Advertisement

Rechtsberatung für Gefangene

Plädoyer für universitäre Beratungsprojekte
  • Johannes Feest
Chapter
Part of the Studien und Materialien zum Straf- und Maßregelvollzug book series (SMSM)

Zusammenfassung

Es steht nicht gut in Deutschland um die Rechtsberatung im Gefängnis. Dies meint offenbar auch Peter Rotthaus1, wenn er in seinem einschlägigen Aufsatz aus dem Jahre 1990 von einem »umfangreichen Beratungsbedarf der Gefangenen« schreibt, der »nur zu einem verschwindend geringen Teil abgedeckt«2 werde. Dieser Beratungsbedarf beziehe sich auch keineswegs nur auf Fragen der Vollzugsgestaltung:

»Der Freiheitsentzug der U-Haft und der Strafverbüßung verschärfen viele Probleme, es entstehen neue Schwierigkeiten: Ehen und Partnerschaft zerbrechen und sollten auch rechtlich aufgelöst werden; Schadensersatzansprüche aus den Straftaten werden dem Gefangenen gegenüber geltend gemacht; Unterhaltsansprüche verlangen nach Klärung«3.

Der Katalog kann beliebig verlängert werden, ich nenne nur einige beispielhaft ergänzende Punkte: die Wohnung ist geräumt worden und die Habe verschwunden; die Fahrerlaubnis ist entzogen worden, wird aber nach der Entlassung dringend benötigt; die Aufenthaltserlaubnis ist in Gefahr; etc. etc.

»Verfolgt man … den Weg des Gefangenen von der Verhaftung bis zur Entlassung, so kommt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, daß ein rechtskundiger Berater diesen Weg begleiten sollte.«4

Aber wer soll dies sein? Kostengründe sprechen dagegen hier allzuviel von den Anwälten zu erwarten. Dort wo Verteidiger nach Rechtskraft überhaupt noch Kontakt zu ihren Ex-Mandanten halten zeigt der Ausdruck »Betreuungsmandat«, daß es sich nicht um eine ernsthafte Beratungstätigkeit handelt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Becker T./Brühl, P./Feest, J./Fuhrmann, T./Neumann, C./Joester, E./Quaas, M./Senft, P.: Rechtsberatung im Strafvollzug. In: Rasehorn, T. (Hg.), Rechtsberatung als Lebenshilfe. Neuwied 1979, S. 189–206Google Scholar
  2. Feest, J.: Über den Umgang der Justiz mit Kritik. Am Beispiel von juristischen Ratgebern für Gefangene. In: Kritische Justiz 24 (1991) Nr. 2, S. 253–264CrossRefGoogle Scholar
  3. Ippel, Pieter: Mediation- measures and metaphors. Dutch experiences. In: WE Kriminalpolitikforschung(Hrsg.) Total Institutions and Prisoners’ Rights. Bremen 1993, S. 17–25.Google Scholar
  4. Kamann, U.: Der Richter als Mediator im Gefängnis: Idee, Wirklichkeit und Möglichkeit. In: KrimJ 25 (1993) Nr. 1, S. 13–25Google Scholar
  5. Northoff, R.: Mediation, Chancen und Risiken für Rechtsschutz und Resozialisierung durch Konfliktbearbeitung. In: ZfStrVo 42 (1993) Nr. 4, S. 195–205Google Scholar
  6. Rotthaus, K. P.: Zur Bearbeitung von Gefangenenbeschwerden. In: ZfStrVo 10 (1961), S. 201–218Google Scholar
  7. —: Zum Rechtsschutz des Strafgefangenen. In: MSchrKrim 60 (1977) Nr. 3, S. 186–189Google Scholar
  8. —: Die Rechtsberatung der Gefangenen im Justizvollzug. In: NStZ (1990) Nr. 4, S. 164–170Google Scholar
  9. — : Rechtsschutz und Mediation im Strafvollzug. Anmerkungen zu Plumbohm und Kamann. In: KrimJ 25 (1993) Nr. 1, S. 56–61Google Scholar
  10. Wagner, J.: Der Rechtsschutz des Strafgefangenen. Eine empirische Studie. In: MSchrKrim 59 (1976) Nr. 5, S. 241–266Google Scholar

Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 1995

Authors and Affiliations

  • Johannes Feest

There are no affiliations available

Personalised recommendations