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Die Einstellung von Staatsanwälten und Haftrichtern zu kriminalpolitischen Aussagen, insbesondere zur Untersuchungshaft

Bemerkungen zu Rufen nach einer rigideren Kriminalpolitik
  • Helmut Geiter
Part of the Studien und Materialien zum Straf- und Maßregelvollzug book series (SMSM)

Zusammenfassung

Es erscheint verlockend, die Einstellung bestimmter Personengruppen zu Fragestellungen der Kriminalpolitik zu ermitteln. Solche Daten können nämlich eine Grundlage für längerfristige Planungen bilden1. Schließlich haben Einstellungen einen recht überdauernden Charakter2. Sie dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern sind im Zusammenhang mit den jeweiligen externen Gegebenheiten zu sehen. Denn im Gegensatz zu Vorurteilen sind Einstellungen durch die Verarbeitung aktueller Geschehnisse und die Aufnahme neuer Informationen veränderbar3. Bevor deshalb Ergebnisse einer Befragung von Staatsanwälten und Haftrichtern gezeigt und diskutiert werden (vgl. II.), soll zunächst eine Bestandsaufnahme der Vorfindlichkeiten für Strafjustizjuristen erfolgen, wie sie sich für diese zur Zeit unserer Intervieweinholungen darstellten (vgl. I.). Der begrenzte Raum läßt nur eine grobe Skizzierung zu. Da aber das Platzkapazitätenproblem ebenso wie das zu geringe Zeitbudget insbesondere zahlreichen Journalisten und Politikern regelmäßig als Entschuldigung für ihre gebräuchlichen Vereinfachungen, Aufbauschungen und Skandalisierungen dient, wurde für das erste Kapitel bewußt eine überwiegend einseitig-plakative Darstellungsform gewählt. Dies stellt den Versuch dar, das übliche Strickmuster derartiger Argumentation zu veranschaulichen — diesmal jedoch unter umgekehrtem Vorzeichen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Daß gleichwohl eine vorsichtige Interpretation derartiger Daten angebracht ist, ergibt sich aus Bedenken hinsichtlich der Validität der Befragungsergebnisse für das manifeste Verhalten der Interviewten, vgl. dazu H. Kury, Die Einstellung der Bevölkerung zum Rechtsbrecher und Strafvollzug, in: H. Kury (Hrsg.), Strafvollzug und Öffentlichkeit, 1980, S. 113f. (116/117).Google Scholar
  2. 4.
    Daß gleichwohl eine vorsichtige Interpretation derartiger Daten angebracht ist, ergibt sich aus Bedenken hinsichtlich der Validität der Befragungsergebnisse für das manifeste Verhalten der Interviewten, vgl. dazu H. Kury, Die Einstellung der Bevölkerung zum Rechtsbrecher und Strafvollzug, in: H. Kury (Hrsg.), Strafvollzug und Öffentlichkeit, 1980, S. 113f. (116/117).Google Scholar
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  7. 11.
    Vgl. dazu auch die das Kapitel »Vollzugslockerungen: Chance oder Ärgernis?« kommentierenden Bemerkungen von K.P. Rotthaus, in: M. Walter/K.P. Rotthaus/H. Geiter(Hrsg.), Bruchstücke - Strafvollzugsprobleme aus der Sicht der Beteiligten, 1992, S. 98–104.Google Scholar
  8. 12.
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  16. 50.
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Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 1995

Authors and Affiliations

  • Helmut Geiter

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