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Industriebilder — Bilder der Industriearbeit?

Industrie- und Arbeiterphotographie von der Jahrhundertwende bis in die 1930er Jahre
  • Alf Lüdtke
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Part of the Geschichtsdidaktik book series (GSMNF)

Zusammenfassung

In seiner kleinen Geschichte der Photographie, die 1931 in der »Literarischen Welt« veröffentlicht wurde, zitierte Walter Benjamin zustimmend den Theater-Autor Bertolt Brecht. Brecht hatte sich scharf gegen die verbreitete Illusion gewandt, Photographie zeige die Wirklichkeit: »Die ›einfache Wiedergabe der Realität‹ sagt [weniger denn je] etwas über die Realität aus.« Brecht war noch konkreter geworden: »Eine Photographie von Krupp oder der AEG ergibt beinahe nichts über diese Institute.« Und das heiße: »Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht. Die Verdinglichung der menschlichen Beziehungen, also etwa die Fabrik, gibt die letzteren nicht mehr heraus.«2 Benjamin unterstrich mit diesem Zitat seine Forderung, der Beliebigkeit eines grassierenden »photographischen Schöpfertums« entgegenzutreten. Dieses »Schöpfertum« zeige sein »wahres Gesicht … in Reklame und Assoziation«. Diese Bilder wirkten durch »Reiz und Suggestion«; not täten jedoch »Experiment und Belehrung«. Der Verführungskraft von Bildern könne man nur entgegentreten, wenn der Augensinn nicht unvermittelt befriedigt werde. Vielmehr müsse akzeptiert und gezeigt werden, daß und wie Bilder konstruiert seien. Oder mit Brecht: Bilder müßten »gestellt« werden. Allein mit ausdrücklicher Konstruktion von Bilderwelten würden diese jener unvermittelten sinnlichen Attraktion beraubt, die für Benjamin jede Fähigkeit zu reflektierter Einsicht lähmte.

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Literatur

  1. 2.
    Walter Benjamin, Kleine Geschichte der Fotografie (1931), in: W. Benjamin, Gesammelte Schriften, Bd. II/1, Frankfurt a. M. 1977, 368–385, 383 f.; das Brecht-Zitat bei Bertolt Brecht, Der Dreigroschenprozeß, in: B. Brecht, Gesammelte Werke. Bd. VIII, Frankfurt a. M. 1967, 139–209, das Zitat: 161f.Google Scholar
  2. 3.
    Vgl. Eisen und Stahl. 97 Photos von Albert Renger-Patzsch. Berlin 1931, [Geleitwort, o. S.]. Dieser Band war herausgegeben vom »Deutschen Werkbund«; zu den Zielen, handwerkliches Können und auf Funktionalität bezogenes Design für die industrielle Produktion zu propagieren, vgl. Friedrich Naumann, Deutsche Gewerbekunst. Eine Arbeit über die Organisation des deutschen Werkbundes. Berlin-Schöneberg 1908 und die Untersuchung von Joan Campbell, Der deutsche Werkbund 1907–1934, Stuttgart 1981Google Scholar
  3. 4.
    Vgl. für die Frühe Neuzeit Wolfgang Harms, Deutsche Illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts, Bde. III, Tübingen 1985 ff; Peter Burke, Ludwig XIV. Die Inszenierung des Sonnenkönigs, Berlin 1993.Google Scholar
  4. 5.
