschnell beliebige Motive. Dem wird für gewöhnlich antithetisch das Legalitätsprinzip gegenübergestellt, welches die Verpflichtung zum Verwaltungshandeln bezeichnet, wenn die Voraussetzungen der Ermächtigungsnorm erfüllt sind43. Für das Strafprozeßrecht bedeutet das Legalitätsprinzip mithin die unbedingte Pflicht der Staatsanwaltschaft, bei hinreichendem Tatverdacht Ermittlungen aufzunehmen und gegebenenfalls Anklage zu erheben44.

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Notizen

  1. 45.
    So bereits Eser, ZStW 104 (1992), S. 361 ff.(370 Fn. 40);Google Scholar
  2. 50.
    Ganz h.M., vgl. BVerfG NJW 1977, S. 2356 f.;Google Scholar
  3. 57.
    Zur Begriffskritik: Oetker, GS 105 (1935), S. 371 („die Legalität sei dem Staatswohl dienend in höchstem Maße opportun”);Google Scholar
  4. zweifelnd: Rieß, GA 1994, S. 39.Google Scholar
  5. 67.
    Eine teleologische Analyse der Problematik auch vorziehend: Rieß, GA 1994, S. 38;Google Scholar
  6. 68.
    K. Schmidt, wistra 1990, S. 131 ff. (137 f.).Google Scholar
  7. 81.
    Dazu ausführlich: Brinktrine, Verwaltungsermessen, S. 55 ff. Aus der Perspektive der Strafrechtswissenschaft: Frisch, NJW 1973, S. 1345 ff. (1349);Google Scholar
  8. Störnier, ZStW 108 (1996), S. 494 ff. (497 ff.).Google Scholar
  9. Hill, NVwZ 1985, S. 449 ff. (450);Google Scholar
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  11. 85.
    Vgl. Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (371).Google Scholar
  12. 86.
    Vgl. Bachof, JZ 1955, S. 97 ff. (99);Google Scholar
  13. Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (372).Google Scholar
  14. 92.
    Für eine zusammenfassende dogmatische Betrachtung von Handlungsspielräumen und Steuerungsmöglichkeiten der Verwaltung: Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (373). Seine Bemühungen, die verwaltungsgerichtliche Kontrolldichte einzuschränken, indem der Verwaltung auf Tatbestands- und Rechtsfolgenseite gerichtlich nicht überprüfbare Entscheidungsspielräume zugestanden werden sollen, sind aber kaum in Einklang mit geltendem Verfassungsrecht zu bringen. Zu den verfassungsrechtlichen Vorgaben: BVerfGE. 84 S. 34 ff. (46 ff.);Google Scholar
  15. 93.
    Vgl. Schmidt-Eichstaedt, DVB1. 1985, S. 645 ff. (648);Google Scholar
  16. Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (372);Google Scholar
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  18. Kopp, DÖV 1966, S. 317 ff. (321);Google Scholar
  19. Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (372);Google Scholar
  20. 95.
    Kopp, DÖV 1966, S. 317 ff. (320) betont, daß bei der Findung dieser Rechtssätze dem Grundsatz der Interessenabwägung überragende Bedeutung zukomme. Wie im übrigen diese Rechtssätze gewonnen werden sollen, wird aber auch bei Kopp nicht ausgeführt.Google Scholar
  21. Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (380).Google Scholar
  22. 98.
    Vgl. Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (376);Google Scholar
  23. 99.
    Vgl. Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (376);Google Scholar
  24. 101.
    Ossenbühl, DÖV 1970, S. 84 ff. (85). Zu Recht verwirft Ossenbühl bereits die Prämisse der Gegenmeinung einer perfekten Legalordnung („Eine kasuistische Tatbestandsformulierung stößt schnell an ihre Grenzen.”).Google Scholar
  25. 103.
    Ossenbühl, DÖV 1970, S. 84 ff. (86) geht sogar so weit zu sagen, daß die Lehre vom Tatbestandsergänzungsermessen nur auf einer Verschiedenheit des terminologisch-systematischen Geschmacks beruhe und die Verortung des Abwägungsakts im Rahmen der normstrukturellen Standortbestimmung ohne inhaltliche Relevanz sei.Google Scholar
  26. 104.
    Wie sich aus § 114 VwGO ergibt. Vgl. Ossenbühl, DÖV 1970, S. 84 ff. (85);Google Scholar
  27. Smeddinck, DÖV 1998, S. 370 ff. (372);Google Scholar
  28. 111.
    Bohnert, Joachim: Die Abschlußentscheidung des Staatsanwaltes, Berlin, 1992. Auf die Ideen dieser Arbeit wurde und wird auch im folgenden noch an zahlreichen Stellen zurückzukommen sein. Die Auffassung Bohnert weicht aber so fundamental vom übrigen Meinungsspektrum ab, daß unabhängig von Einzelfragen die Richtigkeit seiner Grundthesen an dieser Stelle überprüft werden sollen;Google Scholar
  29. vgl. dazu auch die Besprechung von Rieß, GA 1994, S. 40.Google Scholar
  30. Müller, GA 1988, S. 272 ff.Google Scholar
  31. Bachof, JZ 1955, S. 97 (98);Google Scholar
  32. Frisch, NJW 1973, S. 1345 ff. (1347);Google Scholar
  33. 147.
    So schon Bachof, JZ 1972, S. 641 ff. (643);Google Scholar
  34. Bullinger, JZ 1984, S. 1001 ff. (1007);Google Scholar
  35. Brohm, JZ 1995, S. 369 ff. (372).Google Scholar
  36. 156.
    Ausführlich zu den Begrenzungen der Ermessensfreiheit durch den Gleichheitssatz: Bettermann, Der Staat 1 (1962), S. 79 ff. (83, 92). Siehe auch unten 3.4.2.Google Scholar
  37. differenzierend Pauly, JZ 1997, S. 647 ff. m.N. aus der Rechtsprechung, die teilweise in besonderen Ausnahmefällen Adressaten behördlicher Maßnahmen auch einen Anspruch auf rechtswidrige Ausübung behördlichen Ermessens zugebilligt hat, wenn die plötzliche Rückkehr zu einer rechtmäßigen Ermessensbetätigung zu schlechthin unerträglichen Konsequenzen für den Betroffenen führen würde. Hier zeigt sich, daß die Beachtung des Gleichheitssatzes auch enge Bezüge mit der Effektivierung des Vertrauensgrundsatzes aufweist.Google Scholar
  38. 184.
    Umfassende Darstellung bei: di Fabio, VerwArch (Bd. 86) 1995, S. 214 ff.Google Scholar
  39. Gern, DVB1. 1987, S. 1194 ff.Google Scholar
  40. 188.
    di Fabio, aaO., S. 232 entwickelt aus den einzelnen Fallgruppen der Ermessensreduzierung auf Null ein Prüfungsschema für subjektive Ansprüche auf behördliches Einschreiten. Für das Bußgeldverfahren sind insbesondere von Interesse: „Grundrechtliche Schutzpflichtlagen polizeilicher Provenienz”, „Folgenbeseitigungspflichtlagen”, „Fälle von Selbstbindungen” und die „Einwirkungen von europäischen Rechtsnormen”. Ähnlich: Gern, DVB1. 1987, S. 1194 ff. Siehe dazu die wiederkehrenden Argumente unten 4.3.3.1, 4.3.3.4 und 6.2.Google Scholar
  41. Gern, DVB1. 1987, S. 1194 ff.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Robert Maiazza
    • 1
  1. 1.Landgericht BerlinDeutschland

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