Advertisement

Baumarten und ihre Funktion in Siegfried Wagners Opern

Chapter
  • 24 Downloads

Zusammenfassung

Siegfried Wagners Oper Die heilige Linde führt in ihrem Titel, sozusagen als Titelheldin, eine Baumart. Opern mit einem Baum oder einer Baumart als Titelfigur sind — agronomisch gesprochen — dünn gesät; sie stehen — nach forstlicher Terminologie — in sehr weitem Pflanzverband. Richard Strauss’ Daphne (1938), an welche Opemkenner in diesem Zusammenhang zuerst denken mögen, gehört trotz des singenden Baumes in der Schlussszene nicht in diese Kategorie, denn Daphne ist der Eigenname der Nymphe, die von Apoll in den Lorbeerbaum — wissenschaftlich Laurus nobilis L. — verwandelt wird. Botanisch bezeichnet Daphne die Strauchgattung Seidelbast, deren häufigste einheimische Art Daphne mezereum L. im Vorfrühling allerdings so bezaubernd duftet wie Daphne singt. Auch Strauss’ Chorwerk An den Baum Daphne (1943) apostrophiert also den Eigennamen der verwandelten Nymphe. Als Opemtitel mit Bäumen zu nennen sind hingegen Christoph Willibald Glucks L’arbre enchantée (1759), Vicente Martin y Solers L’Arbore di Diana (1787), Attendez-moi sous l’orme von Vincent d’Indy (1882), Richard Kleinmichels Schloss de l’Orme (1883) oder Erik Bergmans Der singende Baum (1996). Nicht die Eiche oder die Tanne ist die in Opemtiteln am meisten verbreitete Baumart, sondern die Ulme, die wir aus Richard Strauss’ Uhland-Lied Die Ulme zu Hirsau (1899) gut kennen. Die ungewöhnliche Titelgebung der heiligen Linde kann einen Forstmann dazu verleiten, die Baumarten und ihre Funktion in Siegfried Wagners Opern zum Gegenstand einer Betrachtung zu machen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 149.
    Richard Wagner: Klavierlieder Sämtliche Werke, Band 17, hrsg. von Egon Voss., Mainz, 1976.Google Scholar
  2. 150.
    Richard Wagner: Die Musikdramen, mit einem Vorwort von Joachim Kaiser, Hamburg 1971, S. 692.Google Scholar
  3. 151.
    Erich Oberdorfer: Süddeutsche Pflanzengesellschaften, Teil 4: Wälder und Gebüsche, Jena, Stuttgart. New York 1992, S. 182–189.Google Scholar
  4. 153.
    Urs Glutz von Blotzheim: Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 13. Passeriformes, Wiesbaden 1993, S. 1097.Google Scholar
  5. 154.
    Richard Wagner: Kaisermarsch. in: Sämtliche Werke Band 18,III, hrsg. von Peter Jost, Mainz 1995. S. 119–164.Google Scholar
  6. 165.
    Gottfried Amann: Bäume und Sträucher des Waldes, Melsungen 1954, S. 199.Google Scholar
  7. 166.
    Engelbert Humperdinck: Hänsel und Gretel. Klavierauszug, Mainz 1894, S. 129.Google Scholar
  8. 172.
    Siegfried Wagner: Der Bärenhäuter. Leipzig 1898, S. 5.Google Scholar
  9. 173.
    Paul Seibert: Übersichtskarte der natürlichen Vegetationsgebiete von Bayern 1:500 000 mit Erläuterungen. Bad Godesberg 1968.Google Scholar
  10. 178.
    Siegfried Wagner: Rainulf und Adelasia. Bayreuth 1939, S. 44.Google Scholar
  11. 193.
    Richard Wagner: Theatermusik zum Schauspiel „Die letzte Heidenverschwörung in Preußen oder Der Deutsche Ritterorden in Königsberg“ von J. Singer, Jn: Sämtliche Werke. Band 15. hrse. von Eeon Voss. Mainz 1994. S. 177–179.Google Scholar

Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 2003

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations