Advertisement

Siegfried Wagners Opernwelten in ihrer Zeitbezogenheit

Chapter
  • 22 Downloads

Zusammenfassung

Siegfried Wagner als einen „Unzeitgemäβen“ abzutun und dabei seinen von Otto Daube überlieferten Satz „Ich fühle mich fremd in unserer modernen Zeit“1 als Beleg zu nehmen, ist ein zweischneidiges Unterfangen. So wird ein gemeinhin als Spätromantiker apostrophierter Künstler in ein kulturhistorisches Schubfach gezwängt, das bei näherem Hinsehen doch wohl nur dem Kriterium eines oberflächlichen Feuilletons standhält. Das „Unzeitgemäße“ aber dennoch aufhebend, sei an den Generationskollegen Arnold Schönberg erinnert, der — sich selbst als „Unzeitgemäßer“ gebrandmarkt sehend — von Siegfried Wagner meinte, dass der „ein tieferer und originellerer Künstler ist, als viele, die heute sehr berühmt sind“2. Der „Romantiker“ Siegfried Wagner und der „Modernist“ Arnold Schönberg stehen hier unerwartet in einer Reihe. Beider ansonsten gravierend unterschiedene ästhetische Position in Bezug auf die musikalische Materialentwicklung ist evident, gemeinsam betrachtet werden müssen sie jedoch — einbezogen auch weitere bedeutende Musikerkollegen der Jahrhundertwende wie Mahler, Strauss, Debussy, Skrjabin oder Strawinsky — unter dem Aspekt der „unzeitgemäßen“, geradezu destruktiv wirkenden tatsächlichen Zeitbezogenheit in der ungewöhnlichen Sujetwahl sowie in der provozierenden Thematisierung ihrer Kunst. Ihre eben als „unzeitgemäß“ von vielen Zeitgenossen, von weiten Bereichen der öffentlichen Meinung kritisierten Stoffe (und die daraus gewonnenen Themen ihrer Werke) — etwa die Märchen- und Sagenwelten in Siegfried Wagners Opern oder die symbolistischen und frühexpressionistischen Sujets in Arnold Schönbergs Kompositionen (wie Verklärte Nacht, Gurre-Lieder und Erwartung, um nur im Zeitraum vor 1914 zu bleiben) — passen sich wahrhaftig nicht aktuellen Modeströmungen und einem gesellschaftlich beglaubigten Kunstkodex an.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. Otto Daube. Siegfried Wagner und die Märchenoper. Leiozig 1936. S. 116Google Scholar
  2. 2.
    Zit. nach: Peter P. Pachl: Siegfried Wagner. Genie im Schatten, München 1994, S. 247Google Scholar
  3. 3.
    Siegfried Wagner: Erinnerungen. Stuttgart 1923, S. 149f.Google Scholar
  4. 7.
    Thomas Mann: Adel des Geistes. Zwanzig Versuche zum Problem der Humanität, Berlin und Weimar 1965, S. 353Google Scholar
  5. 8.
    Cosima Wagner. Die Tagebncher. 2 Bde, München 1976 und 1977: Bd. II, S. 104Google Scholar
  6. 19.
    Richard Wagner:. Das braune Buch. Tagebuchaufzeichnungen 1865 bis 1882, hrsg. von Joachim Bergfeld. Zürich 1975. S. 210Google Scholar
  7. 20.
    Arnold Schönberg: Gedenkausstellung. Katalog, hrsg. von E. Hilmar, Wien 1974, S. 203Google Scholar
  8. 22.
    August Strindberg: Märchenspiele. Ein Traumspiel, München 1920, S. 144Google Scholar
  9. 24.
    Richard Wagner: Mein Leben. Hg. Martin Gregor-Dellin, München 1976, S. 664Google Scholar
  10. 27.
    Franz Stassen: Erinnerungen an Siegfried Wagner. Detmold 1942. S. 33Google Scholar

Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 2003

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations