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Das Brot und der Himmel

Zwei deutsche Spielfilme als historische Quellen der frühen Nachkriegszeit
  • Detlef Endeward
  • Peter Stettner
Chapter
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Part of the Geschichtsdidaktik book series (GSMNF)

Zusammenfassung

Die Nutzung von Spielfilmen für historisches Lernen ist sicher abhängig vom Vorverständnis über eben dieses Lernen. Wenn historisches Lernen als ein »fundamentaler und elementarer Prozeß der menschlichen Lebenspraxis«1, der Identitätsbildung begriffen wird, können sich Lernprozesse nicht in der Vermittlung von Wissen erschöpfen, sondern müssen so strukturiert werden, daß historisches Lernen auch als elementarer Prozeß für die gegenwärtige Lebenspraxis und Handlungsfähigkeit erfahrbar wird. Zu einer solchen Handlungsfähigkeit trägt in großem Maße die Entwicklung und Ausprägung von Geschichtsbewußtsein bei. Damit ist gemeint, daß die Fähigkeit ausgebildet wird, die prinzipielle Differenz von Vergangenem und Gegenwärtigem wahrzunehmen, die Gegenwart als etwas Gewordenes und damit Veränderbares zu begreifen und über die Beschäftigung mit dem Vergangenen Grundlagen für das Verständnis des Gegenwärtigen zu erwerben. Geschichtsbewußtsein wird so zu einer zentralen Kategorie für historisches Lernen.2 Die Auseinandersetzung mit dem Bewußtsein der Menschen von sich selbst und von der Gesellschaft, in der sie leben bzw. lebten, erhält dann aber auch einen großen Stellenwert als Gegenstand des Lernens.

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Literatur

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    Die hier verwendeten Begriffe stammen aus dem Kontext der Literatur zur Filmanalyse. Es gibt verschiedene Ansätze für eine systematische Filmanalyse. Vgl. zum Überblick: Thomas Kuchenbuch, Filmanalyse. Theorien, Modelle, Kritik, Köln 1978. Eine wesentliche Gemeinsamkeit haben sie darin, daß sie verschiedene Untersuchungsfelder differenzieren, die jeweils analytisch zu bearbeiten sind. Helmut Körte nennt sie z. B. Analysedimensionenen: Bedingungsrealität, Bezugsrealität, Filmrealität und Wirkungsrealität. Bodo v. Borries differenziert in Produkt-, Bedingungs- und Wirkungsanalyse, die er in einer Synthese zusammenführt. Vgl.: Helmut Körte, Kunstwissenschsft — Medienwissenschaft. Methodologische Anmerkungen zur Filmanalyse, in: Helmut Korte/Johannes Zahlten (Hg.), Kunst und Künstler im Film. Schriftenreihe der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Neue Folge, Bd. 1, Hameln 1990, S. 21–42. Bodo von Borries, Geschichte im Spiel- und Dokumentarfilm. Fach- und mediendidaktische Überlegungen. In: Medien und Kommunikation als Lernfeld. Schriftenreihe der Bundsezentrale für politische Bildung, Bd. 236, Bonn 1986, S. 211–243. Für die praktische Arbeit in der Schule ist es wichtig, daß bewußt bleibt, daß diese Dimensionen oder Felder einen Zusammenhang bilden, ein komplexes medienvermitteltes Kommunikationsverhältnis, das in seiner Totaliät nicht bearbeitet werden kann. Auch daraus folgt die Notwendigkeit, eine klare Schwerpunktsetzung vorzunehmen.Google Scholar

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© Centaurus Verlag & Media UG 1995

Authors and Affiliations

  • Detlef Endeward
  • Peter Stettner

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