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Mittelalterliche Darstellungen von Gelehrten

  • Andrea von Hülsen-Esch
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Part of the Geschichtsdidaktik book series (GSMNF)

Zusammenfassung

Bilder als Vermittler einer historischen Aussage zu begreifen, heißt, sie als »Geschichtsdokumente«, als Reflexe einer historischen Wirklichkeit und als potentielle Vermittler einer genuinen, nicht aus anderen Quellen zu erschließenden historischen Erkenntnis aufzufassen.1 Grundlegend für die Bildinterpretation ist das jeweilige Erkenntnisinteresse, mithin die Fragestellung, die der Interpretation zugrunde liegt. Die Perspektive des Betrachters ist also ausschlaggebend für die Interpretation des Kunstwerks: zu den Aspekten, die im Mittelpunkt der Fragen stehen, hält es Auskünfte bereit. Neben der konkreten Bildaussage und allen unmittelbar bildbezogenen Informationen (zum Beispiel über den Künstler, den Umgang mit Farben und Material, oder die Sehgewohnheiten der Menschen in einer bestimmten Zeit) können sie auch Einsichten über Haltungen und Einstellungen der dargestellten Personen vermitteln, ohne daß dieses in der Bildthematik angelegt wäre. Eine solche Lesart von Bildern, im Hinblick auf sozialgeschichtliche Fragestellungen, soll also im folgenden anhand einiger weniger Darstellungen von Gelehrten im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit vorgestellt werden.

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Literatur

  1. 1.
    Es können an dieser Stelle nur einige Arbeiten in Auswahl zur Methodendiskussion angeführt werden; vgl. zur Methodik von historischer Seite jüngst R. Wohlfeil, Methodische Reflexionen zur Historischen Bildkunde, in: Historische Bildkunde. Probleme-Wege-Beispiele, hrsg. v. B. Tolkemitt u. R. Wohlfeil, Berlin 1991 (=Zeitschrift für Historische Forschung. Beiheft 12) und als zentralen Aufsatz zur Ikonographie immer noch: E. Panofsky, Ikonographie und Ikonologie. Eine Einführung in die Kunst der Renaissance (zuerst 1937), in: ders., Sinn und Deutung in der bildenden Kunst, Köln 1978, S. 36–66. Während der Drucklegung dieses Beitrages erschien J.-c. Schmitt, Le miroir du canoniste. Les images et le texte dans un manuscrit médiéval, in: Annales E.S. C, 48, 1993, S. 1471–1495. Die dort formulierten Gedanken zur Methodik einer sozialgeschichtlichen Bildinterpretation am Beispiel der Illumination eines juristischen Textes (S. 1471f.) stimmen in weiten Teilen mit den diesbezüglichen Ausführungen dieses Beitrages überein.Google Scholar
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    Zu den Berührungspunkten von Kunstgeschichte und Sozialwissenschaft vgl. die Vorlesung von E. H. Gombrich, Kunstgeschichte und Sozial Wissenschaft, in: ders., Die Krise der Kulturgeschichte. Gedanken zum Wertproblem in den Geisteswissenschaften, Stuttgart 1983, S. 146–185. Zur Beziehung zwischen Kunstwerken und historischen Entstehungsbedingungen exemplarisch M. Baxandall, Die Wirklichkeit der Bilder. Malerei und Erfahrung im Italien des 15. Jahrhunderts.Google Scholar
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    Unverzichtbar für einen Überblick über die mittelalterlichen Grabmäler sind die Veröffentlichungen von E. Panofsky, Tomb sculpture, London 1964 und von K. Bauch, Das mittelalterliche Grabbild, Berlin-New York 1976. Zu den Äußerungen der Chronisten Filippo Villani (nach 1381) und Riccobaldo Ferrarese (Ende 13. Jhdt.) siehe Grandi, Dottori, scultori, pittori, 1990 (wie Fn. 26), S. 358.Google Scholar
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    Das Statutenbuch wurde jüngst ediert von A.L. Trombetti Budriesi, Gli statuti del collegio dei dottori, giudici e avvocati di Bologna (1393–1467) e la loro matricola (fino al 1776), Bologna 1990. Zu den Juristenkollegien in Oberitalien vgl. U. Meyer-Holz, Collegia Iudicum. Über die Formen sozialer Gruppenbildung durch die gelehrten Berufsjuristen im Oberitalien des späten Mittelalters, mit einem Vergleich zu Collegia Doctorum Iuris (Fundamenta Iuridica. Hannoversche Beiträge zur Rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung Bd. 6), Baden-Baden 1989.Google Scholar
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    Zu den Entstehungsumständen der Miniatur, die visuell die — zu der Zeit heftig umstrittene — kaiserliche Privilegierung Bolognas bekräftigt, siehe A.L. Gabriel, Translatio Studii. Spurious dates of foundation of some early Universities, in: Fälschungen im Mittelalter, Teil I, Hannover 1988 (=MGh Schriften Bd. 33,I), S. 612–617. Vgl. auch Meyer-Holz, Collegia Iudicum, 1989, S. 34ff.Google Scholar
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  • Andrea von Hülsen-Esch

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