    In der Photographie würden sich die Menschen »gleichsam selbst wiedergeben«, so der Pariser Medizinprofessor Alfred Donné 1845, vgl. Andreas-Holger Maehle, Zielsetzungen und erste Anwendungsbereiche der medizinischen Photographie im 19. Jahrhundert, in: Photomed 2 (1989), 137–148, 137; »photographische Aufnahmen« korrigierten »subjektive Auffassungen« über die Zustände der Dinge und der Menschen »am allerbesten«, so Gustav Fritsch, Praktische Anleitung für die Verwendung zweier dem Reisenden wichtigen technischen Hülfsmittel: Das Mikroskop und der photographische Apparat (1875), zit. nach: Thomas Theye, »Wir wollen glauben, nicht schauen«. Zur Geschichte der ethnographischen Fotografie im deutschsprachigen Raum im 19. Jahrhundert, in: Ders. (Hg.), Der geraubte Schatten. Photographie als ethnographisches Dokument. Ausstellungskatalog, München 1989, 60–119, 89. Vgl. dort auch zur Plausibilität, welche die Photographie über Klassen-, Standes- und Generationen- (aber wohl auch Geschlechter-)Grenzen hinweg fand. Krankheitsbilder, Bilder von Kriminellen oder von »Fremden«, aber auch von fernen Regionen oder Bauwerken galten als weit aussage- und beweiskräftiger als bloße Schrifttexte.Google Scholar
  5. 6.
    Für die Zusammenhänge von Landschafts- und Denkmalgestaltung besonders eindrücklich Jörg Traeger, Der Weg nach Walhalla, 2. Aufl., Regensburg 1991; vgl. auch Wolfgang Hardtwig, Nationsbildung und politische Mentalität. Denkmal und Fest im Kaiserreich, München 1990, 264–301; zur öffentlichen Inszenierung zweidimensionaler Bilder Stephan Oettermann, Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt a. M. 1980; Sehsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts, Ausstellungskatalog, Bonn 1993; Dagmar Kift (Hg.): Kirmes — Kneipe — Kino. Arbeiterkultur im Ruhrgebiet zwischen Kommerz und Kontrolle (1850–1904), Paderborn 1992; zu einem Sektor eines lokalen Bilder-›Kosmos‹, den Plakaten in Frankfurt am Main, vgl. den Katalog des örtlichen Museumsbestandes: Viktoria Schmidt-Linsenhoff u.a., Plakate 1880–1914, Frankfurt a. M. 1986; für die Plakat-, Anzeigenwie Schaufensterwerbung s. Dirk Reinhardt, Von der Reklame zum Marketing. Geschichte der Wirtschaftswerbung in Deutschland, Berlin 1993; für die industrielle Formgebung (und Werbung) Gert Seile, Design-Geschichte in Deutschland, Köln 1987; zu gedruckten oder vervielfältigten Medien: Hartwig Gebhardt, Die Pfennig-Magazine und ihre Bilder, in: Rolf Wilhelm Brednich, Andreas Hartmann (Hg.), Populäre Bildmedien, Göttingen 1989, 19–41; Theodor Kohlmann (Bearb.), Neuruppiner Bilderbogen, Katalog, Berlin 1981; seit den 1890er Jahren wurden Sammelbilder verbreitet und gesammelt, die von »Landschaften« über die »Entwicklung der Artillerie« bis zu »Himmelsgelichter« enzyklopädische Einblicke bzw. Bildansichten ähnlich denen der (großformatigen) Bilderbogen versprachen, vgl. Dorle Weyers, Christoph Köck, Die Eroberung der Welt. Sammelbilder vermitteln Zeitbilder, Detmold 1992, bes. 8ff; bisher häufig übersehen die »Wandbilddrucke«. Vgl. Christa Pieske, Bilder für jedermann. Wandbilddrucke 1840–1940, München 1980.Google Scholar
  6. 7.
    Dazu Bernd Hüppauf, The Emergence of Modern War Imagery in Early Photography, in: History & Memory 5 (1993), 130–151.Google Scholar
  7. 8.
    Henning Rogge, Fabrikwelt um die Jahrhundertwende: am Beispiel der AEG-Maschinenfabrik in Berlin-Wedding, Köln 1983. 136ff; ein Werksphotograph war am 1.4. 1898 eingestellt worden, ebda., 22; Fried. Krupp AG Essen-Ruhr 1812–1912 [Essen 1912], 77–119.Google Scholar
  8. 10.
    Das Beispiel der AEG sollte allerdings nicht generalisiert werden. Peter Behrens erhielt weitreichende Kompetenzen. Aber zugleich blieb dies eine Ausnahme, und als er diese Tätigkeit 1914 aufgab, wurde kein Nachfolger eingestellt, vgl. Tilmann Buddensieg, Peter Behrens und die AEG. 2. Aufl., Berlin 1980. Vorstellungen über angemessene Präsentation hatten auch einen internationalen Horizont, in dem insbesondere US-amerikanische Beispiele wichtig waren, vgl. David E. Nye, Image Worlds. Corporate Identities and General Electric, 1890–1930, Cambridge, Mass.-London 1985.Google Scholar
  9. 11.
    Eine, wenn nicht im deutschsprachigen Raum bzw. in Deutschland die erste professionelle Photographin, die sich auf das Photographieren von Industriearbeit konzentrierte, war Ruth Hallensleben. Sie begann Mitte der dreißiger Jahr mit ihrer Arbeit, vgl. Klaus Kunekath-Spahn/Ursula Peters, »Auch Frauen schaffen die harte Arbeit…«. Aspekte zur Kolonisierung der Frauenarbeit in der Industrie, in: Ruth Hallensleben, Frauenarbeit in der Industrie, Fotografien aus den Jahren 1938–1967, hg. von Ursula Peters, Berlin 1985, 146. Als Reportagejournalistin nutzte die Schweizerin Annemarie Schwarzenbach in ihren sozial-kritischen Berichten aus den USA der 30er Jahre Schrift und die Photographie, vgl. Roger Perret, Nachwort, in: Annemarie Schwarzenbach, Jenseits von New York. Ausgewählte Reportagen, Feuilletons und Fotografien aus den USA 1936–1938, Basel 1992, 159–184; vgl. auch die Arbeiten von Hansel Mieth, die ab 1937 für »Life« arbeitete und dort sozial-dokumentarische Aufnahmen veröffentlichte, die ähnlich wie bei Schwarzenbach sehr von der FSA-Photographie der Walker Evans und Dorothea Lange angeregt war.Google Scholar
  10. 12.
    Photo und Geschichte der Aufnahme in Wolfgang Ruppert, Die Fabrik. Geschichte von Arbeit und Industrialisierung in Deutschland, München 1983, 108. Die Erstveröffentlichung als Lithographie in: Krupp’sche Mitteilungen 2 (1911) No. 11, 1.Google Scholar
  11. 16.
    Dazu Paul Göhre, Drei Monate Fabrikarbeiter und Handwerksbursche, Leipzig 1891, 76.Google Scholar
  12. 17.
    Dazu Heinrich Popitz/Hans Paul Bahrdt/E.A. Jüres/H. Kesting, Technik und Industriearbeit. Soziologische Untersuchungen in der Hüttenindustrie, Tübingen 1976, 54 ff, bes. 60 ff.Google Scholar
  13. 18.
    Die Glasplatten haben das Format 8x13. — Zur Firmengeschichte, nicht zuletzt zum Verkauf der Lokomtivenfertigung an Henschel, Kassel 1931, vgl. W. Daebritz/Erich Metzeltin, Hundert Jahre Hanomag, Düsseldorf 1935.Google Scholar
  14. 19.
    Vgl. zu dieser Klassifizierung von Arbeitspraxen und Arbeitserfahrungen Heinrich Popitz u.a. Technik und Industriearbeit, 156 ff.; vgl. Horst Kern, Michael Schumann, Industriearbeit und Arbeiterbewußtsein. Eine empirische Untersuchung über den Einfluß der aktuellen technischen Entwicklung auf die industrielle Arbeit und das Arbeiterbewußtsein, Tl. I, Frankfurt-Köln 1970, 75 ff., 81 ff., 135.Google Scholar
  15. 21.
    Vgl. Alf Lüdtke, Arbeitsbeginn, Arbeitspausen, Arbeitsende — Skizzen zu Bedürfnisbefriedigung und Industriearbeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert (1980), in: Ders., Eigen-Sinn, Hamburg 1993, 85–119 sowie Ders., »Ehre der Arbeit«: Industriearbeiter und Macht der Symbole. Zur Reichweite symbolischer Orientierungen im Nationalsozialismus, in: Ebda., 283–350, 322ff.Google Scholar
  16. 22.
    Alf Lüdtke, »Deutsche Qualitätsarbeit«, »Spielereien« am Arbeitsplatz und »Fliehen« aus der Fabrik: Industrielle Arbeitsprozesse und Arbeiterverhalten in den 1920er Jahren — Aspekte eines offenen Forschungsfeldes, in: Friedhelm Boll (Hg.): Arbeiterkulturen zwischen Alltag und Politik, Wien u.a. 1986, 155–197; zu den Veränderungen und Management-Strategien am Beispiel der Elekrtoindustrie, und besonders der Firma Siemens, vgl. Heidrun Homburg, Rationalisierung und Industriearbeit; zur Automobilproduktion vgl. Anita Kugler, Von der Werkstatt zum Fließband. Etappen der frühen Automobilproduktion in Deutschland, in: Geschichte und Gesellschaft 13 (1987), 304–340, bes. 329 ff; Alf Lüdtke, Arbeitsbeginn, Arbeitspausen, Arbeitsende — Skizzen zu Bedürfnisbefriedigung und Industriearbeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert, in: Gerhard Huck (Hg.), Zur Sozialgeschichte der Freizeit, Wuppertal 1982, 95–122; vgl. auch Lothar Machtan, Zum Innenleben deutscher Fabriken im 19. Jahrhundert. Die formelle und die informelle Verfassung von Industriebetrieben anhand von Beispielen aus dem Bereich der Textil- und Maschinenbauproduktion (1869–1891), in: Archiv für Sozialgeschichte 21 (1981), 179–236. — Nicht erforscht ist die »folklore of steel« und, vor allem, die »crimelore« von Fabrikbzw. (so hier) Stahlarbeitern, vgl. Richard M. Dorson, Land of the Millrats, Cambridge, Mass. 1981.Google Scholar
  17. 23.
    Die Plakate der auf Betreiben der Berufsgenossenschaften gegründeten »Unfallverhütungsbild«-GmbH wurden gedruckt und dann an alle Firmen verteilt, Reprographievorlagen gingen an die Redaktion von Werkszeitschriften. Diese Plakate sind zu einem erheblichen Teil archiviert beim Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, St. Augustin: »Alte Unfallverhütungsbilder«, zwei Mappen. Veröffentlicht bzw. genutzt wurden sie insbesondere von und in den Werkzeitschriften. Ich danke Herrn Gillo vom Hauptvorstand der gewerblichen Berufsgenossenschaft für hilfreiche Unterstützung. Vgl. auch Reichsarbeitsverwaltung (Hg.), Das Arbeiterschutzbüchlein der Reichsarbeitsverwaltung, Berlin 1926 (zur Reichsgesundheitswoche); hier sind den oktavformatigen Plakat-Wiedergaben vielfach Sinnsprüche beigegeben, z. B. bei dem Plakat »Schütze dich selbst! Trage enganliegende Kleidung!« hieß es: »Maschinenteil, der sich bewegt,/Greift nicht, wenn engen Rock man trägt.«, ebda., 9. — Photos zu diversen Schutzmaßnahmen an den Maschinen wurden ca. Mitte der 1920er Jahre auf oktavformatigen Einzelblättern, als »Sammlung bewährter Arbeits und Schutzvorrichtungen«, von der Maschinenbau- und Kleineisenindustrie-Berufsgenossenschaft in Düsseldorf herausgebracht; zu neun verschiedenen Bereichen wurden insgesamt 79 Photos zusammengestellt (die meisten, zum »Schutz an Maschinen und Triebwerken« und zum »Schutz an Arbeitsmaschinen«, 21 bzw. 23).Google Scholar
  18. 28.
