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„Und die Seele ging weinend über die Sümpfe davon.“

Siegfried Wagner und das Erlebnis Oscar Wilde
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Zusammenfassung

Das 19. Jahrhundert entdeckt, wie wir wissen, die gespaltene Persönlichkeit. Sind es bei E. T. A. Hoffmann noch Spiegelungen eines ungeteilten Ich, die dem Helden als Doppelgänger entgegentreten, so vollzieht Robert Louis Stevenson mit The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde 1886 die literarische Kemspaltung mit ungeahnten Folgen und Nachahmern in allen Gattungen der Kunst. Nur fünf Jahre später legt auch Oscar Wilde einen Fall von Persönlichkeitsspaltung vor, der jedoch kaum als solcher erkannt wird, da er im Gewand des Kunstmärchens verhüllt erscheint und von Gegnern als Machwerk des Ästhetizismus abgetan wird: The Fisherman and His Soul, Der Fischer und seine Seele, erschienen 1891 mit drei anderen Märchen Oscar Wildes in A House of Pomgranates, Ein Haus aus Äpfeln der Granate. Wilde erzählt die Geschichte eines Fischers, der aus Liebe zu einem Meermädchen seine Seele mit einem Messer satanischer Herkunft abschneidet und von sich weist. Das romantische Motiv der Liebe zwischen Mensch und Nymphenwesen, das auch Siegfried Wagner später behandelt (Banadietrich), erscheint hier in umgekehrter als der meist üblichen Konstellation: bei Wilde ist es der Mensch und nicht die Undine, der der Liebe ein quälendes Opfer bringt; zudem sind hier die Messerschmerzen von Andersens Kleiner Seejungfrau und das Opfer der Stimme zum Messerschnitt durch die Persönlichkeit geworden. „Und die Seele“, schreibt Wilde, „ging weinend über die Sümpfe davon.“219

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Anmerkungen

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