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Staaten, Zivilgesellschaft und humanitärer Internationalismus: Ihr Zusammenwirken bei der Entstehung der Genfer Konvention für den Schutz von Kriegsverwundeten (1864)

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Part of the Neuere Medizin- und Wissenschaftsgeschichte book series (NMW, volume 20)

Zusammenfassung

Die Gründung der Rot-Kreuz-Bewegung in den Jahren 1863/1864 schreibt sich ein in zwei gegensätzliche Zeitströmungen, den Aufstieg der Realpolitik und den des Internationalismus, die in einem widersprüchlichen Wechselverhältnis zueinander standen. Der Schriftsteller Ludwig August von Rochau bezeichnete 1853 Realpolitik als die „Politik des Möglichen“, d.h. eine Politik der Staatsräson, die sich nicht an ethischen oder juristischen Normen orientiert, sondern die staatliche Ambitionen unter Inkaufnahme einer wohl kalkulierten Verletzung von Regeln verfolgt.1 Diese risikoreiche Politik erfuhr ihre Ausprägung im Krimkrieg sowie den Italienischen und den Deutschen Einigungskriegen, in denen die Kabinette die Öffentlichkeit bereits durch Appelle an das Nationalgefühl manipulierten.

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Anmerkungen

  1. 1.
    „[M]ögen die Ideen und Prinzipien […] noch so feierlich klingen […] der vernünftige Zweck der staatlichen Tätigkeit kann kein anderer sein, als […] der politische Erfolg”. Rochau, August Ludwig von: Grundsätze von Realpolitik, angewendet an den politischen Zuständen von Deutschland. Stuttgart 1853, S. 57.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. etwa Iriye, Akira: Cultural Internationalism and World Order. Baltimore, London 1997, S. 3; oder Ders.: Global Community: The Role of International Organizations in the Making of the Contemporary World. Berkeley, Los Angeles, London 2002, S. 10f.Google Scholar
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    Seit der Verleihung des ersten Friedensnobelpreises (1901), den er gemeinsam mit Frédéric Passy entgegennahm, wurde Dunant als „Schöpfer des Roten Kreuzes”, „Vorbild der Nächstenliebe”, „Genie der Menschlichkeit” oder auch „Held ohne Waffen” bezeichnet. Siehe Gumpert, Martin: Dunant: der Roman des Roten Kreuzes. Stockholm 1938; Gigon, Fernand: Henri Dunant: der Schöpfer des Roten Kreuzes, ein Vorbild der Nächstenliebe; ein Lebensbild nach bisher unveröffentlichten Quellen. Zürich 1942;Google Scholar
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  15. 16.
    Der neapolitanische Militärarzt Palasciano und der Franzose Arrault hatten bereits vor Erscheinen des Buches von Dunant dieses Prinzip gefordert. Siehe Riesenberger, Dieter: Das Deutsche Rote Kreuz: eine Geschichte, 1864–1990. Paderborn 2002, S. 30.Google Scholar
  16. 19.
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  17. 22.
    Zitat Engelberg, Ernst: Bismarck: Urpreuße und Reichsgründer. Berlin 1986, S. 508; vgl. ausführlicher zu von Roon, Heeresreform und Haushaltskonflikt die Ausführungen bei Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1800–1866: Bürgerwelt und starker Staat. 5. Auflage, München 1991, S. 750–757.Google Scholar
  18. 23.
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  19. 34.
    Wie Riesenberger zeigt, förderte die Rot-Kreuz-Bewegung bis zum Ersten Weltkrieg die Militarisierung der deutschen Gesellschaft. Aus sozialpsychologischer Perspektive mündete die Gründung der lokalen, provinzialen und der zentral-nationalen Rot-Kreuz-Gesellschaften, insbesondere die Übernahme der Schirmherrschaft durch das Königspaar in Preußen in eine Steigerung des Vertrauens in die Fürsorgefähigkeit der Monarchie und der Autoritäten für das Heer und eine Stabilisierung der gesellschaftlichen Rollenverteilung zwischen Monarchie, Adel, Großbürgertum und dem aus dem mittleren und einfacheren Bürgertum und aus der Arbeiterschaft sich rekrutierenden freiwilligen Helferinnen und Helfer. Vgl. Kapitel über das DRK im Kaiserreich bei Riesenberger, Dieter: Das Deutsche Rote Kreuz. Paderborn 2002, S. 28–123.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  1. 1.Département d’histoire généraleUniversité de GenèveGenèveSchweiz

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