    Im »Albert Renger-Patzsch Archiv« (Zülpich-Mülheim) gibt es zu solchen Einzelaufträgen offenbar nichts, vgl. Brief von Jürgen Wilde vom 30. Mai 1987; die Archivbestände der Hanomag scheinen im Zuge der mehrfachen Besitzerwechsel der 1980er Jahre vernichtet worden zu sein; aber auch im Historischen Archiv Krupp sind zu derartigen Aufträgen offenbar keine Unterlagen erhalten, vgl. aber die Reproduktionen in »Eisen und Stahl«, 25, 29 und 35 (Krupp) sowie 34 und 79–82 (Hanomag). — Von Renger-Patzsch auch: Die Welt ist schön, München 1928; vgl. zur widersprüchlichen Resonanz darauf die biographische Skizze von Ann und Jürgen Wilde in: Ann und Jürgen Wilde (Hg.), Ruhrgebiet-Landschaften 1927–1935, Köln 1982, 170–176, 172f. sowie die knappen Hinweise bei Van Deren Coke, Avantgarde Fotografie in Deutschland 1919–1939, München 1982, 22–24. — Hier wäre auch an August Sander zu denken. Er konzentrierte sich in seiner Photographie ganz auf Personen. Für Alfred Döblin war er (im Vorwort zu Sanders »60 Aufnahmen deutscher Menschen«, die er 1929 herausbrachte) ein »Anhänger des Realismus«. Döblin: Wenn die »Realisten« etwas photographieren, »siehe da, so sind es nicht ähnliche Bilder, bei denen man bestimmt und leicht den Herrn X oder die Frau Y erkennt, sondern man erkennt und soll erkennen auf diesen Bildern«, August Sander, Von Gesichtern, Bildern und ihrer Wahrheit, in: Ders., Antlitz dieser Zeit (1929), ND München 1976, 13 ff. Keine der 60 Aufnahmen dieses Bandes zeigte übrigens einen Industriearbeiter oder eine -arbeiterin; allerdings waren eine »Arbeiterfamilie« (Bild 19), ein (Bau-)»Handlanger«, ein »Berliner Kohlenträger 1929« sowie ein »Abgebauter Seemann« und ein »Arbeitslos. 1928« enthalten.Google Scholar
  19. 30.
    Joachim Büthe u.a., Der Arbeiter-Fotograf. Dokumente und Beiträge zur Arbeiterfotografie 1926–1932, Köln 1977, 147; s. auch 105.Google Scholar
  20. 32.
    Vgl. zu den Eigenheiten und Phasen der Industriephotographie den konzisen Überblick bei Reinhard Matz, Industriefotografie. Aus Firmenarchiven des Ruhrgebiets, Essen 1987; Materialgrundlage ist die micro-fiche-Katalogisierung zahlreicher Photo-Bestände aus Unternehmensarchiven des Rhein-Ruhrgebietes der »Fotografischen Sammlung/Museum Folkwang, Essen«.Google Scholar
  21. 35.
    Vgl. dazu Diethart Kerbs u.a. (Hg.), Die Gleichschaltung der Bilder. Pressefotografie 1930–36, Berlin 1983.Google Scholar
  22. 36.
    Vgl. auch Rudolf Schwarz, Wegweisung der Technik. Mit Bildern nach Aufnahmen von Albert Renger-Patzsch, Potsdam o. J. [1928]; Franz Kollmann, Schönheit der Technik. München 1928.Google Scholar
  23. 37.
    Vgl. dazu auch Text-Bildbände, die von Verlagen oder auch Kommunen bzw. Kommunalverbänden angeregt oder auch finanziert wurden, z. B. M. P. Block, Der Gigant an der Ruhr, Berlin 1928; von den 304 Photographien, die der Band enthielt, zeigten 29 Industriegebäude oder — werke, zumindest rauchende Schlote — davon rückten nur fünf Arbeiter in den Mittelpunkt.Google Scholar
  24. 39.
