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Zusammenfassung

Die Quasi-Aufhebung der Wechselkursbandbreiten im Sommer 1993 markierte den vorläufigen Tiefpunkt der währungspolitischen Kooperation im Europäischen Währungssystem, das im März 1979 gegründet wurde. Die Entwicklungen, die das EWS bis heute erfuhr, waren vor allem politisch geprägt. Schon die Einführung des Systems war kein Resultat eines tiefen ökonomischen Denkprozesses, sondern das für viele unerwartete Ergebnis einer politischen Initiative. Denn die Meinung vieler Ökonomen hinsichtlich der Effizienz eines solchen Wechselkurssystems war überwiegend pessimistisch. Die politische ‘Tour de force’ der beiden Hauptakteure, des damaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und des damaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing, war trotz allem erfolgreich bei dem Bemühen, einen europäischen Wechselkursverbund zu etablieren. Dabei war die Interessenlage der Teilnehmerstaaten von sehr heterogener Natur. Die sogenannten Schwachwährungsländer erhofften sich u. a. Hilfe bei der Wiederherstellung der inneren und äußeren Stabilität ihrer Währungen, während die Starkwährungsländer, v. a. Deutschland, einen Weg suchten, sich vor einer weiteren Aufwertung und einer Passivierung der Leistungsbilanz zu schützen. Daneben war es ein gemeinsames Anliegen, durch die Etablierung einer festen Wechselkurszone in Europa einen Kontrapunkt zum US-amerikanischen Dollar zu schaffen und damit die Abhängigkeit von demselben abzuschwächen.

Copyright information

© Centaurus Verlag & Media UG 1995

Authors and Affiliations

  • Thomas Lord

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