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Gutachten und Sicherheit im Strafvollzug

  • Hans-Georg Mey
Part of the Studien und Materialien zum Straf- und Maßregelvollzug book series (SMSM)

Zusammenfassung

Der auch für sozial- und kriminalpolitische Optimisten nunmehr unübersehbare Kriminalitätsanstieg in der jüngsten Zeit läßt den kriminologischen Laien und damit die Masse der Bürger aus einer deutlich zunehmenden Opferangst heraus verstärkt die Frage nach der Sicherheit vor kriminellen Taten stellen. Dies, obwohl der allabendliche Konsum von Brutalo-Krimis bereits derart zum gewöhnlichen Programm gehört, daß kaum ein Fernsehsender auf kriminell thematisierte Sendungen zu verzichten vermag. Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang zwischen der Sucht nach Nervenkitzel und der Angst vor einer vermeintlich ständig präsenten Bedrohungssituation, selbst wenn sich kriminelle Realitäten im Verhältnis zu den dauerhaft bedrohlich erscheinenden Angstgefühlen immer noch selten konkretisieren: Der Bürger reagiert mit dem Ruf nach mehr Sicherheit1 (»Frauen müssen wieder ohne Angst nachts durch unsere Straßen gehen können!«). Wie gerade Wahlkampfzeiten immer wieder zeigen, werden mit dem Wunsch nach Sicherheit verbundene Gefühle nur allzu gern in politische Argumentationen einbezogen. Freilich lassen Politiker dabei vielfach kein größeres kriminologisches Wissen erkennen als die um ihre Sicherheit bangenden Menschen. Kriminalpolitische Reaktionen konzentrieren sich in bewährter Manier auf eine Intensivierung bereits existierender Maßnahmen, wie dies beispielsweise aus dem in diesen Tagen verabschiedeten »Verbrechensbekämpfungsgesetz« abzulesen ist. Der Ruf nach längeren und im Vollzug härteren Strafen fehlt dabei nicht unter der stillschweigenden oder auch offen bekundeten Forderung nach einem auf diese Weise erreichbaren größeren Abschreckungseffekt.

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Anmerkungen

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Authors and Affiliations

  • Hans-Georg Mey

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