    Gottfried Korff, Rote Fahnen und Tableaux Vivants. Zum Symbolverständnis der deutschen Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert, in: Albrecht Lehmann (Hg.), Studien zur Arbeiterkultur, Münster 1984, 103–140; Gottfried Korff, Rote Fahnen und geballte Faust. Zur Symbolik der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik, in: Dietmar Petzina (Hg.), Fahnen, Fäuste, Körper. Symbolik und Kultur der Arbeiterbewegung, Essen 1986, 27–60; Alf Lüdtke, Trauerritual und politische Manifestation. Zu den Begräbnisumzügen der Sozialdemokratie im frühen Kaiserreich, in: Bernd Jürgen Warneken (Hg.), Massenmedium Straße. Frankfurt a.M.-New York 191, 120–148; vgl. auch Martin Scharfe, Wandbilder in Arbeiterwohnungen. Zum Problem der Verbürgerlichung, in: Zeitschrift für Volkskunde 77 (1981), 17–36.Google Scholar
  25. 40.
    Vgl. Babette Groß, Willi Münzenberg. Eine politische Biografie, Leipzig 1991, bes. Kap V.Google Scholar
  26. 41.
    Heinz Willmann, Geschichte der Arbeiter-Illustrierten Zeitung 1921–1938, Berlin 1974. — Von den großen Illustrierten des »bürgerlichen« Lagers verkauften nur die »Berliner Illustrierte Zeitung« und die »Münchner Illustrierte« weit mehr Exemplare, jeweils zwischen 700 000 und 1,5 Millionen. Zu den Zahlen der (verkauften) Auflagen vgl. Wilhelm Marckwardt, Die Illustrierten der Weimarer Zeit, München 1982, 70, 77. Zu den Bilderwelten und Visualisierungsstrategien der bzw. in den Illustrierten der 20er Jahre Walter Uka, Bildjournalismus zwischen Widerborstigkeit und Anpassung. Am Beispiel der »Berliner Illustrierten Zeitung« und des »Welt-Spiegels« in den Jahren 1932 und 1933, in: Kerbs, (Hg.), Die Gleichschaltung der Bilder, 102–121.Google Scholar
  27. 42.
    Zur »Mobilität der neuen Sichtweise« vgl. Bernd Busch, Belichtete Welt. Eine Wahrnehmungsgeschichte der Fotografie, München 1989, 350ff.; Wieland Herzfelde, John Heartfield, 2. Aufl., Dresden 1988.Google Scholar
  28. 44.
    Bernd Hüppauf, Kriegsfotografie und die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, in: Barbara Naumann (Hg.), Vom Doppelleben der Bilder. Bildmedien und ihre Texte, München 1993, 29–50, bes. zur gleichzeitigen Bedeutung stereotyper Bilder und Perspektiven als einerseits »Reizschutz« und andererseits Erleichterung der Nutzungsmöglichkeit solcher schematisierten Bilder für die Pragmatik des Krieges; s. auch Bodo von Dewitz, Schießen oder fotografieren? Über fotografierende Soldaten im Ersten Weltkrieg, in: Fotogeschichte 12 (1992) H. 43, 49–60.Google Scholar
  29. 45.
    Dazu Diethart Kerbs, Die Fotopostkarte als aktuellstes Bildmedium während der Revolution 1918/19, in: Die Revolution und Fotografie. Berlin 1918/19, Berlin 1989, 203–210 und Rudolf Herz/Dirk Halfbrodt, Revolution und Fotografie, München 1918/19, Berlin 1988, 43–72; vgl. Reiner Diederich, Richard Grübling, Max Bartholl, Die rote Gefahr. Antisozialistische Bildagitation 1918–1976, Hamburg 1976, Kap. 1 und 2.Google Scholar
  30. 46.
