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Geschichte und Erfahrung

Chapter
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Part of the Geschichte und Psychologie book series (GESCHPS, volume 12)

Zusammenfassung

Ich möchte mit einer Erfahrung beginnen,1 die geschichtlich in zahllosen Varianten dokumentiert ist und darüber hinaus jedem von uns in der einen oder anderen Weise vertraut sein dürfte. Es geht ums Stehlen, um Diebstähle, über die jeder etwas sagen könnte, auch ohne selbst je Dieb gewesen zu sein. In den berühmten Confessiones von Augustinus finden wir dazu folgenden Bericht:

„Und ich, ich wollte einen Diebstahl begehen und beging ihn, von keiner Not gedrungen, nur vom Mangel und Überdruss am Gutsein und vom feisten Behagen am Bösen. Denn was ich stahl, davon besaß ich selbst im Überfluss und noch viel besser. Ich wollte mich ja auch gar nicht an der Beute letzen, auf die ich beim Stehlen ausging, sondern allein an der Dieberei und der Sünde.

Ein Birnbaum stand in der Nähe unseres Weinbergs, schwer mit Früchten beladen, die aber nichts Verlockendes hatten, weder nach Aussehen noch Geschmack. Wir Bürschchen, eine Bande von Taugenichtsen — es war schon tief in der Nacht, und so lang hatten wir uns nach übler Gewohnheit auf den Spielplätzen herumgetrieben — zogen los, den Baum zu schütteln und die Beute fortzuschaffen, Birnen, die schwere Menge, schleppten wir weg — nicht für den Verzehr, denn höchstens den Schweinen wollten wir sie hinwerfen —, und wenn wir einiges davon aß en, so taten wir’s, nur damit wir etwas täten, was eine Lust ist, weil es nicht erlaubt ist.

Ja, so war mein Herz, Gott, Du weiß t es, so war mein Herz, dessen Du in der Tiefe seines Abgrunds Dich erbarmt hast. Siehe, nun soll dieses Herz Dir auch sagen, was es dabei suchte: dass ich um nichts und wieder nichts schlecht war, meine Bosheit eben nur die Bosheit zum Grunde hatte. Abscheulich war sie, und ich liebte sie; ich liebte es, zu verkommen, ich liebte meine Sünde: nicht das, wonach ich in der Sünde griff, sondern mein Sündigen selbst. Schändliche Seele! Von dem festen Grunde, der Du bist, sprang sie ab ins reine Nichts; denn nicht ein Etwas begehrte sie, ob auch schändlicherweise, sondern das Schändliche selbst.“2

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Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 2004

Authors and Affiliations

  1. 1.Technischen Universität BerlinDeutschland

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