    Detlef Lehnert/Klaus Megerle, Politische Identität und nationale Gedenktage. Zur politischen Kultur in der Weimarer Republik, Opladen 1989; Detlef Lehnert/Klaus Megerle, Politische Teilkulturen zwischen Integration und Polarisierung. Zur politischen Kultur in der Weimarer Republik, Opladen 1990; zur medialen Seite vgl. vor allem auch Gerhard Paul, Aufstand der Bilder, Bonn 1990; Paul unterschätzt freilich die visuelle Dimension in seiner (sonst überzeugenden) Plakatanalyse; Fragen der Wirkung des »modernen« Mediums, also von Photographie und Film, bleiben zu sehr am Rande.CrossRefGoogle Scholar
  31. 47.
    Ernst Friedrich, Krieg dem Kriege (1924), Frankfurt a. M. 1991.Google Scholar
  32. 49.
    Vgl. Karl Marx, Das Kapital, Bd. 1 (1867/1890), Berlin/DDR 1965, 192: Arbeit als »ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert«.Google Scholar
  33. 50.
    Ein — gewiß punktuelles — Zeugnis solcher Vorstellungen gibt auch eine Sammlung mit Texten, die als Lesebuch für Erwachsene gedacht war: Hermann Pankow, Vom Felde der Arbeit. Eine Auswahl von Erzählungen, Schilderungen, Gedichten und Urteilen aus Heimat und Fremde, Leipzig 1920.Google Scholar
  34. 51.
    Anon., Voraussetzungen für deutsche Qualitätsarbeit, in: Gewerkschafts-Zeitung 37 (1927), Nr. 38 (17. Sept. 1927), 525–527.Google Scholar
  35. 53.
    Vgl. Wulf Erdmann, Klaus-Peter Lorenz, Die grüne Lust der roten Touristen. Das fotografierte Leben des Arbeiters und Naturfreundes Paul Schminke (1888–1966), Hamburg 1985; Archiv der Arbeiterjugendbewegung Oer-Erkenschwick (Hg.). Bilder der Freundschaft, Münster 1988.Google Scholar
  36. 54.
    Die Herausgeber des »Arbeiter-Fotografen« — der Fachzeitschrift der kommunistisch-sozialistischen Arbeiterphotographen — forderten unausgesetzt »nicht-bourgeoise« Perspektiven. Einer der prominentesten und besonders aktiven Förderer der Arbeiterphotographie, Edwin Hoernle, schrieb wütende Artikel gegen »bourgeoisen Portrait-Kitsch«, vgl. Hoernle, Das Auge des Arbeiters (1930), in: Theorie der Fotografie II. 1912–1945, München 1979, 224–227. Als besonders üble Beispiele erwähnte er Bilder von Arbeitern, die in ihrem Sonntagsanzug steckten; er erregte sich aber auch über Bilder, die »sentimentale Familien« zu zeigen schienen. So sehr führende »Arbeiter-Fotografen« die vorherrschenden Sichtweisen bzw. Stilisierungen von Individuum und Familie kritisierten — so wenig forderten oder förderten sie alternative Perspektiven auf die Industrie.Google Scholar
  37. 58.
    Generell (und unkritisch) dazu Richard Hiepe, Riese Proletariat und große Maschinerie. Zur Darstellung der Arbeiterklasse in der Fotografie von den Anfängen bis zur Gegenwart, Erlangen 1983; diese Sichtweise beherrschte insbesondere die Sowjetische Photographie seit den späteren 1920er Jahren, vgl. Sowjet Photography, Moskau 1939; S. Morosow u.a. (Hg.): Sowjetische Fotografen 1917–1940. Leipzig 1980; vgl. auch Rosalinde Sartorti, Pressefotografie und Industrialisierung in der Sowjetunion: Die Pravda 1925–1933, Berlin/Wiesbaden 1981. Diese Darstellungen berücksichtigen veröffentlichte Abbildungen. Nicht veröffentlichte Abbildungen lassen die Sichtweisen erkennen, die kommerziell oder politisch nicht akzeptabel schienen. In Deutschland gehörten dazu die Fotografien von Walter Ballhause. Seine Aufnahmen von Arbeitern und vor allem auch von Erwerbslosen um 1930 zeigten die »Klasse« nicht in ähnlicher Weise als »schlafenden Giganten«, wie die Aufnahmen, die z.B. in der AIZ gebracht wurden, vgl. Walter Ballhause/Johannes R. Becher, Überflüssige Menschen. Leipzig 1981.- Daneben bleibt zu beachten, daß es ein breites Feld von Industriephotographie gab, in der nicht Menschen, sondern Geräte und Produkte der einzig angemessene Gegenstand erschienen: oben erwähnt wurden Renger-Patzsch und Ruth Hallensleben; vgl. für die Präsentation von Technik in jener Romatisierung, die mit der »neuen Sachlichkeit« verbunden war, in den 1930er und 1940er Jahren auch Jakob Tuggener, Fabrik. Ein Bildepos der Technik, Erlenbach-Zürich 1943 (diesen Hinweis verdanke ich Michael Mende/Braunschweig) sowie insgesamt die Verbindung von Design und Präsentation von Wirklichkeit, die sich mit dem Schlagwort der »streamlined decade« und (dem Wunschbild von) »Amerika« verband, dazu Donald J. Bush, The Streamlined Decade, New York 1975.Google Scholar
  38. 59.
    Dazu Chup Friemert, Produktionsästhetik im Faschismus. Das Amt »Schönheit der Arbeit« von 1933 bis 1939, München 1980; Eberhard Heuel, Der umworbene Stand. Die ideologische Integration der Arbeiter im Nationalsozialismus 1933–1935, Frankfurt-New York 1989.Google Scholar
  39. 62.
    Vgl. auch Uwe Westphal, Werbung in Dritten Reich, Berlin 1989; als ein Beispiel der zahlreichen Ausstellungen über deutsches Gewerbe, deutschen Fleiß etc., die vor allem 1934 und 1935 veranstaltet wurden (dazu Westphal, 77), die Ausstellung »Deutsches Volk — Deutsche Arbeit«, die in Berlin vom 21. April bis zum 3. Juni 1934 gezeigt wurde, vgl.: Amtlicher Führer durch die Ausstellung Deutsches Volk — Deutsche Arbeit, o.O, o. J. [Berlin 1934].Google Scholar
  40. 63.
    Vgl. Josef Winschuh, Industrievolk an der Ruhr. Aus der Werkstatt von Kohle und Eisen, Oldenburg/Berlin 1935; Peter Schirmbeck, Adel der Arbeit. Der Arbeiter in der Kunst der NS-Zeit. Marburg 1984; vgl. Krupp. Zeitschrift der Kruppschen Betriebsgemeinschaft, ab Jg. 25 (1933/34), z.B. 30 (1938/39), 161 ff, 273; Bilder reflektierten auch verbale bzw. schriftliche Präsentationen — und umgekehrt, vgl. die Text-Bilder-Bücher von Heinrich Hauser, Opel, ein deutsches Tor zur Welt, Frankfurt 1937; Heinrich Hauser, Im Kraftfeld von Rüsselsheim, München 1940 — dazu Thomas Lange, Literatur des technokratischen Bewußtseins. In: Lili. Zeitschift für Literaturwissenschaft und Linguistik. H. 40 (1989), 52–81, 61 ff.Google Scholar
  41. 65.
    Insofern erwiese sich die Lesart, die Pierre Bourdieu u.a. vorgeschlagen haben, als zu eindimensional. Denn nicht allein das Faktum, daß in Photoposen soziale geprägte Stereotype ›vorgezeigt‹ werden, sondern die vielfach individuell nuancierte Art und Weise, in und mit der sie eingesetzt oder auch benutzt (und damit relativiert oder ausmanövriert) werden, ist einzubeziehen, sollen die »sozialen Gebrauchsweisen« der Photographie erschlossen werden, vgl. aber Pierre Bourdieu u.a., Eine illegitime Kunst. Die sozialen Gebrauchsweisen der Photographie, Frankfurt a. M. 1981 (Paris 1965), 56 f., bes. 101 ff.Google Scholar

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  • Alf Lüdtke

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